Meisterwerk oder Massenware?
Der Manfred Cordes ist mit seinem Bremer Ensemble immer auf der Suche nach Werken rund um die Renaissance. Eine Menge Einspielungen - besonders bei cpo - zeugen von dieser Entdeckerlust. Und doch wird man mal fragen dürfen, ob alles, was in der Zeit der Renaissance und des Frühbarock so komponiert wurde - und das war wohl doch eine ganze Menge - eine Aufnahme wert ist. Welche Himmelsrichtung auch immer, das Klanggeschehen dieser Zeit ist doch bei allen Komponisten recht ähnlich, weil sie zumeist kirchlich oder fürstlich bstimmt war. Da macht auch der Vincenzo Albrici keine Ausnahme. Der Italiener wurde an den schwedischen Hof engagiert und komponierte auf recht strenge, "katholische" Weise fast ausschließlich geistliche Werke. Cordes hat aus dem umfangreichen Schaffen sieben Kantaten und zwei Sinfonias ausgewählt, Musik, die typisch ist für die Zeit: stark polyphon, instrumental gestützt und mit lateinischem Text. Cordes und sein Ensemble musizieren in gewohnt hochklassiger Qualität. Das fünfköpfige Sängerensemble unterstützen acht Instrumentalisten, die allesamt hervorragend sind. Die Aufnahme aus der Stiftskirche Bassum klingt offen und transparent. Lediglich das Booklet begeistert mich nicht. Ausführlich wird die Epoche am skandinavischen Hof beleuchtet. Leben und Werk des Albrici kommen mir zu kurz. Zu den eingespielten Werken fehlt gar jede Anmerkung. Zu den lateinischen Texten der Kantaten gibt es eine Übersetzung: nur englisch, nicht deutsch. Das mag enttäuschen, weil nicht alle Musikfreunde so gut englisch können, erst recht nicht lateinisch. Nun gut! Ob diese neue Cordes-CD nun Meisterwerke oder Massenware enthält, mag jeder Hörer selbst entscheiden. Viel Spaß!