Ein Lesehighlight - mit einigen Schwächen. Dennoch ein typischer "Witemeyer". Hat mir sehr gefallen!
Buchinhalt:
Texas, 1896: Scarlett Radcliffe ist einzige Erbin eines Familienunternehmens – doch bis das Kind volljährig ist, ist ihr brutaler Onkel der Vormund. Dieser zögert nicht, nach Scarletts Leben zu trachten, so dass das Mädchen fortan bei ihrer Großmutter in den Wäldern versteckt wird, wo sie als Letty Hood aufwächst und eine unbeschwerte Jugend verlebt. Kurz vor ihrem 21. Geburtstag erhält der Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael den Auftrag, Letty zu ihrer Mutter zurückzubringen – mit ungeahnten Folgen....
Persönlicher Eindruck:
Karen Witemmeyer ist immer ein Garant für spannende Geschichten aus der Zeit des Wilden Westens, von Farmen und Ranches, von Cowboys und hier eben von den Pinkerton-Detektiven. So nimmt es nicht Wunder, dass mich auch dieser Roman nicht losgelassen hat und ich ihn in zwei Nächsten nahezu verschlugen habe.
Es geht um Scarlett, genannt Letty, die versteckt in den Wäldern von Texas ihren 21. Geburtstag abwartet, um dann ein Testament zu unterschreiben, das ihrem Onkel den Zugriff auf das Firmenvermögen der Familie verwehrt – doch viel lieber streift Letty mit ihrem Wolfshund und ihrem Pferd durch die Wälder. Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael hat den Auftrag, Letty nach Houston zu bringen und die Reise der beiden gestaltet sich zunehmend schwer – auf Lettys Kopf ist ein Kopfgeld ausgesetzt und kein Geringerer als ihr Onkel trachtet nach Lettys Leben.
Ein Roman wie ein Film! Ein durchgängiger Spannungsbogen nimmt den Leser mit in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in die Weiten von Texas. Letty und Philip, aber auch die anderen Figuren, sind sehr gut ausgearbeitet und haben Profil. Anders der gefürchtete Onkel – dieser ist eher eine graue Eminenz, die wie ein Damoklesschwert über allem schwebt und bleibt die ganze Geschichte lang weitgehend im Dunklen.
Der christliche Aspekt des Romans ist deutlich aber unaufdringlich in die Handlung eingewoben und behandelt Themen wie Gottvertrauen und Nächstenliebe. Die glaubhafte Frömmigkeit der Figuren gibt ein gutes Bild von ihrer Einstellung zum Leben und die sachte eingestreuten Bibelzitate untermauern diese. Natürlich entspinnt sich zwischen den beiden Hauptfiguren eine zarte Romanze, die in einem Happy End mündet – das werde ich wohl nicht zu viel verraten.
Dennoch hat der Roman einige Schwächen, die das Lesevergnügen zwar nicht trüben, dennoch aber nicht unerwähnt bleiben sollen. Das vorliegende Buch ist das dritte in der Texas Ever After-Serie und basiert auf einer modernen Interpretation des Märchens Rotkäppchen. Natürlich sind Parallelen dann gewollt, wirken aber oft künstlich. So zum Beispiel Lettys roter Kapuzenumhang, der in meinen Augen reichlich deplatziert wirkt, wenn man auf der Flucht nicht auffallen möchte oder auch die Märchenassoziation „Hood“ (Red Riding Hood) , „Drake“ (Onkel = der Drache) oder die durch Dornenhecken abgeschirmte „Burg“ eben dieses Onkels: das wirkt alles ein bisschen zu sehr aufgesetzt. Zudem gesundet Philip viel zu schnell wieder von seinem Schüttelfrost und auch die Witwe, die die beiden in ihrer Hütte übernachten lässt, ist ein bisschen arg viel Zufall. Am meisten gestört hat mich aber die Sammlung mittelalterlicher Geräte in der „Burg“ des Onkels. In den USA gab es kein Mittelalter wie in der Alten Welt, die Guillotine und die erwähnten Ritterrüstungen passen zwar zur Märchenkulisse, sind aber wenig glaubhaft insofern, dass Drake Ratcliffe diese alle mit dem Schiff in die Neue Welt hätte schaffen müssen – das halte ich im 19. Jahrhundert doch zu unglaubwürdig.
Insgesamt ist der Roman aber eine Leseempfehlung, die nicht sehr unter seinen Schwächen leidet und auf jeden Fall bei all denen punktet, die historische Romane abseits des Mainstreams und mit christlichen Grundtönen zu schätzen wissen!