Ostalgie pur - Erinnerungen an eine ostdeutsche Kindheit. Liebevoll und mit Humor erzählt
Buchinhalt:
In 55 kurzen Kapiteln – jedes einem anderen typischen Gegenstand gewidmet – erzählt der Autor von seiner Kindheit im Osten der Republik, als die Mauer noch stand. Es sind Dinge wie der Recorder aus Bakelit, das obligatorische Grillhähnchen, „Broiler“ genannt oder auch unbeschwerte Spielnachmittage rund um die Teppichklopfstange im Hof, aber auch Fahnenappelle bei den Jungpionieren und das geheimnisvolle Westpaket, das ihn als Kind und Jugendlichen prägten. Liebevoll erzählt und mit einem Hauch Wehmut – aber mit erstaunlichen Parallelen in das Leben im Westen.
Persönlicher Eindruck:
Wie lebte man so im Osten der Republik, vor dem Fall der Mauer, in der ehemaligen DDR? Inzwischen gibt’s eine ganze Generation, die diese nur noch aus Erzählungen kennt und nichts anderes erlebt hat, als ein vereintes Deutschland. Doch wie war sie so, die Kindheit im Osten? Was hatte man dort, was anders war, als hier im Westen? Autor Harmsen geht der Sache auf den Grund und kramt in seinen Kindheitserinnerungen.
Das Buch ist unterteilt in 55 kurze Kapitel, die sich alle einem anderen Gegenstand widmen, der den kleinen Torsten Harmsen einst prägte – angefangen vom Kindergartentäschchen (Stullentasche genannt) über spätere Dinge wie Pioniertuch, Schulmilch oder Zündeln im Garten bis hin zu Dingen wie dem ersten Kassettenrecorder oder der ersten Zigarette.
Harmsens Erzählstil ist liebevoll und kurzweilig, man liest die Anekdoten gerne und kann nicht damit aufhören. Trotz aller Negativseiten eines Lebens im Sozialismus empfand er seine Kindheit als behütet und gleichzeitig abenteuerlich, er vermisste im Grunde nichts, auch wenn seine Familie nach eigener Aussage keine Westverwandten hatte und somit das eigene Westpaket für ihn gar nie kam. Was man hatte, genügte einem, der Rest wurde mit handwerklichem Geschick und Findigkeit wieder wett gemacht.
Was mich dabei erstaunte: viele der genannten Dinge gab es in Ost und West gleichermaßen. Wir haben bis heute eine Teppichklopfstange hinter dem Haus, auch wenn sie heute für andere Zwecke verwendet wird. Kassetten drehten auch wir mit dem Bleistift wieder rein, wenn sich mal Bandsalat gebildet hatte und die von Harmsen als amerikanisch beschriebenen Mustang-Jeans stammen bis heute nicht aus den USA sondern aus dem süddeutschen Künzelsau. Ganz so unterschiedlich waren die Kindheiten also nicht – auch ich (ein Westkind) hatte eine solche „Stullentasche“, die zwar anders hieß, aber den gleichen Zweck erfüllte und genauso um den Hals hängend getragen wurde.
Insgesamt eine liebenswerte und kurzweilige Lektüre, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte und bei der ich bedauere, dass sie nur rund 200 Seiten umfasst. Von mir eine verdiente Leseempfehlung mit 5 Sternen!