Mal wieder was Neues
Das weiß man gar nicht mehr und der ausgezeichnete Booklettext hilft einem auf die Sprünge: Die Kirchenkantate im frühen 18. Jahrhundert war eher kammermusikalisch ausgerichtet. Und eigentlich war es Bach, der die Kantate durch eine eher chorsinfonische Praxis „reformierte“ (s.Booklet S.7). Graupner gehörte noch zu denen, die die „alte“ Praxis pflegten und cpo lädt uns nun ein, das zu erleben, besser: zu erhören. Die neue Graupner-CD präsentiert sechs Kantaten für Tenor, Bass und Instrumenten, also ganz in der kammermusikalischen Tradition, ohne Chor. Sie sind alle recht kurz (max, 15 Min.) und ständig im Wechsel zwischen Arien und Rezitativen, in drei Kantaten auch mit Chorälen. Drei Kantaten nehmen eine Sonderstellung ein und bestehen nur aus drei, bzw. vier Arien. Für etwas Abwechslung ist also durchaus gesorgt. Auch wäre der Graupner nicht der Graupner, wenn er nicht auch kompositorisch immer mal wieder für Überraschungen sorgen würde und die Texte nicht musikalisch bestens versorgte. Das tut er aber und so machen die Kantaten durchaus Freude.
Freude machen auch die Interpreten. Georg Poplutz ist ein prächtiger Tenor, der seine Partien glänzend meistert. Bassist(?) Dominik Wörner macht mich nicht ganz so glücklich. Graupner schreibt zuweilen in recht tiefer Basslage. Wörners baritonale Stimme kommt da vom Volumen her nicht so ganz hin. Die Wahl einer „echten“ Bassstimme wäre da m.E. passender gewesen. Florian Heyericks BachConsortist ist fast schon über jede Kritik erhaben. Fabelhaft machen die das! Fabelhaft auch das Booklet. Ausführliche Kommentaren und alle Texte sind zu finden. Prima: Mal wieder was Neues! Auf hohem Niveau.