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    Magnolia

    Aktiv seit: 05. November 2023
    "Hilfreich"-Bewertungen: 12
    262 Rezensionen
    Minnesota

    Jo Nesbø
    Minnesota (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.01.2026

    Großartig!

    Harry Hole, Jo Nesbøs erfolgreicher Ermittler, pausiert gerade. Und so schickt Nesbø einen Typen nach vorne, der mit genügend Ecken und Kanten ausgestattet ist – Bob Oz. Es ist ein Stand-alone-Krimi, auch wenn ich bald merke, dass ich gerne mehr von Oz lesen würde. Wie der Titel schon verrät, spielt sich das Ganze im amerikanischen Bundesstaat Minnesota ab, genauer gesagt in Minneapolis, das aktuell wieder in den Schlagzeilen ist, nachdem eine dreifache Mutter von einem Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE erschossen wurde. Diese und ähnliche Schreckensszenarien verleiden mir die USA, unter dem derzeitigen Präsidenten sowieso.
    Nun, die Story spielt im Oktober 2016, beginnt allerdings mit der Ankunft eines norwegischen Schriftstellers im September 2022, der – wie er beim Zoll angibt – zu Recherchezwecken anreist. „Ich habe vor, mich in den Kopf eines Mörders zu versetzen…“ denkt er, ohne es laut auszusprechen. „True Crime ist gerade angesagt, die Leute bekommen anscheinend von blutigen Morden nicht genug, insbesondere, wenn den Taten etwas Unerklärliches und Unerwartetes anhaftet… sodass es Raum für luftige Verschwörungstheorien gibt.“ Vor sechs Jahren haben Kameras den angeblichen Mörder erfasst, auf dessen Spur er sich begibt. Diese Rahmen-Story bleibt dezent im Hintergrund, das Hauptmerkmal liegt wie gesagt auf den Geschehnissen im Oktober 2016.
    Die Polizei jagt den Killer Tomas Gomez, der ihnen immer den entscheidenden Schritt voraus ist. Die USA und deren gesellschaftliche Konflikte werden dargestellt, das Recht auf Waffen und das viel diskutierte Waffengesetz mitsamt der starken Waffenlobby sind Thema, wie auch Rassismus und die damit einhergehend Migrationspolitik inklusive Polizeiwillkür.
    Bob Oz ist gebrochen, er hat seine kleine Tochter verloren, seine Ehe hat diesen Schicksalsschlag nicht überlebt. Seine Trauer mündet in einem hochgradigen Wutproblem, er leidet an Depressionen und hat außerdem noch eine ganze Reihe anderer Probleme. Er ist exzentrisch, trägt aus guten Gründen keine Waffe, ist eher ein Einzelgänger und doch erkennt seine Kollegin Kay Myers sein Potential, anders als so manch anderer. Zunächst war mir Bob Oz eher suspekt, bald aber konnte ich ihn nur zu gut verstehen. Er schaut genau hin, jagt einen Killer, der sehr schlau agiert, der auf seinem Rachefeldzug gegen Drogenbosse und Waffenhändler immer wieder entkommt. Spätestens als ein Anschlag auf den Bürgermeister im Raum steht, erkennt Oz ein Muster…
    Nach dem Lesen dieses absolut großartigen Kriminalromans ist mir wiederum bewusst, warum ich Jo Nesbø so sehr schätze. Oz & Co haben alles, was es braucht, um ins Geschehen abzutauchen und es braucht nur einige Namen wie etwa George Floyd oder Trump, die geschickt eingebettet werden, um den Bezug zur amerikanischen Wirklichkeit zu erkennen. Dabei überlässt es Nesbø seinen Lesern, weiterzudenken. Es ist ihm ein spannender Krimi gelungen, der keine actionreichen Szenen braucht, um dem ganzen Szenario, den verschiedenen Sichtweisen und den Perspektivwechseln atemlos zu folgen. Er bietet erstklassige Unterhaltung vom Feinsten, die verschobenen gesellschaftlichen Werte der heutigen USA inklusive der fragwürdigen Moral werden infrage gestellt, ohne belehrend zu sein. Absolut lesenswert!
    Flüsternde Erinnerungen

    Monalishan Santhalingam
    Flüsternde Erinnerungen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    09.01.2026

    Jäger oder Gejagter?

    Jojo ist als Psychotherapeut in einem Seniorenheim in Hamburg tätig. Noch immer plagen ihn Albträume, die ihn seit sieben Jahren nicht loslassen. Damals war er mit Freunden im Harz unterwegs, seine Erinnerungen daran sind wie ausgelöscht. Er alleine wurde gefunden, von seinen Freunden fehlt noch heute jede Spur.
    Der Prolog führt zunächst ins Heim, dabei handelt er sich extreme Schwierigkeiten mit einer Bewohnerin ein. Zeitgleich erreicht ihn eine Nachricht von seinem Vater, dass er denn dringend zu ihm kommen sollte. Also macht er sich auf in seine alte Heimat.
    Viel erfahre ich von Jojos Arbeit und den Bewohnern im Heim, vom Balancetraining mit den Senioren und noch so einiges mehr. Auch nervt seine Mutter, die mit neuem Lover im Süden urlaubt. Nun, sein Vater scheint die SMS nicht geschrieben zu haben, aber Jojo ist nun mal da. Er trifft im Ort alte Bekannte, die ihn noch immer für das Verschwinden seiner Freunde verantwortlich machen. Kurz entschlossen macht er sich auf, die damalige Wanderroute nochmal abzulaufen, vielleicht kehren die Erinnerungen doch noch zurück. Und noch immer verschwinden Menschen im Harz. Spurlos. Es scheint, als ob der Wald sie verschluckt hätte.
    Als düsterer Psychothriller werden diese FLÜSTERNDEN ERINNERUNGEN beschrieben. Für mich ist es eher ein Krimi für Einsteiger, die Altersfreigabe liegt bei 12 Jahren. Und genau das merkt man dem Buch auch an, obwohl ich einem Zwölfjährigen dieses Buch nicht geben würde. Viel zu lange, zu ausführlich, wird vom Heim berichtet. Bis Jojo sich aufmacht, seiner retrograden Amnesie entgegenzutreten, vergeht viel Zeit bzw. lese ich viele Seiten. Interessant wird es im Wald. Sowohl Jojo als auch so manch andere Gestalt kann ich nicht so recht durchschauen, hier bin ich voll drin. Es ist gruselig, es ist unheimlich und unerklärlich ist es sowieso, denn irgendetwas müsste doch von den mittlerweile doch so einigen Wanderern zurückgeblieben sein. Aber nichts deutet darauf hin, dass die Vermissten jemals hier waren. Der Schluss dann gefällt mir wieder weniger, mehr kann ich dazu nicht sagen, um nicht zu spoilern.
    Die kursiv dargestellten Rückblicke zwischendurch möchte ich noch erwähnen, sie geben der Story viel. Sie blitzen immer dann auf, wenn Jojo sich an einem markanten Punkt im Wald befindet, an dem er damals mit seinen Freunden war. Find ich gut gemacht. Trotzdem ist die Story nicht ganz rund, zu ausführlich werden Nebensächlichkeiten abgehandelt, das eigentlich Relevante lässt für meine Begriffe zu lange auf sich warten und der Schluss... nun ja, der ist zu konstruiert.
    Der Fluss der Zeit

    Pascal Mercier
    Der Fluss der Zeit (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.01.2026

    Über das Loslassen

    Pascal Mercier ist mir vor allem vom NACHTZUG NACH LISSABON bekannt. Fünf Erzählungen aus dem Nachlass von ihm sind es, die den FLUSS DER ZEIT thematisieren, ein schmaler Erzählband über das Loslassen oder davon, dass dies nicht jedem gut gelingen mag.
    Wie etwa Karl Prager, dessen Familie 99 Jahre in dem Haus gelebt hat, das er nun an ein junges Paar verkauft hat. Die Übergabe berichtet davon. Er hat alles akribisch vorbereitet, ist stolz auf seinen Besitz, seinen ehemaligen Besitz, denn das Notarielle ist schon erledigt. Man spürt seine innere Zerrissenheit, sein ganzes Leben steckt in diesem Haus, seine Vergangenheit, all die schönen Momente und die Erinnerungen daran. Und dann kommt dieser schmerzliche Moment, in dem es kein Zurück mehr gibt.
    Jede Geschichte ist besonders, jede behandelt ein anderes Thema. Und doch geht es um das Leben, zuweilen um das Überleben müssen und darum, ob dies für den Einzelnen möglich ist. Es geht um die Stille, die ein Mann sucht, die er in seinem lauten Umfeld unbedingt braucht, ein anderer wartet auf einen Befund, der ungeahnte Ängste auslöst, der Nächste sieht sich durch einen Schicksalsschlag ohne jegliche Perspektive da stehen und wieder ein anderer kehrt nach vierzig Jahren zu dem Ort seiner Studienzeit zurück, schwelgt in Erinnerungen, verklärt das Vergangene.
    Es sind kurze Episoden, die vom Sinn des Lebens berichten. Vom FLUSS DER ZEIT, der sich durch das Leben schlängelt. Es sind ganz und gar unterschiedliche Charaktere, denen ich begegne, alle kommen sie mir nahe. Es sind meist ältere Menschen, deren Geschichten mich nachhaltig beeindrucken, denen ich ein Weilchen zusehe, wie sie mit den Unzulänglichkeiten des Lebens fertig werden müssen. Oder auch nicht. Mercier, der Philosophie-Professor war, bringt diese Kurzgeschichten auf den Punkt. Jede einzelne dieser fünf Geschichten lässt mich nachdenklich zurück, jede ist in sich stimmig.
    Die weiße Nacht

    Anne Stern
    Die weiße Nacht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.01.2026

    Spannender Reihenauftakt

    An diesem 14. Dezember 1946 ist es bitterkalt in Berlin, das in Trümmern liegt. Die Fotografin Lou Faber ist auf Motivsuche, dabei findet sie eine Tote, die mit wie zum Gebet gefalteten Händen im Schnee liegt. Kriminalkommissar Alfred König bearbeitet diesen Todesfall und als dann eine zweite Leiche entdeckt wird, ist von einem Ruinenmörder die Rede.
    „Die weiße Nacht“ ist der Auftaktband der Lou & König-Kriminalreihe. Den Kriminalkommissar und die junge Fotografin bringt eher der Zufall zueinander, ist doch dem Polizeifotografen bei der Entwicklung der Bilder von der Toten im Schnee ein Missgeschick passiert. Nur gut, dass Lou ebenfalls einige Bilder gemacht hat, die König sich holt. Der Aufklärung der Morde scheint ziemlich aussichtslos zu sein, zudem wird König von seinem Vorgesetzten ausgebremst, was ihn allerdings nicht daran hindert, jeder Spur nachzugehen. Auch bleibt es nicht bei den beiden Toten, weitere Opfer sind zu beklagen.
    Der Krieg ist vorbei und doch hungern und frieren sie nach wie vor, es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, es gibt viele Versehrte, sofern sie den Krieg überhaupt überlebt haben. Auch König ist nicht ungeschoren davongekommen, trotzdem verrichtet er seinen Dienst gewissenhaft. Seine Wege führen zurück in die Nazizeit, die gewisse Personen nur zu gerne hinter sich lassen. Die einen reden nicht, weil sie zu viel zu verbergen haben und die anderen haben Angst vor Repressalien. Auch Lou hat es nicht leicht, ihr Ehemann ist verschollen, ihre Bilder kann sie nicht so gut verkaufen, wie sie es müsste. Ihre Fotos jedoch sind für König hilfreich, ihr geschultes Auge sieht so manch Detail, das anderen entgeht.
    Anne Stern ist ein rundum gelungener Kriminalroman gelungen. Wir sind wie gesagt im Nachkriegswinter 1946 und begleiten König und auch Lou bis zum Jahresende, denn bis dahin zeichnet sich das Motiv um die Morde glasklar ab. Angefangen von der Story an sich und die gut nachvollziehbaren Wege hin zur Aufklärung passt auch das gut recherchierte Historische perfekt zum Geschehen. Die Charaktere sind glaubhaft angelegt, allen voran Lou und König, aber auch so manch andere Personen wie etwa Justus und Gerti und ihre Rolle inmitten des Schwarzmarktes, der zwar verboten, aber doch notwendig fürs Überleben ist. Der Krimi ist noch sehr viel komplexer, dabei stets verständlich, ich bin restlos überzeugt davon und werde dieser neuen Reihe treu bleiben.
    Im Labyrinth der Furcht

    Ethan Cross
    Im Labyrinth der Furcht (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    31.12.2025

    Spannend, aber um einiges schwächer als Band eins der Hüter-Reihe

    Nachdem ich den Auftaktband der Hüter-Reihe IM LABYRINTH DER RACHE regelrecht verschlungen habe, bin ich nun IM LABYRINTH DER FURCHT angelangt.
    Der Hüter der Kuriositäten hält Francis Ackerman jr gefangen. Und nicht nur ihn, seine ganze Familie hält er sicher verwahrt an einem unwirtlichen Ort, denn er hat Großes vor mit den Geschwistern Francis, Marcus und Annabelle. Derweilen macht sich Nadia auf, Francis zu finden. Aber nicht genug damit, Nadia Shirazi, FBI Special Agent, hat noch mehr zu tun. Sie muss eine unheimliche Verbrecherserie stoppen, von dessen Vollstrecker bekannt ist, dass er sich im Netz Preservationist nennt. Und noch immer schwebt diese mysteriöse Liste im Raum, für dessen Entschlüsselung es zwei Personen braucht.

    Wie ich es von einer Serie erwarte, werde ich auch hier kurz zurückerinnert, denn die Frage, was der Hüter vor hat, drängt sich nach dem Ende des ersten Buches auf. Es ist noch angeklungen, das er Ackerman sen, der sich Thomas White nennt, aus dem Gefängnis befreien will, was Francis so gar nicht behagt. Er findet sich in einem riesigen gläsernen Cubus wieder, dessen Räume gespickt sind voller ausgeklügelter Folterinstrumente – hier ist Ethan Cross wie gewohnt sehr einfallsreich. Und selbstredend steht der Hüter seinem Erschöpfer in nichts nach. Um des Hüters absolute Überlegenheit zu demonstrieren, wird Francis gleich mal in ein perfides Spiel involviert, bei dem er – egal, wie er sich entscheidet – nur verlieren kann. Diese heimtückischen Machtdemonstrationen treibt er immer weiter voran, da bin ich, trotzdem ich um Ackermans Fähigkeiten weiß, nicht nur um ihn besorgt, auch Marcus steht direkt am Abgrund.

    Im zweiten Handlungsstrang ist es Nadia, die alle Hände voll zu tun hat. Einmal ist es ihre Suche nach Francis und da sind noch zwei Ganoven, die mir ziemlich unbedarft vorkommen. Allerdings möchte ich denen nicht zu nahe kommen, denn sie fackeln nicht lange. Man könnte sie eher als unerbittlich, ja barbarisch und gnadenlos beschreiben.

    Nadia ist überhaupt der heimliche Star dieses zweiten Bandes, sie ist wieder voll drin, nachdem sie lange eher ein Nischendasein geführt hat. Sie weiß um ihre Feinde, ist hochkonzentriert und scheut sich auch nicht, mit der ihr verhassten Ruth Giordano zusammenzuarbeiten. Francis dagegen ist eher handlungsunfähig, wenngleich ich seinen Gedanken viel abgewinnen kann. Ich vermisse so manch actionreiche Szene à la Ackerman jr, die hier eher in seinem Kopf stattfinden. Gut, er ist gefangen – aber hat ihn das je gestört?

    Der zweite Band der Hüter-Reihe ist um einiges schwächer als gewohnt, nichtsdestotrotz werde ich Francis Ackerman jr treu bleiben und bin gespannt, wie es denn weitergehen mag. Denn noch ist der in den Fängen des Hüters.
    The Woman in Suite 11

    Ruth Ware
    The Woman in Suite 11 (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.12.2025

    Ein Albtraum, der im Luxushotel seinen Anfang nimmt

    Nachdem ich dieses Buch in Händen hielt, bekam ich den guten Rat, THE WOMAN IN CABIN 10 zu lesen. Was auch gemacht habe. Gut, man könnte THE WOMAN IN SUITE 11 auch lesen, ohne das Vorgängerbuch zu kennen. So aber hat man den vollen Genuss und noch dazu hatte ich beide Bücher nacheinander gelesen, die Eindrücke sowohl der Protagonisten als auch der Story an sich sind somit ganz frisch. Ich würde es immer wieder genau so machen.
    Die Reisejournalistin Lo Blacklock ist erwachsen geworden, sie lebt mit Mann und ihren beiden kleinen Kindern in New York, führt eher ein beschauliches Leben, sie sieht die Einladung zur Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz als Chance zum Wiedereinstieg ins Berufsleben.
    Schon der Flug birgt eine zwar komfortable, aber dennoch rätselhafte Überraschung, dessen Ursprung lange im Verborgenen bleibt. Nun, sie genießt und freut sich auf ein paar entspannte Tage in berauschender Kulisse und hofft auf ein Interview mit Marcus Leidmann, den Besitzer dieses Hotels, der sehr zurückgezogen lebt und sich so gut wie nie öffentlich zeigt. Als sie dann in seine Suite gebeten wird, ist sie ein wenig irritiert, aber dennoch hocherfreut, dass ausgerechnet ihr es gelingt, ihn zu befragen. Wer sie allerdings hinter der Tür erwartet und was diese Person von ihr fordert, ist nicht er – es ist der Beginn einer Odyssee, die sie ins Chaos stürzen könnte. Mehr noch, es könnte für sie brandgefährlich werden. Immer mehr verstrickt sie sich in den Fängen dieser Frau, die es versteht, genau das zu bekommen, was sie will und dies auch mit allen Mitteln einfordert.
    Der ganz normale Alltag, den Lo seit Jahren lebt, wird bald abgelöst von den Momenten im Hotel, die man zwar meint, zu durchschauen, die jedoch immer ein gewisses Maß an Unerklärlichem beinhalten. Was mich an Lo stört, ist ihre Leichtgläubigkeit, ja ihre Naivität. Sie stolpert gewissermaßen von einem Mysterium ins nächste. Lässt sich von dieser Frau, die sie von früher kennt und mit ihr beileibe nicht die besten Erfahrungen gemacht hat, immer wieder einwickeln. Eine Frau, die genug kriminelle Energie hat, um über alles und alle hinwegzusehen, sich sozusagen die Rosinen herauspickt. Und das mit einer Chuzpe, die seinesgleichen sucht. Und nicht einmal schaltet diese Lo ihren gesunden Menschenverstand ein, sie lässt sich am Gängelband führen, überschreitet dabei Grenzen, die nie überschritten werden sollten, schon gar nicht von einer Mutter, deren Kinder noch so klein sind und sie noch lange brauchen.
    „Es ist ein Mörder im Hotel. Aber niemand glaubt dir.“ Was in ..CABIN 10 noch funktioniert hat, gelingt in …SUITE 11 nur bedingt. Gut, die Story liest sich flott weg, auch wenn es erst so richtig mit dem Flug in die Schweiz losgeht, zuvor ist es eher ein Dahinplätschern. Man wartet auf Action, die man dann auch bekommt. Nur leider ist es zu sehr an das Vorgängerbuch angelehnt, was ich so gar nicht berauschend finde. So manches ist zu gewollt, zu aufgesetzt.
    Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, denen jeweils eMails, Chats und News vorangestellt sind, die für zusätzliche Verwirrung sorgen. Auch dieses Stilmittel findet man im ersten Buch dieser Reihe, allerdings finde ich, dass dies auch in Cabin 10 besser funktioniert. Nun, was Lo mit dieser Frau in SUITE 11 erlebt, ist durchaus lesenswert, allerdings um einiges schwächer als das erste Buch.
    Die Farbe des Bösen

    Ralf H. Dorweiler
    Die Farbe des Bösen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2025

    Absolut gelungener zweiter Band der Rieker-und-Ahrens-Reihe

    „Die Farbe des Bösen“, das zweite Buch um den Hamburger Criminalkommissar Hermann Rieker und Johanna Ahrens, die Tochter eines Richters, steht dem ersten Band „Der Herzschlag des Toten“ in nichts nach. Wir sind in Hamburg anno 1887, als eine schrecklich zugerichtete männliche Leiche auf einem Fabrikgelände aufgefunden wird.
    Vorher ist es Johanna, die sich in die Büsche schlägt und dabei zwei Gestalten beobachtet, die einen schweren Gegenstand, in Tapeten eingewickelt, aus einem Hintereingang tragen. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Leiche und nachdem sie sich vergewissert hat, dass sie unbeobachtet aus ihrem Versteck kann, wendet sie sich an Criminalcommissar Rieker. Ihn kennt sie von damals, als beide einer grausamen Mordserie auf die Spur kamen – was liegt da näher, als sich wiederum an ihn zu wenden…
    …dies natürlich ohne Wissen ihrer Eltern, denn Johanna sollte mit ihren 23 Jahren endlich unter die Haube kommen. Ihre Mutter lädt geeignete Heiratskandidaten ein - was ihre Tochter jedoch nicht davon abhält, eigene Wege zu gehen. Sie lernt einen jungen Mann kennen, der nicht nur ihr soziales Herz im Sturm erobert. Durch ihn gerät sie mitten hinein in die Arbeit der Sozialisten, es geht um Arbeitsschutz und Arbeitsrechte, um die starke Position der Firmeninhaber, um die so gar nicht vorhandenen Frauenrechte und um den täglichen Kampf ums Überleben der Arbeiter und deren Familien.
    Die Polizeiarbeit besteht auch darin, sich unter die aufmüpfigen Sozialisten zu mischen, was Rieker jedoch so gar nicht gefällt. Als Spitzel taugt er nichts, eher will er die Vorgänge in und um die Tapetenfabrik näher durchleuchten, denn bei dem einen Toten auf dem weitläufigen Fabrikgelände bleibt es nicht. Das Ganze entwickelt sich als sehr viel größer, Rieker ist voll eingebunden in die Aufklärungsarbeit, was nicht jedem zu gefallen scheint.
    Schon der erste Band ist sehr viel mehr als „nur“ ein historischer Kriminalroman und auch dieser zweite, vielschichtig angelegte Fall gibt neben den Mordermittlungen Einblicke in die damalige Zeit. Die Herstellung und die Farbgebung der Tapeten ist Thema, dabei kommt dem Schweinfurter Grün besondere Bedeutung zu. Die Erstarkung der Sozialisten und deren Kampf für die Rechte der Arbeiter ist zentral, auch dem medizinischen Fortschritt wird Raum eingeräumt mitsamt sehr viel krimineller Energie.
    Ralf H. Dorweiler hat mich auch mit diesem zweiten Band um die beiden Hauptcharaktere Rieker und Ahrens voll und ganz überzeugt. Beide verkörpern sie eine Schicht, die sich im gesellschaftlichen Leben nicht tangiert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass in dieser Reihe jeweils einem Körperteil eine besondere Rolle zukommt. War es in Band eins das Herz, so sind es hier die Zähne, was interessant und sehr aufschlussreich so einiges wiedergibt, das ich so nicht gewusst habe. Es lohnt sich also in vielerlei Hinsicht, dran zu bleiben.
    Der Hinweis zum Schluss dann, der Rieker einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen lässt, deutet darauf hin, dass es für ihn bald wieder genug zu tun gibt. Ich bin gespannt.
    Der Herzschlag der Toten

    Ralf H. Dorweiler
    Der Herzschlag der Toten (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.12.2025

    Der Auftaktband für Rieker und Ahrens verlangt nach mehr

    Der erste Fall für den Criminalcommissar Hermann Rieker und Johanna Ahrens, die Tochter eines Hamburger Richters, hat mich in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzt.
    Eine junge Frau wird in einem abbruchreifen Kontor tot aufgefunden. Wie sich herausstellt, wurde ihr ein Messer immer wieder in den Rücken gestoßen, sie sieht aus wie durch den Fleischwolf gedreht. Rieker, der gerade zum Criminalcommissar befördert wurde, hat die Leiche in Augenschein genommen und nun will sein Vorgesetzter Criminalinspektor von Stresenbeck von ihm wissen, wie der Stand der Dinge ist. Gleichzeitig macht er ihm klar, dass er große Bedenken hat, ob er der Richtige für diesen Fall sei. Drei Tage gibt er ihm Zeit, den Mörder dingfest zu machen, allenfalls wird Commissar Breiden eingreifen. Was Rieker so gar nicht gefällt. Die Rivalität, die von Breiden ausgeht, nimmt mich sofort für Rieker ein, der von seinem Mentor und ehemaligen Vorgesetzten Kleinschmidt, der leider verstorben ist, viel gelernt hat.
    Johanna, die Tochter des Richters Hans Ahrens, hatte schon immer ihren eigen Kopf, zudem ist sie sehr sozial eingestellt. Heimlich betreibt sie im Gängeviertel eine Schule für Frauen, sie lehrt ihnen Lesen und Schreiben, unterrichtet sie im Rechnen, trägt zu ihrer Allgemeinbildung bei. Eine ihrer Schülerinnen ist abgängig, sie forscht nach und stellt fest, dass es sich bei der Toten im Kontor um diese Schülerin handelt. Sie meldet dies und mischt sich, sehr zum Missfallen Riekers, in seine Ermittlungen ein, dabei spielt ein Totenfotograf eine nicht zu unterschätzende Rolle.
    Ich tauche tief ein in die Totenfotografie (von der ich zugegebenermaßen nicht viel gewusst habe), die ein letztes Andenken an die Verstorbenen war. Der Totenfotograf ist es auch, der mehr als der von der Polizei bestellte Totenarzt über die Ermordung der jungen Frau sagen kann. Auch Johannas Leben als höhere Tochter wird beleuchtet, sie hat einen Verehrer, der den Eltern sehr genehm wäre, vor allem die Mutter ist sehr angetan von ihm. Und natürlich sind es Rieker und sein ihm zur Seite gestellte Helfer, der Criminalsekretär Kracht, die mit den ihnen damals zur Verfügung stehenden Mitteln alle Hebel in Bewegung setzen, um dem Mörder auf die Spur zu kommen. Denn wie es scheint, ist hier ein Serienmörder am Werk.
    Riekers Ermittlungen und Johannas Nachforschungen sind es, die im Wechsel erzählt werden, die sich annähern und gefühlt immer dann den anderen Erzählstrang aufgreifen, wenn es vor Spannung knistert. Die Polizeiarbeit ist eine dieser Zeit angepasste, die Obrigkeit hat viel Gewicht. Standesdünkel spielen auch hier mit hinein, bei Johanna und der Stellung ihres Vaters als Richter sowieso.
    Mit den beiden Hauptakteuren Hermann Rieker und Johanna Ahrens hat Ralf H. Dorweiler zwei Charaktere präsentiert, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die das gesellschaftliche Leben anno 1887 aufs Beste wiedergeben. Das Ende lässt auf einen neuerlichen historischen Kriminalroman hoffen, als Johanna zu Rieker eilt, um ihm von ihrem schrecklichen Verdacht zu berichten. Ich werde auch diesen Fall gespannt verfolgen.
    Weihnachten mit Tony

    Stella Lucas
    Weihnachten mit Tony (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.12.2025

    Hoppla, jetzt kommt Carrie

    Es sind noch zwölf Tage bis Weihnachten. Carrie sitzt im Flugzeug, da hört sie einen nicht enden wollenden Dialog, der sie nervt und mir das erste Schmunzeln entlockt. Wie sich herausstellt, sind es Stacy und Morris Dormond – ausgerechnet! Aber noch weiß Carrie nicht, wer sie sind und was sie nach Schottland treibt. Bald aber ist klar, dass dieses Paar mit dem Hotelprojekt nahe Luss, Carries Heimatort, zu tun hat. Dieses Luxusressort sollte auf Inchconnachan, einer Binneninsel im Loch Lomond in Schottland, entstehen, auf der die Wallabys vor vielen Jahren ihre Heimat gefunden haben. Sieben davon, einschließlich Tony, leben heute noch da…
    …und nun kehrt Carrie zurück, nachdem sie vor sieben Jahren gen Australien regelrecht geflohen ist und seitdem weder von Tony noch seine Artgenossen etwas wissen wollte. Damals war sie ziemlich jung, der Antrag ihres Freundes hat sie dermaßen erschreckt, dass sie einfach weg musste. Seitdem hat sie niemand mehr gesehen, lediglich für ein paar Tage war sie da, zur Taufe der Kinder ihrer Schwester. Und nun erfährt sie, dass ihr Vater im Krankenhaus liegt, ihr Ex-Freund Marc, ein gefragter Architekt, dieses Hotelprojekt geplant hat und – wie sie vermutet, für ihre ehemals heiß geliebten Wallabys kein Platz mehr ist.
    Kaum angekommen, holt sie zum Rundumschlag aus, sie organisiert blitzschnell eine wilde Demo, beschimpft ihren Ex, wann immer möglich, ist grundlos sauer auf ihn und auf alle, die vermeintlich ihre Wallabys weghaben wollen. Dabei pfeift sie auf jegliche Info, schnappt ein Wort auf, sieht eine Geste und schon geht’s wieder los. Sie benimmt sich wie die sprichwörtliche Axt im Walde, ist ungehobelt und rücksichtslos. Man meint, einen schwer pubertierenden Teenie vor sich zu haben, obwohl sie die dreißig überschritten hat. Sie ist sowas von drüber, dass man nicht weiß, sollte man über ihr Benehmen lachen oder eher die Augen rollen.
    Ich hab ja nichts dagegen, wenn eine Figur überzeichnet ist, hier aber ist es kaum zu ertragen, wie eine erwachsene Frau dargestellt wird. Ein Weihnachtswunder sollte es geben, mit Tony und den anderen Wallabys, dazu etwas Romantik und ein happy end. Nun gut, wenn man großzügig ist, war da irgendwas von alledem, die Story an sich aber hatte weder mit Weihnachten noch mit Tony zu tun. Auch Romantik fand eher nicht statt, dafür gab es genug Schimpftiraden und unüberlegtes Handeln seitens Carrie.
    Übrigens gibt es diese Insel und die Wallabys tatsächlich, sie wurden in den 1940er Jahren von Fiona Gore, Countess of Arran, hier angesiedelt. Es ist einer der wenigen Orte außerhalb Australiens mit einer Wallaby-Population. Und auch der Verkauf von Inchsonnachan an eine Familie ist so geschehen, selbst ein verfallener Holzbungalow, der im Roman als Hütte vorkommt, ist real. Einst waren es sechzig Tiere, die sich auf sieben reduziert haben, auch das stimmt. Ebenso die geplante Umsiedelung der Tiere und eine Widerstandbewegung. Stella Lucas hat um diese wahre Geschichte ihren Roman gesponnen, der - wäre weniger Carrie-Action gewesen – schon heimelig hätte werden können. So aber ist er für mich ins sehr Seichte abgerutscht. Hoppla, jetzt kommt Carrie.
    In Den Scherben Das Licht

    Carmen Korn
    In Den Scherben Das Licht (MP3)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.12.2025

    Tieftraurig und doch so voller Hoffnung

    Oktober 1946. Gisela streift durch die Straßen Hamburgs, alles voller Schutt und Trümmer. Ihre Schlafstelle ist der steinerne Koloss, ein Bunker. Viele bleiben liegen im Feldbett, sie haben keine Kraft mehr.
    Gisela aber will weg, sie hat ein ganz bestimmtes Haus schon länger im Blick, im Erdgeschoss brennt Licht, auch wenn es weiter oben nicht gar so heimelig wirkt. Sie ist vierzehn, als sie sich in das Gärtchen schleicht, über das Kellerfenster steigt sie ein. „Bleib, wo du bist“ hört sie. Der sechzehnjährige Junge erwischt sie, auch er, Gert, ist ein Eindringling, aber schon länger hier. Hitlers letzte Blutreserve war er und nun lebt er im Keller von Friede Wahrlich, der einstigen Schauspielerin.
    Palutke, einer ihrer Verehrer, hat Friede einst dieses Haus vermacht, zwanzig Jahre ist das nun her. Ihr Herz jedoch hat einem anderen gehört - Franke, einem Juden, was in Zeiten des Nationalsozialismus gefährlich war. Sie denkt oft an ihn – ob er das Ghetto in Litzmannstadt überlebt hat?
    Von den Nachkriegsjahren in Hamburg erzählt Carmen Korn, von 1946 bis 1955. Das Hörbuch hat sie selber eingesprochen, sie vermittelt mir mit ihrem Erzählstil und auch mit ihrer Sprechweise das Gefühl, direkt dabei zu sein. Der Krieg ist zwar vorbei, aber noch gibt es nichts. Der Schwarzmarkt blüht, der Hunger ist allgegenwärtig. Es wird geplündert, es wird organisiert, Zigaretten sind ein beliebtes Tauschmittel, im Haus ist es bitterkalt, denn auch Heizmaterial ist Mangelware. Sie sind sowas wie eine Notgemeinschaft, sie müssen ganz einfach zusammenhalten. Und immer wieder die bange Frage, wer von ihren Angehörigen noch lebt und ob sie sich jemals wiederfinden werden.
    Der unbedingte Überlebenswille ist deutlich spürbar, sie unterstützen und stürzen sich gegenseitig, sind voller Hoffnung und Zuversicht, dass es trotz ihres entbehrungsreichen Lebens von nun an aufwärts gehen wird. Leben in Ruinen haben wir Nachkriegskinder nie kennengelernt, von Lebensmittelmarken wissen wir aus Büchern. Carmen Korn zeichnet diese Lebensweise behutsam nach. Es gelingt ihr, die Realität dieser Jahre aufzuzeigen, dem Alltag nachzuspüren, in den Scherben das Licht zu finden.
    Wenn die Sonne untergeht

    Florian Illies
    Wenn die Sonne untergeht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.12.2025

    Exil unter Palmen

    Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, schon 1901 erschien Buddenbrooks, weitere bekannte Werke folgten.
    Katia und Thomas Mann sind bald unterwegs nach Amsterdam, es ist Februar. Der 11. Februar des Jahres 1933, um genau zu sein. Noch sitzen sie mit drei ihrer sechs Kinder beim Mittagessen. Golo, 23, ist noch in Göttingen, er bereitet sich auf sein Staatsexamen vor. Michael, 13, ist in Neubeuern im Internat und Monika, 22, in Berlin. Mit leichtem Gepäck will das Ehepaar Mann reisen, die Wintersachen sollen direkt nach Arosa geschickt werden, hier werden sie in ihrem geliebten Waldhotel wohnen, das in Thomas „Zauberberg“ eine tragende Rolle spielt. Wir lesen noch öfter davon, wie Thomas Manns Werke direkt in diese Geschichte einer Vertreibung mit einfließen.
    Nun, sie werden den Sommer 1933 im südfranzösischen Exil verbringen - es gibt beileibe schlechtere Orte, dem NS-Regime zu entfliehen. Im Mai kommen Thomas und Katia nach Bandol, hier wohnen sie zunächst in einem Hotel, um dann in ein Haus in Sanary-sur-Mer zu wechseln. Dort treffen sie sich alle, auch Thomas Bruder Heinrich ist zuweilen zu Gast, auch er musste Nazi-Deutschland verlassen. Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Bertold Brecht und wie sie alle heißen - für Deutschlands Dichter und Denker war die Côte d'Azur Zufluchtsort, bevor sie weiterziehen mussten.
    Illies gewährt tiefe Einblicke in das Innenleben dieser so exzentrischen Familie Mann im Ausnahmezustand, jeder für sich ist eine Persönlichkeit. „Ein Thomas Mann lässt sich von niemandem sagen, an welchem Ort er zu sein hat!“ Ja, natürlich weiß er, dass er nicht zurück kann. Er wird vom Rotary-Club ausgeschlossen, hat Probleme mit der Pass-Verlängerung, seine Münchner Villa wird durchsucht, später konfisziert, um nur einige der Repressalien zu benennen.
    „Wenn die Sonne untergeht“ ist trotz der Schwere des Themas ein leichtes Buch voller Leben und auch voller Tragik. Man spürt die bedrohliche Situation, in der sie sich befinden und doch sind sie hier, im Exil, frei. Der Autor geht ganz nah ran, fängt sinnliche Momente genauso ein wie die kritischen Augenblicke, er hält den prominenten Exilianern, auch den Dichterkollegen mitsamt Ehefrauen und Geliebten, den Spiegel vor.
    Es ist heiß in diesem Sommer. „Waldbrand in der Nähe, wovon abends eine rosige Rauchwolke über Sanary schwebte. Dazu Feuerwerk“ notiert Mann in diesem in jeglicher Hinsicht heißen August. Bis September erzählt Florian Illies von ihnen, vom Verlust der Heimat, vom Exil dieser außergewöhnlichen Familie Mann. Es ist ein lesenswertes Buch geworden, das ich gerne gelesen habe, das ich nicht missen möchte.
    Die Welt in unseren Händen

    Emily Walton
    Die Welt in unseren Händen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.12.2025

    Vom Krieg, von Freundschaft und von der Liebe - intensiv erzählt

    Die Erinnerungen ihrer Großmutter Jean sind es, die Emily Walton inspirieren, ihre Geschichte zu erzählen. June Johnson ist dabei ihre Protagonistin, die schon auch ein Eigenleben entwickelt, wie die Autorin im Nachwort verrät.
    „Die Welt in unseren Händen“ erzählt von June, die während des Zweiten Weltkrieges ihren eigenen Weg geht. „Versprich mir, dass du etwas aus deinem Leben machst, Junebug.“ Sie erinnert sich an ihre zu früh verstorbene Mutter, die sie darin bestärkt hat.
    June nimmt all ihren Mut zusammen, fährt nach London, bewirbt sich bei der WAAF, der Women´s Auxiliary Air Force, der Frauenhilfsluftwaffe. Schon bald lernt sie Dotty und Peggy kennen, die ihr zu guten Freundinnen werden, die sich während der Ausbildung gegenseitig stützen. Peggy wird abkommandiert, während Dotty und June als Schreibkräfte gefordert sind. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, den Angehörigen schlimmste Nachrichten zu übermitteln. Danach geht es für June mit der Royal Navy weiter, ihre Stationen sind Kairo, Ägypten und später dann Italien, ihr Dienst fordert sie enorm, sie lernt neue Freunde kennen, allen voran ist es Ken, der ihr Herz erobert.
    Das Buch hat mich sofort gefesselt, es hat mich regelrecht ins Geschehen gezogen und mir eine total fremde Welt nähergebracht. Ich war mit June in der Wüste, habe den Sand zwischen den Zehen und auch zwischen den Zähnen gespürt und die hier kriechenden Skorpione weit weg gewünscht. Habe bei ihrer Arbeit, bei ihrem ganz persönlichen Einsatz mitgefühlt, als sie persönliche Worte fand, entgegen des Befehls, Formbriefe an die Hinterbliebenen zu senden. Habe gelernt, was Sperrballons sind und wie diese eingesetzt wurden und noch so vieles mehr.
    Es waren gar nicht so wenige Frauen (250.000), die bei der WAAF gedient haben. Mutige Frauen, die bis Kriegsende in achtzig unterschiedlichen Bereichen eingesetzt waren. Emily Waltons Nana hat dies hautnah erlebt, ihr ledergebundenes Büchlein, das sie nun mit ihrer Enkelin durchblättert, birgt so manch Geheimnis. Es waren schöne, tieftraurige und auch angenehme Zeiten, nicht alles wendet sich zum Guten - so wie das Leben eben spielt.
    Ein großartiges Buch ist ausgelesen, der so intensive Schreibstil und die Geschichte um June, einer jungen, mutigen Frau unter vielen anderen, machen es zu etwas ganz Besonderem. Zwei sehr persönliche Fotos am Ende runden diese lesenswerte Erzählung dann perfekt ab.
    Flutrache

    Heike van Hoorn
    Flutrache (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    09.12.2025

    Kurzweiliger Erzählstil, überladene Story

    Der vierte Fall für den Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und die Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff ist für mich der erste Fall dieser Ostfriesland-Krimi-Reihe von Heike van Hoorn.
    Schon der Prolog lässt darauf schießen, dass es sich bei diesem noch Unbekannten um einen ganz fiesen Charakter handelt. Die Story dann beginnt einige Tage zuvor, als einer Briefe mit verdächtigem Inhalt verschickt. Was dies mit dem Toten zu tun hat, der am Fuße einer übergroßen Lenin-Statue gefunden wird, ist unklar.
    Nun, Lars Kröger, der Tote, war Chef einer deutschen Sicherheitsfirma. Möllenkamp und sein Team ermitteln zusammen mit ihren niederländischen Kollegen. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit klappt sowohl im beruflichen als auch im Zwischenmenschlichen, das viel Raum einnimmt. Auch von Möllenkamp und seiner Meike bekomme ich viel mit, nicht zu vergessen von der Lokaljournalistin Gertrud Boekhoff.
    All dies liest sich kurzweilig, wenngleich ich mich des Öfteren frage, was denn einzelne Einschübe mit der Aufklärung zu tun haben, wie etwa die einer Reisegruppe, die auf den Toten aufmerksam wurde. Auch warte ich gespannt, was es mit diesen Briefen auf sich hat. Mittlerweile weiß ich, dass eine Spur direkt zu einem Reichsbürger führt, andere Erzählstränge berichten von Waffenschmuggel, gehen zurück in die damalige DDR bis hin ins KZ. Auch von Offshore-Konten und von noch so einigem mehr lese ich. Die Frage wie dies alles zusammenhängt, wird schon geklärt, trotzdem mutet es abenteuerlich an, die Story ist heillos überfrachtet. Und genau dieses Vollgepackte ist es, dass mir diese FLUTRACHE zunehmend suspekt anmutet.
    Gut finde ich die Endnotes zum Schluss, welche die niederländischen Einschübe im Text übersetzen, allerdings hab ich, trotzdem ich die Sprache nicht beherrsche, alles verstanden. Auch der flotte Schreibstil der Autorin sei erwähnt, die viele Akteure ins Rennen schickt. Für meinen Geschmack sind es zu viele, grundsätzlich ist dieser Krimi zu überladen. Daher mein Fazit: Weniger wäre hier wesentlich mehr gewesen, auch hätte ich so einige mutige Aktionen nicht gebraucht, die schon am gesunden Menschenverstand zweifeln lassen.
    Wem du traust

    Petra Johann
    Wem du traust (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.12.2025

    Kurzweiliger Krimi

    Eva und Daniel leben mit ihrem 5jährigen Sohn Linus in einer Neubausiedlung, die noch ziemlich viele Baulücken aufweist. Wie schon oft, ist auch heute die 15jährige Sofia Linus Babysitterin, beide verstehen sich super, sind doch ihre Mütter Eva und Susanne allerbeste Freundinnen, die heute davon ausgehen, dass Sofia bei Eva übernachtet. Doch Sofia hat andere Pläne, sie will nach Hause. Es ist schon weit nach Mitternacht, als Eva und Daniel heimkommen und da Eva etwas Wein getrunken hat ist es Daniel, der Sofia bis fast vor ihre Haustür fährt. Am nächsten Morgen dann ist die Panik groß, als ihnen allen bewusst wird, dass von Sofia jede Spur fehlt.
    Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal übernimmt den Fall, sie befragt Sofias Mutter und Axel, ihren Lebensgefährten, recherchiert zu Sofias Heimweg, forscht bei ihren Mitschülern nach und auch bei der etwas älteren Nele, der Chefredakteurin der Schülerzeitung, bei der auch Sofia Artikel verfasst. Momentan schreiben sie über den fünfzehn Jahre zurückliegenden Discomord. Bis heute ist der Mörder der damals 18jährigen Jennifer Mann nicht gefasst – hat Sofias Verschwinden damit zu tun? Ist dieser Unbekannte wieder aktiv?
    Es sind ganz und gar unterschiedliche Typen, die hier aufeinanderprallen. Eva und Daniel sind das Vorzeigepaar schlechthin, sie harmonieren perfekt, gehen liebevoll miteinander um, während Susanne mit ihrem neuen Lover, dem erfolgreichen Architekten Axel, eher mondän daherkommt. Meine Sympathien sind bald verteilt, nicht jeder kommt dabei gut weg. Es tauchen noch einige Randfiguren auf wie etwa Heidi Westphals Ex, der eine steile Karriere bei der Polizei hingelegt hat, der mir trotzdem nicht ganz geheuer ist. Und auch Heidis Ermittlungen, die sich mehr und mehr auf Daniel konzentrieren, sind mir schon auch suspekt. Warum dieser Tunnelblick? Das frage ich mich nicht nur einmal, bin auch leicht genervt, weil anderes, für mich doch Relevantes, übersehen wird.
    Trotzdem ich mit Heidis Vorgehen nicht immer einverstanden bin, so bin ich doch voll dabei, möchte dringend wissen, wo Sofia ist, wer für ihr Verschwinden verantwortlich ist und auch, ob sie noch lebt. Denn ein blutiges Teil spricht dagegen. Auch lese ich zwischendurch von jemandem, der große Angst hat. Könnte es Sofia sein? Und – es wird gelogen, und das nicht zu knapp. Warum?
    Der Krimi ist durchgehend rasant, er beleuchtet menschliche Abgründe, ist kurzweilig bis zum Schluss, der noch so einiges offenbart. Die Auflösung dann hat mich ein wenig ernüchtert, dennoch habe ich mich gut unterhalten gefühlt und vergebe sehr gerne vier verdiente Sterne.
    Mama & Sam

    Sarah Kuttner
    Mama & Sam (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.12.2025

    Liebesbetrug

    Sarah Kuttner nimmt sich eines Themas an, das leider in unsere virtuelle Zeit passt. Love Scammer. Von ihnen hört und liest man immer wieder, es wird vor ihnen gewarnt und doch haben sie Erfolg. Die Frauen (denn meistens sind es Frauen) wollen Liebe, wollen Zuneigung, die Betrüger jedoch wollen nur eins: sie wollen ihr Geld. Und möglichst viel davon, auch wenn ihre Opfer es sich nicht mehr leisten können. Dann helfen sie nach, finden Mittel und Wege, pressen sie aus wie eine Zitrone.
    „Mama & Sam“ wird aus Sicht der Tochter erzählt. Sie steht in Mamas Wohnung, Mama ist tot. Das Erbe hat sie ausgeschlagen, denn außer Schulden ist nichts geblieben. In Mamas Laptop und in ihrem Handy findet sie den Chat zwischen Mama und Sammy, der nüchtern betrachtet sofort auf einen dieser Love Scammer schließen lässt. Er behauptet, Sam Heughan zu sein, ein berühmter Schauspieler, den ich zugegebenermaßen nicht kenne. Ein Blick ins Netz macht sofort deutlich, wer er ist, wie und mit wem er lebt, was er gerade macht – man könnte also meinen, dass keine Frau auf so eine Story hereinfallen würde. Nun, Mama ist verliebt, sie glaubt ihm zwar nicht alles, widerspricht sogar und doch lässt sie sich permanent auf ihn und seine Lügen ein. Sie lechzt geradezu nach Liebesbeweisen, die spärlich fließen, ihr Geld jedoch fließt umso mehr Richtung Sam. Sarah Kuttner erzählt davon und von der Tochter, die mit dieser Situation irgendwie zurecht kommen muss. Die Mutter-Tochter-Beziehung war ziemlich kühl, auch spüre ich nicht viel von Trauer, der Schreibstil ist eher nüchtern. Bis hin zur lieblosen Urnenbeisetzung, die mir eher als lästiges Übel vorkommt, wechseln sich das Lesen der Chateinträge und das Nachspüren von Mutters Leben und auch das der Tochter ab.
    Das Nachwort gibt Empfehlungen für den Umgang mit einem Opfer eines Love Scams und greift auch das typische Verhalten eines Menschen auf, der sich auf diese manipulative Betrügermaschinerie einlässt. Ich bin zutiefst erschüttert, musste das Buch des Öfteren weglegen, denn die Story ist heftig, abwegig jedoch ist sie nicht.
    Schatten über dem Kloster

    Manuela Schörghofer
    Schatten über dem Kloster (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.12.2025

    Intrigen hinter Klostermauern

    Allgäu, 1376: Isabella Falk ermittelt in ihrem ersten, sehr persönlichen Fall. Schon der Prolog hat es in sich. Es scheint, als ob einer in eine Falle gelockt würde. Und ja, ein Messer wird gezückt, Öl läuft aus, entzündet sich, zurück bleibt eine verkohlte Leiche, daneben ein Indiz, das dem Bürgermeister zugeordnet werden kann. Zuständig ist hier der Richter Rudolf Falk, der bald darauf verstirbt. Der neu ernannte Richter hat jedoch kein Interesse an einer Aufklärung, für ihn ist es nichts anderes als ein selbst verschuldeter Unfall.
    Richter Rudolf Falk hat vor seinem Tod seinen Nachlass notariell geregelt. Darin hat er seine Ehefrau als Alleinerbin benannt, vorausgesetzt, sie klärt den Mord an Bürgermeister Vogler auf. Sollte sie scheitern, geht das Erbe an seinen Bruder, der schon habgierig darauf lauert. Isabella ist eine junge, gebildete, kluge und weitsichtige Frau, die nun für Haus und Gesinde zuständig ist. In ihrem Schwager Berthold hat sie einen gefährlichen Gegenspieler, der vor nichts zurückschreckt. Der neu ernannte Stadtschreiber Leonhard Stadler jedoch steht auf ihrer Seite, er unterstützt sie mit Rat und Tat, ebenso der junge Magnus Bader, Sohn des alten Medicus und selber ausgebildeter Mediziner.
    „Schatten über dem Kloster“ ist der Auftaktband um Isabella Falk, ein historischer Krimi voller Intrigen und finsteren Machenschaften. Man spürt direkt die dunklen Klostermauern, die Schatten in den verborgenen Winkeln, ahnt Verschwörung und Betrug, lehnt so manch giftigen Trank vehement ab und glaubt unter der Gugel, dem Überwurf mit Kapuze, an so manch zwielichtige Gestalt.
    Da ich sowohl historische Romane als auch alles Kriminalistische sehr gerne lese, bin ich hier genau richtig. Nicht jedem würde ich trauen, so einigen traue ich vieles zu und in manch einer Person täusche ich mich dann doch. Trotzdem Isabella mit dunklen Machenschaften zu kämpfen hat, hat sie ihr Ziel nie aus den Augen verloren. Mit nicht nur einem Widersacher hat sie es zu tun und auch eine verirrte Seele bringt tödliche Gefahren mit sich. Die Autorin versteht es, Spannung zu erzeugen und diese kontinuierlich hoch zu halten. Schon allein die damaligen Begriffe, die sie im (dem Geschehen vorangestellten) Glossar erklärt, lassen mich eintauchen in diese Zeit. Dabei sei auch das gut gegliederte Personenverzeichnis sowie der Stadtplan von Füssen anno 1376 noch erwähnt.
    Der durchgehend spannende historische Roman, der im Spätmittelalter angesiedelt ist, hat mich bestens unterhalten. Und selbstredend werde ich Isabella Falk treu bleiben, ein weiterer Fall deutet sich an.
    Wolfskälte

    Laura McCluskey
    Wolfskälte (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.11.2025

    All das Unfassbare…

    George Lennox erster Eindruck von dieser winzigen, weit vor der Westküste Schottlands gelegenen Insel, ist frostig. Der Wind peitscht den Regen aufs Polizeiboot, das sie und ihr Kollege Richie auf diese unwirtliche Insel bringt. Ein tragischer Todesfall muss untersucht werden, dafür bleiben sie für ein paar Tage hier. Alan Ferguson, ein junger Mann, soll sich vom Leuchtturm der Insel zu Tode gestürzt haben, zumindest lässt sein Auffinden am Fuße des Leuchtturms darauf schließen.
    Laura McCluskeys Romandebüt ist eher eine ziemlich makabere Milieustudie der besonderen Art. Sie ist ganz nah an den Inselbewohnern, von denen sie schon einiges preisgibt, wenngleich keiner dieser schweigsamen, geheimnisumwitterten Gestalten zu durchschauen ist. Schroff wie die Felsen ihrer Heimat, dunkel wie die steilen Klippen kommen sie mir vor. 206 Seelen sind es, die hier auf diesem Felshaufen leben.
    Gleich bei Georges Ankunft gibt Kathy, die neben anderer Aufgaben auch Postmeisterin ist, ihr die Aufzeichnungen der vor langer Zeit verschollenen Leuchtturmwärter zu lesen. Was verspricht sie sich davon? Der Leuchtturm ist seit 1919 nicht mehr in Betrieb, heute dient er als heimlicher Treffpunkt für Jung und Alt. Kaum vorstellbar, dass das Schicksal dieser drei Männer mit Alans Tod zu tun haben könnte. Oder doch? Noch tappe ich völlig im Dunkeln.
    Dass die beiden Ermittler unerwünscht sind, bekommen sie auch hautnah zu spüren. Da ist jemand mit einer Wolfsmaske, dem George hinterherläuft, dieser Wolf jedoch im Nichts zu verschwinden scheint. Und da ist diese Stille, die sich anfühlt, als ob ein Lauscher ganz nah wäre und nur darauf lauert, zuzuschlagen – wie auch immer dies enden wird. Seltsames geschieht, verstandesmäßig nicht erklärbar, dazu dieser Aberglaube und diese unheimliche Mitgift, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Zu diesem Inselvolk passen die Witterungsverhältnisse perfekt. Karg, windgepeitscht, mit Schnee und Eis und die nächtlichen Verfolgungsjagden, hinein in den finsteren Wald, vor dem gewarnt wird, dazu die eiskalte See, die durchnässten Kleider – all dies ist so treffend geschildert, dass man beim Lesen direkt fröstelt.
    Es sind so einige Insulaner, die in all ihren Eigenheiten beschrieben sind, zu jedem habe ich ein Bild vor Augen. Die meisten sind ziemlich mürrisch und abweisend, andere dagegen direkt gastfreundlich. Und doch ist so manch Eindruck trügerisch. Auch George, die eigentlich Georgina heißt, jedoch die männliche Form bevorzugt, hat mit sich selbst zu kämpfen. Was genau das ist, wird dem Ende zu aufgelöst, zwischendurch sind es eher kurze Andeutungen. Alles fügt sich – irgendwie. Nicht so, wie man es vermutet hätte, aber doch nachvollziehbar.
    „Wolfskälte“ ist ein fesselnder Kriminalroman vor unwirtlicher Kulisse, der ein schier unfassbares Szenario aufzeigt. Die kriminalistischen Elemente sind immer spürbar und je weiter sich die Story entwickelt, desto sichtbarer wird das Unfassbare. Mich hat Laura McCluskey mit ihrem Romandebüt sofort abgeholt und mich zudem gut unterhalten.

    Zerbrochene Stille

    Arnaldur Indridason
    Zerbrochene Stille (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    28.11.2025

    Komplexe Story

    Der Tourist, den sie im Hafravatn, einem See in der Nähe von Reykjavík, tot aufgefunden haben, wurde offenbar ermordet. Wie sich herausstellt, war dieser Tote der Freund eines vor Jahrzehnten verschwundenen Mannes. Dies wiederum bringt den ehemaligen, mittlerweile pensionierten Kommissar Konráð auf den Plan. Er beginnt zu ermitteln, was nicht jedem gefällt. Alles deutet auf den Vermisstenfall aus den 1970er Jahren hin, der zwar als geklärt gilt, was sich aber nun als Irrtum herausstellt. Konráðs damaliger Freund und Kollege Léo hat diesen Fall damals bearbeitet und nun sucht Konráð nach ihm…
    Die Buchbeschreibung hat mich dazu verführt, zu diesem Island-Krimi zu greifen. Dabei habe ich übersehen, dass „Zerbrochene Stille“ Band sechs der Kommissar Konráð-Reihe ist. Und genau diese Reihe sollte man von Anfang an kennen, denn das Hineinfinden war zumindest für mich äußerst schwierig. Nach einigen Kapiteln hab ich zunächst pausiert, um dann konzentriert und mit neuem Elan weiterzulesen. Die komplexe Story verlangt volle Aufmerksamkeit, sie taucht ab in die Zeit des Kalten Krieges, von Spionage ist die Rede und von den Sowjets, auch ist ein alter Lada ist von Bedeutung.
    Der Erzählstil ist eher ruhig, die Handlung vielschichtig, das Lesen durch die abrupten Übergänge zwischen dem Gestern und dem Heute schwierig. Um des besseren Überblicks wegen habe ich mir alsbald ein Personenverzeichnis erstellt, das ich so nach und nach mit so einigen charakterlichen Eigenschaften ergänzt habe. Konráð, die Hauptfigur, ist ein Charakter, den man schon näher kennen muss, um ihn zu mögen (oder auch nicht). Und auch von Léo und von dieser Männerfreundschaft ist so einiges zu erfahren, um stellvertretend für alle anderen diese beiden herauszugreifen.
    „Zerbrochene Stille“ hat mir – wie oben erwähnt – so einiges abverlangt. Das Buch hat mir zunächst nicht sonderlich zugesagt und nachdem ich einen zweiten Anlauf genommen und mir viel Zeit und Muße verschafft habe, hatte ich mir den nötigen Durchblick verschafft, die Reihe weiterverfolgen werde ich aber nicht.
    Safe Space

    Sarah Bestgen
    Safe Space (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.11.2025

    Ein äußerst manipulatives, ein gar tödliches Spiel

    „Anna Salomon. Ich bin die neue Anstaltspsychologin der sozialtherapeutischen Abteilung“ stellt sie sich vor. Sie hofft, dass ihre Stimme fest genug klingt, denn Nervosität oder mangelndes Selbstvertrauen würde ihre Kompetenz sofort untergraben, hat die 26jährige es doch in Zukunft mit Schwerverbrechern zu tun. Mit Serienmördern, mit Vergewaltigern, mit Sadistin und Psychopathen. Genau hier will sie sein, genau hier ist sie richtig. Dass sie so jung ist, überrascht den Sozialarbeiter Yves Vandenfeld, der in kleinen Gruppen mit den Inhaftierten arbeitet. Der Anstaltsleiter Kirchfeld stellt sie auch ihren anderen neuen Kollegen der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Weyer, kurz „SothA“ genannt, vor.
    HAPPY END habe ich seinerzeit verschlungen, diese irrwitzige Story, die so anders ist, als es lange den Anschein hat. Und nun legt Sarah Bestgen ihren neuesten Thriller vor. SAFE SPACE. Auch er hat mich sofort gepackt. Warum Anna genau hier sein will, ist alsbald klar. Nur sie alleine weiß um ihren eigentlichen Plan, doch bald muss sie entsetzt feststellen, dass nicht sie die treibende Kraft ist, denn eher scheint sie die Getriebene zu sein.
    Jemand sinniert über den Tod. Den altersbedingten Tod, den durch Unfall und auch den, der durch die Hand eines anderen herbeigeführt wird. Es gibt viele Arten des Ablebens, eines davon trägt die Handschrift eines Mörders. Das sind die ersten Gedanken, die ich lese – von wem auch immer. Um dann Einblicke in ein Tagebuch zu erhalten, das zwischendurch mehr und immer mehr von einer toxischen Beziehung verrät und das auch von einer Freundschaft berichtet. Auch erfahre ich von Leon, auch er kommt zwischendurch zu Wort. Noch bin ich ratlos, was diese Erzählstränge mit Anna und ihrer geheimen Mission zu tun haben.
    So einige Lösungsansätze drängen sich mir auf, jeder davon ist mit vielen Fragezeichen behaftet und jede der hier agierenden Figuren beäuge ich sehr kritisch, es ist ein Auf und Ab der Verdachtsmomente und nicht nur einmal habe ich Angst um Anna. Sie will im Alleingang einen vermeintlichen Mörder dingfest machen, dabei hat es den Anschein, dass nicht nur die Schwerkriminellen ihre Gegner sind. Oder doch? Meine Zweifel werden irgendwann ausgeräumt, verblüfft bin ich nur bedingt, denn auch diese Möglichkeit habe ich in Betracht gezogen, wollte es aber dennoch nicht glauben.
    SAFE SPACE bietet für Anna keinen Zufluchtsort, keinen geschützten Raum. Sarah Bestgen lässt tief in menschliche Abgründe blicken, das zunehmend bedrohliche Spiel drängt unaufhaltsam dem Höhepunkt zu, das Ende dann kommt geradezu grotesk daher.
    SAFE SPACE ist durchgehend spannend. Ein bitterböses Spiel, das lange nicht durchschaubar ist mit vielschichtigen, undurchsichtigen, manipulativen Charakteren, deren dunkelste Seiten zum Vorschein kommen. Ein Thriller, den ich am Stück verschlungen habe, der nicht unbedingt für Zartbesaitete gedacht ist, den zu lesen es sich für jeden Thriller-Fan allemal lohnt.
    Wer die Toten stört

    A. Rae Dunlap
    Wer die Toten stört (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.11.2025

    Spannend, makaber - gewürzt mit britischem Humor

    Wie kommt A. Rea Dunlap dazu, in ihrem historischen Thriller „Wer die Toten stört“ über Grabräuber und Serienkiller zu schreiben? Es waren Burke und Hare, Schottlands berüchtigste Serienmörder, von denen sie erstmals in einem Podcast erfahren hatte. Sie ist abgetaucht in eine Zeit, in der Grabräuber sich eine rechtliche Grauzone zunutze machten, um Leichen zu Studien- und Lehrzwecken zu beschaffen und diese gewinnbringend zu verkaufen. William Burke und William Hare hatten als West Port murders traurige Berühmtheit erlangt, sie trieben in den Jahren 1827/28 in Edinburgh/Schottland ihr Unwesen.
    Zunächst aber treffe ich auf den jungen, doch ziemlich unbedarften James Willoughby, der nach Edinburgh kommt, um Medizin zu studieren. Er ist begierig, alles über die Anatomie des menschlichen Körpers zu erfahren. Knochen, Muskeln, Nervenbahnen, innere Organe – alles erweckt seine Aufmerksamkeit. Bald hält er ein Skalpell in Händen, vor ihm auf dem Tisch eine menschliche Leiche. Widrige Umstände sind es, die ihn zu Nye MacKinnon treiben und dieser ist es, der ihn in zweifelhafte Machenschaften einführt.
    Dieser historische Thriller vereint Wahres mit Fiktion. Neben Burke und Hare sind es noch so einige historische Personen, die mit den fiktiven Figuren, allen voran James und Nye, vermischt sind. Die Grabräuber betrieben ihr in jeglicher Hinsicht schmutziges Geschäft, ihre Abnehmer waren die medizinischen Fakultäten, die enormen Bedarf an Leichen hatten, die allein durch Körperspender nicht gedeckt werden konnten.
    Zugegebenermaßen habe ich zuvor weder von den Grabräubern an sich noch von Burke und Hares mörderischen Geschäften gehört. Umso erstaunter bin ich, wie Dunlap diese kriminellen Umtriebe als makabres Gaunerstück präsentiert, ohne dabei würdelos zu sein. Sie hat mich zweihundert Jahre zurückversetzt, sie hat die gesellschaftlichen Normen und das Miteinander auf verschiedenen Ebenen gut eingefangen. Der feine britische Humor blitzt dabei stets durch, sie lässt diese gar schauerliche Geschichte James Willoughby erzählen, dessen Wunsch, sich medizinisches Wissen anzueignen, nicht ohne die notwendigen Studien am menschlichen Körper machbar ist.
    „Wer die Toten stört“ ist ein spannender, auf Tatsachen beruhender historischer Roman, der trotz der makabren Thematik einen guten Einblick in die Umstände der anatomischen Studien gibt.
    Knochenkälte

    Simon Beckett
    Knochenkälte (MP3)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.11.2025

    Bedrohlich-schaurige Atmosphäre – gute Story, brillant vorgetragen

    Direkt bedrohlich geht es los. Von Knochen, die überleben, ist die Rede – anders als der Rest des Körpers, der sich je nach Lage mit der Zeit auflöst. Von nackten Wurzeln eines vom Sturm entwurzelten Baumes wird berichtet, aus denen ein Gesicht starrt.
    Und dann ist er es, der sich heillos verirrt. Sein Ziel hat er meilenweit verfehlt, das Navi ist ausgefallen, kein Handyempfang. Mitten auf der Straße steckt ein Schaf fest, er schafft es gerade nochmal so in ein Pub. Dort erfährt er von einem Hotel, das geschlossen ist und doch ist es die einzige Chance, die Nacht nicht im Freien zu verbringen. Auch dieses heruntergekommene Gemäuer wirkt nicht gerade einladend. Mehr noch, es ist geradezu furchteinflößend. Und nicht nur das, auch die Leute in Dorf zeigen ihre feindliche Fratze.
    Eigentlich ist der forensische Anthropologe Dr. David Hunter auf der Suche nach einem seit sechs Monaten verschwunden 16jährigen Teenager, der Schneesturm jedoch hat ihn weit abgetrieben und die Straße, die ihn zurückführen würde, ist durch den Einsturz einer Brücke nicht mehr passierbar. Von der Außenwelt abgeschnitten macht er sich auf die Suche nach einem Handynetz, was ihm zwar nicht gelingt, jedoch macht er eine grausame Entdeckung.
    Gespannt, ja atemlos folge ich der Beschreibung des Waldes mit all seinen Gefahren, der Bäume und der Wurzeln, die wie ein Netz nicht nur Erdklumpen einspinnen und der Krater, die im Dunkeln so manches verbergen, dazu das unwirtliche Wetter und der tiefe Schnee, in dem es fast kein Durchkommen gibt – es ist eine bedrohlich-schaurige Atmosphäre, die mir Johannes Steck, der Sprecher des Hörbuches, hier vermittelt. Er ist es, der mich über 12 Stunden und 20 Minuten gebannt zuhören lässt. Er gibt jeder einzelnen Figur seine ganz persönliche Note, seine ganz eigene Stimmlage, sodass jeder einzelne sofort erkennbar ist. Ihm zuzuhören, ist Genuss auf ganzer Linie. Die sowieso absolut fesselnde Story gewinnt durch seinen gekonnten Vortrag nochmal, er füllt jeden Charakter mit Leben.
    Nicht jeden Band um Dr. David Hunter habe ich gelesen bzw. gehört, diese „Knochenkälte“ jedoch, der nunmehr siebte Band, hat es in sich. Dunkle Geheimnisse inmitten einer angsteinflößenden Kulisse treiben die Story vorwärts, ein Entrinnen scheint unmöglich. Den nächsten Hunter werde ich mir wieder als Hörbuch gönnen, ich bin wieder voll im Hunter-Fieber.
    Lebensbande

    Mechtild Borrmann
    Lebensbande (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.11.2025

    Drei Frauen, drei Schicksale

    Lene, Nora und Lotte – drei Frauen, drei Schicksale. Mechtild Borrmann erzählt von ihnen, sie spannt den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis hin zum Mauerfall.
    Im Herbst 1991 bekommt eine von ihnen einen Brief der LVA Mecklenburg-Vorpommern mit der Bitte, Nachweise zu ihrer Tätigkeit vor 1953 und auch danach nachzureichen. Fast dreißig Jahre wohnt sie nun schon hier, sie hat als Krankenschwester gearbeitet, ihr Gustav ist schon einige Jahre tot und nun droht die Vergangenheit sie einzuholen. „Kühlungsborn, Oktober 1991. Ich bin 1953 in Frankfurt an der Oder angekommen, aber mein Entlassungsschein…“ So beginnt sie, ihre Erinnerungen niederzuschreiben.
    Im September 1931 begegne ich der 17jährigen Lene, die an einem Tanzabend den jungen Holländer Joop kennenlernt. Ich lese von ihrem Schicksal und von dem ihrer Familie und auch von dem ihres Sohnes Leo, der bei der Schuleinschreibung eine niederschmetternde Diagnose erhält. Er wird in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen. Nora, die her als Krankenschwester arbeitet, hat ein Auge auf Leo und doch kann sie ihn nicht vor der Unbill der Nationalsozialisten beschützen. Leos Schicksal ist so eindringlich beschrieben, bei Lesen hatte ich Herzklopfen, konnte gar nicht glauben, mit welch Chuzpe mit diesen Kindern umgegangen wurde. Alle haben sie mitgemacht, sich freiwillig oder gezwungenermaßen dem Unrechtsregime untergeordnet.
    Lotte dann lernt Nora kennen, als es für diese als Krankenschwester Richtung Osten geht. Das Schicksal verbindet sie, sie geben sich gegenseitig Halt, auch und gerade in schwersten Zeiten.
    Von Mechtild Borrmann habe ich schon einige Bücher gelesen, keines davon möchte ich missen. Ihr neuestes Buch LEBENSBANDE basiert auf wahren Begebenheiten, sie erzählt auf zwei Zeitebenen von der Zeit des Nationalsozialismus, beginnend 1931 bis hin zum Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus. Jede ihrer Figuren hat trotz der Tragik dieser Zeit auch ihre Glücksmomente und doch ist es eine tieftraurige, eine entsetzliche Geschichte, die ich hier lese. Wir wissen um die NS-Zeit, um die Aussortierung unwerten Lebens, um die Medikamententests. Frauen wurden in sowjetische Arbeitslager verschleppt, auch davon lese ich - viele überlebten die tägliche Schwerstarbeit bei Wasser und Brot nicht.
    Dieser gut recherchierte, lesenswerte, intensiv erzählte historische Roman blickt auf eine sehr dunkle Zeit, dessen Schrecken wir nie vergessen dürfen, LEBENSBANDE erzählt davon.
    Blutbuße

    Viveca Sten
    Blutbuße (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.11.2025

    Spannender dritter Teil der Åre-Morde

    „Blutbuße“ ist Viveca Stens drittes Buch der Polarkreis-Reihe. Kurz zuvor habe ich bereits Band vier gelesen und ihn als TOP bewertet, ganz kommt diese Blutbuße nicht an „Lügennebel“ heran, allerdings hat mich auch dieses Buch nicht losgelassen, an Schlaf war nicht zu denken.
    Charlotte legt gleich mal einen absolut unsympathischen Auftritt hin. Man spürt förmlich ihre unverfrorene Art. Sie liebt es, andere zu beherrschen und auf Gedeih und Verderb ihren Willen durchzusetzen. Nun, es ist sozusagen Charlotte Wretlinds letztes Aufbegehren, denn am Tag darauf wird sie tot aufgefunden. Sie liegt erstochen in ihrem Hotelzimmer, das Bett voller Blut, sie ist an ihrem eigenen Blut erstickt.
    Wir sind im Bergdorf Åre, hoch oben im Norden Schwedens, es ist ein Skiparadies und wie bald bekannt wird, wollte Charlotte das alte, leer stehende Luxushotel abreißen und durch einen spektakulären Neubau ersetzen lassen. Dazu brauchte sie angrenzende Grundstücke, deren Ankauf so gut wie abgeschlossen war, jedoch sollte dieser Grundstückskauf rückgängig gemacht werden. Charlotte reagiert ungehalten, zu viel hat sie schon investiert.
    Im Mordfall Charlotte Wretlind ermitteln Hannah Ahlander und ihr Kollege Daniel Lindskog. Bald führt eine erste Spur zu einem Hotelmitarbeiter, den sie jedoch merkwürdigerweise nicht antreffen. Unterstützt werden sie von ihrem Kollegen Anton, in dessen Privatleben wir kurze Einblicke bekommen und auch bei Hanna und Daniel ist privat so einiges los - die Ermittlungsarbeit steht aber schon im Vordergrund. Diese Ermittlung jedoch bringt sie nicht recht voran, bis dann ein weiterer Mord geschieht.
    Hanna und Daniel – beide sind sie gefordert und beide lassen nicht locker. Zwischendurch lesen wir von DAMALS, um die Weihnachtstage des Jahres 1973 - was es damit auf sich hat, wird zunehmend klar. Im Heute dann verschwindet ein junger Mann spurlos – noch hoffen sie, dass er noch lebt. Alles spitzt sich zu, es gilt, unverzüglich zu handeln, denn sie meinen, endlich auf der richtigen Spur zu sein. Was dann geschieht, ist nervenaufreibend, allerdings war mir die Aufklärung, die sich über viele Seiten hinzog, viel zu lange. Gefühlt dreht sich Hanna im Kreis, es passiert viel und doch tritt sie auf der Stelle, dies hätte durchaus abgekürzt werden können, wenngleich es ein trotzdem spannender dritter Teil der Åre-Morde war. Gerne mehr von Viveca Sten, gerne bin ich lesend an den Polarkreis gereist.
    Die Welt in Meran - Walzerblut

    Angela Marina Reinhardt
    Die Welt in Meran - Walzerblut (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.11.2025

    Faszinierendes Meran zwischen Kurbetrieb und Maskenbällen

    In Meran kündigt sich der Frühling an, als Helen von Burt, die Tochter eines englischen Squire, in Begleitung von Mrs David und Lady Greville ankommt. Helen hofft auf eine gute Partie, die Maskenbälle eigenen sich ihrer Meinung nach hierfür hervorragend. Zur gleichen Zeit treffen andere Kurgäste ein wie etwa der Korse Jean de Benedetti und auch der Arzt Sigmund Hirsch, dessen Dienste alsbald benötigt werden. Neben dem Erbgrafen Maximilian von Montalban begegnen wir noch so etlichen anderen, auch dem Dienstmädchen Anna und einem Lohnkutscher, werfen einen Blick in eine Spinnerei und in so einige Familien. Bei einer davon lebt das Kostkind Lucia, die achtjährige Waise Rosa schuftet von früh bis spät - die Standesunterschiede sind nicht nur hier deutlich sichtbar.
    Wir sind in Südtirol im Fasching des Jahres 1872. Die so unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und die damaligen Gepflogenheiten, auch in moralischer Hinsicht, sind hervorragend in die Geschichte eingewoben, die einzelnen Charaktere, deren Lebensentwürfe und deren Mentalität bestens herausgearbeitet. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr weglegen, wollte es auch gar nicht. Dieser gut recherchierte erste Band, der in und um Meran angesiedelt ist, hat mich sofort begeistert, auch die Beschreibung dieser Gegend weckt so manch Erinnerung.
    Man merkt die Verbundenheit der Autorin mit diesem Landstrich und ihre besondere Faszination mit der Meraner Geschichte der letzten 150 Jahre, wie sie im Nachwort verrät. Ihre „Sardische Hochzeit“, die sie als Grit Landau schreibt, habe ich seinerzeit verschlungen, weitere Bücher folgten und jedes einzelne war ein Lesegenuss. Umso schöner, dass diesem ersten Band „Walzerblut – Die Welt in Meran“ weitere Bücher folgen werden.
    Erwähnen möchte ich noch das hilfreiche Glossar, das vom Affront über so manch Hallodri bis hin zum Vicomte vieles erklärt und auch das Personenverzeichnis, das gerade anfangs eine gute Stütze ist - unterteilt nach den Tirolern und den Kurgästen, den Ärzten, dem Adel und noch etlichen anderen. Bald aber sind sie alle im Gedächtnis, dem genussvollen Lesen steht nichts mehr im Wege.
    Der erste Band dieses so wundervollen, sehr lesenswerten historischen Romans ist ausgelesen, ich freue mich auf die Folgebände, auch wenn es noch ein Weilchen dauern mag.
    Großmutters Geheimnis

    Benjamin Koppel
    Großmutters Geheimnis (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    05.11.2025

    Ruths Geschichte überzeugt, der zweite Erzählstrang dagegen weniger

    In Kopenhagen begegne ich Gry und Alexander und Lillian, seiner Mutter, einer gefeierten Musical-Sängerin. Wir schreiben das Jahr 2015. Lillians Geburtstagsvorstellung zu ihrem Siebzigsten steht an, die Bühne war ihr Metier und dahinter war seit jeher Alexanders Kinderstube. Dort hat er auf sie gewartet. Auf sie, den Star, ihr Kind hatte nur allzu oft das Nachsehen. Auch heute noch wähnt sich Lillian im Mittelpunkt, drängt sich in Alexander und Grys Leben, ist übergriffig und auch hat sie Alexander die vor langer Zeit von ihrer Mutter Ruth besprochenen Kassetten für ihn nie gegeben. Alexander verdient seine Brötchen als Musiker, er und Gry sind schon lange zusammen. Ihr Kinderwunsch hat sich nie erfüllt und nun versuchen sie es schon länger mit der In-vitro-Fertilisation.
    Und da ist Ruth, die ich als junge Frau im Jahre 1943 sehe. Die Musik liegt ihr im Blut, ihre Stimme ist die einer Opernsängerin. Bis zu dem Tag, als sie und ihr Vater nach Theresienstadt deportiert werden, als sie verstummt. Dorthin folge ich ihr, sehe ihr tagtägliches Leid, ihr Elend und das ihrer Mitgefangenen. Benjamin Koppel beschreibt die Herrschaft der Nationalsozialisten und das Dahinvegetieren im Lager sehr eindringlich, die Qualen, deren die Inhaftierten ausgesetzt sind und so manch Martyrien, deren sie sich nicht erwehren können.
    Und da ist die alte Ruth, die schon lange erblindet ist. Sie ist die älteste von vier Geschwistern, es verschlägt sie von Polen nach Dänemark, sehr viel später dann lebt sie in den USA. Dort bespricht sie für ihren Enkel, den sie nicht kennt, diese Kassetten, die er auf dem Dachboden seiner Mutter findet.
    Vor einiger Zeit habe ich „Annas Lied“ von dem Autor gelesen. Auch dieses Buch ist ein Zeugnis einer Zeit, voll politischer Wirren, über eine jüdische Familie, die ihren Glauben hoch hält. Also war ich voller Vorfreude, als ich „Großmutters Geheimnis“ in Händen hielt. Ruths Part hat mir sowohl als junge und auch als sehr alte, 96jährige Frau, gut gefallen. Ich konnte ihr folgen, konnte sie verstehen, habe mit ihr gelitten. Ruths Geschichte hätte wesentlich mehr Raum verdient, denn auch wenn zwei Zeitebenen wechselseitig erzählt werden, so müssen sie beileibe nicht den in etwa gleichen Umfang haben.
    Alexanders und Grys Geschichte mitsamt Lillians Dasein in der Jetztzeit nehmen dem Buch sehr viel. Gefühlt lese ich in dieser Erzählebene nur von der Fertilitätsbehandlung, gespickt mit einigen Nebensächlichkeiten. Schade, denn „Großmutters Geheimnis“ hat mit diesem über den in zu vielen Seiten ausgewalzten Kinderwunsch nichts zu tun.
    Wäre noch das Ende, das zu gewollt geraten ist. Nicht alles muss sich in Wohlgefallen auflösen, nicht alles bis ins kleinste Detail geklärt sein. Von meinen anvisierten vier Sternen bleiben letztendlich drei übrig.
    1 bis 25 von 262 Rezensionen
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