Ein Meisterwerk!!!
Meine erste Begegnung mit dem Schriftsteller Max Frisch hatte ich als Jugendlicher mit dem wohl längst vergriffenen "Tagebuch mit Marion", im Zürcher Atlantis Verlag 1947 erschienen. Seit dieser mich zutiefst prägenden Lektüre hat mich Frischs Werk durch die Jahrzehnte begleitet, und sicher auch weiterhin geprägt, sprachlich, gedanklich, weltanschaulich, oft auch geärgert und dann wieder versöhnt. Das vorliegende "Tagebuch 1946 - 1949" erschien erstmals 1950 im Suhrkamp Verlag. Und es basiert auf dem "Tagebuch mit Marion". Unaufdringlich und auch ohne Mitteilungsbedürfnis äussert sich Frisch, der viel zu sagen hat, doch immer bewegend. Er beobachtet, reflektiert, schreibt mit stilistischer Brillanz über eine Fülle von Themen und will seine Leser dazu bringen, über sich selbst Rechenschaft abzulegen. Patentlösungen hat er nicht und will er als Realist auch nicht anbieten. Er weiss, dass die Welt durch Literatur nicht zu verändern ist, im besten Fall misstrauisch gegen die Arroganz der Macht sein resp. werden, welche es zu erkennen gilt, bevor man sie bekämpfen kann.