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    gaia

    Aktiv seit: 10. Oktober 2021
    "Hilfreich"-Bewertungen: 13

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    124 Rezensionen

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    Überreste

    Daryll Delgado
    Überreste (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.04.2026

    Kinahanglan manumdom = Wir müssen uns erinnern

    Für alle, die es schon wieder vergessen oder nie gewusst haben: Im November 2013 zog der Super-Taifun Haiyan über die zentrale Inselgruppe der Philippinen mit einer Spitzgengeschwindigkeit von 315 km/h. Noch einmal: 315 km/h! Es kamen über 7000 Menschen ums Leben, betroffen war vor allem die Stadt Tacloban. Nachdem man das Buch „Überreste“ von Daryll Delgado gelesen hat, fragt man sich, wie überhaupt jemand diesen tropischen Wirbelsturm hat überleben können. Schnell sind die kurzen Meldungen in unseren Nachrichten wieder vergessen, wenn von den Folgen der Klimakrise im globalen Süden berichtet wird. Solange nicht viele Touristen aus dem globalen Norden sterben, wie beim Tsumani 2004, bleibt es meist bei einer kurzen Meldung. Was so eine Umweltkatastrophe allerdings ganz konkret für die vor Ort lebenden Menschen bedeutet, dem geht Delgado, selbst in Tacloban geboren und aufgewachsen, in ihrem Debütroman nach.

    Wir begleiten Ann, die in Tacloban aufwuchs, zurück in ihren Geburtsort, wenige Tage nachdem Haiyan diesen fast restlos zerstörte, um ihr nicht nur bei ihrer Arbeit für eine NGO über die Schulter zu schauen, sondern auch in ihre eigene Psyche hinein, denn Tacloban birgt für sie ganz persönliche Familiengeheimnisse, denen sie in diesem Zuge auf den Grund gehen will. Nur drei Tage hat sie finanziert bekommen, danach muss sie wieder abreisen. In diesen drei Tagen macht sie sich auf, Aussagen von Betroffenen zu sammeln, Orte, die sie von ihrer Kindheit kennt, aufzusuchen und das Ausmaß der Zerstörung zu begreifen.

    Delgado rückt nicht nur die Geschichten der Betroffenen direkt nach der Umweltkatastrophe auf den Philippinen ins Zentrum ihres Romans, sondern auch die jüngere politische Historie der Philippinen an und für sich. Da die Eltern ihrer Protagonistin Ann in den 1970er/80er Jahren noch während der Diktatur Ferdinand Marcos‘ scheinbar eng mit dem Präsidentenpaar verbandelt war´, sich dann die Mutter jedoch plötzlich aus der Familie zurückzog, beschäftigt Ann ihre Familiengeschichte mit all ihren Geheimnissen bis heute.

    Um dies besser verstehen zu können, hat der Verlag einen kurzen geschichtlichen Abriss zu den Philippinen im Anhang des Buches abgedruckt. Dieser Abriss ist unglaublich wertvoll, um die Hintergründe von Anns Familiengeschichte besser zu verstehen als auch um sich selbst weiterzubilden bezüglich dieses 7500 Inseln umfassenden Staates. Ebenso hilfreich sind die zahlreichen Anmerkungen hauptsächlich zu Besonderheiten der Sprache der um Tacloban ansässigen Waray-Bevölkerungsgruppe, da im Text viele Ausdrücke in der Waray-Sprache eingebaut sind. Außerdem enthält der Roman authentische Interviewmitschriften von vom Taifun Betroffenen, die allerdings direkt ins Deutsche übersetzt wurden, im Originalroman wohl aber sowohl in Waray als auch Englisch abgedruckt wurden.

    Insgesamt muss ich sagen, dass dieser Roman inhaltlich von hohem Wert ist, um sich der Folgen des Klimawandels und den damit verbundenen Katastrophen, die sich direkt auf viele Menschen und besonders auf die Bevölkerung der Philippinen auswirken bewusst zu werden. Ich habe unglaublich viel gelernt im Rahmen dieser Lektüre.

    Allerdings hatte ich meine Probleme mit dem ein oder anderen zusätzlich eingebauten Themengebiet, welche zum Plot des Romans gehörten. So erschien mir die Suche von Ann nach einer Verwandten eines Freundes der Familie sowie nach einer „Bestie“, welche in Tacloban ihr Unwesen treiben soll und mit diesem Freund zusammenhängt zu schwammig. Ich nehme an, hier soll die Bestie metaphorisch für Geheimnisse der Vergangenheit stehen, bekommt dann aber ein sehr physisches Auftreten. Für mich waren die Beweggründe von Ann nicht richtig greifbar. Zusätzlich taucht immer wieder im Zwiegespräch Ann Schwester Alice auf, die in den USA Psychologie studiert hat. Diese psychologisiert ständig an ihrer Schwester herum, was wahrscheinlich die Art der Autorin ist, um die psychologischen Folgen eines Traumas zu verdeutlichen. Auch war mir von Anfang an nicht so richtig klar, was eigentlich die Aufgabe der NGO ist, von der Ann entsandt wurde, und auch was eigentlich konkret Anns Aufgabe ist. Sie soll wohl eine Mappe zusammenstellen, die die Resilienz, die „Erholung“ von Menschen nach einem solchen Ereignis darstellt. Dafür bekommt sie nur drei Tage Zeit. Also sammelt sie Aussagen von Überlebenden, dies aber so kurz nach dem Ereignis selbst. Aber so richtig etwas darunter vorstellen, konnte ich mir bis zum Ende nicht. Auch erlebt Ann in den drei Tagen so viel, trifft so viele Menschen, dass es zumindest so wirkt, als ob das gar nicht schaffbar ist in dieser kurzen Zeit. Eindeutig noch nebulöser empfand ich jedoch die Geschichte um die Bestie und den Familienfreund. Leider konnten mich diese erzählerischen Entscheidungen nicht überzeugen und letztlich auch nicht gut mitnehmen, sodass ich gerade ab der zweiten Hälfte des Romans eher damit zu kämpfen hatte. So fragt ein alter Kindheitsfreund von Ann und ihr Begleiter durch das zerstörte Tacloban genau das, was ich mich als Leserin ebenso fragte und spricht mir aus der Seele: „Ann, ano gud, worum geht es hier eigentlich? Wozu die ganzen Fragen?“

    Es handelt sich hier um einen thematisch wichtigen Roman, mit dem ich erzählerisch allerdings meine Probleme hatte. Trotzdem würde ich zu einer Lektüre raten, gerade auch aufgrund der ganz besonderen Gesamtzusammenstellung durch den Verlag und die sehr gute Übersetzungsleistung von Gabriele Haefs. Hier geht es um echte Menschen und ihre Schicksale, welche durch den Taifun maßgeblich geprägt wurden. Denn wie es Delgado im Roman benennt, gab „es um uns herum nur Finsternis […], Chaos, Tod und Verwüstung.“ Allein schon für all diese Toten und Überlebenden einer schrecklichen, letztlich menschengemachten bzw. zumindest menschenverstärkten Naturkatastrophe, die ein kollektives Trauma induziert hat, ist es wichtig, dass wir uns erinnern. Kinahanglan manumdom.

    3,5/5 Sterne
    Sie wollen uns erzählen

    Birgit Birnbacher
    Sie wollen uns erzählen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    11.04.2026

    Im Anderssein genau richtig sein

    Der Drittklässler Oz/Ozzy/Oswald ist anders. Seine Mutter Ann auch. Beide sind neurodivergent und haben ADHS. Aber sie sind eben auch genau richtig und dies bringt Birgit Birnbacher in ihrem warmherzigen Roman wirklich eindrücklich rüber.

    Als Oz mit seinem Zeugnis einen Brief von seiner Klassenlehrerin, der über ihn Schlimmes behauptet, mit nachhause bringt, wünscht er sich, etwas Mittelschlimmes würde passieren und die Mutter Ann ablenken, damit das, was im Brief steht, gar nicht mehr so ins Gewicht fällt. Dann passiert tatsächlich etwas Schlimmes, denn Oz‘ Großmutter Zäzilia verschwindet aus dem Krankenhaus und muss gesucht werden, also machen sich Ann und Oz auf den Weg in die Berge. Anns Schwester Nell wird auch mit hinzugerufen und dann gibt es da noch den Nachbarn von Oz‘ Großmutter, genannt „Der Leipziger“. Und weil ein Unglück selten allein kommt, wird dann alles noch schlimmer.

    Die größten Sträken von Birnbachers neuen Roman liegt eindeutig in der Darstellung der Figuren Oz und seiner Mutter Ann. Und auch wenn ich mich dagegen verwehre, dass jemand mit ADHS oder Autismus „daran leidet“ (weil: es handelt sich nicht um eine schreckliche Erkrankung, sondern kurz gesagt eine andere Art neurologisch zu funktionieren als die Masse der Menschen), so leiden doch beide darunter mit dieser Besonderheit in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft zurechtzukommen. Oz ist in der Schule ganz anders gefordert als die meisten Kinder und Ann versucht im Arbeitsleben sowie als getrennt lebende Mutter über die Runden zu kommen. Birnbacher geht in die Tiefe, wenn sie die Besonderheiten im Denken, Fühlen und Handeln ihrer Hauptprotagonist:innen darstellt und schafft dies auf unglaublich authentische Art und Weise. Hier hat sie hervorragend recherchiert, sich beraten lassen und schriftstellerisch das Wissen wirklich congenial umgesetzt. Konnte ich Ann und ihre Kämpfe sehr gut nachvollziehen, so habe ich mit dem kleinen Oz richtig mitgefiebert. Er ist ein toller Junge, dem ich so gern durch diese Geschichte gefolgt bin.

    Sprachlich ist „Sie wollen uns erzählen“ wieder einmal, wie von Birgit Birnbacher gewohnt, ausgesprochen gelungen. Mit nur wenigen Worten erschafft sie die Außen- wie auch Innenwelt ihrer Figuren. Prägnant bringt sie Probleme auf den Tisch und zeigt gesellschaftliche Mängel im Umgang mit neurodivergenten Menschen auf.

    Allein die Nebenfiguren und die damit verbundene Handlung waren für mich eher Fremdkörper in diesem Roman, die von der eigentlichen Geschichte um Oz und seine Mutter ablenken. Auch fand ich zum Ende hin die Handlung bzw. Andeutungen, was zwischen den Figuren abläuft und zukünftig ablaufen könnte mitunter doch sehr abstrus. Dies hätte dann ein eigener Roman mit einer eigenen Sprache und einer differenzierteren Handlung werden sollen. Hier aber stört dies die eindrückliche Geschichte meines kleinen Helden Oz und seiner Mutter Ann.

    Deshalb wird der vorliegende Roman leider nicht ein Highlight für mich sein, wenngleich ich ihn trotzdem wärmstens empfehlen kann, da ich eine prosaische Darstellung von ADHS so authentisch und nah an den Menschen bisher noch nicht gelesen habe.

    4/5 Sterne
    Hummelhirn

    Judith Holofernes
    Hummelhirn (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.04.2026

    klug - bescheiden - NETT - neurodivergent

    In ihrem zweiten Buch widmet sich Judith Holofernes, bekannt als ehemalige Sängerin und Songtexterin von Wir sind Helden sowie als Solokünsterlin und Podcasterin, ihrer Kindheit und Jugend in Berlin und Freiburg im Breisgau. Dabei schreibt sie nicht einfach eine lahme Künstlerinnen-Autobiografie zusammen, sondern legt ein Augenmerk auf ihre besondere, nicht durchschnittliche Art das Leben zu deuten und durch selbiges zu gehen. Dass hier ein neurodivergentes Mädchen ihren Weg erst noch finden muss, ist hintergründig immer Thema, wenngleich die Autorin dies ihrer Leserschaft nicht auf die Nase bindet. Denn vordergründig wird von einem kleinen Mädchen gesellschaftlich verlangt „klug, bescheiden und nett“ zu sein.

    So geht es in ihrer ganz persönlichen Geschichte, die die Autorin halb-chronologisch aus ihrer Kindheit in den 1970ern bis in die frühen 2000er durch Zeitsprünge und Blitzlichter in spätere Erwachsenenjahre erzählt, eigentlich um „das Nettsein“ und welche Anstrengungen damit verbunden sind, wenn man eigentlich Ummeln im Hintern, im Hirn und im Herzen hat. Dass diese Judith ihr aus heutiger Sicht fragwürdiges Ziel erreichen und die wohl netteste Person im deutschen Showbiz sein wird, wissen wir aus ihrem vorherigen Buch „Die Träume anderer Leute“. Und wir wissen aus diesem Buch auch, zu welchem Preis sie dieses Ziel erreicht. In „Hummelhirn“ geht es aber um die Voraussetzungen, um die Momente im Leben, die prägen und die die Idee einpflanzen, auf eigene Kosten und unter allen Umständen „nett“ sein zu wollen und zu müssen.

    Die Autorin geht dabei mit ihrer Diagnose, die sie erst mit 46 Jahren erhalten wird, nicht hausieren. Hier durchbricht sie sogar ganz wunderbar die Vierte Wand und lässt ihren Lektor zu Wort kommen, der von ihr wünscht, die Diagnose ins Buch zu schreiben. Holofernes will aber ein Buch „für alle komischen Kinder“ schreiben und deshalb nicht die Diagnose benennen, die für einigermaßen Kundige natürlich schon vollkommen klar ist. Das macht die Autorin so unglaublich authentisch und , ja, auch sympathisch. Denn ihre Erfahrungen, mit gewissen Abwandlungen, sind auf andere Neurodivergenzen übertragbar. Selbst ihre Reaktion auf die Diagnose ist universell.

    Allein die vielen juvenilen Tagebucheinträge im letzten Drittel des Buches haben mich etwas verwundert und zunächst auch in ihrer Menge etwas genervt. Zunächst hatte ich den Eindruck, diese würden nun aber wirklich zu sehr die Oberhand gewinnen, aber zum Ende hin wird klar: die Autorin möchte zeigen, dass sie nicht nur ein Hummelhirn sondern auch ein Hummelherz hat. Und um dies zu zeigen und nicht nur zu erzählen, nutzt die Autorin hier ihre alten Tagebuchaufzeichnungen. Fair enough.

    Es scheint klar: Viele Helden-Fans werden dieses Buch kaufen und lesen. Aber genauso klar sollte sein: Es ist die Geschichte eines neurodivergenten Mädchens, welche darüber hinaus ganz viele Menschen interessieren könnte und sollte, da sie so universell verdeutlicht, wie es ist, wenn man nicht so ist wie die Mehrzahl der anderen. Deshalb empfehle ich auch ganz grundsätzlich die Lektüre dieses wunderbaren Buches, welches nicht nur sehr gut geschrieben ist, sondern auch wieder wirklich schön von Carolina Rodriguez Fuenmayor illustratorisch in Szene gesetzt wurde.

    4,5/5 Sterne

    Disclaimer für alle, die noch nichts mit „Neurodivergenz“ und „Neurodiversität“ anfangen können:

    Unter Neurodivergenz werden unter einem Schirm Menschen mit verschiedenen, meist angeborenen, neurologischen Besonderheiten wie ADHS und Autismus (aber auch viele andere) zusammengefasst. Neurodiversität beschreibt das verschiedenartige Vorkommen dieser Neurodivergenzen und neurotypischen (durchschnittlich-mehrheitlichen, neurologisch „unauffälligen“) Menschen innerhalb einer Menschengruppe = diese Gruppe ist dann divers. Ein einzelner Mensch kann neurodivergent sein. Hier sollte der Verlag noch einmal auf den Klappentext schauen, da die Begriffe synonym verwendet werden, was sie nicht sind!
    Sanditz

    Lukas Rietzschel
    Sanditz (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.04.2026

    Eindrückliches Personen-Geschichten-Panorama eines ostdeutschen Städtchens

    „Sanditz“ ist ein fikitver Ort in Ostsachsen. Landschaftlich und gesellschaftlich dominiert durch den Tagebau versammeln sich hier verschiedenste Persönlichkeiten mit ihren ganz eigenen Geschichten. Wir erleben den Wandel von einem durch den voranschreitenden Tagebau gefressenen und dann neu wieder aufgebauten Ort zu DDR-Zeit hin zu einem Ort, dessen Bewohner in den 2020er Jahren mit ganz eigenen und globalen Problemen zu kämpfen haben. Dabei entwirft Lukas Rietzschel ein grandios erfundenes Wimmelbild, welches exemplarisch für viele Orte und Biografien steht, ohne jemals auf Klischees zurückzugreifen. Meines Erachtens ist dies Rietzschels stärkster Roman, der in seiner Breite und ohne Moralisierungen das spannende Bild eines Ortes und seiner Geschichte(n) zeichnet.

    Dabei nutzt der Autor eine halbchronologische, episodenhafte Erzählweise, die aus vielen kleinen kachelartigen Versatzstücken das Bild von diesem Sanditz und seinen Bewohnern heraufbeschwört. Man kann sich jede Kachel für sich allein ansehen und betrachten, tritt man allerdings einen Schritt zurück, sieht man das ganze Ausmaß der Geschehnisse. Auch wenn wir hier eine zentrale Familie, Familie Wenzel, haben, deren Mitglieder wir immer wieder treffen, so handelt es sich aber keinesfalls um einen Familien- oder Generationenroman. Nach und nach setzen sich während fortschreitender Lektüre die Lebensgeschichten der Protagonisten zusammen. Das führt zu vielen kleinen Spannungsbögen, da wir zwischen den 1970er und 2020er Jahren hin und her springen bzw. uns von den 1970er Jahren an unsere Gegenwart heranarbeiten.

    Währenddessen greift Rietzschel verschiedene Themen auf, wie die Zerstörung von Ortschaften durch fortschreidenden Tagebau und den damit verbundenen Verlust von Heimat; das kränkelnde System der DDR mit ihrer Bespitzelung und dem entgegengesetzt der Zusammenhalt und Freiheitsdrang einer Glaubensgemeinschaft; die Identitätssuche nach einer Wende, die nicht so ablief, wie es sich viele gewünscht hätten; bis hin zur Suche nach einer Lebensaufgabe, selbst wenn dies mit dem Aufgeben des Lebens durch das Ziehen in einen Krieg bedeutet.

    Erstaunt war ich über die breit gefächerte Themenpalette des Romans, ohne dass ich das Gefühl gehabt hätte, es werden Themen nur kurz angeschnitten oder des reinen Effekts wegen aufgegriffen. Alles hängt hier miteinander zusammen. Manchmal offensichtlich, manchmal sehr hintergründig. Er nutzt außerdem gekonnt Sagenfiguren, um Verbingungen zu verdeutlichen und zwischen historischen Ereignissen und der Gegenwart herzustellen.

    Die Figurenzeichnung erscheint sowohl exemplarisch wie auch ganz individuell. Und dies nicht nur bei Hauptfiguren sondern auch und gerade bei Nebenfiguren, die keineswegs als reine Staffage gelten.

    Zuletzt möchte ich noch erwähnen, dass ich über die detaillierte Darstellung der Kämpfe in der Ukraine erstaunt war. Dies hatte ich so nicht erwartet. Und für mich war es eine Bereicherung, weil sich für mich gezeigt hat, dass fernab der modernen Technik (Drohnen etc.) der Infanterie-Kampf heutzutage im Krieg immer noch genauso schrecklich abläuft wie schon während des ersten Weltkrieges. Ich hatte das Gefühl, ich könnte hier „Das Feuer“ von Barbusse neben die entsprechenden Passagen aus „Sanditz“ legen. Erschreckend und eindringlich!

    Für mich handelt es sich hier um einen ganz großen Roman, der mich voll und ganz gepackt hat und den ich regelrecht eingesogen habe. Eine klare Leseempfehlung für Lukas Rietzschels dritten Roman!

    5/5 Sterne
    Die Stimmen der Nacht

    Tochi Eze
    Die Stimmen der Nacht (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.04.2026

    Zwischen Fluch und psychischer Erkrankung

    In ihrem Debütroman spannt die nigerianische Autorin Tochi Eze den Bogen über die Geschichte zweier Familien von 1905 bis 2005 und damit über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wir erleben den Wandel von einer noch von den weißen Kolonisatoren und Missionaren unberührte Zeit hin in die globalisierte Gegenwart mit all ihren Folgen. Dabei greift die Autorin sowohl ursprüngliche Glaubensvorstellungen als auch die Thematik von psychischer Störung auf und verwebt sie in eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, deren Vorfahren zwar teilweise aus demselben Dorf stammen, die aber doch ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, bis sie sich fanden und wieder verloren.

    Zentrale Figuren sind Margaret und Benjamin, die sich in den 1960ern in Lagos kennen und lieben lernen. Allerdings wird hier keine stringente Liebesgeschichte erzählt. Immer wieder springen wir zwischen den Jahren 1905, den 1960/70ern und 2005 hin und her. So bekommen wir einen breiten Überblick über die Vorfahren von Margaret, welche schon immer „verflucht“ zu sein scheinen, und von Benjamin, der hellhäutig ist, da sein Großvater ein weißer Missionar gewesen ist. Durch die zeitlichen und örtlichen Sprünge wird der Roman zu einem Flechtwerk von Lebensrealitäten, die den Wandel der Zeit aufzeigen und auch den Wandel von Definitionen und Zuschreibungen. Was früher allgemein akzeptiert wurde als ein Fluch, der auf einer Ahnenreihe liegt, wird heutzutage als Schizophrenie benannt. Mir gefällt sehr, dass Tochi Eze hier keine klare Antwort liefert, sondern es offen lässt, was dies nun ist, was diese Familie befallen hat, und dem wir in unterschiedlichen Generationen unterschiedliche Namen geben. Diese thematische Fokussierung war für mich überraschend und gleichzeitig dadurch die größte Stärke des Romans.

    Auch wenn der sprunghafte Erzählstil, der allerdings immer zu Beginn eines neuen Kapitels durch Zeit- und Ortsangaben angekündigt wird und damit nicht überraschend kommt, es manchmal schwer macht, auf Anhieb noch genau zu wissen, wer jetzt von wem gleich der Vorfahr oder Nachfahr war, hat mich der Roman nie verloren. Ich fand den Erzählstil und vor allem den Fokus der Geschichte sehr erfrischend. Zwar bilden Margaret und Benjamin die Bindeglieder zwischen den Familien und Zeiten, trotzdem sind sie auch nie nur die einzigen Hauptfiguren.

    Ein insgesamt gelungener, inhaltlich überraschender Debütroman, dessen Autorin man weiterhin im Blick behalten sollte.

    4,5/5 Sterne
    Gelbe Monster

    Clara Leinemann
    Gelbe Monster (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.03.2026

    Das Main Character Syndrome gepaart mit der Gewaltbereitschaft einer Frau

    Charlie ist eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren Studienabschluss in Mathematik zu absolvieren und bestenfalls danach noch zu promovieren. Wer würde erwarten, dass diese junge Frau an einem Antiaggressionstraining teilnehmen muss? Wahrscheinlich auf den ersten Blick niemand. Aber so ist es, denn wir wissen, dass sie von ihrer besten Freundin aufgenommen wurde, da ihre eigene Wohnung scheinbar zerstört ist, und dass dies irgendetwas mit ihrem (Ex-)Partner zu tun hat. Charlie hat zu Gewalt gegriffen und auf den nicht einmal 200 Seiten erfahren wir, wie es dazu kommen konnte.

    Beginnt man Clara Leinemanns Debütroman zu lesen, erscheint Charlie, die wir durch die personale Erzählperspektive kennenlernen, erst einmal stark unsympathisch. Alles scheint sich nur um sie selbst zu drehen, immer sind alle anderen schuld. Dabei schafft es Leinemann eigentlich hier perfekt eine junge Frau mit „main character syndrome“ schriftstellerisch darzustellen. Dieses „Hauptcharakter“-Syndrom beschreibt eine Person, die als sei sie die Hauptperson in einer Geschichte. Sie sieht sich selbst als eine Figur, um die sich alles dreht. Der Unterschied zum Egoismus ist, dass das gesamte Leben zusätzlich „filmreif“ inszeniert wird, es immer auf die Wirkung ankommt und die betroffene Person meint, ihr stehe - einfach so, ganz natürlich – ein herausragendes Leben zu. Charlie lebt in einer RomCom, seit sie Valentin kennengelernt hat. Alles scheint perfekt zu passen und nun hat sich auch Valentin gefälligst danach zu verhalten. Nur tut er das nicht immer und bei Charlie kommen außerdem noch narzisstische Tendenzen hinzu mit einem geringen Selbstwertgefühl und so wird Charlie nicht nur verbal ausfällig, sondern auch gewalttätig.

    Psychologisch entwirft das Leinemann ganz geschickt, ohne im Roman zu psychologisieren. Vollkommen authentisch entwickelt die Autorin aus der Figur Charlie heraus die Probleme und letztlich die Katastrophe, auf die die Figur zusteuert. Wie diese Figur in Tagträumen von perfekt inszenierten Filmszenen schwelgt, um von ihrer eigenen, pathetischen Fantasie überwältigt sogar Tränen in den Augen zu haben. Sie sieht sich als Heldin ihrer Geschichte und schafft es sogar einmal mit Valentin (ohne, dass dieser etwas davon mitbekommt) die Pietà auf dem Bett in Szene zu setzen. Selbst wirft sie ihm innerlich vor, ein manipulativer Narzisst zu sein und merkt nicht, dass sie es doch selbst ist. Wie dann sich langsam immer mehr Gewalt, zunächst über die verbale Ebene und später vermehrt durch körperliche Übergriffe von Seiten Charlie, in die Beziehung schleicht, können wir Lesenden durch geschickt gesetzte Rückblicke nachvollziehen.

    Ich finde insgesamt hat es Clara Leinemann auf wenigen Seiten geschafft ein Fallbeispiel für weibliche Gewalt in einer Partnerschaft zu umreißen und die Kaskade der Aggression zu verdeutlichen. Mir hätte das Buch noch mehr gefallen, wenn sie sich mehr als nur zwei Sätze Zeit genommen hätte, um auf die Ursprünge von Charlies niedrigem Selbstwertgefühl einzugehen. Aber die Andeutung reicht, um eine Ahnung davon zu bekommen, wie groß eigentlich der Eisberg unterhalb der Wasseroberfläche ist. Und weil dieser Eisberg so groß ist, kann zwar Charlie im Laufe des Buches eine kleine, fortschrittliche Entwicklung durchmachen, wir merken jedoch zum Ende hin, dass eine Persönlichkeitsstruktur nicht einfach so umgepolt werden kann.

    Somit kann ich die Lektüre dieses Debütromans nur empfehlen, um ein Gespür für ein selten in der Literatur thematisiertes Problemfeld zu bekommen.

    4,5/5 Sterne
    Schleifen

    Elias Hirschl
    Schleifen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.02.2026

    Anspruchsvoll und radikal und gerade deshalb lesenswert!

    Eigentlich kann man Sprache und Worte allein gar nicht verwenden, um diesen multifaktoriellen Roman zu beschreiben. Ich sitze an dieser Rezension und da ist Leere. Aber eine gute Form von Leere. Alles dreht sich, alles wiederholt sich, alles ist eins. Oder eben Null… oder 10hoch10hoch10hoch32 oder so.

    Wenn man sich an irgendetwas festhalten will, um den Inhalt dieses Romans darzulegen, dann wahrscheinlich am ehesten an Franziska Denk und Otto Mandl. Die Geschichte setzt in den früher 1930er Jahren in Wiens Salons ein, in denen sich die zeitgenössische Elite der Philosophie und Wissenschaft treffen. Schon als Kind nimmt Franziska daran teil, erleidet allerdings krankheitsbedingte Zusammenbrüche, da sie jedes Symptom, von dem sie liest oder hört, sofort selbst ausbildet. Ihre Jugend im US-amerikanischen Exil wird sehr einsam sein, ebenso wie die von Otto, der als Kind, getrennt von seinen Eltern nach Großbritannien verschifft wurde. Sie finden über eine Brieffreundschaft zueinander und werden ein Leben lang miteinander verbunden sein. Aber um ehrlich zu sein, ist dies nur eine sehr, sehr lose Rahmenhandlung, die mit dem vorliegenden Roman eigentlich nicht viel zu tun hat.

    Eigentlich geht es hier um Sprache und Mathematik, um Philosophie und Wissenschaft. Jedes Kapitel - eigentlich jede Seite - bringt neue Überraschungen bezüglich ebenso hoch anspruchsvoller Theorien und mitunter im selben Atemzug schreiend komische Ideen. Hier wird die Welt aus dem Nichts hergeleitet und sie verschwindet auch im Nichts. Denn Franziska Denk (oder das Konzept Franziska Denk) wird mit Otto eine Sekte gründen, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat mithilfe von Philologie und Mathematik erst eine gänzlich neue Sprache und letztlich die Auslöschung der Sprache voranzutreiben. Dabei kommt es zu aberwitzigen Beschreibungen, die man selbst gelesen haben muss, denn eine nachträglich Verschriftlichung in einer Rezension entbehrt jeder Logik und jedem Sinn.

    Klingt jetzt alles sehr kryptisch. Ist es auch!

    Neben den vielen beschriebenen Theorien aus verschiedenen Disziplinen, die es zu verstehen gilt, oder eben nicht, wird die virtuose Verflechtung von Fiktion und Realität (Was ist das überhaupt? Fragt man sich während und nach der Lektüre.) zu einem anspruchsvollen Bestandteil des Schreibens von Elias Hirschl. Versucht man zu Beginn noch beides auseinanderzuhalten, lässt man sich im Verlauf des Romans immer weiter von den Schleifen der Geschichte davontragen.

    Mir persönlich hat die erste Hälfte des Romans, welches den „Teil 1“ ausmacht am besten gefallen. Hier konnte ich mich in verschiedenste Theorien und Gedankenspiele vertiefen, lachte immer wieder laut auf und war begeistert von Hirschls Schreiben und Geistesinhalte. Ab „Teil 2“ und auch im abschließenden „Teil 3“ des Romans kumulierten sich die Längen. Hirschl setzt das um, was er auf Seite 340 schreibt:

    „All die verschiedenen Konzepte. All die Begriffe, die sich vor ihren Augen auflösten. Vielleicht verhielt es sich ähnlich mit den Quellen. Vielleicht machte es keinen Unterschied mehr, wo eine Information herkam, wie die Biografie einer Idee aussah. Alles war unübersichtlich, löchrig, brüchig geworden.“

    Und so wird auch die Welt, in der „Schleifen“ spielt immer unübersichtlicher, löchriger und brüchiger. Alles löst sich auf, beginnend mit der Sprache.

    Elias Hirschl beherrscht definitiv die Sprache. Und auch vieles mehr. Ich empfand den ersten Teil des Romans brillant, den Rest sehr gut, wenn auch „schleifend“. Genau das ist sicherlich gewollt, war mir dann aber ein Tacken zu viel. Letztlich kann ich nur empfehlen, mutig zu sein, und sich an diesen Roman heranzuwagen. Es gibt unendlich (oder annähernd unendlich, nicht zählbar) viele Perlen zu entdecken. Und Schleifen sowieso!

    Ich habe selten einen so fordernden Roman gelesen, der gleichzeitig beim Lesen so viel Spaß gemacht hat. Bis auf kleine Längen wirklich ein Erlebnis.

    4/5 Sterne
    Treppe aus Papier

    Henrik Szántó
    Treppe aus Papier (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.11.2025

    Dieses Haus hat viel zu erzählen – und das sehr originell

    In Henrik Szántós Romandebüt „Treppe aus Papier“ erzählt ein ganzes Haus die Geschichte seiner Bewohner – der ehemaligen und gegenwärtigen. In unserer Gegenwart treffen die 15jährige Nele und die 90jährige Irma aufeinander. Die eine muss gerade für den Geschichtsunterricht etwas über das Dritte Reich und die Gründung der BRD lernen, die andere hat dies hautnah selbst miterlebt. Irma hat auch miterlebt, wie Juden verschleppt wurden und ihre Familie ist nicht unschuldig daran. Durch den Kontakt der beiden treffen Generationen aufeinander, etwas, was in der Wahrnehmung des Hauses sowieso ständig passiert.

    Szántó lässt sich nämlich etwas ganz besonderes für seinen Roman einfallen: Es spricht nicht nur in der „Wir“-Form das Haus mit uns, sondern in seiner Wahrnehmung findet alles gleichzeitig statt. Es überlagern sich dutzende Menschen, Situationen, Geräusche, Gerüche in einem Moment des Erzählens, da Zeit, wie wir sie kennen, für so ein altes Gemäuer nicht existiert.

    Habe ich zu Beginn noch gedacht, der Spoken-Word-Künstler Szántó übernehme sich hier ein bisschen, webt er doch auf den ersten Seiten all seine Sprachkunst auf einmal ein, entspannt sich die Sprache mit der Zeit und es ist problemlos möglich, den verschiedenen, gleichzeitig stattfindenden Erzählebenen zu folgen. „Gleichzeitig stattfindend“ heißt in diesem Falle, dass wir in einem Absatz der kleinen Jüdin Ruth als Schülerin in den 1930ern begegnen können, dem Baby Ruth auf dem Arm ihres Vaters Jahre zuvor, die Greisin Ruth, die mit ihrem Gehstock das Treppenhaus betritt und den Geruch von Zwiebelsuppe ins Haus hinauslässt. Das finde ich toll gemacht. Es liest sich ganz anders als Bücher, bei denen kapitelweise die Zeitebenen gewechselt werden. So kommt man den Figuren nicht nur sehr nahe, sondern auch dem Umstand, dass Vergangenes immer noch in der Nähe lauert. Und so natürlich auch nationalistische-rechtsextreme Gesinnungen, die da sind. Damals wie heute. Verdrängung, die gestriges nicht mehr wahrhaben will. Aber eins macht uns Szántó mit seinem Roman sehr deutlich bewusst: Vergangenheit existiert immer auch heute noch. Vergangenheit beeinflusst unsere Gegenwart und wird auch unsere Zukunft beeinflussen. Ob auf der persönlichen, familiären Ebene oder auf gesellschaftlicher Ebene. Ganz unwillkürlich fängt man an sich nicht nur noch einmal zu fragen, was die eigenen Vorfahren erlebt und zu verantworten haben, sondern auch was dieses oder jenes Haus nicht alles schon gesehen, gehört, gespürt hat.

    Ich habe in diesem kleinen Büchlein immer noch Hintergründe zur NS-Zeit und die Zeit kurz danach neu gelernt. Das macht das Buch für mich, durch seine Erzählperspektive, zu etwas Besonderem. Sodass ich dem Autor auch vergebe, dass die Sprachkunst manchmal mit ihm durchgeht und mitunter über mehrere Seiten hinweg, jeder Satz etwas drängendes will.

    Leseempfehlung von meiner Seite!

    4,5/5 Sterne
    Moscow Mule

    Maya Rosa
    Moscow Mule (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    10.11.2025

    Dieser Cocktail ist leider nicht gut gemixt

    „Moscow Mule“ bezeichnet einen Wodka-Cocktail, der interessanterweise nicht in Russland sondern in den USA erfunden wurde, um Wodka dort populär zu machen. Er ist also kein Exportschlager, sondern ganz und gar amerikanisch. Für mich ist der gleichnamige Roman von Maya Rosa leider auch kein Exportschlager. Ich finde den Mix nicht ausgewogen und das Buch trifft leider so gar nicht meinen Geschmack.

    Die Ich-Erzählerin Karina ist außerhalb von Moskau aufgewachsen und pendelt nun als Studentin des politischen Journalismus zwischen Moskau und einem Vorort, in dem sie bei ihrer Großmutter lebt, hin und her. Die meiste Zeit verbringt sie entweder mit ihrer besten Freundin Tonya, in einem Club oder im Bett mit einem (meist wildfremden) Mann. Wahlweise die letzten beiden Punkte auch zusammen mit Tonya. Beide wollen raus aus Russland, vor allem seit 2006 die kremlkritische Journalistin Anna Politkowskaja einfach so in Moskau ermordet wurde.

    Jetzt denkt man: Das ist eine wirklich gute Voraussetzung für einen tiefgründigen Roman, der sich mit der Seele junger, politisch engagierter Leute in Russland beschäftigt. Aber weit gefehlt. Tiefgründig wird es leider nie so richtig im Roman. Die Figuren bleiben unglaublich blass. Inhaltliche Tiefe will scheinbar allein dadurch erreicht werden, dass mehrfach der Mord an Anna Politkowskaja mehrfach erwähnt wird (mehr aber auch nicht). Vielleicht will der Roman auch die Selbstermächtigung zweier Frauen zeigen, die sich Männer zunutze machen. Aber letztlich vögeln sie sich nur durch die Gegend mit wechselnden Partnern, um bestenfalls einen Vorteil für sich herausschlagen zu können.

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich bis Seite 100 intensiv gelesen und gehofft habe, irgendwo Tiefe zu finden. Ab da habe ich eher so oberflächlich weitergelesen, wie auch der Text geschrieben ist. Leider tauchte bis zum Ende des Romans keine Szene mehr auf, die mich irgendwie mitnehmen konnte. Der Schreibstil ist durchschnittlich bis einfach gehalten und der angekündigte Humor trifft scheinbar so gar nicht meinen Sinn für Humor.

    Mich hat das Cover gleich auf den ersten Blick gebannt und der Klappentext klang interessant, ebenso wie die ersten Seiten. Aber es bleibt bei einer Aneinanderreihung von gefühlt zu belanglosen Szenen (im Vergleich dazu, was für ein Fass hätte aufgemacht werden können, da die Protagonistin politischen Journalismus studiert und kurz zuvor Anna Politkowskaja ermordet wurde). Es ist so schade, hatte ich doch zunächst ein großes Interesse an diesem Buch. Deshalb gibt es leider keine Leseempfehlung von mir für den unausgewogenen, eher langweiligen Cocktail „Moskow Mule“, den ich, hätte ich dafür nicht eine Rezension schreiben wollen, nicht einmal vollständig ausgetrunken (aka zu Ende gelesen) hätte.

    2/5 Sterne
    Prinzessin Alice

    Irene Dische
    Prinzessin Alice (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.10.2025

    Eine faszinierende, leider weggesperrte Adlige

    In ihrem Roman über die Großmutter des amtierenden König Charles III. trägt Irene Dische auf wenigen Seiten einige unfassbare Episoden aus dem Leben von Alice von Battenberg zusammen. Alice von Battenberg, die Enkelin von Königen Victoria, die mal ein koloniales Weltreich regierte und Tochter von Prinzessin Victoria (ja, es kann verwirrend sein), eine hochintelligente, belesene Frau (der ich aufgrund der kurzen Personenbeschreibung Autismus unterstellen würde), hatte selbst ein aufwühlendes Leben, welches dem ihrer Vorfahren und Nachkommen in nichts nachsteht. Taub geboren, lernte sie fünf Sprachen von den Lippen abzulesen und zu sprechen. Das brachte ihr bloß nicht mehr viel, als sie aufgrund ihres für ihre Familie unangenehmen Verhaltens in psychiatrische Kliniken gegen ihren Willen abgeschoben wurde. Alice war nämlich so gläubig und durchaus auch neurodivergent, dass sie der Meinung war, mit Jesus/Gott verheiratet zu sein. Im Gebet konnte sie sogar einen Orgasmus haben. Nie hat sie Eigen- oder Fremdgefährdung gezeigt, trotzdem war sie in den 1920er Jahren mit ihrem Verhalten auffällig genug, um sie bestialischen Behandlungsmethoden zu unterwerfen.

    Was in diesem Roman historisch überliefert ist und was Fiktion, ist nie ganz klar. Aber die groben Informationen scheinen (laut Wikipedia) zu stimmen. So wurde ihr von u.a. Sigmund Freud die wilde Diagnose „paranoide Schizophrenie, mitverursacht durch sexuelle Frustration aufgrund einer nicht ausgelebten Leidenschaft“ diagnostiziert und verbrachte mehrere Jahre in Sanatorien eingesperrt. Ich persönlich glaube dem Roman so ziemlich alles, was hier von Alice persönlich uns berichtet wird. Für mich ist allein schon die Lebensgeschichte dieser Adligen, mit ihrem ironischen Blick auf die eigene Sippe (und deren Inzuchtsproblematik) und die Einblicke in die adligen Herrscherfamilien unglaublich aufschlussreich gewesen. Der persönliche Blick auf die Erlebnisse machen es noch interessanter, wobei ich an manchen Stellen mit der Erzählperspektive gehadert habe. Alice berichtet hier in der Vergangenheitsform rückblickend auf ihr Leben. Dabei nimmt sie nicht nur ab und an recht flapsige Formulierungen in den Mund, die so gar nicht zu einer so stolzen Adligen passen wollen, sondern scheint auch manchmal einen allwissenden Blick auf ihre Mitmenschen zu haben und deren Emotionen zu kennen. Die Leser:innen werden mit Durchbrechen der vierten Wand mitunter direkt angesprochen. In der zweiten Hälfte des Romans passiert dann noch eine Wandlung mit Alice, von der ich mir nicht sicher bin, ob diese so tatsächlich passiert ist bzw. passiert sein kann, ob sie durch den Geisteszustand der Frau in ihr selbst auftauchte, oder ob dieses Detail von Irene Dische vollkommen frei erfunden ist.

    Ich muss zugeben, auch wenn ich mit dem Erzählstil durchaus gehadert habe, fand ich diese (fast) vergessene Lebensgeschichte von Alice von Battenberg wirklich unglaublich lesenswert und spannend. Mal wieder ein Werk, welches durch seine Schilderung von vergangenen psychiatrischen und psychotherapeutischen „Therapien“ an diesen zweifeln und nur den Kopf schütteln lassen. Auch die heutige Psychiatrie hat noch einiges vor sich und ist nicht lupenrein. Der Roman ruft ins Gedächtnis, dass immer die aktuelle Gegenwart von sich denkt, das Richtige für andere Menschen zu tun. Im Rückblick betrachtet aber durchaus falsch gelegen haben kann.

    Insgesamt eine kurze, knackige Lektüre, die zum Nachdenken anregt und nachhallt.

    3,5/5 Sterne
    Die Frau der Stunde

    Heike Specht
    Die Frau der Stunde (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.10.2025

    Alternative, feminine Historie

    Die Autorin und Historikerin Heike Specht hat sich in ihren vergangenen Werken immer wieder historischen Frauenfiguren gewidmet. Nun macht sie etwas sehr interessantes: Sie entwickelt eine alternative Historie, in der statt Helmut Schmidt und Hand-Dietrich Genscher Bundeskanzler und Außenminister/Vizekanzler sind, ein anderer fiktiver sozialdemokratischer Kanzler an der Macht und durch einen Eheskandal des auch männlichen Außenministers, der daraufhin zurücktreten muss, eine Frau ins Außenministerium einzieht. Etwas, was so nie geschehen ist. Diese Frau ist Catharina Cornelius und sie ist die Frau der Stunde, denn durch ihr Nachrücken wird die rot-gelbe-Regierungskoalition gerettet. Nur sehen nicht alle der alt eingesessenen Herren im Bundestag und den Ministerien sie als die Retterin, sondern vor allem wird sie fehl am Platz gesehen. Wir begleiten nun Catharina in diesem alternativen 1978 und 1979 und lernen dabei viel über Frauen in der Politik der damaligen Zeit, auch wenn sie nie, wie im Roman erfunden, schon Ende der Siebziger reale Machtpositionen inne hatten.

    Der alternativ-historische Roman von Specht konnte mich wirklich positiv überraschen. Bin ich zwar nicht von Politik aber vom allgemeinen Politikbetrieb heutzutage recht gelangweilt, kommt in Spechts Roman niemals Langeweile auf. Wir werden direkt an der Seite von Catharina in ihr neues Leben geworfen und lernen dabei auch noch viele andere Frauenfiguren kennen, die symbolisch für Frauen dieser Zeit stehen. So Suzanne, die als Journalistin arbeitet und eine für die Zeit moderne Ehe führt, in der ihr Ehemann, der Lehrer ist, zuhause sich um Haushalt und die drei Kinder kümmert. Ebenso Azadeh, eine iranische Dokumentarfilmerin, die zunächst von außen die Umwälzungen in ihrem Heimatland beobachtet, die kurz vor und nach der islamische Revolution das Land und die Menschen überrollen, und bald mit ins Geschehen gezogen wird. Aber auch ältere Frauen der Politik, seien sie früher in der Weimarer Republik für das Volk im Parlament eingetreten oder als fädenziehende Ehefrau an der Seite von politisch aktiven Ehemännern tätig. Und auch junge Frauen einer neuen Generation, die erstmals im Politikbetrieb Fuß fassen wollen. Diese vielen Figuren, die Catharina nicht allein im Zentrum des Romans stehen lassen, machen die Geschichte äußerst facettenreich. Gleichzeitig scheut sich Specht natürlich nicht, all die Hürden und Gefahren für Frauen in der Politik darzustellen. Dies ist keine „was-wäre-wenn“-Geschichte durch die rosarote Brille, sondern eine realistische Einschätzung, wie diese Konstellation mit einer Vizekanzlerin Ende der Siebziger Jahre hätte aussehen können.

    Heike Specht schreibt süffig und durch den Wechsel zwischen den verschiedenen Protagonistinnen in den Kapiteln bekommen wir einen weiten Blick auf das Personal. Für mich war es allerdings gerade zu Beginn schwer, mich in diese alternative Historie reinzudenken. Es wird mal in der Vergangenheitsform von Willi Brandt gesprochen und wir wissen dann, dass die historische Person gemeint ist. Aber bei den vielen Figuren rund um Catharina war mir manchmal nicht klar, ob diese wirklich existiert haben, nur zu unbekannt sind, um heutzutage noch Wiedererkennungswert zu haben bzw. ob es sich um einen Schlüsselroman handelt, der hinter den fiktiven Namen Anspielungen auf reale Personen in sich trägt. Dafür kenne ich mich leider nicht gut genug in der jüngeren Geschichte der Bundesrepublik aus. Mit der Zeit habe ich diese Fragezeichen in meinem Kopf allerdings ablegen und mich auf den Plot an sich konzentrieren können.

    So, wie der Roman endet, vermute ich stark, dass es sich um den Beginn einer Buchreihe handelt. Normalerweise lese ich nicht gern Reihen, muss allerdings zugeben, dass mich Specht mit ihrer Idee und ihrem Schreibstil fesseln konnte. Sollte also Catharinas Geschichte weitergehen, bin ich dabei.

    4/5 Sterne
    Monstergott

    Caroline Schmitt
    Monstergott (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.09.2025

    Hippe Freikirche - veraltete Probleme

    Die Geschwister Esther und Ben wachsen (in Deutschland!) in einer evangelikalen Freikirche auf, die mit hippen Social Media-Beiträgen punktet, Gottesdienste mit vielen groovigen Songs untermalt und in der die Menschen Jesus scheinbar so nahe kommen, dass sie sogar ekstatisch in Zungen sprechen. Das wäre ja alles schön und gut, wenn nicht dieselbe hippe Kirchengemeinde in tradierten Vorstellungen zu Geschlechterrollen und sexueller Orientierung feststecken würde. Esther möchte in der Gemeinde mehr Aufgaben übernehmen, darf aber nicht, weil sie nun einmal eine Frau ist, und Ben hat sexuelle Bedürfnisse, die in der Gemeinde einfach nicht existieren dürfen.

    Ich sage gleich vorweg, was dieses Buch glücklicherweise nicht macht: Es führt uns nicht ein zackiges, weltliches Erweckungserlebnis vor, durch welches sich unsere beiden Hauptprotagonist:innen, denen wir in stets wechselnden Kapiteln auf ihrem Weg begleiten, einfach mal eben so von ihrer Kirche und ihrem Glauben abwenden, weil das ja alles sowieso Blödsinn und nicht mehr modern ist. Nein, wir verfolgen in diesem zweiten Roman von Caroline Schmitt, die bereits mit ihrem Debüt „Liebewesen“ ein hervorragendes literarisches Werk vorgelegt hat, zwei Personen, die zunächst einmal ganz stark mit sich selbst hadern. Mit ihrer Identität und ihren Wünschen. Denn wenn das eigene Koordinatensystem schon in der Kindheit festgezurrt wurde und sich fast alle sozialen Kontakte auf eine eingeschworene Gemeinde begrenzen, fragt man sich doch automatisch erst einmal, was mit einem selbst denn falsch läuft. Gerade Ben, der nie etwas anderes gelernt hat, als dass jegliche von der heterosexuellen Norm abweichende Tendenzen des Teufels Werk sind, kommt mit sich selbst und seinem Leben immer weniger klar. Bereits in der Eingangsszene erleben wir etwas, was unzählige Male pro Tag Menschen in gewissen Glaubensgemeinschaften angetan wird, die nicht dieser Norm entsprechen: Eine Dämonenaustreibung. Es sollte bekannt sein, dass bei solche bestialischen Praktiken bereits Menschen ums Leben gekommen sind für den Glauben.

    In klarer, ungeschönter Sprache lässt und Schmitt mit dem Geschwisterpaar fiebern. Bei Ben sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Sie legt zunächst einmal offen, dass es diese Freikirchen, die ich ehrlich gesagt bisher nur aus englischsprachigen Ländern kannte, auch in Deutschland gibt und dass diese Kirchen durch ihre Soziale-Medien-wirksame Inszenierung an Popularität gewinnen. Zum anderen zeigt Schmitt, wie stark hier ein Geschäft mit Ängsten und Hoffnung gemacht wird, wie Glauben kommerzialisiert wird und mit wie viel Unkenntnis und Naivität die Bibel wörtlich genommen wird, ohne Kritik zuzulassen. Auf den nur 260 Seiten destilliert die Autorin eine spannende und lehrreiche Geschichte zusammen, die die Augen öffnet für eine Parallelgesellschaft, die sich bisher vollkommen aus dem modernen, gesellschaftlichen Diskurs herausnimmt und im Gegenteil immer radikaler zu werden scheint.

    Ich bin absolut begeistert. Was Caroline Schmitt bei mir mit ihrem Debüt bereits begonnen hat, führt sie nun weiter: Leserinnenbindung! ;) Ich würde ungesehen jeden folgenden Roman von ihr lesen wollen und bin gespannt darauf, welchem Thema sie sich als nächstes annimmt.

    4,5/5 Sterne
    Haus zur Sonne

    Thomas Melle
    Haus zur Sonne (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.09.2025

    Von der Selbstabschaffung

    Thomas Melle greift in seinem aktuellen Werk erneut sein Lebens- und Leidensthema auf: Das Leben – bzw. in diesem Fall das Sterben – mit bipolarer Störung. Beginnt der Roman noch mit sicherlich vielen autobiografischen Anteilen, wenn es um das erneute Aufflammen von Manie und darauffolgender Depression nach einer langen Lebensphase eines scheinbar „normalen“, scheinbar neurotypischen Autoren geht, der zuletzt ein hoch gelobtes Werk über seine bipolare Störung geschrieben hat und nun, vier Jahre nach den ersten manischen Symptomen der aktuellen Episode am absoluten Ende steht. Nicht nur psychisch am Ende, sondern auch finanziell, sozial, gesellschaftlich. Mit der Erkenntnis, dass diese Erkrankung wirklich und unumkehrbar chronisch ist und ihn bis ans Ende seines Lebens nicht nur begleiten sondern auch immer wieder zerstören wird, entschließt er sich (erneut) zu Sterben. Selbstmordversuche gab es in der Vergangenheit bereits, doch nun entdeckt er im Wartezimmer des Arbeitsamtes einen Flyer für das „Haus zur Sonne“, welches ein „Pilotprojekt zur Lebensverbesserung, Traumverwirklichung, Selbstabschaffung“ verspricht. Er bewirbt sich und darf in diese Klinik der etwas anderen Art einziehen. Aber nur, bis zu seinem assistierten Suizid.

    Der Autor stellt in seinem Roman authentisch und glaubhaft dar, wie stark die Erkrankung der bipolaren Störung an einem Menschen zehren kann bis zu dem Punkt der absoluten Verzweiflung, dass ein Suizid als einziger Ausweg erscheint. Und er straft die neurotypischen Menschen Lügen, die selbstbewusst und lebensfroh an der Behauptung festhalten, der oder die Betroffene müsse nur noch mehr Therapien, Medikationen, Lebensveränderungen durchführen, sodass es sich doch immer lohne weiterzuleben. Nein, in manchen Fällen fällt die Bilanz stets negativ aus und hier muss offen darüber gesprochen werden, ob diesen Menschen nicht ein würdevoller Abgang ermöglicht werden sollte. Das „Haus zur Sonne“ bietet hier nun den fiktionalen Anteil des Werkes von Melle. Denn hier sind sogenannte „Simulationen“ möglich. Diese gelingen durch eine (bisher noch nicht existierende) Technik, die absolute Immersion ermöglicht und die Klienten der Klinik alle nur vorstellbaren Situationen mit allen Sinnen und Emotionen durchspielen lassen kann. Am Ende steht aber für jede:n Teilnehmer:in der Tod.

    Melle legt vollkommen unverblümt das Abwägen zwischen Leben und selbstgewähltem Tod offen. Er verwirklicht etwas, was der Ich-Erzähler im Roman wie folgt zusammenfasst:

    „Die, die da draußen erzählen und veröffentlichen, sind eh die Überlebenden. Sie waren stark genug. Wo sind all die anderen, die nicht erzählen konnten, die untergingen? Und wie wäre es also mit einer Geschichte, in der keiner gerettet würde? Die eben nicht von einer Rettung handelte, sondern im Gegenteil von einem langsamen Untergang eines Unrettbaren oder vieler Unrettbarer? Die vielleicht nicht einmal eine Botschaft mit sich brächte? Und die dennoch aus ihrer Warte erzählt wäre, nicht auktorial, nicht von einem Checkerautor zusammengehalten, der am Ende meist doch gar nicht weiß, was es heißt, wirklich unrettbar verloren zu sein?“

    Nach dieser Passage sollte sich jede und jeder ein eigenes Bild davon machen, ob er oder sie diesem Buch gewachsen ist. Eins ist klar: Man wächst mit dem Buch, egal von welcher Warte aus man das Lesen beginnt!

    Dass dieses Buch sich alle Zeit der Welt nimmt, um in Ruhe die Argumente für und wider des assistierten Suizids am Beispiel dieses geplagten Autors herauszuschälen und genau das einlöst, was in dem Zitat oben auf der Metaebene den Lesenden vermittelt wird, macht für mich den Roman, neben seinen sprachlichen Stärken und seiner Authentizität, zu einem sehr wichtigen und vor allem lesenswerten Werk. Es geht um „einen andere, einen menschenfreundlicheren, würdigeren Umgang und Zugang“ mit und zum Thema. Vor allem macht der Roman eins deutlich: Bei einem Menschen, der seit Jahren Selbstmordgedanken hat, geht es nie um eine sogenannte „Kurzschlussreaktion“, die einfach verhindert werden könnte. Es ist ein langwieriger, kräftezehrender Prozess bis dies als der einzige Ausweg erscheint. So muss man sich auch zeitweise durch diesen Roman kräftezehrend hindurchkämpfen. Aber genau das ist meiner Vermutung nach auch so gewollt, um klarzumachen: Nehmt die Gedanken von jemandem, der diese Gedanken hat, niemals auf die leichte Schulter, denkt niemals, es wäre einfach an diesen Punkt zu kommen geschweige denn einfach wieder von diesem Punkt wegzukommen.

    Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite für diese Mischung aus autobiografischem Roman und Fiktion, um ein Thema im wahrsten Sinne des Worte zu Ende zu denken.

    4,5/5 Sterne
    Botanik des Wahnsinns

    Leon Engler
    Botanik des Wahnsinns (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    31.08.2025

    Hypnotisches Cover, wenig einnehmender Roman

    Während das coole Cover zum Buch „Botanik des Wahnsinns“ hypnotisch wirkt, ist die Hypnotherapie eins der wenigen therapeutischen Verfahren, welches nicht in diesem Roman erwähnt wird. Denn Leon Engler entwirft einen Erzähler, der eine psychopathologische Familienanamnese seiner eigenen Familie niederschreibt und nebenbei auch seinen eigenen, verworrenen, wenn auch nicht verrückten Weg im jungen Erwachsenenalter zeichnet.

    Der Erzähler Leon hat eine scheinbar ähnliche Biografie wie der Autor Leon. Was an diesem Roman frei erfunden und was autobiografisch ist, bleibt offen, und das ist auch gut so. Die Familie des Erzählers Leon ist jedenfalls bis in mehrere Generationen von psychischen Erkrankungen geplagt. Schon Urgroßeltern haben Probleme, die diagnostisch relevant erscheinen. Leon, der nach viel Orientierungslosigkeit selbst Psychologie studiert hat, arbeitet nun in einer Psychiatrie und soll zu Übungszwecken seinen eigenen Anamnesebogen ausfüllen. Beim Punkt „Familie“ wird es schwierig. Wie weit soll er zurückgehen? Reicht die reine Aufzählung von Diagnosen schon aus, um zu erfassen, wie die Familie sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits von diesen Erkrankungen geprägt ist?

    In wechselnden Kapiteln folgen wir nun zum einen Leon selbst und auf seinem Weg durch die Welt als junger Erwachsener, erfahren in Rückblicken auch immer wieder etwas aus seiner Kindheit und Jugend. Auf der anderen Seite vermittelt uns Leon bis in früheste Generationen hinein ein Bild von den verschiedenen Familienmitgliedern, die von psychischen Erkrankungen geplagt waren bzw. noch sind. Er selbst kämpft ständig mit der Angst, die Anlagen für eine oder mehrere psychische Erkrankungen in sich zu tragen und somit unausweichlich „verrückt zu werden“.

    Engler hat gute Ideen für seinen Roman. Der Aufbau, die Herangehensweise an eine psychopathologische Familiengeschichte, der durchblitzende Humor bezogen auf das Studium der Psychologie, die fachlichen Einwürfe zu verschiedenen Erkrankungen und ihre Behandlungsformen, das Einweben von literarischen und philosophischen Überlegungen zu psychischer Krankheit. All das klingt eigentlich nach genau einem Buch für mich. Aber leider konnte er mir zwar den ein oder anderen Lacher entlocken, mich aber nicht mit seinem reduzierten Schreibstil für sein Buch begeistern. Der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Generationen, Familienseiten und Personen mit ihren Krankheitsgeschichten machte es schwer, zu folgen und die Personen auseinanderzuhalten oder einzuschätzen, in welcher Zeitebene das Erzählte jetzt gerade stattfindet.

    Es steht fest, dass Leon Engler hier sehr viel Recherche in seinen Roman gesteckt hat und dass er durchaus gut schreiben kann, nur vom Hocker hat mich das Endresultat nicht hauen können. Trotzdem habe ich das Buch durchaus gern und kurzweilig gelesen.

    3,5/5 Sterne

    Dr. No

    Percival Everett
    Dr. No (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.08.2025

    Ein „Sandwichwerk“

    „Verdammt, ich verstehe es zwar nicht, aber ich finde es toll.“

    Das oben stehende Zitat findet sich im Roman und beschreibt, wie eine Figur absolut nichts mit dem Konstrukt von nichts anfangen kann, aber die Auswirkungen von nichts toll findet. Alles verstanden? Nein? Das ist nicht schlimm. Dieser Roman ist absurd und abstrakt, darauf muss man sich einlassen können.

    Percival Everetts Roman „Dr. No“, welcher im englischsprachigen Original bereits 2022 zwischen den großartigen Werken „The Trees“ („Die Bäume“) und „James“ erschien. Wir in Deutschland bekommen den Roman also zeitversetzt und nach „James“ zu lesen. Im Vergleich zu den beiden genannten Werken wirkt „Dr. No“ allerdings wie das berüchtigte, mittlere, problembehaftete „Sandwichkind“ aka „Sandwichwerk“. Und handelten die beiden anderen von so vielen Dingen, handelt „Dr. No“ von nichts. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der autistische Mathematikprofessor Wala Kitu (was „nichts nichts“ bedeutet) ist Spezialist für genau das: Nichts. Nun will der Schurke John Sill das Wissen von Wala nutzen, um den USA nichts anzutun, denn dies sei der mächtigste Weg als Schurke zu agieren, den es für ihn gibt. Reich ist er schon. Macht hat er dadurch auch schon. Was will er mehr? Rache! Und so entspinnt sich eine James-Bond-Parodie, die stark beginnt aber meines Erachtens eher schwach endet.

    Vor allem aufgrund seiner Experimentierfreudigkeit als auch bösem Humor und absoluter Sprachvirtuosität ist Percival Everett einer meiner bevorzugten Autoren. Aber diese Experimentierfreudigkeit kann auch dazu führen, dass ein Buch nicht so wirklich funktioniert. Und leider ist dies hier geschehen. Die ersten Kapitel des Romans waren wirklich großartig und ich dachte, ein 5-Sterne-Buch vor mir zu haben. Wala ist unser Ich-Erzähler und er ist Autist. Die Gedanken und Dialoge dieses Menschen hat der Autor absolut authentisch erschaffen können. Eigentlich noch nie habe ich mich so wohlgefühlt mit einem Ich-Erzähler. Gerade in der ersten Hälfte des Romans besticht Everett damit, Wala mathematikphilosophische Monologe vom Feinsten zu entwerfen. Auch der bereits von ihm bekannte Humor findet Einzug in diesen Roman und ich musste so oft laut auflachen ob des trockenen Humors als auch der schieren Verrücktheit . Grandios. Aber eben hauptsächlich in der ersten Hälfte grandios.

    Aber etwa zur Hälfte begann das Buch zu schwächeln. Alle lohnenswerten Witze waren gemacht, die philosophischen Elemente ausgeschöpft, die Bond-Parodie hatte ihren Lauf genommen. Der Rest des Buches wirkte wie eine uninspirierte Abarbeitung des Spoinageplots. Es gab noch ein paar andere Kleinigkeiten – Nebenhandlungen, die zu nichts führten, merkwürdige Charaktere, die spät in der Geschichte eingeführt wurden und keinen Zweck erfüllten –, die mir das Gefühl gaben, dass das Buch eine sorgfältigere Überarbeitung hätte gebrauchen können.

    Ich würde den Roman dennoch wegen der cleveren Wortspiele und der unglaublich authentischen Erzählstimme des autistischen Protagonisten empfehlen und runde mit sehr viel Wohlwollen auf 4 Sterne auf. Aber Everett hat eindeutig schon Besseres geleistet. Ich hoffe somit, dass dieses Werk eher ein „Ausrutscher“ zwischen zwei großartigen Werken war und wir als nächstes wieder die bekannte Klasse von Everett erleben können.

    3,5/5 Sterne
    Onigiri

    Yuko Kuhn
    Onigiri (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    11.08.2025

    Konnte mich leider nicht überzeugen

    Yuko Kuhn erzählt in ihrem Roman „Onigiri“ die Geschichte der Ich-Erzählerin Aki, deren Mutter vor 50 Jahren aus Japan nach Deutschland kam und mit dieser sie nun noch einmal eine Reise in ihre Heimat antreten möchte. Die Mutter ist an Demenz erkrankt und kann sich kaum merken, dass ihre eigene Mutter vor einem halben Jahr verstorben ist. Aki sieht die letzte Chance, mit ihrer Mutter noch einmal die Familie in Japan zu besuchen.

    Inhaltlich dreht sich der Roman viel weniger um die neuntägige Reise nach Kobe in Japan sondern vielmehr um Erinnerungen aus der Kindheit von Aki als auch Erzählungen ihrer Mutter und ihres Vaters, wie die Mutter als junge Frau in Deutschland ankam und sich hier ein Leben aufgebaut hat. Es geht um das Aufwachsen als Halbjapanerin in Deutschland mit Großeltern, die aus der Oberschicht stammen und die japanische Frau ihres Sohnes nie richtig akzeptierten. Die Reise dient hier nur als nebensächliches Vehikel, um Erinnerungen aufleben zu lassen.

    Leider war mir der Erzählstil der Autorin zu verworren und wie in einem Zettelkasten zusammengeworfen. Handelt die eine Erinnerungsanekdote noch von diesem Thema über zehn, zwanzig Zeilen hinweg, geht es in der nächsten Anekdote schon wieder um etwas anderes. Auch weiß man häufiger nicht so richtig, ob man sich jetzt in der Gegenwart oder der Vergangenheit befindet. So war mir manchmal auch nicht gleich klar, ob jetzt etwas über die Großmutter von Aki erzählt wird, über ihre Mutter oder sie selbst. Gleichzeitig macht es der Schreibstil der Autorin schwer, inhaltlich zu folgen. Sie verzichtet nicht nur auf Anführungszeichen bei der direkten wörtlichen Rede sondern fädelt diese auch merkwürdig in die Sätze ein. So entstehen unnötige Bandwurmsätze wie diese hier:

    „Als wir in Deutschland ankommen, ist es sehr früh am Morgen und noch dunkel, im Taxi versteht meine Mutter nicht, wo sie ist, sie hat keine Vorstellung mehr von dem Ort, an dem sie lebt, darf ich zu dir kommen, Aki, fragt sie, und ich sage, natürlich, Mama, wir fahren erst mal zu mir und du kommst in Ruhe an, später bringt Kenta dich nach Hause.“

    oder

    „Beim Abendessen sitzt meine Mutter mir gegenüber am Esstisch, Aki, darf ich diesen Tee trinken, fragt sie mich und zeigt auf ihre Tasse, dann verschwindet sie plötzlich unter dem Tisch, um einzelne angetrocknete Reiskörner, die an den Kinderstühlen und auf dem Boden kleben, einzusammeln, sie ist immer aufs Neue entsetzt darüber, wie es bei uns nach dem Essen aussieht, ihr Kopf taucht wieder oberhalb der Tischkante auf, überrascht über meinen Anblick lacht sie mich an und ich freue mich einfach nur darüber, dass sie da ist.

    Inhaltlich zeichnet die Autorin sicherlich ein gutes Bild von einer demenzerkrankten Person, die anfängt, sich in der Welt nicht mehr zurechtzufinden. Aber sprachlich konnte mich der Roman einfach gar nicht überzeugen. Ich habe mich durch diese 200seitige Aneinanderreihung von beschreibenden Sätzen gequält und auch ungewöhnlich lang am Buch gelesen. Zehn Seiten kamen mir gefühlt häufiger wie 50 Seiten vor. Immer wieder war ich erschrocken, dass ich wieder „nur“ 20 Seiten geschafft habe, obwohl es sich wie 100 anfühlte.

    Eigentlich mit großen Interesse in die Lektüre gestartet, konnte ich keinerlei Verbindung zu den Protagonistinnen aufbauen und habe auch keine Emotionen wahrgenommen, sodass ich insgesamt das Buch einfach nicht gern gelesen habe. Schade.

    2,5/5 Sterne
    Im Leben nebenan

    Anne Sauer
    Im Leben nebenan (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.08.2025

    Was wäre wenn,…

    In ihrem Romandebüt erforscht Anne Sauer, wie es sich anfühlen würde, wenn man kognitiv plötzlich in ein anderes Leben „gebeamt“ werden würde. Wie das Leben weiter verlaufen würde und ob man sich dort zurechtfinden kann. Thematisch dreht sich in „Im Leben nebenan“ um die Frage der Mutterschaft. Eine ungewollt kinderlose Frau, die nach einer Kinderwunschbehandlung mal wieder eine Fehlgeburt hatte, erwacht am nächsten Morgen in einer für sie fremden Wohnung mit einem Baby, ihrem Baby, auf der Brust liegend. Was nun?

    Antonia, kurz Toni, ist mit ihrer großen Liebe zusammen. Nur können Jakob und sie keine Kinder bekommen. Sie scheinen zu spät dran zu sein, haben scheinbar zu lange damit gewartet. Ansonsten ist dieses Leben genauso, wie es sich Toni wünscht. In dem anderen Leben, in dem sie plötzlich erwacht, befindet sie sich zwar noch in ihrem Körper, dieser ist jedoch von einem Kaiserschnitt gezeichnet. Sie kann sich an keine Ereignisse aus diesem Leben erinnern, wie sie bis an diesen Punkt mit einem Neugeborenen gekommen ist und natürlich glaubt ihr keiner, als sie es verwirrt versucht zu erklären. „Keiner“ ist hier Adam. Ihre frühere Jugendliebe, von dem sich Toni vor 13 Jahren getrennt hat. Sie liebt ihn nicht mehr, muss nun aber notgedrungen mit ihm Familie spielen.

    Ich finde den Roman von Anne Sauer sehr klug entworfen. Sie stellt in wechselnden Kapiteln sowohl Tonis „altes“ Leben als auch das „neue“, hineingerutschte Leben dar. Ab diesem einen Punkt der Fehlgeburt befindet sich das Bewusstsein von Toni quasi in zwei Leben. Es läuft nicht so ab, wie in anderen Büchern/Filmen mit diesem „Was wäre wenn“-Thema, dass den Lesenden einfach zwei Versionen vorgesetzt werden und die Lesenden vergleichen und „bewerten“ die beiden Versionen dann selbst. Dadurch, dass Tonis Bewusstsein mit übernommen wird in das „neue“ Leben, erleben wir sie dabei, wie sie sich dort zurechtfinden muss, wie sie selbst damit hadert, jetzt zwar das langersehnte Kind vor sich zu haben, es aber nicht ausgetragen zu haben. Wie kann man ein Kind lieben, was so plötzlich existiert? Wie kann man einen Mann lieben, gegen den man sich vor 13 Jahren bewusst entschieden hat, während das Herz sich nach dem eigentlichen Partner sehnt?

    Sauer erklärt nicht, wie es zu dieser Bewusstseinsabspaltung in ein neues Leben gekommen ist. Das ist auch gar nicht nötig, sonder würde es sich um einen Sci-Fi oder Phantastik-Roman handeln. Es ist wie es ist und Toni muss damit leben. Oder besser: die zwei Tonis. Genau diesen Kniff mag ich sehr gern an diesem Roman. Über mehrere Monate hinweg begleiten wir also diese beiden Tonis. Die alte und die neue-alte. Beide treffen auf Hindernisse, beide zweifeln. Auch die alte Toni, die weiterhin in der Kinderwunschbehandlung feststeckt und sich fragen muss, ob dies noch wirklich das ist, was sie will. Das Ende lässt Sauer wunderbar offen. So kann man als Leser:in selbst weiterspinnen, welche Möglichkeiten von Mutterschaft, Schwanger-werden und vielleicht auch bewusste Nicht-Mutterschaft auf Toni zukommen.

    Die Buch liest sich leicht, obwohl mitunter heftige Themen behandelt werden. Ein gelungenes Debüt.

    4/5 Sterne
    Himmlischer Frieden

    Lai Wen
    Himmlischer Frieden (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.07.2025

    Großartiger Roman über die Sehnsucht nach Freiheit

    Viele Menschen kennen den originalen Videoausschnitt des sog. „Tank Man“, der sich am Tag nach dem Massaker der kommunistischen Regierung Chinas auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 den Panzern der Staatsmacht entgegenstellte. Dies ist ein Bild, welches sich ins kollektive Gedächtnis mehrerer Generationen gebrannt hat. Details zu den studentischen Protesten, die sich auf die arbeitende Bevölkerung Chinas in 1989 ausbreiteten, sind meist nicht präsent. Die chinesische Autorin Lai Wen macht sich nun mit ihrem autobiografischen Prosawerk daran, ein Bild von den 1980er Jahren in China, einer von der Kulturrevolution noch immer gebeutelten Nation, auf Ebene eines ganz durchschnittlichen Mädchens zu erzählen. Dies gelingt ihr auf jeder einzelnen Seite dieses Buches bravourös. Und nebenbei gibt sie ein komplett neues Bild des „Tank Man“, was einem die Kinnlade runterklappen lässt.

    Lai Wen ist 1970 in Peking geboren und aufgewachsen. Als Studentin war sie direkt in den Studentenaufstand involviert, wenn auch nicht an vorderster Front dabei. Ihren 560 Seiten starken Roman beginnt sie in der Kindheit der autobiografischen Figur Lai. Ein Mädchen, welches schon im Grundschulalter die harte Hand des Staates zu spüren bekommen hat und fortan in ständiger Angst und zuvorkommendem Gehorsam lebt. Die Autorin nimmt sich genügend Zeit, um die Lebensumstände, familiäre Dynamiken und staatliche Einflussnahmen zu beschreiben, bevor sie eigentlich erst auf den letzten 150 Seiten zu den Protesten des Jahres 1989 kommt. An keiner Stelle ist jedoch der Roman langatmig. Dieses Herleiten eines beispielhaften Lebens unter der Diktatur der Kommunistischen Partei Chinas ist hoch interessant und fesselnd geschrieben. Es ist unglaublich erhellend zu lesen, wie dieser Staat den Spagat versuchte zwischen einer kommunistischen Parteiräson und einer Marktwirtschaft, die sich an dem westlichen Modell orientiert. Dass aber eine relativ freie Marktwirtschaft und die Öffnung gegenüber westlicher Popkultur, welche in anderen noch heute abgeschotteten Staaten wie z.B. Nordkorea vollkommen unterdrückt wird, trotzdem den Bürgern und Bürgerinnen des Landes noch nicht automatisch das Gefühl von Freiheit vermittelt, wird in diesem Roman mehr als deutlich.

    Lai Wen schreibt zunächst sehr ruhig und im Verlauf der Geschehnisse um den Platz des Himmlischen Friedens jedoch immer drängender. So floss bei mir während dieser letzten 150 Seiten immer wieder auch die ein oder andere Träne, was wirklich sehr, sehr selten vorkommt. Aber die Autorin hat mich gepackt mit ihrer Geschichte. Sowohl ihrer eigenen Geschichte als auch der in Romanform verdichteten Geschichte der Figur Lai und ihrer Freunde. Das Ende des Buches hat mir dann noch komplett den Boden unter den Füßen weggezogen und dem Roman das Siegel des „Highlights“ verpasst.

    Ich kann diesen Roman einfach nur uneingeschränkt empfehlen. Wer etwas mehr - als nur ikonische Bilder - über die Aufstände in Peking 1989 erfahren, eine Vorstellung von einer skrupellosen Staatsmacht bekommen möchte, die mit Schusswaffen und Panzern auf ihre eigene Bevölkerung losgeht, und auch sehen, was im schlimmsten Fall im gleichen Jahr auch in der DDR bei einem falschen Schachzug während der Proteste, die glücklicherweise als eine „friedliche Revolution“ in die Geschichte einging, hätte passieren können, sollte dringend zu diesem Roman greifen. Ich jedenfalls bin absolut begeistert davon.

    5/5 Sterne
    Himmlischer Frieden

    Lai Wen
    Himmlischer Frieden (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.07.2025

    Großartiger Roman über die Sehnsucht nach Freiheit

    Viele Menschen kennen den originalen Videoausschnitt des sog. „Tank Man“, der sich am Tag nach dem Massaker der kommunistischen Regierung Chinas auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking 1989 den Panzern der Staatsmacht entgegenstellte. Dies ist ein Bild, welches sich ins kollektive Gedächtnis mehrerer Generationen gebrannt hat. Details zu den studentischen Protesten, die sich auf die arbeitende Bevölkerung Chinas in 1989 ausbreiteten, sind meist nicht präsent. Die chinesische Autorin Lai Wen macht sich nun mit ihrem autobiografischen Prosawerk daran, ein Bild von den 1980er Jahren in China, einer von der Kulturrevolution noch immer gebeutelten Nation, auf Ebene eines ganz durchschnittlichen Mädchens zu erzählen. Dies gelingt ihr auf jeder einzelnen Seite dieses Buches bravourös. Und nebenbei gibt sie ein komplett neues Bild des „Tank Man“, was einem die Kinnlade runterklappen lässt.

    Lai Wen ist 1970 in Peking geboren und aufgewachsen. Als Studentin war sie direkt in den Studentenaufstand involviert, wenn auch nicht an vorderster Front dabei. Ihren 560 Seiten starken Roman beginnt sie in der Kindheit der autobiografischen Figur Lai. Ein Mädchen, welches schon im Grundschulalter die harte Hand des Staates zu spüren bekommen hat und fortan in ständiger Angst und zuvorkommendem Gehorsam lebt. Die Autorin nimmt sich genügend Zeit, um die Lebensumstände, familiäre Dynamiken und staatliche Einflussnahmen zu beschreiben, bevor sie eigentlich erst auf den letzten 150 Seiten zu den Protesten des Jahres 1989 kommt. An keiner Stelle ist jedoch der Roman langatmig. Dieses Herleiten eines beispielhaften Lebens unter der Diktatur der Kommunistischen Partei Chinas ist hoch interessant und fesselnd geschrieben. Es ist unglaublich erhellend zu lesen, wie dieser Staat den Spagat versuchte zwischen einer kommunistischen Parteiräson und einer Marktwirtschaft, die sich an dem westlichen Modell orientiert. Dass aber eine relativ freie Marktwirtschaft und die Öffnung gegenüber westlicher Popkultur, welche in anderen noch heute abgeschotteten Staaten wie z.B. Nordkorea vollkommen unterdrückt wird, trotzdem den Bürgern und Bürgerinnen des Landes noch nicht automatisch das Gefühl von Freiheit vermittelt, wird in diesem Roman mehr als deutlich.

    Lai Wen schreibt zunächst sehr ruhig und im Verlauf der Geschehnisse um den Platz des Himmlischen Friedens jedoch immer drängender. So floss bei mir während dieser letzten 150 Seiten immer wieder auch die ein oder andere Träne, was wirklich sehr, sehr selten vorkommt. Aber die Autorin hat mich gepackt mit ihrer Geschichte. Sowohl ihrer eigenen Geschichte als auch der in Romanform verdichteten Geschichte der Figur Lai und ihrer Freunde. Das Ende des Buches hat mir dann noch komplett den Boden unter den Füßen weggezogen und dem Roman das Siegel des „Highlights“ verpasst.

    Ich kann diesen Roman einfach nur uneingeschränkt empfehlen. Wer etwas mehr - als nur ikonische Bilder - über die Aufstände in Peking 1989 erfahren, eine Vorstellung von einer skrupellosen Staatsmacht bekommen möchte, die mit Schusswaffen und Panzern auf ihre eigene Bevölkerung losgeht, und auch sehen, was im schlimmsten Fall im gleichen Jahr auch in der DDR bei einem falschen Schachzug während der Proteste, die glücklicherweise als eine „friedliche Revolution“ in die Geschichte einging, hätte passieren können, sollte dringend zu diesem Roman greifen. Ich jedenfalls bin absolut begeistert davon.

    5/5 Sterne
    Wohin du auch gehst

    Christina Fonthes
    Wohin du auch gehst (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.07.2025

    Eindrückliches, intersektionales Porträt zweier kongolesischer Frauen

    Der Debütroman der 1987 in Kinshasa geborenen Autorin Christina Fonthes überzeugt durch seine Einblicke in die Leben zweier Frauen aus Zaire/Demokratische Republik Kongo, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten und doch eng miteinander verbunden sind. Dabei schafft es die Autorin gekonnt Intersektionalität als übergeordnetes Konstrukt immer wieder durchscheinen und lebendig auftreten zu lassen.

    Wir lernen in „Wohin du auch gehst“ zwei Frauen auf zwei verschiedenen Zeitebenen kennen. Da ist zum einen Mira, deren Erzählfaden sie schon kurz als kleines Kind in 1974 in Kinshasa, Zaire, zeigt und später ganz ausführlich als 16jährige ab 1981. Sie ist eine lebensfrohe Jugendliche, die gern mit ihrer Freundin tanzen geht und dafür auch mal die gesellschaftlichen Regeln biegt. Denn sie gehört der aufsteigenden Klasse Zaires an, das Umfeld, in dem sie sich bewegt, eher den mittellosen Lebemenschen. Hals über Kopf verliebt sie sich in einen Gitarristen, was ihre Eltern gar nicht gern sehen. Und da ist Bijoux, die wir im Alter von Mitte Zwanzig im London des Jahres 2004 erstmals kennenlernen. Sie hat die ersten zwölf Jahre ihres Lebens in ihrem Geburtsort Kinshasa verbracht, musste jedoch zu ihrer strengen, sogar verbitterten Tante Mireille nach London ziehen und lebt nun noch immer dort bei ihrer Tante. Mit Tantine Mireille geht sie regelmäßig in die Kirche „The Mountain“, eine evangelikale Kirche, die unbarmherzig starren Vorstellungen folgt. Nur ist Bijoux lesbisch und seit einem Jahr in einer geheimgehaltenen Beziehung zu einer anderen Frau. Ein Lebenswandel, der für ihre rigide Tante jenseits von Gut und Böse liegt. Recht schnell wird klar, dass es sich bei ihrer Tante Mireille um die lebensfrohe und offene Mira aus dem ersten Zeitstrahl handelt und wir begeben uns über die nächsten 400 Seiten auf die Spur, um nicht nur zu erfahren, wie aus Mira diese so ganz andere Tantine Mireille werden konnte, indem wir dem Zeitstrahl aus 1981 fortschreitend folgen, wir erfahren auch, wie es mit Bijoux weitergeht und was das Leben für sie in den folgenden Jahren zu bieten oder eben nicht zu bieten hat.

    Meines Erachtens verwebt Fonthes inhaltlich wie auch sprachlich geschickt diese beiden Lebenswege miteinander und leitet psychologisch unglaublich authentisch her, wie sich die Figuren fortan verhalten bzw. in der Vergangenheit verhalten habe und zu welcher Art Mensch sie haben werden müssen. Durch den gekonnten Wechsel zwischen den Erzählfäden entsteht ein unglaublicher Sog und das Buch wird ein wirklicher Pageturner, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Außerdem gibt der Roman Einblicke in zum Beispiel eine lesbische Szene, in der sich vorrangig Schwarze Frauen bewegen. Ein von der Mainstreamgesellschaft selten gesehenes Milieu. Wenn dann auch noch eine Figur in einem Café für lesbische Frauen auftaucht, die vollkommen alltäglich und unaufgeregt im Rollstuhl sitzt und genauso agiert, wie jede andere Frau auch im Raum, nur eben im Sitzen, ist die Intersektionalität des Textes gesetzt. Die Autorin trägt diese Eigenschaften von marginalisierten Gruppen allerdings nie zu dick auf, sie sind einfach da und fügen sich absolut ins Buch, die Geschehnisse, die Figuren ein. Die Autorin bildet die Gesellschaft mit vielen Facetten ab. Allein zum Ende hin wurde mir ein klitzekleines bisschen der Plot um die Familiengeheimnisse herum runtererzählt, was der Klasse des Gesamtwerks aber keinen Abbruch tut.

    Was soll ich noch sagen? Ich hing der Autorin quasi an den Lippen, habe mit den Figuren mitgefiebert und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. „Wohin du auch gehst“ erfüllt für mich alle Kriterien eines Highlights und das ist es auch. Also gibt es eine klare Leseempfehlung von meiner Seite für diesen interessanten Debütroman, der nach Verbindungen über Kontinente, Hautfarben, sexuelle Orientierung, Klasse und so viele Eigenschaften hinweg sucht. Toll!

    4,5/5 Sterne
    Perlen

    Siân Hughes
    Perlen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    16.07.2025

    Über Verlust und generationenübergreifende, psychische Erkrankungen

    In ihrem späten Debütroman verknüpft die Lyrikerin Siân Hughes ein mittelalterliches Gedicht „Pearl“ mit der Geschichte einer jungen Frau, die im Alter von acht Jahren unter mysteriösen Umständen ihre Mutter verliert und fortan mit dieser Leerstelle in ihrer Familie leben muss. Was genau mit der Mutter geschah, ist fraglich, aber sie verschwand einfach eines Tages, ging aus dem Haus, ließ nicht nur die achtjährige Marianne zurück sondern auch den Säugling Joe sowie den Ehemann und Vater der Kinder.

    Anhand von einzelnen Kapiteln, denen jeweils der Vers des Gedichtes von „Gawain Poet“ (anonym) vorangestellt ist, erzählt Hughes nun, wie dieses Mädchen Marianne zur psychisch auffälligen Jugendlichen und jungen Erwachsenen heranwächst. Dabei verschränken sich verschiedene Faktoren bis hin zu Genese einer eigenen postnatalen Psychose. Auch schon die verschwundene Mutter zeigte psychotische Symptome und auch die Tochter von Marianne weist diese erneut auf. Leider wirft die Autorin hier verschiedene Krankheitsbilder in einen Topf, nämlich die schizoaffektiven Störungen bis hin zur erblich bedingten Schizophrenie und der, im Roman als postnatale Depression bezeichnete, postnatale Psychose. Diese Erkrankungen können sich durchaus gegenseitig bedingen, sind hier aber meines Erachtens für Laien schwer auseinanderzuhalten.

    Die Autorin bemüht das Mittel der unzuverlässigen Erzählerin, was einfach aus Erinnerungsverzerrungen natürlich entstehen kann. Sie erwähnt die Möglichkeit der verfälschten Erinnerung allerdings ein wenig zu häufig ganz offen im Text. Hier hätte mehr Spannung dadurch aufgebaut werden können, dass es auch für die Lesenden lange offen bleibt, was tatsächlich passiert ist. Mit der Mutter. Mit Marianne. Mit dem Vater. Mit der Familie allgemein. Die Ausführungen zu Mariannes Jugend erscheinen mir hier ein wenig zu abschweifend. Letztlich bleiben die tatsächlichen Geschehnisse um das Verschwinden der Mutter genauso offen, wie auch Mariannes Geisteszustand zum Ende des Romans hin. Das ist gut gemacht, wenn es denn so auch intendiert war von der Autorin. Es wirkt alles ein bisschen zu gewollt nebulös gehalten. Wodurch auch eine Verbindung zu den Hauptfiguren nur schwer zustande kommt.

    Für mich gab es keine einprägsamen Sätze und Passagen im Roman. Insgesamt habe ich das Buch gern gelesen, es wird wohl nur leider nicht so viel davon nachhallen.

    3/5 Sterne
    Die Schrecken der anderen

    Martina Clavadetscher
    Die Schrecken der anderen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    13.07.2025

    Diese Schrecken sind meine und doch nicht meins

    Die Autorin Marina Clavadetscher konnte mich mit ihrem Roman „Die Erfindung des Ungehorsams“ seinerzeit sowohl erzählerisch als auch inhaltlich überzeugen. Auch dieser vorherige Roman der Autorin ist zunächst ähnlich verwirrend aufgebaut, wie der vorliegende „Die Schrecken der anderen“, nur konnte mich hier die Geschichte leider nicht überzeugen.

    Es geht um die Machenschaften von Alt-Nazis und Jung-Nazis in der Schweiz mit Blick auf die historischen Verwicklungen von Schweizer Geldhäusern und reichen oder noch-nicht-reichen Schweizern zu Zeiten des Nationalsozialismus als Staat, der die Neutralität ja angeblich mit Löffeln gefressen hat. Es geht darum, dass unter dem Deckmantel der Neutralität und Verlässlichkeit eine hässliche Fratze versteckt ist, die es aufzudecken gilt, sonst „wiederholt sich Geschichte“. Geschichte kann sich ja als solche nicht wiederholen, es kann nur zu ähnlichen Bewegungen in der Gesellschaft kommen und diese treten heutzutage aus dem Hintergrund immer mehr zutage. Altes Geld wartet darauf, alte reaktionäre Anliegen in den Händen von neuen Akteuren zu unterstützen. Wir müssen also nicht nur wachsam sein, sondern auch aktiv dagegen vorgehen. Dies ist die Quintessenz des Romans.

    Vermittelt wird dies durch mehrere Erzählstränge, die sich immer stärker annähern. Weiß man zunächst noch nicht, was der agoraphobische Archivar der Polizei mit dem auf seine Millionen wartenden Erben oder die komische alte Hippie-Frau aus dem Wohnwagen mit der hundertjährigen Mutter des wartenden Erben zu tun hat und das alles mit einem Toten in einem gefrorenen Bergsee, so kommt nach und nach alles zueinander.

    Sprachlich macht dies die Autorin wieder einmal top. Es gibt Sprachbilder, die mir im Gedächtnis bleiben werden und unglaublich stark sind. Wie eine Beschreibung der strengen Prägung durch die hundertjährige Mutter auf den mittlerweile nun auch nicht mehr jungen Sohn auf Seite 16, wenn sie mit der Naturgewalt von mächtigen Gesteinsbewegungen eines Bergmassivs verglichen wird:

    „Sie sitzt tadelnd in ihm, egal wohin er selbst in Gedanken geht, ihre verbalen Anfälle geschehen direkt in deinen Hirnwindungen. Ihre eisigen Worte schieben sich wie eine Gletscherzunge durch sein Gehirn, und am Ende bleibt das Geröll in seinem Gedächtnis liegen, verdreckt und schwer. Jede Mutter hinterlässt ihre Ablagerungen.“

    Und trotzdem konnte mich der Kniff der Autorin neben der Handlung her auf der Metaebene zu arbeiten und die Handlung literaturwissenschaftlich zu hinterfragen und zu definieren nicht überzeugen. So wird die Struktur der Geschichte immer wieder offen gelegt. Es heißt vom Verlag, damit „macht [Martina Clavadetscher] den unsichtbaren Elefanten im Raum sichtbar und fragt nach der Verantwortung von Literatur“. Und genau diesen Part habe ich schlicht und ergreifend nicht verstanden. Beziehungsweise habe ich das Gefühl es nicht in dem Ausmaße verstanden zu haben, wie es die Autorin vielleicht intendierte. Der Tote im Eis heißt McGuffin mit Nachnamen. Sie spielt auf einen Begriff an, den Hitchcock prägte, und der ein beliebiges Objekt oder Person beschreibt, das oder die die Handlung vorantreibt, ohne selbst von besonderem Nutzen zu sein. Ja, so ist es auch mit unserem Toten. Aber was will mir das sagen? Was soll diese Krimihandlung, wenn es der Autorin doch um das Wiedererstarken des rechten Gedankengutes geht? So muss sie uns auch zwischendurch immer wieder darauf hinweisen, was sie mit ihrem Roman auf anderer Ebene vorhat: „Bei undurchsichtigen Geschichten geht es oft um Ausdauer. Und um den richtigen Handlungsträger.“ (Ausdauer der Leserin: Check. Richtiger Handlungsträger: offen, eher nein.) Oder: „Nichts läuft je ins Leere. Alles ist miteinander verbunden.“ (Okay, ja. Und nun?) Und „Was passiert war, war passiert.“ (Amen.)

    So bleiben außer ein paar griffigen Sätzen und ein paar genaueren historischen Informationen, wie in und nach der Zeit des Nationalsozialismus Schweizer bekannten Nazis geholfen haben nicht nur Gold, Kunstwerke sondern auch sich selbst aus Europa wegzuschaffen, nur Fragen aus dieser Lektüre. Ich habe immer noch auf den großen Clou gewartet, aber er kam nicht und letztlich war ich einfach nur froh, dass die Lektüre vorbei war. Sehr schade.

    2,5/5 Sterne
    We Burn Daylight

    Bret Anthony Johnston
    We Burn Daylight (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    04.07.2025

    Weder „warmherzig“ noch „schonungslos“

    Auf dem Cover von Bret Anthony Johnstons zweitem Roman „We Burn Daylight“ ist ein Zitat des Lobes vom The Boston Globe abgedruckt, welches in seiner Kürze sagt: „So warmherzig wie schonungslos“. Leider kann ich in diesem Roman beides nicht oder nur minimal angedeutet erkennen. Um noch weiter zu gehen: Der Roman, der seinen Plot an die realen Ereignisse eines missglückten Behördeneinsatzes gegenüber einer dubiosen, christlichen Sekte in Texas in 1993 entlang führt, hat mich wirklich enttäuscht.

    Auf Plotebene verfolgen wir als Hauptfiguren zwei Teenager, Roy und Jaye, die beide 14 Jahre alt sind und sich ineinander verlieben. Nur, dass Jaye mit ihrer Mutter innerhalb der Sekte lebt und Roy der Sohn des Sheriffs ist. Somit stehen sie scheinbar auf zwei verschiedenen Seiten dieser Geschichte, was sie, mit der Deutung des Buchtitels „We Burn Daylight“ als Shakespeare-Zitat aus „Romeo und Julia“ die beiden jugendlichen Liebenden zu einem modernen Romeo-und-Julia-Equivalent machen. Tragisch geht nicht nur das Original von Shakespeare aus, sondern tragisch sind auch die Geschehnisse um die mit schweren Waffen ausgestatteten Sekte und eine schief gelaufende Razzia mit anschließender Belagerung des Farmgeländes.

    Auf den ersten Blick haben mir sehr viele stilistische Entscheidungen des Autors wirklich gefallen, aber er konnte sie einfach in meinen Augen nicht gut umsetzen. So entscheidet sich Johnston dafür, das fast 500 Seiten starke Buch in vier große Abschnitte und einen Prolog einzuteilen. Die vier Teile des Buches sind nach den vier Pferden der Apokalyptischen Reiter benannt. Das weiße Pferd steht für Jesus, das feuerrote Pferd für den Krieg, das schwarze Pferd für Hunger und das fahle Pferd für den Tod. Die Handlung in diesen vier Teilen, welche sich in einem sehr engen Zeitraum von Januar 1933 bis März 1993 bezogen auf die Ereignisse auf der Farm des Sektenführers abspielen, soll somit unten diesen Vorzeichen der vier Apokalyptischen Reiter stehen. Das passt zu Beginn noch gut, wenn uns Perry Cullen, der sich zukünftig nur noch „Lamb“ (also wie „das Lamm Gottes“) nennt, als selbsternannter Prophet, der seine Schäfchen zu sich ruft, vorgestellt wird. Das passt inhaltlich in die Teilüberschrift, allerdings passt die Figur nicht, aber dazu später mehr. Mitunter stellt er sich Jesus gleich somit passt zu ihm das weiße Pferd. Allerdings schon im zweiten Teil, wenn man den „Krieg“ erwartet, passiert noch gar nicht das, was dort eigentlich reingehören würde: nämlich die gewaltsame Razzia. Und auch die folgenden Überschriften halten – ohne hier ins Detail zu gehen – nicht, was sie versprechen. Mit kleinen Verschiebungen innerhalb der Ploteinteilung zu den Teilüberschriften hätte diese strukturelle Idee meines Erachtens wirklich sehr gut werden können.

    Die nächste sehr gute stilistische Idee des Autors ist neben den wechselnden personalen Kapiteln zwischen Roy und Jaye auch noch Kapitel einzuflechten, die Ausschnitte aus Podcast-Sendungen beinhalten. Dieser Podcast ist dreißig Jahre nach den Ereignissen in Waco, Texas, angesiedelt und beinhaltet Interviews von verschiedenen Beteiligten der damaligen Ereignisse. Diese Möglichkeit der Rückschau auf die fatalen Geschehnisse in 1993 wäre ein perfektes Stilmittel gewesen, um das Geschehene nachträglich einzuordnen. Leider verschießt auch hier Johnston sein Pulver, da die Personen einfach mitunter so schwer auseinanderzuhalten sind, dass man über die 500 Seiten hinweg mitunter den Überblick verliert, wer hier eigentlich wer ist. Auch erscheinen mit die Interviewauszüge mitunter wenig hilfreich, was die Handlung betrifft, wenngleich sie durchaus auch aufzeigen, welche Fehlentscheidungen hier auf Seiten der Regierungsorganisationen getroffen wurden, die zur Verschlimmerung der Situation auf der belagerten Farm beigetragen haben. So muss ich Johnston zugestehen, dass er sowohl auf Seiten der Sektenanhänger als auch auf Seiten der Regierungsorganisationen verschiedene Akzente setzt, was Fehler aber auch positive Aspekte angeht.

    Was mich allerdings stilistisch am meisten gestört hat ist, wie die Figuren konstruiert sind und vor allem wie sie miteinander umgehen. Sowohl im Kleinen, wenn sie miteinander kommunizieren als auch im Großen, wenn es um Entscheidungen innerhalb ihrer Beziehung zueinander geht. Vieles ist einfach unplausibel und psychologisch nicht nachvollziehbar. Und leider betrifft dies auch wirklich alle Figuren. Sie sind meines Erachtens wirklich in sich nicht gut entworfen und dargestellt. Allen voran natürlich Lamb selbst, der im Klappentext als „charismatisch“ beschrieben wird. An keiner Stelle des Romans wurde mir klar, warum diese Menschen ihm folgen in seinen wilden Prophezeiungen, außer eine Mörderin auf der Flucht und die portugiesische Familie, die als Illegale in den USA leben. Aber ehrlich, gerade aus Portugal?! Na ja, aber bei denen weiß man wenigstens, dass sie einfach nur in erster Linie pragmatisch einen Unterschlupf brauchten, der scheinbar von den Behörden unbeachtet bleibt.

    Von allen stilistischen Fragen abgesehen, muss ich betonen, dass vielleicht dieses Buch besser funktioniert hätte, wenn es dann nicht auch noch 500 Seiten lang gewesen wäre. Ich empfand den Roman so dermaßen zäh, dass ich zwischendurch sogar eine Pause machen musste, weil es sich wie Treibsand anfühlte. Der Autor verwendet viel zu viel Zeit mit Nebensächlichkeiten und schafft es nicht, die Handlung knackig zu gestalten. Wenn dann auch noch keine plausiblen Figuren – ob sie nun Sympathieträger oder nicht wären, aber leider haben die Figuren fest keinerlei Regung bei mir ausgelöst – existieren, die den Roman tragen und die Sprache nur mittelmäßig ausfällt, zeihen sich 500 Seiten wie Gummi. Hier kann ich nur ein Zitat aus dem Buch anbringen:

    „Was immer gesendet wurde, ich schaute es mir an. Ich konnte nicht wegsehen. Niemand konnte das. Wir waren alle Geiseln.“ Hier geht es zwar um die fragwürdige Medienberichterstattung über die Belagerung der Sekte, aber es könnte auch eine Beschreibung sein, wie ich mich beim Lesen fühlte: Wie eine unfreiwillige Geisel. Ich musste das Buch lesen, weil es ein Rezensionsexemplar ist, hätte es aber eindeutig abgebrochen, wenn dieser Zwang nicht dagewesen wäre.

    Somit kann ich dieses Buch leider nicht weiterempfehlen. Es trägt gute schriftstellerische Ideen in sich, die allerdings nicht gut ausgeführt wurden.

    2,5/5 Sterne
    Der Schlaf der Anderen

    Tamar Noort
    Der Schlaf der Anderen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.06.2025

    Vom Finden eines neuen Schlaf- und Lebensrhythmus

    In ihrem zweiten Roman erforscht Tamar Noort auf prosaische Art und Weise den Einfluss von gestörtem Schlaf auf unsere Persönlichkeit, unsere Beziehungen, unser Leben. Dabei treffen zwei Frauen Anfang Vierzig an einem ungewöhnlichen Ort aufeinander: Im Schlaflabor. Janis ist eigentlich ausgebildete Fachkrankenschwester und vollkommen überqualifiziert für ihren Job als Nachtwache in genau diesem Schlaflabor. Sie schaut ihren „Gästen“ dabei zu, wie sie schlafen, und findet dadurch selbst kaum noch geregelten Schlaf. Sina ist Lehrerin kurz vor einer Schlafmittelabhängigkeit, die sich ins Schlaflabor begeben muss, weil der neue Arzt ihr kein Zolpidem mehr verschreibt und sie einen folgenschweren Fehler unter Schlafmangel begeht. Nun treffen die beiden in einer Nacht aufeinander und es entsteht eine Verbindung über dieses rein funktionale Setting hinaus, die über mehrere Monate anhält. Ein Roman über das Leben außerhalb der gesellschaftlichen Norm und eine betörende Freundschaft mit Hindernissen.

    Tamar Noort konnte mich direkt mit der ersten Seite ihres Romans für ihren Schreibstil gewinnen. Schnörkellos und gleichzeitig leise poetisch erfasst sie Menschen und Situationen, die irgendwie neben sich selbst und neben der Realität der Mehrheit stehen. Im Wechsel zwischen Kapiteln mit Janis als Hauptfigur und mit Sina als Hauptfigur nähern wir uns diesen Frauen und sie sich selbst an. Langsam erfahren wir immer mehr über ihre Hintergründe und wie sie an diesen Punkt der Schlaflosigkeit in ihrem jeweiligen Leben gekommen sind. Was hält diese beiden Frauen wach? Was lässt ihnen keine Ruhe? Und wir dürfen sie dabei begleiten, wie sie nicht nur einen ganz eigenen Schlafrhythmus sondern auch für sich selbst einen ganz neuen Lebensrhythmus finden.

    Beide Frauen unterliegen gewissen Zwängen und beide werden für uns Leser:innen nachvollziehbar dargestellt. Immer sind wir ganz nah dran an ihren unerfüllten Bedürfnissen und Wünschen und ihrem persönlichen Weg aus dem Hamsterrad, ohne uns letztlich eine Pauschallösung anzubieten, sondern lediglich mögliche Wege aufzuzeigen.

    So konnte mich dieser kurzweilige und trotzdem tiefgründige Roman um zwei schlaflose Frauen bis zur letzten Seite fesseln, weshalb ich eine Lektüre empfehle und selbst den Debütroman der Autorin auf meine Wunschliste setzen werde.

    4/5 Sterne
    Aue

    Becky Manawatu
    Aue (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.06.2025

    Gehalt- und gewaltvolle Geschichte um eine maorische Familie

    So facettenreich wie der abgebildete Vogel aus einem Kunstwerk des neuseeländischen Künstlers Totaea Rendell entfaltet sich auch der Debütroman der neuseeländischen Autorin mit Maori-Vorfahren Becky Manawatu. Dort lernen wir zunächst den achtjährigen Arama und seinen siebzehnjährigen Bruder Taukiri kennen, deren Eltern scheinbar ums Leben gekommen sind. Taukiri liefert seinen kleinen Bruder bei deren Tante Kat und Onkel Stu einfach nur ab und verschwindet danach auf die Nordinsel Neuseelands. Während sich die Wege der beiden Brüder trennen erlebt jeder Bruder für sich seine ganz eigene Hölle und auch ganz eigenen, leider nur seltene positiven Momente. Sie müssen nicht nur den Verlust ihrer Eltern verarbeiten sondern auch ihren Weg im Leben finden. Diesen Weg als holprig zu bezeichnen wäre massiv untertrieben, da Arama mit einem gewalttätigen Onkel zu kämpfen hat und Taukiri mit einem Abwärtsstrudel, der ihn zu verschlingen droht.

    Becky Manawatu inszeniert ihren Roman sehr geschickt, indem sie nur nach und nach Informationen zu den einzelnen Protagonisten freigibt und sich Zusammenhänge, die bis in die Großelterngeneration der beiden Brüder zurückgehen langsam aufdeckt. Das macht den Einstieg in den Roman nicht leicht, lohnt sich aber mit jeder weiteren gelesenen Seite. Die mit den Namen der im jeweiligen Kapitel verfolgten Personen überschriebenen Kapitel folgen nicht nur Arama und Taukiri sondern auch deren Vorfahren Jade und Toko. Auf diesen beiden Zeitebenen der Vergangenheit und Gegenwart nähern wir uns einem fulminanten Finale an, das Kapitel für Kapitel einen beim lesen gefangen nimmt. Wir erkennen, dass das Leben dieser Familie schon lange Zeit von Gewalt und Drogen geprägt ist und bis zum Schluss eine Gefahr für alle Beteiligten darstellt. Wobei es sich hier keinesfalls um ein reines Actionspektakel handelt, ganz im Gegenteil. Mitunter sehr leise und mit großartigen, wiederkehrenden sprachlichen Bildern arbeitet Manawatu die einzelnen Facetten ihrer Figuren und deren (Innen-)Leben heraus. Figuren, die zunächst von Grund auf böse erscheinen, bekommen im Verlauf eine mehrdimensionale Tiefe verliehen, selbst mit nur ganz kurzen Szenen und Sequenzen. Spiralen der Gewalt und Angst aber auch der Zusammenhang mit Liebe und Anziehung werden psychologisch authentisch an den Beispielen der Figuren aufgeschlüsselt. Und durch die Hinzunahme der Erzählebene um Jade und Toko bleibt der Roman auch kein reiner Coming-of-Age-Roman mit kindlichen/jugendlichen Protagonisten, sondern entfaltet seine Anziehungskraft auch für Leser:innen, die sich eher weniger in diesem Genre wohlfühlen. Letztlich habe ich mit allen Hauptfiguren bis zum Schluss mitgefiebert und konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Durch den Stil des nach und nach Offenbarens lohnt hier sicherlich auch eine Zweitlektüre, um noch mehr Feinheiten der Geschichte erfassen zu können.

    Sprachlich zeigt die Autorin ein besonderes Talent, atemberaubende Metaphern für grundlegende, menschliche Bedürfnisse und Zwänge zu entwerfen. Wobei ihr Stil niemals „drüber“ ist, sondern trotzdem bodenständig und verständlich. Etwas „drüber“ finde ich allerdings den Drang des Verlags im Anhang im Rahmen des Glossars alle möglichen Begrifflichkeiten zu erläutern. Vollkommen hilfreich, sinnvoll und wissenswert ist dies bei den vielen Begriffen aus der maorischen Sprache, die im Text vorkommen. Das hat die Übersetzerin Jana Grohnert, ebenso wie natürlich beim gesamten Romantext, ganz hervorragend gemacht. Allerdings werden neben den maorischen Begriffen auch Worte der gegenwärtigen Sprachkultur wie Chewbacca, Hacky Sack oder Snapchat im Glossar erklärt, was kurios bis lächerlich wirkt. Hier hätte sich der Verlag meines Erachtens auf die maorischen Begriffe beschränken sollen. An einer Stelle ging es dann auch bei einer Anspielung auf den Film „Die Reifeprüfung“ mit der Übersetzerin oder dem Verlag durch, denn dort bieten sie im Glossar eine komplette Deutung der Anspielung im Roman an. Das hat nach meinem Empfinden dort nichts zu suchen und sollte dem Kombinationsvermögen der Leser:innen überlassen bleiben. Leider kennzeichnet der Verlag die im Glossar auftauchenden Worte auch nicht im eigentlich Romantext. Meine persönliche Präferenz wären hier Fußnoten direkt auf der entsprechenden Seite im Roman gewesen.

    Da diese Kleinigkeiten bezogen auf den Anhang zum Buch allerdings meine einzigen Kritikpunkte am Buch darstellen, ich ansonsten inhaltlich wie sprachlich den Roman wirklich toll finde ebenso wie die Covergestaltung, kann ich eine Lektüre aus diesem ansonsten in der deutschsprachigen Übersetzung nur selten vertretenen Region der Erde nur dringend empfehlen.

    4,5/5 Sterne
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