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    Kerstin1975 Top 25 Rezensent

    Aktiv seit: 08. August 2013
    "Hilfreich"-Bewertungen: 296

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    740 Rezensionen

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    Von Kränzen und Körben

    Ulrike Schmidt
    Von Kränzen und Körben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.02.2026

    Erstklassiges Anleitungsbuch für alle Freunde der Floristik - mit zeitlos schönen Ideen. Absolute Empfehlung!

    Buchinhalt:

    Kreativ durchs Jahr: 77 floristisch hochwertige DIY-Projekte warten darauf, entdeckt zu werden: Nach Jahreszeiten gegliedert präsentieren sich stimmungsvolle Kränze, Tischgestecke und Windlichter mit den Gaben der Natur. Jedes Projekt verfügt über eine bebilderte und ausführliche Anleitung, so dass auch dem floristischen Laien ein ästhetisches Erfolgserlebnis sicher ist. Mit großem Serviceteil zum Trocknen von Blüten und unterschiedlichen Dekorationstechniken.


    Persönlicher Eindruck:

    Dieses erstklassige Anleitungsbuch hat mich von A bis Z voll überzeugt: mit 77 DIY-Ideen zur floristischen Dekoration aus der Feder von Autorin Ulrike Schmidt wendet es sich an alle, die gerne mit Blumen und anderen Materialien aus der Natur arbeiten. Neben einigen Basismaterialien, die einfach zu bekommen sind, werden sonst nur Dinge benötigt, die der eigene Garten oder ein Spaziergang durch Wald und Flur hergeben: Blumen, Reisig und Äste, Samen und Moos – mehr braucht es nicht, um hochwertige Dekoobjekte im Landhausstil selbst herzustellen.

    Die einzelnen Projekte verfügen über eine gut verständliche und bebilderte Anleitung, die auch eine Materialliste einschließt. Mit einfachem Basis-Werkzeug und ein bisschen Blick für die Ästhetik in der Natur gelingt dem Leser auf alle Fälle eine Umsetzung – jede Anleitung kann zudem einfach abgewandelt und an das eigene Material angepasst werden.

    Sehr gut harmoniert das Verhältnis von Text zu Bild, die Fotos sind brillant und teilweise ganzseitig, so dass ein guter Eindruck entsteht von dem, was die Autorin vermitteln will.

    Die Dekorationen sind den Jahreszeiten entsprechend gegliedert und machen aus dem Buch einen Begleiter für das ganze Jahr, in den man immer wieder gerne hineinschaut und sich von ihm inspirieren lässt.

    Der Serviceteil hinten im Buch gibt zudem Aufschluss über die von der Autorin bevorzugten Pflanzen, verschiedene Dekorationstechniken wie das Frosten mit flüssigem Kerzenwachs, Sammeln und Trocknen von Blumen oder zum Colorieren von unterschiedlichen Materialien. Hinzu kommen kleine im Buch verteilte Tipps und Tricks, die bei jeder der Anleitungen hilfreiche Unterstützung geben und den Leser zum Beispiel beim Stecken und Arrangieren von unterschiedlichen Blumen unterstützen.

    Mir hat das Buch sehr gefallen, es spielt im Genre der Kreativ- und Floristikbücher in erster Reihe mit und ist mit 16,90 € vergleichsweise günstig, für die Fülle, die man als Leser bekommt. Eine absolute Empfehlung für alle, die gerne mit Naturmaterialien arbeiten und hochwertige floristische Arrangements schätzen.

    Ein Schatz in jedem DIY-Regal!
    Die Erfinderin der Freiheit

    Elke Becker
    Die Erfinderin der Freiheit (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.02.2026

    Weiblicher Erfindergeist zur Jahrhundertwende - in eine 08/15-Story verpackt.

    Buchinhalt:

    Dresden zur Jahrhundertwende um 1900: Christine arbeitet als Therapeutin in einem Sanatorium und sieht sich zahlreichen Patientinnen gegenüber, die aufgrund ihrer eng geschnürten Korsetts reihenweise in Ohnmacht fallen. Aus diesem Grund tüftelt sie an einem neuartigen Leibchen und erfindet schließlich den modernen Büstenhalter. Zunächst ist das neue Kleidungsstück umstritten, doch die Klinik unterstützt Christine und die Aufträge werden immer mehr. Zusammen mit ihren Freundinnen vertreibt sie ihre Erfindung auch auf dem Dresdner Weihnachtsmarkt....


    Persönlicher Eindruck:

    Die Jahrhundertwende um 1900 ist geprägt von neuartigen Erfindungen, Weltausstellungen und einer neuen Aufbruchsstimmung. Dennoch halten sich alte Zöpfe hartnäckig, wie z. B. die geschnürte Wespentaille. Dass es durch die neuartige Erfindung der Dresdnerin Christine Hardt auch Frauen möglich ist, sich freier zu fühlen und besser atmen zu können, überzeugt zunächst nur wenige – zu eingefahren sind alte Strukturen. Dennoch gibt die junge Frau nicht auf und hält an ihrer Überzeugung und ihren Ideen fest.

    Was hier klingt wie ein Roman um starke Erfinderinnen, soll so leider nur zum Teil in Erfüllung gehen. Während die Erfindung des Büstenhalters zumindest auf deutschem Boden der Christine Hardt zugeschrieben wird und auch ihre Freundin Amalie Bentz gleichzeitig ihren neuartigen Melitta-Kaffeefilter erfindet, wird schnell klar: es handelt sich bei diesem Roman leider auch wieder nur um einen historischen Liebesroman, dessen Beziehungskisten bald den spannenden Erfinderinnen-Plot unangenehm dominieren.

    Jede der weiblichen Figuren (es sind insgesamt fünf Stück) angelt sich nach und nach einen Mann. Die Liebesgeschichten sind nett gemacht aber leider nichts Besonderes, der Roman folgt hier einem 08/15-Schema und reiht sich ein in eine auf historisch getrimmte Dutzendware. Schade, denn das Thema Erfindung und gerade die auf dem Klappentext propagierte Einführung des BHs in den Alltag verkommt mehr und mehr zu einer Randerscheinung.

    Die historische Einordnung kann ich nicht wirklich einschätzen, ich bin überfragt, ob die BH-Erfinderin und die Melitta-Erfinderin in der Realität überhaupt Kontakt hatten oder ob das Ganze nur Fiktion und künstlerische Freiheit der Autorin ist. Das Nachwort jedenfalls gibt darüber nichts preis und wer Wert legt auf historische Genauigkeit, wird hier möglicherweise auch enttäuscht werden.

    Der Roman liest sich gut und eingängig, ist leicht und man muss nicht viel denken. Einzig ein Namensverzeichnis hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, denn aufgrund gerade der Fülle an Frauenfiguren kommt der Leser leicht durcheinander.

    Insgesamt sollte man keine allzu großen Erwartungen haben an die Geschichte, denn etwas bahnbrechend Neues oder besonderes ist sie nicht. Es ist einfach eine nette Lektüre für zwischendurch, die aber auch schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwunden sein wird.
    NaturWERKSTATT Family

    Dorothea Hamm
    NaturWERKSTATT Family (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.02.2026

    50 Ideen zum Basteln mit Naturmaterialien für Kinder und Erwachsene

    Buchinhalt:

    50 Bastelideen mit Materialien aus der Natur richten sich vorwiegend an Familien mit Kindern: die Kreativprojekte sind nach Jahreszeiten gegliedert und vereinen Spiel, Bewegung an der frischen Luft und familiäres Miteinander mit Feinmotorik und künstlerischer Gestaltung. Der Clou: alle Materialien können bei einem Feld- oder Waldspaziergang selbst gesammelt werden und verwandeln sich zuhause in kleine Kunstwerke.


    Persönlicher Eindruck:

    Wer das vierteljährlich erscheinende Magazin NaturWerkstatt aus dem BLOOM'S-Verlag kennt, weiß um die ausführlichen und floristisch hochwertigen Kreativprojekte für Erwachsene, die aus Funden aus der Natur Kränze, Dekorationen und Gestecke entstehen lassen. In dieser Tradition ist nun „NaturWerkstatt Family“ erschienen, eine Buchausgabe, die sich vorwiegend an Familien mit Kindern richtet und deren Anleitungen auch von kleinen Naturkünstlern ausgeführt werden können.

    Dabei sind die insgesamt 50 Bastelideen mit Naturmaterialien nach den Jahreszeiten gegliedert. Schwebende Zwiebelpflanzen oder blumige Traumfänger im Frühling wechseln sich ab mit Blumenkränzen und natürlichen Schmuckstücken im Sommer, ästhetischen Windlichtern oder niedlichen Anhängern aus den Früchten des Herbstes bis hin zu stimmungsvollen Weihnachtsdekorationen im Landhausstil.

    Allen Ideen ist gemeinsam: sie sind gut bebildert. Materiallisten und Schritt-für-Schritt-Anleitungen machen es leicht, die einzelnen Dekorationen nachzuarbeiten und der einfache bis moderate Schwierigkeitsgrad überfordert auch die junge Zielgruppe nicht.

    Gut gefallen hat mir das harmonische Verhältnis von Text zu Bild, die Seiten sind nicht überfrachtet und machen Lust, selbst kreativ zu werden. Man braucht auch kaum Basismaterial wie Schnur, kleine Nägel oder Klebstoff, alles Weitere kann in der Natur gesammelt werden. Zudem fördert diese Art des Bastelns die Bewegung und den Aufenthalt in der Natur, das Gemeinschaftsgefühl und das soziale Miteinander – die Anleitungen eigenen sich neben der eigenen Familie auch prima für Kindergärten, den Hort oder die Jungschargruppe.

    Alles in allem ein rundum gelungenes Buch im bewährt fundierten Stil, den man von BLOOM'S gewöhnt ist und eine absolute Leseempfehlung, die sich angenehm aus der Masse der Kreativbücher heraushebt.
    Wo ist denn da der Unterschied?

    Wo ist denn da der Unterschied? (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.02.2026

    Inhaltlich enttäuschend: Vergleichsbegriffe teilweise unpassend und nicht erklärungsbedürftig.

    Buchinhalt:

    150 Begriffspaare aus Themengebieten wie Natur, Weltraum, Tierwelt, Pflanzen, Essen, Geschichte und vielen weiteren werden einander gegenübergestellt und deren Unterschiede erklärt. Als Kinderlexikon ab 8 Jahren bietet das Buch eine scheinbare Bandbreite an Wissensfragen, die schlau machen (sollen) – bunt und vielfältig aufbereitet und in hochwertiger Hardcoverausführung.


    Persönlicher Inhalt:

    Dieses bunte und vielfältige Kindersachbuch richtet sich an eine Zielgruppe ab 8 Jahren (2. bzw. 3. Grundschulklasse). Das Prinzip: zwei Begriffe werden einander gegenübergestellt, die scheinbare „Begriffszwillinge“ sind, wie Alligator und Krokodil, Stern und Sonne, Gestein und Fossil. Kleine Begriffskästen erklären das Notwendigste und so eignet sich das Buch hervorragend zum Stöbern und Verweilen. Es ist kein Buch, das man in einer bestimmten Reihenfolge lesen müsste.

    Die haptische Gestaltung ist sehr gut, das Buch ist großformatig und hochwertig in der Verarbeitung, die Bilder bunt und detailliert. Herausgeber ist die DUDEN-Redaktion, was an sich schon ein Qualitätsmerkmal sein sollte – auch ein Kriterium für mich, nach diesem Buch zu greifen.

    Ein Großteil der im Buch befindlichen Begriffspaare sind auch zusammengehörende oder zumindest zusammenpassende Begriffe wie Wespe und Biene. Vor allem in den Themengebieten Weltraum und Tiere fand ich die Erklärungen spannend und lehrreich. Leider zieht sich dieser positive Ersteindruck nicht durch das gesamte Buch. Viele Begriffspaare sind keine solchen und die beiden verglichenen Dinge passen überhaupt nicht zusammen oder sind so banal, dass ich mich frage: muss man das einem 8Jährigen tatsächlich erklären? Beispiel: was ist der Unterschied zwischen Zwillingen und Drillingen (respektive Vierlingen und Fünflingen)? Was unterscheidet Fluss und See?

    Ein Kind ab 8 Jahren hatte in der Grundschule mindestens zwei Jahre Heimat- und Sachunterricht und dürfte normalerweise von der Hälfte dieses Buches absolut gelangweilt sein. Hinzu kommt: die Lebenswirklichkeit des Alltages wird hier komplett ausgeklammert. Ein Kapitel wie „Alltag“ gibt es nicht – was also ist der Unterschied zwischen Drogerie und Reformhaus? Zwischen Bäckerei und Backshop? Zwischen Kindergarten und Kinderkrippe? Zwischen Supermarkt und Discounter? Hier hätte man ansetzen können, weil das ist die Lebensrealität eines Schulkindes!

    Ich bin ehrlich gesagt enttäuscht und hatte mir weit mehr versprochen. Ein Leser aus der Zielgruppe ab 8 Jahren dürfte in der heutigen digitalen Gegenwart nicht so doof sein, wie es dieses Kindersachbuch suggeriert – und wenn es wirklich so ist und das Kind den Unterschied zwischen Einrad und Fahrrad nicht kennt, dann befürchte ich, wird auch dieses Buch nicht mehr helfen.

    Fazit: Enttäuschender Gesamteindruck und inhaltlich teilweise dermaßen banal – dafür würde ich keine 24 € ausgeben wollen!
    Das Haus in Charlottenburg

    Beate Sauer
    Das Haus in Charlottenburg (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.02.2026

    Spannender Roman um die Zustände in den Arbeitervierteln zur Kaiserzeit - lesenswert!

    Buchinhalt:

    Berlin gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Wohnsituation der Arbeiterfamilien in der Millionenstadt ist prekär, Mietskasernen prägen das Stadtbild der Elendsviertel. Mitten darin die junge Schneiderin Elise und ihre Familie. Aus ihrem alten Zuhause vertrieben fristen sie ein elendes Dasein, doch Widerspruch gegen die Obrigkeit ist verpönt und auch verboten. Als Elise den Architekten Johann kennen lernt, scheint sich das Blatt zu wenden – Johann und sein Freund, der Arzt Louis, wollen ein Genossenschaftshaus bauen, in dem menschenwürdiges Leben auch für die unteren Schichten möglich ist. Doch sie haben die Rechnung nicht mit der kaltherzigen Baronin Leonora gemacht.....


    Persönlicher Eindruck:

    Deutschland zur Kaiserzeit ist Schauplatz dieses spannenden historischen Romans. In Berlin wachsen die Mietskasernen im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung, Spekulanten und Immobilienhaie verdienen sich am Elend der Arbeiter eine goldene Nase. In dieser Gemengelage leben Elise und ihre Familie, ständig in Angst, ihr Vermieter könnte sie an die Luft setzen. Trotzdem hat Elise Träume, an denen sie festhält: eine Ausbildung im Modeatelier Rosenbaum, wo die oberen Zehntausend ihre Kleidung nähen lassen, eine bessere Wohnung für sich und ihre Lieben.

    Autorin Sauer beschreibt die historischen Begebenheiten nachvollziehbar und bildhaft, als Leser taucht man schon nach wenigen Seiten in die Welt kurz vor der Jahrhundertwende ein. Villen und Elendsviertel liegen nahe beieinander und man fiebert und leidet sofort mit den Figuren mit.

    Als mit Architekt Johann und Arzt Louis zwei Männer in Elises Leben treten, entspinnt sich zur historischen Geschichte auch eine zarte Romanze, die den historischen Teil aber nie dominiert und sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt. Zudem spielen Intrigen und unlautere Machenschaften zunehmend eine Rolle, denn Zentrum der Geschichte soll schließlich das Genossenschaftshaus sein, das die beiden Männer bauen wollen. Zum Verdruss der adligen Immobilienspekulantin Leonora, die nichts unversucht lässt, ihren eigenen Vorteil geltend zu machen – und dabei sogar über Leichen geht.

    Mir hat die Geschichte, die übrigens in einem Band abgeschlossen und kein Teil einer Reihe ist, sehr gefallen. Hatte ich einmal mit Lesen angefangen, fiel es mir sehr schwer, das Buch wieder beiseite zu legen. Der Spannungsbogen steigert sich kontinuierlich und mündet gegen Ende in einem fulminanten Showdown, der alles bisherige noch einmal in Frage stellt. Auch die Nebenhandlungen um Elises Geschwister oder die Handlungsfäden, die das Leben der einfachen Bevölkerung thematisieren, die katastrophalen Lebensumstände der Ärmsten, machen ein rundes Bild von den Zuständen und vom Denken in dieser Zeit.

    Der Schluss ist angenehm stimmig, wenn auch in einigen Teilen etwas schnell, doch das soll kein großer Kritikpunkt sein – es ist eben ein Einzelband. Interessant ist auch das Nachwort, in dem die Autorin Wirklichkeit und Fiktion einander gegenüber stellt.

    Alles in allem ein spannender und mitreißender Roman aus der deutschen Kaiserzeit, den ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann!
    Sag, wo mag die Erbin sein?

    Karen Witemeyer
    Sag, wo mag die Erbin sein? (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.02.2026

    Ein Lesehighlight - mit einigen Schwächen. Dennoch ein typischer "Witemeyer". Hat mir sehr gefallen!

    Buchinhalt:

    Texas, 1896: Scarlett Radcliffe ist einzige Erbin eines Familienunternehmens – doch bis das Kind volljährig ist, ist ihr brutaler Onkel der Vormund. Dieser zögert nicht, nach Scarletts Leben zu trachten, so dass das Mädchen fortan bei ihrer Großmutter in den Wäldern versteckt wird, wo sie als Letty Hood aufwächst und eine unbeschwerte Jugend verlebt. Kurz vor ihrem 21. Geburtstag erhält der Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael den Auftrag, Letty zu ihrer Mutter zurückzubringen – mit ungeahnten Folgen....


    Persönlicher Eindruck:

    Karen Witemmeyer ist immer ein Garant für spannende Geschichten aus der Zeit des Wilden Westens, von Farmen und Ranches, von Cowboys und hier eben von den Pinkerton-Detektiven. So nimmt es nicht Wunder, dass mich auch dieser Roman nicht losgelassen hat und ich ihn in zwei Nächsten nahezu verschlugen habe.

    Es geht um Scarlett, genannt Letty, die versteckt in den Wäldern von Texas ihren 21. Geburtstag abwartet, um dann ein Testament zu unterschreiben, das ihrem Onkel den Zugriff auf das Firmenvermögen der Familie verwehrt – doch viel lieber streift Letty mit ihrem Wolfshund und ihrem Pferd durch die Wälder. Pinkerton-Detektiv Philip Carmichael hat den Auftrag, Letty nach Houston zu bringen und die Reise der beiden gestaltet sich zunehmend schwer – auf Lettys Kopf ist ein Kopfgeld ausgesetzt und kein Geringerer als ihr Onkel trachtet nach Lettys Leben.

    Ein Roman wie ein Film! Ein durchgängiger Spannungsbogen nimmt den Leser mit in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in die Weiten von Texas. Letty und Philip, aber auch die anderen Figuren, sind sehr gut ausgearbeitet und haben Profil. Anders der gefürchtete Onkel – dieser ist eher eine graue Eminenz, die wie ein Damoklesschwert über allem schwebt und bleibt die ganze Geschichte lang weitgehend im Dunklen.

    Der christliche Aspekt des Romans ist deutlich aber unaufdringlich in die Handlung eingewoben und behandelt Themen wie Gottvertrauen und Nächstenliebe. Die glaubhafte Frömmigkeit der Figuren gibt ein gutes Bild von ihrer Einstellung zum Leben und die sachte eingestreuten Bibelzitate untermauern diese. Natürlich entspinnt sich zwischen den beiden Hauptfiguren eine zarte Romanze, die in einem Happy End mündet – das werde ich wohl nicht zu viel verraten.

    Dennoch hat der Roman einige Schwächen, die das Lesevergnügen zwar nicht trüben, dennoch aber nicht unerwähnt bleiben sollen. Das vorliegende Buch ist das dritte in der Texas Ever After-Serie und basiert auf einer modernen Interpretation des Märchens Rotkäppchen. Natürlich sind Parallelen dann gewollt, wirken aber oft künstlich. So zum Beispiel Lettys roter Kapuzenumhang, der in meinen Augen reichlich deplatziert wirkt, wenn man auf der Flucht nicht auffallen möchte oder auch die Märchenassoziation „Hood“ (Red Riding Hood) , „Drake“ (Onkel = der Drache) oder die durch Dornenhecken abgeschirmte „Burg“ eben dieses Onkels: das wirkt alles ein bisschen zu sehr aufgesetzt. Zudem gesundet Philip viel zu schnell wieder von seinem Schüttelfrost und auch die Witwe, die die beiden in ihrer Hütte übernachten lässt, ist ein bisschen arg viel Zufall. Am meisten gestört hat mich aber die Sammlung mittelalterlicher Geräte in der „Burg“ des Onkels. In den USA gab es kein Mittelalter wie in der Alten Welt, die Guillotine und die erwähnten Ritterrüstungen passen zwar zur Märchenkulisse, sind aber wenig glaubhaft insofern, dass Drake Ratcliffe diese alle mit dem Schiff in die Neue Welt hätte schaffen müssen – das halte ich im 19. Jahrhundert doch zu unglaubwürdig.

    Insgesamt ist der Roman aber eine Leseempfehlung, die nicht sehr unter seinen Schwächen leidet und auf jeden Fall bei all denen punktet, die historische Romane abseits des Mainstreams und mit christlichen Grundtönen zu schätzen wissen!
    Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz

    Kathrin Lena Orso
    Mein Seepferdchenhof 1. Wilde Flosse, großes Herz (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.01.2026

    Niediches Pferdeabenteuer unter Wasser - mit bezaubernden Bildern.

    Buchinhalt:

    Das Meermädchen Elli ist traurig: wegen einer Verletzung muss sie einen Gips tragen und kann nicht mit ihrem Wasserballteam zum Turnier. Auch ihre beste Freundin Mona wendet sich von ihr ab. Elli begleitet ihren Klassenkameraden Maris auf den Seepferdehof seiner Familie, wo sie Stormi kennenlernt, ein traumatisiertes Rennseepferdchen, das niemanden an sich ran lässt. Durch Ellis behutsame Art fasst Stormi Vertrauen und lässt Elli schließlich sogar auf seinem Rücken reiten. Ein unbeschreibliches Gefühl! Doch was ist, wenn Stormis Besitzer ihn wieder zurück holen will...?


    Persönlicher Eindruck:

    Mein Seepferdchenhof ist eine neue Kinderbuchreihe für kleine Leser ab 6 Jahren, begeistert aber auch ältere und erwachsene Leser durch die bezaubernden Illustrationen und die warmherzige, liebevolle Geschichte.

    Neu daran ist, dass die beliebte Reiterhofthematik, die vor allem bei kleinen Leserinnen der Zielgruppe seit Jahrzehnten ungebrochen beliebt ist, hier in eine Unterwasserwelt und zu den Meermenschen übertragen wurde. Hauptfigur ist die kleine Meerjungfrau Elli, die sofort Identifikationspotential beim Leser erzeugt. Denn Ellis Alltag im Meer erscheint gar nicht so fremdartig sondern ist dem, was die junge Leserschaft kennt, sehr ähnlich. Ellis Eltern betreiben einen Lebensmittelladen, Elli geht in die Schule, spielt im Wasserballteam und wünscht sich nichts sehnlicher, als ein eigenes Haustier.

    Die Freundschaft zu Maris, einem Jungen aus ihrer Klasse, und der Unfall, der sie zur Spielpause zwingt, bringt Elli schließlich auf den Seepferdchenhof und mit dem Pferdethema in Berührung. Hier steht nunmehr Stormi im Mittelpunkt, ein Rennseepferdchen, das das Vertrauen in die Meermenschen verloren hat, weil es von seinem Besitzer schlecht behandelt wurde.

    Themen wie Ablehnung und Ausgrenzung durch die beste Freundin, Tierliebe und natürlich Reiten und (See-)Pferde sind das große Thema, es geht aber auch um Verzeihen und Vertragen und vor allem natürlich Freundschaft, so dass sich die Lektüre thematisch mit den großen Fragen der jungen Zielgruppe befasst.

    Ein paar Dinge gingen mir einfach zu schnell, wie die Versöhnung mit Mona, bei der ich das Gefühl hatte, dass die Zurücksetzung von Elli als Freundin und deren Gefühle einfach zu schnell abgehandelt und nicht recht ernst genommen wurden. Auch fanden sich (was gerade bei Erstlesern problematisch ist) mehrere durch Bindestrich getrennte Komposita (zusammengesetzte Wörter) in den ersten Kapiteln, wobei die gültige Rechtschreibung dieses nur in der Leichten Sprache vorsieht (das Buch ist nicht in Leichter Sprache verfasst!). Doch das sind nur Kleinigkeiten, denn das Buch punktet eindeutig mit den niedlichen, bunten Bildern und der Pferdehofgeschichte, so dass sie in meiner Bewertung auch nicht weiter zum Tragen kommen.

    Eine absolute Empfehlung, nicht nur für pferdeverrückte Mädchen!
    Wo der Himmel uns berührt

    Tracie Peterson
    Wo der Himmel uns berührt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.01.2026

    Warmherzige, zunehmend spannende Geschichte aus der späten Westernzeit. Empfehlenswert!

    Buchinhalt:

    New Mexico, USA um 1916: Nach dem Tod ihrer Eltern schlägt sich die junge Cassie alleine durch. Mit Näharbeiten verdient sie ihren Lebensunterhalt, doch ein Unfall zwingt sie zur Untätigkeit. Eine neue Aufgabe bringt Farbe in ihr Leben und mit Brandon trittt ein Mann in dieses, der ihr jeden Wunsch von der Augen abliest. Brandon arbeitet bei der Santa Fe Eisenbahngesellschaft, auf deren Gleise zunehmend Sabotageakte verübt werden. Man verdächtigt den Gangster Pancho Villa, doch mit der Zeit haben die Eisenbahner jemand ganz anderen auf dem Schirm – und Cassie gerät in Gefahr. Werden sie und Brandon schließlich doch noch zueinander finden? Geheimnisse aus der Vergangenheit machen dies nicht unbedingt einfacher....


    Persönlicher Eindruck:

    Der Roman, den ich als Spätwestern bezeichnen würde, hat mir wirklich gut gefallen – es ist, wie einen Film zu sehen, denn dieser läuft bei der Lektüre vor dem inneren Auge des Lesers ab. Peterson vermag es vortrefflich, Bilder und ein Setting lebendig zu machen, wie es sonst auch Karen Witemmeyer oder Jody Hedlund können.

    Hauptfigur ist Cassie, die Tochter eines Lokführers. Nach dem Tod der Eltern verdingt sie sich als Schneiderin und ist auch so sehr beliebt in dem kleinen Ort. Als sie stüzt und sich die Hand bricht, muss sie sich erst einmal von ihren Träumen verabschieden, erhält jedoch aus Kirchengemeinde und von den mexikanischen Bahnarbeitern unerwartete Hilfe, so dass sich die Gewitterwolken in ihrem Leben schnell wieder verziehen.

    Der männliche Gegenpart ist Brandon DuBarko, der einst wie ein Sohn für Cassies Vater war und diesem versprach, auf Cassie fortan aufzupassen. Eine zarte Romanze entspinnt sich, doch Brandon trägt schwer an einer Schuld aus der Vergangenheit....

    Die christliche Komponente der Geschichte ist dezent in das Leben der Figuren eingeflochten, sie erzählt von Schuld und Vergebung, von Nächstenliebe und von Erlösung. Alles in allem authentisch und unaufdringlich, aber klar in Worten und mit überzeugender Botschaft.

    Die Handlung der Geschichte ist relativ linear und ohne viele Rückblenden, im Verlauf der Handlung wird die Geschichte sehr spannend und der Spannungsbogen gesteigert. Man erfährt auch viel über die damalige Lebensweise am Vortag des Ersten Weltkrieges und dessen Einfluss auf die USA, wobei New Mexico noch immer in den Schuhen des Wilden Westens steckt und Viehdiebe, Eisenbahnüberfälle und Cowboys das Bild prägen.

    Insgesamt eine authentische, sehr lesenswerte Geschichte mit Niveau, fernab vom flachen Mainstream. Ein historischer Roman mit sympathischen, warmherzigen Figuren, die das beginnende 20. Jahrhundert lebendig werden lassen.

    Eine absolute Leseempfehlung!
    Eine vergessene Schuld

    Arne Jensen
    Eine vergessene Schuld (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    22.01.2026

    Langatmige, zähe Mischung aus historischem Stoff und Kriminalfall. Konnte mich leider nicht überzeugen.

    Buchinhalt:

    Auf den pensionierten Richter Heppner wird kurz vor einem TV-Auftritt ein Anschlag verübt. Polizei und BKA nehmen Ermittlungen auf, denn Heppner ist in der Szene kein Unbekannter – mit radikalen Äußerungen zum Thema Fahnenflucht und Kriegsdienstverweigerung ist er bereits schon öfter aufgefallen. Nach und nach werden Verbindungen zu einem Urteil von 1944 offenbar, bei dem zwei Deserteure wenige Tage nach Kriegsende noch zum Tode durch Erschießen verurteilt wurden....


    Persönlicher Eindruck:

    In einer Mischung aus historischem Roman aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und einem Gegenwartskrimi widmet sich Autor Jensen dem Thema Schuld, Kriegsdienstverweigerung und Fahnenflucht. Dabei begibt sich der Leser auf zwei Zeitsträngen einmal in die NS-Zeit, in der der halbjüdische Raimund Bach sich unerlaubt von der Truppe entfernt und mit Hilfe des holländischen Widerstandes lange Zeit versteckt sowie in die Gegenwart, in der der ehemalige Verfassungsrichter Heppner durch provokante Äußerungen Aktivisten und Ermittlungsbehörden gleichermaßen auf sich aufmerksam werden lässt.

    Zweifelsohne ist der historische Teil gut recherchiert und nimmt kein Blatt vor den Mund, was die Grausamkeiten des NS-Regimes, das Schicksal jüdischer Familien und die Situation des Soldaten als Individuum angeht. Mir persönlich gefiel die historische Erzählung recht gut und war für mich ein authentischer Einblick in ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte.

    Die Gegenwartshandlung hingegen überzeugte mich nicht. Gerade in den Krimipassagen empfand ich den Schreibstil als extrem schwafelig und sich ergehend in zahllosen, für die Handlung völlig unerheblichen Details. Die Figuren blieben für mich bis zum Ende unnahbar und vage, auch wenn der verschrobene Kommissar, der ein bisschen aus der Zeit gefallen schien, Potential gehabt hätte, ein neuer Schimanski zu werden. Bei der Polizeipsychologin Jasina, eine aus Syrien geflohene Profilerin, störte mich, dass sie die für ihren Beruf nötige Distanz zu Verdächtigen und Zeugen im Laufe der Geschichte völlig vermissen ließ. Das ist so nicht glaubwürdig und hätte in der Realität den Abzug der besagten Person vom Fall zur Folge, während im Roman der fragwürdige Hauptzeuge bzw. das Opfer (Heppner) schließlich sogar noch aktiv in Jasinas persönliche Geschichte eingreift. Das ist reine Fiktion, tut mir leid.

    Völlig außer Frage steht für mich das Ende, das ich hier aus Spoilergründen selbstverständlich nicht verrate. Aber so viel: der Arm eines pensionierten Richters aus Deutschland reicht garantiert nicht bis in Assads autoritäres Regime. Das war für mich völlig an den Haaren herbei gezogen.

    Was mich am meisten gestört hat an dem Buch: es macht viel zu wenig den Unterschied zwischen Kriegsdienstverweigerung (kein Soldat zu werden) und Desertation (ein Soldat begeht im Nachhnein Fahnenflucht) deutlich. Denn in meinen Augen ist beides nicht dasselbe und gehört auch unterschiedlich bewertet. Die Passagen über Syrien und den Flüchtlingshintergrund von Jasina waren völlig ohne Belang für die Gesamthandlung und nur ein Beispiel dafür, dass die Geschichte auf viel zu vielen Hochzeiten tanzen wollte.

    Letztendlich blieb der Roman leider vollkommen hinter meinen Erwartungen zurück. Für mich fehlten Spannung, Spritzigkeit und Dynamik, der Plot war in meinen Augen zäh und driftete zu häufig in salbungsvolles Geschwafel ab. So war Eine vergessene Schuld für mich letztlich eher enttäuschend und wird wohl auch nicht länger im Gedächtnis haften bleiben.
    Pleiten, Pech und Papa

    Kristina Hortenbach
    Pleiten, Pech und Papa (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.01.2026

    Was zunächst lustig klingt, läuft sich leider schnell tot - lahme Gags und viel Gejammer

    Buchinhalt:

    Ein Hochwasser zwingt den Vater der Apothekerin Carmen, sich kurzfristig bei seiner Tochter einzumieten. Mit Sack und Pack steht Heinz vor Carmens Türe und bringt deren Leben - und sein eigenes – gehörig durcheinander. Denn der 83Jährige ist ein Schlitzohr und hat es faustdick hinter den Ohren. Über ein altes Telefonverzeichnis nimmt Heinz Kontakt zu Hilde auf, seiner Jugendliebe, die dann auch noch auf der Matte steht. Wird Heinz sein Zuhause zurückbekommen und auch bei Hilde eine zweite Chance?


    Persönlicher Eindruck:

    Was zunächst wie ein heiterer Familienroman klingt, macht auch zunächst richtig Spaß: der Papa, der in der (Hochwasser-)Not bei seiner Tochter und deren Lebensgefährten unterkommt und mit seinem Faible für Tiefkühlkost und Excel-Listen deren Leben gehörig durcheinander wirbelt, trifft per Zufall auf seine Jugendliebe. Wer wird da nicht neugierig?

    Papa Heinz ist ein heller Kopf, fühlt sich mit seinen 83 Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehörig und bringt so manch andere Meinung und frischen Wind in die zugegebenermaßen hochgestochene Beziehung zwischen Tochter Carmen und Frank, einem Psychologen. Heinz war mir sofort sympathisch, seine Ideen pfiffig und mit einem wahren Kern hinter all seinen Schrulligkeiten. Wer mir bis zum Schluss unsympathisch war: Carmen, die ältere der beiden Töchter.

    Während Paloma, die jüngere, trotz eigener Familie mit zwei anstrengenden Kindern selber anpackt auf der Hochwasserbaustelle, jammert Carmen tagein, tagaus über alles und jeden. Papa Heinz kann es ihr gar nicht recht machen – sie hat sich ihre Meinung doch schon längst gebildet und will ihn abschieben – sei es nun ins Altersheim oder auch der gutmütigen Hilde aufdrücken, die verwitwet in einem eigenen Häuschen lebt. Nur halt weit weg soll es sein, damit keiner auf die Idee käme, Carmen müsste für ihren Vater auch nur einen Finger rühren. Auch als Carmen ihren Job in der Apotheke kündigt und im Grunde keinerlei Verpflichtungen mehr hat, verwirklicht sie sich lieber beim Yogakurs ihrer Freundin, als mal tatkräftig in die Hände zu spucken und mit anzupacken.

    Natürlich ist vieles überspitzt dargestellt, wie Heinz' Bofrost-Faible oder auch der plötzliche Einzug von Hilde. Dieser scheint mir reichlich unglaubhaft, denn im Grunde sind Hilde und Heinz sich inzwischen völlig fremd und der Kontakt würde sich in der Realität so nicht gestalten. Leider laufen sich die Gags nach etwa der Hälfte tot und man hat als Leser das Gefühl, immer wieder das Gleiche in neuen Tassen aufgewärmt vorgesetzt zu bekommen.

    Was klingt, wie eine Mischung aus „Urlaub mit Papa“ von Dora Heldt (der hieß übrigens auch Heinz, ein Schelm, der Böses dabei denkt) und Sketchen von Dieter Hallervorden, ist ein relativ seichter Unterhaltungsroman, bei dem man nicht viel denken muss. Allerdings scheint vieles auch sehr aufgebauscht, denn vergleicht man die Dauerkrise aus dem Ahrtal der Realität mit Vater Heinz' abgesoffenem Keller, kann dieser nach zwei Wochen schon wieder bewohnt werden, also war wohl doch alles weniger schlimm, als gedacht.

    Letztendlich hat mich der Roman enttäuscht und auch zunehmend gelangweilt, witzig fand ich das Ganze nur zu Beginn. Leider konnte mich der Humor nicht längerfristig erreichen und so wird die Geschichte auch im Nu wieder aus dem Gedächtnis verwunden sein, leider.

    Zwischen den Welten

    Annie Betram
    Zwischen den Welten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    10.01.2026

    Beeindruckende Fotos aber schlechtes Lektorat - schade bei der Qualität

    Buchinhalt:

    In beeindruckenden Bildern nimmt die Kunstfotografin Bertram den Leser mit zu sogenannten Lost Places, verfallenen Herrenhäusern, Palazzi, Villen, aufgegebenen Kliniken und Kirchen bis hin zu Industrieruinen, deren morbider Charme eingefangen wird und deren architektonische Details sie gekonnt in Szene setzt. Wer mag dort wohl einst gelebt haben? Was ging in den Menschen vor, die Patienten waren in den alten Psychiatrien? Natürlich ist ein gewisses Maß an Grusel erwünscht und beim Betrachten konkurrieren vergangene Schönheit und schauriges Element vor dem inneren Auge des Lesers.


    Persönlicher Eindruck:

    Dies ist nicht mein erstes Buch, das sich mit sogenannten „Lost Places“ beschäftigt. Umso mehr hat mich die hochwertige Aufmachung des Bildbandes beeindruckt, dem sich der Leser wahrlich nicht entziehen kann. Die Kunstfotografin Betram (ich habe leider nirgends einen Hinweis gefunden, ob nun autodidakt oder tatsächlich vom Fach) versteht, was sie tut. Auf den Bildern fängt sie die morbide Schönheit alter Villen und Herrenhäuser, verlassener Kirchen und Kliniken ein und gibt einen vagen Hinweis darauf, wie die Gebäude ursprünglich ausgesehen und in welcher Pracht sie teilweise erstrahlt sein müssen.

    Die Fotos sind hochwertig und professionell, keine Frage. Leider kann ich das vom Lektorat / Korrektorat nicht behaupten. Obwohl eine Frau Theobald als Lektorin genannt wurde, strotzt das Buch in den erläuternden Texten vor Schreibfehlern, grammatikalischen Fehlern und falsch geschriebenen Jahreszahlen. „Der Kampf des Erzengel Gabriels“ statt „Der Kampf des Erzengels Gabriel“, „Baalsaal“ (mehrfach!) statt „Ballsaal“, konsequent „1930ger Jahre“ statt „1930er Jahre“, von zahlreichen einfachen Tippfehlern ganz zu schweigen. Und auch wenn nach neuer Rechtschreibung von 1998 der Buchstabe ß an vielen Stellen zu einem Doppel-s wurde, gilt das noch lange nicht für überall. Letztendlich findet man den „Deppen-Apostroph (man verzeihe mir den Ausdruck) dann im Nachwort auch noch zwei Mal.

    Vor dem Veröffentlichen eines wirklich qualitativ so hochwertigen Werkes sollte einfach eine professionelle Endkontrolle erfolgen, das war hier offensichtlich nicht der Fall.

    Von der äußeren Aufmachung und der Qualität der Materialien ist der Bildband top und spielt ganz vorne mit, doch besagte Mängel trüben die Freude all derer, denen es mit spektakulären Fotos alleine nicht getan ist und die sich von Begleittexten einen Mehrwert erwarten.

    Insgesamt ist Italien bei dem Potpourri an verlassenen Orten am meisten vertreten, andere Orte in Europa oder besonders Deutschland eher spärlich.

    Mein Fazit: wer sich für Lost Places interessiert und auch über die Ländergrenzen Deutschlands hinaus verlassene Orte kennenlernen möchte und sehen möchte, wie die Natur sich teilweise den menschengemachten Raum zurück erobert, liegt hier sicher nicht falsch, sollte aber bei einem Kaufpreis von 20 € bereit sein, über gewisse Mängel hinweg zu sehen.
    Stille Nacht

    Titus Müller
    Stille Nacht (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.12.2025

    Schöne Erzählung rund um das bekannteste Weihnachtslied der Welt

    Buchinhalt:

    Stille Nacht, das wohl bekannteste Weihnachtslied der Welt, erklang 1818 zum ersten Mal. Der Verfasser ist der Pfarrer Joseph Mohr, der Komponist der Melodie Franz Gruber. Und das Lied sollte später in allen Teilen der Welt gespielt werden – bis heute. Doch wie ist Stille Nacht genau entstanden, wer war dieser Pfarrer? Dem geht diese Kurzerzählung nach.


    Persönlicher Eindruck:

    Das wohl bekannteste Weihnachtslied überhaupt hat seinen Ursprung in Österreich: Hilfspfarrer Mohr schrieb am Anfang des 19. Jahrhunderts ein Gedicht mit acht Strophen, das heute den Text stellt zur Melodie von Franz Gruber. Doch die meisten Menschen werden Mohr nicht kennen – wer war dieser Mann, der sich mit dem Lied bis heute unsterblich machte?

    Die Erzählung in ihrer Neuauflage (sie ist vor Jahren bereits in einem chroistlich geprägten Verlagshaus erstveröffentlicht worden) kommt als kleines Hardcover mit edlem Golddruck auf dem Cover daher. Mir hat die Geschichte gut gefallen, sie ist berührend und führt den Leser in die Zeit um 1818, nimmt ihn mit in das Leben des unscheinbaren Pfarrers. Die Erzählung ist kurz, aber gefühlvoll – ich wäre gerne noch viel detaillierter eingetaucht in diese historische Geschichte.

    Mohr ist ein Kümmerer, kein gewöhnlicher Pfarrer. Was er sagt, ist seine Überzeugung – und die Musik ist seine Leidenschaft. Dass er zusammen mit seinem Freund Gruber ein so berührendes Weihnachtslied in die Welt hinaus schickt, ist ihm erst bewusst, als es bei seiner Erstaufführung die Menschen bewegt. Und das bis heute – kein Weihnachtslied hat meines Erachtens diese Tiefe und allumfassende Fülle der Heiligen Nacht als solcher.

    In der vorliegenden Ausgabe eignet sich das Büchlein wunderbar auch als Geschenk zum Christfest oder auch als Mitbringsel zum Krankenbesuch in der Weihnachtszeit. Das Format ist kleiner als bei einem herkömmlichen Buch, liegt aber wunderbar in der Hand. Eine gute Idee, den Kurzroman neu aufzulegen – zumal in einem säkularen Verlag und dadurch wohl einer breiteren Leserschaft zugänglich als noch bei der Erstausgabe.
    Die Welt in unseren Händen

    Emily Walton
    Die Welt in unseren Händen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    14.12.2025

    Teilweise unglaubhafte Ferienlagerromantik in durchweg linearer Handlung - dennoch nicht unspannend.

    Buchinhalt:

    England in den 1940er Jahren: um ihrem tristen Alltag zu entfliehen und um ihr Leben in ihre eigenen Hände nehmen zu können meldet sich die junge June bei der Frauenhilfsorganisation der englischen Luftstreitkräfte. Ohne größere Bildung und Kenntnis gelangt die junge Frau vom anfänglichen Ausbildungslager schließlich ins ferne Kairo, wo sie den Fotografen Ken kennen und lieben lernt....


    Persönlicher Eindruck:

    Autorin Walton verarbeitet die Erinnerungen ihrer eigenen Großmutter, die im zweiten Weltkrieg ebenfalls beim WAAF diente, in diesem halbbiografischen Roman. Hauptfigur June verkörpert dabei die Großmutter, dennoch ist auch viel Fiktion dabei. Man taucht als Leser ein in einen keineswegs unspannenden historischen Roman, der eine rein lineare Handlung aufweist – etwaige Nebenhandlungsstränge oder andere Perspektiven gibt es keine und so ist die Lektüre sehr einfach gestrickt und liest sich mehr als leicht.

    June stammt aus einem ärmlichen Viertel Londons, die Mutter ist früh gestorben, der Vater ist Alkoholiker. June muss schon sehr früh als Haushaltshilfe arbeiten, wird vom Vater ausgebeutet und flieht schließlich in den Dienst der Royal Air Force, wo sie sich für die Frauenhilfsorganisation freiwillig meldet. Der Drill ist hart, doch June findet schnell Freundinnen.

    Der Großteil des Romans spielt sich also beim Militär ab und obwohl June keinerlei Bildung hat (ein nicht zu Ende gebrachter Schreibmaschinenkurs ist alles, was sie mitbringt) beißt sie sich durch. Gerade hier finde ich manches relativ unglaubhaft, denn auch bei dem Männermangel, verursacht durch den Krieg, werden die britischen Streitkräfte keine ungebildeten Personen an die Stellen geschickt haben, an denen sich June alsbald wiederfindet.

    Die Autorin verkauft June als relativen Tausendsassa, diese lernt im Nullkommanichts sogar Autos zu reparieren und im fernen Kairo findet sich das unbedarfte Mädchen schneller zurecht, als man es für möglich halten sollte.

    Keine Frage, der Plot, in dem es darum geht, als Frau einen eigenen Weg zu gehen, ist spannend und man klebt förmlich an den Seiten. Dennoch kommen mir die Erinnerungen der Großmutter der Autorin, die ja die Basis der Erzählung bilden, reichlich glorifiziert und geschönt vor. Das Kriegsgeschehen ist überall nur Randerscheinung und Kulisse, wirklich Bomben fallen und Kugeln pfeifen hört June weder in England noch im Nahen Osten.

    Die Liebesgeschichte, in der die Geschichte mündet, ist intensiv aber von kurzer Dauer, die Wende am Schluss fand ich zu schnell abgehandelt und June fühlt sich davon überhaupt nicht berührt. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber gerade hier hätte ich mir etwas mehr Emotion von der Hauptfigur gewünscht.

    Was am Ende aus June wird, als der Krieg aus ist, erfährt man nicht, allerdings ist auch der Klappentext fehlerhaft. Das „letzte Wiedersehen“ suggeriert den Tod der Großmutter, diese stirbt aber nicht und das Ende ist relativ offen.

    Alles in allem fand ich die Ferienlagerromantik, die die Autorin im Leben ihrer Romanfigur bei den Streitkräften beschreibt, wenig authentisch, denn man hat das Gefühl, hier ist ein Mädchen bei den Pfadfindern und nicht beim Militär – June ist für den WAAF nur ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe und nicht die patente Schlüsselfigur, als die sie hier hochstilisiert wird, tut mir leid.
    Biome der Meere

    Juliana Aschwanden-Vilaça
    Biome der Meere (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.12.2025

    Schön illustriertes Naturbuch über die Lebensräume in und an den Meeren. Gefällt mir sehr gut!

    Buchinhalt:

    Unsere Meere sind voller unterschiedlicher Lebensräume – Säugetiere und Fische, Wirbeltiere und Wirbellose geben sich darin ein Stelldichein und viele sind uns bis heute völlig unbekannt. Die Grenzen zwischen den verschiedenen Ökosystemen ist fließend, so dass man nicht nur das Leben unter der Oberfläche betrachten darf sondern auch die Küsten und oberirdischen Lebensräume mit einbezogen werden. Es gibt viel zu entdecken!


    Persönlicher Eindruck:

    Biome sind Lebensräume, die sich aus Ökosystemen zusammensetzen. Mir war ehrlich gesagt der Begriff „Biom“ vorher gänzlich unbekannt, so dass ich ihn erst googeln musste. Aber ob man jetzt von Lebensräumen spricht oder von Biomen, ist im Grunde nebensächlich – das Buch ist eine farbenprächtige Sammlung des Lebens in und an den Ozeanen dieser Erde.

    Es ist ein illustriertes Naturbuch, kein Bildband mit Fotos. Gerade das macht dieses Buch so einzigartig: die harmonische Farbgestaltung zeigt, wie bunt und vielfältig die Natur doch ist und wie vielfältig das Leben unter und über dem Wasser ist. Die Bilder sind großartig und laden kleine und große Leser immer wieder zum Schmökern ein, wirken nie überladen und lenken den Blick des Lesers immer auf das Wesentliche.

    Verlagsseitig ist das Buch ab 10 Jahren empfohlen und somit ein Kindersachbuch, wohingegen ich das Buch ebenso für eine erwachsene Leserschaft sehen würde. Gegen die reine Altersempfehlung spricht vielleicht genau der Titel: kein Zehnjähriger wird mit dem Begriff „Biom“ etwas anfangen können und es bedarf bei der jungen Zielgruppe dann doch einiges an Erklärung.

    Sehr schön ist, dass der Text, obwohl fundiert und sehr lehrreich, die Illustrationen nicht überlagert und in den Hintergrund rückt. Dieses Buch lebt von den Bildern, dennoch hätte ich mir an manchen Stellen einen etwas größeren Kontrast zwischen Text und Hintergrundfarbe gewünscht.

    Kritisieren muss ich leider das Material des Covers. Es ist edel und schön anzusehen, fühlt sich auch haptisch angenehm an. Jedoch hat das Cover keinerlei Schutzschicht und wird gerade in Kinderhänden schnell an Kanten und Ecken abgeschabt aussehen. Mit 27 € gehört das Buch ins höhere Preissegment und da enttäuscht mich die empfindliche Oberfläche durchaus. Die Seitten hingegen haben eine angenehme und langlebige Dicke.

    Inhaltlich ist das Buch top, eine absolute Buchempfehlung für alle Naturliebhaber ungeachtet des Lesealters – denn ich wette, kaum ein Leser hat vorher schon alle vorgestellten Tiere und deren Habitat gekannt.

    Fazit: Mit einigen kleinen Abstrichen ein gelungenes Buch, das mit seinem Inhalt und den schönen Illustrationen auf alle Fälle punktet!
    Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt

    Anne Jacobs
    Der Dorfladen - Wie das Schicksal spielt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.11.2025

    Authentische Familiengeschichte aus dem ländlichen Hessen Ende der 1920er Jahre

    Buchinhalt:

    1927 im Taunus: Dingelbach im ländlichen Hessen ist die Heimat von Marthe und ihren drei Töchtern Herta, Frieda und Ida. Die Familie betreibt den Dorfladen, Mittelpunkt des dörflichen Lebens und Zentrum von Klatsch und Tratsch. Während Frieda eine Theaterkarriere in Bochum anstrebt und Ida inzwischen aufs Gymnasium geht, bereitet Herta der Mutter Sorgen: Herta erwartet ein uneheliches Kind und wurde vom Kindsvater zudem sitzen gelassen. Doch auch andere Familien in Dingelbch haben ihr Päckchen zu tragen, wie die Familie des Bürgermeisters oder die Unternehmerin Ilse Goldstein....


    Persönlicher Eindruck:

    Wie das Schicksal spielt ist der dritte Teil der Reihe Der Dorfladen, eine ländliche Familiengeschichte zur Zeit der Weimarer Republik. Der Fokus der Handlung liegt allerdings weniger auf den brisanten politischen Gegebenheiten dieser Zeit als vielmehr auf den individuellen Familienschicksalen der Dorfbewohner, allen voran der Familie von Marthe, der der Dorfladen gehört. Die politischen Hintergründe finden Erwähnung, spielen sich aber eher am Rande ab.

    Für das Verständnis ist eine Kenntnis von Band 1 und 2 gar nicht nötig, auch ohne diese gelesen zu haben findet sich der Leser prima zurecht und lernt nach und nach die Bewohner des Taunusdorfes Dingelbach kennen.

    Anfängliche Schwierigkeiten hatte ich lediglich mit der Fülle der Namen und Personen, da viele nur Randfiguren und Bevölkerung sind und gar keine große Funktion im Plot haben. Das wird im Laufe der Handlung aber besser, man sollte sich davon nicht abschrecken lassen.

    Im Mittelpunkt stehen zweifelsfrei die drei Töchter der Ladeninhaberin, Herta, Frieda und Ida. Während Frieda selbständig ist und in Bochum am Theater Karriere macht, ist Herta mähr eine Landpomeranze und arbeitet im elterlichen Laden, jammert über ihr Schicksal (sie ist eine ledige Mutter) und Ida ist aufmüpfig und bringt die Lehrer des Gymnasiums Stück für Stück gehen sich auf.

    Gut gefallen hat mir das hessische Flair, das mit Dialekt und Lokalkolorit daher kommt. Ma fühlt sich sofort in den kleinen Ort versetzt, der überall in Hessen zu dieser Zeit hätte liegen können. Ob Dingelbach wirklich existiert oder fiktiv ist, spielt überhaupt keine Rolle, man hat ausreichend Kopfkino und wird hinein gesogen in die vielschichtige Handlung.

    Der Schluss ist rund aber relativ offen, so dass ich mich frage, ob vielleicht noch ein weiterer Band folgt. Zu hoffen wäre es, denn die Zukunft des ein oder anderen Dingelbachers hätte ich gerne weiter verfolgt und gewusst, wie es weiter geht rund um den Dorfladen.

    Insgesamt ein heimeliger und trotz vieler Irrungen und Wirrungen relativ unaufgeregter historischer Roman, der das Landleben und seine Bewohner im Hessen der 1920er Jahre zeigt. Hat mir wirklich gut gefallen!
    Ein Jahr des Staunens

    Elizabeth Foley
    Ein Jahr des Staunens (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    30.11.2025

    Interessante Aufbereitung von Allgemeinwissen - eine wissenschaftliche "Anekdote" für jeden Tag des Jahres

    Buchinhalt:

    Eine brillante Sammlung kurioser Wissensschätze: 365 Einträge, für jeden Tag des Jahres aus den gebieten Wissenschaft, Gesellschaft, Geschichte, Kulinarik oder auch Tierwelt: Geschichten zum Staunen und für die Allgemeinbildung, gegen Langeweile oder einfach um den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei reicht das Spektrum von der Funktion der kleinen Nieten an den Jeans über Themen wie die sieben Weltwunder der Antike bis hin zu den skurrilsten Fischnamen in unseren Ozeanen.


    Persönlicher Eindruck:

    Ein Jahr des Staunens ist ein wahrlich abenteuerliches Sammelsurium an Wissensanekdoten. Für jeden Tag des Jahres gibt es ein scheinbar zufällig ausgesuchtes Thema, dem sich das Buch in etwa einer halben bis einer Seite widmet. Es ist kein Buch, das man vorne beginnt und dann nach hinten durchliest, es ist vielmehr ein Buch, das man immer wieder irgendwo aufschlägt, um Neues zu entdecken. Dabei hilft es, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, das Allgemeinwissen zu erweitern oder sich einfach nur zu wundern – was es auf unserer Erde (und darüber hinaus, auch der Weltraum ist des öfteren Thema) alles zu entdecken gibt. Wissen Sie, was ein Franzosengrunzer ist oder warum sich Männer im November alle möglichen Schnurrbärte wachsen lassen?

    Das Buch eignet sich auch prima als Geschenk für Menschen, die schon alles haben oder wird auch garantiert als „Männergeschenk“ unterm Christbaum eine gute Figur machen, denn eine Altersbegrenzung gibt’s meiner Meinung nach nicht. Es begeistert Jung und Alt gleichermaßen und bereitet auch in der Gruppe Freude, denn die verschiedenen Wissensgebiete eignen sich auch prima für gemeinsame Quizabende.

    Was mich etwas stutzig gemacht hat, sind die vielen Cocktailrezepte. Diese kann ich inhaltlich nicht wirklich mit „Wissenswunder für Neugierige“ verbinden – es sind halt Rezepte, die sich mal jemand ausgedacht hat - für mich ist da nichts Außergewöhnliches daran. Aber jeder, wie er mag. Hier hätte ich mir etwas mehr Inspiration bei den beiden Machern gewünscht, denn eingefallen ist ihnen wahrlich eine Menge, an Ideen mangelt es nicht.

    llustrationen gibt es auch zu vielen Themen, Karten, Diagramme und Bilder untermauern das Gelesene. Haptisch kommt das Buch als hochwertiges Hardcover mit Silberdruck und Lesebändchen daher, kostet aber auch 22 € und gehört somit in die gehobene Preisklasse. Nichts desto trotz bekommt man viel für sein Geld und es wird auch nie langweilig mit diesem Buch.

    Alles in allem eine tolle Geschenkidee für andere, aber auch für sich selbst. Hier macht man sicher nichts verkehrt!
    Neues Glück im kleinen Nähcafé am Fluss

    Sabine Schmidt
    Neues Glück im kleinen Nähcafé am Fluss (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.11.2025

    Leichte, unterhaltende Wohlfühlkomödie mit viel Action - ideal für zwischendurch

    Buchinhalt:

    Maura arbeitet inzwischen als Chefredakteurin in Portland, USA, doch ein familiärer Krankheitsfall bringt sie zurück nach Rockenbrook. Auch dem Nähcafé geht es finanziell eher schlecht und Maura muss sich entscheiden: Amerika oder Deutschland? Die Entscheidung fällt und schon geht auch der Trubel zuhause wieder los: Toss Tossen, immer noch Bürgermeister von Rockenbrook, strebt nach Höherem und will noch immer den Ort nach seinem Gusto umkrempeln – auf Kosten der restlichen Bevölkerung.....


    Persönlicher Eindruck:

    Im zweiten Teil der Nähcafé-Reihe verschlägt es den Leser zusammen mit Hauptfigur Maura wieder ins norddeutsche Rockenbrook. Noch immer ein idyllischer Ort mit verschrobenen, aber liebenswerten Bewohnern – wäre da nicht Toss Tossen und seine Sippschaft....

    Die Idee, auf der der Plot basiert, ist dieselbe wie bei Band 1: Maura und ihre Freunde auf der einen Seite, der Tossen-Can auf der anderen – und dazwischen jede Menge Action und hanebüchene Abenteuer. Natürlich ist die Erzählung auch dieses Mal wieder überspitzt und mag für manchen Leser nicht so recht lebensnah daherkommen, doch es handelt sich hier um eine Komödie und zum Lachen gibt’s genug.

    Daneben geht es auch um die Liebe – Maura und Bootsbauer Marten haben allerhand zu tun, um sich einzugestehen, was sie eigentlich wollen und dann taucht auch noch Martens Exfreundin auf, die zusammen mit dem Tossen-Clan einiges durcheinanderwirbelt.

    Zum Verständnis ist Band 1 überhaupt nicht nötig, alle Figuren stellen sich durch die Handlung noch einmal vor und auch die Grand Dame von Rockenbrook, Urgroßmutter Malade Tossen, die sich übrigens vom Bürgermeister und seiner Gattin absolut nichts gefallen lässt, ist wieder dabei.

    Der Spannungsbogen steigert sich im Laufe der Handlung, wobei der Schluss für manche Leser sicher etwas an den Haaren herbei gezogen sein wird – nichts desto trotz gibt es im kleinen Nähcafé am Fluss reichlich humorvolle Unterhaltung für nette Stunden zwischendurch, so dass man über manchen Handlungsfaden, der gar arg überspitzt über die Stränge schlägt, gerne hinweg sieht.

    Ob die Reihe weiter fortgesetzt wird, weiß ich nicht, allerdings ist der Schluss rund und in sich stimmig, so dass es eine Fortsetzung gar nicht wirklich braucht. Insgesamt war die Lektüre leicht und locker und ist in einem oder zwei Nachmittagen gelesen. Ein leichter Roman, bei dem man die Seele mal baumeln lassen kann und nicht so viel denken muss – das darf es zwischendurch ruhig auch mal geben. Mir hat die Geschichte gefallen, Kopfkino gab es zudem. Was will man also mehr?

    Eine Leseempfehlung für alle diejenigen, die einen lustigen Wohlfühlroman mit Spannung und Happy End suchen!
    Lübecks Töchter. Der Traum von Bildung und Freiheit

    Anna Husen
    Lübecks Töchter. Der Traum von Bildung und Freiheit (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    09.11.2025

    Roman um ein Pensionat im 19. Jahrhundert - verschenkt leider zu viel Potential zugunsten der Romanze. Schade.

    Buchinhalt:

    Lübeck, in den 1870er Jahren: der Traum der jungen Amélie ist die Gründung eines Lehrerinnenseminars zusammen mit ihren beiden Schwestern, die in Lübeck bereits in Mädchenpensionat betreiben. Doch den Frauen werden zahlreiche Steine in den Weg gelegt: Frauen werden als das schwache Geschlecht betrachtet, eigenständiges Denken und gar höhere Bildung sind verpönt und so setzt das Oberschulamt alles daran, den Plan der Schwestern zu vereiteln. Als eines Tages Amélie auf Kindheitsfreund Richard trifft und sich eine heimliche Romanze zwischen den beiden entspinnt, muss Amélie sich entscheiden: Richard oder das Lehrerinnenzölibat....


    Persönlicher Eindruck:

    Ich lese sehr gerne historische Romane, auch solche, in deren Vordergrund eine Liebesgeschichte steht. Aber ich bin auch kritisch und nicke nicht alles ab – der Plot, der einen Konflikt zwischen dem eigenen Lebenstraum (das Lehrerinnenseminar) und dem persönlichen Glück (die Liebe zu einem Mann) behandelt, hat mich zunächst sehr angesprochen. Das Setting im Lübeck des 19. Jahrhunderts ist sehr bildhaft und auch wenn man Lübeck noch nie selbst besucht hat, hat man beim Lesen viel Kopfkino.

    Hauptfigur der Geschichte ist die junge Lehrerin Amélie, die einem Ruf ihrer ebenfalls im Lehrberuf stehenden Schwestern gefolgt und nach Lübeck zurückgekehrt ist. Die Schwestern betreiben ein Mädchenpensionat für die Töchter der betuchten Gesellschaft und der Plan ist, ein Seminar zur Ausbildung von Lehrerinnen anzuschließen. Lehrerin zu sein ist damals der einzige Weg, selbständig und ohne Abhängigkeit von einem Mann ein freies Leben zu führen – der Preis ist das sogenannte Lehrerinnenzölibat: wer einmal heiratet, muss den Beruf an den Nagel hängen.

    Richard als männliche Hauptfigur ist die Jugendliebe aus Kindertagen, ich verrate kaum zu viel, wenn ich sage, dass Amélie diese im Erwachsenenalter wieder aufwärmt und dadurch einen Konflikt in ihrem Leben schafft, um den sich das ganze Buch fortan dreht. Und genau darin liegt der Schwachpunkt des Romans.

    Andere vielversprechende Handlungsfäden werden zwar gesponnen, allerdings in einer oder zwei Seiten kurzerhand abgehandelt, so dass ihr ganzes Potenzial im Nichts verpufft. Und es hätte beileibe viel solcher Nebenhandlungen gegeben – im Laufe der Geschichte wird diese aber immer vorhersehbarer und leider auch seichter.

    Zudem gibt es einige Kleinigkeiten, die mich beim Lesen mehr als genervt haben. Allen voran der „Sonnenkopf“, ein Kosename, den Amélie seid Kindertagen für Richard verwendet und der inflationär oft im Roman vorkommt. Ich war fast soweit, das Buch aus dem Fenster zu werfen, hätte Amélie dieses Wort noch einmal genannt – und das will etwas heißen. Außerdem sind andere Dinge nicht stimmig, wie die Kur der lungenkranken Clara, die in die Bayerischen Berge geschickt wird, wo die Luft dünn ist und das Atmen schwer fällt. Lungenkranke wurden auch damals eher ans Meer geschickt – allerdings musste die Figur ja weit weg, da sich sonst der Plot nicht zugunsten von Amélie entwickelt hätte.

    Wie auch immer: der Schluss ist rund und befriedigend, wenn auch sehr rosarot und ein bisschen konstruiert. Allerdings soll ein zweiter Band folgen und ich sage offen: ohne mich. Es ist doch alles gesagt und mehr gibt die Geschichte meiner Meinung nach auch nicht her. Die Handlung war ganz nett aber wirklich überzeugt hat sie mich nicht – in meinen Augen kein Buch, das man fortsetzen oder ein zweites Mal lesen müsste.
    ART

    Michael Semff
    ART (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.11.2025

    Hochwertiger immerwährender Kunstkalender in stabiler Buchform. Edel!

    Buchinhalt:

    Hochwertiger, immerwährender Kunstkalender in Buchform, mit Lesebändchen und Schmuckbanderole.

    365 Geburtstage großer Künstlerinnen und Künstler, mit jeweils einem kurzen Portrait und einem beispielgebenden Kunstwerk. Darunter Platz für Eintragungen wie Geburtstage oder sonstige Jubiläen.


    Persönlicher Eindruck:

    Das vorliegende sehr edel und doch modern aufgemachte Buch ist ein Genuss für jeden Kunstfreund. 365 verschiedene Künstler aus den Bereichen Malerei und Bildhauerei präsentieren sich hier stellvertretend für jeden Tag, ein kurzer Text zu jeder Person und seinem Schaffen sowie ein Foto eines Kunstwerkes aus dem jeweiligen Oeuvre runden die Seiten ab.

    Jeder Wochentag des Jahres steht auf einer Seite, im unteren Drittel wurde Platz gelassen für individuelle Eintragungen.

    Mir gefällt das Buch sehr gut, bekannte und unbekannte Künstler geben sich hier die Klinke in die Hand und auch dem künstlerisch unbedarften Leser schließt sich jeden Tag ein neues Künstlerportrait. Der kurze Text zu der jeweiligen Person ist knackig auf den Punkt und nicht überfrachtet.

    Cover, Bindung und verwendetes Papier sind edel und hochwertig, der Druck in Seidenglanzglanz und das Papier reinweiß. Ein Lesebändchen wertet das Gesamtwerk zusätzlich auf.

    Bei den Kunststilen werden sowohl moderne Kunst als auch zeitgenössische Kunst vereint, Künstler wie Tiepolo, Miró, Leonardo DaVinci oder Georg Baselitz sind ebenso vertreten wie Maria Sybilla Merian oder auch junge ausländische Künstler im Manga-Stil.

    Insgesamt ein Buch, das jeden Geschmack anspricht und das sich wunderbar als Geschenk für kunstaffine Menschen eignet. Mir hat es sehr gut gefallen!
    Die Knef

    Moritz Stetter
    Die Knef (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.11.2025

    Comicbiografie zum 100. Geburtstag: ein facettenreiches Portrait von Hildegard Knef.

    Buchinhalt:

    Dieses Jahr wäre Hidegard Knef 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeichnet diese Graphic Novel das Leben der Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin nach und lässt den Leser teilhaben an Höhen und Tiefen, Verlusten und Ruhm, am facettenreichen Portrait einer außergewöhnlichen Künstlerin.


    Persönlicher Eindruck:

    Denkt man an die drei berühmtesten deutschen Künstlerinnen der Kriegs- und Nachkriegszeit, fallen einem drei Namen ein: Marlene Dietrich, Zarah Leander und Hildegard Knef. Und genau deren Leben vermittelt diese Graphic Novel. Hildegard Knef wäre dieses Jahr 100 Jahre alt geworden. Geboren 1925 in Berlin wächst „Hilde“ im Nationalsozialismus auf. Schon früh in ihrer Jugend träumt sie von der Schauspielerei, hat aber wenig Aussicht, Fuß zu fassen. Stationen als Trickfilmzeichnerin, verschiedenen Theaterrollen und schließlich einige Filme bei der UfA folgen, bis sich die Knef schließlich nach Amerika aufmacht, um in Hollywood groß raus zu kommen.

    Hildegard Knef war trotz aller Erfolge, höhen und Tiefen, dennoch immer normal geblieben und ein wahres Stehaufmännchen. Sie ließ sich in einer männerdominierten Filmwelt nie unterkriegen und blieb dabei immer natürlich.

    Die Graphic Novel an sich verwendet für den Text zahlreiche Liedtexte aus den Chansons der Knef, im Glossar sind alle angegeben, auch für die Leserschaft, der der Name Knef nicht mehr viel sagt. „Für mich soll's rote Rosen regnen“ war ihr größter Hit und das Lied ist schließlich maßgeblich für das Cover und da Fazit ihres schillernden Lebens.

    Gut gefallen hat mir der Zeichenstil. Die Bilder sind aussagekräftig und oftmals beklemmend, neben den persönlichen Stationen der Hauptfigur werden auch geschichtliche Tatsachen, wie das Gräuel in Auschwitz oder die Not der Ausgebombten in Berlin nicht ausgeklammert.

    Einzig ein kleines Manko ist für mich, dass gerade in der Jugendzeit der Knef ich die Frauenfiguren in den Bildern manchmal nicht voneinander unterscheiden konnte und ab und an raten musste, wer die Knef nun ist und wer jjemand anderes. Erst im fortschreitenden Alter der Hauptfigur ähneln die Zeichnungen dann wieder dem Cover, auf dem Hildegard Knef wirklich vortrefflich getroffen wurde, inklusive ihrer ausdrucksvollen Augen, die sie hatte.

    Die Zeitsprünge innerhalb der Handlung gehen an manchen Stellen etwas schnell (vor allem gegen Ende). Die Knef war mehrmals verheiratet, auch die unterschiedlichen Ehemänner konnte ich jetzt anhand des Comicstils nicht ganz nachvollziehen.

    Sei's drum: insgesamt war für mich „Die Knef“ eine großartige Hommage an eine beeindruckende Frau, die immer wusste, was sie wollte und auch an ihren Zielen festhielt. Ein absolut lesenswertes Werk, das nicht nur Freunde von Graphic Novels begeistert.

    Drei Tage im Schnee

    Ina Bhatter
    Drei Tage im Schnee (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.10.2025

    Das ist gar kein Roman sondern ein Lebensratgeber mit netter Verpackung. Enttäuschend!

    Buchinhalt:

    Die Großstädterin Hannah versucht, bei einem Kurzurlaub an einem See in verschneiter Winterlandschaft innerlich innezuhalten und von ihrem Alltag abzuschalten. Als an einem Tag plötzlich ein Kind dort auftaucht und einen Schneeengel macht, kommen die beiden ins Gespräch und freunden sich an. Zusammen mit der kleinen Sophie erfährt Hannah längst vergessen geglaubte Erinnerungen aus einer Zeit, in der sie noch nicht so eingespannt war wie in der Gegenwart.....


    Persönlicher Eindruck:

    Vorab: das Buch suggeriert einen vollkommen anderen Inhalt, als es bietet, denn wer hier von einem winterlichen Wohlfühlroman mit netter Geschichte ausgeht, wird ebenso wie ich enttäuscht. Erwartet habe ich genau dieses: eine heimelige Geschichte mit einer gewissen Handlung, die mich eine Auszeit vom Alltag erleben und in eine winterliche Landschaft eintauchen lässt. Dabei ist es nur ein Blender.

    Auszeit vom Alltag stimmt insofern, als dass es sich hier um einen in eine Erzählung eingepackten Ratgeber zur Achtsamkeit handelt. Es sind alles sehr kurze Episoden und die weibliche Hauptfigur ein jammervolles Elendsbündel, das unter ihrem Alltag leidet, in dem sie anderen immer gefallen und alles recht machen möchte. Durch die Begegnung mit dem kleinen Mädchen Sophie ändert sich nur wenig, auch wenn Hannah an einigen Stellen selbst mal wieder „Kind sein“ darf und sich mit dem fremden Mädchen spielt und anfreundet. Im Grunde ist Hannah schon ein armer Tropf, wenn sie ein kleines Kind als „Ratgeber“ braucht. Sorry, das finde ich an den Haaren herbei gezogen.

    Viele Dinge, über die man in dem recht dünnen Büchlein liest, sind unglaubhaft. Allem voran die Begegnung mit Sophie an sich. Sophie ist zu klein, als dass sie vollkommen alleine an dem See herumstreift. Wo sind ihre Eltern? Wo gehört sie hin? Auch der vollkommen arglose sofortige Kontakt mit der für sie fremden Frau ist für mich realitätsfern. Was predigt man heutzutage Kindern schon von klein auf? Sich nicht mit Fremden einzulassen, einfach mitgehen, sich alleine irgendwo abgelegen rumzutreiben.

    Gut, Sophie und die Begegnung mit Hannah ist der Aufhänger für den Plot, der im Grunde gar keine Geschichte erzählt. Er war langweilig und nichtssagend, eine Art Monolog aus der Sicht von Hannah, der mich als Leser überhaupt nicht berührt oder interessiert hat. Kalenderweisheiten von der Stange sozusagen. Spannung und Tiefe kommen in dem Buch nicht auf und am Ende fragt man sich, was man nun eigentlich gelesen hat.

    In letzter Zeit werden Themen wie Selbstreflexion und Achtsamkeit nahezu inflationär in Büchern verwurstet, anscheinend wird davon ausgegangen, dass die Leserschaft ähnlich wie Hannah einen schrecklichen Alltag hat und alleine nicht zurecht kommt. Dafür (für das Zurechtkommen) brauche ich aber auch kein klischeehaftes Kind, das altklug mit mir mein Leben bespricht.

    Nein, das war nichts – ich hatte wie gesagt vollkommen andere Vorstellungen vom Inhalt und kann das Buch nicht empfehlen. Im Gedächtnis bleibt auch langfristig nur die Enttäuschung aber rein gar nichts vom Inhalt.
    Botschafter des Waldes

    Michaela Skuban
    Botschafter des Waldes (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.10.2025

    Sehr interessante Reportage über Bären -- mit spektakulärem Bildteil. Lesenswert!



    Buchinhalt:

    Durch 20jährige Naturforschung mit Bären in Europa vermittelt Naturforscherin Skuban dem Leser das Leben des größten Landraubtieres in unseren Breiten: dem Braunbär. Sein Leben in und mit der Natur soll beispielgebend sein für unser Verhältnis zur Umwelt. Der Bär als Botschafter – als Individuum mit eigenem Namen und Charaktereigenschaften, denn Skuban erzählt von „ihren“ Bären hautnah und zeigt so deren Lebensweise und Alltag auf spannende Weise.


    Persönlicher Eindruck:

    Als Tierfreund kommt man fast nicht vorbei an diesem Werk, in dem es um den Braunbären geht, das größte Landraubtier in unseren Breiten. Seit nunmehr 20 Jahren erforscht Autorin und Naturforscherin Skuban das Leben dieser Tiere und „ihre“ Bären haben auch alle Namen und unterschiedliche Charakterzüge. Das macht es dem Leser leicht, eine Beziehung beim Lesen aufzubauen. Genau das ist aber beabsichtigt – soll der Bär dem Menschen in diesem Werk deutlich machen, wie sein eigenes Verhältnis zur Umwelt und Natur denn ist, bzw. sein soll.

    Gut gefallen haben mir die Erzählungen zu den unterschiedlichen Bären. Da ist zum einen Eugen, ein alter Bär, sehr weise und mit Lebenserfahrung. Oder auch Mischu, Pinocchio oder Adriano. Jeder Bär ein Individuum – dem man mit Respekt begegnen sollte.

    Der umfangreiche Bildteil mit vielen Fotos hat mir sehr gut gefallen, ebenso der humorvolle Stil, der die Reportage zu keiner Zeit trocken werden sondern immer interessant bleiben lässt.

    Von Bären und Menschen – nicht überall sind Bären gerne gesehen (man erinnere sich nur noch einmal an den „Problembären“ Bruno): Skuban geht auch darauf ein, dass das Verhältnis von Mensch zu Bär schwierig sein kann und zeigt auf, dass es dennoch möglich ist, nebeneinander und miteinander zu leben. Denn schließlich gehörte der Bär auch bei uns lange Zeit zur Fauna dazu und hat ein Recht auf seinen Lebensraum.

    Insgesamt ein interessantes und mitreißendes Buch, das eine gelungene Mischung ist aus Sachbuch und Erzählung und dem Leser das Leben eines imposanten Tieres nahe bringt. Kann ich vollumfänglich empfehlen!

    Schneeflockenträume in Schweden

    Anna Lindqvist
    Schneeflockenträume in Schweden (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    26.10.2025

    Vordergründig netter Liebesroman, der aber zunehmend auf der Stelle tritt. Schade.

    Buchinhalt:

    Als die deutsche Ingenieurin Smilla, die in Schweden in einem Eishotel die Technik wartet, mit ihrem Bruder zum Flughafen fährt, kommt es zu einem Zusammenstoß mit einem Rentier. Der Tierarzt Finn, der sich um das verletzte Tier kümmert, ist alles andere als gut zu sprechen auf Smilla – sind die Rentiere für die Sámi, die indigene Urbevölkerung Schwedens, mehr als nur Nutztiere. Erst im Laufe der Geschichte kommen sich Finn und Smilla näher.....


    Persönlicher Eindruck:

    „Wo die Schneeflocken tanzen und die Rentiere laufen“ - wer wird da nicht neugieriig? Ja, es ist zunchst auch ein netter, eingängiger Roman, der von Schweden erzählt, von langen Polarnächten, Eishotels und den Samen, in ihrer eigenen Sprache Sámi genannt. Es handelt sich um die Urbevölkerung Schwedens, die bis heute meist als Rentierhirten arbeiten und ein besondere Verhältnis zur Natur haben.

    Mittendrin die Deutsche Smilla, die einen Auftrag ine inem der Eishotels hat, in dem eine Klimaanlage ausgefallen ist und keiner weiß, wo der Defekt zu finden ist. Das Eisskulpturen-Festival ist dadurch in Gefahr. Durch einen Unfall mit einem Rentier trifft Smilla auf den Tierarzt Finn, der sie zunächst nicht leiden kann, mit dem aber alsbald eine heiße Romanze entbrennt. Smilla ist hin und her gerissen zwischen ihrem Faible für Schweden, ihrer beginnenden Liebe zu Finn und dem elterlichen Betrieb im Schwarzwald, in den sie eigentlich nicht zurückkehren möchte.

    Genau dieses Dilemma lässt den Roman nach etwas der Hälfte nur noch auf der Stelle treten. Smilla weiß nicht, was sie will – will sie nun in Schweden bleiben, bei Finn, oder zurück nach Deutschland, wo sich ihre (Pflege-)Familie lieber im Elterlichen Betrieb sehen möchte.

    Was mir gut gefallen hat, war die bildhafte Beschreibung des Settings, der Landschaft, des Lebens der Sámi – hier hätte es gerne mehr in die Tiefe gehen und etwas mehr sein können. Was mir weniger gut gefiel, waren die Bettszenen, auch enn diese nicht sehr explizit beschrieben waren, was wiederum angenehm war. Es waren einfach zu viele – Smilla weiß so gut wie nichts von Finn und äußert mehrfach Bedenken, hüpft mit ihm aber bei jeder Gelegenheit in die Kiste und auch so können sie die Finger kaum voneinander lassen. „Sex sells“ kann gut ein Grund dafür sein, dass ein gängiger Liebesroman solche Szenen zuhauf bereithalten muss – ich finde aber, es hätte hier viel mehr Tiefgründiges gegeben, auf das man sein Augenmerk hätte richten können.

    Insgesamt ist der Roman einfach zu lang für den Inhalt der Handlung, er tritt lange Zeit auf der Stelle und man hat keine große Mühe, ihn beiseite zu legen. Eine gestrafftere Erzählung hätte dem Ganzen gut getan.

    Letztendlich ist es ein netter Liebesroman für dunkle Winterabende, aber kein Pageturner, den man gelesen haben müsste.
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge

    Herbert Dutzler
    Der Plattenspieler unter der Dachschräge (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.10.2025

    Mitreißende Erzählung eines Heranwachsenden aus den 1970er Jahren - mit österreichischem Schmäh, einfach klasse!

    Buchinhalt:

    Österreich, irgendwo auf dem Land in den 1970er Jahren: Sigi ist 16 und verdient sich mit einem Ferienjob etwas Geld – um sich seinen größten Wunsch zu erfüllen: eine Stereoanlage. Die Stones und Deep Purple prägen mit ihrem Sound eine ganze Generation, wer was auf sich hält, hat einen Plattenspieler. Eine Freundin hat er bislang noch nicht, war aber mindestens schon der mal verliebt, dafür gibt’s reichlich Stress in der Schule, weil Sigi nicht auf den Mund gefallen ist und mit Worten umgehen kann – dafür weniger mit Latein, zum Leidwesen seiner Lehrer. Sigi hält sich für erwachsen, doch die Probleme zuhause lassen ihn dennoch nicht kalt....


    Persönlicher Eindruck:

    Warmherzig und mit reichlich österreichischem Schmäh erzählt Autor Dutzler aus dem Leben seiner jugendlichen Hauptfigur. Im mittlerweile vierten Band der Reihe ist Sigi nun schon 16 und kommt sich reichlich erwachsen vor. Vielleicht klappt es ja bei der Tanzstunde, die von ihm angebetete Rita zu erobern – man merkt natürlich schnell, dass sein Frauenverständnis noch in den Kinderschuhen steckt und Sigi reichlich viel reingeheimnisst in zufällige Begegnungen und harmlose Gespräche in der Schule. Und dann wäre da auch noch Wiebke, seine Sommerferienbekanntschaft, auf deren Brief er sehnsüchtig wartet...

    Es ist eine liebevoll erzählte Coming-of-age-Geschichte rund ums Erwachsenwerden, die man nur schwer wieder weglegen kann, hat man einmal mit dem Lesen begonnen. Sigi wächst dem Leser schnell ans Herz, es ist eine wundervolle Zeitreise in die frühen 1970er Jahre, inklusive toller Musik und eigenwilligem Modegeschmack, österreichischem Landleben und Einblicke in das Familienleben der Hauptfigur.

    Die Geschichte ist voller Humor und dabei niveauvoll und so mancher Leser wird ganz sicher in seine eigene Jugend zurückversetzt. Natürlich kommt Sigi zu seinem Plattenspieler, mit dessen Musik er die Probleme im eigenen Familienalltag und die Schwierigkeiten in der Schule auch mal ausblendet.

    Auch die Nebenfiguren sind tiefgründig und mit Profil gestaltet, so zum Beispiel Herbert, Sigis besten Kumpel, von dem er zwar selber sagt, dass man ihn schon ein bisschen länger kennen muss, um ihn zu mögen, der jedoch das Herz auf dem rechten Fleck hat und im Laufe der Geschichte sogar nichtig zum Revoluzzer mutiert.

    Es ist alles dabei, was eine Jugend in den frühen 1970er Jahren ausmacht: Rebellion, Selbstfindung, eigene Persönlichkeit. Aber auch Verletzlichkeit und die Sehnsucht nach Stabilität im eigenen Umfeld, das Sigi durch die Ehekrise seiner Eltern und die Demenz seiner Oma Stück für Stück droht, abhandenzukommen.

    Ein wirklicher Pageturner, der mich absolut mitgerissen und in die wilden 70er mitgenommen hat. Absolute Leseempfehlung!
    Die Spur des Silbers

    Tillmann Bendikowski
    Die Spur des Silbers (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.10.2025

    Interessanter Einblick in die Jagd nach dem Edelmetall über verschiedene Jahrhunderte - kurzweilige Geschichtsstunde.

    Buchinhalt:

    Reichtum und Wohlstand, aber auch Leid und Ausbeutung stehen kaum irgendwo so nahe beieinander wie beim Silber. Das Edelmetall verändert bis heute die Welt in allen Teilen, wird als Wertanlage aber auch Kunstgegenstand und Rohstoff geschätzt und verwendet. Das Buch zeigt in einer Zeit zwischen Mittelalter und Gegenwart anschaulich auf, wie dieses Edelmetall, das reichlichere Vorkommen als das wertvollere Gold hat, die Welt verändert und prägt.


    Persönlicher Eindruck:

    Eine Geschichtsstunde der etwas anderen Art erwartet den Leser in diesem interessanten Sachbuch. Es geht über viele Epochen, vom Mittelalter bis heute und hat das Silber als zentralen gemeinsamen Nenner. Die Jagd auf das Edelmetall hat die Wellt seit jeher geprägt, Kriege und Sklaverei wären ohne es schier unmöglich bzw. förderte das Silbe diese noch zusätzlich.

    Angenehm fällt beim Lesen auf, dass der Autor sich einer verständlichen Sprache bedient und die Fachsprache anderer Geschichtsbücher außer Acht lässt. Gute Recherche und zahlreiche Quellen- und Literaturangaben machen das Werk auch zum unverzichtbaren Mittel der Wahl in Studium und Schulunterricht. Mit zahlreichen Farbseiten lockert er den Text informativ auf und man hat nie das Gefühl dass es trocken und verstaubt werden könnte.

    Es geht um die ersten Silberminen in Amerika, spanische Konquistadoren, Piraten, Sklaven und letztendlich um den Normalbürger von heute mit dem geerbten Familiensilber, um NS-Raubsilber und Silber als Münzgeld. Nie wurde ein Edelmetall, abgesehen vom selteneren Gold, so vielseitig eingesetzt und somit erzählt das Silber ein Stück weit auch die Geschichte der Menschen dahinter.

    Was ich kritisiere, ist der relativ kurze Zeitabschnitt zwischen Mittelalter und Gegenwart. Die Antike wurde komplett ausgeklammert, obwohl es gerade zu griechischer und römischer Zeit genug Beispiele für die Verwendung von Silber als Kunstgegenstand, Tempelsilber und nicht zuletzt in Form von Münzen gab. Der Schwerpunkt liegt nahezu vollständig auf Europa und klammert weite Teile der übrigen Welt einfach aus – wobei ich es dahingehend verstehen kann, dass eine allumfassende Betrachtung den Rahmen eines Buches einfach sprengen würde.

    Sei's drum. Für mich war der Einblick in die abenteuerliche Geschichte des Silbers eine spannende Geschichtsstunde, die ich gerne weiter empfehle.
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