Teilweise unglaubhafte Ferienlagerromantik in durchweg linearer Handlung - dennoch nicht unspannend.
Buchinhalt:
England in den 1940er Jahren: um ihrem tristen Alltag zu entfliehen und um ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen zu können meldet sich die junge June bei der Frauenhilfsorganisation der englischen Luftstreitkräfte. Ohne größere Bildung und Kenntnis gelangt die junge Frau vom anfänglichen Ausbildungslager schließlich ins ferne Kairo, wo sie den Fotografen Ken kennen und lieben lernt....
Persönlicher Eindruck:
Autorin Walton verarbeitet die Erinnerungen ihrer eigenen Großmutter, die im zweiten Weltkrieg ebenfalls beim WAAF diente, in diesem halbbiografischen Roman. Hauptfigur June verkörpert dabei die Großmutter, dennoch ist auch viel Fiktion dabei. Man taucht als Leser ein in einen keineswegs unspannenden historischen Roman, der eine rein lineare Handlung aufweist – etwaige Nebenhandlungsstränge oder andere Perspektiven gibt es keine und so ist die Lektüre sehr einfach gestrickt und liest sich mehr als leicht.
June stammt aus einem ärmlichen Viertel Londons, die Mutter ist früh gestorben, der Vater ist Alkoholiker. June muss schon sehr früh als Haushaltshilfe arbeiten, wird vom Vater ausgebeutet und flieht schließlich in den Dienst der Royal Air Force, wo sie sich für die Frauenhilfsorganisation freiwillig meldet. Der Drill ist hart, doch June findet schnell Freundinnen.
Der Großteil des Romans spielt sich also beim Militär ab und obwohl June keinerlei Bildung hat (ein nicht zu Ende gebrachter Schreibmaschinenkurs ist alles, was sie mitbringt) beißt sie sich durch. Gerade hier finde ich manches relativ unglaubhaft, denn auch bei dem Männermangel, verursacht durch den Krieg, werden die britischen Streitkräfte keine ungebildeten Personen an die Stellen geschickt haben, an denen sich June alsbald wiederfindet.
Die Autorin verkauft June als relativen Tausendsassa, diese lernt im Nullkommanichts sogar Autos zu reparieren und im fernen Kairo findet sich das unbedarfte Mädchen schneller zurecht, als man es für möglich halten sollte.
Keine Frage, der Plot, in dem es darum geht, als Frau einen eigenen Weg zu gehen, ist spannend und man klebt förmlich an den Seiten. Dennoch kommen mir die Erinnerungen der Großmutter der Autorin, die ja die Basis der Erzählung bilden, reichlich glorifiziert und geschönt vor. Das Kriegsgeschehen ist überall nur Randerscheinung und Kulisse, wirklich Bomben fallen und Kugeln pfeifen hört June weder in England noch im Nahen Osten.
Die Liebesgeschichte, in der die Geschichte mündet, ist intensiv aber von kurzer Dauer, die Wende am Schluss fand ich zu schnell abgehandelt und June fühlt sich davon überhaupt nicht berührt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber gerade hier hätte ich mir etwas mehr Emotion von der Hauptfigur gewünscht.
Was am Ende aus June wird, als der Krieg aus ist, erfährt man nicht, allerdings ist auch der Klappentext fehlerhaft. Das „letzte Wiedersehen“ suggeriert den Tod der Großmutter, diese stirbt aber nicht und das Ende ist relativ offen.
Alles in allem fand ich die Ferienlagerromantik, die die Autorin im Leben ihrer Romanfigur bei den Streitkräften beschreibt, wenig authentisch, denn man hat das Gefühl, hier ist ein Mädchen bei den Pfadfindern und nicht beim Militär – June ist für den WAAF nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe und nicht die patente Schlüsselfigur, als die sie hier hochstilisiert wird, tut mir leid.