All'ungherese
Die schöne kolorierte Stadtansicht des alten Budapest auf dem Cover führt hinein in die K.u.K. Welt, in der auch Hans Koessler lange zu Hause war, als Grenzgänger zwischen deutschem und ungarischen Nationalgefühl. Wozu die Nationalismen im Vielvölkerstaat führten, ist bekannt - schönere Ergebnisse inspirierten sie künstlerisch, musikalisch. Und so führt ein "unerhörtes" Passacaglia-Konzert hinein in Koesslers Schaffen, strenge Form mit ungarischem Schmelz verbindend, mit genau diesem Schmelz hinreißend dargeboten vom Solisten Fedor Rudin auf seiner wertvollen Stradivari. Das melodienreiche Werk ist unbedingt hörenswert! Die leichten Stern-Einbußen würde ich wegen der dann doch etwas gründerzeitlich-pompösen Symphonie geben, mit viel Schlagwerk und fröhlichem Tamburin (!) im letzten Satz, die manchmal eher wie "noch 'ne Idee" klingt als wie ein wirklich zwingend das eine aus dem anderen entwickelndes Großwerk. Aufgeführt wurde sie nur vielleicht, gedruckt nie, wie denn auch der als Lehrer sehr einflussreiche gebürtige Oberpfälzer kein rechtes Glück mit der öffentlichen Wirkung seiner Werke hatte, vielleicht auch wegen mangelnder PR-Begabung. Das Nürnberger Qualitätsorchester, der BR und cpo können mit dieser Aufnahme zumindest für ein wenig Nachruhm sorgen.