Spannung baut sich langsam auf, um dann doch gewaltig anzuziehen
Die Amalfiküste, der strahlend blaue Himmel, das wie gemalte Tyrrhenische Meer - wie oft bin ich diese Küstenstraße schon entlang gefahren. Immer wieder staune ich über so viel Schönheit, genau so wie die Britin Clara, die mit ihrem Mann Spencer aus dem unwirtlichen London flieht, um hier ihre Flitterwochen zu verbringen, im Palazzo Rossi in Positano werden sie wohnen.
Schon beim Einchecken kommt es Clara komisch vor, dass Piera, eine Hotelangestellte, mit ihrem Mann ein ziemlich hitziges Gespräch führt, noch dazu in italienischer Sprache. Als dann bald danach ein handgeschriebener Zettel unter der Tür ihrer Suite durchgeschoben wird, auf dem mit schwarzer Tinte ER LÜGT geschrieben steht, behält Clara dies für sich. Mehr noch, sie vernichtet den Zettel.
Das Cover weckt Sehnsucht nach diesem herrlichen Küstenabschnitt, lediglich der gelbe PickUp stört die Idylle, sollte es doch ein zitronengelbes Cabrio sein, mit dem das Ehepaar Carla und Spencer Carmichael anreist. Nun, der Autotyp spielt keine maßgebende Rolle, es ist eher das nicht durchschaubare Spiel, welches Spencer hier vollführt. Zumindest hat es den Anschein, als ob er etwas zu verbergen hätte und genau deshalb ist er mir nicht sehr sympathisch. Carla dagegen sehe ich in der Opferrolle, seit ich weiß, dass sie lange krank war und er sie bevormundet? Oder sollte man eher sagen, er passt auf sie und ihren immer noch labilen Gesundheitszustand gut auf? Nun, sie lernen Vivien und Fred kennen, ein schillerndes Paar, das sehr nett ist und das gut zu harmonieren scheint.
Zwei Nächte waren es, die für mich ziemlich kurz waren, in denen ich diesem Lügner auf die Spur kommen wollte. Der Sommer der Wahrheit sollte der Aufenthalt in und um Positano sein und ja, der Wahrheit bin ich sehr nahe gekommen, es hat allerdings schon gedauert. Wobei die Spannung stets da war, wenngleich diese in der ersten Hälfte eher auf Sparflamme geköchelt hat, um dann gewaltig anzuziehen. Denn erst dann passiert eine ganze Menge, die Sichtweise verschiebt sich – und das nicht nur einmal. Habe ich mich zuvor gefragt, ob mir die Story gefällt, ich weiterlesen will, so treibt es mich danach so richtig vorwärts bis hin zum Schluss, der – nun ja, ganz anders ist als angenommen.
Als Thriller würde ich die erste Hälfte nicht bezeichnen, eher ist es für mein Empfinden ein durchaus unterhaltsamer Roman, der sich dann als Thriller entpuppt. Berechnend, beklemmend, manipulativ.