"Sounds good ...!"
Wer bei "Berliner Schule" an lange Kameraeinstellungen, Weltschmerz und offene Enden denkt, bestätigt, dass der Begriff inzwischen eher mit dem - auch nicht mehr ganz neuen - deutschen Film assoziiert wird. Hier steht er für die Komponisten um den musikliebenden, aber wenig menschenfreundlichen Friedrich II. von Preußen. Dessen oft frustriertes Aushängeschild war das Originalgenie Carl Philipp Emanuel Bach. Der mir bisher unbekannte Johann Gottlieb Janitsch gehört in diesen Kreis an der Schwelle zwischen gelehrtem und galantem Stil - aber wie anders klingt er! Ich habe selten eine so elegante Cembaloaufnahme gehört, das gilt für das Instrument, die virtuose Spielweise, die Aufnahmetechnik (wobei mich wundert, dass im ansonsten sehr guten Beiheft die Friedenskirche von Swidnica / Schweinitz mit ihren biografischen Bezügen zum Komponisten prominent erwähnt wird, die Aufnahmen selbst aber in der staatlichen Musikschule von Jastrzebie-Zdrój stattfanden - sorry für die fehlenden Diakritika!). Janischs gefälliger, sogar liebenswürdiger Gestus scheint mir näher am "Londoner Bach", dem jüngeren Bruder Johann Christian, Mozarts bewundertem Vorbild, dessen gesammelten "Clavierkonzerten" ich eine solche Akustik gewünscht hätte. Da ist wenig von den gesuchten und oft gewollt wirkenden "Bizarrerien" des Carl Philipp Emanuel, die zwar immer von seiner unerschöpflichen Innovationskraft und Fantasie künden, längeres Hören aber manchmal anstrengend machen. Hier aber: eine knappe Stunde feiner Unterhaltung, auf die mildes Licht fällt wie in den beschworenen Kirchenfenstern der Friedenskirche ... Empfehlung für unfriedliche Zeiten!