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    gemi:re Top 25 Rezensent

    Aktiv seit: 31. August 2010
    "Hilfreich"-Bewertungen: 5300

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    628 Rezensionen

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    Streichquartette Nr.1 & 3

    Streichquartette Nr.1 & 3 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.02.2017
    Booklet:
    4 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Ein tönendes Denkmal für Friedemann Weigle

    Die letzte Aufnahme des Artemis-Quartetts mit seinem langjährigen Bratschisten Friedemann Weigle, der den warmen Puls mit seiner Mittelstimme in ihrer Musik prägte und der aus dem Leben ging, bevor ihre Brahms-Einspielung publiziert wurde.
    Dies hört man ihr natürlich nicht an, 2014 eingespielt, jedoch bedeutet dies eine Zäsur, denn auf dem Niveau der mit Weigle geprägten Jahre wird man sich quasi neu formatierend einstimmen müssen, nur der Cellist Eckart Runge bleibt noch von der ursprünglichen Formation.
    Und Brahms opp.51.1 und 67 werden fraglos hinreißend impulsiv und klanglich schwärmerisch zügig, jedoch nicht zügellos, nervig, aber nicht nervös gespielt, warm grundiert - posthum Weigle gewidmet.
    Man hört ein nahezu traumwandlerisch intuitiv atmendes Strömen aller Stimmlinien zu einem pulsierenden Klanggewebe, rhythmisch klar wie feinmotorisch subtil phrasiert, ein bewegtes kammermusikalisches Miteinander wie von Ebb und Flut, Geben und Nehmen der Motivfloskeln.
    Womöglich nur ganz anders, aber nicht besser als Artemis kann man solche Musik spielen.
    Dagegen klingen die seriösen Amadei aus den 60ern beinahe unstet robust und stilistisch wie gediegene Hausmannskost, verglw. das Quartetto Italiano doch schwerfällig und wie satt gelagerter Wein und die neuere Belcea-Konkurrenz besticht eher mit geradlinig herb-forscher Spiellaune.
    Dem 'klaren Ja zu Vibrato, Expression, Romantik' wie es Eleonore Büning in ihrer Laudatio zum Jahrespreis der dt.Schallplattenkritik fast hymnisch pries, kann man nur zustimmen, bei diesem Brahmsspiel, durchformuliert mit neuromantisch-reflektiertem Tonfall, ohne Bart.
    Coming Forth By Day

    Coming Forth By Day (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.02.2017
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Sonio Alto Cassandra

    Wilson's 'BlueLight' und 'MoonDaughter' -Alben unterscheiden sich klanglich wenig von dieser neueren 'Day'-Produktion, insofern ist da nichts überproduziert oder schiefgelaufen.
    Allenfalls sind die komplexen klanglichen Strukturen der dynamisch moderaten mid-Tempo-Nummern für defizitäre Wiedergabe problematisch, denn auch über gute Kopfhörer klingt das Album hochwertig fein komplex justiert und adäquat differenziert.
    Und Wilson's verhalten subtiler, raunend differenziert im Piano noch artikulierter voller Alto klingt natürlich nie wie eine hochexpressive, eher sopranesque Holliday, trifft sie aber in der Botschaft ihrer gleichermaßen substantiellen Darstellungen. Wilson und ihre Musiker sind eben of our times. Auch den altbekannten swinging Cole Porter Songs verleiht die Wilson mit ihrer moderaten wie cool timbrierten Darstellung unbekannten, womöglich befremdenden Ausdruck, aber individuellen, unroutinierten Ausdruck. Mir gefällts. Looking forward, Cassandra.
    Messe h-moll BWV 232

    Messe h-moll BWV 232 (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    06.02.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    3 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    2 von 5

    Ein Denkmal der Schönheit ...?

    Bach hat sicherlich kein irgendwie geartetes musikalisches Denkmal intendiert, genial-kunstvoller Pragmatiker der er auch war, sondern seine Kirchenmusikpraxis resumiert: so gestaltet klingt eine grosse lithurgische Messe ersten musikalischen Kunstrangs.
    Leider nicht in dieser BR-Darbietung, allenfalls als regionales Dokument, zwischen instrumental schlanker, aber wenig sprechend gestalteter hist.informierter Diktion und einer vocal opulent opernhafter Gestik von stilistischer Sorglosigkeit. So sollte Bachs h-Moll Messe heute nicht mehr
    klingen, auch nicht in der Opernstadt München.
    Meine Produktempfehlungen
    • Messe h-moll BWV 232 Messe h-moll BWV 232 (CD)
    Klavierwerke

    Klavierwerke (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    06.02.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    2 von 5

    Ein Pianistenleben ohne Chopin? ...

    ... nach 15 Jahren, oder ad infinitum? Eigentlich undenkbar. Doch gab es einige Pianisten wie Brendel oder Gould, die nie Chopin (ein)gespielt haben, weil er ihnen musikalisch - klanglich zu gefällig-romantisch, wenig kontrapunktisch - nicht lag.
    David Fray scheint sie mit seinem neuen Chopin-Album bestätigen zu wollen. Zu Viel des schönen, guten, zart und moderat gestimmten Wohlklangs, der soften Melancholie.
    Der grand monsieur und Pianist des Chopinspiels, Artur Rubinstein, klingt im Vergleich zu Fray wie ein Tastendonnerer, der er gewiss nicht war. Doch er spielte Chopin sehr beherzt, diesseitig, herb und auch lapidar, immer positiv und niemals schwermütig als weltschmerzvollen Romantiker. Und Fray spielt sehr eigenwillig und einseitig einen Klavierklassiker wie eine gepflegte Schmusemusik für die blaue Stunde. Bei allen Klangreizen und in Analogie zur Eingangsfrage möchte ich meinen: Chopin ohne Fray ist durchaus vorstellbar.
    Späte Klavierwerke

    Späte Klavierwerke (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    03.02.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Pollinis Altersstil

    Chopin klingt unter Pollinis Händen heute nicht mehr so geschmeidig brilliant wie im letzten Jahrhundert der 80-90er.
    Er spielt deutlich distanzierter und so abgeklärt und beinahe schon unbeteiligt, wie leidenschaftslos aus kühler Draufsicht.
    Pianistisch zwar untadelig, wenn auch manchmal etwas spröde und kantig, klingt sein später Chopin doch musikalisch ohne Charme und unverbindlich ernüchtert.
    Ich höre wenig von einer 'sanft fliessenden Barcarole', wenig anmutende Marzurkas noch intim klingende Nocturnes, allenfalls eine streng oder kühl executierte Polonaise, jedoch ohne ihren fantastischen Rausch. Ernüchternd.
    Ein pianistisch respektables Chopin-Album immerhin, aber musikalisch wenig eindrucksvoll.
    Meine Produktempfehlungen
    • Klavierwerke Klavierwerke (CD)
    One More For The Road: Live In Copenhagen 2014

    One More For The Road: Live In Copenhagen 2014 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.02.2017
    Klang:
    4 von 5
    Musik:
    4 von 5

    Stiger's own roadmap

    Till Brönner ist auch so ein Stiger-fan in retrospektiver Sicht auf Sinatra, und man hört auch eine Nähe zur vokalen, leider nicht zur souveränen Diktion von musikalischem timing und swing, ganz abgesehen vom Sinatra-Timbre, das eben keinen Nachfolger hat.
    Stiger klingt mit seinem (S-)Album vergleichsweise bemüht und im Stimmumfang zur Höhe angestrengt, weniger offen und locker wie S, der traumwandlerisch seine Phrasierungen akzentuiert, immer auf dem Punkt.
    Nur für sich ein gutes und seitens der Radioband auch toll gespieltes Album, das aber nicht die Originalversionen in den Schatten stellt, die sind allesamt doch more than most.
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    • Sinatra At The Sands Sinatra At The Sands (CD)
    Neujahrskonzert 2017 der Wiener Philharmoniker

    Neujahrskonzert 2017 der Wiener Philharmoniker (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    25.01.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Dudamels Wiener Einstand

    Zugegeben, ich habe dieses 1-2017er Wiener Konzert auch nur am TV erlebt, akustisch über gutes Equipment, alles ok.
    Musikalisch war ich nicht wirklich enttäuscht, es gab ja, wie immer ein paar neue Schmankerln, jedoch auch nicht so angetan, wie vor Jahren noch bei Prétre, der die ganze Veranstaltung zweimal mit soviel musikalisch-charmantem Esprit beflügelte, ja veredelte.
    Das hatte, bei verglw. moderaten Tempi, noch soviel Flair und meinetwg. schlamperten Schmiss, der hier bei Dudamel ziemlich verlorenging. Man spürte, wie wenig er in der Wiener Musikkultur daheim war, alles klang immer musikalisch und nett und flott dirigiert.
    Doch immerhin planen die Wiener mit ihm ihre nächste Südamerika-Tournee, Perspektiven - Prosit 2018!
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    • Das Neujahrskonzert Wien 2010 Das Neujahrskonzert Wien 2010 (DVD)
    Goldberg-Variationen BWV 988

    Goldberg-Variationen BWV 988 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.01.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Gould's 'state of Wonder' ...

    ... bleibt auch in dieser Naxos-Edition wie in all den andren zuvor (und danach) erhalten, als die erste 1955er Gould (Goldberg-) Produktion, die seinen folgenreichen Pianistenstatus initiierte, zweifellos s(eine) nach wie vor spektakuläre, eindrucksvolle Aufnahme,
    ein Bach-Goldberg-Gould Paradigma. Wer Sony's 'Legacy'-3 CD-Set-Ausgabe der kompletten Gould-Goldbergs von 1955 und 1981
    kennt, wird dieser Naxos-Variante der 55er keine akustischen Offenbarungen zuschreiben können, allenfalls eine klanglich schlankere
    Nuancierung, die weder besser noch schlechter klingt, allenfalls anders.
    Was bleibt ist Goulds einmalig und einzigartig passionierte Darstellung dieser Bach-Variationen.


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    Klaviersonaten Nr.1-32

    Klaviersonaten Nr.1-32 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.01.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Beethoven con animo

    Kempff's 50er-Jahre Beethoven-Zyklus ist noch heute einer der besten, sicherlich der musikalisch inspirierteste aller Gesamteinspielungen und rein pianistisch-manuell auch seinem Stereo-Nachzügler aus den 60ern, z.T. nur nicht klangtechnisch überlegen. Musikalisch gibt es viele höchst inspiriert phrasierte und artikulierte highlights, die hier nicht allesamt aufgeführt werden können. Als beredte Beispiele neben der impressionistisch moderierten sog. Mondschein- die Pastorale-Sonate (Nr.15), das subtil balancierte Adagio-Hammerklavier (15! Min.)sowie die wirklich gesungene Arietta op.111, molto semplice e cantabile, hier wie insgesamt eine pianistisch wie musikalisch sublim artikulierte Variationsvielfalt vom Feinsten, und die Mono-Aufnahmen klingen rundum überzeugend. Fraglos, Kempff war ein Pianist für dezidierte Kenner,
    zumal heute im Vergleich zu all den superficial Hypes.
    Bilder einer Ausstellung (Orchesterfassung)

    Bilder einer Ausstellung (Orchesterfassung) (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    11.01.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    1 von 5

    Veritables Musikprodukt

    Ein womöglich profitables DG-Universal-Musikprodukt: Mussorgski-Pictures-Wiener-Dudamel -
    und name-dropping auf heutigem Kulturniveau - und wenn man vergisst, dass Ravel den Klavier-Mussorgski
    orchestriert hat auf heutiges gemeines Rezeptionsniveau wie hier, dann bleibt noch das ernüchternde Hörerlebnis,
    dass alles längst schon farbig-artikulierter, musikalisch stringenter, kurzum besser formuliert eingespielt wurde.
    Dudamel als Alleskönner auf dem Musikmarkt.
    Ein schlichtweg überflüssiges, zweitrangiges Produkt.
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    • Bilder einer Ausstellung (Orch.Fass.) Bilder einer Ausstellung (Orch.Fass.) (CD)
    Martha Argerich - The Complete Sony Recordings

    Martha Argerich - The Complete Sony Recordings (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.01.2017
    Booklet:
    4 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Martha, die musikalische Flamme

    Zu ihrem 75ten haben sich alle Mega-MusicPlayers, DG, EMI-Warner und Sony, hier mit allen ihren Aufnahmen, eine Box einfallen lassen als Dankeschön für die womöglich beste lebende Pianistin.
    Denn wer sie live erlebt hat, so in Berlin mit Chailly, Abbado, Dutoit, Barenboim, wird kaum nicht beeindruckt gewesen sein. Die Argerich ist immer präsent, man sieht, spürt und hört direkt die musikalische Botschaft. Man muss nicht alles gleichsam von ihr mögen - ihr Beethoven oder Mozart war nie so mein Fall - doch die Sony-Box versammelt vor allem drei ihrer herausragenden Aufnahmen: eine fulminante, sprühend-funkelnde Strauss Burleske, live unter Abbado aus Berlin, das so selten und so gewitzt gespielte D-Dur-Konzert von Haydn und eine adäquat emphatisch-romantisch wie subtil gespielte, grossartige C-Dur-Fantasie von Schumann, dem die Argerich, wie Kempff, Horowitz oder Richter, schon andernorts ihre einzigartige künstlerische Referenz erwies, sie mit den Kinderszenen und Kreisleriana. Schumann, ein Argerich special, und man hört es mit jeder nie pauschal-richtigen, sondern immer eigenständig-engagierten Darbietung.
    Bryce Morrison, der einzigartig hochkultivierte britische Klavierpapst beim 'Gramophone' Magazin formulierte Argerichs ausserordentlichen Status so: wenige Pianisten vereinnahmten so lebendig wie Argerich den schidzophrenen Romantizismus Schumanns, der dachte, er könne sich selbst zu Tode singen.
    Wer, wie auch immer div.geschmacksorientiert, solche Kunstleistungen hier anonym pauschal abwertet, sollte sich schlichtweg abmelden und den Stecker ziehen.
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    • Kempff plays Schumann Kempff plays Schumann (CD)
    • Kinderszenen op.15 Kinderszenen op.15 (CD)
    Martin Stadtfeld - Chopin +

    Martin Stadtfeld - Chopin + (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    11.01.2017
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Chopin vs Stadtfeld

    Der sehr eigenwillig ambitionierte Martin Stadtfeld 'strukturiert' hier die beiden Etüdenbände Chopins mit eigenen Improvisationen, womöglich als eigene musikalisch erläuternde oder Chopin vertiefende Kommentare gemeint. Leider klingen seine Klanginseln im Kontext der Originale wenig überzeugend nur nach Bedeutungshuberei, redundant und ohne einen bemerkenswert auffälligen musikalischen Sinnzusammenhang. So What?
    Die Etudes an sich klingen für mein Empfinden etwas zu eintönig schwergängig, etwas zu wenig poetisch leicht nach andrer, willkürlich eigener Aussage. Schade, der Interpret Stadtfeld steht dem Komponisten Chopin im Weg.
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    • Etüden Nr.1-24 Etüden Nr.1-24 (CD)
    Maria Joao Pires - Complete Chamber Music Recordings on Deutsche Grammophon

    Maria Joao Pires - Complete Chamber Music Recordings on Deutsche Grammophon (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    10.01.2017
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Grosse Kammermusik ...

    ... der Pires musikalisch wahrhaftiger Erkundigungen, die sie so subtil wie tiefgründig, allein und gemeinsam eloquent mit ihren Partnern so distinktiv klangvoll mitzuteilen weiß.
    Die Beethoven-Brahms-Sonaten mit Dumay, auch die Brahms Trios als Gipfel klangschön phrasierter und kunstvoller Gestaltung. Die späten Brahms Intermezzi als kongenial empfundener Nachgesang. Eine grosse, feine Kammer-Musikerin diese Maria Joao Pires.
    Friedrich Gulda plays Beethoven and Bach

    Friedrich Gulda plays Beethoven and Bach (DVD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    15.12.2016
    Bild:
    2 von 5
    Booklet:
    4 von 5
    Extras:
    1 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    2 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Beethoven-Gulda Dokument der 70er

    Diese visuell wie akustisch dürftigen WDR-Aufzeichnungen vom Bonner Beethovenfest anno'70 sind vor allem ein musikalisch-künstlerisches Dokument Guldas damaliger einzigartig moderner und strikt antiromantischer, sachbezogener und auch rein pianistisch überlegenen Interpretationshaltung. Wer konnte Bach und Beethoven so differenziert und ausgehört a-tempo spielend ohne geschmäcklerisch aufblühene Rubatoseeligkeiten derart gekonnt ausdrücken?
    Gulda gelingen die Relationen der div.Tanzcharaktere der Bachschen g-Moll Suite in einem grossen motorischen Bogen wie die Eroica-Variationen, und seine dynamisch höchst subtile Anschlagskultur erlaubt Gulda bei op.106 die von Beethoven intendierten Tempi. Das Adagio-Hammerklavier erklingt als musikalische und nicht sentimental verbrämte Architektur, die fein, Triller-Pianissimi!, wie mit einem schlanken Tusch-Stift nachgezeichnet wird.
    Wen die vitale, gradlinige Grundmotorik allemal stört, der sollte gar nicht erst zuhören, um klangliche Defizite dieser DVD zu meistern, und dem bleiben die musikalischen Offenbarungen dieses Mitschnitts sowieso verborgen.


    Meine Produktempfehlungen
    • Klaviersonaten Nr.1-32 Klaviersonaten Nr.1-32 (CD)
    • Klaviersonaten Nr.1-32 Klaviersonaten Nr.1-32 (CD)
    Die Kunst der Fuge BWV 1080

    Die Kunst der Fuge BWV 1080 (SACD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.12.2016
    Booklet:
    4 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Die Kunst der Adaption

    Marriners kammermusikalisch-konzertante Variante dieser Bachschen Fugenkünste klingt im Vergleich zu der eigenwillig-inbrünstigen
    von Hermann Scherchen romantisierend verdeutlichenden Darbietung doch sehr klassisch ausgewogen in den Ausführungen der Contrapuncti, unspektakulär moderat und dezent in der solistischen wie instrumentalen Stimmführung.
    Man spürt, Marriners Respekt vor dem Notenkosmos, der in seiner Ausgabe (Besetzung) in St.Martin in the Fields aufspielt wird.
    Und die hier audiophil aufbereitete Fassung klingt in den Stimmen konturierter und besser räumlich strukturiert als in der alten Philips Ausgabe. Damals noch wenig hist.informiert und instrumentiert ähnelt Marriners Fassung doch schon den später folgenden a la Goebel und seiner Musica Antiqua oder auch Harnoncourt, die musikalisch wie aufführungstechnisch doch erste Wahl bleiben, auch bzgl. einer annähernd authentischen Bachnähe.
    Dennoch, eine hörenswerte und klangschöne Aufnahme der 'Kunst der Fuge'.
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    • Orchesterwerke & Kammermusik Orchesterwerke & Kammermusik (CD)
    Bilder einer Ausstellung (Orch.Fass.)

    Bilder einer Ausstellung (Orch.Fass.) (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.12.2016
    Booklet:
    2 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Mussorgski Raritäten neben den (Ravel-) 'Bildern'

    Mit den Abbado-'Zugaben' kann man mehr als zufrieden sein, auch klanglich. Die Johannisnacht wird doch meist nur als Orchesterschmiss serviert. Nicht von Abbado. Die von Ravel orchestrierten 'Bilder einer Ausstellung' dirigiert Giulini wie auch späterhin etwas zu seriös und
    wenig vom Detail inspiriert. Insgesamt eine gute Mussorgski-Einspielung mit orchestralem Glanz.
    Daniel Barenboim - On My New Piano

    Daniel Barenboim - On My New Piano (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.11.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    1 von 5

    Neu beflügelt-?

    Jedenfalls hört man beim Durchhören dieser cruden Mischung diverser Klavierstücke keine musikalischen, geschweige denn pianistische Offenbarungen.
    Es klingt meist, je nach rhythmisch freier und willkürlicher Temponahme, wie unter einer gewichtigen Zeitlupe, zwischen Dezenz und schwerfälligem Auftrumpfen.
    Barenboims Hauskonzert mit dem seinen verbliebenen spieltechnischen Fähigkeiten qua neuer Flügelmechanik angepassten Instrument wird von der DG unbeabsichtigt noch als PR-Gag verkauft - wie kann man die nunmehr gelb-goldenen Hämmer und Saiten denn auch noch hören?
    Viel redundant-unmusikalisches Gedöns für ein überflüssiges Album des auch durch den desaströsen Berliner Staatsopernunbetrieb bedauernswerten Barenboim.
    Symphonien Nr.1 & 2

    Symphonien Nr.1 & 2 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.11.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    2 von 5

    Beethoven-PR-Originale etc.

    Wer noch die 'Originale' der 1980er von Norrington und seinen London Classical Players kennt und vergleicht, wird hier wenig Neues 'nah am Original' oder andre fragwürdige PR-Vergleiche zu aktuellem sozio-kulturellen Geschehen sehen, solcherart allenfalls peinlich finden.
    Was heisst heute denn noch historisch, an Instrumenten oder Orten? Alles PR-GedÖns!
    Haselböcks Wiener Akademie-Aufnahmen klingen historisch informiert, idiomatisch frisch und klangschön, jedoch keinesfalls musikalisch unerhört neu. Da waren und sind andre vor ihm.
    Und die div.originalen Lokations haben die hightech Tonmeister längst im formierten Griff, wie die sie brav nach-dackelnden Rezensenten.
    Klingt alles so schön original hier ... na-aber!
    Meine Produktempfehlungen
    • Symphonien Nr.1-9 Symphonien Nr.1-9 (CD)
    Günter Wand dirigiert die Münchner Philharmoniker

    Günter Wand dirigiert die Münchner Philharmoniker (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.11.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    4 von 5

    Wands Bruckner aus München

    Hännslers profilierter Klassik ist dieses durchaus eindrucksvolle Brucknerkompendium aus München mit den M-Phil unter Günter Wand zu verdanken, und dokumentiert, wie wandlungsfähig dieses von seinem Chef Celibidache brucknergeprägte Orchester ist. Nichts von der eigenwillig geprägt-zelebrierten Langsamkeit der Celizeit ist hier unter Wand noch zu hören, alles klingt rhythmisch fliessend und moderat stringent artikuliert nach gewandter, aufgeklärt-sachlich- und werkgerechter Brucknerinterpretation, ohne kalkuliert zelebrierter, romantischer Weihe.
    Die erstaunlich gut klingenden Rundfunkmitschnitte - die ich allesamt nur als mp3-net-downloads kenne - bieten erstrangige, recht lebendig und konturiert musizierte Wand-BrucknerVarianten, die durchweg mit seinen Studioeinspielungen konkurrieren können, sie z.T. qua musikalisch direktem Zugriff sogar übertreffen.
    Da ich davon ausgehe, dass die hier vorliegenden CD-Varianten klanglich die mp3-Versionen übertreffen, kann ich diesen Münchner Wand auch als Alternative seiner div. Einspielungen nur empfehlen. Auch die Beethoven-Schubert Sinfonien sind im peniblen Detail konventioneller wie seriöser Exegese durchweg hörenswert.
    Etüden Nr.1-24

    Etüden Nr.1-24 (CD)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.11.2016
    Booklet:
    5 von 5
    Gesamteindruck:
    5 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    5 von 5

    Perahias klangvolle pianistische Formulierungskunst

    Nach dem verletzungsbedingten fulminantem Comeback mit seinem Chopinrecital (u.a. die
    Balladen), erwies Perahia seine pianistische Klasse mit einer hörbar dynamisch kontrastreicher ausgeloteten Tiefenschärfe seiner Phrasierung und Pointierung musikalischer Verläufe.
    Und seine Etudes Gesamteinspielung des Non-plus-ultra der Chopinkünste ist eine adäquate Realisierung und hörbar animiert exerzierte seiner eigenen pianistischen Künste.
    Es gibt - alles in allem - keine musikalisch wie pianistisch wie klangtechnisch bessere, neue Einspielung dieser Chopin Etudes als diese vorzügliche von Perahia. CHAPEAU!
    Symphonie Nr.7

    Symphonie Nr.7 (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.11.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    5 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Wand und seine Bruckner-Spätlese

    in Mitschnitten seiner B-Phil-Gastspiele überzeugt weniger mit späten oder neuen, unerhörten Interpretationseinsichten als durch seine grossformatige, mild-moderate wie schlanke und hochdifferenzierte sinnlich weiche Klangdisposition, die ebenso die instrumental-solistische Klasse des Orchesters wie die kongeniale Musizierkunst des Bruckner-Dirigenten Wand zum Klingen bringt. Die Tempi sind entsprechend modifiziert, die Generalpausen ausgereizt, was natürlich live weniger bemerkbar ist. Auch die sog. Romantische 4te Sinfonie erfährt eine solche klanglich beruhigte Ausdehnung. Ein für meinen Geschmack stellenweise zu weich formulierter, in den Proportionen jedoch überzeugend weiträumig gestalteter Bruckner. Letzte Worte einer musikalischen und speziell brucknernahen Musikerweisheit.
    Meine Produktempfehlungen
    • Symphonien Nr.4,5,7-9 Symphonien Nr.4,5,7-9 (CD)
    Jonas Kaufmann – Dolce Vita

    Jonas Kaufmann – Dolce Vita (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    27.10.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    3 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    La musica con forza

    Würde das musikalisch-akustische Erscheinungsbild dieser CD nur in etwa dem visuellen des Covers mit dem optisch nach wie vor juvenil-attraktiven Sänger entsprechen, könnte man allenfalls ein paar kritische Details bemängeln, sowas wie defizitären idiomatischen Schmiss, ein doch fehlendes natives ital.parlando. Jedoch, über dem ganzen Produkt lastet eine hörbar angestrengte, forciert-kunstträchtige Gewichtigkeit, ohne sängerischen Charme oder ein leicht artifizielles 'Als Ob', wie etwa bei Tauber, was hier auch andernorts bereits kritisch bemerkt wurde. Es klingt alles und auch orchestral wenig animiert wie unterbelichtet angestrengt.
    Jonas Kaufmann hat eine markante und mit allen Vorzügen dunkel timbrierte und nicht leicht bewegliche Stimme, die in diesem Genre einfach erfordert und hier hörbar überfordert ist. Der Vergleich mit Pavarotti, dem letzten grossen Tenorissimo solcher 'leichterhand' Gesangskunst ist vernichtend wie unfair, weil Pavarotti sein 'cantare' Naturtalent weitersingend promovierte.
    So what, was solls-? Verglichen mit seinem letzten durchweg noch überzeugendem Verdi-Album, ist dies nur ein mediokres MarketingProdukt für Fans, die ihrem Star taub und hörig sind.
    Ein La Dolce Vita hört sich doch hoffentlich anders an als hier.
    Klavierkonzert op.16

    Klavierkonzert op.16 (CD)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.09.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    3 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    2 von 5

    Kein 'Wonderland'

    Beim Titel "Wonderland" denkt man doch gewiss an Exotischeres als an Grieg und seine Klaviermusik, vor allem nicht an sein Klavierkonzert, das zu den drei bekanntesten und am meisten gespielten Konzerten der romantischen Literatur gehört, neben Schumann und Tchaikovskys b-moll, welche landauf-landab immerzu gespielt werden, Grieg letztens von Nicolai Lugansky und LangLang, dem pianistischen Überflieger.
    Da muss man sich als Produzent (und Künstler) für ein Grieg-Album doch mehr einfallen lassen als so einen feschen Titel, der nichts zur Griegschen Musik, also dem musikalisch-spielerischen Programm aussagt, also musikalisch mehr. Doch leider klingt das ganze so wie eine hübsch-moderate musikalische Beruhigungspille, beliebig, unprätentiös und ohne werkdienliche Aussagen zur Musik - die klingt gepflegt dahin - allenfalls schafft der eigentlich komplex strukturierte Esa-Pekka Salonen als komponierender Dirigent zumindest orchestral ein paar schärfende Akzentuierungen, die Ott leider nicht korrespondieren kann.

    Wenn man bedenkt, dass einst der grosse Schnabel beim Anhören eines Mitschnitts des Griegkonzerts vom jungen Dinu Lipatti schwärmte und meinte, neues Klavierspiel zu hören, und wenn man diese, Lipattis berühmte Aufnahme mit dem Philharmonia unter Galliera (oder Arrau, Curzon, Vogt ...) hier vergleicht, fragt man sich schon, warum nur-?
    Ebenso bei den lyrischen Genrestücken, kleinen pianistischen Perlen, die zu schimmernd-sprechender Gestalt erspielt werden müssen, so wie es einst Gilels ganz überlegen seriös gelang, oder dem jungen, klanglich freier agierenden Barenboim. Auch hier bleibt die Pianistin uninspiriert und aussagearm und bietet allenfalls musikalische Konfektionsware, die im Vergleich zum höherkarätigen Angebot eigentlich nur überflüssig ist.
    Anna Netrebko – Verismo

    Anna Netrebko – Verismo (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.09.2016
    Booklet:
    3 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    4 von 5
    Künstlerische Qualität:
    3 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Netrebkos sanguinisches Verismo

    Die zurzeit unbestrittene Star-Sopranistin Anna Netrebko hätte nach ihrem erfolgreichen Verdi-Album, vergleichbar mit dem des ebenso kultigen Tenorstars Jonas Kaufmann, ihr neues doch eher schlicht als 'Puccini-Album' veröffentlichen sollen, denn sie singt doch überwiegend Puccinis kaum veristische Frauennummern von unterschiedlich verstörten weiblichen Psychen wie Manon (deren gesamten Schlussakt-Abgesang mit ihrem bemühten Partner Yusif Eyvazov), Tosca, Butterfly, Liu und komplimentär diese mörderische Turandot, die das DG-Marketing wohl besonders inspiriert haben könnte:
    Ein versierter Musikkritiker schrieb dazu, das 'Verismo'-Cover offeriere eine "fashionfreudige, nicht immer geschmackssichere Russin als eine zur 'Turandot' verkleidete Vogelscheuche". Flott-pikante Bemerkungen eines Profis, offenbar noch unbestechlich.So etwas wagte ich als kritischer Dilettant eher zu umschreiben, zumal es auf die vokale Geschmackssicherheit der Netrebko letztlich nur ankommt.
    Puccinis gebrochene Charaktere hin, Verismo a LaWally her - dem nahe ist allerdings ihr üppiger, inzwischen verdunkelt-schwerblütiger, zumal dramatisch sich voll in der Höhe frei entfaltender und doch samtig tembrierter Wohllaut. Eleonore Büning war in der FAZ von dem Salzburger Auftritt der Netrebko schlichtweg hingerissen, na, immerhin. Und schrill klingt da nichts, allerdings auch (zu) wenig subtil, verschattet und mezzo-differenziert artikuliert. Trotz der vocalistischen Reizüberflutung klingt manches auf die Dauer nurmehr eintönig schön und, tja, leider auch charakterlos.
    Verglichen mit den wirklich vokal wie sozio-psychologisch einzigartig von der Callas (der Netrebko durchaus vergleichbar im Alter) gestalteten Figuren der Andrea Lecouvreur, Chenier (La Mamma Morta) und Wally (Ebben?) und auch Puccinis Manon oder Butterfly singt die Netrebko doch erstaunlich eindimensional und konturenlos, wenn auch der Vergleich mit Callas selbst für eine Netrebko zu hoch gegriffen ist.
    Die Santa-Cecilia-Musiker unter Pappano klingen auch nicht wie das Philharmonia Orchestra unter einem Serafin, aber wie versiert und engagiert deklarierende Adjutanten für ein Star-Album der russischen Diva. Deren erwartungsvolle Fans werden nicht enttäuscht.
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    Sämtliche Orchesterwerke Vol.4

    Sämtliche Orchesterwerke Vol.4 (SACD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    05.09.2016
    Booklet:
    4 von 5
    Gesamteindruck:
    4 von 5
    Klang:
    5 von 5
    Künstlerische Qualität:
    4 von 5
    Repertoirewert:
    3 von 5

    Zwei Seiten der Griegmedaille

    Die frühe c-moll Sinfonie hat Grieg ja selbst als Opus zurückgezogen, und man wird hier, für mich nach erster Kenntnisnahme, nicht bedauern, dass seine sinfonischen Bemühungen unbekannt blieben. Immerhin ein informativ- dokumentarischer und zudem sehr gut gespielter und klingender Verweis auf ein kompositorisches Misslingen.
    Das höchst populäre Klavierkonzert bräuchte weniger eine Empfehlung als eine Relativierung zu weniger bekannten andren. Hier wird es von Herbert Schuch allerdings ohne vehement lautes, draufgängerisches pianistisches Gehabe moderat und subtil im solistisch Leisen und durchaus zupackend im Forte der Tutti präsentiert und ebenso differenziert begleitet. Dies ist auch klangtechnisch hörenswert, wenn auch nur in Details unerhörtes? Neuland. Immerhin eine gute Konzertaufnahme ohne nervige pianistische Effekthascherei.
    426 bis 450 von 628 Rezensionen
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