Inhalt Einstellungen Privatsphäre
jpc.de – Leidenschaft für Musik Startseite jpc.de – Leidenschaft für Musik Startseite
  • Portofrei ab 20 Euro
  • Portofrei bestellen ab 20 Euro
  • Portofrei innerhalb Deutschlands Vinyl und Bücher und alles ab 20 Euro
0
EUR
00,00*
Warenkorb EUR 00,00 *
Anmelden
Konto anlegen
    Erweiterte Suche
    Anmelden Konto anlegen
    1. Startseite
    2. Alle Rezensionen von Kerstin1975 bei jpc.de

    Kerstin1975 Top 25 Rezensent

    Aktiv seit: 08. August 2013
    "Hilfreich"-Bewertungen: 295
    731 Rezensionen
    Blankenese - Zwei Familien

    Michaela Grünig
    Blankenese - Zwei Familien (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.09.2025

    Tragische Familiengeschichte vor dem Hintergrund des RAF-Terrors der 60er und frühen 70er Jahre



    Buchinhalt:

    Hamburg, 1968: die Jugend lehnt sich in Demos und Protesten gegen das Establishment auf, rebelliert und will einen Neuanfang. Auch Ulrike Casparius, Tochter aus gutem Hause, gerät durch ihren Freund in die Hausbesetzerszene. Schon bald dominiert die RAF das Geschehen und auch Sabine, Ulrikes jüngere Schwester, gerät in die Fänge der Terroristen. Wird die Famlie auseinanderbrechen? Die politische Situation in Deutschland ist zunehmend aufgeladen und das geht nicht spurlos an den Casparis und Jacobsons vorbei....


    Persönlicher Eindruck:

    Zeitensturm ist der dritte und abschließende Teil der Blankenese-Reihe, kann aber ohne Vorwissen aus den beiden anderen Bänden gelesen und verstanden werden. Es geht darin um zwei entfernt miteinander verwandte Familien, die Casparius', die eine Reederei besitzen und die Jacobsons, bei der der Familienvater als Staatsanwalt tätig ist. Beide haben Kinder und als Leser taucht man anhand der Figuren ein in eine Ära des Umbruchs und der erhofften Aufarbeitung der vergangenen politischen Gegebenheiten.

    Die 1960er Jahre bedeuten Umbruch: die junge Generation rebelliert als Hippies und Hausbesetzer, die Studentenproteste arten schnell in Krawall und leider auch Terror aus. Mittendrin ist Ulrike Casparius, Studentin der Journalistik. Mit ihrem Freund Lars ist sie Teil der Studentenbewegung in Berlin.

    Sabine, Ulrikes jüngere Schwester, geht nich zur Schule, wird aber gemobbt und ist ein labiler Charakter. Durch einen tragischen Zwischenfall stürzt das Mädchen in Depression und Teilnahmslosigkeit ab, wird empfänglich für Lars' Manipulationen, als dieser sich mit Baader und Meinhoff solidarisiert. Bald schon wird ie RAF auf den Plan gerufen und das Leben beider Familien gerät in Gefahr.

    Kurt Jacobson als Vertreter der zweiten Familie ist Staatsanwalt und zunächst mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit betraut, wird aber bald ins Verfassungsgericht berufen und hat dann mit den RAF-Fällen zu tun.

    Mir hat die Geschichte durchaus gut gefallen. Man kommt schnell an in der Handlung und das Lebensgefühl der 68er Generation wird vor dem inneren Auge des Lesers lebendig.

    Leider ist der Roman in meinen Augen überfrachtet an politischen Gegebenheiten. Natürlich ist es eine Ära, in der viel passiert und ich kann nachvollziehen, dass die Autorin möglichst alles von Rudi Dutschke bis AKW Brokdorf in ihren Roman packen möchte. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass manches zwar erwähnt wird, aber nicht in der Ausführlichkeit. Der Raum für die persönliche Geschichte der fiktiven Figuren wird dadurch kleiner und ich hätte mir mehr Entfaltung diesbezüglich gewünscht. Trotz allem ist es eine Geschichte, die einen an den Seiten kleben lässt. Besonders die dramatischen Entwicklungen gegen Ende und der Schluss haben mich erschüttert, es ist kaum zu fassen.

    Insgesamt ein Stück deutsche Geschichte, die noch gar nicht so lange vergangen und daher in den Köpfen der Bevölkerung noch präsent ist – verbunden mit einer Familiengeschichte, die mehrere Generationen und deren Verflechtungen zeigt.

    Lesenswert!

    Stockholm - Die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel

    Ruth Kvarnström-Jones
    Stockholm - Die fabelhaften Frauen des Grand Hôtel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.09.2025

    Interessante Einblicke in Stockholms Grand Hotel zur Zeit der Jahrhundertwende um 1900

    Buchinhalt:

    Schweden zur Zeit der Jahrhundertwende um 1900: Wilhelmina Skogh leitet als Generaldirektorin das Grand Hotel in Stockholm mit eiserner Hand. Als Ottilia aus einem Hotel in der Provinz nach Stockholm beordert wird, um eine Stelle im Grand Hotel anzutreten, verweigern die Männer des Zimmerservice die Arbeit. Frauen an der Spitze ihres Betriebs? Bei ihnen undenkbar. Kurzerhand springt Ottilia mit ein paar Zimmermädchen ein und rettet die Situation. Skogh baut daraufhin ein Team aus Frauen auf, die im Hotel die tragenden Rollen übernehmen und führt den Betrieb in die Profitzone. Die weiblichen Angestellten träumen von mehr Rechten ihren männlichen Kollegen gegenüber und zeigen, was in ihnen steckt....


    Persönlicher Eindruck:

    Die fabelhaften Frauen des Grand Hotel ist der erste Teil von Kvarnström-Jones Stockholm-Saga und befasst sich mit der Rolle der Frau im beginnenden 20. Jahrhundert. Schauplatz ist das Grand Hotel in Stockholm, dem Wilhelmina Skogh vorsteht, die den Betrieb mit eiserner Hand leitet und mehr als einmal beweist: auch eine Frau kann a de Spitze eines Betriebes stehen.

    Es sind jedoch auch die ihr Untergebenen, die beispielhaft für all die Frauen stehen, die sich um die Jahrhundertwende nach mehr Rechten und Mitsprache sehnen, sei es im Beruf oder privat. Denn sobald eine Frau damals heiratete, gab sie ihre gesamten Rechte auf, um quasi als Eigentum des Mannes komplett abhängig zu sein.

    Hauptfigur der Geschichte ist sicher die etwa 30jährige Ottilia, die aus der Provinz stammt und dort schon im Hotelfach gearbeitet hat. Ihr Wechsel ins Grand Hotel und ihre Eigeninitiative beim Streik des Servicepersonals bringt sie in eine gute Position in der Augen ihrer Chefin und auch ihre Kolleginnen, die schnell zu Freundinnen werden, blühen unter Ottilias Anleitung auf.

    Was mich sehr gewundert hat, ist der mehr als strenge Stil, dem sich das Hotelpersonal der damaligen Zeit zu unterwerfen hatte. Es durfte nicht größer mit dem Gast reden, der selbstredend natürlich immer recht hatte und dem auch nicht widersprochen werden durfte. Skoghs Führungsstil ist autoritär und es nimmt einen Wunder, dass die Hotelangestellten das so ohne Weiteres mit sich machen ließen.

    Insgesamt ist die Geschichte vielschichtig und wartet mit allerhand spannender Kurzweil auf, wobei ich nicht verhehlen kann, dass an anderer Stelle auch einige Längen im Plot zu finden waren und man einiges gestraffter hätte erzählen können. Gegen Ende des Romans wird dieser aber noch einmal richtig spannend und man fiebert der Auflösung so manchen Handlungsfadens entgegen.

    Der Einblick in die Gegebenheiten und das Leben zu Beginn der Jahrhundertwende wurden gut eingefangen und man hatte durchaus Kopfkino. Verglichen mit dem zweiten Band „Freundinnen im Kaufhaus der Träume“, welcher das Leben einiger der hier verwendeten Figuren weiter beleuchtet, war dieser erste Band ein Unterschied wie Tag und Nacht.

    Während ich Band 2 nicht empfehlen kann, hat mir Band 1 gut gefallen. Inhaltlich hat dieser auch einen befriedigenden Schluss, so dass die Lektüre des Folgebandes (bei dem es nicht mehr um das Grand Hotel geht) nicht unbedingt nötig ist.
    Ein Fest für Gemüse

    Parvin Razavi
    Ein Fest für Gemüse (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    13.09.2025

    Vegetarisches Gemüsekochbuch mit starkem orientalischen Touch - hat mich im Nachhinein enttäuscht, leider.

    Buchinhalt:

    Gemüseküche nicht nur für Vegetarier: saisonal und vielfältig, aber mit starkem orientalischen Touch präsentiert dieses umfangreiche Kochbuch. Dabei geht es um alle Arten von Blatt- und Wurzelgemüsen, Resteverwertung und auch Kombinationen mit Obst: wer gerne exotisch kocht und ungewöhnliche, fremdländische Rezepte kennen lernen möchte, ist hier richtig.


    Persönlicher Eindruck:

    Ich selbst ernähre mich seit 25 Jahren vegetarisch und war sofort hellhörig, als ich von diesem Kochbuch hörte. Gemüseküche nach Jahreszeiten, vielfältig und abwechslungsreich – wessen Interesse wird da nicht geweckt? Mir war von vorneherein klar, das die orientalische Küche in die Rezepte mit hinein spielen würde, hatte aber erwartet, dass bei einer Köchin, die Küchenchefin in Wien ist, auch europäische Gemüsegerichte eine Plattform finden. Schließlich ist das „&flora“ kein persisches Restaurant. Doch weit gefehlt. Und das hat mich im Nachhinein bitter enttäuscht.

    Das Kochbuch selbst ist sehr hochwertig aufgebaut, zeigt Portraits der einzelnen Gemüsesorten und beginnt mit einigen Grundlagen. Dabei kommen Herkunft des Gemüses (frisch oder eingelegt) genauso zur Sprache wie Kombinationsmöglichkeiten und was man mit was am besten isst.

    Jedes Rezept enthält auf einer Doppelseite Zutatenliste und Anleitung auf der einen, ein ganzseitiges, ansprechendes Bild des fertigen Gerichts auf der anderen Seite. Leider fehlen Nährwertangaben und Angaben zur Portionsgröße / Personenzahl, was ich leider bemängele. Zudem ist für jedes zweite Rezept eine Vielzahl an exotischen Zutaten nötig, die man in der Großstadt sicher irgendwo bekommt, im ländlichen Raum aber eher nicht. Die Palette geht hier von Maldonsalz, Mirin und Sumach über Kurkuma und Tahina bis hin zu Ras el Hanout. Tut mir leid, aber für ein halbes Löffelchen dieser Exoten mache ich nicht eine Weltreise durch sämtliche Supermärkte.

    Viele der Gerichte machen einen ansprechenden Eindruck, keine Frage – dennoch könnte ich sie meiner Familie nicht vorsetzen, weil ich weiß, dass sie nicht gegessen würden. Ich hatte auf bodenständigere Gemüseküche gehofft, zumindest so, dass man Zutaten tauschen oder auch weglassen könnte. Es war einfach ein Fehlgriff.

    Der Anhang des Buches beschreibt die Zubereitung von Gewürzmischungen, Würzpasten und einige Rezepte zum Einlegen.

    Abschließend möchte ich anmerken, dass ich mehr als verwundert bin, dass die europäische Gemüseküche ausgeklammert wird, die persische Köchin und Autorin aber asiatische Gerichte mit Misopaste und Sushi-Essig in ihr orientalisches Kochbuch aufnimmt. In meinen Augen will sie viel – zu viel. Der Rundumschlag ist in meinen Augen nicht gelungen, denn unkomplizierte Rezepte sehen für mich anders aus, wenn schon Teigbereitung und Backen eines einfachen Brotfladens (bei der Autorin „die Flade“ genannt) über eine Stunde brauchen.

    Mich haben die Rezepte nicht angesprochen, meine Erwartungen lagen woanders. Das Kochbuch ist geeignet für diejenigen, denen es in der Küche nicht exotisch genug sein kann, für mich war es leider nichts.

    Rein vom Material her dürfte man bei einem Kochbuch der höheren Preisklasse (36 €) zudem eine höherwertige Verarbeitung erwarten. Das Cover des Buches hat keinerlei Schutzlack und ist bereits an den Kanten berieben, wenn man es noch nicht mal geöffnet hat. Das ist gerade dann enttäuschend, wenn ein solches Buch ein Geschenk sein soll. Tut mir leid, aber das geht besser.
    Stockholm - Freundinnen im Kaufhaus der Träume

    Ruth Kvarnström-Jones
    Stockholm - Freundinnen im Kaufhaus der Träume (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    07.09.2025

    Ein Märchen der Unglaubwürdigkeiten, an den Haaren herbeigezogen. Absolut realitätsfremd.

    Buchinhalt:

    1912 eröffnet Unternehmer Josef Sachs in Stockholm ein Nobelkaufhaus für die betuchte Kundschaft – ein prunkvoller Konsumtempel, den Nordeuropa bislang nicht gesehen hat. In diesem Kaufhaus ist unter anderem Märta in der Handschuhabteilung beschäftigt. Ihr Verlobter ist Deutscher und bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrt dieser in die Heimat zurück – wird Märta ihn je wiedersehen? Doch auch die anderen Frauen ihrer Freundesclique haben mit Unwägbarkeiten und persönlichen Problemen zu kämpfen....


    Persönlicher Eindruck:

    Freundinnen im Kaufhaus der Träume ist der Folgeband zu Kvarnström-Jones' Geschichte um Stockholms Grandhotel, hat aber bis auf einige lockere Bezüge keinerlei inhaltliche Verbindungen und kann daher vollkommen ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Es geht vorwiegend um eine Clique aus etwa sieben Frauen, die alle mehr oder minder mit dem Nobelkaufhaus Nordiska Kompaniet zu tun haben, dort arbeiten oder Verbindungen zu Mitarbeitern haben, deren Alltag und Leben im Stockholm zur Zeit des Ersten Weltkrieges.

    Von der Warte des studierten Wirtschaftswissenschaftlers aus muss ich sagen: der Plot bezüglich des Unternehmertums von Josef Sachs ist vollkommen unglaubwürdig. Die Autorin stellt Sachs als mildtätigen Wohltäter und Samariter heraus. Sachs entlässt auch nie nur einem Mitarbeiter, im Gegenteil stellt er zahlreiche Mitarbeiter ohne größere Qualifikation ein, bietet soziale Absicherung für Witwen ehemaliger Mitarbeiter und zahlt ständig Boni und Zuwendungen. Alle Mitarbeiter leisten ausnahmslos das Beste, sind unfehlbar und die Kaufhausmannschaft versteht sich als große Familie. Der Gipfel ist, dass sich Sachs an einer Stelle von einer Bewerberin auf niederer Position sogar in seine Unternehmensführung rein quatschen lässt und schließlich einer Ladendiebin nach deren Entdeckung das Diebesgut schenkt, sie nicht anzeigt und sogar als „Markenbotschafterin“ einstellt. Tut mir leid, aber das ist alles ein schönes Märchen aber total an der Realität vorbei.

    Auch würde nie ein Firmenchef eine einfache Handschuhverkäuferin, die mit ihrer Stelle unzufrieden ist, in die Filiale nach New York schicken, damit sie dort Verkäuferin für Damenoberbekleidung wird. Eine Bewerberin für eine freie Stelle auf dieser Position fände sich in New York billiger an jeder Straßenecke. Wer soll das also glauben?

    Ein Unternehmer war damals wie heute an Gewinnmaximierung gebunden, wenn sein Betrieb, so wie Sachs' Kaufhauskette, am Markt bestehen soll. Das von der Autorin beschriebene schwedische Kaufhaus-Bullerbü ist daher durchweg realitätsfern.

    Des Weiteren fehlt der Geschichte ein spannendes Element, das den Leser an die Seiten fesselt. Im Grunde plätschert der Plot so dahin, man erlebt den Alltag der Figuren, hat aber immer die Frage im Hinterkopf: ist das alles? Das Buch ist eindeutig viel zu lang (570 Seiten) und die Handlung bleibt nicht lange im Gedächtnis.

    Die Figuren, allen voran die Frauenclique, die teilweise verschwistert aber auch nur so befreundet sind, sind relativ austauschbar und blass. Da dieses Buch nicht das erste mit Kaufhausplot ist, das ich gelesen habe, habe ich durchaus Vergleiche. Ich sage offen: ich hatte nie Probleme damit, das Buch beiseite zu legen, denn spannend war es nicht für mich.

    Letztendlich taugt der Stoff für eine gewisse Unterhaltung für langweilige Stunden, aber einen Reißer darf man nicht erwarten. Wer etwas Wert legt auf Authentizität und Tiefe, sollte zu einem anderen Werk greifen – es lohnt sich hier einfach nicht.

    Eine Empfehlung mag ich nicht wirklich aussprechen.
    Uns führt der Mut

    Sylvia B. Barron
    Uns führt der Mut (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.09.2025

    Packender erster Teil einer Familiengeschichte zur Zeit der Weimarer Republik - sehr spannend!

    Buchinhalt:

    Dresden zur Zeit der Weimarer Republik: der Unternehmer Otto Kaiser produziert in seiner Firma in zweiter Generation erlesene Metallformen für die Schokoladenproduktion – Osterhasen, Nikoläuse aber auch Blechdosen und Schilder. Seine Tochter Emma arbeitet als Buchhalterin in der Firma und als aufgrund der Wirtschaftskrise viele Aufträge wegbrechen, macht sich Emma persönlich Vorwürfe, als das Unternehmen in die rotten Zahlen gerät. Auch die politisch gleicht Deutschland einem Pulverfass: die NSDAP unter Hitler wird immer stärker, Juden und Kommunisten werden bedroht und sogar Emmas Familie gerät ins Fadenkreuz. Wird das traditionelle Familienunternehmen, das so viele Familien ernährt, langfristig erhalten bleiben?


    Persönlicher Eindruck:

    In ihrer Familiensaga "Schicksalsjahre" um die Unternehmerfamilie Kaiser aus Dresden nimmt Autorin Barron ihre Leser mit in die Zeit der Weimarer Republik. Politische Unruhen, handlungsunfähige Regierung und allgegenwärtige Arbeitslosigkeit nach dem Ersten Weltkrieg bestimmen den Alltag der Menschen, auch die Firma Kaiser, ein Produzent in der metallverarbeitenden Industrie Dresdens, ist davon betroffen. Mehr und mehr Menschen flüchten sich zu den beiden extremen politischen Lagern, vor allem die Nationalsozialisten unter Hitler erfahren regen Zulauf.

    Emma ist die jüngste von Kaisers Kindern und in der Buchhaltung des elterlichen Betriebs tätig, ebenso wie ihr Vater zählen für sie in der Firmenphilosophie christliche Werte und Nächstenliebe. Die Kaisers sehen sich in der Verantwortung für ihre Mitarbeiter. Aufgrund des Erstarkens der NSDAP gerät auch Emmas Familie bald in den Fokus der Machtgierigen – Emmas Schwägerin ist Jüdin.

    Während Emma zunächst auf eine Herat mit Schokoladenfabrikant Franz hofft, lernt sie im Betrieb schließlich den Arbeiter Max kennen. Franz entpuppt sich immer mehr als Anhänger Hitlers und auch Max hat Geheimnisse. Die alles entscheidende Frage lautet: können die Kaisers ihren Betrieb durch die Krise retten und sich selbst treu bleiben?

    Ich habe selten so einen spannender Roman aus der Zwischenkriegszeit gelesen – sobald man einmal begonnen hat, klebt man förmlich an den Seiten und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Die historische Einbettung der Geschichte ist der Autorin wunderbar gelungen, sie greift das Flair und die Denke der Menschen zur Zeit der Weimarer Republik gekonnt auf und zeigt ach unverblümt das Erstarken der Nationalsozialisten und ihres Führers Adolf Hitler. Man kann durchaus nachvollziehen, wie sehr sich die Menschen zur damaligen Zeit an Parolen hingen, die einfache Konzepte versprachen – und welche Folgen daraus entstanden.

    Die Gegensätzlichkeit zwischen Franz und Max könnte größer nicht sein, doch Emma erkennt sehr früh, was sie selbst will und was sie mit ihrem Gewissen vereinbaren kann.

    Der christliche Kontext ist dezent aber spürbar in den Plot eingewoben und beschäftigt sich in erster Linie mit der Aussage, dass Gott für die, die an ihn glauben, sorgt, auch wenn es aussichtslos erscheint.

    Da es sich um eine mehrbändige Reihe handelt, endet dieser erste Band mit einem Cliffhanger, man darf also gespannt sein, wie es weiter geht. Ein wirklich sehr empfehlenswerter historischer Roman aus der Zwischenkriegszeit, am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, der sich aber angenehm von der Masse des Mainstream abhebt.

    Eine absolute Leseempfehlung – vielschichtig und spannend, mit tollen Figuren!

    Die Frauen vom Rosenhag. Sehnsucht nach Freiheit

    Corina Bomann
    Die Frauen vom Rosenhag. Sehnsucht nach Freiheit (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.08.2025

    Atemberaubende Fortsetzung der Schweden-Reihe - spannend und vielschichtig. Absolute Leseempfehlung!

    Buchinhalt:

    Karlskrona, Schweden 1910: Marlene und Liv haben inzwischen das Rosenhag gegründet, ein Haus für in Not geratene Frauen, das sie auch selbst bewohnen. Dank des Hauses hoffen alle auf einen Neuanfang, doch Livs Mann, der Reeder Boregard, kommt auf Kaution aus dem Gefängnis frei und wieder ist das Leben der Frauen bedroht. Die Männer sehen nicht ein einen Teil ihrer Macht aus den Händen zu geben und schrecken auch vor dem Äußersten nicht zurück. War das Rosenhag nur ein gut gemeinter Traum oder schaffen es die Frauen, selbständig ihren eigenen Weg zu gehen?


    Persönlicher Eindruck:

    Im zweiten Band ihre Dilogie „Die Frauen vom Rosenhag“ knüpft Autorin Bomann nahtlos an die Geschehnisse vom ersten Band an und somit ist das Buch auch nur als Fortsetzung lesbar. Spannend und mitreißend geht die Geschichte um Kapitänswitwe Marlene und Reedergattin Liv Boregard weiter, die im alten Wildhüterhaus inzwischen das Rosenhag gegründet haben, ein Haus für in Notlagen geratene Frauen.

    Neue Begegnungen, Zweifel und Vertrauensbrüche trüben das Bild des Neuanfangs für die beiden Freundinnen. Doch schon bald kommt eine erste Bewohnerin dazu, die ebenfalls Geheimnisse hat und nicht nr deswegen steht das Vorhaben alsbald auf der Kippe. Sten Boregard sitzt zwar im Gefängnis, doch das Urteil ist noch nicht in Stein gemeißelt.

    10 Jahre nach der Jahrhundertwende angesiedelt vermittelt der Roman ein anschauliches Bild vom Leben im Schweden des beginnenden 20. Jahrhunderts. Auch wenn alles harmonisch erscheint, so haben Frauen noch immer keine Rechte, sind ihren Ehemännern untergeordnet und haben noch nicht mal das Recht, über das eigene Tun zu bestimmen. Da sich Marlene und Liv mit ihrer modernen Einstellung der der Männer entgegensetzen, schrecken diese auch nicht vor lebensbedrohenden Maßnahmen zurück.

    Gut gefallen hat mir der Zusammenhalt und die tolle Beschreibung des Settings – es war wie ein Zurückkommen an einen lieb gewonnenen Ort, verbunden mit packenden Wendungen und einer sehr spannenden und wenig vorhersehbaren Grundhandlung.

    Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, sind relativ kurz und so springt man auch immer wieder von einem Schauplatz zum anderen, ehe es woanders dann weiter geht. Das erhält die Spannung ungemein und ich hatte Mühe, das Buch zwischendurch überhaupt einmal wieder aus der Hand zu legen.

    Insgesamt eine tolle, sehr empfehlenswerte Dilogie, die alles vereint, was einen Romane zum Reißer macht: gut recherchiertes historisches Setting, starke, nachvollziehbare Figuren, Liebe und Spannung.

    Eine absolute Leseempfehlung, hat mir sehr gut gefallen!
    Blau

    Nana Ekua Brew-Hammond
    Blau (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.08.2025

    Ansprechendes Bilderbuch um die Farbe Blau mit ganzseitigen Bildern. Toll gemacht.

    Buchinhalt:

    Die Farbe Blau begegnet uns täglich – in Himmel oder Wasser oder als Farbe in verschiedenen Textilien. Doch wie haben Menschen in alter Zeit das Blau gewonnen und warum war es mitunter so teuer, dass sich nur ganz Reiche blaue Kleider leisten konnten? Dieses Bilderbuch geht der blauen Farbe nach und erzählt von den Menschen, die damit zu tun hatten.


    Persönlicher Eindruck:

    Blau ist ein Bilderbuch für ein empfohlenes Lesealter ab 6 Jahren, zum Vorlesen geeignet und mit wirklich außergewöhnlich schön gemachten, ganzseitigen Bildern. Es geht um die Farbe Blau, wo sie uns begegnet, wie blaue Farbe einst gewonnen wurde und was das Blau damals so teuer machte.

    Rein optisch und layoutmäßig kommen die ganzseitigen, sehr bunten Bilder mit relativ wenig Text aus und sind dennoch aussagekräftig. Früher waren es meist Naturmaterialien, die einen Farbstoff lieferten und so kommen z.B. auch Meeresschnecken vor, die natürlich selten waren und das Blau dementsprechend kostbar und nur für die Oberschicht erschwinglich.

    Es ist eine Entdeckungsreise zu verschiedenen Völkern, das Buch ist wie gesagt sehr bunt und spricht auch beim Anschauen kleine und große Leser gleichermaßen an.

    Was mir sehr gefallen hat, ist das Format. Ich kennen aus dem Gratitude Verlag bereits ein anderes Kinderbuch, das mit seiner quadratischen und etwas überdimensionierten Form nicht ganz so gut auch in Kinderhänden liegt wie dieses. Auch die Haptik und die Qualität des Papiers können sich sehen lassen.

    40 Seiten, wenn auch fest gebunden, sind für 20 € Kaufpreis eher höheres Preissegment, aber ich finde, es lohnt sich. Das Buch sticht auf jeden Fall aus der Masse des Bilderbuch-Mainstreams heraus.
    Die Melodie der Gnade

    Bruce Hindmarsh
    Die Melodie der Gnade (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    22.08.2025

    Inhaltlich durchaus interessant aber stellenweise sehr zäh. Keine leichte Kost - ein Pageturner war es nicht.

    Buchinhalt:

    Der im 18. Jahrhundert lebende John Newton, von dem das bekannte Kirchenlied „Amazing Grace“ stammt, ist Hauptfigur dieser Biografie, die die beiden großen Lebensabschnitte des ehemaligen Seefahrers, Sklavenhändlers und schließlich dann Pastors beleuchtet. Dabei bedienen sich die beiden Autoren einer sehr genauen Quellenrecherche, fügen aber auch fiktive Passsagen mit ein, um die Lücken im Leben der Hauptfigur erzählerisch zu füllen. Wer war der Mann, der einen Sinneswandel vom Saulus zum Paulus durchlebte und schließlich für das berühmte Leid verantwortlich zeichnete?


    Persönlicher Eindruck:

    „Amazing Grace“ verbinde ich persönlich mit verschiedenen Personen und Begebenheiten und habe mir eigentlich noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie es entstanden sein könnte und was der Auslöser dafür war. Daher kam für mich dieser biografische Roman gerade zur richtigen Zeit. Dennoch bin ich sehr zwiegespalten – einerseits gibt er durch fundierte Recherche ausreichend Aufschluss über die Beweggründe und das Leben des Verfassers, andererseits will die Geschichte einfach zu viel auf einmal.

    Warum empfinde ich so? Nun, zunächst liest sich das Buch wie ein Seefahrerroman á la Horatio Hornblower, zeigt Entbehrungen und das schonungslose alltägliche Leben auf den Segelschiffen im 18. Jahrhundert, will aber gleichzeitig Erweckungs- und Bekehrungsgeschichte sein für die Hauptfigur, den Kapitänssohn John Newton. Denn seine Bekehrung, wenn man es so will, ist der Auslöser für einen radikalen Sinneswandel und schließlich für die Entstehung von „Amazing Grace“. Doch ich frage mich: warum spielt das Lied, das hier sogar titelgebend ist, erst im letzten Viertel der Geschichte überhaupt eine Rolle und dann auch nur derart untergeordnet?

    Newton wächst auf bei seinem Vater, einem strengen und erbarmungslosen Kapitän, dem er nie wirklich genügt. Später wird er zur Marine verschleppt und landet als Matrose auf einem Sklavenschiff, wird nach Jahren selbst Kapitän und kauft Sklaven ein – erst das Erlebnis, bei einem furchtbaren Sturm von einer höheren Macht gerettet worden zu sein, lässt Newton innehalten und sein Leben neu überdenken. In der zweiten Hälfte seines Daseins wird er schließlich Pastor und Liederdichter, wendet sich Gott zu und ändert sein Leben radikal.

    Ich bin ehrlich: viele Dinge wurden sehr ausführlich geschildert, andere dafür recht schnell abgehandelt. Zu keiner Zeit war das Buch für mich eine spannende und leicht zu lesende Lektüre. Durch zahlreiche Längen, insbesondere in der Seefahrerzeit Newtons, bläht sich der Plot derart auf, so dass ich öfter dachte: wenn sich jetzt nicht bald mal was tut, lese ich quer. Und das ist das k.o-Kriterium für jedes Buch.

    Zweifelsfrei ist der Sinneswandel, den Newton durchlebt, bewegend und interessant, doch ich hatte einfach mehr erwartet hinsichtlich des berühmten Liedes und das war dann doch eher eine Randerscheinung. Schade.

    Insgesamt ein Buch für eingefleischte Fans von Biografien, aber eher kein Buch für historisch Interessierte, die auch eine spannende und mitreißende Handlung erwarten.

    Ich kann nur eine mittlere Bewertung von drei Punkten geben. Ein Pageturner war es auf keinen Fall.
    Wir Mädchen vom Kiez

    Juliane Jensen
    Wir Mädchen vom Kiez (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.08.2025

    Mitreißender Roman vom St. Pauli der Nachkriegszeit, um Freundschaft und Zusammenhalt

    Buchinhalt:

    1953 flieht die junge Hanna vom Bauernhof ihres übergriffigen Stiefvaters und kommt nach Hamburg, ins berüchtigte St. Pauli. Prompt wird sie überfallen, erfährt aber Rettung durch Richard, den Hausmeister im Puff von Puffmutter Evke. Zunächst ist Hanna entsetzt über das sündige Viertel mit Reeperbahn und Hermannstraße, doch unter den Fittichen der Seemannswitwe Rieke, die im Erdgeschoss des Etablissements eine eigene Wohnung hat und inmitten der Hilfsbereitschaft, die ihr im Haus begegnet, findet Hanna schnell ein neues Zuhause. Hanna möchte sich mit einem Kleinunternehmen eine eigene Existenz aufbauen und kann dabei auf Richards Hilfe zählen, doch sein Herz bleibt Hanna verschlossen....


    Persönlicher Eindruck:

    Schon lange habe ich keinen derart mitreißenden Roman aus der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit gelesen, der schon auf den ersten Seiten dafür sorgt, dass ich als Leser direkt an den Schauplatz der Handlung gesaugt werde: Wir Mädchen vom Kiez ist eine authentische Geschichte aus St. Pauli, der berüchtigten Amüsiermeile Hamburgs. Hanna als Landei verschlägt es genau dort hin und prompt landet sie nach einem Überfall im Puff von Evke, wo man sich ihrer Verletzungen annimmt und sie nett und freundlich behandelt.

    Natürlich liegt es Hanna mehr als fern, selbst Teil des Rotlichtmilieus zu werden, doch sie weiß nicht wohin und ist dankbar, dass sie von Rieke, einer Freundin von Puffmutter Evke, als Untermieterin aufgenommen wird. Die Gegenleistung: sie muss im Puff putzen und ab und zu für alle kochen. Auch der kriegsversehrte Hausmeister Richard ist Hanna gewogen und unterstützt sie, als sie sich schließlich mit einem Kleinunternehmen selbständig machen will. Zusammen mit Evke, deren Mädels und Richard findet Hanna ein neues Zuhause in der Großstadt.

    Mir hat der Schreibstil, der sehr eingängig und bildhaft ist, sehr gut gefallen und ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen. Der Zusammenhalt der Prostituierten in Evkes Laden, die Freundlichkeit, mit der Hanna bedacht wird und die geschlossenen Freundschaften haben mich sehr beeindruckt.

    Viele Probleme der damaligen Zeit werden angesprochen, denn trotz aufkommendem Wirtschaftswunder sind viele Kriegsnarben noch immer in Hamburg zu sehen und das Leben ist nicht leicht. So hat auch die halbwüchsige Tochter von Evke, Lorelei, mit Spott und Häme zu kämpfen, weil ihr Vater und respektive sie selbst dunkelhäutig ist.

    Zahlreiche historische Begebenheiten, wie das Endspiel der Fußball-WM in Bern werden im Buch verwendet, so dass sich eine authentische, historisch nachvollziehbare Kulisse für die Handlung ergibt. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz, wobei viele Irrungen und Wirrungen nötig sind, bis Hanna hinter die Schale des vom Krieg traumatisierten Richard gelangt.

    Der Schluss ist rund und harmonisch und wartet davor noch mit einem wahrhaften Showdown auf, doch die Möglichkeit einer eventuellen Fortsetzung mit Lorelei als Hauptfigur hält sich die Autorin mit einem kleinen Cliffhanger ebenfalls offen. Schön wär's – ich wäre auf jeden Fall erfreut, wenn die Handlung fortgesetzt werden würde.

    Fazit: Eine absolute Leseempfehlung für alle, die historische Romane mit tiefgängiger Handlung und sympathischen Figuren lieben!
    Der Barmann des Ritz

    Philippe Collin
    Der Barmann des Ritz (Buch)

    1 von 5 Sterne Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.08.2025

    Große Enttäuschung - ich kann keinerlei fortlaufende Handlung erkennen und habe nach 250 Seiten abgebrochen.

    Buchinhalt:

    Paris in den 1940er Jahren: Frankreich ist von den Deutschen besetzt, die auch im mondänen Nobelhotel Ritz ein und aus gehen – in eben jenem Ritz ist Frank Meier Barmann und kredenzt der Hautevolée Cocktails vom Feinsten. Was keiner wissen darf: Meier ist Jude, ebenso sein Gehilfe Luciano und die Frau des Direktors....


    Persönlicher Eindruck:

    Ich habe mir sehr viel erhofft von diesem Buch, das eine Mischung sein soll aus Biografie (denn Frank Meier existierte tatsächlich) und fiktionalem Roman aus der Zeit des Nationalsozialismus. Leider konnte das Buch meine Erwartungen in keiner Weise erfüllen. Der Erzählstil ist episodenhaft und wird unterbrochen von Kapiteln aus dem Tagebuch des Frank Meier, wobei ich davon ausgehe, dass eben gerade diese Passagen der Fantasie des Autors entspringen und lediglich die Funktion eines Erzählers haben, der dem Leser die Hintergründe aus dem Leben der Hauptfigur verdeutlichen sollen.

    Bedauerlicherweise konnte ich weder eine fortlaufende, zusammenhängende Handlung erkennen, der der Leser gebannt folgen kann noch wurde ich warm mit der Hauptfigur. Der Erzählstil ist durchweg distanziert und es springt keinerlei Funke zum Leser über, von Identifikationspotential möchte ich gar nicht reden.

    Frank Meier als Hauptperson ist auch keineswegs jemand, mit dem man sich identifizieren kann oder den man als „Helden“ der Geschichte sehen könnte – Meier ist ein Blender und Opportunist, hängt sein Fähnchen in den Wind dorthin, wo er einen Nutzen daraus zieht und hat neben seinem Beruf als Barmann allerlei krumme Geschäfte am Laufen, von Morphiumdeals für seine Geliebte bis zu illegalen Pferdewetten, die er unter der Theke abwickelt. Meier kommt aus ärmlichen Verhältnissen, arbeitet sich in den USA zum Barmixer hoch, diente in der Fremdenlegion und hält nirgends hinterm Berg, was für ein toller Barmann er doch ist – der Beste, wenn es nach ihm geht. Dieses Großspurige macht ihn für mich nicht gerade zu einem Sympathieträger.

    Daneben tauchen eine Unmenge Namen und Personen auf, teilweise bekannt, teilweise unbekannt (fiktiv?): Intellektuelle, Künstler, High Society. Und Meier spielt mit ihnen wie mit einem unsichtbaren Orchester. Dann noch die deutschen Offiziere. Bei manchen macht Meier ebenfalls lieb Kind – dennoch sind ihm alle Deutschen als Boches verhasst, und das, obwohl er selbst gar kein gebürtiger Franzose ist.

    Lange Rede, kurzer Sinn: auf was der Roman hinaus will, hat sich mir nicht erschlossen und ich habe auch nicht den Eindruck, dass es in der zweiten Hälfte eine nennenswerte Änderung dessen geben würde. Nichts von dem, was ich gelesen habe, bleibt lange im Gedächtnis haften, so dass ich nach etwa der Hälfte des Buches beschlossen habe: ohne mich. Ich habe auf Seite 250 entnervt abgebrochen.

    Im Anhang des Buches finden sich einige Originalfotos von Personen, die real existierten nebst kleinen Steckbriefen.

    Für mich war dieser hochgelobte historische Roman ein Flop, eine Enttäuschung, für die ich keine Leseempfehlung geben kann.
    Sein Wort auf den Lippen

    Claudia Dahinden
    Sein Wort auf den Lippen (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.08.2025

    Historischer Roman mit sehr starkem christlichem Bezug - die Handlung konnte mich inhaltlich leider nicht überzeugen

    Die Erweckungsbewegung in der Schweiz im ausgehenden 19. Jahrhundert ist das zentrale Thema dieses historischen Romans. Der christliche Bezug ist wirklich sehr stark ausgeprägt und wer glaubt, die Suche der Hauptfigur nach ihren Wurzeln, sprich der leiblichen Mutter, bleibt Dreh- und Angelpunkt, der wird bald eines Falschen belehrt. Mittelpunkt der Geschichte ist Charlottes neue Gemeinde und ihre Frömmigkeit.

    Charlotte ist emotional entwurzelt, seit sie erfuhr, dass ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind und sucht nach Antworten. Bei ihrem Patenonkel in Bern angekommen, kommt sie schnell in die Fänge einer doch sehr vereinnahmenden Freikirche (die evangelische Kirche der Schweiz ist es jedenfalls nicht) und ist auch mehr als empfänglich dafür, dass man sie dort wie ein Familienmitglied annimmt, sobald sie sich vor Ort öffentlich zum Glauben bekehrt.

    Das ist alles erst mal nicht schlimm und auch löblich; die Aussage, dass Gott jeden Menschen so annimmt, wie er ist, spricht zweifelsfrei auch den Leser an. Was mich jedoch sehr gestört hat, ist der nahezu sektenhafte Charakter der neuen Gemeinde von Charlotte. Der Absolutheitsanspruch, den Amos Stuber (der Gemeindevorstand) und Elias Weber (Pfarrer) vertreten, war mir nicht wirklich geheuer: „die da draußen“ hätten „nicht die richtige Lehre“ und nur man selbst die Weisheit sprichwörtlicherweise mit Löffeln gefressen. Sorry, aber das klang mir alles zu fanatisch. Charlotte ist in ihrer Situation labil und formbar und alles, was die Stubers ihr sagen, fällt dementsprechend auf fruchtbaren Boden. Hinterfragt wird so gut wie nichts und auch dass Charlottes Onkel sie einfach gewähren lässt, klingt für mich sehr fragwürdig.

    Die Einblicke in die Arbeit der Heilsarmee, die in Bern an Bedürftige Suppe ausgibt und das Wort Gottes predigt, fand ich sehr interessant, denn Heilsarmee und Freikirche stehen einander zunächst als zwei Parteien gegenüber und dabei war mir die Heilsarmee weitaus sympathischer als die doch recht verbohrte Freikirche.

    Später im Roman fängt Charlotte an, selbst zu predigen und eckt dabei mit Stuber und dem Pfarrer an, die der Meinung sind, Frauen haben in der Kirche zu schweigen und sich dem Mann unterzuordnen. Ob sich Charlotte daran hält, verrate ich nicht, mir war aber der freikirchliche Touch (die Autorin ist selbst ebenfalls Mitglied in einer solchen) zu intensiv und der Plot als solcher einfach zu langatmig.

    Alles in allem fehlte mir in der Geschichte das durchgehend spannende Element. Die Autorin legte ihren Schwerpunkt auf die Erweckungsbewegung und die christliche Grundthematik, aber um den Leser an die Seiten zu fesseln, reicht das einfach nicht.

    Eine wirkliche Leseempfehlung kann ich nicht geben, es gibt weitaus mitreißendere Romane im christlichen Genre. Mich hat Frau Dahinden mit ihrem Buch nicht überzeugt.
    Duftwickensommer

    Sylvia Lott
    Duftwickensommer (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.07.2025

    Schöner und anheimelnder Sommerroman auf zwei Zeitlinien. Hat mir sehr gut gefallen!

    Buchinhalt:

    England, 1911: Die junge Deutsche Anni arbeitet als Vorleserin bei einer reichen englischen Adligen. Als die Tageszeitung Daily Mail einen Wettbewerb um den schönsten Wickenstrauß Englands ausruft, ist auch Anni schnell im Wickenfieber: mit dem Preisgeld und ihrer Freundin möchte sie eine Weltreise machen. Doch noch ist der Sommer nicht zu Ende und die wachsende Trockenheit macht nicht nur Annis Wickenbeet zu schaffen...

    Borkum, 2024: Die frisch geschiedene Marieke hat sich auf der Insel ein Insulanerhäuschen gekauft, das einst einer gewissen Anni gehörte. Dort möchte sie zur Ruhe kommen und neu anfangen. Als sie durch die üppigen Wicken am Gartenzaun den Biologen Tibo kennen lernt und zusammen mit ihm von ihrer Nachbarin Alwine die Geschichte um das Inselhäuschen hört, verbinden sich auf wundersame Weise beide Geschichten.


    Persönlicher Eindruck:

    Zwei Geschichten aus zwei unterschiedlichen Epochen – eine Gemeinsamkeit: Duftwicken. Die duftenden Rankpflanzen mit den Schmetterlingsblüten verbinden die Schicksale zweier Frauen, die zunächst gar nichts miteinander zu tun haben, letztendlich durch das Häuschen auf Borkum aber eine Art Seelenverwandschaft zusammenfügt, die das Buch zu einem absoluten Leseerlebnis macht.

    Kurz vor dem Ersten Weltkrieg fällt ganz England in ein Wickenfieber: durch einen Wettbewerb der Daily Mail und das hohe Preisgeld für den Gewinner pflanzen plötzlich Menschen aller Schichten Duftwicken an. So auch Anni, eine Deutsche, die in Diensten einer Adligen steht und dort als Vorleserin tätig ist. Man erfährt aber auch von Meg und Millie, Annis Freundinnen und taucht zusammen mit ihnen schnell in eine vielschichtige Geschichte aus historischer Zeit ein. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz: während Jim, der einen Gartenbaubetrieb führt, um Anni wirbt, ist diese auch fasziniert von Lord Ramsgate, einem Reporter, der jedoch in Adelskreisen verlobt ist.

    In der Gegenwart ist es Marieke, die durch die Wicken in ihrem Garten auf Borkum neue Kontakte knüpft. In dem Botaniker und Umweltaktivisten Tibo findet sie eine verwandte Seele, denn Marieke ist frisch geschieden und leidet noch immer unter einer mysteriösen Depression, die ihr das Zugehen auf andere Menschen oft unmöglich macht. Tibo ist der Fels in der Brandung, eine ehrliche Haut und auch in der Nachbarin Alwine findet Marieke eine Stütze.

    Ich gebe ehrlich zu: eich hatte ein bisschen Einstiegsschwierigkeiten in den Roman. Einerseits waren mir die vielen Namen und Personen im historischen Teil am Beginn zu viel und auch mit Marieke wurde ich nicht recht warm. Sie kam mir überheblich und zynisch vor und ihr Charakter änderte sich erst mit der Zeit. Je länger ich allerdings im Buch las, desto mehr fasste ich darin Fuß und konnte den Roman später kaum mehr zur Seite legen.

    Spannung, Historisches, Liebe und Freundschaft, aber auch Verrat und Ränkespiele verweben beide Geschichten, so dass lange Zeit nicht klar ist, wie diese enden bzw. zusammenfinden. Es gäbe sogar noch genügend Stoff für eine Fortsetzung, denn der Schluss ist zwar stimmig und rund, aber nicht alle Fragen werden komplett beantwortet und bleiben so der Fantasie des Lesers überlassen.

    Insgesamt empfand ich die Gesamtgeschichte als heimelig und tiefgängig, mir hat der Roman sehr gefallen so dass ich eine absolute Leseempfehlung geben kann. Dieses Buch hat auf alle Fälle das Potential, mehrfach gelesen und immer wieder neu entdeckt zu werden!
    Eine unmögliche Braut

    Jody Hedlund
    Eine unmögliche Braut (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    24.07.2025

    Seichte, übertrieben dargestellte Liebeskomödie ohne Tiefgang, keine Leseempfehlung!

    Buchinhalt:

    St. Louis, 1849: Finola, Tochter aus wohlhabendem Hause, soll unter die Haube – dazu engagiert die irische Einwandererfamilie einen Heiratsvermittler, der die Ehe arrangieren soll. Denn die Eltern haben genaue Vorstellungen von ihrem künftigen Schwiegersohn: ein Ire soll es sein, unbedingt Katholik, aus denselben Kreisen soll er entstammen und der Familie Ehre machen. Doch Finola denkt nicht daran, zu heiraten. Sie will ins Kloster eintreten und Nonne werden – 12 Heiratskandidaten hat sie schon vergraulen können. Als sie bei einem Unfall von Riley, einem irischen Wagenbauer, gerettet wird, der beim selben Heiratsvermittler in der Kartei steht, kommt eins zum anderen: Finola und Riley sind das Paar, das der Heiratsvermittler im Sinn hat, zu verkuppeln....


    Persönlicher Eindruck:

    Ich habe schon viele Bücher der Autorin gelesen und bislang immer gedacht, von ihr jeden Titel mit Begeisterung zu verschlingen – doch diesmal war ich einfach nur enttäuscht. Eine unmögliche Braut ist eine überspitze, sehr seichte und vorhersehbare Liebeskomödie, deren Handlung sich in zwei Sätzen zusammenfassen lässt: es geht darum, dass Finola in eine arrangierte Ehe gedrängt wird, lieber ins Kloster ginge und zwei Menschen sich wie Hund und Katze hinterher fauchen, um letztendlich dann zusammenzukommen. Mehr nicht. Und das war mir zu wenig – dafür sind keine 300 Seiten nötig.

    Finola ist die typische Tochter aus gutem Hause, die Familie ist irisch und ein Ire soll auch der Zukünftige sein. Es wird in der irischen Community von St. Louis munter und ausschließlich untereinander geheiratet und der Heiratsvermittler ist derjenige, der am besten weiß, wer zusammenpasst. Im Grunde eine längst ausgelutschte Idee, denn Ehen werden in dieser Epoche wohl ausschließlich arrangiert geschlossen und hinterher wächst die ach so große Liebe daraus – ja, wer's glaubt.

    Während die Figur der Finola noch für diese Epoche authentisch angelegt wurde, ist Riley, ihr männlicher Gegenpart, ein übertrieben gezeichneter Universalheld, der tagtäglich jeden rettet, der ihm über den Weg läuft – ob Jungfer in Nöten, ein beim Eislaufen ins Eis eingebrochenes Kind oder ein Ertrinkender. Egal wo etwas passiert, Riley ist vor Ort, lässt alles fallen und stürzt sich in eine Rettungsaktion nach der anderen, so soft, dass es einfach unglaubwürdig wirkt.

    Letztendlich geht es um den Konflikt zwischen Pflichterfüllung den Eltern gegenüber (Ehe) und dem Versprechen an sich selbst (Nonne zu werden). Natürlich ist die Oberin des Ordens absolut für Letzteres, schließlich hat sie für den Fortbestand des Klosters zu sorgen. Die Einzige, die meiner Meinung nach Rückgrat hat und sich nicht vor den Karren spannen lässt, ist Enya, Finolas jüngere Schwester, die einen Protestanten poussiert und schließlich mit diesem durchbrennt und damit zeigt, dass sie eine eigene Meinung hat.

    Der christliche Aspekt der Geschichte ist so gut wie gar nicht vorhanden. Erst gegen Ende kommt ein bisschen Spannung auf – der Beginn ist zäh und überzuckert-süßlich, eben auf Romantikkomödie getrimmt. Schade, denn von Frau Hedlund kommen normal tiefgängige Geschichten zum Nachdenken, was sie hier geritten hat, vermag ich nicht zu sagen.

    Einzig die historische Einbettung und den Einblick in die Slums von St. Louis und das Schicksal der irischen Einwanderer ist gut dargestellt, ansonsten kann ich das Buch nicht weiter empfehlen.
    Wir sehen uns wieder am Meer

    Trude Teige
    Wir sehen uns wieder am Meer (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.07.2025

    Relativ emotionslose Erzählung aus dem besetzten Norwegen – hallt nicht lange im Gedächtnis nach.

    Buchinhalt:

    1944 in Norwegen: Birgit arbeitet im von den Deutschen besetzten Norwegen in einer Klinik, als sie der Zwangsarbeiterin Nadja begegnet. Im Zuge dessen und weil Birgit Russisch spricht, gerät sie in eine Widerstandsgruppe und nach Kriegsende sogar als Agentin nach Moskau – doch Moskau ist aus anderem Grund ihr Traumziel: ihre große Liebe Sascha, ebenfalls ehemaliger Zwangsarbeiter, soll dort wohnen. Birgit lässt sich auf Deals ein zwischen dem norwegischen Geheimdienst und dem KGB und auch Sascha ist nicht der, der er vorgab zu sein. Wird sie trotz grauenhafter Erlebnisse in der Vergangenheit in der Zukunft neu anfangen können?


    Persönlicher Eindruck:

    Wir sehen uns am Meer ist ein historischer Roman um mehrere befreundete Frauen, der sich as 3. Band in Teiges Großmutter-Trilogie reiht. Gelesen werden kann das Buch allerdings ohne jedwede Vorkenntnisse, die Handlung ist in sich geschlossen.

    Hauptfigur ist die Krankenschwester Birgit, der Schauplatz ist das von den Deutschen besetzte Norwegen, dessen Bevölkerung in zwei Lager gespalten ist: einerseits die Unterstützer des NS-Regimes und andererseits die, die nichts damit zu tun haben wollen und jedweden Kontakt mit Menschen, die zur ersten Gruppe gehören, als Stigma brandmarken.

    Birgits Arbeit in der Klinik macht sie bekannt mit den Zwangsarbeiterinnen der Fischfabrik, ukrainische Frauen, die aus ihrer Heimat verschleppt wurden und wie Sklaven schuften müssen. Sie freundet sich schließlich mit Nadja an, die Freundschaft besteht auch über das Kriegsende hinaus.

    Birgit hüpft in der Handlung von einem Job in den anderen, beginnt als Krankenschwester und wird schließlich Agentin für die Amerikaner, sucht nach der großen Liebe und glaubt diese mehrfach in unterschiedlichen Russen gefunden zu haben – bis die Realität sie jedes Mal einholt. Mir war Birgit nicht direkt unsympathisch aber weder sie noch die anderen Frauenfiguren, die in der Geschichte eine Rolle spielen, kamen mir emotional irgendwie nahe.

    Gerade bei den Emotionen fehlt es meiner Meinung nach in der Erzählung. Teilweise sehr episodenhaft ist es im Grunde eine Aneinanderreihung aus Stationen im Leben von Birgit, bei denen immer wieder Berührungspunkte zwischen ihr und ihren Freundinnen bestehen, sie sich aber doch jedes Mal dorthin wendet, „wo es warm rausguckt“, sprich, sie ist recht opportunistisch und wenn ihre ach so große Liebe in ersten Fall stirbt, im zweiten Fall flüchtet, ist das auch schnell wieder verwunden. Gefühle konnte Frau Teige mir nicht vermitteln, auch wenn der Roman historisch sehr gut recherchiert ist und laut ihren Aussagen im Nachwort sogar auf wahren Tatsachen fußt.

    Insgesamt hatte ich mir mehr erhofft und muss gestehen, dass die Handlung wohl nicht sehr lang im Gedächtnis nachhallt. Schade.
    Ihr habt es gut, ihr habt ja mich

    Renate Bergmann
    Ihr habt es gut, ihr habt ja mich (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.07.2025

    Unterhaltsam und humorvoll, aber doch nicht ganz so toll wie andere Bände der Reihe.

    Buchinhalt:

    Wegen eines innerfamiliären Haushaltsunfalles bei Renates Neffen Stefan entschließt sich die Online-Oma, vorerst nach Spreeweide zu ziehen – und dem Neffen mit Familie tatkräftig unter die Arme zu greifen. Es dauert gar nicht lange, bis Renate merkt, wo in dem kleinen brandenburgischen Dorf der Schuh drückt, und weil bald Gemeinderatswahlen anstehen, kandidiert die rüstige Rentnerin kurzum und gründet eine Bürgerliste. Dem alteingesessenen Bürgermeister gefällt das gar nicht, doch kurze Zeit später haben sich noch mehr Damen und Renate geschart und betreiben ordentlich Wahlkampf.....


    Persönlicher Eindruck:

    Ich bin ein großer Fan der Reihe um die Online-Oma Renate Bergmann und so stand es außer Frage, auch den neusten Band bei mir einziehen zu lassen. Renate lässt sich in den Gemeinderat wählen – doch vorher stehen Networking und Wahlkampf auf ihrem Programm. Das tut sie alles nicht in Spandau, nein, kurzerhand zieht sie in ihre Spreeweider Einliegerwohnung und somit ins Brandenburgische.

    Gewohnt mit Witz und Charme kommt auch dieser Band der Online-Oma-Reihe daher: Renate Bergmann, 82, viermal verwitwet, hat das Herz auf dem rechten Fleck und legt ihren Finger scharfzüngig in die Wunden des täglichen Lebens. Und das alles immer mit einem wahren Kern dahinter, trotz allen Humors sind ihre Aussagen authentisch und glaubwürdig.

    Diesmal geht es also um die Wahl zur Gemeinderätin. Mir hat die Geschichte gut gefallen, sie ist kurzweilig und witzig aber dennoch nicht ganz so toll wie die meisten Vorgängerbände. Dadurch, dass Renate hier nach Spreeweide zieht und Berlin hinter sich Berlin sein lässt, kommen auch ihre Freunde Gertrud, Ilse und Kurt nur sporadisch vor und das fehlte mir. Ebenso die Nachbarinnen Berber und Meiser, die Kaufhallenbesuche mit dem Koyota und was weiß ich noch alles. So schön das neue Setting auch sein mag, es fehlt irgend etwas am Charme der Erzählung.

    Ob Renate nun auf Dauer in Spreeweide bleibt, erfährt man (noch) nicht, denn zum ersten Mal gibt es einen Cliffhanger mit offenem Ende, so dass ich davon ausgehe dass es im nächsten Band an der Stelle weiter geht. Bleibt nur zu hoffen, dass sie wieder in ihr altes Revier in Spandau zurückkehrt und auch ihre Freunde wieder mehr Anteil an der Geschichte haben.

    Ansonsten kamen natürlich viele alte Bekannte auch wieder vor: Günter Habicht, der Nörgelrentner, Kneipenwirt Erbse, der als Tony Cortino mit Ohrwurm „Die Sonne von St. Tropez“ und schlecht sitzendem Toupet als Alleinunterhalter auftritt und auch Gertruds Doberschnauzer Norbert, der plötzlich zur Doberdogge umbenannt wurde (warum auch immer). Man braucht trotz allem keine Vorkenntnisse aus anderen Bänden, um sofort mitten in der Handlung anzukommen.

    Mein Fazit: Für Fans ein absolutes Muss und auch lesenswert, aber nicht ganz so gut wie mein absolut unerreichter Favorit „Fertig ist die Laube“, sofern man mit den anderen Bänden der Reihe überhaupt vergleichen möchte.
    Der Garten der kleinen Wunder

    Patricia Koelle-Wolken
    Der Garten der kleinen Wunder (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.07.2025

    Unaufgeregter, nachdenklicher und poetischer Roman um Akzeptanz und Freundschaft

    Buchinhalt:

    Am Gartenzaun kommen die 14jährige Vica und ihre Nachbarin Toja in Kontakt. Beide verbindet nicht nur ihr Vorname – Victoria – sondern auch die Tatsache, schüchtern und introvertiert zu sein. Menschenmassen und laute Geräusche, viele einprasselnde Sinneseindrücke und das Stehen im Mittelpunkt ist für Vica eine immense Belastung, doch in ihrem Umfeld fühlt sie sich unverstanden. Erst im Garten der Nachbarin findet sie die Ruhe und den Fokus, den sie braucht – und eine verwandte Seele. Tojas unkonventionelle Art und der verwilderte, bunte Blumengarten helfen dem Mädchen, zu sich zu finden.....


    Persönlicher Eindruck:

    Zwischen unzähligen Blumen alles Facetten, bunten Tierskulpturen und schattigen Obstbäumen hat sich die Mittdreißigerin Tonja ein Paradies geschaffen. Eigentlich gehörte der Garten ihrer Freundin Wille, doch auch nach deren Tod leben Tonja und ihr Mitbewohner, den alle nur Bär nenne, auf dem unkonventionellen Grundstück. Eines Tages schaut ein Mädchen durch den Zaun: die 14jährige Vica, Tochter des neuen Nahcbarn, eines Augenarztes. Schnell erkennt Toja: Vica ist introvertiert und hochsensibel, eine verwandte Seele. In Vica sieht Toja sich als Kind wieder und von da an nimmt sie das unglückliche Mädchen unter ihre Fittiche.

    Die Erzählung lebt von ihrem poetischen Sprachstil, der bildhaften und blumigen Ausdrucksweise, die gleichsam den vielen bunten Blumen in Tojas Garten einen bunten Teppich in die Vorstellung des Lesers webt. Denn in Tojas Garten scheint es wirklich alles zu geben, was einen Ziergarten ausmacht. Toja fühlt sich zu dem Nachbarsmädchen hingezogen und will das weitergeben, was einst die verstorbene Wille an ihr in jungen Jahren tat: ihr einen Zufluchtsort zu geben vor den Erwartungen des Umfeldes, der Mitschüler und letztendlich des eigenen Vaters, die Vica von ihrem Wesen her einfach nicht erfüllen kann.

    Die Geschichte plätschert unaufgeregt dahin, viel Spannungselemente gibt es nicht. Es ist die Erzählung eines Sommers, des Alltages einer ungewöhnlichen Freundschaft über Generationengrenzen hinweg.

    Die handelnden Personen sind tiefgängig und mit Profil angelegt, besonders gefiel mir Tojas Mitbewohner, den alle Bär nennen und der von Statur und Beschreibung alles andere ist als ein Bär. Dennoch bildet er den ruhigen Pol und guten Freund für Toja wie für Vica gleichermaßen.

    Als gegensätzliche Figur bringt Autorin Koelle-Wolken Vicas Vater, einen renommierten Augenchirurgen, der zunächst mit Tojas Art nichts anzufangen weiß, sich aber Stück für Stück auf das einlässt, was Toja und Bär im vorleben. Nach und nach findet er Zugang zu seiner Tochter und erkennt, dass viel Potential in Vica steckt, sie aber nie so wein wird, wie andere Gleichaltrige. Im Laufe der Handlung macht das allerdings immer weniger aus und Vica wächst immer mehr über sich hinaus.

    Was ist vermisst habe in dem ganzen Bullerbü-Land des Zufluchtsgartens und der Akzeptanzblase, in der sich Vica schnell befindet, ist die Tatsache, dass niemand aus Vicas Umfeld darüber nachdenkt, dass Vica trotz aller Freundschaft Hilfe braucht. Hilfe, die ihr das Leben außerhalb ihres Zufluchtsortes ermöglicht – denn das Leben ist nun mal rau und kein Ponyhof. Gerade ihr Wechsel in eine Parallelklasse, weil die Lehrerin dort ach so verständnisvoll ist und Vica sein lässt, wie sie ist, war für mich nicht nachvollziehbar und ging an der Realität vorbei. Die Realität heißt Lehrplan und auch wenn eine Schülerin hochsensibel und introvertiert ist, wird keine Schule der Schülerin eine Extrawurst braten. Insofern gebe ich der ersten Lehrerin recht: Vica muss sich durchbeißen und gegebenenfalls professionelle Hilfe erhalten. So wie hier in der Geschichte ist die Realität leider nicht.

    Alles in allem hat mir die Geschichte gut gefallen, wobei sie auch relativ melancholisch daherkommt und eine depressive Grundstimmung beim Leser nicht auszuschließen sein wird.
    Natürlich Maria

    Maria Groß
    Natürlich Maria (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.05.2025

    Viel Selbstdarstellung der Autorin, die Rezepte für mich größtenteils eher enttäuschend. Keine Empfehlung.

    Buchinhalt:

    „Rezepte für das Leben“ - ein großes Versprechen: das Kochbuch der thüringischen Sterneköchin Maria Groß verspricht Gerichte mit einfachen Zutaten, von Suppe, Salaten über Hauptgerichte bis hin zu Süßspeisen und Brötchen. Futter fürs Volk sozusagen – für jedermann nachkochbar und ohne viel Chichi.


    Persönlicher Eindruck:

    Vergleicht man Kochbücher auf heutigem Wissensstand, findet man selten eines, das ausdrücklich geläufige Zutaten, die man in jedem Supermarkt bekommt, verwendet. Ohne viel Chichi, bodenständig. Wer darauf Wert legt, greift wahrscheinlich auch zu Maria Groß' Werk, schon allein, weil sie auf dem Klappentext genau das verspricht: Futter fürs Volk, einfach und schnell zuzubereiten, schmackhaft und lecker. So bin auch ich auf dieses Kochbuch aufmerksam geworden.

    Frau Groß ist Sterneköchin mit eigenem Restaurant. Also jemand vom Fach – dementsprechend hoch sind aber auch meine Erwartungen an die Rezepte, die die volle Bandbreite von Suppe über Hauptgang bis zum Nachtisch sowie süßes und herzhaftes Backwerk abdecken. Die Rezepte sind sowohl mit Fleisch als auch vegetarisch, also eine bunte Mischung.

    Jedes Rezept ist doppelseitig präsentiert, mit großem ansprechendem Foto und gegenüber die Zutatenliste und die Kochanleitung. Nährwertangaben gibt es leider keine. Die Portionsangaben sind für jeweils zwei Personen gerechnet. Insgesamt wird viel aus einem Topf gekocht, das muss man mögen. Nach eigenen Angaben spricht die Autorin von „einfachem Lebens- und Kochstil“.

    Leider bin ich nicht wirklich überzeugt von den Rezepten, denn auch wenn ich einfache, bodenständige Küche schätze, die ohne Exotik mit regionalen Produkten auskommt, finde ich hier nur wenig, was mich direkt anspricht – und dafür sind 36 € Anschaffung einfach zu teuer.

    Zudem stimmt das Preis-Leistungsverhältnis meines Erachtens überhaupt nicht: 34 % des Buches sind anderweitige Text- und Bildseiten, mit viel Selbstdarstellung der Autorin, Informationen rund um ihr Restaurant (das ja angeblich so gut geht – und trotzdem hat es diese Art der Werbung nötig?) und ganzseitigen Privatfotos. Rein rechnerisch sind das 12 € des Kaufpreises für Nebensächlichkeiten, die ich gar nicht wissen will. Wenn ich ein Kochbuch kaufe, dann lediglich für eben diesen Zweck – anderweitiger Schnickschnack gehört auf Blogs oder in Biographien, aber nicht in ein Kochbuch, das so ohne weiteren Nutzen schnell teuer wird.

    Natürlich gibt es vereinzelt Dinge, die ich vielleicht mal nachkochen oder -backen würde, das Meiste jedoch wohl weniger. Als Ganzes betrachtet hält sich meine Begeisterung sehr in Grenzen: das können andere bedeutend besser. Der Preis von 36 € lohnt sich meines Erachtens nicht und wäre anders sicher besser investiert.


    Mit allen Wassern gewachsen

    Sigrid Drage
    Mit allen Wassern gewachsen (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.05.2025

    Informationsflut mit teils zweifelhaften Tipps – bin nicht überzeugt.

    Buchinhalt:

    Die im Zuge des Klimawandels veränderte Verfügbarkeit von Wasser hat auch die Sicht auf die Bewässerung von Gärten verändert. Wie lässt sich Wasser sparen bzw. sinnvoller nutzen und wie mache ich meine Beete tauglich für heiße, trockene Sommer? Dieses Buch soll Anleitung geben vom einfachen Sammeln in Regentonnen bis hin zu investitionsintensiven Grauwasseranlagen, die das Brauchwasser aus dem Haus für Gartenzwecke aufbereiten. Wetterextreme sind genauso ein Thema wie auch der Wasserhaushalt von Kommunen und Gemeinden.


    Persönlicher Eindruck:

    Es steht außer Frage: Wasser ist ein lebensnotwendiges Gut und es wird immer knapper. Die Veränderung des Klimas geht einher mit längeren Trocken- bzw. Dürrezeiten im Sommer, aber auch mit Extremwetterereignissen wie Starkregen, den Böden oft nicht verarbeiten können. Wie aber kann der Wasserhaushalt neu gemanaged werden? Dises Buch will verschiedene Wege aufzeigen, angefangen vom Einamilienhaus mit Garten bis hin zu Kommunen und Gemeinden.

    Das klingt erst mal alles sehr gut und sinnvoll. Als Gartenbesitzer mit größerem Grundstück habe ich mir neue Erkenntnisse erhofft, die auch ich in meinem Hausgarten umsetzen kann. Das Buch wartet auch mit einer extremen Informationsfülle auf – leider liegt auch gerade dort der Hund begraben. Aufgrund der Fülle an ökologischen Ideen verliert es oft den Fokus und beim Lesen geht der Rote Faden verloren. Die Tipps reichen vom Aufstellen von Regentonnen zum Auffangen von Regenwasser bis hin zu Grauwasseranlagen, die das Brauchwasser für den Garten reinigen und wieder nutzbar machen. Alles schön und gut.

    Einerseits wird jeder Gartenbesitzer sowieso schon an Regentagen Wasser sammeln, dafür braucht man beileibe kein Buch. Andererseits sind viele Anweisungen, wie gerade jene Grauwasseranlagen, aber auch andere Dinge, nicht praktikabel für ein Einzelhaushalt und nur im Großen mit dementsprechendem Finanzpolster durchführbar. Auch wenn Öko derzeit „in“ ist und jeder auf der Welle mitschwimmen will, muss erlaubt sein anzumerken, dass wegen zwei Bund Radieschen, ein paar Tomaten und ein paar Salatköpfen sich derartige Anschaffungen auch erst mal finanziell lohnen müssen. Leider geht das Buch überhaupt nicht ein auf derartige Fragen – der Umweltaspekt ist als zwingender Fakt gesetzt und wird nicht weiter hinterfragt.

    Was mir auch unangenehm auffiel: Gießen soll nur noch alle 3-4 Tage gemacht werden dürfen, man täte seinen Pflanzen sogar einen Gefallen damit. Leider geht die Autorin völlig undifferenziert an diese Aussage heran und lässt den Leser (der möglicherweise nicht sehr erfahren in Gartendingen ist) im sprichwörtlichen Regen stehen. Es kommt nämlich darauf an, um was für eine Pflanze es sich handelt, wie lange sie schon steht und an welchem Standort. Dreitägige Gießpausen führen bei Gemüse zum Verlust meist aller Fruchtansätze und sind nicht zielführend für den (Klein-)Gartenbesitzer. Im Gegenteil: in heißen Sommern gießt man sogar zwei Mal am Tag, wenn es nötig ist. So meine über die Jahre gewachsene Erfahrung.

    Insgesamt bin ich enttäuscht von dem recht teuren Werk, da ich so gut wie nichts mitnehme in meine eigene Gartenpraxis: das, was für den Hausgarten sinnvoll erscheint, habe ich bereits realisiert und fürs Aufstellen von Regentonnen oder zum Mulchen brauche ich kein Buch, das mir die Nützlichkeit desselben vor Augen führt.

    Leider keine Leseempfehlung, weil es sich einfach nicht lohnt und zu wenig praxistaugliche Hilfestellung gibt.
    Megalithen und ihre Sagen

    Tankred Kiesmann
    Megalithen und ihre Sagen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.05.2025

    Fundiertes und sehr interessantes Werk zu den Megalithbauwerken aus der Jungsteinzeit - lesenswert!

    Buchinhalt:

    Megalithen. Menhire, Dolmen – jeder kennt zumindest dem Namen nach Stonehenge oder hat vielleicht schon einmal von Men-an-Tol gehört. Steinkreise und Hünengräber aus der Jungsteinzeit haben seit Jahrhunderten die Menschen fasziniert und so nimmt es nicht Wunder, dass sich allerlei Sagen und Mythen um die mysteriösen Bauwerke ranken. Das Buch vereint Sachkenntnis und Historie mit Mythos und Fantasie und schlägt somit den Bogen zwischen Geschichte und Geschichten.


    Persönlicher Eindruck:

    Historische Stätten haben mich schon immer fasziniert. Ich kannte verschiedene Stätten aus Südengland, zu denen auch das berühmte Stonehenge gehört – gerade Cornwall hat so einiges zu bieten aus der Megalithkultur. Doch wer hätte gedacht, dass sich auch in Deutschland viele Spuren aus der Jungsteinzeit finden, die größtenteils noch erhalten sind und die die Fantasie von späteren Generationen geprägt haben?

    Megalith-Sammler und Dolmen Hunter Tankred Kiesmann nimmt seine Leser mit auf eine abenteuerliche Reise zu unterschiedlichen Steinformationen menschlichen Ursprungs. Dabei geht es von Deutschland über das europäische Ausland bis nach Korea. Ergänzt mit vielen Bildern aus Privatbesitz, gibt Kiesmann einen fundierten Einblick in die Vielfalt von Megalithen, Dolmen, Hünengräbern, Steinkreisen und Kultplätzen.

    Gut gefallen hat mir zweifelsfrei der Teil mit den historischen Hintergründen zu den verschiedenen Stätten, ihre Beschreibung und die wirklich große Sachkenntnis des Autors, die sehr beachtlich ist und ihresgleichen sucht.

    Darüber hinaus geht das Werk ein auf zahlreiche Mythen, Geschichten und Sagen, die sich im Laufe der Jahrhunderte um die prähistorischen Stätten ranken. Darin begegnet der Leser dem Teufel, Trollen, Riesen und anderen Gestalten. Darüber hinaus schlägt das Buch den Bogen über moderne Kurzgeschichten des Autors zum Thema bis zu Verschwörungstheorien und sogar dem Gedanken, Außerirdische könnten mit dem Bau zu tun gehabt haben. Man sieht: die Megalithkultur ist eine unerschöpfliche Inspirationsquelle.

    Insgesamt sind Megalithen, Dolmen und Co. faszinierend, egal von welcher Warte man sie betrachtet. Allein die Größe und das Volumen der Steine, die die Menschen von damals mit einfachen Mitteln bewegt, gehoben und positioniert haben, lässt den heutigen Leser staunen.

    Ein absolut lesenswertes Werk, nicht nur für historisch Interessierte, das mit Sachkenntnis und Liebe zum Thema punktet!
    Unwillige Volksgenossen

    Peter Longerich
    Unwillige Volksgenossen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    03.05.2025

    Umfassend recherchiert aber für den Privatleser viel zu trocken, leider.

    Buchinhalt:

    Inwieweit stand die deutsche Bevölkerung geschlossen hinter Hitler und seiner NS-Diktatur? Dieser Frage geht Autor Longerich in seinem umfangreichen Werk nach und beleuchtet dabei unterschiedliche Bevölkerungsschichten. Volksgemeinschaft war das Zauberwort der Nationalsozialisten, doch Unzufriedenheit und Unmut gab es auch nach 1933 in weiten Teilen der Bevölkerung und macht deutlich: die Deutschen standen nicht geschlossen hinter der NS-Ideologie.


    Persönlicher Eindruck:

    Fundiert recherchiert und durchgehend mit Quellenangaben forscht Longerich in den Archiven bezüglich der Nazifizierung der deutschen Bevölkerung nach 1933. Erstaunlicherweise kommt seine Forschung zu einem unerwarteten Schluss: es gab keine breite Befürwortung der Politik Hitlers. Auch wenn es in der Gegenwart seltsam anmutet: große Teile der damaligen Bevölkerung waren durchaus unzufrieden. Gerade mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurden die Menschen skeptisch und viele zogen ihre anfängliche Begeisterung Stück für Stück zurück.

    Insgesamt handelt es sich bei dem umfassenden Band um ein Fachbuch, das vor allem im Geschichtsunterricht oder beim Fachpublikum punktet – für den interessierten „Privat“-Leser (zu dem ich mich auch zähle) ist die Lektüre reichlich trocken und die Informationsflut fast zu groß.

    Dennoch empfand ich das Werk als sehr fundiert und als Nachschlagewerk großartig, allerdings nicht geeignet, um es am Stück durchzulesen. Es bleibt ob der Informationsflut auf diese Weise wohl wenig hängen, das Buch ist vielmehr selbst als Quelle für Hochschulstudenten viel besser geeignet.

    Da ich das Buch aus der Warte des Privatlesers bewerte, kann ich trotz hervorragender Recherche durch den Autor nur eine mittlere Punktzahl vergeben, unabhängig von Inhalt der 80 Jahre nach Kriegsende wieder so aktuell ist.

    Gut fand ich die Beleuchtung und Gegenüberstellung beider Seiten, die der Befürworter und die der Kritiker.
    Die Cornwall-Saga

    Nicola Vollkommer
    Die Cornwall-Saga (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.05.2025

    Spannender Zweiteiler, aber auch nicht ohne manche Unglaubwürdigkeit. Dennoch ein Reißer, den man schwer wieder beiseite legt.....

    Buchinhalt:

    Cornwall im beginnenden 19. Jahrhundert: schon wieder gebiert Lady Greenwold ein Mädchen und nicht den erhofften Stammhalter. Das Baby wird einer Amme aus dem Dorf gebracht, die es als ihre Tochter aufzieht und Charlotte nennt. Erst Jahre später Holt der Lord seine verstoßene Tochter zurück, um sie mit einem Geschäftspartner zu verheiraten um sicherzustellen, dass das Anwesen der Greenwolds nicht an seinen Verhassten Vetter Malcolm fällt. Wieder zurück im Schoß der Familie deckt Charlotte schließlich ein schreckliches Familiengeheimnis auf....


    Persönlicher Eindruck:

    Die Cornwall Saga ist die überarbeitete Neuauflage der bereits vor einigen Jahren bei SCM erschienenen Einzelbände Wie Möwen im Wind und Die Rückkehr des Erben, jetzt als Doppelband in Taschenbuchausgabe, inhaltlich aufgearbeitet und konkretisiert. Es geht darin um eine fiktive adlige Gutsbesitzerfamilie im Südwesten Englands, deren Besitz in der Nähe des Fischerdorfes St. Ives in Cornwall verortet ist.

    Im Zentrum der Handlung steht die verstoßene Tochter Charlotte, die von einer Bauersfrau aufgezogen wurde und als Heranwachsende von ihrem skrupellosen Vater wieder zurück ins Herrenhaus geholt wird. Charlotte ist der Spielball in einem Erbschaftsstreit zwischen Lord Greenwold und seinem Vetter Malcolm; dieser will sich zunutze machen, dass er der rechtmäßige Erbe des Besitzes sein wird, sollte der Lord keinen Sohn zeugen. Der Lord wiederum will Charlotte mit einem Helfershelfer verheiraten, damit dieser dann den Besitz erbt und der verhasste Vetter leer ausgeht. Soweit die Rahmenhandlung der Geschichte.

    Im Zweiten Teil geht es dann um den 13jährigen Halbbruder von Charlotte, mit welchen Vetter Malcolm und der über Leichen gehende Waisenhaus- und Bordellbetreiber Mr. Creek sich den Grundbesitz der Greenwolds unter den Nagel reißen wollen.

    Insgesamt ist die Geschichte sehr spannend und mitreißend, wobei es eine Zeit lang braucht bis er Leser in der Handlung Fuß fasst. Der Beginn ist relativ zäh und erst mit der Zeit steigt der Spannungsbogen. Im Hinblick darauf, dass es sich um eine bearbeitete Neuauflage handelt, hätte man vieles gerade am Anfang noch gestraffter und ohne Einbußen für die Handlung zusammenfassen können. Auch einige Unglaubwürdigkeiten wurden nicht ausgemerzt. So beispielsweise kann der 13jährige Edward eine schriftliche Nachricht hinterlassen, obwohl er im Armenviertel Londons aufwuchs und garantiert keine Schule besucht hat. Zudem Lord Jake, der als ehemaliger Pferdeknecht plötzlich ein Gut mit Ländereien mühelos verwaltet. So wirklich glaubwürdig war das für mich nicht.

    Charlotte als Hauptfigur fällt auf durch unfassbare Naivität, zu Beginn aber auch später. Sie ist leichtgläubig und – man verzeihe mir den Ausdruck – treudoof, leicht und mit Schmeicheleien zu begeistern und denkt oft nicht von zwölf bis Mittag. Gerade im ersten Teil der Geschichte möchte man oft nicht glauben, wie einfältig sich die zukünftige Lady Greenwold gibt und dennoch immer wieder auf die Füße fällt.

    Die christliche Grundthematik ist relativ sparsam eingeflochten und befasst sich vor allem mit dem Thema Gottvertrauen und Gottergebenheit.

    Insgesamt hat mir der Doppelband gut gefallen, keine Frage. Er ist tatsächlich ein Reißer mit unglaublichen Geheimnissen, skrupellosen Schurken und dramatischen Wendungen, den man nur schwer wieder weglegt, hat man einmal mit Lesen begonnen.

    Der Einblick in das Leben von Adel und Bediensteten im 19. Jahrhundert und die Schmugglervergangenheit Cornwalls wurden perfekt eingefangen und sorgen für packende Lesestunden!
    Es war einmal das Huhn

    Astrid Drapela
    Es war einmal das Huhn (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.04.2025

    Kulturwissenschaftlicher Abriss, leider wenig biologisches und keine Relevanz für (zukünftige) Hühnerhalter. Enttäuschend.

    Buchinhalt:

    Hühner sind mit die ältesten Nutztiere des Menschen. Doch wie entstand aus dem asiatischen Bankivahuhn das moderne Haushuhn? Welchen Stellenwert hatten Hühnervögel über die Jahrtausende in verschiedenen Kulturen und welchen Einfluss hatten sie auf die Kultur des Menschen jenseits von Ackerbau und Viehzucht? Die bewegte Geschichte von Mensch und Huhn – hochwissenschaftlich analysiert.


    Persönlicher Eindruck:

    Das vorliegende zweite Hühnerbuch der Autorin Drapela ist eine hochwissenschaftlich angepackte Arbeit, die wenig Substanz und Information hat für alle diejenigen, die schon Hühner halten oder dies vorhaben. Wer hier nach klassischem Hühnerwissen rund um Anschaffung, Haltung, Zucht und Nutzung als Haus- und Nutztier sucht, wird bitter enttäuscht. Auch ich hatte etwas anderes erwartet als eine trockene Wissenschaftsarbeit, die zahlreiche (unzweifelhaft gut recherchierte) Literaturquellen aus Kulturwissenschaft, Geschichte, Religionen und Kulten in einem neuen Werk zusammenfasst.

    Das asiatische Bankivahuhn ist der ursprünglich wilde Vorfahr der Haushühner – und unterscheidet sich rein äußerlich im Grunde gar nicht von dem Haushuhn und seinen vielen Hühnerrassen. Lebensweise und Vorkommen des Bankivahunhs sind Einstieg in das Werk und man könnte zunächst meinen, dass ein biologischer Abriss über unterschiedliche Zuchten im Wandel der Zeit folgt. Falsch gedacht. Die Lektüre schweift schnell ab ins kulturhistorische Klein-Klein, von Awaren, Römern und Ägyptern, von Grabbeigaben, Kultopfern, rituellen Eigenheiten unterschiedlichster Art bis hin zum Hahnenkampf, der in manchen Teilen der Welt als „Sport“ angesehen wird und nichts weiter ist als blutrünstige Tierquälerei.

    Für den Leser, der das Ganze wissenschaftlich (ich sage bewusst nicht: zoologisch wissenschaftlich) betrachten möchte, eine Fülle an Informationen. Wen es nicht stört, dass das Ganze relativ trocken und bildarm rüber kommt, ist hier sicher nicht verkehrt – mir jedoch erschien die Lektüre, die sich teilweise zügig teilweise schleppend las, als trockene Wissenschaftsarbeit, aus der ich langfristig nur wenig mitnehme. Das Meiste wird nicht lange im Gedächtnis haften bleiben – warum auch?

    Mich hätte viel mehr die zoologische Entwicklung des Huhns an sich interessiert. Erst gegen Ende wartet das Buch dann mit einem doppelseitigen Schaubild auf, das die Formenvielfalt des Haushuhns zum Thema hat. Leider ist der Druck hier so winzig, dass ich die Unterschriften zu den Bildchen nicht mal mit der Brille entziffern kann. Das ist nicht gelungen, bei allem Verständnis.

    Am Ende der Ausführungen geht das Buch auf einen Ausblick ein, wie das „Huhn der Zukunft“ aussehen müsste, wie die Haltung verbessert werden könnte und somit wird auch noch der Aspekt des Tierwohls aufgegriffen. Letztendlich will die Autorin hier viel, fasst die zahlreiche Fachliteratur kompakt zusammen und interviewt verschiedene Wissenschaftler. Dennoch will sie meines Erachtens zu viel und verliert den einfachen Leser aus dem Blick.

    Mein Fazit: für kulturhistorisch Interessierte mag das Buch interessant sein, für private Hühnerhalter hat es keinerlei nützliches Wissen für die Praxis. Für mich war die Lektüre eine Enttäuschung, ich hatte andere Erwartungen, leider.
    Wenn wir wieder Schwestern sind

    Gertraud Schöpflin
    Wenn wir wieder Schwestern sind (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.04.2025

    Spannender, vielschichtiger Roman um die Missionsarbeit in China und die Liebe

    Buchinhalt:

    Berlin um die Jahrhundertwende: die beiden Pfarrerstöchter Sofie und Grete haben kein sonderlich gutes Verhältnis zueinander. Sie sind Stiefschwestern und die berechnende Grete giert nach ellem, was ihre beliebtere Schwester hat – so lange, bis sie es ihr wegnehmen kann. Das war schon immer so und gipfelt darin, dass Grete Sophie den Bräutigam wegschnappt. Denn beide Schwestern sollen über die Missionsgesellschaft zwei als Missionare in China lebende Junggesellen heiraten, die sie als „Bräute auf Bestellung“ ausgesucht haben....


    Persönlicher Eindruck:

    Wenn wir wieder Schwestern sind ist der zweite Teil auf den Roman Auf der anderen Seite des Sturms, doch inhaltlich haben beide Romane nichts miteinander zu tun, können also solo gelesen werden. Der gemeinsame Nenner wenn man es so will ist die Missionsarbeit, die die Hauptfiguren in einen entlegenen Teil der Welt führt – in diesem Fall China. Um 1900 ist ein Teil Chinas deutsches Pachtgebiet und zahlreiche Missionare verbreiten unter den Chinesen das Wort des Herrn.

    Hauptfiguren sind die beiden Halbschwestern Sofie und Grete, wobei beide nicht sonderlich gut miteinander auskommen – Grund dafür ist Gretes oft missgünstiges Wesen, wenn Sofie irgend etwas hat. Grete arbeitet so lange, bis sie es der Schwester abspenstig macht. Sofie ist eher der verzeihende Typ, doch auch sie kommt an ihre Grenzen, als Grete Sofies Verlobten heiratet, während ihre Schwester krank darnieder liegt.

    Gut gefallen haben mir auch die beiden Männer, um die es bei den Braut-auf-Bestellung-Sache geht, Johannes und Herrmann. Die Autorin arbeitet die Figuren gekonnt und mit Tiefe aus und auch die Kulisse, vor der die Geschichte spielt, ist detailreich und authentisch.

    Schauplatz ist das koloniale China und die Missionsarbeit der Christen dort. Die Missionare haben es alles andere als einfach, denn die Christen werden nicht gerne gesehen und die Verbreitung des Evangeliums ist gefährlich und Christen werden durchaus auch mit dem Tod bedroht, vor allem bekehrte Chinesen, wie die sogenannten „Bibelfrauen“.

    Mir hat das Eintauchen in eine mir bis dato völlig fremde Kultur gut gefallen, wobei ich mir gewünscht hätte, dass das chinesische Element noch detailreicher eingebracht worden wäre. Schön sind die beiden Landkarten und die Originalfotos aus der Zeit im Anhang des Buches, um sich den Kontext noch bildhafter vor Augen zu führen.

    Die christliche Komponente befasst sich mit Themen wie Nächstenliebe und Vergebung, aber auch der Erkenntnis, dass manche Dinge, die einem im Leben widerfahren und die uns nicht gefallen, in Wahrheit einen tieferen Sinn ergeben und eben doch nach Gottes Plan ablaufen.

    Insgesamt ein spannender und mitreißender Romane, der den Leser in eine entlegene Gegend der Welt entführt und Einblick gibt in die Missionsarbeit zur Jahrhundertwende.
    Backen und Beten

    Kendall Vanderslice
    Backen und Beten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.04.2025

    Der Zugang zum Gebet über das Brotbacken - interessanter Ansatz, aber auch relativ starre "Liturgien". Überzeugt mich nur zum Teil.

    Buchinhalt:

    Brot als das Grundnahrungsmittel schlechthin kommt in der Bibel an vielen Stellen vor. Sei es als Manna in der Wüste oder bei der Speisung der 5000, immer schwingt auch der Gedanke mit, dass der Mensch nicht davon allein lebt sondern von dem Geschenk, das Gott ihm mit dem Brot macht. Nicht zuletzt symbolisiert das Brot im Abendmahl den Leib Christi. In diesem Buch stellt die Autorin ihren ganz persönlichen Zugang zum Gebet über das Brotbacken vor bei dem in meditativer Weise jeder Arbeitsschritt von Gebet durchdrungen ist und das Backen selbst sozusagen das Gebet und den Dialog mit Gott darstellt.


    Persönlicher Eindruck:

    Mich hat schlichtweg die Mischung aus Brotbackbuch und christlichem Sachbuch gereizt, dieses Buch in die Hand zu nehmen. Brotbacken als geistliche Übung – wer wird da nicht neugierig?

    Die Autorin selbst ist Bäckerin und Theologin und Entwicklerin der „Backen & Beten-Methode“. Dabei wird der Backprozess an sich als Gebet und Liturgie verstanden, die Autorin gibt dazu sogar Seminare. Jeder Schritt im langen Prozess des Brotbackens ist von Gebet und Innehalten durchwoben, gerade die Langsamkeit durch den Gär- und Gehprozess bringt den Menschen dazu, über Gott und die eigene Beziehung zu ihm nachzudenken.

    In verschiedenen „Liturgien“ gibt Vanderslice Anregung zum Innehalten, je nachdem worauf der Schwerpunkt liegt: sei es die starke Verbindung, die Veränderungsprozesse, die Ruhephasen. Jede Liturgie, sprich Backanweisung, ist unterteilt in Vorbereitung, Mischung des Teiges, Dehnen und Falten, in Form bringen, Backen und Essen. Alles ist mit Gebetsvorgaben. Dabei wird deutlich: nicht nur das Mehl und der Teig wird durch den Reifeprozess verändert, auch wir werden es, wenn wir und auf Gottes Wirken einlassen.

    Daneben erzählt die Autorin aus ihrem eigenen Leben und ihrer Arbeit, wie sie zu ihrer Methode kam und welche Erfahrungen sie gemacht hat. Mehlkunde und Grundlagen zum Brotbacken inklusive. Im letzten Kapitel werden zahlreiche Brotrezepte aus aller Welt bezogen auf das Kirchenjahr vorgestellt, diesen Abschnitt fand ich den interessantesten des ganzen Buches.

    Insgesamt ist der Ansatz zweifelsfrei interessant, dennoch wiederholt sich vieles. Mich hat auch ein bisschen gestört, dass das Buch den Eindruck macht, man brauche zwangsläufig die Backen & Beten-Methode, um überhaupt in persönlichen Kontakt mit Gott treten zu können. Ich sage ehrlich: Für mich ist das Gebet ein Reden des Herzens mit Gott, in Bitte und Fürbitte, Dank und Anbetung. Und dafür habe ich noch nie das Backen gebraucht.

    Vielleicht ist das Ganze einfach als Zugangsweg für diejenigen zu verstehen, die gar nicht wissen, wie sie beten sollen und wie sie Zugang zu Glauben finden. Mir war vieles, was Vanderslices Liturgie betrifft zu starr und schabonenartig, so wirklich überzeugen konnte sie mich jetzt nicht. Zudem wundert mich ihr großer Brotverbrauch in einer Woche (zwei Laibe!) - für amerikanische Verhältnisse bei der im Vergleich zu Deutschland in den USA wenig vorhandenen Brotkultur fast nicht zu glauben.
    Die Erbin

    Claire Winter
    Die Erbin (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.04.2025

    Brauner Sumpf, Klüngel und Familiengeheimnisse – spannend erst in der zweiten Hälfte, leider

    Buchinhalt:

    Köln in den 1950er Jahren: Durch ihre Stiftungsarbeit kommt Cosima, die Enkelin des Großindustriellen Liefenstein, in Berührung mit der Vergangenheit ihrer Familie zur Zeit des Nationalsozialismus. Stück für Stück erkennt sie: auch igre Familie hat sich auf dem Rücken anderer bereichert. Doch Cosimas Nachforschungen sind für ihren Onkel und dessen alte Seilschaften ein Stich ins Wespennest und als dann auch noch ein Anwalt ermordet am Rheinufer aufgefunden wird, begreift Cosima: ihre Familie hat mehr als ein dunkles Geheimnis...


    Buchinhalt:

    Die Erbin ist ein Einzelband, der die Verstrickungen, den Klüngel und die Seilschaften einer Industiellenfamilie während der Zeit des Dritten Reiches zum Thema hat. Dabei wird der Plot auf zwei Zeitlinien erzählt, wobei sich beide schließlich in der Buchgegenwart der 50er Jahre treffen. Hauptfiguren sind zum einen die Enkelin des Liefenstein-Patriarchen, Cosima, zum anderen das ehemalige Dienstmädchen und Cosimas Kindermädchen Elise.

    Durch ihre Arbeit für ihre neu gegründete Stiftung kommt Cosima erstmals wirklich in Berührung mit den braunen Verstrickungen ihrer Familie. Stück für Stück deckt sie auf, dass die Liefensteins durch Arisierung, Bestechung und Linientreue zu Reichtum und Einfluss kamen und dieser sich bis in die Nachkriegszeit erstreckt. Währenddessen kommt sie auch dahinter, in welchem Verhältnis ihr Vater Edmund und ihr Kindermädchen standen. Derweil recherchiert der Journalist Leo zu einem ungeklärten Todesfall: ein Anwalt wurde tot aufgefunden und schon bald wird klar: auch dieser hat mit dem Nazi-Klüngel um die Liefensteins zu tun.

    Das alles ist keinesfalls ein unspannender Plot, allerdings muss man als Leser bei dem vorliegenden Wälzer mit fast 600 Seiten auch eine Menge Geduld aufbringen. Das erste Drittel des Buches ist zäh und nicht wirklich zwingend zum Verständnis notwendig. Es zieht sich mühsam und jeder, der hier entnervt das Handtuch wirft, hat mein Verständnis. Erst nach etwa der Hälfte beginnt die Geschichte dann Spannung aufzubauen, die sich in der zweiten Hälfte fulminant steigert und in einem dramatischen Höhepunkt mündet.

    Letztendlich ist relativ früh klar, was denn nun das dunkle Geheimnis der Liefensteins ist. Nichts desto trotz fand ich dessen Auflösung und das Dahinterkommen, das man zusammen mit Cosima erlebt, lesenswert und vielschichtig. Lediglich hätte ich mir eine etwas gestrafftere Erzählung gewünscht, denn ich sage offen: der Beginn war nix, trotz guter Historieneinbindung.

    Die Figuren sind relativ schwarz-weiß angelegt, es gibt eine Menge Böse und ein paar Gute, der braune Sumpf, aus dem die Liefenstein`schen Millionen stammen, wurde gut geschildert und auch das Leben während es Krieges und Nationalsozialismus war bildhaft und authentisch.

    Insgesamt bekommt das Buch 3 Bewertungssterne – denn man muss wie gesagt sehr viel Geduld aufbringen, ehe die Geschichte endlich zu Potte kommt. Das können andere besser.
    26 bis 50 von 731 Rezensionen
    1
    2
    3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30
    Newsletter abonnieren
    FAQ- und Hilfethemen
    • Über jpc

    • Das Unternehmen
    • Unser Blog
    • Großhandel und Partnerprogramm
    MasterCard VISA Amex Diners Club PayPal
    DHL
    • AGB
    • Versandkosten
    • Datenschutzhinweise
    • Barrierefreiheitserklärung
    • Impressum
    • Kontakt
    • Hinweise zur Batterierücknahme
    * Alle Preise inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten
    ** Alle durchgestrichenen Preise (z. B. EUR 12,99) beziehen sich auf die bislang in diesem Shop angegebenen Preise oder – wenn angegeben – auf einen limitierten Sonderpreis.
    © jpc-Schallplatten-Versandhandelsgesellschaft mbH
    • jpc.de – Leidenschaft für Musik
    • Startseite
    • Feed
    • Pop/Rock
    • Jazz
    • Klassik
    • Vinyl
    • Filme
    • Bücher
    • Noten
    • %SALE%
    • Weitere Bereiche
      • Themenshops
      • Vom Künstler signiert
      • Zeitschriften
      • Zubehör und Technik
      • Geschenkgutscheine
    • Hilfe
    • Anmelden
    • Konto anlegen
    • Datenschutzhinweise
    • Impressum
    • Kontakt