Kontrastprogramm
In Fortsetzung der Gesamtaufnahme der Sinfonien Rezniceks für cpo agiert Frank Beermann für die erste Sinfonie mit dem Staatsorchester aus Frankfurt an der Oder. Ein solider Klangkörper, gut geeignet fürs Seltene. Die Sinfonie wird recht flott gegeben, nicht zu romantisch. Obwohl sie stilistisch zur Hochromantik zu zählen ist. Viel Blech, viele Wendungen, viel Affektion - ein unterhaltsames Werk. Warum das Ding vom Komponisten "Tragische" genannt wurde, bleibt sein Geheimnis. Die Deutungsversuche der Rezensenten dazu sind mehr als fragwürdig. Die Bet- und Bußgesänge sind dramaturgisch passend zur 1. Sinfonie. Die vorliegende Interpretation ist, gelinde gesagt, eine Herausforderung an den Langmut der Zuhörer. Sie Sängerin mag eine gute Opernsängerin sein. Liedgesang kann sie nicht. Kein Textverständnis, falsche Betonungen, stilistisch merkwürdig.
Dafür, dass Reznicek im Bühnenalltag nicht vorkommt und auch auf Tonträger keine Vergleichsmöglichkeiten vorliegen, ist das Engagement der Künstler und der Plattenfirma höchst löblich.
Der Booklet-Text Herrn Dr. van den Hoogens ist gut recherchiert. Aufgrund des Ausdrucks leider nicht leicht und schon gar nicht vergnüglich zu lesen. Sachlichkeit kann man dem Autor nicht vorwerfen. Es ist mehr der Versuch einer prosaischen Komponistenbiografie als eine sachliche, allgemeinverständliche Werksbeschreibung. Ist halt sein Stil.
Die Musik Rezniceks gehört m.E. zum Bildungskanon. Die Sinfonie kling gut. Die Kröte mit den Gesängen kann man schlucken. Insofern eine Kaufempfehlung.