Fesselnder Auftaktband der Cathrine-Birklund-Reihe
TREIBSAND ist der fesselnde Auftaktband zu Christina Lunds Cathrine-Birklund-Reihe.
Catherines Einsatz in Afghanistan hat sie komplett aus der Bahn geworfen, als sie mit ansehen muss, wie die kleine Maliha einen Anschlag, dem Catherine knapp entkommen ist, nicht überlebt. Man spürt direkt Catherines Schmerz, der nicht in Worte zu fassen ist. Zurück in der Heimat dann ist es Adams Geburt, das Kind von ihr und Claus, von der ich als nächstes lese. Sie denkt dabei zurück an den tödlichen Angriff in Afghanistan, an Maliha, die nicht alt werden durfte. Selbst nach der Geburt ihres Kindes kann sie die Dämonen der Vergangenheit nicht abstreifen.
Catherine ist Journalistin, einst gefeiert, sehr erfahren, sehr erfolgreich. Nach den traumatischen Erlebnissen greift sie zu allem, was betäubt, bevorzugt nach Alkohol. Ihr Job ist in Gefahr, auch ihr Privatleben mit Mann und Kind entgleitet ihr zusehends, da greift sie nach dem letzten Strohhalm, der sich ihr auftut: Ihre Freundin Pim, die als Privatdetektivin in Bangkok lebt, braucht ihre Hilfe als dänische Staatsangehörige, denn Clara, die Tochter des dänischen Botschafters, ist verschwunden. Die Behörden verhängen eine Nachrichtensperre, die thailändische Polizei ist eher inaktiv, die Eltern weichen auf private Hilfe aus.
Es sind ganz und gar unterschiedliche Charaktere, die hier aufeinandertreffen. Catherine ist eine gebrochene Frau, die ohne einen gewissen Alkoholpegel nicht durch den Tag kommt. Man könnte sie komplett verurteilen. Sie ist keine Mutter, trotzdem sie ein Kind geboren hat, sie trinkt bis zum Absturz - nicht nur einmal möchte ich ihr zurufen, zumindest genügend Nahrung zu sich zu nehmen. Pim ist das genaue Gegenteil, sie ist durch und durch diszipliniert. Auch ihr Partner Yosuf, der sich nach einer schweren Verletzung als Beamter der Royal Thai Police als Privatdetektiv selbständig gemacht hat, behält stets den Überblick.
Zunächst ist es die Suche nach Clara, bald aber kommt sehr viel mehr dazu. Der SSB, ein thailändischer Geheimdienst, scheint hier involviert zu sein. Ein Weg führt ins berüchtigte Bang Kwang Gefängnis, das „Bangkok-Hilton“. Dass Majestätsbeleidigung streng geahndet wird, ist zwar bekannt, hier aber wird so richtig bewusst, dass damit nicht zu spaßen ist. Politische Aktivisten spielen eine Rolle und auch das sehr Private, das Zwischenmenschliche schwappt nach oben.
Christina Lund lässt in diesem ersten Band tief blicken. Ihre sehr fehlbare Hauptfigur kann man in vielerlei Hinsicht verurteilen, trotzdem bleibt sie nahbar, sofern man ihre Vita mit einbezieht. Ihre Alkoholexzesse führen in so manch zwielichtige Bar, in das dunkle Bangkok, in dem Korruption und Machtmissbrauch gedeihen, in eine Stadt, die wir als für uns so exotisches Reiseziel so nicht sehen werden.
Mich hat dieser TREIBSAND sofort ins Geschehen gezogen, schon in Afghanistan, das das hochriskante Leben einer Investigativjournalistin auf wenigen Seiten veranschaulicht. Ihr stetiger Kampf sowohl beruflich als auch privat ist anschaulich dargestellt und dann, im eigentlichen Fall um die Vermisste Clara, war ich komplett dabei. Ein gelungener Auftakt, der unbändige Lust auf mehr macht, auf Catherine Birklunds nächsten Fall UNTERSTROM, der wiederum von Dänemark nach Thailand führt.