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    Silberstein

    Aktiv seit: 26. August 2010
    "Hilfreich"-Bewertungen: 982

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    179 Rezensionen

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    Streichquintett a-moll op.7

    Streichquintett a-moll op.7 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Quintett-Essenz

    Das Leben einer Komponistin war ja bis weit ins letzte Jahrhundert oft eine Durchsetzungs-Geschichte. Johanna Müller-Herrmann hatte es da offensichtlich leichter, wenn auch nicht leicht, mit einem fördernden Vater, einer sehr guten Ausbildung, einem verständnisvollen Umfeld. Und doch: eine so niedrige Opuszahl im Alter von 41! Die immer noch recht verschlungenen Wege zum Durchbruch als erste Professorin für Musiktheorie zeichnet das Beiheft nach. Hörend nachvollziehen lassen sich ihre Einflüsse an diesem meisterhaften Streichquintett, für das wohl ursprünglich Schuberts großes Quintett Pate stand, auch Dvorak und Brahms lieferten bedeutende Gattungsbeiträge. Das Handwerk stand ihr also absolut zu Gebot, und wer das Adagio aus op. 7 hört und vorher den "Liebestod", weiß, woher dieses Über-Gefühl kommt. Natürlich schwebte Wagner über allem in ihrem Fin-de-Siècle-Wien, ihr Lehrer Zemlinsky und Gustav Mahler schwebten mit, auch wenn dessen doppelbödige Ländler-Idylle sich hier nicht so wiederfindet. Ausladend wie eine Symphonie, auch das zeittypisch und vielleicht auch "sich den Weg zur großen Symphonie bahnend" (eine echte hat sie später geschrieben, und eine "Symphonische Fantasie") wie vordem ihr Landsmann Franz, dem es ja auf andere Weise auch nicht leicht gemacht wurde. Die Cellosonate beeindruckt weniger, mehr von Müller-Hermanns Oeuvre vielleicht dereinst mehr ...
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    Symphonien Nr.1 & 2 (op.780 & 781)

    Symphonien Nr.1 & 2 (op.780 & 781) (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Op. 111? Da hat er gerade erst angefangen ...

    Carl Czerny hatte es nicht leicht - mit der Mitwelt nicht, mit der Nachwelt schon gar nicht. Wunderkind, Beethoven-Schüler, viel gesuchter Lehrer sogar von Kalibern eines Franz Liszt, Compositeur von absurd anmutenden Opuszahlen, lebte und starb er in der Hauptstadt der Musik, und er starb sehr vermögend. Ein solches Leben muss doch glücklich genannt werden? Doch im kollektiven Gedächtnis blieb der sensible Mann, lebenslange Junggeselle, hyperproduktive Tonschöpfer vor allem als berüchtigter "fingerbreaker" von Generationen von Klavierschülern, als wäre diese "Schule der Geläufigkeit" nicht unmittelbar verbunden mit dem Aufstieg der Klavier-Industrie und der berufsmäßigen Virtuosität, zu der er so viel beitrug. In seinen Symphonien ist wenig zu hören von schulmäßiger Ausführung, am ehesten erinnern sie an den anderen bedeutenden Beethoven-Schüler, nämlich Ries (grandios von Howard Griffiths bei cpo eingespielt). Und das heißt: bei beiden hört man natürlich hier und da den Meister aller Klassen zwischen den Notenzeilen, aber nicht sklavisch nachgeahmt, sondern durchaus erfindungsreich. Es ist also eher das meisterhaft Kontrollierte als das Echo der Ausbrüche, welches die Verwandtschaft von Lehrer und Schülern zeigt, und auch wenn die Musik in den schnellen Sätzen manchmal nach reiner Geste klingt, stellt sich beim mehrfachen Hören ein vielschichtigerer Eindruck ein. Das passt sehr gut zur sorgfältigen und bei aller Detailgenauigkeit schwungvollen Interpretation von Willens und den Kölnern, die damit vielleicht Czerny im Symphonischen eine Tür in die Gegenwart öffnen, so wie vorher im Pianistischen das Duo Tal / Groethuysen (Sony, leider vergriffen) und Martin Jones (Nimbus, weiterhin erhältlich und in der Fülle nie gehörter Soloklaviermusik sehr hörenswert).
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    Kantaten - Französischer Jahrgang Vol.6

    Kantaten - Französischer Jahrgang Vol.6 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Musikalischer Adventskalender

    Na gut - wenn in den Lebensmittelgeschäften schon die Adventskalender angeboten werden (obwohl die Temperaturen noch jede Schokolade zum Schmelzen bringen), darf man wohl auch Weihnachtskantaten hören und besprechen. Schwer fällt das nicht beim neuesten Streich von Koch & Co, so gutgelaunt und strahlend im Klangbild kommt Vol. 6 der Sammlung daher. Und fast scheint es, als ob Telemann, der ja stets am Puls der Zeit komponierte, französische, italienische, polnische, deutsche Einflüsse aufnahm, hier sogar das moderne Bewusstsein vorausgeahnt hat: die Jetzt-und-hier-Mentalität und unsere kurze Aufmerksamkeitsspanne. Denn die Kantaten sind mal innig, mal Pauken-und-Trompeten-prächtig, aber immer eins: kurz. Um die überzeitliche Referenz zu bemühen: Wer Bachs Weihnachtsoratorium mag, z.B. in der unverwüstlichen Richter-Einspielung, kommt hier auf seine Kosten. Schön. Und länger haltbar als Schokolade.
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    Triosonaten op. 3 Nr. 1-7

    Triosonaten op. 3 Nr. 1-7 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Die Dosis macht's

    Das Cover ist schon gut gewählt: die ruhig monochromen Fassaden der beiden Pariser Kirchen korrespondieren mit dem hier gebotenen Klangbild. Das ist alles kontrapunktisch sauber komponiert, wirkt aber schnell ein wenig gleichförmig. Sicher waren nicht alle sieben Sonaten dafür gedacht, hintereinander "weggehört" zu werden, und das sollte man auch nicht tun, und nicht nur, weil der kompositorische Standard z.B. der Triosonate aus Bachs "Musikalischem Opfer" oder von Händels Kammermusik natürlich nicht erreicht wird, sondern in erster Linie, weil man sonst eine Art "Oboen-Überdosis" verspürt, die auch an der gewöhnungsbedürftigen Klangmischung mit Cello und Cembalo liegt (Triosonate: das meint bekanntlich nicht, für nur drei Instrumente). Also, die Dosis macht's.
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    Streichquartette op.15 Es-Dur Nr.1 & D-Dur Nr. 3

    Streichquartette op.15 Es-Dur Nr.1 & D-Dur Nr. 3 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Hochklassisch

    Man ist immer wieder von den Socken, welche Ausgrabungen dem Label cpo noch auf dem Feld der klassischen Musik gelingen. Dies ist eine davon. Johann Anton Andrés Meriten liegen vor allem im Verlegerischen, gerade in der Verbreitung des Mozart'schen Oeuvres, aber seine Streichquartette - blind gehört - könnten durchaus von einem Namhafterem stammen: mittlerem Haydn, den Italienern Donizetti oder Cherubini. Letzterer ist Widmungsträger des op. 15, und die Marketing-Komponente einer solchen Widmung, die man einem Verlagsprofi ja zutrauen kann, arbeitet das Booklet sorgfältig heraus. Das junge Oxalis-Quartett tut dasselbe mit den Einzelstimmen, was beim op. 15 mit quasi solistischen Passagen der 1. Geige sehr sinnfällig ist: im ersten Quartett besonders im Kopfsatz und im Adagio, im dritten klangschön im langsamen Satz. Diese Kompositions-Art hat sich André womöglich ebenfalls von Bekannteren abgehört: Mozarts "Preußischen Quartetten", in denen dieser die Cellostimme besonders bedachte, weil der Widmungsträger (!), der König von Preußen, Cello spielte, oder Haydns "Tost-Quartette" op. 54 mit ihrer Dedikation an den ebenfalls geschäftstüchtigen Violinvirtuosen Johann Tost. Über den Zusammenhang zwischen Qualität und Verkaufbarkeit ließe sich wahrscheinlich noch viel sinnieren - aber zuhören macht mehr Spaß!
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    British Music for Strings Vol.5

    British Music for Strings Vol.5 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Pastoral, nicht pastos

    Auch die fünfte Folge der einsichts- und verdienstvollen Serie überzeugt: Streicherklang in jenem dezent-unaufgeregten "Tonfall" von der Insel, in dem britische KomponistInnen gleich im mehrfachen Dutzend zu sich fanden. Die Tochter des "Planeten-Holst" eröffnet den Reigen mit der Suite "The Unfortunate Traveller" (mir bisher unbekannt wie die meisten der Stücke), an dem sich das Prinzip gut deutlich machen lässt: Rückgriffe auf die glorreiche Vergangenheit sowohl in der literarischen Vorlage - dem ersten englischen Schelmenroman - als auch in den musikalischen Urbildern, nämlich Volkstänzen. Das bekannteste Beispiel, vielfach aufgeführt und aufgenommen, ist wohl Vaughan-Williams' Fantasia on Greensleeves, vielleicht auch noch Papa Holsts "St. Paul's Suite", Hubert Parrys "Lady Radnor's Suite" - sie sind bisher auf keinem der Volumina enthalten, was nahelegt, was da noch alles zu heben und zu hören ist. Die Abwesenheit von Bläsern und Schlagwerk verstärkt den sanften, fließenden Verlauf, als blicke man auf ein landschaftliches Pastell. Douglas Bostock und sein nichtbritisches Kammerorchester gewähren uns diesen Blick wieder detailgenau, transparent und mit großem Einfühlungsvermögen.
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Liebe & Hingabe

    Schöner Titel. Schönes Cover. Schöne Musik. Erster Gedanke: mit derartiger ästhetischer Gestaltung könnte diese sehr alte Musik auch jüngere Hörerschichten ansprechen. Zweiter Gedanke: die CD, obwohl nicht tot (wie unter anderem cpo immer wieder beweist), ist kein Medium der Jungen mehr. Dritter Gedanke: auf das Medium kommt es bei der Vermittlung solcher Musik nicht entscheidend an, wie auch das Bachfest quer durch Generationen jüngst bewies. Leipzigs Pracht und Herrlichkeit im Kirchengesang ist auch das Thema dieser schönen, wenn auch mit 57 Minuten eher knapp gefüllten Scheibe. Vor und nach Bach: das ist musikalische Zeitrechnung, ohne blasphemisch klingen zu wollen; hier ist aber viel mehr die Einbettung des größten Thomaskantors in die Tradition erfahrbar als sein Herausragen, und deshalb finde ich auch die Eröffnung mit einem Bach-Telemann-joint-venture eine ganz passende und bewegende Idee. Blitzsauber aufgenommen, kristallklar gesungen, und ich stimme zu: ein feines Remedium gegen das Hektische, Egomane unserer Zeit.
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Zauberhaft

    "Potter ...!!" Mit näselnder Snape-Stimme gesprochen, passt der Name des Zauberlehrlings ebenso gut zu seinem originellen Namensvetter, diesem zu Unrecht kaum mehr bekannten Komponisten. Längere Zeit waren zwei Klavierkonzerte auf Hyperion das einzig Greifbare (inzwischen in den Gesamt-Boxen aufgegangen und nicht mehr einzeln erhältlich, was zu bedauern ist). Potters Idiom: auch in der mutmaßlich letzten Symphonie in D-Dur immer noch eher frühromantisch. Very british? Nicht erkennbar, sondern wohl auch durch seine Lehrer klar kontinental geprägt: den Mozart-Schüler Attwood, den Michael-Haydn-Eleven und Beethoven-Rivalen Woelfl. Gefällig, melodienreich, "freundlich" statt dräuend trotz des wie immer hellwach-temperamentvollen Griffiths-Dirigats: da klingt freilich eher früher Schubert mit als Beethoven. Auch in der Concertante, die in leiser Wehmut den eigenen Melodien nachsinnt, stellt sich ein liebenswerter und selten auftrumpfender musikalischer Charakter vor. Vol. 4 der Potter-Wiederbelebung auf cpo ist somit ebenso wie die Vorgänger das Hören wert: Zauberhaft!
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    Kammermusik für Flöte

    Kammermusik für Flöte (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.09.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Warme Grundierung

    Bernhard Rombergs Kammermusik sollte man "vom Cello her" verstehen - als einer der größten Virtuosen seines Instruments legte er hörbaren Wert auf die sonore Unterlage der tieferen Streicher. Auch das hier eröffnende nominelle "Flötenquintett" weist durch die Verwendung von Cello und gleich zwei Bratschen eine warme Grundierung auf, die den leichtgewichtigen Eindruck vermeidet, den Kammermusik mit Flöte häufig macht. Das Divertimento ist - genregemäß - unterhaltsamer, spielerischer, während das "Grand Trio" genauso daherkommt wie der Titel verspricht: "Miniorchester" nennt das wie bei cpo üblich exzellente Beiheft (verfasst vom Flötisten Karl Kaiser) die Art der Instrumentenbehandlung in diesem Opus Fast-schon-magnum. Ein hervorragender Überblick über das so unterhaltsame wie seriöse, so fundierte wie virtuose Kammermusik-Schaffen des "B-Rombergs" , der dem Cousin "A(ndreas)-Romberg" nur im Anfangsbuchstaben nachsteht.
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.08.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Gruß von der Bühne

    Ganz aus dem Gesanglichen heraus empfunden ist Nicolais Klaviermusik, idiomatisch und einfühlsam nachempfunden von Christof Kaymer in dieser wirklich feinen Veröffentlichung. Überraschend ist diese Färbung keineswegs, kennt man Nicolai doch als Opernkomponisten, überraschend ist vielleicht aber doch die Qualität der Musik. Der Gründer der Wiener Philharmoniker hätte bei längerer Lebensspanne womöglich auch noch auf diesem Feld Furore gemacht, wie auch seine verspielten, melodienseligen, wunderbar schwebenden Klaviersonaten nahelegen: keine Schwere, die oft nur Schwerfälligkeit ist, einfach schöne Musik. So viel Italianità war mal im deutschen Sprach- und Klangraum möglich - lohnt das Kennenlernen!
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.08.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Der Alleskönner

    Der wunderbare Telemann! Wie eigentlich findet und formuliert man das Charakteristische eines "Alleskönners" - und ein solcher war der Magdeburger nicht nur als Komponist, sondern eben auch als Multiinstrumenalist zweifelsohne? Klar, der "majestätische Händel", der Komponist der Könige und König der Komponisten, der transzendente und verinnerlichte Bach, das sind Etiketten, die aber zumindest einen Kontrast verdeutlichen. Telemanns Herzhaftigkeit und Bodenständigkeit - in der Sprache der Zeit als "körnicht" beschrieben, was sowohl kernig als auch kompositorisch anspruchsvoll heißt, wie das Booklet verrät - könnten dem Dritten im Bunde die Richtung weisen, oder unserem Verständnis von ihm. Ich halte die hier vorgelegte Sammlung der Bläserkonzerte - von denen ich "leider" schon vier Einzelausgaben gesammelt hatte - für absolut aussagekräftig, mehr noch als vielleicht die Violinkonzerte oder für Anlässe geschriebenen Huldigungs- und geistlichen Werke: Nicht nur, weil der Tausendsassa das alles selbst spielen konnte und somit wusste, wie man das in Finger und Lippen schreibt. Sondern auch wegen seiner hier hörbar werdenden Bandbreite vom einzigartigen (und meines Wissens schon weit vor der Telemann-Renaissance für Eterna eingespielten) Doppelkonzert für Blockflöte und Querflöte bis zu den grandiosen Oboenkonzerten. Danke für diese Veröffentlichung!
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.08.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Frisch ans Werk

    Diese Wranitzky-Einspielung erfüllt mit Fröhlichkeit und Frische voll meine Erwartungen. Welche waren das? Nach der ebenfalls gelungenen Bamert-Aufnahme in der Chandos-Reihe "Contemporaries of Mozart" (selbes Geburtsjahr!) machte mich eine ältere Supraphon-Aufnahme des Dvorak Chamber Orchestra unter Bohumil Gregor - zwar nicht "historisch informiert", aber voller Spielfreude und Sonorität - auf die melodienreichen, vom Gestus her überwiegend "gut gelaunten" Symphonien des böhmischen Meisters aufmerksam. Von den ersten beiden cpo-Folgen der Wranitzky / Vranicky-Werke kenne ich nur eine, werde mir op. 37, 50, 51 aber bald zu Gemüte führen - denn genau dafür ist diese Musik gut: zur "Gemüts-Ergötzung", wie man wohl zu seiner Zeit gesagt hätte. Howard Griffiths akzentuiert, wie bei ihm gewohnt, die Kontraste, ohne drastisch zu übertreiben: es bleibt zum Glück Musik statt Rhetorik, und die Münchner spielen mit der genau richtigen Verve. Ein sauertöpfischer Kritiker-Kommentar von 1853, der Wranitzky gegenüber Beethoven herabsetzen sollte, eröffnet als Zitat das informative Booklet. Nicht ernst, nicht tief genug: diese freudlose Richtung kennt man in Deutschland. Stattdessen sollte man Wranitzky womöglich mit Haydn und mit Schuberts frühen Symphonien vergleichen, wenn man schon muss: melodischer Einfallsreichtum, Diesseitigkeit, und eben: Frische, wenn sie so dargeboten wird wie hier.
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    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.07.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Die achte Saite

    Was für ein Leben! Das Booklet blättert das Schicksal des Briten John Hingeston in seiner Farbigkeit, seinen Wechselfällen, seinen Abhängigkeiten vor uns auf, die weit entfernt sind vom heutigen subventionierten Künstlerleben. Und ziemlich weit entfernt, so scheint's dem Hörer, vom eher ruhig-gleichförmigen Fluss der Gamben-Töne (plus Orgel, plus Barockvioline), die sich dieser Barockmensch hat einfallen lassen. Aber damals wurde eben nicht "persönlich" komponiert und ein Musikstück war noch kein Bekenntnis. Wer den Film "Die siebente Saite" mochte, der damals eine Art Gamben-Hype ausgelöst hat, wird sich hier zu Hause fühlen. Diese CD scheint die einzige Veröffentlichung mit Musik von Hingeston auf dem Markt - sie wäre schon dadurch legitimiert, weist aber auch eine schöne Ensembleleistung und eine warme Aufnahmequalität auf.
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.07.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Noch mal nachgehört

    Ich gebe zu, dass ich zum Komponisten Berger bislang eher ein Nicht-Verhältnis gepflegt habe - resultierend aus der Kenntnis des einzigen Werkes, das mir auf CD greifbar war, dem ausufernden Klavierquintett op. 95. Die Aufnahme mit dem Verdi-Quartett und Jost Michaels präsentierte einen geradezu gründerzeitlich anmutenden Kammermusik-Koloss, dessen mäandernde Tongirlanden von Brahms zu Reger zu streben schienen, ohne einen von beiden zu erreichen. Der Eindruck war womöglich ungerecht. Ihn zu korrigieren, half diese Neuveröffentlichung mit einem Trio von Spitzenkünstlern. Insbesondere Paul Meyers warmer, stimmnaher Klarinettenton legt einem diese Werke in der Schumann-Brahms-Nachfolge (Stücke im Volkston und Märchenerzählungen, Brahms' Klarinettentrio und späte Sonaten) viel näher ans Herz und zeigt: Berger komponierte zwar sehr "deutsch", gelehrt, versonnen bis versponnen - aber eben doch herzenswarm und persönlich. Das Quintett bleibt ein Gipfel, den es nach diesem neuen Höreindruck noch zu ersteigen gilt, aber das ging Zeitgenossen ja auch mit Brahms so. Und mit Reger bis heute ...
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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.06.2026
    Booklet:
    4 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Neues aus Elb-Florenz

    Heinichens "Hebung" in den 1990er Jahren war Reinhard Goebel und Musica Antiqua Köln zu verdanken, die mit ihren Einspielungen erneut auf diesen Meister der hochbarocken Besetzungs-Vielfalt aufmerksam machten. Ein Mosaiksteinchen in diesem Bild fügen jetzt diese aparten Kammerkantaten hinzu, inklusive einer zarten Weihnachtskantate. Die Fusion zwischen italienischer Gesangskunst und deutscher Experimentierlust, was das Instrumentale angeht, gibt sich hier die Form vergnüglichster spielerischer Duelle zwischen dem Goldkehlchen von Signora Albano, hörbar mit viel Freude bei der Koloratur-Sache, und dem beherzt aufspielenden Ensemble mit (für meinen Geschmack) ein wenig zu dominantem Cembalo. Der augusteische Stil ist hier dennoch wunderbar erfahr- und hörbar: als Gegenentwurf zur preußischen Strenge und Gruß aus Elb-Florenz.
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    Musik der Hansestädte Vol.4: Musik aus dem alten Hamburg

    Musik der Hansestädte Vol.4: Musik aus dem alten Hamburg (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.06.2026
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    3 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Vivat Hamburgum?

    Moin! Da lacht das Herz des Hamburgers, selbst in der Berliner Diaspora - beim Anblick des schönen Coverbilds. Weniger vielleicht beim Anhören der Musik, die uns doch inzwischen sehr fremd geworden ist, und ebensolcher Texte, die immerhin teilweise belustigen mit ihrem grimmigen Pathos ("Die Gnad tut er nicht sparen, den Blöden ist er hold"). Wer hört an einem schönen Sommertag, oder meinetwegen an einem mit Hamburger Schietwetter schon stundenlang zur Entspannung von der "alten Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas"? Nein, derartige Veröffentlichungen sind enzyklopädisch zu verstehen und haben als solche ihre Berechtigung. Ansonsten ist dem Eindruck des Rezensenten "meiernberg" zuzustimmen: Bläser überlagern hier zu häufig die Vokalstimmen, der schöne Essay über die Riesenorgel im Beiheft scheint mangels eines ebenso dominanten Höreindrucks des Instruments fehl am Platze. Vielleicht sind die kleinen Werke hier einfach inzwischen von einer glaubensfernen Zeit überholt, weisen zu wenig über sich selbst hinaus, und nahezu jedes Werk der Wiener Klassik - man nehme nur eine relativ unbekannte Haydn-Symphonie wie Nr. 47 "Palindrom" - sagt dem modernen Bewusstsein mehr, gerade weil es auf so direkte sprachliche Aussagen verzichtet.
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    Fantasia symphonica A-Dur

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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.06.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Es ist noch Suppè da!

    Der Vielvölkerstaat in einer Person: so könnte man den Komponisten beschreiben, der als Francesco Ezechiele Ermenegildo Suppe (sic!) im heutigen Split im damaligen Königreich Dalmatien unter habsburgischer Herrschaft geboren und in Wien ausgebildet wurde, wo er als vor allem als Schöpfer von Operetten sich dann einen Namen und den Accent auf dem è machte. Nachhall seiner großen Karriere sind einige Ouvertüren in Neujahrskonzerten wie die "Leichte Kavallerie"; die "Schöne Galathée" schmeichelte sich sogar als Soundtrack für Helmut Dietls "Kir Royal" erneut in die Ohren. Unterschätzt im Land der E-Musik wie so viele Könner der Unterhaltung - so einer konnte natürlich auch keine Symphonie schreiben, sondern allenfalls eine "Fantasia symphonica", womöglich verrät das auch sympathische Selbstironie und -einschätzung. Großes Können verrät die Verbindung und Verarbeitung der eingängigen Melodien in diesem schönen Werk, das wiederum auf eine Oper des hochadeligen Komponisten Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha zurückgreift - ein Gruß aus einer versunkenen, vergessenen Welt, der in der Interpretation von Ernst Theis und dem Brandeburgischen Staatsorchester aber taufrisch wirkt. Hochkonzentriertes, dabei spürbar lustvolles Spiel an allen Pulten - auch bei den zwei Bänden "Spanischen Tänzen"; das Genre erfreute sich ja vor Erfindung des einfältigen Verdikts von der "kulturellen Aneignung" zu Recht größter Beliebtheit, man denke nur an Liszts stilbildende Ungarische und Spanische Rhapsodien oder Rimsky-Korssakows "Capriccio espagnol". Klassische Musik, die nie wirklich klassisch geworden ist, aber umso mehr Spaß macht.
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    Streichquartette Vol.2

    Streichquartette Vol.2 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Frau Mayer schreibt ein Quartett ...

    ... und dann schreibt sie gleich noch eine positive Rezension dazu! Wenn es stimmt, was das Beiheft von einer anonymen Zeitungsannonce berichtet, dass nämlich die produktive Komponistin womöglich selbst hinter dieser lobenden Erwähnung steckte, kann man nach heutigen PR-Maßstäben nur den Hut vor ihr ziehen. Mit Instagram und TikTok hätte sie es wohl leichter gehabt - als "spätberufene" weibliche Künstlerin musste sie 1848 fintenreicher vorgehen. "Diese lieblichen Cantilenen, diese gewandte Behandlung der Stimmen" kann man ihr ohne Abstriche zugestehen - besonders das g-Moll-Quartett, wohl der letzte ihrer sieben Gattungsbeiträge, ist sehr gesanglich, weniger auf schroffe Kontraste hin angelegt. Der direkte Vergleich mit den Quartetten von Schumann und Brahms, berühmten Zeitgenossen, drängt sich daher beim Hören nicht unbedingt auf, in den sich sanft entspinnenden langsamen Sätzen eher manches von Dvorák. Anspieltipp: Das Adagio des op. 14 (con molto espressione - und so gespielt vom fabelhaften Constanze Quartett).
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    Symphonien Nr.1 "Ukrainische" & Nr.2 "Russische"

    Symphonien Nr.1 "Ukrainische" & Nr.2 "Russische" (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Entdeckungen auf einem unbekannten Kontinent

    Wahrlich: "terra incognita!" Wer die russische Musikgeschichte mit Glinka und dem "Mächtigen Häuflein" beginnen lässt, erkennt damit nur deren überwältigenden Einfluss an - diese Aufnahme stellt richtig, dass schon vorher auf dem Boden des Kaiserreichs z.B. mit Volksmelodien experimentiert wurde, von denen etwa Fomins Opern-Ballette voll sind! Das klingt alles noch eher lieblich, gefällig, weniger auftrumpfend-nationalistisch als bei den Späteren - und das hört man im wahrsten Sinne des Wortes gern in diesen Zeiten. Umso lieber im friedlichen Nebeneinander einer "ukrainischen" und einer "russischen" Symphonie von Fomins Generations-Kollegen Wanczura, der ... Böhme war! Ein musikalischer Dialog also, durchaus auch im rhetorischen Gestus dieser noch altmodisch dreisätzigen Symphonien, deren spätere, die "russische" immerhin im Jahr 1790 entstand, als Haydn bereits Kurs auf seine Londoner Glanzleistungen nahm. Mit diesen zu vergleichen ist aber ein bisschen so, als würde man jeden 1941 gedrehten Film neben "Citizen Kane" stellen - die hier vorgestellten Werke hatten einen anderen Zweck, nämlich die europäische Kunstmusik quasi in die russische Tradition einzuflechten. Das war offensichtlich Chefinnensache, wenn man liest, dass Katharina die Große Libretti zu Fomins Opern verfasste. Wunderbare Bläserbehandlung, transparentes Klangbild, klare Empfehlung!
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    Symphonien Nr.1 & 6

    Symphonien Nr.1 & 6 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
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    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Eigenständige Größe

    Welch ein Erstling! (Der hier sozusagen als "Letztling" der cpo-Symphonien-Veröffentlichungen von Woyrsch vorgelegt wird, gekoppelt mit der dann wirklich letzten "Sinfonia sacra".) Das ist bedeutende Musik, vom ersten Takt an: die blockhaften Themen, die Kraft und Wucht der Unisono-Streichersätze, aber: kein Bombast, kein Schwulst! Dazu trägt sicher auch das wie immer hellwache und temperamentvolle Dirigat von Griffiths bei. Die Württemberger haben es von den eigentlich "zuständigeren" norddeutschen Orchestern übernommen, den Zyklus zu komplettieren und treffen den Stil dieses völlig zu Unrecht Vergessenen ebenso kongenial, zeigen Woyrschs so ernsthafte wie erfolgreiche Suche nach Eigenem (gut, im letzten Satz der Ersten scheint der "Parsifal" vorbeizuziehen, aber selbst ein Bruckner hat solche Anleihen weit länger gemacht ...). Schön und treffend der Vergleich aus dem Beiheft: Musik wie "norddeutsche Backsteingotik" - das gilt auch für die überlegen beherrschte, konzise Sechste. Vielleicht spricht mich das als Norddeutschen besonders an. Für mich jedenfalls eine der schönsten, originellsten Veröffentlichungen aus dem manchmal überreichlich ausschüttenden Füllhorn des Labels - Zeit, auch die anderen Symphonien Woyrschs kennenzulernen!
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    Symphonisches Gedicht "Der Traum ein Leben"

    Symphonisches Gedicht "Der Traum ein Leben" (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Leichte Muse, schweres Schicksal

    Wer in Berlin die Wiederbelebung der frivol-witzigen "Perlen der Cleopatra" an der Komischen Oper miterleben durfte - mit der grandiosen Dagmar Manzel in der Titelrolle -, bekam schon eine Ahnung von der nahezu Offenbach'schen Melodiegabe von Oscar Straus. Der brutale Aderlass, den die Nazis Menschen und Künste gleichermaßen ausgesetzt haben, dieses nie ausgeglichene Kulturverbrechen an den deutschsprachigen Ländern und Talenten, traf auch den österreichisch-jüdischen Komponisten mehrfach: durch Verlust seiner Heimat, der Bühne, seines Sohnes. Durch herausragendes Talent und Anpassungsfähigkeit machte er auch in Hollywood Furore, kehrte nach dem Krieg zurück nach Österreich, wurde nicht mehr wirklich heimisch. Viel zu fröhlich ist diese hier eingespielte Musik - im Gestus erinnert das für mich interessantere Ballett an Respighi-Rossinis "Boutique fantasque", mit seiner vorbeiwirbelnden Folge an schmissigen und schwungvollen Nummern -, um dieses schwere Schicksal zu spiegeln. Aber die CD erhält ihren Wert auch dadurch, dass sie an den oben genannten Verlust erinnert: an den Verlust von gekonnter Leichtigkeit und gewollter Entspanntheit. Toll eingespielt von einem Orchester und Dirigenten, die man nicht ohne weiteres in der Oberliga verorten würde. Standing ovations!
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    Klavierkonzert Nr.3

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    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    08.05.2026
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    2 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Welt von gestern

    Eine wichtige Veröffentlichung? Ich weiß nicht - bestätigt sie doch eher die Vorurteile gegen den probefaulen "Kna" in diesen Interpretationen, die von gestern oder gar vorgestern herüberzuwehen scheinen, und auch tontechnisch nicht State of the Art der 60er sind: eine unidiomatisch schwerfällige "Euryanthe" (quasi durch die Wagnerbrille rückblickend gesehen), Beethovens 3. Klavierkonzert, dessen Orchesterbegleitung in der Kulisse zu versinken scheint, und von einer gemeinsamen Vision von Solist und Dirigent ist auch nichts zu spüren (viel gelungener beispielsweise die Live-Neuveröffentlichung des Teams Anda-Böhm, siehe Empfehlungen). Im Mittelsatz freut sich jeder Anda-Fan über die Fusion von mozartscher Süße und beethovenscher Poesie, das ist wunderbar gespielt. Der Brahms dann betont knorrig, holzschnittartig - das schadet ihm weniger, das kann man noch mal so hören -, die Haydn-Variationen hingestellt wie archaische Altarbilder. Von der Dritten gibt es einfach - auch aus dieser Dirigenten-Generation - bewegt-bewegendere Interpretationen, beispielsweise Barbirolli mit den Wienern, und detailreich-durchdachte von den Neueren sowieso (zuletzt Blomstedt, Chailly). Wie sagte Knappertsbusch zum Orchester anstelle einer Probe: "Meine Herren, Sie kennen das Stück, ich kenne das Stück, wir sehen uns heute Abend." Dann aber lieber im "Parsifal" ...
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    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.05.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Scharfkantig

    Ich werde wohl kein Beck-Fan mehr in diesem Leben ... was natürlich ebenso an mir, meinem Geschmack, meiner Prägung liegt wie an diesem zwar von der Musikgeschichte weitgehend vergessenen, aber nicht uninteressanten Komponisten. Das fast durchgehend "Ungemütliche", Scharfkantige, durch Füsslis Alptraum-Vision auf dem Cover schon angedeutet (Framing?) und durch die pointierte, fast schon drahtige Musizierweise von La Stagione und dem gelernten Flötisten Schneider noch hervorgehoben, ist eben nichts, was sich in (meinem) Herz und Kopf so recht festsetzt. Die Symphonien op. 3 Nos. 3 - 5 sind schon lange in meinem Besitz, ohne dass ich häufig zu ihnen zurückgekehrt wäre, und diese Box mit der Gesamtaufnahme - gleichwohl mindestens aus enzyklopädischer Warte verdienstvoll, wie auch das kenntnisreiche Beiheft von Schneider selbst - wird das wohl nicht wesentlich ändern. Leicht ironisch ausgedrückt: Wer von Haydn nur die als "Sturm-und-Drang-Symphonien" bekannten Werke mag, der wird auch die hier gebotene Unruhe und Aufgeregtheit schätzen. Klug finde ich die Betrachtung aus der klassischen - also rückblickenden - Perspektive auf Becks Werke unter Zitieren von Charles Rosen, die mir erklärt, warum unsere verwöhnten Ohren nicht mehr quasi unschuldig auf all das Neue reagieren können. Sei's drum! Es muss nicht jeder alles mögen.
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    Cembalokonzerte As-Dur & F-Dur

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    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.04.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    "Sounds good ...!"

    Wer bei "Berliner Schule" an lange Kameraeinstellungen, Weltschmerz und offene Enden denkt, bestätigt, dass der Begriff inzwischen eher mit dem - auch nicht mehr ganz neuen - deutschen Film assoziiert wird. Hier steht er für die Komponisten um den musikliebenden, aber wenig menschenfreundlichen Friedrich II. von Preußen. Dessen oft frustriertes Aushängeschild war das Originalgenie Carl Philipp Emanuel Bach. Der mir bisher unbekannte Johann Gottlieb Janitsch gehört in diesen Kreis an der Schwelle zwischen gelehrtem und galantem Stil - aber wie anders klingt er! Ich habe selten eine so elegante Cembaloaufnahme gehört, das gilt für das Instrument, die virtuose Spielweise, die Aufnahmetechnik (wobei mich wundert, dass im ansonsten sehr guten Beiheft die Friedenskirche von Swidnica / Schweinitz mit ihren biografischen Bezügen zum Komponisten prominent erwähnt wird, die Aufnahmen selbst aber in der staatlichen Musikschule von Jastrzebie-Zdrój stattfanden - sorry für die fehlenden Diakritika!). Janischs gefälliger, sogar liebenswürdiger Gestus scheint mir näher am "Londoner Bach", dem jüngeren Bruder Johann Christian, Mozarts bewundertem Vorbild, dessen gesammelten "Clavierkonzerten" ich eine solche Akustik gewünscht hätte. Da ist wenig von den gesuchten und oft gewollt wirkenden "Bizarrerien" des Carl Philipp Emanuel, die zwar immer von seiner unerschöpflichen Innovationskraft und Fantasie künden, längeres Hören aber manchmal anstrengend machen. Hier aber: eine knappe Stunde feiner Unterhaltung, auf die mildes Licht fällt wie in den beschworenen Kirchenfenstern der Friedenskirche ... Empfehlung für unfriedliche Zeiten!
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    Symphonie Nr. 2 c-moll op.85

    Symphonie Nr. 2 c-moll op.85 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.04.2026
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Dicke Ritter, ernste Töne

    Was auch immer man von der Trennung zwischen E- und U-Musik hält - und ihrem Effekt, dass Spitzenkönner im "leichten Fach" vielfach noch von oben herab behandelt werden -, das c-Moll-Hauptwerk dieser CD IST ohne jeden Zweifel: ernste Musik. Alles hebt schon "etwas bewegt, ernst" an, das Beiheft bemüht Brahms, Bruckner, Mahler - und tatsächlich hat der für mich gelungenste Satz der 2. Symphonie, der letzte, etwas von dessen Trauermärschen. Kauns Gestus erinnert aber auch an Elgar, unter dessen glänzender Oberfläche ja auch Melancholisches brütet, und bereits im Kopfsatz kämpft sich mal eine Melodie von Tschaikowskys Gnaden durchs Stimmengeflecht. Ob man diese Symphonie nun gerne hören wird, nachdem man sie oft gehört hat - wie oft bei Spät- und Spätesromantischen erschließt sich dann erst ausreichend "tiefere Bedeutung" und Zusammenhang -, bleibt wohl Neigungssache. Gefällig ist hier nichts.

    Eher schon beim "Falstaff", mit dem Kaun sein Talent für gestisches Komponieren schlagend beweist: Bereits mit den ersten Takten betritt der dicke Ritter quasi vor unseren Augen die Bühne. Wieder der Vergleich mit Elgar: Kauns Werk nimmt sich im Vergleich zu dessen deutlich umfangreicherer und heftig wuchernder Tondichtung op. 68 c-Moll in etwa aus wie das bekannte Gemälde des "Mönchsmalers" Grützner, den auch das Beiheft bemüht, zum echten Shakespeare: schlichter, vordergründiger, schnell im Kopf (Verdi, als Theatergenie auf Augenhöhe, lassen wir hier mal außen vor ...).

    Wer die eher schwerblütige spätromantische Sinfonik eines Richard Wetz, eines Felix Draeseke schätzt, liegt und hört mit dieser Aufnahme sicher nicht falsch.
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