"Ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch."
Den Künstler vom Werk trennen - bei Hans Pfitzner ist man immer besonders versucht, das zu tun. Wie kann es sein, dass diese bis zuletzt dem Schönen und tief Romantischen verpflichteten Werke - allein der Überblick über die Entwicklung der vier bedeutenden Streichquartette über ein ganzes Lebensalter lohnt die Anschaffung der Box -, von einem "schäbigen Neidnickel" (Zitat Richard Strauss) geschaffen wurden, einem unbelehrbaren Antisemiten (den der Exilant Bruno Walter dennoch weiter bewunderte)? "Zerrissenheit", wie eines der hier transkribierten Klavierstücke heißt, und Widersprüchlichkeit sind wohl doch die Hauptmerkmale des Menschen Pfitzner, dem bei aller charakterlichen Fehlbarkeit Mission war, notfalls im Alleingang die Romantik zu retten. Das Zerrissene dieser Seelenhaltung, die Gegenüberstellung von lieblicher Melodie und depressivem Versinken, von grantigem Aufbegehren und einem Humor, dem nicht zu trauen ist, ist nicht nur im "Palestrina" aufzuspüren, auch in den meisten der hier versammelten Werke, bis sich im späten Sextett op. 55 ein ganz und gar nicht harmonischer Lebensbogen zu runden scheint - gegen die Zeit. Das Kriegsende empfand er als Katastrophe, die zum Krieg und im Krieg begangenen Verbrechen wollte er so nicht sehen. Es lohnt sich kaum, Pfitzner zu lesen. Aber sehr, Pfitzner zu hören. Ein Widerspruch, der bleibt - und den auch das hervorragende Beiheft an vielen Beispielen belegt. Die Ensemble-Leistungen, all diese Widersprüche wieder unter einen Bogen zu zwingen, verdienen volle Anerkennung.