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    Shilo1 Top 50 Rezensent

    Aktiv seit: 24. Juni 2020
    "Hilfreich"-Bewertungen: 32
    689 Rezensionen
    Da, wo ich dich sehen kann

    Jasmin Schreiber
    Da, wo ich dich sehen kann (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.02.2026

    Ein Buch, das nachklingt

    Die Geschichte ist ruhig gehalten und bleibt nah am Geschehen. Das Lesen benötigt Zeit und Aufmerksamkeit.
    Im Verlauf bleibt diese Ruhe bestehen. Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Es wird nicht alles erklärt, manches bleibt einfach stehen. Das macht das Lesen schwer, aber es wirkt glaubwürdig. Denn nichts wird beschönigt.
    Im Mittelpunkt stehen das Kind Maja und das, was nach der Tat übrig ist. Nicht nur Trauer, sondern auch Leere, Unsicherheit und viele offene Fragen. Der Alltag geht weiter, aber nichts fühlt sich normal an. Behörden, Gespräche und Entscheidungen laufen über Maja hinweg. Dabei wird spürbar, wie leicht ein Kind in solchen Situationen verloren gehen kann.
    Mit Liv verändert sich der Ton etwas. Sie ist kein sicherer Halt und weiß selbst oft nicht weiter. Trotzdem entsteht zwischen ihr und Maja Nähe. Es sind einfache Momente, in denen sie zusammen Zeit verbringen. Gespräche, gemeinsames Nachdenken, stilles Beisammensein. Das löst nichts, aber es tut gut und gibt etwas Ruhe.
    Die Geschichte wird aus mehreren Blickwinkeln erzählt. Jede Perspektive zeigt etwas anderes und ergänzt das Bild. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie die Ereignisse alle treffen. Es gibt keine Erklärung, warum alles passiert, nur die Eindrücke der Beteiligten.
    Die Geschichte hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Sie zeigt, wie Menschen auf Gewalt und Verlust reagieren. Das Lesen fordert Aufmerksamkeit, doch es lohnt sich.
    Für Leser, die schwere Themen nicht scheuen und bereit sind, mit einem Kind und den Erwachsenen durch diese schwierige Zeit zu gehen, ist das Buch sehr zu empfehlen. Es berührt, ohne zu übertreiben, und bleibt lange im Kopf.
    5 Sterne.
    Die Apotheke der Hoffnung

    Amanda Barratt
    Die Apotheke der Hoffnung (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.02.2026

    Ein tief bewegender Roman

    Manchmal fällt das Lesen schwer, nicht wegen der Sprache, sondern wegen dessen, was erzählt wird. Die Geschichte führt mitten hinein in eine Zeit, in der Menschlichkeit kaum noch Platz hatte. Die Darstellung bleibt nah an den Figuren und zeigt die Grausamkeit offen.
    Erzählt wird aus der Sicht von Zosia Lewandowska und der jungen Jüdin Hania Silberman. Beide erleben zunächst denselben Ort, dieselbe Bedrohung, und doch fühlt sich ihr Alltag grundverschieden an. Zosia arbeitet in der Apotheke und bewegt sich zwischen Anpassung und stillem Widerstand. Hania lebt mit ständiger Angst vor Entdeckung, Hunger und Verlust. Die Apotheke im Krakauer Ghetto wird zu einem Ort, an dem Hilfe möglich ist, obwohl sie jederzeit lebensgefährlich ist. Viele der geschilderten Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten, was der Handlung zusätzliches Gewicht verleiht.
    Die wechselnden Blickwinkel von Zosia und Hania geben der Geschichte Tiefe, ohne sie kompliziert zu machen. Beide Frauen erleben anfangs dasselbe Umfeld, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Diese Nähe zu beiden macht das Geschehen greifbar.
    Der Roman zeigt auch die stillen Augenblicke. Hilfe passiert oft heimlich und ohne Aufsehen. Entscheidungen werden unter großer Angst getroffen, weil jede falsche Bewegung gefährlich ist. Diese Anspannung zieht sich durch die Geschichte von Anfang bis Ende.
    Die Geschichte bleibt lange im Kopf, weil sie zeigt, wie Menschen unter schrecklichen Bedingungen handeln und helfen können. Das Lesen ist oft schwer, manchmal kaum auszuhalten. Nichts wird beschönigt, alles wirkt ehrlich.
    Die Figuren tun das, was ihnen möglich ist, ohne große Heldentaten. Dadurch wirken ihre Entscheidungen glaubwürdig. Die Sichtweisen von Zosia und Hania machen das Geschehen nahbar und verständlich. Viele Ereignisse haben sich tatsächlich so zugetragen, und das verstärkt die Wirkung. Die Geschichte fordert Aufmerksamkeit, bleibt aber ruhig erzählt und wirkt lange nach.
    Mein Fazit:
    Dieser Roman ist eindringlich, ehrlich und bewegend. Wer sich auf die Geschichte einlässt, erlebt eine Zeit voller Angst und Mut, Grausamkeit und Menschlichkeit. Die Figuren handeln glaubwürdig, die Ereignisse sind nah am Leben.
    Ein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt. Nicht für zartbesaitete Leser, denn die Grausamkeit der Geschehnisse ist schwer zu ertragen. 5 Sterne.
    Der Duft von Hibiskus

    Julie Leuze
    Der Duft von Hibiskus (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.02.2026

    Ein glaubwürdiger Roman

    Zu Beginn steht eine junge Frau, deren Leben aus den Fugen geraten ist. Zuhause ist nichts mehr, wie es einmal war, und Emma fühlt sich fremd im eigenen Alltag. Als sich eine unerwartete Gelegenheit ergibt, wird schnell klar, warum sie diese ergreift.
    Mit der Reise nach Australien wird deutlich, dass diese Reise kein leichter Ausbruch ist. Die Arbeit ist anstrengend, die Umgebung ungewohnt, und Emma stößt immer wieder an Grenzen. Sie muss lernen, ihren Platz einzunehmen.
    Der Regenwald ist ständig präsent. Er ist schön, aber auch fordernd und manchmal gefährlich. Pflanzen, Tiere und das Klima bestimmen den Alltag der Expedition und zeigen, wie anspruchsvoll der Ort ist.
    Emma wirkt still und aufmerksam. Sie beobachtet viel und handelt überlegt. Ihren Platz innerhalb der Expedition muss sie sich erarbeiten. Der Expeditionsleiter begegnet ihr mit Skepsis, was den Umgang zwischen beiden von Anfang an prägt und immer wieder zu Spannungen führt.
    Beim Lesen entsteht eine ruhige Stimmung. Die Geschichte entwickelt sich langsam und ohne große Überraschungen. Der Alltag der Expedition und Emmas Umgang mit der fremden Umgebung stehen im Vordergrund. Einige Szenen sind ruhig, zeigen aber deutlich, wie herausfordernd alles ist.
    Insgesamt ist das Buch gelungen. Es erzählt glaubwürdig von Emmas Reise und den Herausforderungen im australischen Busch. Manche Stellen wirken langsam, doch sie unterstreichen die Ernsthaftigkeit und den Aufwand, den Emma leisten muss. 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten über Entdeckung, Natur und Durchhaltevermögen mögen.
    Die Begine und das dunkle Geheimnis

    Silvia Stolzenburg
    Die Begine und das dunkle Geheimnis (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    11.02.2026

    Gerüchte und Angst in den Gassen von Ulm

    Ulm im Jahr 1416 wirkt lebendig, doch hinter den Häusern lauern Gerüchte und Geheimnisse. Niemand ist sicher vor Verdacht und Misstrauen.
    Im Mittelpunkt steht Anna Ehinger, eine ehemalige Begine, die über viel Wissen verfügt und genau deshalb unter Beobachtung steht. Nach dem Tod einer reichen Kaufmannswitwe gerät ihr Wissen über Kräuter und Arzneien schnell in Verruf. Auch wenn der Rat der Stadt ihr glaubt, bleibt die Stimmung angespannt.
    Als weitere Morde geschehen und die junge Novizin Luzia verschwindet, verändert sich die Lage deutlich. Die Angst wächst, und viele Menschen suchen nach einfachen Erklärungen. Gerüchte über Dämonen und dunkle Mächte prägen die Stimmung in der Stadt.
    Die Geschichte entwickelt sich ruhig und ohne Hast. Ereignisse folgen logisch aufeinander. Die Suche nach der Wahrheit ist anstrengend und nicht ungefährlich.
    Die Atmosphäre bleibt dicht und spürbar. Enge Gassen, leise Gespräche und viel Unsicherheit prägen das Bild der Stadt. Gewalt wird zurückhaltend dargestellt und fügt sich unauffällig in die Handlung ein. So entsteht eine ernsthafte und glaubwürdige Grundstimmung.
    Am Ende stehen weniger die Verbrechen im Vordergrund als die Menschen und ihre Ängste. Misstrauen, Gerüchte und alte Vorstellungen beeinflussen viele Entscheidungen. Eine stimmige Geschichte, die ohne große Effekte auskommt und lange nachwirkt. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.
    TINTE und SCHWERT

    Matthias Soeder
    TINTE und SCHWERT (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.02.2026

    Zwischen Glaube, Gewalt und Überleben

    Der Roman führt in eine Zeit, in der Gewalt zum Alltag gehört und Sicherheit kaum existiert. Der Dreißigjährige Krieg ist von Anfang an spürbar und bestimmt jede Szene. Das Leben der Menschen wirkt zerbrechlich, Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, oft ohne echte Wahl. Diese Grundstimmung zieht sich durch das gesamte Buch.
    Im Mittelpunkt steht Jacob Wolffen, ein junger Mann, dessen Leben eigentlich einen anderen Verlauf nehmen sollte. Statt eines stillen Weges gerät er in eine Welt aus Zwang und Grausamkeit. Der Verlust seiner Familie verändert alles.
    Jacob verändert sich langsam. Aus dem jungen Mann, der ein Leben im Dienst Gottes führen wollte, wird jemand, der sich an Gewalt und Brutalität anpassen muss, um zu überleben. Vieles geschieht jedoch nicht aus Überzeugung, sondern aus reiner Not.
    Der Krieg wird schonungslos gezeigt. Es gibt viele brutale Szenen, die hart und schwer auszuhalten sind. Gewalt ist nichts Besonderes, sondern Teil des Alltags.
    Anna, eine junge Heilerin, bringt einen ruhigen Gegenpunkt in die Geschichte. Sie handelt vorsichtig und überlegt. Kluge Vorgehensweise zählt mehr als rohe Kraft.
    Heinrich von Hohenfels, der ehrgeizige Offizier, strebt nach Macht und persönlichen Vorteilen. Er nutzt jede Gelegenheit, um seine Karriere voranzutreiben, und schreckt dabei vor Grausamkeiten nicht zurück. Sein Handeln ist kalkuliert, und viele Menschen leiden darunter.
    Orte, Ereignisse und Abläufe sind gut eingebettet und wirken stimmig. Der Autor hat den historischen Hintergrund sorgfältig recherchiert, ohne dass die Geschichte schwerfällig wird. Die Handlung bleibt nah bei den Figuren und ihren Entscheidungen.
    Der Roman erzählt ernst und ohne Beschönigung. Die Handlung entwickelt sich ruhig, fesselnd und bedrückend zugleich.
    Mein Fazit:
    Ein düsterer, packender historischer Roman, der die Figuren und ihre inneren Konflikte überzeugend in den Mittelpunkt stellt. 5 Sterne und eine Empfehlung für Leserinnen und Leser, die ernste historische Geschichten lieben.
    Der schmale Grat der Vernunft

    Kirsti Eline Torhaug
    Der schmale Grat der Vernunft (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.02.2026

    Ein Leben zwischen Aufbruch und Rückkehr

    Erzählt wird von einem Leben, das früh von Sehnsucht geprägt ist. Per wächst in einem norwegischen Dorf auf und spürt schon als Kind den Wunsch, hinauszugehen und mehr von der Welt zu sehen. Diese innere Unruhe begleitet ihn über viele Jahre und wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt.
    Der Krieg bringt einen deutlichen Einschnitt. Die Entscheidung, sich nicht zu fügen und das Land zu verlassen, entsteht aus Überzeugung und aus der engen Verbindung zu seinem Jugendfreund Helmer. Der gescheiterte Fluchtversuch nach England verändert alles. Die folgenden Jahre im Waldkommando Sachsenhausen werden sachlich beschrieben, ohne auszuholen. Gerade diese Nüchternheit fällt auf. Erinnerungen an das Dorf, an die Familie und an frühere Träume helfen beim Durchhalten. Auch die Freundschaft bleibt in dieser Zeit ein wichtiger Halt.
    Nach dem Krieg kehrt Per in eine Welt zurück, die ihm fremd geworden ist. Der Alltag verlangt Anpassung, doch das Erlebte lässt sich nicht einfach ablegen. Alte Regeln greifen nicht mehr, Erwartungen passen nicht zu dem, was ihn innerlich bewegt. Die innere Zerrissenheit wird behutsam beschrieben und bleibt nachvollziehbar. Die Geschichte ist eng mit dem Leben des norwegischen Schriftstellers Per Torhaug verbunden und bleibt ruhig und respektvoll.
    Beim Lesen folgt man Per still mit, spürt manchmal Beklemmung, aber wird nie überfordert. Die Erlebnisse wirken nach, gerade weil alles leise bleibt.
    Ein ruhiger, eindrücklicher Roman über Durchhalten, Freundschaft und die schwierige Rückkehr in den Alltag. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Am Ende der Straße die Schlei

    Lars Haider
    Am Ende der Straße die Schlei (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.02.2026

    Sommererinnerungen und der Blick nach vorn

    Alles beginnt mit einem Anruf, der Konstantin nach vielen Jahren zurück an die Schlei führt. Dorthin, wo er als Kind viele Sommer verbracht hat und wo Erinnerungen noch immer präsent sind. Die Rückkehr in das alte Haus wirkt zunächst nüchtern, fast wie eine Aufgabe, die erledigt werden muss. Doch mit jedem weiteren Tag zeigt sich, dass dieser Ort mehr auslöst, als erwartet.
    Mit der verlängerten Zeit an der Schlei verändert sich etwas. Aus dem geplanten kurzen Aufenthalt wird mehr, ohne dass es bewusst entschieden wird. Konstantin räumt auf, sichtet alte Dinge und stößt dabei auf Erinnerungen, die lange keinen Platz hatten. Gleichzeitig läuft in Hamburg ein Leben weiter, das eigentlich fest verankert scheint. Zwischen beiden Welten liegt eine Spannung, die den Verlauf der Geschichte bestimmt.
    Der Roman erzählt diese Entwicklung ruhig und zurückhaltend. Die Sprache bleibt einfach und klar, oft fast beiläufig. Vieles wird nicht erklärt, sondern angedeutet. Gerade das macht den Text glaubwürdig. Die Landschaft an der Schlei ist dabei nicht nur Hintergrund, sondern Teil der Stimmung. Sie gibt dem Geschehen Raum und lässt Gedanken entstehen, ohne sie auszubreiten.
    Im Mittelpunkt stehen Fragen nach dem eigenen Weg und nach Entscheidungen, die vielleicht zu früh getroffen wurden. Nicht jede Wendung überrascht, manches lässt sich erahnen. Doch der Weg dorthin wirkt stimmig und passt zur Geschichte.
    Am Ende bleibt eine ruhige Geschichte über Erinnerungen, Orte und das Nachdenken über das eigene Leben. Unaufgeregt erzählt und mit einer Stimmung, die nach dem Lesen noch eine Weile bleibt.
    4 Sterne und eine Empfehlung für alle, die leise und nachdenkliche Bücher schätzen.
    Die Frauen von Helgoland. Sturmflüsterin

    Thesche Wulff
    Die Frauen von Helgoland. Sturmflüsterin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.02.2026

    Ein Familienroman voller Tiefe

    Drei Frauen auf Helgoland suchen nach Antworten auf lange verdrängte Familiengeheimnisse. Doro hofft auf Klarheit, ihre Großmutter Elsie kämpft mit Erinnerungen, die plötzlich wieder auftauchen, und die Mutter möchte am liebsten Abstand halten. Schon früh wird deutlich, dass die Vergangenheit in dieser Familie noch immer Einfluss auf die Gegenwart hat. Dieser zweite Band der Nordsee-Dilogie führt die Geschichte der ersten Familienbande weiter und vertieft die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
    Im weiteren Verlauf rückt Doros Suche nach Wahrheit stärker in den Mittelpunkt. Als Matthes plötzlich verschwindet, bleiben viele Fragen offen. Sein Weggang verstärkt das Gefühl, dass noch Wichtiges im Verborgenen liegt. Gleichzeitig tauchen bei Elsie Erinnerungen auf, die lange verdrängt waren. Träume und beiläufige Bemerkungen geben Hinweise auf frühere Ereignisse. Die Reise nach Sylt bringt neue Bewegung und zeigt, wie eng die Schicksale der beiden Familien miteinander verbunden sind. Vergangenes Leid und alte Fehler werden spürbar, ohne dass alles benannt wird.
    Dadurch bleibt alles glaubwürdig und lebendig. Die Figuren und ihre Erlebnisse wirken nah und echt. Die raue Schönheit der Nordsee kommt deutlich zum Ausdruck, und die Handlung geht unter die Haut. Es ist eine Geschichte, die man nicht so schnell vergisst.
    Mein persönliches Fazit:
    5 Sterne für eine berührende Familiengeschichte über Zusammenhalt, Mut und die Kraft, sich alten Verletzungen zu stellen. Besonders empfehlenswert für alle, die Familiengeschichten mögen und Geschichten schätzen, in denen Vergangenheit und Gegenwart miteinander verwoben sind.
    Die Ufer der Zeit

    Thomas Franke
    Die Ufer der Zeit (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.02.2026

    Vom Meer getragen durch die Zeit

    Die Geschichte ist ruhig erzählt und braucht etwas Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten. Im Mittelpunkt steht Jan, der ohne Vorbereitung aus seiner Gegenwart gerissen wird und sich in früheren Zeiten wiederfindet. Dabei geht es weniger um das Staunen über das Zeitreisen selbst, sondern um das Leben in fremden Welten. Fischer, Walfänger und Schmuggler werden in ihrem Alltag gezeigt, oft hart und entbehrungsreich, aber glaubwürdig und nah.
    Das Meer ist dabei ständig präsent. Es verbindet die verschiedenen Zeiten miteinander und bestimmt den Rhythmus der Handlung. Mal wirkt es bedrohlich, mal ruhig und fast tröstend.
    Mit Alva tritt eine Figur in Jans Leben, die vieles offenlässt. Gerade das macht sie interessant. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich langsam und ohne große Worte. Es gibt keine schnellen Wendungen und keine übertriebenen Gefühle. Stattdessen entsteht eine Nähe, die sich natürlich anfühlt und den Zeitreisen eine emotionale Tiefe gibt.
    Auch Fragen nach Sinn, Glauben und dem eigenen Platz im Leben spielen eine Rolle. Sie drängen sich nicht auf, sondern tauchen leise auf und bleiben im Hintergrund spürbar. Vieles wird nicht erklärt, sondern dem Lesen überlassen. Das passt gut zur ruhigen Art der Geschichte.
    Nicht jeder Abschnitt ist gleich stark. Manche Passagen ziehen sich etwas, vor allem wenn der Blick stärker auf den äußeren Umständen liegt. Insgesamt überzeugt der Roman aber durch seine klare Sprache, die stimmige Atmosphäre und das Gefühl, dass sorgfältig recherchiert wurde.
    Am Ende bleibt der Eindruck einer besonderen Reise durch verschiedene Zeiten und Lebensformen. Dafür vergebe ich vier Sterne und eine Leseempfehlung.
    Die Papierschöpferin

    Anna Thaler
    Die Papierschöpferin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.02.2026

    Eine Geschichte, die berührt

    Der Roman führt in das 15. Jahrhundert nach Norditalien, in eine Zeit, in der das Leben noch stark von harter Arbeit und eigenen Entscheidungen bestimmt wird. Eine junge Frau steht plötzlich allein da und muss Entscheidungen treffen, für die andere ein ganzes Leben Zeit haben. Von diesem Moment an entwickelt sich eine ruhige, klare Geschichte. Sie kommt ohne große Dramatik aus und zeigt, was es heißt, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen nicht aus dem Weg zu gehen.
    Der Alltag in der Papiermühle am Gardasee wird nachvollziehbar und unaufgeregt geschildert. Die Arbeit, das Wasser, das Holz und das Papier gehören ganz selbstverständlich zur Geschichte. Das Wissen über die Papierherstellung fließt ruhig in die Handlung mit ein. Alles fühlt sich stimmig an und gibt der Handlung Tiefe.
    Sofia wird als starke, aber zurückhaltende Figur gezeigt. Ihre Kraft liegt im Durchhalten und im Weitermachen, auch wenn die Widerstände wachsen. Die Konflikte entstehen aus Neid, Macht und alten Abhängigkeiten.
    Auch die Liebesgeschichte bleibt im Hintergrund. Sie entwickelt sich langsam und vorsichtig und passt gut in die Zeit und die Situation der Figuren. Die Wege nach Augsburg und Venedig erweitern die Geschichte. Der aufkommende Buchdruck wird spürbar als Veränderung, die vieles in Bewegung bringt.
    Der Roman lebt von seiner ruhigen Art. Stattdessen entsteht ein gleichmäßiger und angenehmer Lesefluss.
    Am Ende bleibt der Eindruck eines sorgfältig erzählten historischen Romans, der Wissen, Gefühl und Handlung gut miteinander verbindet. Eine eindrucksvolle Geschichte.
    Ein Buch für alle, die gern in eine andere Zeit eintauchen und dabei eine ruhige, glaubwürdige Geschichte erleben möchten. 5 Sterne.
    Gut Bradow - Jahreszeiten der Sehnsucht

    Valentina May
    Gut Bradow - Jahreszeiten der Sehnsucht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.01.2026

    Neuanfang und alte Spuren

    Die Geschichte beginnt mit Jonna, die nach einer schweren Zeit ihr altes Leben hinter sich lässt. Sie fährt ziellos an die mecklenburgische Seenplatte und stößt dort auf ein altes Gut, das sie aus ihr noch unerklärlichen Gründen nicht mehr loslässt. Schon früh wird klar, dass dieser Ort für sie sehr bedeutungsvoll werden wird.
    Gut Bradow wird Teil ihres Alltags. Jonna ersteigert den Gutshof und beginnt mit den Arbeiten. Dabei findet sie alte Briefe und Unterlagen, die auf eine Zeit nach dem Krieg hinweisen. Sie zeigen eine Verbindung zu ihrer Familie und ein verschwundenes Kind. Die Hinweise bleiben zurückhaltend, lassen aber erkennen, dass die Vergangenheit noch nicht abgeschlossen ist.
    Auch das Dorf spielt eine Rolle. Es gibt freundliche Menschen, aber auch Zurückhaltung und Widerstand. Einige Bewohner möchten nicht, dass alte Dinge wieder aufgedeckt werden, und versuchen, Jonna zu vertreiben. Diese Spannung zieht sich wie ein roter Faden durch die Handlung.
    Unterstützung bekommt Jonna von David, einem Anwalt aus Lübeck, mit dem sie bereits zuvor unliebsame Bekanntschaft gemacht hat. Zwischen beiden entwickelt sich Nähe, zugleich sind Zweifel und Misstrauen spürbar.
    Die Geschichte ist ruhig erzählt und konzentriert sich auf Atmosphäre und Stimmung. Die Landschaft, das alte Gut und die Spuren der Vergangenheit sind deutlich spürbar. Es entsteht ein Gefühl für die Zeit und die Menschen, die hier gelebt haben.
    Am Ende bleibt das Gefühl, eine Geschichte erlebt zu haben, die kurzweilig und nachvollziehbar ist. Gegenwart und Vergangenheit sind miteinander verbunden, die Figuren und ihre Gefühle werden nahbar beschrieben, ohne dass es übertrieben oder künstlich wirkt.
    Mir hat dieses Buch kurzweilige und interessante Lesestunden bereitet. Gerne empfehle ich es weiter.
    5 Sterne.
    Tage des Lichts

    Megan Hunter
    Tage des Lichts (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    30.01.2026

    Sechs Tage, die ein Leben prägen

    Im Mittelpunkt steht das Leben einer Frau, das sich langsam und oft unauffällig verändert.
    Erzählt wird es entlang von sechs Tagen, die über acht Jahrzehnte verteilt liegen und die Richtung ihres Lebens immer wieder neu bestimmen.
    Die Geschichte beginnt in England kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Eine junge Frau steht an der Schwelle zum Erwachsenwerden, umgeben von einer außergewöhnlichen, kreativen Familie und vielen Möglichkeiten. Ein tragisches Ereignis an einem einzigen Nachmittag verändert jedoch den Lauf ihres Lebens grundlegend. Aus Freiheit wird Anpassung, aus Sehnsucht wird Alltag. Ehe, Kinder und ein äußerlich geordnetes Leben prägen die folgenden Jahre, während innerlich eine Leere zurückbleibt.
    Erst lange später rückt eine Begegnung wieder ins Bewusstsein, die einst von großer Bedeutung war. Eine Frau, die für einen anderen Lebensentwurf steht und für das, was hätte sein können. Zwischen beiden entwickelt sich eine heimliche, intensive Liebe. Sie bleibt begrenzt durch Zeit, Verantwortung und gesellschaftliche Erwartungen.
    Der Roman erzählt von Schuld, Sehnsucht und von Entscheidungen, die ein ganzes Leben prägen können. Dabei wird nichts überzeichnet. Die leisen Momente, das Verschweigen und das Aushalten stehen im Vordergrund, nicht das große Drama. Besonders eindrücklich ist der Blick auf das Älterwerden und auf die Frage, wie viel Einfluss früh getroffene Entscheidungen noch im späteren Leben haben.
    Der Schreibstil bleibt zurückhaltend und kontrolliert. Die Sprache ist klar, stellenweise fast nüchtern. Hier hätte etwas mehr Lebendigkeit gutgetan, vor allem in emotionalen Passagen. Dennoch trägt diese Zurückhaltung auch zur besonderen Stimmung des Romans bei und lässt Raum für eigene Gedanken.
    4 Sterne und eine Leseempfehlung für Leserinnen und Leser, die ruhige, nachdenkliche Romane schätzen und sich gern auf leise Lebensgeschichten einlassen.
    Weltenwechsel

    Marion Kraft
    Weltenwechsel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.01.2026

    Zwischen Ausgrenzung und Selbstfindung

    Dieses Buch erzählt von Julia, einem Mädchen, das am Rand der Gesellschaft aufwächst. Als Tochter einer weißen Mutter und eines amerikanischen farbigen GI erlebt sie früh, was es heißt, aufzufallen und nicht dazuzugehören. Ausgrenzung, Armut und die Nachwirkungen des Krieges prägen ihren Alltag.
    Ein besonderer Ort in Julias Kindheit ist das sogenannte bunte Haus. Dort lebt sie eine Zeit lang mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammen und erfährt so etwas wie Schutz und Zugehörigkeit. Diese Phase fühlt sich beim Lesen wie ein kurzer, kostbarer Halt an. Umso stärker wirkt es, wenn sich das Leben erneut wendet und Julia gezwungen ist, ihren Weg unter veränderten Bedingungen fortzusetzen.
    Der Roman verknüpft Julias Geschichte mit der ihrer Familie und spannt dabei einen Bogen über drei Generationen von Frauen. Es geht um die Weitergabe von Erfahrungen, um Verletzungen, die nicht ausgesprochen werden, und um die Frage, wie Herkunft ein Leben formt. Die westdeutsche Nachkriegszeit ist dabei stets präsent. Viele der geschilderten Situationen wirken heute noch nachvollziehbar.
    Marion Kraft schreibt klar und aufmerksam. Die Sprache ist einfach und genau. Nähe stellt sich leise ein, ebenso Unruhe und Mitgefühl. Besonders eindrucksvoll ist Julias Entwicklung hin zu einer jungen Frau, die ihren Platz sucht und beginnt, sich selbst ernst zu nehmen. Dieser Weg wirkt glaubwürdig und nachvollziehbar.
    Was diesen Roman auszeichnet, ist seine Haltung. Er erzählt von Identität, Fremdsein und Selbstbehauptung. Die Geschichte vertraut darauf, dass das Erlebte für sich spricht.
    Ein kraftvoller Debütroman der Autorin, der stark berührt und tief bewegt.
    5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für Leserinnen und Leser, die tiefgehende Romane mögen.
    Alle glücklich

    Kira Mohn
    Alle glücklich (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.01.2026

    Wenn die scheinbare Ordnung zu bröckeln beginnt

    Alles wirkt erst einmal ruhig und geordnet. Eine Familie, die nach außen funktioniert, im Alltag ihren Platz hat und deren Abläufe vertraut scheinen. Doch hinter der Normalität verstecken sich Spannungen, die stetig an Gewicht gewinnen. Kleine Gedanken, unausgesprochene Wünsche und ein leises Ziehen begleiten die Figuren, ohne dass sie es selbst bemerken. Genau dort beginnt die Geschichte und entfaltet sich nahbar und glaubwürdig.
    Nicht alles wird ausgesprochen. Viele Gedanken bleiben für sich, Entscheidungen werden verschoben und Gefühle verborgen.
    Jede der vier Personen geht anders mit dem Druck um. Nach außen läuft vieles wie gewohnt weiter, doch innerlich ändert sich etwas. Dinge, die lange leicht erschienen, lasten plötzlich schwer. Kleine Entscheidungen zeigen, dass nicht alles so sicher ist, wie es wirkt.
    Die Figuren wirken vertraut, weil ihre Gedanken und Unsicherheiten spürbar sind. Situationen und Momente erscheinen wiedererkennbar. Schweigen, Zögern und Festhalten an Gewohntem wirken dabei ganz natürlich.
    Die Geschichte zeigt, wie schnell Routinen ins Wanken geraten und wie wichtig es ist, auf sich selbst zu achten. Man begleitet die Figuren durch Momente von Zweifel, Sorge und Hoffnung.
    Fazit:
    Ein warmherziges Buch über Familie, Nähe und das, was hinter den Fassaden bleibt. Die Figuren wirken lebendig und ehrlich, die Geschichte nachvollziehbar. Wer ruhige, gefühlvolle Geschichten schätzt, ist hier gut aufgehoben.
    Meine Bewertung: 4 Sterne
    Der letzte Sommer der Tauben

    Abbas Khider
    Der letzte Sommer der Tauben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.01.2026

    Ein Sommer, der alles verändert

    Im Mittelpunkt steht ein vierzehnjähriger Junge, der Tauben züchtet und in diesen Tieren Freiheit und Ordnung zugleich findet. Während er sich um sie kümmert, rückt eine neue Macht immer näher an den Alltag. Zuerst fast unmerklich, dann immer deutlicher. Hubschrauber am Himmel, neue Regeln, veränderte Blicke der Menschen.
    Der Vater passt Bilder an, um Ärger zu vermeiden. Der ältere Bruder macht Karriere in einem System, das Angst verbreitet. Mutter und Schwester dürfen sich immer weniger frei bewegen. Ihre Welt wird kleiner, und gleichzeitig wächst der Druck auf die Männer, aufzupassen, zu kontrollieren und Regeln durchzusetzen. Die Selbstständigkeit der Frauen schwindet dabei immer mehr.
    Besonders stark wirkt der Blick des Jungen. Er versteht vieles noch nicht ganz, spürt aber genau, wie sich sein Alltag verändert. Die Tauben sind für ihn mehr als ein Hobby. Sie gehören zu seinem Leben, geben ihm Struktur und Ruhe. Als sie ebenfalls bedroht werden, wird spürbar, wie sehr diese kleinen Freiheiten den Alltag bestimmen.
    Die Sprache bleibt ruhig und klar. Es gibt Momente von feinem Humor, die nicht auflockern, sondern Nähe schaffen. Vieles wirkt schlicht und gerade dadurch glaubwürdig.
    Zurück bleibt das Bild eines Sommers, der etwas beendet. Ein Buch, das wenig erklärt, viel zeigt und lange nachwirkt.
    Mich hat dieser Roman tief bewegt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Sanddornschwestern

    Kathleen Freitag
    Sanddornschwestern (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.01.2026

    Drei Schwestern und das, was bleibt

    Die Geschichte beginnt im Jahr 1929 auf der Insel Usedom und setzt sich viele Jahre später im Jahr 1990 fort. Im Mittelpunkt stehen drei Schwestern und ihre Familie, deren Leben von Ereignissen geprägt wird, die lange nachwirken. Still und ruhig entfaltet sich das Geschehen, getragen von Erinnerungen, Verlust und dem Versuch, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.
    Der Alltag im Hotel Sanddorn ist von Arbeit und familiärem Zusammenhalt bestimmt. Mit der wirtschaftlich schwieriger werdenden Zeit wächst jedoch die Unsicherheit. Sorgen und Ängste schleichen sich ein, oft unausgesprochen. Ein neuer Pensionsgast bringt zusätzlich Unruhe in das Leben der Schwestern und stellt vieles auf den Kopf.
    Die Figuren wirken nah und glaubwürdig. Jede der Schwestern geht anders mit Hoffnung, Liebe und Enttäuschung um. Agnes steht dabei stärker im Mittelpunkt, ohne dass die anderen in den Hintergrund geraten. Entscheidungen aus jungen Jahren wirken lange nach und prägen das weitere Leben.
    Der zweite Handlungsstrang der Geschichte spielt im Jahr 1990. Agnes’ Rückkehr an den ihr vertrauten Ort bringt Erinnerungen zurück, die lange verdrängt waren. Vergangenes wird nicht ausführlich erklärt, sondern nach und nach sichtbar. Kleine Hinweise reichen aus, um Zusammenhänge zu verstehen. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch, das Erlebte einzuordnen.
    Die Insel Usedom prägt die Geschichte und verbindet die beiden Zeitebenen. Sie schafft eine ruhige und stimmige Atmosphäre. Gefühle werden zurückhaltend gezeigt und wirken dadurch besonders deutlich. Beim Lesen bleibt ein leises Nachklingen, das die Ereignisse lange im Gedächtnis hält.
    Am Ende bleibt eine Geschichte, die nachwirkt. Es geht um Schuld, Verlust und die Möglichkeit, Frieden mit der Vergangenheit zu finden. Ruhig erzählt, mit Wärme und spürbarer Tiefe. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Wieso Heimat, ich wohne zur Miete

    Selim Özdogan
    Wieso Heimat, ich wohne zur Miete (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    15.01.2026

    Zwischen Freiburg und Istanbul auf der Suche nach sich selbst

    Verlassenwerden kann ein ziemlich unbequemer Anfang sein. Hier ist es der Auslöser für eine Reise, die weniger mit Kofferpacken als mit innerer Unruhe zu tun hat. Krishna Mustafa steckt fest zwischen Erwartungen, Zuschreibungen und der Frage, wer oder was man eigentlich sein soll. Nicht dramatisch, nicht pathetisch, sondern eher tastend und suchend.
    Der Ortswechsel nach Istanbul fühlt sich anfangs wie ein Befreiungsschlag an. Neue Straßen, neue Stimmen, neue Rhythmen. Die Stadt wirkt lebendig, laut und widersprüchlich, genau wie Krishna selbst. Moscheen stehen neben Starbucks, politische Gespräche neben Alltagsbeobachtungen, und immer wieder schiebt sich ein feiner Humor dazwischen, der hängen bleibt.
    Der Roman erzählt bewusst nicht in großen Bögen. Es sind Begegnungen, Gespräche und kleine Beobachtungen, die sich nach und nach zusammenfügen. Gerade das wirkt glaubwürdig. Wer klare Antworten erwartet, wird sie hier nicht finden. Wer jedoch wissen möchte, wie sich dieses Leben zwischen den Welten anfühlen kann, bekommt ein sehr stimmiges Bild.
    Besonders überzeugend ist der Ton. Leicht, manchmal frech, oft sehr genau. Klischees werden benannt, gelegentlich überspitzt und dann wieder still entlarvt. Politische Themen wie Erdoğan oder der Gezi Park tauchen auf und fügen sich selbstverständlich in den geschilderten Alltag ein. Sie stehen nicht im Mittelpunkt, sind aber spürbar präsent, so wie im echten Leben.
    Beim Lesen stellt sich immer wieder dieses leise Erkennen ein. Nicht weil alles vertraut wäre, sondern weil Unsicherheit, Neugier und das Nicht-Ankommen erstaunlich nah wirken. Die Suche nach guter Schokolade, Gespräche mit Verwandten und flüchtige Eindrücke aus dem Stadtleben sind keine Nebensachen, sondern tragen die Geschichte.
    Am Ende bleibt kein fertiges Selbstbild. Und genau das passt zu diesem Roman. Die Reise liefert keine Lösung, aber eine ehrliche Annäherung an die eigene Zerrissenheit. Das wirkt klug, menschlich und angenehm unaufgeregt.
    Vier Sterne für einen Roman, der leicht erzählt ist, fein beobachtet und noch nachwirkt, gerade weil er offen bleibt.
    In der Liebe wollen wir frei sein

    Susanne Lieder
    In der Liebe wollen wir frei sein (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.01.2026

    Zwischen Liebe und Selbstbestimmung

    Diese Geschichte spielt Anfang der siebziger Jahre, einer Zeit, in der vieles im Wandel ist. Alte Rollenbilder bestimmen noch den Alltag, auch wenn viele Menschen beginnen, sie zu hinterfragen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die als Journalistin arbeitet und überzeugt ist, dass man Missstände offen benennen muss.
    Der Roman zeigt, wie schnell sich das Leben von Frauen verändert, sobald Ehe und Erwartungen eine Rolle spielen. Eine enge Freundschaft bekommt Risse, als Selbstständigkeit gegen Anpassung eingetauscht wird.
    Der Wunsch nach Liebe ist da, aber nicht um jeden Preis. Eine Beziehung soll auf Augenhöhe stattfinden. Gleichzeitig ist ständig die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft präsent. Diese Unsicherheit begleitet viele Entscheidungen und prägt den Alltag spürbar.
    Als die Diskussion um den Paragrafen 218 stärker wird, rücken persönliche Fragen und politische Themen eng zusammen. Haltung zeigen wird notwendig, im Beruf und im eigenen Leben.
    Die Geschichte wird ruhig und zurückhaltend erzählt. Die Figuren wirken nah und echt, ihre Gedanken und Zweifel sind gut nachvollziehbar. Das Buch vermittelt ein klares Gefühl für diese Zeit und ihre Spannungen.
    Vier Sterne für eine ruhige und nachdenkliche Geschichte.
    Bis mein Herz dich findet (Liebesroman)

    Josefine Weiss
    Bis mein Herz dich findet (Liebesroman) (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.01.2026

    Wenn Liebe stärker ist als die Angst

    Schon zu Beginn der Lektüre wird klar, dass sich Josefine Weiss erneut einem Thema widmet, das nicht leicht ist. Maja und Ben warten beide auf ein Spenderherz. Ihre Chancen stehen schlecht, da sie bei Eurotransplant nicht als besonders dringend eingestuft sind. Und trotzdem entsteht und wächst zwischen ihnen etwas, das stärker ist als ihre Angst und Unsicherheit. Sie beginnen, von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen, obwohl jeder Tag ungewiss ist.
    Erzählt wird die Geschichte aus Majas Sicht. Dadurch entsteht eine große Nähe zu ihren Gedanken und Gefühlen. Zweifel, Hoffnung, Angst und leise Zuversicht wirken ehrlich und nachvollziehbar. Auch Ben bleibt nicht blass. Er ist eine Figur mit Ecken und Tiefe, ruhig, warm und zugleich sehr verletzlich.
    Der Schreibstil ist klar und sehr bildhaft. Die Autorin beschreibt Situationen und Emotionen so, dass sie leicht zugänglich bleiben, ohne an Wirkung zu verlieren. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab. Es gibt ruhige Momente voller Nähe, aber auch Passagen, die schmerzhaft sind.
    Die Handlung wird nicht ausgeschmückt oder breit erzählt. Stattdessen fließen wichtige Informationen ganz selbstverständlich ein. Der Leser spürt das Warten, die Ungewissheit, das Hoffen auf einen Anruf, der alles verändern kann.
    Trotz des schweren Themas liest sich das Buch flüssig. Die Seiten fliegen nur so dahin, weil man wissen möchte, wie es weitergeht und wohin der Weg führt. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, nicht leicht, aber sehr berührend.
    Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die gefühlvolle Geschichten mögen, jedoch auch vor schweren Themen nicht zurückschrecken.
    Der Retter der Mütter

    Péter Gárdos
    Der Retter der Mütter (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.01.2026

    Der Mann, der Leben rettete und daran zerbrach

    Der ungarische Autor Péter Gárdos widmet sich in diesem Roman dem Leben des in Buda geborenen Frauenarztes Ignaz Semmelweis (1818 bis 1865). Getrieben von seinem Gewissen stellte er sich gegen die erschreckend hohe Sterblichkeit von Frauen in den Geburtskliniken seiner Zeit. Über Jahre hinweg forschte er nach den Ursachen und gelangte schließlich zu bahnbrechenden Erkenntnissen über die Entstehung des Kindbettfiebers. Doch seine Beobachtungen stießen auf massiven Widerstand. Zu Lebzeiten fand Semmelweis kaum Unterstützung unter seinen Kollegen und wurde stattdessen mit Misstrauen, Neid und offenem Ablehnen konfrontiert. Sein unbeirrbarer Einsatz machte ihn zum Außenseiter innerhalb der Ärzteschaft und forderte einen hohen persönlichen Preis.
    Der Autor zeichnet das Porträt eines außergewöhnlichen Mannes, der trotz aller Rückschläge nicht aufgab und bis zuletzt für das Leben der Wöchnerinnen kämpfte. Dabei rückt nicht allein der Mediziner in den Fokus, sondern vor allem der Mensch hinter der wissenschaftlichen Leistung, mit all seinen Zweifeln und Hoffnungen.
    Die Figuren sind vielschichtig und sorgfältig ausgearbeitet, wodurch ihre Gedanken und inneren Konflikte spürbar werden. Historische Fakten verbinden sich stimmig mit fiktiven Elementen und schaffen ein dichtes und glaubwürdiges Gesamtbild. Der bildhafte und klare Schreibstil trägt dazu bei, dass sich die Geschichte lebendig liest und die Tragweite von Semmelweis’ Kampf im Gedächtnis bleibt.
    Ein bewegender Roman über Mut, Menschlichkeit und wissenschaftliche Wahrheit, der tief berührt und für mich eine uneingeschränkte 5-Sterne-Empfehlung verdient.
    Die Magnolientochter

    Tessa Collins
    Die Magnolientochter (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.01.2026

    Eine Reise zu den eigenen Wurzeln

    Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihr Leben im Griff hat und trotzdem spürt, dass ein Teil ihrer Familiengeschichte fehlt. Als sie in den Unterlagen ihrer verstorbenen Großmutter auf ein altes Flugticket nach Neuseeland stößt, tauchen Fragen auf, die lange unbeantwortet blieben. Besonders die Vergangenheit ihrer Mutter liegt wie ein stiller Schatten über allem.
    Die Reise nach Neuseeland ist kein klassisches Abenteuer, sondern ein Schritt nach vorn. Die neue Umgebung, die Arbeit zum Schutz der Natur und die Begegnungen vor Ort verändern ihren Blick auf vieles. Dabei bleibt die Geschichte glaubwürdig, denn nichts wirkt übertrieben oder gestellt.
    Die Familiengeschichte zeigt sich nach und nach. Es geht um alte Wunden und lange Zeit des Schweigens, ohne dass etwas dramatisch ausgeschmückt wird. Diese Zurückhaltung macht das Erzählte greifbar. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verstehen und den Mut, sich der Vergangenheit zu stellen.
    Auch die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam. Sie drängt sich nicht auf und steht nicht im Vordergrund. Nähe entsteht durch Gespräche, durch gemeinsame Momente und Vertrauen.
    Beim Lesen fühlt man sich den Figuren nah. Die Geschichte lässt Zeit zum Nachdenken und bleibt lange im Gedächtnis. Am Ende zeigt sie, dass Heilung möglich ist, auch wenn sie nicht vollkommen sein muss.
    Dieser 4. Band der Blumentöchter-Reihe hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet. Sehr gerne empfehle ich ihn weiter.
    Eine klare 5-Sterne-Empfehlung für alle, die Geschichten über Familie, Herkunft und Veränderungen lieben.
    Sündflut 1784

    Marco Hasenkopf
    Sündflut 1784 (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.12.2025

    Eine Stadt im Ausnahmezustand

    Die Geschichte spielt in einer Zeit, in der eine ganze Stadt den Halt verloren hat. Nach der großen Flut liegt Cöln im Jahr 1784 im Chaos. Häuser sind zerstört, viele Menschen haben alles verloren, Angst und Verzweiflung bestimmen den Alltag.
    In dieser angespannten Lage rückt die Apothekerwitwe Anna Maria in den Fokus. Sie lebt eigenständig, hält Abstand von der Masse und passt nicht in das enge Denken ihrer Umgebung. Genau das macht sie verdächtig. Der Hexenwahn breitet sich aus und wirkt erschreckend glaubwürdig. Die Handlung zeigt, wie schnell Unsicherheit in Misstrauen und Ablehnung umschlagen kann.
    Amtmann Henrik van Venray stellt sich dieser Entwicklung entgegen. Er sucht ruhig und beharrlich nach der Wahrheit. Mit der Zeit wird klar, dass hinter den Anschuldigungen mehr steckt als bloßer Aberglaube. Persönliche Interessen, Macht und gezielte Intrigen spielen eine größere Rolle, als es zunächst den Anschein hatte.
    Die Atmosphäre ist eindrucksvoll. Die überflutete Stadt, die Sorgen der Menschen und die gedrückte Stimmung wirken lebendig und greifbar. Historische Details fügen sich unauffällig und passend ein. Der Schreibstil ist flüssig und bildhaft, die Szenen lassen sich leicht vorstellen. Die Bilder von Stadt, Flut und bedrängten Menschen bleiben lange im Gedächtnis.
    Auch die Figuren sind klar und zurückhaltend gezeichnet. Anna Maria wirkt verletzlich, jedoch ohne schwach zu erscheinen. Henrik van Venray zweifelt, wägt ab und übernimmt Verantwortung. Gerade diese ruhige Darstellung macht ihr Handeln glaubwürdig und nachvollziehbar.
    Zurück bleibt ein spannender, historischer Kriminalroman. Die Geschichte zeigt, wie schnell Angst um sich greifen kann und wie leicht Schuld verteilt wird. Gleichzeitig wird deutlich, wie viel Mut es braucht, sich dem entgegenzustellen. Dieser Eindruck bleibt auch nach der letzten Seite spürbar.
    Eine klare 5-Sterne-Empfehlung für alle Liebhaber historischer Krimis.
    Ransom Canyon

    Jodi Thomas
    Ransom Canyon (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    18.12.2025

    Eine Geschichte über Familie und Verantwortung

    Die Geschichte spielt in einer kleinen Gemeinschaft in Texas. Auf der Ranch geht es um harte Arbeit, Familie und alte Beziehungen. Viele kennen sich schon lange. Entscheidungen aus der Vergangenheit beeinflussen das Leben der Figuren bis heute.
    Ein großer Teil der Geschichte dreht sich um die Ranch und die Verantwortung, die damit verbunden ist. Es geht um Verlust, Trauer und darum, wieder einen Platz im Leben zu finden. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam. Nähe entsteht Schritt für Schritt. Zweifel gehören dazu und machen die Beziehung realistisch.
    Das Leben in Ransom Canyon ist ruhig, aber nicht ohne Konflikte. Alte Spannungen und unterschiedliche Vorstellungen sorgen für kleine Reibungen. Es passiert nichts Spektakuläres, aber alles fühlt sich wirklich an.
    Beim Lesen ist die Stimmung ruhig und nachdenklich. Die Handlung nimmt sich Zeit. Manche Entwicklungen lassen sich früh erahnen. Wichtig ist das Zusammenspiel der Menschen und ihr Alltag.
    Ransom Canyon erzählt von Zusammenhalt, Verantwortung und vorsichtigen Neuanfängen. Ein einfaches Buch, das bodenständig ist und beim Lesen angenehm bleibt.
    3 Sterne.
    Die verlassene Tochter

    Soraya Lane
    Die verlassene Tochter (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.12.2025

    Ein starker sechster Band der Reihe

    Dieser Roman führt in die Welt der verlorenen Töchter und erzählt als sechster Band eine sehr gefühlvolle Geschichte. Rose steht an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben. Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter fühlt sie sich verloren. Der Brief eines Anwalts aus Buenos Aires weckt neue Hoffnung und bringt sie auf eine Spur, die ihr ganzes Bild von der eigenen Familie verändern soll.
    Rose reist nach Argentinien. Als Erbe erwartet sie eine große Ranch mit weiten Feldern und Pferden, die früher für das Polospiel gezüchtet wurden und nun in hier Ruhe leben. Rose spürt, dass dieser Ort viel mit ihrer Vergangenheit zu tun hat und dass sie hier Antworten auf ihre Fragen finden kann.
    Benjamin, der sich um die Pferde kümmert, wird schnell zu einem verlässlichen Begleiter. Er kennt die Geschichte der Ranch und seiner Familie gut. Zwischen ihm und Rose entsteht etwas Zartes, das sich ganz langsam entwickelt.
    Die zweite Zeitebene erzählt von einer Liebe, die damals nicht offen gelebt werden durfte. Diese alte Geschichte ist eng mit Roses Herkunft verbunden und macht den Roman noch bewegender. Die Aufdeckungen kommen Schritt für Schritt und fügen sich am Ende sehr stimmig zusammen.
    Die Handlung überzeugt durch die schönen Schauplätze, durch die behutsame Liebesgeschichte und durch den Fokus auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Als sechster Band der Reihe passt er sehr gut zu den vorherigen Teilen und erzählt gleichzeitig seine eigene, abgeschlossene Geschichte.
    Zum Schluss bleibt wichtig: Die Bände dieser Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden, da jeder in sich abgeschlossen ist. Schon jetzt ist die Vorfreude auf Band 7, der Anfang Mai 2026 erscheinen soll, sehr groß.
    5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
    Der Rache Glanz

    Maud Ventura
    Der Rache Glanz (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.12.2025

    Der hohe Preis eines Traums

    Schon am Anfang spürt der Leser, wie stark Cléo aus ihrem gewöhnlichen Umfeld ausbrechen möchte. Ein kleiner Vorfall während einer Modenschau trifft sie so sehr, dass daraus ein fast brennender Wunsch entsteht, gesehen zu werden. Von diesem Moment an richtet sich alles in ihrem Leben auf den Traum, berühmt zu werden.
    Der Roman zeigt Schritt für Schritt, wie Cléo sich in die Musik hineinarbeitet. Sie übt ständig, feilt an ihrer Stimme, achtet auf jedes kleine Detail und lässt kaum eine Pause zu. Ihre Entschlossenheit wirkt manchmal beeindruckend, manchmal auch beunruhigend, weil sie sich selbst kaum Ruhe gönnt. Beim Lesen entsteht oft das Gefühl, ganz nah an dieser inneren Spannung zu sein. Cléos Entwicklung macht neugierig, aber auch ein wenig betroffen, weil deutlich wird, wie viel sie dafür aufgibt.
    Im Laufe der Kapitel zeigen sich immer wieder Begebenheiten, die deutlich machen, wie Cléo wirklich fühlt und was sie innerlich antreibt. Der Druck, den sie sich selbst auferlegt, wächst mit jedem Schritt Richtung Öffentlichkeit. Je heller ihr Weg wirkt, desto mehr zeigt sich darunter auch eine Unsicherheit, die sie nie ganz loslässt. Es wird deutlich, wie sehr Ruhm verlockt und zugleich verletzt.
    Besonders eindrucksvoll ist, wie ehrlich der Roman mit dieser Mischung aus Hoffnung und Härte umgeht. Cléos Ziel strahlt, aber es reibt auch. Dadurch bleibt die Erzählung nahbar und glaubwürdig. Am Ende entsteht der Eindruck eines Romans, der nicht nur von Erfolg erzählt, sondern auch davon, wie viel ein Mensch riskiert, wenn ein Traum wichtiger wird als alles andere.
    Zum Schluss hinterlässt die Geschichte ein starkes Gefühl von Spannung und echter Unterhaltung. Der Stil von Maud Ventura trifft mit scharfem Blick und klarem Ton genau ins Schwarze und sorgt dafür, dass jede Szene lebendig wirkt. Die letzten Seiten überraschen mit einem kraftvollen Moment, der Roman einen besonderen Glanz gibt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
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