Langweilig, nichts besonderes - zudem reichlich realitätsferne Beschreibung der politischen Thematik. Keine Empfehlung.
Buchinhalt:
Es sind Sommerferien, die Kinder Fili, Karo und Jeps werden zur Tante auf eine Nordseeinsel geschickt. Tante Flora ist dort Bürgermeisterin, ihr neustes Projekt: eine autofreie Insel. Dazu hat sie bereits drei Esel gekauft, denn Eselskarren sollen zukünftig die Autos ersetzen, der Umwelt zuliebe – leider erfährt sie hierbei ziemlichen Gegenwind vom Gemeinderat, allen voran von ihrem Nachbarn, dem Werkstattbesitzer Böcki. Als Tante Flora schließlich verunfallt und ins Krankenhaus muss, nehmen die Kinder die Sache in die Hand....
Persönlicher Eindruck:
Was zunächst wie eine lustige Feriengeschichte anmutet, beginnt auch recht eingängig und auch die Eselsgeschichte liest sich nett und lustig: Henriette, Hassan und Herbert sind selbstverständlich stur und machen ihr eigenes Ding. Genauso die Kinder: in der Abwesenheit der Tante nehmen sie quasi das Heft („die Weltherrschaft“) auf der Insel in die Hand.
Dann ist da aber noch das politische Thema. Hier zeigt sich, dass das Buch viel will, aber leider nicht halten kann. Die Beschreibung, was ein Gemeinderat und eine Bürgermeisterin tun, wird absolut realitätsfern geschildert. Man trifft sich im Hinterzimmer der Kneipe, wohlweislich nur die Gegner des Eselsprojektes, und beschließt schnell, solang die Bürgermeisterin in der Klinik weilt – sorry, aber das ist an den Haaren herbei gezogen. Die Autorin will das politische Thema, dann soll sie es aber auch richtig darstellen. Gemeinderat und Bürgermeister (Stadtverwaltung) sind zwei getrennte Parteien, Beschlüsse werden in gemeinsamen Sitzungen aller Räte getroffen und Demokratie heißt nun mal: die Mehrheit entscheidet. Selbst bei einem Kinderbuch erwarte ich eine wirklichkeitsgetreue Wiedergabe.
Was zudem wenig mit der Realität zu tun hat, ist das Verhalten der Eltern, die die Kinder nicht holen, als klar ist, dass sie da plötzlich völlig ohne Tante und dadurch ohne Aufsicht auf der Insel weilen. Das Buch wird ab einem Lesealter von 10 Jahren empfohlen. Ich frage mich: welches Vorbild wird hier vermittelt?
Letztendlich hätte die Feriengeschichte mit den Eseln und den Freundschaften, die sich auf der Insel entwickeln, auch prima komplett ohne die politische Komponente funktioniert, die dadurch inhaltlich gar keine sonderlich große Rolle spielt, obwohl sie so im Vordergrund steht. Dennoch fand ich das Ganze eher langweilig, gefesselt hat es mich nicht. Lange im Gedächtnis wird es auch nicht bleiben.
Die Illustrationen haben mir überhaupt nicht gefallen, auch wenn sie das Gelesene untermalen sollen – die Zeichnungen sind eindimensional und hölzern, die Köpfe lassen oft nicht mal erkennen, ob es sich um Männlein oder Weiblein handelt und sehen aus, wie von einem Kind gemalt. Bei einer professionellen Zeichnerin erwarte ich eindeutig mehr Talent und Können.
Für mich war das Buch eine große Enttäuschung, eine Leseempfehlung kann ich nicht aussprechen. Die 16 € sind besser woanders investiert, hier lohnt sich der Kauf in meinen Augen nicht.