Also sprach Zoroaster
Mit Karacho fegen Michi Gaigg und ihr Barockorchester durch diese genuinen Theater-Musiken und zeigen gleich mal auf, was den französischen Barock von den größten Exegeten des deutschen unterschied: das weltliche Element auch als Weltoffenheit, der repräsentative Glanz, das Lebensbejahende statt "Ich habe genug". Das ist nicht fürs Jenseits komponiert, und so spielt es L'Orfeo auch wie direkt "on stage". Nebenbei lässt sich gerade bei Rameau ein Wandel der Interpretation ausmachen, der zeigt, wie viel in ihm steckt: Von Raymond Leppards hochvirtuosen Darstellungen der späten 60er mit "super polished" Bläserstimmen (z.B. "Vorhang auf!", PHILIPS 454 426-2 - warum ist von diesem Pionier der Alten Musik, der über 250 Aufnahmen gemacht hat, eigentlich sogar online kaum noch etwas greifbar?) über den strengen Gustav Leonhard, der eher das Gravitätisch-Höfische betont ("Les Paladins"-Suite, PHILIPS 432 968-2) bis eben zu Gaigg und L'Orfeo: So heutig klang Altes noch nie, und trotzdem mag ich auch die anderen Darstellungsformen und -weisen.