Ein strenger Richter?
Ganz leicht macht es einem diese Musik nicht. Der fugierte Eingangssatz der G-moll-Symphonie zeigt den strengen Meister - aber Gefühl? Hochinteressant dann der Verweis im Booklet auf ein Oratorium des Komponisten mit einem Lamento in ganz ähnlicher Tonsprache - und als "sinfonische Dichtung geistlicher Art", als Klagegesang und sogar Art Passionsmusik erschloss sich diese Kompositionsweise mir plötzlich, und ihr emotionaler Sinn. Die ganze Bandbreite Richters deutet sich dann durch das zweite gewählte Werk an, mit dem komischen "La Confusione" Schlusssatz in Haydnscher Humorlage. Das ist für mich schon fast das höchste Lob, das man einem Komponisten dieser Zeit, die ja das Originelle, Einzigartige noch nicht zum Kult erhoben hatte, spenden kann (hier noch ein Vergleichs-Verweis auf Joseph Haydns Symphonie Nr. 70 mit der Tripelfuge im Schlusssatz). Eine sehr konzentrierte Interpretation von Frau Gaigg und L'Orfeo: Musik zum Einhören und Hinhören. Und zum Wiederhören.