Very British?
Musik von der Insel hatte es hierzulande nicht leicht. Lange hat es gebraucht, um z.B. Elgars tolle Musik auf dem Festland bekannnter zu machen. Vaughan-Williams kennt auch nicht jeder und Parry und Jacob erst recht keiner. Da ist die cpo-Initiative von "British Music for Strings" sehr lobenswert, zumal die Streicher-Musik in Britannien eine große Tradition hat. Und da setzt für mich das kleine Manko ein. Sicher, die drei Kompositionen auf der CD (Parry, Elgar und Jacob) sind unter dem in englischer Musik versierten Dirigenten Douglas Bostock vom Südwestdeutschen Kammerorchester bestens interpretiert und aufgenommen. Nur: Die Werkauswahl auf der CD will mir nicht recht einleuchten. Vol 1 signalisiert den Fortgang eine Serie. Streicher-Material von der Insel gibt es genügend. Da wäre es nun wirklich nicht nötig gewesen, von Elgar eine für Streicher bearbeitete Orgel-Sonate auszuwählen, für Streicher bearbeitet auch noch von einem Nicht-Briten. Dabei sind Parrys Suite und Jacobs Streicher-Sinfonie echt gelungene Beispiele für die angehende Serie. Besonders die Begegnung mit Gordon Jacob lohnt, weil er ein typisch britischer Vertreter der nach-romantischen Insel-Epoche ist. Kein Neutöner, sondern neu-konservativ, britisch eben.
So kann diese CD doch nur empfohlen werden, weil sie uns musikalisch näher an ein Land rückt, das sich gerade politisch von uns entfernt.