Eric Lu, Chopinpreisträger Warschau 2025
Der amerikanische Pianist Eric Lu hat es nun im zweiten Anlauf in Warschau geschafft, - nach dem 4. Platz 2015, 1.Preisträger war Seong-Jin Cho - als der mit 27Jahren bislang älteste Sieger beim berühmten, exklusiv Chopin gewidmeten Klavierwettbewerb, der nur alle 5Jahre ausgetragen wird.
Lu ist erst der zweite US-Amerikaner nach Garrick Ohlsson, dem dies gelang, allerdings ohne Sonder- bzw. Publikumspreise.
Bei einer Gastveranstaltung der Berliner Konzertdirektion Adler im Oktober '25 spielte er im Rahmen einer Preisträger-Tournee mit seinen 'fellow laureates' im Kammermusiksaal der Philharmonie und die "Deutsche Grammophon", im universellen Musikgewerbe noch immer prestigeträchtig, veröffentlicht nun einen Mitschnitt von Lu's Chopin Spiel beim finalen Wettbewerb in Warschau.
Nach eigener Aussage hat sich der Pianist lange und akribisch darauf vorbereitet, das verlangte Chopin-Programm zu erarbeiten und tadellos präsentieren zu können.
Das hört man diesem Mitschnitt auch an: da klingt wenig nach einem live-Ereignis, nach Zufall oder einer spontanen Intuition im Verlauf der Darbietung: alles perfekt einstudiert und reproduziert.
Im zentralen Satz der b-moll Sonate, dem sog. Trauermarsch, könnte man befürchten, die Sargträger schliefen vor der Beisetzung ein, soviel artikulierter Manierismus ist schlichtweg too much, selbst nach einem Vergleich mit dem höchst eigenwilligen Rachmaninov.
Man darf gar nicht an Größen wie Argerich und Pollini denken, die mit Aplomb siegten, oder den Chopin-Gottvater Rubinstein, der völlig unprätentiös und souverän-frei den Chopin-Kosmos beschritt.
Wer kennt denn noch Chopin von Arrau, Bolet, Cortot, Horowitz oder Michelangeli oder den Nicht-Sieger Pogorelich, der 1980 in einem spontanen Warschauer Konzert das Publikum begeisterte. -?
Heute schwafeln juvenil-aufgekratzte Moderatoren im pop-jargon in KulturRadios von Nord nach Süd von einer 'neuen Bedachtsamkeit aus der Stille und die Entdeckung des Leisen' und hypen den braven Lu über musikalische Grenzen hinaus ins bislang Unerhörte, nach nur diesem Mitschnitt, und ein paar 2015er Ausgrabungen. Gruselige Marktschreierei.
Wohl dem, der noch ein paar alte Platten, ein musikalisches Gedächtnis und zudem künstlerisches standing besitzt.
Eric Lu ist zweifellos ein sehr guter Pianist mit Sinn für Nuancen und feinem Ton mit sensibler Klanggestaltung, jedoch läßt mich sein eigenwillig moderat-manierierter Chopin ziemlich kalt.