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    2. Alle Rezensionen von Kerstin1975 bei jpc.de

    Kerstin1975 Top 25 Reviewer

    Active since: August 8, 2013
    "Helpful" ratings: 295
    730 reviews
    Zwischen den Welten

    Annie Betram
    Zwischen den Welten (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Jan 10, 2026

    Beeindruckende Fotos aber schlechtes Lektorat - schade bei der Qualität

    Buchinhalt:

    In beeindruckenden Bildern nimmt die Kunstfotografin Bertram den Leser mit zu sogenannten Lost Places, verfallenen Herrenhäusern, Palazzi, Villen, aufgegebenen Kliniken und Kirchen bis hin zu Industrieruinen, deren morbider Charme eingefangen wird und deren architektonische Details sie gekonnt in Szene setzt. Wer mag dort wohl einst gelebt haben? Was ging in den Menschen vor, die Patienten waren in den alten Psychiatrien? Natürlich ist ein gewisses Maß an Grusel erwünscht und beim Betrachten konkurrieren vergangene Schönheit und schauriges Element vor dem inneren Auge des Lesers.


    Persönlicher Eindruck:

    Dies ist nicht mein erstes Buch, das sich mit sogenannten „Lost Places“ beschäftigt. Umso mehr hat mich die hochwertige Aufmachung des Bildbandes beeindruckt, dem sich der Leser wahrlich nicht entziehen kann. Die Kunstfotografin Betram (ich habe leider nirgends einen Hinweis gefunden, ob nun autodidakt oder tatsächlich vom Fach) versteht, was sie tut. Auf den Bildern fängt sie die morbide Schönheit alter Villen und Herrenhäuser, verlassener Kirchen und Kliniken ein und gibt einen vagen Hinweis darauf, wie die Gebäude ursprünglich ausgesehen und in welcher Pracht sie teilweise erstrahlt sein müssen.

    Die Fotos sind hochwertig und professionell, keine Frage. Leider kann ich das vom Lektorat / Korrektorat nicht behaupten. Obwohl eine Frau Theobald als Lektorin genannt wurde, strotzt das Buch in den erläuternden Texten vor Schreibfehlern, grammatikalischen Fehlern und falsch geschriebenen Jahreszahlen. „Der Kampf des Erzengel Gabriels“ statt „Der Kampf des Erzengels Gabriel“, „Baalsaal“ (mehrfach!) statt „Ballsaal“, konsequent „1930ger Jahre“ statt „1930er Jahre“, von zahlreichen einfachen Tippfehlern ganz zu schweigen. Und auch wenn nach neuer Rechtschreibung von 1998 der Buchstabe ß an vielen Stellen zu einem Doppel-s wurde, gilt das noch lange nicht für überall. Letztendlich findet man den „Deppen-Apostroph (man verzeihe mir den Ausdruck) dann im Nachwort auch noch zwei Mal.

    Vor dem Veröffentlichen eines wirklich qualitativ so hochwertigen Werkes sollte einfach eine professionelle Endkontrolle erfolgen, das war hier offensichtlich nicht der Fall.

    Von der äußeren Aufmachung und der Qualität der Materialien ist der Bildband top und spielt ganz vorne mit, doch besagte Mängel trüben die Freude all derer, denen es mit spektakulären Fotos alleine nicht getan ist und die sich von Begleittexten einen Mehrwert erwarten.

    Insgesamt ist Italien bei dem Potpourri an verlassenen Orten am meisten vertreten, andere Orte in Europa oder besonders Deutschland eher spärlich.

    Mein Fazit: wer sich für Lost Places interessiert und auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinaus verlassene Orte kennenlernen möchte und sehen möchte, wie die Natur sich teilweise den menschengemachten Raum zurück erobert, liegt hier sicher nicht falsch, sollte aber bei einem Kaufpreis von 20 € bereit sein, über gewisse Mängel hinweg zu sehen.
    Stille Nacht

    Titus Müller
    Stille Nacht (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Dec 14, 2025

    Schöne Erzählung rund um das bekannteste Weihnachtslied der Welt

    Buchinhalt:

    Stille Nacht, das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt, erklang 1818 zum ersten Mal. Der Verfasser ist der Pfarrer Joseph Mohr, der Komponist der Melodie Franz Gruber. Und das Lied sollte später in allen Teilen der Welt gespielt werden – bis heute. Doch wie ist Stille Nacht genau entstanden, wer war dieser Pfarrer? Dem geht diese Kurzerzählung nach.


    Persönlicher Eindruck:

    Das wohl bekannteste Weihnachtslied überhaupt hat seinen Ursprung in Österreich: Hilfspfarrer Mohr schrieb am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Gedicht mit acht Strophen, das heute den Text stellt zur Melodie von Franz Gruber. Doch die meisten Menschen werden Mohr nicht kennen – wer war dieser Mann, der sich mit dem Lied bis heute unsterblich machte?

    Die Erzählung in ihrer Neuauflage (sie ist vor Jahren bereits in einem chroistlich geprägten Verlagshaus erstveröffentlicht worden) kommt als kleines Hardcover mit edlem Golddruck auf dem Cover daher. Mir hat die Geschichte gut gefallen, sie ist berührend und führt den Leser in die Zeit um 1818, nimmt ihn mit in das Leben des unscheinbaren Pfarrers. Die Erzählung ist kurz, aber gefühlvoll – ich wäre gerne noch viel detaillierter eingetaucht in diese historische Geschichte.

    Mohr ist ein Kümmerer, kein gewöhnlicher Pfarrer. Was er sagt, ist seine Überzeugung – und die Musik ist seine Leidenschaft. Dass er zusammen mit seinem Freund Gruber ein so berührendes Weihnachtslied in die Welt hinaus schickt, ist ihm erst bewusst, als es bei seiner Erstaufführung die Menschen bewegt. Und das bis heute – kein Weihnachtslied hat meines Erachtens diese Tiefe und allumfassende Fülle der Heiligen Nacht als solcher.

    In der vorliegenden Ausgabe eignet sich das Büchlein wunderbar auch als Geschenk zum Christfest oder auch als Mitbringsel zum Krankenbesuch in der Weihnachtszeit. Das Format ist kleiner als bei einem herkömmlichen Buch, liegt aber wunderbar in der Hand. Eine gute Idee, den Kurzroman neu aufzulegen – zumal in einem säkularen Verlag und dadurch wohl einer breiteren Leserschaft zugänglich als noch bei der Erstausgabe.
    Die Welt in unseren Händen

    Emily Walton
    Die Welt in unseren Händen (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Dec 14, 2025

    Teilweise unglaubhafte Ferienlagerromantik in durchweg linearer Handlung - dennoch nicht unspannend.

    Buchinhalt:

    England in den 1940er Jahren: um ihrem tristen Alltag zu entfliehen und um ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen zu können meldet sich die junge June bei der Frauenhilfsorganisation der englischen Luftstreitkräfte. Ohne größere Bildung und Kenntnis gelangt die junge Frau vom anfänglichen Ausbildungslager schließlich ins ferne Kairo, wo sie den Fotografen Ken kennen und lieben lernt....


    Persönlicher Eindruck:

    Autorin Walton verarbeitet die Erinnerungen ihrer eigenen Großmutter, die im zweiten Weltkrieg ebenfalls beim WAAF diente, in diesem halbbiografischen Roman. Hauptfigur June verkörpert dabei die Großmutter, dennoch ist auch viel Fiktion dabei. Man taucht als Leser ein in einen keineswegs unspannenden historischen Roman, der eine rein lineare Handlung aufweist – etwaige Nebenhandlungsstränge oder andere Perspektiven gibt es keine und so ist die Lektüre sehr einfach gestrickt und liest sich mehr als leicht.

    June stammt aus einem ärmlichen Viertel Londons, die Mutter ist früh gestorben, der Vater ist Alkoholiker. June muss schon sehr früh als Haushaltshilfe arbeiten, wird vom Vater ausgebeutet und flieht schließlich in den Dienst der Royal Air Force, wo sie sich für die Frauenhilfsorganisation freiwillig meldet. Der Drill ist hart, doch June findet schnell Freundinnen.

    Der Großteil des Romans spielt sich also beim Militär ab und obwohl June keinerlei Bildung hat (ein nicht zu Ende gebrachter Schreibmaschinenkurs ist alles, was sie mitbringt) beißt sie sich durch. Gerade hier finde ich manches relativ unglaubhaft, denn auch bei dem Männermangel, verursacht durch den Krieg, werden die britischen Streitkräfte keine ungebildeten Personen an die Stellen geschickt haben, an denen sich June alsbald wiederfindet.

    Die Autorin verkauft June als relativen Tausendsassa, diese lernt im Nullkommanichts sogar Autos zu reparieren und im fernen Kairo findet sich das unbedarfte Mädchen schneller zurecht, als man es für möglich halten sollte.

    Keine Frage, der Plot, in dem es darum geht, als Frau einen eigenen Weg zu gehen, ist spannend und man klebt förmlich an den Seiten. Dennoch kommen mir die Erinnerungen der Großmutter der Autorin, die ja die Basis der Erzählung bilden, reichlich glorifiziert und geschönt vor. Das Kriegsgeschehen ist überall nur Randerscheinung und Kulisse, wirklich Bomben fallen und Kugeln pfeifen hört June weder in England noch im Nahen Osten.

    Die Liebesgeschichte, in der die Geschichte mündet, ist intensiv aber von kurzer Dauer, die Wende am Schluss fand ich zu schnell abgehandelt und June fühlt sich davon überhaupt nicht berührt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber gerade hier hätte ich mir etwas mehr Emotion von der Hauptfigur gewünscht.

    Was am Ende aus June wird, als der Krieg aus ist, erfährt man nicht, allerdings ist auch der Klappentext fehlerhaft. Das „letzte Wiedersehen“ suggeriert den Tod der Großmutter, diese stirbt aber nicht und das Ende ist relativ offen.

    Alles in allem fand ich die Ferienlagerromantik, die die Autorin im Leben ihrer Romanfigur bei den Streitkräften beschreibt, wenig authentisch, denn man hat das Gefühl, hier ist ein Mädchen bei den Pfadfindern und nicht beim Militär – June ist für den WAAF nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe und nicht die patente Schlüsselfigur, als die sie hier hochstilisiert wird, tut mir leid.
    Biome der Meere

    Juliana Aschwanden-Vilaça
    Biome der Meere (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Dec 13, 2025

    Schön illustriertes Naturbuch über die Lebensräume in und an den Meeren. Gefällt mir sehr gut!

    Buchinhalt:

    Unsere Meere sind voller unterschiedlicher Lebensräume – Säugetiere und Fische, Wirbeltiere und Wirbellose geben sich darin ein Stelldichein und viele sind uns bis heute völlig unbekannt. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Ökosystemen ist fließend, so dass man nicht nur das Leben unter der Oberfläche betrachten darf sondern auch die Küsten und oberirdischen Lebensräume mit einbezogen werden. Es gibt viel zu entdecken!


    Persönlicher Eindruck:

    Biome sind Lebensräume, die sich aus Ökosystemen zusammensetzen. Mir war ehrlich gesagt der Begriff „Biom“ vorher gänzlich unbekannt, so dass ich ihn erst googeln musste. Aber ob man jetzt von Lebensräumen spricht oder von Biomen, ist im Grunde nebensächlich – das Buch ist eine farbenprächtige Sammlung des Lebens in und an den Ozeanen dieser Erde.

    Es ist ein illustriertes Naturbuch, kein Bildband mit Fotos. Gerade das macht dieses Buch so einzigartig: die harmonische Farbgestaltung zeigt, wie bunt und vielfältig die Natur doch ist und wie vielfältig das Leben unter und über dem Wasser ist. Die Bilder sind großartig und laden kleine und große Leser immer wieder zum Schmökern ein, wirken nie überladen und lenken den Blick des Lesers immer auf das Wesentliche.

    Verlagsseitig ist das Buch ab 10 Jahren empfohlen und somit ein Kindersachbuch, wohingegen ich das Buch ebenso für eine erwachsene Leserschaft sehen würde. Gegen die reine Altersempfehlung spricht vielleicht genau der Titel: kein Zehnjähriger wird mit dem Begriff „Biom“ etwas anfangen können und es bedarf bei der jungen Zielgruppe dann doch einiges an Erklärung.

    Sehr schön ist, dass der Text, obwohl fundiert und sehr lehrreich, die Illustrationen nicht überlagert und in den Hintergrund rückt. Dieses Buch lebt von den Bildern, dennoch hätte ich mir an manchen Stellen einen etwas größeren Kontrast zwischen Text und Hintergrundfarbe gewünscht.

    Kritisieren muss ich leider das Material des Covers. Es ist edel und schön anzusehen, fühlt sich auch haptisch angenehm an. Jedoch hat das Cover keinerlei Schutzschicht und wird gerade in Kinderhänden schnell an Kanten und Ecken abgeschabt aussehen. Mit 27 € gehört das Buch ins höhere Preissegment und da enttäuscht mich die empfindliche Oberfläche durchaus. Die Seitten hingegen haben eine angenehme und langlebige Dicke.

    Inhaltlich ist das Buch top, eine absolute Buchempfehlung für alle Naturliebhaber ungeachtet des Lesealters – denn ich wette, kaum ein Leser hat vorher schon alle vorgestellten Tiere und deren Habitat gekannt.

    Fazit: Mit einigen kleinen Abstrichen ein gelungenes Buch, das mit seinem Inhalt und den schönen Illustrationen auf alle Fälle punktet!
    Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt

    Anne Jacobs
    Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Nov 30, 2025

    Authentische Familiengeschichte aus dem ländlichen Hessen Ende der 1920er Jahre

    Buchinhalt:

    1927 im Taunus: Dingelbach im ländlichen Hessen ist die Heimat von Marthe und ihren drei Töchtern Herta, Frieda und Ida. Die Familie betreibt den Dorfladen, Mittelpunkt des dörflichen Lebens und Zentrum von Klatsch und Tratsch. Während Frieda eine Theaterkarriere in Bochum anstrebt und Ida inzwischen aufs Gymnasium geht, bereitet Herta der Mutter Sorgen: Herta erwartet ein uneheliches Kind und wurde vom Kindsvater zudem sitzen gelassen. Doch auch andere Familien in Dingelbch haben ihr Päckchen zu tragen, wie die Familie des Bürgermeisters oder die Unternehmerin Ilse Goldstein....


    Persönlicher Eindruck:

    Wie das Schicksal spielt ist der dritte Teil der Reihe Der Dorfladen, eine ländliche Familiengeschichte zur Zeit der Weimarer Republik. Der Fokus der Handlung liegt allerdings weniger auf den brisanten politischen Gegebenheiten dieser Zeit als vielmehr auf den individuellen Familienschicksalen der Dorfbewohner, allen voran der Familie von Marthe, der der Dorfladen gehört. Die politischen Hintergründe finden Erwähnung, spielen sich aber eher am Rande ab.

    Für das Verständnis ist eine Kenntnis von Band 1 und 2 gar nicht nötig, auch ohne diese gelesen zu haben findet sich der Leser prima zurecht und lernt nach und nach die Bewohner des Taunusdorfes Dingelbach kennen.

    Anfängliche Schwierigkeiten hatte ich lediglich mit der Fülle der Namen und Personen, da viele nur Randfiguren und Bevölkerung sind und gar keine große Funktion im Plot haben. Das wird im Laufe der Handlung aber besser, man sollte sich davon nicht abschrecken lassen.

    Im Mittelpunkt stehen zweifelsfrei die drei Töchter der Ladeninhaberin, Herta, Frieda und Ida. Während Frieda selbständig ist und in Bochum am Theater Karriere macht, ist Herta mähr eine Landpomeranze und arbeitet im elterlichen Laden, jammert über ihr Schicksal (sie ist eine ledige Mutter) und Ida ist aufmüpfig und bringt die Lehrer des Gymnasiums Stück für Stück gehen sich auf.

    Gut gefallen hat mir das hessische Flair, das mit Dialekt und Lokalkolorit daher kommt. Ma fühlt sich sofort in den kleinen Ort versetzt, der überall in Hessen zu dieser Zeit hätte liegen können. Ob Dingelbach wirklich existiert oder fiktiv ist, spielt überhaupt keine Rolle, man hat ausreichend Kopfkino und wird hinein gesogen in die vielschichtige Handlung.

    Der Schluss ist rund aber relativ offen, so dass ich mich frage, ob vielleicht noch ein weiterer Band folgt. Zu hoffen wäre es, denn die Zukunft des ein oder anderen Dingelbachers hätte ich gerne weiter verfolgt und gewusst, wie es weiter geht rund um den Dorfladen.

    Insgesamt ein heimeliger und trotz vieler Irrungen und Wirrungen relativ unaufgeregter historischer Roman, der das Landleben und seine Bewohner im Hessen der 1920er Jahre zeigt. Hat mir wirklich gut gefallen!
    Ein Jahr des Staunens

    Elizabeth Foley
    Ein Jahr des Staunens (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Nov 30, 2025

    Interessante Aufbereitung von Allgemeinwissen - eine wissenschaftliche "Anekdote" für jeden Tag des Jahres

    Buchinhalt:

    Eine brillante Sammlung kurioser Wissensschätze: 365 Einträge, für jeden Tag des Jahres aus den gebieten Wissenschaft, Gesellschaft, Geschichte, Kulinarik oder auch Tierwelt: Geschichten zum Staunen und für die Allgemeinbildung, gegen Langeweile oder einfach um den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei reicht das Spektrum von der Funktion der kleinen Nieten an den Jeans über Themen wie die sieben Weltwunder der Antike bis hin zu den skurrilsten Fischnamen in unseren Ozeanen.


    Persönlicher Eindruck:

    Ein Jahr des Staunens ist ein wahrlich abenteuerliches Sammelsurium an Wissensanekdoten. Für jeden Tag des Jahres gibt es ein scheinbar zufällig ausgesuchtes Thema, dem sich das Buch in etwa einer halben bis einer Seite widmet. Es ist kein Buch, das man vorne beginnt und dann nach hinten durchliest, es ist vielmehr ein Buch, das man immer wieder irgendwo aufschlägt, um Neues zu entdecken. Dabei hilft es, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, das Allgemeinwissen zu erweitern oder sich einfach nur zu wundern – was es auf unserer Erde (und darüber hinaus, auch der Weltraum ist des öfteren Thema) alles zu entdecken gibt. Wissen Sie, was ein Franzosengrunzer ist oder warum sich Männer im November alle möglichen Schnurrbärte wachsen lassen?

    Das Buch eignet sich auch prima als Geschenk für Menschen, die schon alles haben oder wird auch garantiert als „Männergeschenk“ unterm Christbaum eine gute Figur machen, denn eine Altersbegrenzung gibt’s meiner Meinung nach nicht. Es begeistert Jung und Alt gleichermaßen und bereitet auch in der Gruppe Freude, denn die verschiedenen Wissensgebiete eignen sich auch prima für gemeinsame Quizabende.

    Was mich etwas stutzig gemacht hat, sind die vielen Cocktailrezepte. Diese kann ich inhaltlich nicht wirklich mit „Wissenswunder für Neugierige“ verbinden – es sind halt Rezepte, die sich mal jemand ausgedacht hat - für mich ist da nichts Außergewöhnliches daran. Aber jeder, wie er mag. Hier hätte ich mir etwas mehr Inspiration bei den beiden Machern gewünscht, denn eingefallen ist ihnen wahrlich eine Menge, an Ideen mangelt es nicht.

    llustrationen gibt es auch zu vielen Themen, Karten, Diagramme und Bilder untermauern das Gelesene. Haptisch kommt das Buch als hochwertiges Hardcover mit Silberdruck und Lesebändchen daher, kostet aber auch 22 € und gehört somit in die gehobene Preisklasse. Nichts desto trotz bekommt man viel für sein Geld und es wird auch nie langweilig mit diesem Buch.

    Alles in allem eine tolle Geschenkidee für andere, aber auch für sich selbst. Hier macht man sicher nichts verkehrt!
    Neues Glück im kleinen Nähcafé am Fluss

    Sabine Schmidt
    Neues Glück im kleinen Nähcafé am Fluss (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Nov 23, 2025

    Leichte, unterhaltende Wohlfühlkomödie mit viel Action - ideal für zwischendurch

    Buchinhalt:

    Maura arbeitet inzwischen als Chefredakteurin in Portland, USA, doch ein familiärer Krankheitsfall bringt sie zurück nach Rockenbrook. Auch dem Nähcafé geht es finanziell eher schlecht und Maura muss sich entscheiden: Amerika oder Deutschland? Die Entscheidung fällt und schon geht auch der Trubel zuhause wieder los: Toss Tossen, immer noch Bürgermeister von Rockenbrook, strebt nach Höherem und will noch immer den Ort nach seinem Gusto umkrempeln – auf Kosten der restlichen Bevölkerung.....


    Persönlicher Eindruck:

    Im zweiten Teil der Nähcafé-Reihe verschlägt es den Leser zusammen mit Hauptfigur Maura wieder ins norddeutsche Rockenbrook. Noch immer ein idyllischer Ort mit verschrobenen, aber liebenswerten Bewohnern – wäre da nicht Toss Tossen und seine Sippschaft....

    Die Idee, auf der der Plot basiert, ist dieselbe wie bei Band 1: Maura und ihre Freunde auf der einen Seite, der Tossen-Can auf der anderen – und dazwischen jede Menge Action und hanebüchene Abenteuer. Natürlich ist die Erzählung auch dieses Mal wieder überspitzt und mag für manchen Leser nicht so recht lebensnah daherkommen, doch es handelt sich hier um eine Komödie und zum Lachen gibt’s genug.

    Daneben geht es auch um die Liebe – Maura und Bootsbauer Marten haben allerhand zu tun, um sich einzugestehen, was sie eigentlich wollen und dann taucht auch noch Martens Exfreundin auf, die zusammen mit dem Tossen-Clan einiges durcheinanderwirbelt.

    Zum Verständnis ist Band 1 überhaupt nicht nötig, alle Figuren stellen sich durch die Handlung noch einmal vor und auch die Grand Dame von Rockenbrook, Urgroßmutter Malade Tossen, die sich übrigens vom Bürgermeister und seiner Gattin absolut nichts gefallen lässt, ist wieder dabei.

    Der Spannungsbogen steigert sich im Laufe der Handlung, wobei der Schluss für manche Leser sicher etwas an den Haaren herbei gezogen sein wird – nichts desto trotz gibt es im kleinen Nähcafé am Fluss reichlich humorvolle Unterhaltung für nette Stunden zwischendurch, so dass man über manchen Handlungsfaden, der gar arg überspitzt über die Stränge schlägt, gerne hinweg sieht.

    Ob die Reihe weiter fortgesetzt wird, weiß ich nicht, allerdings ist der Schluss rund und in sich stimmig, so dass es eine Fortsetzung gar nicht wirklich braucht. Insgesamt war die Lektüre leicht und locker und ist in einem oder zwei Nachmittagen gelesen. Ein leichter Roman, bei dem man die Seele mal baumeln lassen kann und nicht so viel denken muss – das darf es zwischendurch ruhig auch mal geben. Mir hat die Geschichte gefallen, Kopfkino gab es zudem. Was will man also mehr?

    Eine Leseempfehlung für alle diejenigen, die einen lustigen Wohlfühlroman mit Spannung und Happy End suchen!
    Lübecks Töchter. Der Traum von Bildung und Freiheit

    Anna Husen
    Lübecks Töchter. Der Traum von Bildung und Freiheit (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Nov 9, 2025

    Roman um ein Pensionat im 19. Jahrhundert - verschenkt leider zu viel Potential zugunsten der Romanze. Schade.

    Buchinhalt:

    Lübeck, in den 1870er Jahren: der Traum der jungen Amélie ist die Gründung eines Lehrerinnenseminars zusammen mit ihren beiden Schwestern, die in Lübeck bereits in Mädchenpensionat betreiben. Doch den Frauen werden zahlreiche Steine in den Weg gelegt: Frauen werden als das schwache Geschlecht betrachtet, eigenständiges Denken und gar höhere Bildung sind verpönt und so setzt das Oberschulamt alles daran, den Plan der Schwestern zu vereiteln. Als eines Tages Amélie auf Kindheitsfreund Richard trifft und sich eine heimliche Romanze zwischen den beiden entspinnt, muss Amélie sich entscheiden: Richard oder das Lehrerinnenzölibat....


    Persönlicher Eindruck:

    Ich lese sehr gerne historische Romane, auch solche, in deren Vordergrund eine Liebesgeschichte steht. Aber ich bin auch kritisch und nicke nicht alles ab – der Plot, der einen Konflikt zwischen dem eigenen Lebenstraum (das Lehrerinnenseminar) und dem persönlichen Glück (die Liebe zu einem Mann) behandelt, hat mich zunächst sehr angesprochen. Das Setting im Lübeck des 19. Jahrhunderts ist sehr bildhaft und auch wenn man Lübeck noch nie selbst besucht hat, hat man beim Lesen viel Kopfkino.

    Hauptfigur der Geschichte ist die junge Lehrerin Amélie, die einem Ruf ihrer ebenfalls im Lehrberuf stehenden Schwestern gefolgt und nach Lübeck zurückgekehrt ist. Die Schwestern betreiben ein Mädchenpensionat für die Töchter der betuchten Gesellschaft und der Plan ist, ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen anzuschließen. Lehrerin zu sein ist damals der einzige Weg, selbständig und ohne Abhängigkeit von einem Mann ein freies Leben zu führen – der Preis ist das sogenannte Lehrerinnenzölibat: wer einmal heiratet, muss den Beruf an den Nagel hängen.

    Richard als männliche Hauptfigur ist die Jugendliebe aus Kindertagen, ich verrate kaum zu viel, wenn ich sage, dass Amélie diese im Erwachsenenalter wieder aufwärmt und dadurch einen Konflikt in ihrem Leben schafft, um den sich das ganze Buch fortan dreht. Und genau darin liegt der Schwachpunkt des Romans.

    Andere vielversprechende Handlungsfäden werden zwar gesponnen, allerdings in einer oder zwei Seiten kurzerhand abgehandelt, so dass ihr ganzes Potenzial im Nichts verpufft. Und es hätte beileibe viel solcher Nebenhandlungen gegeben – im Laufe der Geschichte wird diese aber immer vorhersehbarer und leider auch seichter.

    Zudem gibt es einige Kleinigkeiten, die mich beim Lesen mehr als genervt haben. Allen voran der „Sonnenkopf“, ein Kosename, den Amélie seid Kindertagen für Richard verwendet und der inflationär oft im Roman vorkommt. Ich war fast soweit, das Buch aus dem Fenster zu werfen, hätte Amélie dieses Wort noch einmal genannt – und das will etwas heißen. Außerdem sind andere Dinge nicht stimmig, wie die Kur der lungenkranken Clara, die in die Bayerischen Berge geschickt wird, wo die Luft dünn ist und das Atmen schwer fällt. Lungenkranke wurden auch damals eher ans Meer geschickt – allerdings musste die Figur ja weit weg, da sich sonst der Plot nicht zugunsten von Amélie entwickelt hätte.

    Wie auch immer: der Schluss ist rund und befriedigend, wenn auch sehr rosarot und ein bisschen konstruiert. Allerdings soll ein zweiter Band folgen und ich sage offen: ohne mich. Es ist doch alles gesagt und mehr gibt die Geschichte meiner Meinung nach auch nicht her. Die Handlung war ganz nett aber wirklich überzeugt hat sie mich nicht – in meinen Augen kein Buch, das man fortsetzen oder ein zweites Mal lesen müsste.
    ART

    Michael Semff
    ART (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Nov 2, 2025

    Hochwertiger immerwährender Kunstkalender in stabiler Buchform. Edel!

    Buchinhalt:

    Hochwertiger, immerwährender Kunstkalender in Buchform, mit Lesebändchen und Schmuckbanderole.

    365 Geburtstage großer Künstlerinnen und Künstler, mit jeweils einem kurzen Portrait und einem beispielgebenden Kunstwerk. Darunter Platz für Eintragungen wie Geburtstage oder sonstige Jubiläen.


    Persönlicher Eindruck:

    Das vorliegende sehr edel und doch modern aufgemachte Buch ist ein Genuss für jeden Kunstfreund. 365 verschiedene Künstler aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei präsentieren sich hier stellvertretend für jeden Tag, ein kurzer Text zu jeder Person und seinem Schaffen sowie ein Foto eines Kunstwerkes aus dem jeweiligen Oeuvre runden die Seiten ab.

    Jeder Wochentag des Jahres steht auf einer Seite, im unteren Drittel wurde Platz gelassen für individuelle Eintragungen.

    Mir gefällt das Buch sehr gut, bekannte und unbekannte Künstler geben sich hier die Klinke in die Hand und auch dem künstlerisch unbedarften Leser schließt sich jeden Tag ein neues Künstlerportrait. Der kurze Text zu der jeweiligen Person ist knackig auf den Punkt und nicht überfrachtet.

    Cover, Bindung und verwendetes Papier sind edel und hochwertig, der Druck in Seidenglanzglanz und das Papier reinweiß. Ein Lesebändchen wertet das Gesamtwerk zusätzlich auf.

    Bei den Kunststilen werden sowohl moderne Kunst als auch zeitgenössische Kunst vereint, Künstler wie Tiepolo, Miró, Leonardo DaVinci oder Georg Baselitz sind ebenso vertreten wie Maria Sybilla Merian oder auch junge ausländische Künstler im Manga-Stil.

    Insgesamt ein Buch, das jeden Geschmack anspricht und das sich wunderbar als Geschenk für kunstaffine Menschen eignet. Mir hat es sehr gut gefallen!
    Die Knef

    Moritz Stetter
    Die Knef (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Nov 2, 2025

    Comicbiografie zum 100. Geburtstag: ein facettenreiches Portrait von Hildegard Knef.

    Buchinhalt:

    Dieses Jahr wäre Hidegard Knef 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeichnet diese Graphic Novel das Leben der Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin nach und lässt den Leser teilhaben an Höhen und Tiefen, Verlusten und Ruhm, am facettenreichen Portrait einer außergewöhnlichen Künstlerin.


    Persönlicher Eindruck:

    Denkt man an die drei berühmtesten deutschen Künstlerinnen der Kriegs- und Nachkriegszeit, fallen einem drei Namen ein: Marlene Dietrich, Zarah Leander und Hildegard Knef. Und genau deren Leben vermittelt diese Graphic Novel. Hildegard Knef wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Geboren 1925 in Berlin wächst „Hilde“ im Nationalsozialismus auf. Schon früh in ihrer Jugend träumt sie von der Schauspielerei, hat aber wenig Aussicht, Fuß zu fassen. Stationen als Trickfilmzeichnerin, verschiedenen Theaterrollen und schließlich einige Filme bei der UfA folgen, bis sich die Knef schließlich nach Amerika aufmacht, um in Hollywood groß raus zu kommen.

    Hildegard Knef war trotz aller Erfolge, höhen und Tiefen, dennoch immer normal geblieben und ein wahres Stehaufmännchen. Sie ließ sich in einer männerdominierten Filmwelt nie unterkriegen und blieb dabei immer natürlich.

    Die Graphic Novel an sich verwendet für den Text zahlreiche Liedtexte aus den Chansons der Knef, im Glossar sind alle angegeben, auch für die Leserschaft, der der Name Knef nicht mehr viel sagt. „Für mich soll's rote Rosen regnen“ war ihr größter Hit und das Lied ist schließlich maßgeblich für das Cover und da Fazit ihres schillernden Lebens.

    Gut gefallen hat mir der Zeichenstil. Die Bilder sind aussagekräftig und oftmals beklemmend, neben den persönlichen Stationen der Hauptfigur werden auch geschichtliche Tatsachen, wie das Gräuel in Auschwitz oder die Not der Ausgebombten in Berlin nicht ausgeklammert.

    Einzig ein kleines Manko ist für mich, dass gerade in der Jugendzeit der Knef ich die Frauenfiguren in den Bildern manchmal nicht voneinander unterscheiden konnte und ab und an raten musste, wer die Knef nun ist und wer jjemand anderes. Erst im fortschreitenden Alter der Hauptfigur ähneln die Zeichnungen dann wieder dem Cover, auf dem Hildegard Knef wirklich vortrefflich getroffen wurde, inklusive ihrer ausdrucksvollen Augen, die sie hatte.

    Die Zeitsprünge innerhalb der Handlung gehen an manchen Stellen etwas schnell (vor allem gegen Ende). Die Knef war mehrmals verheiratet, auch die unterschiedlichen Ehemänner konnte ich jetzt anhand des Comicstils nicht ganz nachvollziehen.

    Sei's drum: insgesamt war für mich „Die Knef“ eine großartige Hommage an eine beeindruckende Frau, die immer wusste, was sie wollte und auch an ihren Zielen festhielt. Ein absolut lesenswertes Werk, das nicht nur Freunde von Graphic Novels begeistert.

    Drei Tage im Schnee

    Ina Bhatter
    Drei Tage im Schnee (Buch)

    2 of 5 stars Active star Active star Inactive star Inactive star Inactive star
    Oct 30, 2025

    Das ist gar kein Roman sondern ein Lebensratgeber mit netter Verpackung. Enttäuschend!

    Buchinhalt:

    Die Großstädterin Hannah versucht, bei einem Kurzurlaub an einem See in verschneiter Winterlandschaft innerlich innezuhalten und von ihrem Alltag abzuschalten. Als an einem Tag plötzlich ein Kind dort auftaucht und einen Schneeengel macht, kommen die beiden ins Gespräch und freunden sich an. Zusammen mit der kleinen Sophie erfährt Hannah längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus einer Zeit, in der sie noch nicht so eingespannt war wie in der Gegenwart.....


    Persönlicher Eindruck:

    Vorab: das Buch suggeriert einen vollkommen anderen Inhalt, als es bietet, denn wer hier von einem winterlichen Wohlfühlroman mit netter Geschichte ausgeht, wird ebenso wie ich enttäuscht. Erwartet habe ich genau dieses: eine heimelige Geschichte mit einer gewissen Handlung, die mich eine Auszeit vom Alltag erleben und in eine winterliche Landschaft eintauchen lässt. Dabei ist es nur ein Blender.

    Auszeit vom Alltag stimmt insofern, als dass es sich hier um einen in eine Erzählung eingepackten Ratgeber zur Achtsamkeit handelt. Es sind alles sehr kurze Episoden und die weibliche Hauptfigur ein jammervolles Elendsbündel, das unter ihrem Alltag leidet, in dem sie anderen immer gefallen und alles recht machen möchte. Durch die Begegnung mit dem kleinen Mädchen Sophie ändert sich nur wenig, auch wenn Hannah an einigen Stellen selbst mal wieder „Kind sein“ darf und sich mit dem fremden Mädchen spielt und anfreundet. Im Grunde ist Hannah schon ein armer Tropf, wenn sie ein kleines Kind als „Ratgeber“ braucht. Sorry, das finde ich an den Haaren herbei gezogen.

    Viele Dinge, über die man in dem recht dünnen Büchlein liest, sind unglaubhaft. Allem voran die Begegnung mit Sophie an sich. Sophie ist zu klein, als dass sie vollkommen alleine an dem See herumstreift. Wo sind ihre Eltern? Wo gehört sie hin? Auch der vollkommen arglose sofortige Kontakt mit der für sie fremden Frau ist für mich realitätsfern. Was predigt man heutzutage Kindern schon von klein auf? Sich nicht mit Fremden einzulassen, einfach mitgehen, sich alleine irgendwo abgelegen rumzutreiben.

    Gut, Sophie und die Begegnung mit Hannah ist der Aufhänger für den Plot, der im Grunde gar keine Geschichte erzählt. Er war langweilig und nichtssagend, eine Art Monolog aus der Sicht von Hannah, der mich als Leser überhaupt nicht berührt oder interessiert hat. Kalenderweisheiten von der Stange sozusagen. Spannung und Tiefe kommen in dem Buch nicht auf und am Ende fragt man sich, was man nun eigentlich gelesen hat.

    In letzter Zeit werden Themen wie Selbstreflexion und Achtsamkeit nahezu inflationär in Büchern verwurstet, anscheinend wird davon ausgegangen, dass die Leserschaft ähnlich wie Hannah einen schrecklichen Alltag hat und alleine nicht zurecht kommt. Dafür (für das Zurechtkommen) brauche ich aber auch kein klischeehaftes Kind, das altklug mit mir mein Leben bespricht.

    Nein, das war nichts – ich hatte wie gesagt vollkommen andere Vorstellungen vom Inhalt und kann das Buch nicht empfehlen. Im Gedächtnis bleibt auch langfristig nur die Enttäuschung aber rein gar nichts vom Inhalt.
    Botschafter des Waldes

    Michaela Skuban
    Botschafter des Waldes (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Oct 26, 2025

    Sehr interessante Reportage über Bären -- mit spektakulärem Bildteil. Lesenswert!



    Buchinhalt:

    Durch 20jährige Naturforschung mit Bären in Europa vermittelt Naturforscherin Skuban dem Leser das Leben des größten Landraubtieres in unseren Breiten: dem Braunbär. Sein Leben in und mit der Natur soll beispielgebend sein für unser Verhältnis zur Umwelt. Der Bär als Botschafter – als Individuum mit eigenem Namen und Charaktereigenschaften, denn Skuban erzählt von „ihren“ Bären hautnah und zeigt so deren Lebensweise und Alltag auf spannende Weise.


    Persönlicher Eindruck:

    Als Tierfreund kommt man fast nicht vorbei an diesem Werk, in dem es um den Braunbären geht, das größte Landraubtier in unseren Breiten. Seit nunmehr 20 Jahren erforscht Autorin und Naturforscherin Skuban das Leben dieser Tiere und „ihre“ Bären haben auch alle Namen und unterschiedliche Charakterzüge. Das macht es dem Leser leicht, eine Beziehung beim Lesen aufzubauen. Genau das ist aber beabsichtigt – soll der Bär dem Menschen in diesem Werk deutlich machen, wie sein eigenes Verhältnis zur Umwelt und Natur denn ist, bzw. sein soll.

    Gut gefallen haben mir die Erzählungen zu den unterschiedlichen Bären. Da ist zum einen Eugen, ein alter Bär, sehr weise und mit Lebenserfahrung. Oder auch Mischu, Pinocchio oder Adriano. Jeder Bär ein Individuum – dem man mit Respekt begegnen sollte.

    Der umfangreiche Bildteil mit vielen Fotos hat mir sehr gut gefallen, ebenso der humorvolle Stil, der die Reportage zu keiner Zeit trocken werden sondern immer interessant bleiben lässt.

    Von Bären und Menschen – nicht überall sind Bären gerne gesehen (man erinnere sich nur noch einmal an den „Problembären“ Bruno): Skuban geht auch darauf ein, dass das Verhältnis von Mensch zu Bär schwierig sein kann und zeigt auf, dass es dennoch möglich ist, nebeneinander und miteinander zu leben. Denn schließlich gehörte der Bär auch bei uns lange Zeit zur Fauna dazu und hat ein Recht auf seinen Lebensraum.

    Insgesamt ein interessantes und mitreißendes Buch, das eine gelungene Mischung ist aus Sachbuch und Erzählung und dem Leser das Leben eines imposanten Tieres nahe bringt. Kann ich vollumfänglich empfehlen!

    Schneeflockenträume in Schweden

    Anna Lindqvist
    Schneeflockenträume in Schweden (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Oct 26, 2025

    Vordergründig netter Liebesroman, der aber zunehmend auf der Stelle tritt. Schade.

    Buchinhalt:

    Als die deutsche Ingenieurin Smilla, die in Schweden in einem Eishotel die Technik wartet, mit ihrem Bruder zum Flughafen fährt, kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem Rentier. Der Tierarzt Finn, der sich um das verletzte Tier kümmert, ist alles andere als gut zu sprechen auf Smilla – sind die Rentiere für die Sámi, die indigene Urbevölkerung Schwedens, mehr als nur Nutztiere. Erst im Laufe der Geschichte kommen sich Finn und Smilla näher.....


    Persönlicher Eindruck:

    „Wo die Schneeflocken tanzen und die Rentiere laufen“ - wer wird da nicht neugieriig? Ja, es ist zunchst auch ein netter, eingängiger Roman, der von Schweden erzählt, von langen Polarnächten, Eishotels und den Samen, in ihrer eigenen Sprache Sámi genannt. Es handelt sich um die Urbevölkerung Schwedens, die bis heute meist als Rentierhirten arbeiten und ein besondere Verhältnis zur Natur haben.

    Mittendrin die Deutsche Smilla, die einen Auftrag ine inem der Eishotels hat, in dem eine Klimaanlage ausgefallen ist und keiner weiß, wo der Defekt zu finden ist. Das Eisskulpturen-Festival ist dadurch in Gefahr. Durch einen Unfall mit einem Rentier trifft Smilla auf den Tierarzt Finn, der sie zunächst nicht leiden kann, mit dem aber alsbald eine heiße Romanze entbrennt. Smilla ist hin und her gerissen zwischen ihrem Faible für Schweden, ihrer beginnenden Liebe zu Finn und dem elterlichen Betrieb im Schwarzwald, in den sie eigentlich nicht zurückkehren möchte.

    Genau dieses Dilemma lässt den Roman nach etwas der Hälfte nur noch auf der Stelle treten. Smilla weiß nicht, was sie will – will sie nun in Schweden bleiben, bei Finn, oder zurück nach Deutschland, wo sich ihre (Pflege-)Familie lieber im Elterlichen Betrieb sehen möchte.

    Was mir gut gefallen hat, war die bildhafte Beschreibung des Settings, der Landschaft, des Lebens der Sámi – hier hätte es gerne mehr in die Tiefe gehen und etwas mehr sein können. Was mir weniger gut gefiel, waren die Bettszenen, auch enn diese nicht sehr explizit beschrieben waren, was wiederum angenehm war. Es waren einfach zu viele – Smilla weiß so gut wie nichts von Finn und äußert mehrfach Bedenken, hüpft mit ihm aber bei jeder Gelegenheit in die Kiste und auch so können sie die Finger kaum voneinander lassen. „Sex sells“ kann gut ein Grund dafür sein, dass ein gängiger Liebesroman solche Szenen zuhauf bereithalten muss – ich finde aber, es hätte hier viel mehr Tiefgründiges gegeben, auf das man sein Augenmerk hätte richten können.

    Insgesamt ist der Roman einfach zu lang für den Inhalt der Handlung, er tritt lange Zeit auf der Stelle und man hat keine große Mühe, ihn beiseite zu legen. Eine gestrafftere Erzählung hätte dem Ganzen gut getan.

    Letztendlich ist es ein netter Liebesroman für dunkle Winterabende, aber kein Pageturner, den man gelesen haben müsste.
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge

    Herbert Dutzler
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Oct 13, 2025

    Mitreißende Erzählung eines Heranwachsenden aus den 1970er Jahren - mit österreichischem Schmäh, einfach klasse!

    Buchinhalt:

    Österreich, irgendwo auf dem Land in den 1970er Jahren: Sigi ist 16 und verdient sich mit einem Ferienjob etwas Geld – um sich seinen größten Wunsch zu erfüllen: eine Stereoanlage. Die Stones und Deep Purple prägen mit ihrem Sound eine ganze Generation, wer was auf sich hält, hat einen Plattenspieler. Eine Freundin hat er bislang noch nicht, war aber mindestens schon der mal verliebt, dafür gibt’s reichlich Stress in der Schule, weil Sigi nicht auf den Mund gefallen ist und mit Worten umgehen kann – dafür weniger mit Latein, zum Leidwesen seiner Lehrer. Sigi hält sich für erwachsen, doch die Probleme zuhause lassen ihn dennoch nicht kalt....


    Persönlicher Eindruck:

    Warmherzig und mit reichlich österreichischem Schmäh erzählt Autor Dutzler aus dem Leben seiner jugendlichen Hauptfigur. Im mittlerweile vierten Band der Reihe ist Sigi nun schon 16 und kommt sich reichlich erwachsen vor. Vielleicht klappt es ja bei der Tanzstunde, die von ihm angebetete Rita zu erobern – man merkt natürlich schnell, dass sein Frauenverständnis noch in den Kinderschuhen steckt und Sigi reichlich viel reingeheimnisst in zufällige Begegnungen und harmlose Gespräche in der Schule. Und dann wäre da auch noch Wiebke, seine Sommerferienbekanntschaft, auf deren Brief er sehnsüchtig wartet...

    Es ist eine liebevoll erzählte Coming-of-age-Geschichte rund ums Erwachsenwerden, die man nur schwer wieder weglegen kann, hat man einmal mit dem Lesen begonnen. Sigi wächst dem Leser schnell ans Herz, es ist eine wundervolle Zeitreise in die frühen 1970er Jahre, inklusive toller Musik und eigenwilligem Modegeschmack, österreichischem Landleben und Einblicke in das Familienleben der Hauptfigur.

    Die Geschichte ist voller Humor und dabei niveauvoll und so mancher Leser wird ganz sicher in seine eigene Jugend zurückversetzt. Natürlich kommt Sigi zu seinem Plattenspieler, mit dessen Musik er die Probleme im eigenen Familienalltag und die Schwierigkeiten in der Schule auch mal ausblendet.

    Auch die Nebenfiguren sind tiefgründig und mit Profil gestaltet, so zum Beispiel Herbert, Sigis besten Kumpel, von dem er zwar selber sagt, dass man ihn schon ein bisschen länger kennen muss, um ihn zu mögen, der jedoch das Herz auf dem rechten Fleck hat und im Laufe der Geschichte sogar nichtig zum Revoluzzer mutiert.

    Es ist alles dabei, was eine Jugend in den frühen 1970er Jahren ausmacht: Rebellion, Selbstfindung, eigene Persönlichkeit. Aber auch Verletzlichkeit und die Sehnsucht nach Stabilität im eigenen Umfeld, das Sigi durch die Ehekrise seiner Eltern und die Demenz seiner Oma Stück für Stück droht, abhandenzukommen.

    Ein wirklicher Pageturner, der mich absolut mitgerissen und in die wilden 70er mitgenommen hat. Absolute Leseempfehlung!
    Die Spur des Silbers

    Tillmann Bendikowski
    Die Spur des Silbers (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Oct 13, 2025

    Interessanter Einblick in die Jagd nach dem Edelmetall über verschiedene Jahrhunderte - kurzweilige Geschichtsstunde.

    Buchinhalt:

    Reichtum und Wohlstand, aber auch Leid und Ausbeutung stehen kaum irgendwo so nahe beieinander wie beim Silber. Das Edelmetall verändert bis heute die Welt in allen Teilen, wird als Wertanlage aber auch Kunstgegenstand und Rohstoff geschätzt und verwendet. Das Buch zeigt in einer Zeit zwischen Mittelalter und Gegenwart anschaulich auf, wie dieses Edelmetall, das reichlichere Vorkommen als das wertvollere Gold hat, die Welt verändert und prägt.


    Persönlicher Eindruck:

    Eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art erwartet den Leser in diesem interessanten Sachbuch. Es geht über viele Epochen, vom Mittelalter bis heute und hat das Silber als zentralen gemeinsamen Nenner. Die Jagd auf das Edelmetall hat die Wellt seit jeher geprägt, Kriege und Sklaverei wären ohne es schier unmöglich bzw. förderte das Silbe diese noch zusätzlich.

    Angenehm fällt beim Lesen auf, dass der Autor sich einer verständlichen Sprache bedient und die Fachsprache anderer Geschichtsbücher außer Acht lässt. Gute Recherche und zahlreiche Quellen- und Literaturangaben machen das Werk auch zum unverzichtbaren Mittel der Wahl in Studium und Schulunterricht. Mit zahlreichen Farbseiten lockert er den Text informativ auf und man hat nie das Gefühl dass es trocken und verstaubt werden könnte.

    Es geht um die ersten Silberminen in Amerika, spanische Konquistadoren, Piraten, Sklaven und letztendlich um den Normalbürger von heute mit dem geerbten Familiensilber, um NS-Raubsilber und Silber als Münzgeld. Nie wurde ein Edelmetall, abgesehen vom selteneren Gold, so vielseitig eingesetzt und somit erzählt das Silber ein Stück weit auch die Geschichte der Menschen dahinter.

    Was ich kritisiere, ist der relativ kurze Zeitabschnitt zwischen Mittelalter und Gegenwart. Die Antike wurde komplett ausgeklammert, obwohl es gerade zu griechischer und römischer Zeit genug Beispiele für die Verwendung von Silber als Kunstgegenstand, Tempelsilber und nicht zuletzt in Form von Münzen gab. Der Schwerpunkt liegt nahezu vollständig auf Europa und klammert weite Teile der übrigen Welt einfach aus – wobei ich es dahingehend verstehen kann, dass eine allumfassende Betrachtung den Rahmen eines Buches einfach sprengen würde.

    Sei's drum. Für mich war der Einblick in die abenteuerliche Geschichte des Silbers eine spannende Geschichtsstunde, die ich gerne weiter empfehle.
    Jane Austen

    Janine Barchas
    Jane Austen (Buch)

    2 of 5 stars Active star Active star Inactive star Inactive star Inactive star
    Oct 11, 2025

    Grauenhaft dilettantischer Zeichenstil - inhaltlich allenfalls für extreme Fans brauchbar. Enttäuschend, muss man nicht gelesen haben.

    Buchinhalt:

    Jane Austen, die bekannte englische Autorin aus dem 19. Jahrhundert, hätte im Dezember 2025 ihren 250. Geburtstag gefeiert und aus diesem Anlass wird sie nun Hauptfigur einer Graphic Novel. Dabei geht es um ihr Leben von früher Jugend bis ins Alter, ihren Werdegang als Autorin und um einen zeichnerischen Einblick in die Zeit des Regency.


    Persönlicher Eindruck:

    Selbstverständlich ist mir Jane Austen ein Begriff – Ihre Romane Stolz und Vorurteil, Mansfield Park und Verstand und Gefühl sind weltbekannt. Auch über die Epoche des Regency habe ich schon oft in Romanen gelesen, daher war ich mehr als gespannt auf die Jubiläums-Graphic Novel, die auf ihrem Klappentext "liebevolle Zeichnungen mit großer Detailtreue" verspricht.

    Oh Mann. Was für eine Enttäuschung! Die Zeichnungen sind mehr als dilettantisch, wie von einem Grundschulkind gemalt. Keinerlei Größenverhältnis und Perspektive bei den Figuren, die meist pferdegesichtig und glotzäugig von den Seiten starren und der berühmten Hauptfigur auf keinen Fall gerecht werden. Denn Austen war eine recht ansehnliche Frau: wer Kupferstiche aus der Zeit kennt, kann sich selbst ein Bild davon machen.

    Die verwendete Farbpalette reicht nicht über Gelb, Grau und Blau hinaus, allenfalls etwas Pink, das war es schon. Eine Graphic Novel sollte meiner Meinung nach allein mit den Zeichnungen voll und ganz punkten können – und einen Zeichner haben, der auch Talent hat. Das sehe ich hier beides nicht und dann spielen Text und Handlung auch nur noch eine untergeordnete Rolle, weil eine Graphic Novel einfach von der Grafik lebt.

    Von der Handlung her begleitet der geneigte Leser Jane Austen und ihre Schwester Cassandra durch das englische Regency. Der Plot ist in drei Teile gegliedert, die Austens Leben in aufstrebende Autorin, erfolglose Künstlerin und veröffentlichte Autorin gliedern.

    Ein umfangreiches Glossar am Ende des Buches vermittelt markante Begriffe, Orte und Personen, um die es im Laufe der Handlung geht (das Buch selber vermag dies offensichtlich nicht). Zumindest hier bekommt der Leser einen tieferen Einblick in die Epoche, in der die Hauptfigur lebte.

    Insgesamt bringt es die letzte Zeile des Klappentextes auf den Punkt: "Für leidenschaftliche Austen-Fans“. Ja, allerhöchstens. Genau das ist auch mein Fazit, jeder neutrale Freund von Graphic Novels erlebt eine Enttäuschung. Eine Leseempfehlung kann ich nicht geben, die 25 € kann man sich sparen.
    Der Weihnachtssee

    Angelika Schwarzhuber
    Der Weihnachtssee (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Oct 4, 2025

    Süß überzuckerte Weihnachtsromanze mit Happy-End-Garantie

    Buchinhalt:

    Eigentlich will Jana die Weihnachtsfeiertage wie jedes Jahr bei ihren Eltern im Bayerischen Wald verbringen. Doch in diesem Jahr schenkt ihre Schwester den Eltern eine Reise nach Ägypten, für die ganze Familie – außer für Jana, Zunächst enttäuscht macht sich Jana im Schneesturm auf den Weg zurück nach München und bleibt schließlich mit einer Autopanne im Nirgendwo liegen. Das einzige Haus weit und breit ist das von ihrem ehemaligen Schulkameraden Toni, der Jana Unterschlupf bietet. Am selben Abend stranden weitere Personen bei Toni und seinem 4jährigen Neffen – und erleben zusammen ein ganz besonderes Weihnachtsfest....


    Persönlicher Eindruck:

    Bei Weihnachtsromanen erwartet man zu Herzen gehende Geschichten mit Happy-End, genau das verspricht auch Der Weihnachtssee, eine Erzählung aus dem Bayerischen Wald, bei der fünf einander wildfremde Personen durch einen Schneesturm bei Toni stranden. Dieser lebt dort mit seinem kleinen Neffen, dessen Mutter kürzlich verstarb. Die erste der bunten Truppe ist Jana, die einst mit Toni in die Schule ging. Jana ist auf dem Weg zurück nach München, als der Schneesturm plötzlich losbricht und sie mit dem Auto stecken bleibt. Ohne jedwede Verbindung zur Außenwelt kommt sie bei Toni unter, der zunächst alles andere als begeistert ist.

    Doch der Sturm lässt noch mehr Menschen im kleinen Haus am See stranden: ein griechischer Koch, ein Schwesternpaar aus dem Ort und schließlich Stephan, Janas Ex-Verlobter, mit dem sie eigentlich nicht mehr zusammentreffen wollte.

    Gut ha mir gefallen, dass sich alle schnell zusammenraufen, persönliche Animositäten beiseite legen und alles tun, um gemeinsam eine angenehme Zeit zu haben. Jana als Hauptfigur schafft es zudem, einen Zugang zu dem in Trauer versunkenen vierjährigen Finn zu bekommen, dem Neffen von Toni. Dieser soll mit seinem Onkel nach Hamburg ziehen und ist kurz davor, nach seiner Mutter auch noch aus seinem angestammten Zuhause entwurzelt zu werden.

    Die Erzählung ist eingängig und plätschert kurzweilig dahin, größere Wendungen und spannungsgeladene Twists gibt es keine, dafür ein romantisches Setting an einem See, zu dem es sogar eine Weihnachtswunsch-Legende gibt. Es geht um Zuneigung, Hilfsbereitschaft, Freundschaft und Liebe, aber auch Trauer, Neuanfang und zarte Familienbande.

    Gut, es läuft schon alles sehr rosarot und weihnachtlich-überzuckert ab, mehrere Zufälle bescheren sogar dem zugelaufenen Kater ein neues Zuhause und letztendlich erfüllt sich auch Finns sehnlichster Weihnachtswunsch. So ganz 100%ig glaubwürdig ist es natürlich nicht, aber es handelt sich auch um eine Lektüre, der man das alles ein Stück weit nachsieht.

    Insgesamt eine kurzweilige, leichte Unterhaltung für lange Winterabende, wenn man einfach etwas mit garantierten Happy-End braucht. So soll's ja auch sein bei einem Weihnachtsroman.
    Geheimnisse aus der Geschichte

    Geheimnisse aus der Geschichte (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Oct 2, 2025

    Kurzweilige, interessante Sammlung an historischen Mythen, Rätseln und Skandalen

    Buchinhalt:

    Erstaunliche, sagenhafte Mythen und vergessene Rätsel, spannende Skandale und rätselhafte Geschichte faszinieren schon seit der Atike. Dieses Buch stellt 71 dieser Geschichten, die in der SZ-Kolumne „Dem Geheimnis auf der Spur“ auch schon in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurden vor: Wer war das historische Vorbild für den Comichelden Popeye? Wo sind die Gebeine des legendären hawaiianischen Königs Kamehameha versteckt? Und wer war Beethovens „unsterbliche Geliebte“? Spannende Geschichten unserer Welt, entlarvte Irrtümer und kuriose Begebenheiten warten darauf, entdeckt zu werden.


    Persönlicher Eindruck:

    Unsere Geschichte steckt voller seltsamer Mythen und kuriosen Geheimnisen. Die SZ—Kolumne „De Geheimnis auf der Spur“ lüftet diese bereits seit 2004, nun ist ein Buch dazu erschienen, das die 71 spektakulärsten Fälle vereint. Es geht um Personen, Legenden, Erfindungen – und ist auf 334 Seiten gleichbleibend spannend.

    Verschiedene Autoren tragen in dieser Anthologie Erstaunliches und Unglaubliches zusammen, untermauern dieses mit nachvollziehbaren Beweisen und auch das ein oder andere Foto gibt Aufschluss über sagenhafte Dinge. Wie starb Glenn Miller? Wie wurden die Hieroglyphen entschlüsselt? Wer war die ewig lächelnde Mona Lisa wirklich?

    Fragen über Fragen.... wer das Buch einmal aufgeklappt hat und sich auch nur entfernt mit historischen Legenden und Mythen beschäftigt, der wird das Buch nur schwer wieder zuklappen können. Es ist ein spannendes Sammelsurium, hat aber Hand und Fuß und man geht hinterher befriedigt aus der Lektüre.

    Mir hat das Buch gut gefallen, denn es mangeln nirgends an nachprüfbaren Fakten. Wer also die Lust am Geheimnis verspürt, ist hier ganz sicher gut aufgehoben!
    Knäckeblut

    Björn Berenz
    Knäckeblut (Buch)

    2 of 5 stars Active star Active star Inactive star Inactive star Inactive star
    Sep 29, 2025

    Sehr seichte Geschichte, bleibt nicht lang im Gedächtnis. Zudem logische Fehler - keine Empfehlung.

    Buchinhalt:

    In Schweden wird ein Schlittenhundeführer brutal ermordet, anschließend verschwindet der Glasbläser eines Kunsthandwerkermarktes spurlos. Das ruft die Buchhändlerin und Hobbyermittlerin Ina auf den Plan und schon bald steckt sie zusammen mit ihrem Polizeifreund Lars mitten in den Ermittlungen. Doch auch privat geht es turbulent zu: Tochter Paula will mit Lars ein Romantikwochenende bei den Polarlichtern verbringen, als sich herausstellt, dass der gemeinsame Campingbus als gestohlen gemeldet wurde und plötzlich taucht auch noch Inas Exmann Hajo auf, der seine Midlife-Crisis in Schweden kurieren will....


    Persönlicher Eindruck:

    Knäckeblut ist der inzwischen 3. Band der Cosy-Krimi-Reihe Mörderisches Småland.

    Es geht um eine Hobbyermittlerin, die der Polizei ins Handwerk pfuscht und sich selbst als die Größte sieht: Ina, eine Buchhändlerin mittleren Alters, die mit dem Polizisten Lars befreundet ist, ihm aber auch gehörig auf den Geist geht. Mir jedenfalls ging sie das – sonderlich viel Sympathiepunkte kann man halt nicht sammeln, wenn man so überheblich daherkommt und alles besser weiß. Ina reißt nahezu jede Befragung an sich uns maßt sich Dinge in ihren „Ermittlungen“ an, die ihr einfach nicht zustehen – schließlich ist sie keine Polizistin.

    Als Cosy Krimi geht es natürlich relativ unblutig zu und ein Großteil der Handlung dreht sich nicht um den Krimi sondern um das Familienleben und die Beziehungskisten der handelnden Personen. Leider sind diese durchweg blass und ohne viel Profil, dafür baut Berenz nahezu jedes Klischee, das einmal in einer Krimiserie vorkam, in seine Handlung ein. Sei es die Haschplätzchentante, die in Gestalt von Ebba so manches berauschende Kraut in den Tee mischt, der obligatorische Hund, der im Hygge-Bullerbü nicht fehlen darf und auch ein Sammelsurium an schwedischen Lebensmitteln und Alkoholika, der heiligen Lucia und natürlich den Elch im Vorgarten. Viel hilft viel war hier wohl das Motto, dahinter wurde die Krimihandlung fast zur Nebensächlichkeit.

    Leider weist die Geschichte auch zahlreiche Logikfehler auf. Besonders auffällig: das erste Opfer hat zunächst keinerlei Schmauchspuren an Kleidung und Körper, die Tatwaffe wird aber später anhand von Schmauchspuren an eben jenem Körper identifiziert (wie jetzt plötzlich?), und Johannes der Täufer ist auf einmal ein Apostel Jesu. Auch sonst gibt’s die ein oder andere Kleinigkeit, die einfach nicht passt – es wurde wohl nicht gründlich lektoriert, dem Leser wird’s schon nicht auffallen. Tut mir leid, mir schon – und auch sonst fand ich den „Mordsspaß in Schweden“ eine fade, seichte Lektüre, die nicht lang im Gedächtnis bleibt. Gut, im letzten Drittel ging es, aber das reicht mir einfach nicht.

    Wenn ich ehrlich bin: setze ich mich zwei Stunden in einen IKEA und gucke den Leuten zu, habe ich sicher ebenso viel schwedisches Flair und bestimmt mehr Unterhaltung als bei diesem Krimi. Empfehlen kann ich hier nichts, es lohnt einfach nicht.
    Meine zauberhafte Dekowelt

    Michaela Waldl
    Meine zauberhafte Dekowelt (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Sep 22, 2025

    Stilvolle Dekorationen in Floristenqualität, aus Naturmaterialien selbst gemacht. Top Empfehlung!

    Buchinhalt:

    Ästhetische Dekorationen aus Naturmaterialien selbst gemacht – zeitlos und ansprechend, wie vom Floristen: Alles was dazu benötigt wird lässt sich auf einem Spaziergang durch Wald und Wiese sammeln und mit den einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen in hochwertige Gesteke, Kränze und Tischdekorationen verwandeln. Dabei begleitet das Buch den Leser durch alle Jahreszeiten und gibt Ideen und Anregungen für den ganz persönlichen Glücksmoment.


    Persönlicher Eindruck:

    Bastel- und DIY-Bücher gibt es wie Sand am Meer. Dennoch ist dieses hier erfrischend anders: die darin enthaltenen saisonalen Dekorationen wie Kränze, Gestecke und andere Dekoobjekte sind weder kitschig noch banal, sie schauen aus, wie vom Floristen. Kein Wunder: Autorin und Bloggerin Waldl ist gelernte Floristin und das zeichnet auch ihre Bastelanleitungen aus.

    Mit Naturmaterialien aus Wald und Flur aber auch Flohmarkt- und Kellerfunden schafft sie liebevolle und zeitlose Dekorationen für das ganze Jahr. Dabei werden frische Komponenten wie Blumen, Moose und ganze Pflanzen genauso verwendet wie getrocknetes, also Zapfen, Flechten, Holz und Rinde.

    Das Buch ist hochwertig und bestückt mit zahlreichen Farbfotos, die die Anleitungen Schritt für Schritt bebildern, eine Aufstellung der benötigten Materialien sowie eine einfache Textanleitung vervollständigen die einzelnen Projekte.

    Dem Ganzen geht zu Beginn eine Art Warenkunde über Werkzeug, Grundlagen und Gefäße voraus, es wird beschrieben, wo auch Großstädter beispielsweise Holz und Rinde herbekommen. Ein gewisser Grundstock an verschiedenen Materialien sollte selbstverständlich sein, um Auswahl bei der Gestaltung zu haben.

    Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und niemals belehrend. Ich empfand es beim Lesen, als ob ich bei ihr am Basteltisch sitze und mich mit ihr über unterschiedliche Techniken und Materialien austausche – das Buch eignet sich aufgrund des sehr eingängigen Stil für alle Bastler, seien es nun Anfänger oder Profis.

    Ein Teil des Buches widmet sich zudem dem Upcycling, denn Dosen, Geschirrteile, Gläser und alte Kisten können genauso Grundlage für eigene Kreationen sein.

    Insgesamt ist das Buch mit 25 € durchaus im hochpreisigen Sortiment angesiedelt. Das Geld ist aber sehr gut investiert und es auch wert, da man viel bekommt und immer wieder Anregung erhält. Mir hat dabei gut gefallen, dass es weit weg von Kinderbasteleien den erwachsenen Leser anspricht und das Ergebnis keine 08/15-Kindergartenobjekte sind, die wir schon als Kind aus Kastanien und Bucheckern gebastelt haben sondern wirklich Floristenqualität, die einem nicht peinlich sein muss.

    Eine absolute Empfehlung für alle, die stilvoll und mit Niveau dekorieren wollen. Einfach klasse!
    Sei mutig, kleine Ente

    Mirjam Löwen
    Sei mutig, kleine Ente (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Sep 22, 2025

    Liebevolles Kinderbuch mit hinreißenden Illustrationen und christlicher Botschaft

    Buchinhalt:

    In einem Nest am Ufer eines Sees schlüpft eine Schar Entenküken. Als es ins Wasser gehen soll, bleibt eines der Küken im Nest zurück: Anouk. Anouk hat Angst vor dem Wasser. Wird es sie tragen? Was, wenn das Gefieder nass wird? Und gibt es im Teich nicht auch gefährliche Tiere?


    Persönlicher Eindruck:

    Was für ein liebevolles, bezauberndes Bilderbuch! Ganzseitige, detailreiche und in angenehmer Farbpalette gezeichnete Bilder sprechen nicht nur die Zielgruppe ab 4 Jahren an, sondern ziehen auch erwachsene Leser in ihren Bann. Es gibt viel zu entdecken, so dass man das Buch immer wieder gerne aufschlägt und betrachtet.

    Der Text ist eingängig und liebevoll gewählt, er erzählt die Geschichte von Küken Anouk, welches Angst hat, den ersten Sprung ins Wasser zu wagen. Zwei Kröten hetzen sie zudem auf, Angst nd Zweifel sind schließlich so stark, dass Anouk die Wärme und Geborgenheit des Nestes nicht verlassen will. Erst als Mutter Ente kommt und Anouk erklärt, dass Gott das Küken für ein Leben auf dem Wasser geschaffen hat und dass es daher keine Angst zu haben braucht, lässt sich Anouk überzeugen und wagt den ersten Schritt.

    Es ist wie gesagt ein christliches Kinderbuch ab 4 Jahren, gefällt aber ganz sicher auch älteren Kindern, ist zum Vorlesen und späteren Selberlesen geeignet und verspricht auf den zahlreichen Seiten viel Abwechslung bei der Betrachtung. Gt gefallen hat mir auch der Bibelvers, der das Buch beschließt und der das Thema Mut noch einmal aufgreift.

    Die Seiten sind haptisch stabil und eignen sich auch für kleine Kinderhände gut zum Umblättern. Preislich ist das Buch im mittleren Segment angesiedelt (16 €), durch die höherwertige Verarbeitung hat man aber auch einen Schatz im Bücherregal, der sehr lange Freunde macht.

    Eine absolute Leseempfehlung für alle, die niveauvolle Kinderbücher mit hochwertigen Bildern und christlicher Botschaft zu schätzen wissen!
    Halt in der Brandung

    Maria Albers
    Halt in der Brandung (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Sep 18, 2025

    Mitreißender christlicher Roman um eine starke Frau, die ihren Bruder in Afrika sucht. Pageturner!

    Buchinhalt:

    Norddeutschland 1853: Nach einem Unfall verliert die junge Emilie auf einen Schlag ihren Bruder und ihre Mutter. Da der Vater vor Jahren bei einem Jagdunfall getöte wurde, fällt das Erbe an den einzigen männlichen Verwandten, einen Cousin. Emilie steht plötzlich mittellos und ohne Zuhause da. Um ihr Gut zu retten, macht Emilie sich auf nach Afrika, dem letzten Aufenthaltsort ihres anderen Bruders, der als verschollen gilt. Mit seiner Hilfe will sie ihr Erbe zurückfordern – doch die Reise auf den fremden Kontinent birgt große Gefahren....


    Persönlicher Eindruck:

    Was für ein spannender Pageturner! Die Geschichte aus dem 19. Jahrhundert vereint Familiendrama, christlichen Grundthematik und eine große Portion Abenteuer und nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Reise nach Afrika, auf der Suche nach Emilies verschwundenem Bruder Maximilian. Dabei beschreibt Autorin Albers die Seereise authentisch und nachvollziehbar, so dass sofort Kopfkino beim Leser aufkommt und man sich bei der Lektüre selbst auf dem Missionsschiff wähnt.

    Die Personenzahl ist angenehm überschaubar und die Figuren haben allesamt Profil und Tiefe, so dass es ein Vergnügen ist, den spannenden Plot zu folgen.

    Der christliche Aspekt des Romans befasst sich mit Emilies Gotteszweifel und ihrem erschütterten Gottvertrauen, welches für den Leser leicht nachvollziehbar erscheint bedenkt man die Verluste, die Emlie bereits in jungen Jahren machen musste. Daneben geht es um das Bibelwort, welches besagt, dass der Mensch auf Gott vertrauen soll, er wird es wohl machen. Und so kommt es letztendlich sowohl für die Missionsgesellschaft, die alle möglichen Widrigkeiten bei der Überfahrt meisten muss als auch für Emilie auf ihrer Suche nach ihrem Bruder.

    Die Beschreibung von Afrika ist eingängig, wobei vieles, was Emilie auf der beschwerlichen Reise durch den Busch bis zur Farm von Maximilian erlebt, auch mit reichlich glücklichen Umständen verbunden ist. Viel Unbill passiert ihr nicht, was sie letztendlich darauf zurückführt, dass Gott trotz allem seine Hände schützend über ihr hält und alles gut macht. Somit erfüllt sich auch besagter Bibelvers.

    Gut gelungen ist der Autorin in meinen Augen das Verhältnis zwischen Emilie und dem Schmied Conrad, den sie auf dem Schiff kennen und schließlich lieben lernt. Die Zerrissenheit aber auch die Anziehungskraft der beiden zueinander sind gut ausgearbeitet, so dass ich nicht zu viel verrate, wenn ich sage, dass das Buch in mehrfacher Hinsicht ein Happy End bietet.

    Insgesamt habe ich den Roman in einem Nachmittag ausgelesen, weil ich ihn nicht mehr beiseite legen konnte, als ich einmal mit Lesen begonnen hatte. Das ist mir schon länger in der Form nicht mehr passiert, daher kann ich diesen Roman allen Freunden historischer Erzählungen weiter empfehlen, die Wert legen auf niveauvolle Unterhaltung mit christlichen Grundtönen. Man darf gespannt sein, ob „Aufbruch nach Afrika“ zu einer mehrbändigen Reihe ausgebaut wird – ich jedenfalls würde mich freuen.
    Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht lügen

    Michel Bergmann
    Der Rabbi und der Kommissar: Du sollst nicht lügen (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Sep 15, 2025

    Spannender und kurzweiliger Cosy-Krimi mit sympathischen Hauptfiguren. Hat mir gut gefallen.

    Buchinhalt:

    Als ein israelisches Restaurant abbrennt und dabei der afrikanische Hilfskoch in den Flammen umkommt, vermuten Rabbi Henry Silberbaum und Kommissar Robert Berking zunächst einen antisemitischen Anschlag. Doch schnell ist klar: es geht hier um mehr als ein kleines Restaurant und die Spur führt Rabbi Silberbaum sogar bis nach Burkina Faso, wo er sich mit der Schwester des Toten, die dort Kriminalkommissarin ist trifft. Schnell gerät auch der Rabbi in den Fokus der Täter, denn inzwischen sind auch noch zwei andere Mitbürger seiner jüdischen Gemeinde in Frankfurt von Bedrohungen betroffen. Seltsamerweise wohnen alle im selben Häuserblock, in dem sich auch das Restaurant befindet....


    Persönlicher Eindruck:

    Im vierten Band der Reihe Der Rabbi und der Kommissar geht es um einen Mord, dubiose Immobiliengeschäfte und Spuren bis in höchste Regierungskreise von Burkina Faso, einem Land an der Westküste Afrikas. Mittendrin: der Frankfurter Rabbiner Henry Silberbaum, ein begeisterter Rennradfahrer und Kriminalist vor dem Herrn.

    Der Krimi ist relativ unblutig und in das Untergenre Cosy Krimi einzuordnen, neben dem Kriminalfall gibt es eine unterhaltende Romanhandlung aus dem Leben der Hauptfiguren. Generell ähnelt die Erzählung den Krimis von Agatha Christie oder Chestertons Pater Brown, nur dass es hier nicht um einen katholischen Pfarrer geht, der das Kriminalisieren nicht lassen kann, sondern um einen Rabbiner. Silberbaum hat das Herz auf dem rechten Fleck, ist charmant und schlagfertig und wo wir schon beim Vergleich mit Pater Brown sind: auch Silberbaums Vorgesetzter sieht ihn nicht gerne kriminalisieren.

    Da der leitende Kommissar, Berking, selbst keinen wirklichen Zugang zur jüdischen Community hat, ist Silberbaum etwas wir sein informeller Assistent. Beide verstehen sich blind, sind auch privat befreundet und harmonieren als ungewöhnliches Team hervorragend.

    Mir hat der Krimi sehr gefallen, es ist ein Buch, das man mit etwas mehr als 200 Seiten gut an einem Nachmittag lesen kann oder das einem beispielsweise eine längere Zugfahrt vertreibt.

    Im Glossar am Ende des Buches befinden sich eine Vielzahl jüdischer und jiddischer Ausdrücke und Fachbegriffe, die im Textteil kursiv gedruckt sind und die man schnell nachschlagen kann, sollte man sie nicht kennen.

    Bergmann schafft es vortrefflich, das Flair der hessischen Metropole einzufangen und hat charakterstarke Figuren geschaffen, die den Leser sofort mitfiebern lassen. Vorkenntnisse aus den der vorherigen Bänden sind keine nötig, man taucht sofort in die Handlung ein und zumindest ich konnte das Buch erst nach der letzten Seite wieder zuklappen. Spannung ist garantiert, ich fand den Krimi sehr gelungen.

    Bedauerlicherweise verstarb der Autor dieser Krimireihe im Sommer dieses Jahres. Ob weitere Bände (eventuell von seinem Sohn oder einem anderen Autor) folgen werden, ist also fraglich.

    Fazit: ein bodenständiger Krimi angelehnt an berühmte Vorbilder, dennoch selbständig genug um mit eigenem Flair und Charakter zu überzeugen. Lesenswert – kann ich wärmstens empfehlen!
    Nanami - Schwimm dich mutig

    Nathalie Pohl
    Nanami - Schwimm dich mutig (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Sep 14, 2025

    Bezauberndes Bilderbuch um einen kleinen Seehund zum Thema Mut und Freundschaft - einfach entzückend!

    Buchinhalt:

    Auf einer Sandbank lebt ein kleiner Seehund mit seiner Familie. Während die Geschwister in der Sonne liegen, schaut Nanami sehnsüchtig aufs Meer und fragt sich, was es da draußen wohl alles gibt – doch das Unbekannte macht ihr auch Angst. Erst als Nanami einen glitzernden Stein am Strand findet und Möwe Carl ihr erzählt, dass es sich um einen Reisestein handelt, macht sich Nanami auf den Weg durchs Meer und lernt dabei allerhand andere Meeresbewohner kennen – und mehr über Freundschaft, Mut und Vertrauen.


    Persönlicher Eindruck:

    Nanami – schwimm dich mutig ist ein zauberhaftes Bilderbuch ab 4 Jahren, das mit seinen entzückenden Illustrationen Jung und Alt gleichermaßen begeistert.

    Hauptfigur ist das Seehund-Weibchen Nanami, welches mit seiner Familie auf einer Sandbank lebt und von den Weiten des Ozeans und den Geheimnissen, die sich darin befinden, träumt. Wenn das alles nur nicht so unheimlich wäre für so einen kleinen Seehund! Erst durch die freche Möwe Carl und den glitzernden „Reisestein“, den Nanami am Strand findet, findet sie den Mut, ins Wasser zu tauchen und schwimmend die „Sieben Weltmeere“ zu erkunden. Dabei trifft Nanami auf allerllei fremde Meeresbewohner, die ihr zeigen, dass Vertrauen und Freundschaft einen weiter bringen als man es alleine je geschafft hätte.

    Die Illustrationen des Buches sind ganzseitig und warten mit vielen liebevollen Details auf, so dass man bei jedem Betrachten Neues entdeckt. Glitzernde Akzente machen das Buch besonders und heben es aus der Masse der Bilderbücher geschmackvoll ab.

    Die Seiten sind stabil und auch beim Umblättern durch Kinderhände robust, das Cover besticht durch die niedliche kleine Robbe und ebenfalls Details mit Glitzerfolie.

    Die schöne und authentische Tiergeschichte aus den Weiten des Meeres vermittelt Werte wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, aber auch Vertrauen in andere. So lernt Nanami Neue Freunde kennen wie die kleine Leuchtqualle Akari, Delfine und Wale und sogar andere Seehunde, die die Schu vor dem Menschen überwunden haben und so manchen Hering von den Fischern abstauben. Letztendlich ist es der Albatros Aroha, der Nanami auf seinem Rücken wieder zurück in heimatliche Gefilde bringt.

    Natürlich ist die Geschichte ein Stück weit nicht die Realität der Weltmeere. Albatrosse können keine Seehunde auf dem Rücken tragen und Orcas sind auch keine Freunde, denn Robben sind für sie Beutetiere. Darauf kommt es aber gar nicht an, denn die Botschaft des Buches liegt woanders und Nanami hat auf jeden Fall Identifikationspotential.

    Insgesamt bin ich vollkommen begeistert von diesem schönen Bilderbuch, da es sehr geschmackvoll und liebevoll gezeichnet ist und immer wieder neu entdeckt werden kann. Autorin der Geschichte ist die Freiwasserschwimmerin Nathalie Pohl, die ihrerseits die sieben schwirigsten Meerengen im Freiwasserschwimmen bezwungen hat. Ihre Botschaft: nur mit Mut und dem Glauben an sich selbst sind solche Abenteuer möglich. Und das ist auch die Botschaft von Nanamis Geschichte.
    Blankenese - Zwei Familien

    Michaela Grünig
    Blankenese - Zwei Familien (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Sep 14, 2025

    Tragische Familiengeschichte vor dem Hintergrund des RAF-Terrors der 60er und frühen 70er Jahre



    Buchinhalt:

    Hamburg, 1968: die Jugend lehnt sich in Demos und Protesten gegen das Establishment auf, rebelliert und will einen Neuanfang. Auch Ulrike Casparius, Tochter aus gutem Hause, gerät durch ihren Freund in die Hausbesetzerszene. Schon bald dominiert die RAF das Geschehen und auch Sabine, Ulrikes jüngere Schwester, gerät in die Fänge der Terroristen. Wird die Famlie auseinanderbrechen? Die politische Situation in Deutschland ist zunehmend aufgeladen und das geht nicht spurlos an den Casparis und Jacobsons vorbei....


    Persönlicher Eindruck:

    Zeitensturm ist der dritte und abschließende Teil der Blankenese-Reihe, kann aber ohne Vorwissen aus den beiden anderen Bänden gelesen und verstanden werden. Es geht darin um zwei entfernt miteinander verwandte Familien, die Casparius', die eine Reederei besitzen und die Jacobsons, bei der der Familienvater als Staatsanwalt tätig ist. Beide haben Kinder und als Leser taucht man anhand der Figuren ein in eine Ära des Umbruchs und der erhofften Aufarbeitung der vergangenen politischen Gegebenheiten.

    Die 1960er Jahre bedeuten Umbruch: die junge Generation rebelliert als Hippies und Hausbesetzer, die Studentenproteste arten schnell in Krawall und leider auch Terror aus. Mittendrin ist Ulrike Casparius, Studentin der Journalistik. Mit ihrem Freund Lars ist sie Teil der Studentenbewegung in Berlin.

    Sabine, Ulrikes jüngere Schwester, geht nich zur Schule, wird aber gemobbt und ist ein labiler Charakter. Durch einen tragischen Zwischenfall stürzt das Mädchen in Depression und Teilnahmslosigkeit ab, wird empfänglich für Lars' Manipulationen, als dieser sich mit Baader und Meinhoff solidarisiert. Bald schon wird ie RAF auf den Plan gerufen und das Leben beider Familien gerät in Gefahr.

    Kurt Jacobson als Vertreter der zweiten Familie ist Staatsanwalt und zunächst mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit betraut, wird aber bald ins Verfassungsgericht berufen und hat dann mit den RAF-Fällen zu tun.

    Mir hat die Geschichte durchaus gut gefallen. Man kommt schnell an in der Handlung und das Lebensgefühl der 68er Generation wird vor dem inneren Auge des Lesers lebendig.

    Leider ist der Roman in meinen Augen überfrachtet an politischen Gegebenheiten. Natürlich ist es eine Ära, in der viel passiert und ich kann nachvollziehen, dass die Autorin möglichst alles von Rudi Dutschke bis AKW Brokdorf in ihren Roman packen möchte. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass manches zwar erwähnt wird, aber nicht in der Ausführlichkeit. Der Raum für die persönliche Geschichte der fiktiven Figuren wird dadurch kleiner und ich hätte mir mehr Entfaltung diesbezüglich gewünscht. Trotz allem ist es eine Geschichte, die einen an den Seiten kleben lässt. Besonders die dramatischen Entwicklungen gegen Ende und der Schluss haben mich erschüttert, es ist kaum zu fassen.

    Insgesamt ein Stück deutsche Geschichte, die noch gar nicht so lange vergangen und daher in den Köpfen der Bevölkerung noch präsent ist – verbunden mit einer Familiengeschichte, die mehrere Generationen und deren Verflechtungen zeigt.

    Lesenswert!

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