Dicke Ritter, ernste Töne
Was auch immer man von der Trennung zwischen E- und U-Musik hält - und ihrem Effekt, dass Spitzenkönner im "leichten Fach" vielfach noch von oben herab behandelt werden -, das c-Moll-Hauptwerk dieser CD IST ohne jeden Zweifel: ernste Musik. Alles hebt schon "etwas bewegt, ernst" an, das Beiheft bemüht Brahms, Bruckner, Mahler - und tatsächlich hat der für mich gelungenste Satz der 2. Symphonie, der letzte, etwas von dessen Trauermärschen. Kauns Gestus erinnert aber auch an Elgar, unter dessen glänzender Oberfläche ja auch Melancholisches brütet, und bereits im Kopfsatz kämpft sich mal eine Melodie von Tschaikowskys Gnaden durchs Stimmengeflecht. Ob man diese Symphonie nun gerne hören wird, nachdem man sie oft gehört hat - wie oft bei Spät- und Spätesromantischen erschließt sich dann erst ausreichend "tiefere Bedeutung" und Zusammenhang -, bleibt wohl Neigungssache. Gefällig ist hier nichts.
Eher schon beim "Falstaff", mit dem Kaun sein Talent für gestisches Komponieren schlagend beweist: Bereits mit den ersten Takten betritt der dicke Ritter quasi vor unseren Augen die Bühne. Wieder der Vergleich mit Elgar: Kauns Werk nimmt sich im Vergleich zu dessen deutlich umfangreicherer und heftig wuchernder Tondichtung op. 68 c-Moll in etwa aus wie das bekannte Gemälde des "Mönchsmalers" Grützner, den auch das Beiheft bemüht, zum echten Shakespeare: schlichter, vordergründiger, schnell im Kopf (Verdi, als Theatergenie auf Augenhöhe, lassen wir hier mal außen vor ...).
Wer die eher schwerblütige spätromantische Sinfonik eines Richard Wetz, eines Felix Draeseke schätzt, liegt und hört mit dieser Aufnahme sicher nicht falsch.