Was zunächst lustig klingt, läuft sich leider schnell tot - lahme Gags und viel Gejammer
Buchinhalt:
Ein Hochwasser zwingt den Vater der Apothekerin Carmen, sich kurzfristig bei seiner Tochter einzumieten. Mit Sack und Pack steht Heinz vor Carmens Türe und bringt deren Leben - und sein eigenes – gehörig durcheinander. Denn der 83Jährige ist ein Schlitzohr und hat es faustdick hinter den Ohren. Über ein altes Telefonverzeichnis nimmt Heinz Kontakt zu Hilde auf, seiner Jugendliebe, die dann auch noch auf der Matte steht. Wird Heinz sein Zuhause zurückbekommen und auch bei Hilde eine zweite Chance?
Persönlicher Eindruck:
Was zunächst wie ein heiterer Familienroman klingt, macht auch zunächst richtig Spaß: der Papa, der in der (Hochwasser-)Not bei seiner Tochter und deren Lebensgefährten unterkommt und mit seinem Faible für Tiefkühlkost und Excel-Listen deren Leben gehörig durcheinander wirbelt, trifft per Zufall auf seine Jugendliebe. Wer wird da nicht neugierig?
Papa Heinz ist ein heller Kopf, fühlt sich mit seinen 83 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehörig und bringt so manch andere Meinung und frischen Wind in die zugegebenermaßen hochgestochene Beziehung zwischen Tochter Carmen und Frank, einem Psychologen. Heinz war mir sofort sympathisch, seine Ideen pfiffig und mit einem wahren Kern hinter all seinen Schrulligkeiten. Wer mir bis zum Schluss unsympathisch war: Carmen, die ältere der beiden Töchter.
Während Paloma, die jüngere, trotz eigener Familie mit zwei anstrengenden Kindern selber anpackt auf der Hochwasserbaustelle, jammert Carmen tagein, tagaus über alles und jeden. Papa Heinz kann es ihr gar nicht recht machen – sie hat sich ihre Meinung doch schon längst gebildet und will ihn abschieben – sei es nun ins Altersheim oder auch der gutmütigen Hilde aufdrücken, die verwitwet in einem eigenen Häuschen lebt. Nur halt weit weg soll es sein, damit keiner auf die Idee käme, Carmen müsste für ihren Vater auch nur einen Finger rühren. Auch als Carmen ihren Job in der Apotheke kündigt und im Grunde keinerlei Verpflichtungen mehr hat, verwirklicht sie sich lieber beim Yogakurs ihrer Freundin, als mal tatkräftig in die Hände zu spucken und mit anzupacken.
Natürlich ist vieles überspitzt dargestellt, wie Heinz' Bofrost-Faible oder auch der plötzliche Einzug von Hilde. Dieser scheint mir reichlich unglaubhaft, denn im Grunde sind Hilde und Heinz sich inzwischen völlig fremd und der Kontakt würde sich in der Realität so nicht gestalten. Leider laufen sich die Gags nach etwa der Hälfte tot und man hat als Leser das Gefühl, immer wieder das Gleiche in neuen Tassen aufgewärmt vorgesetzt zu bekommen.
Was klingt, wie eine Mischung aus „Urlaub mit Papa“ von Dora Heldt (der hieß übrigens auch Heinz, ein Schelm, der Böses dabei denkt) und Sketchen von Dieter Hallervorden, ist ein relativ seichter Unterhaltungsroman, bei dem man nicht viel denken muss. Allerdings scheint vieles auch sehr aufgebauscht, denn vergleicht man die Dauerkrise aus dem Ahrtal der Realität mit Vater Heinz' abgesoffenem Keller, kann dieser nach zwei Wochen schon wieder bewohnt werden, also war wohl doch alles weniger schlimm, als gedacht.
Letztendlich hat mich der Roman enttäuscht und auch zunehmend gelangweilt, witzig fand ich das Ganze nur zu Beginn. Leider konnte mich der Humor nicht längerfristig erreichen und so wird die Geschichte auch im Nu wieder aus dem Gedächtnis verwunden sein, leider.