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Symphonien Nr.8-11 "Die 4 Jahreszeiten" Symphonien Nr.8-11 "Die 4 Jahreszeiten" (CD)
5 of 5 stars
Booklet:
5 of 5
Overall impression:
5 of 5
Sound:
5 of 5
Artistic quality:
5 of 5
Repertoire value:
5 of 5

Der Unterschätzte

In gleich mehreren Lexika oder Büchern zu klassischer Musik fand ich jedesmal die immergleichen Vorurteile, die den zu Lebzeiten sehr berühmten Raff seither begleiteten. Ich möchte diese albernen Wiederholungen nicht nochmal wiederholen.

Die Sinfonien Raffs sind, obwohl seit einiger Zeit wenige Aufnahmen zugänglich sind, weiterhin Geheimtipp. Raffs erste gedruckte Werke verdanken Felix Mendelssohn die Fürsprache, und Mendelssohn wollte den jungen Raff auch als Schüler für Kompositionsunterricht aufnehmen. Leider starb Mendelssohn so früh.
Über Liszt ging es für Raff weiter, und die teilweise abstrusen Vorwürfe kamen höchstwahrscheinlich zustande, weil Raff weder der Liszt-Wagner-Bruckner- noch der "konservativen" Schule um Brahms zugehören wollte. Als die "Neutöner" die Sinfonie und Suiten verdammten, zog Joseph Joachim Raff von Weimar und Liszt-Nähe nach Wiesbaden, und fing an, 11 Sinfonien und einige Suiten zu komponieren... und so viele Meisterwerke sind darunter. Ich lerne grade seine reichhaltige Kammermusik im Schnelldurchgang kennen - da sind Schätze zu entdecken.

Wer sich Raff (1822-1882) anhört, findet meiner Meinung Anklänge an Mendelssohn und Schumann, aber eine ganz eigene Stimme. Obwohl lange vor Carl Nielsen (1865-1931), weisen beide Komponisten einen "up beat mode" auf, eine pure Lebensfreude, die sofort hinreißt. Was Raff aus manchmal fröhlich-einfachen Motiven macht, wie er instrumentiert und die Ideen verarbeitet, ist oft atemberaubend.
Ich lernte Raff verspätet über eine "Mittsommer"-Zusammenstellung eines streaming-Dienstes kennen, wo die "Im Sommer" Sinfonie 9 vorgestellt wurde, in dieser Einspielung, die ich bei jpc kaufte.
Die "Herbst" Sinfonie, Nr. 10, würde ich Menschen, die interessiert sind, zuerst vorspielen, doch Freunde waren auch von der 11, "Winter", hingerissen, die ich auch nicht mehr aus dem Kopf kriege (und warum auch).

Das ist ein vergessener und bei vielen noch immer unbekannter Komponist, der nicht hinter Brahms, Mendelssohn, Schubert oder Schumann, sondern gleichwertig als Eigensinniger neben ihnen stehen sollte. Ich kenne sehr viel von 1400 bis 1970 aus dem Bereich klassischer Musik, und hätte nie gedacht, so einen herausragenden Komponisten, der beinahe unisono abgelehnt und nicht beachtet wurde, kennenzulernen. Das sind Werke, die herausragend gearbeitet sind, und zugleich "Ohrwurm"-Charakter besitzen. Während klassische Musik zuungunsten von "klassischer Filmmusik" in den letzten Jahren viel an Bedeutung für viele verliert, ist Raff einer, den zukünftige Dirigentinnen und Dirigenten sowie Orchester hoffentlich wieder mehr spielen und aufnehmen werden. Ich fragte mich etwa, wie Klemperer, der die Holzbläser immer "auch hörbar!" haben wollte, diese einzigartig schönen Holzbläser-Passagen in den Sinfonien dirigiert hätte. Oder Giulini, Szell, Munch und so viele.

Diese 4 Sinfonien sind unter Werner Andreas Albert und der Philharmonica Hungaria wunderbar eingespielt. Ich kaufte gleich noch die 7, leider hat der Dirigent 1-6 nie aufgenommen.
Es gibt dann noch 8-11 mit dem Sinfonieorchester Basel und unterschiedlichen Dirigenten wie Mario Venzago (11), die alle sehr gut sind. Weiter Gesamteinspielungen der Sinfonien bei Naxos unter Urs Schneider, und vom "Wiederentdecker" Hans Stadlmair mit dem Bamberger Orchester. Dazu einzelne Einspielungen der ersten 7 Sinfonien, und das wars auch schon.

Ich glaube, hier ist für alle, die die Musik der Früh- und Spätromantik lieben, unendlich viel zu entdecken. Selten so begeistert nach einem Kauf gewesen. In einer der Kritiken (da zu Stadlmair) las ich gerade, Raff sei ein Musikant, der "vereine" statt parteiisch zu spalten. Und genau so klingt die Musik auch - ein unterschätzter Meister, der sich fast alles im Eigenstudium beibrachte, und dann bis zum ersten Leiter des berühmten Hochschen Konservatoriums Frankfurt aufstieg. Wo er übrigens gleich Clara Schumann einstellte, als es noch abwegige Vorurteile gegen Frauen als Komponistinnen und Musiktheoretikerinnen gab. Für mich ab jetzt neben den Grössten, gleichwertig, natürlich sind Geschmäcker verschieden.

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  1. 1 Klemperer85 1