Vivat Hamburgum?
Moin! Da lacht das Herz des Hamburgers, selbst in der Berliner Diaspora - beim Anblick des schönen Coverbilds. Weniger vielleicht beim Anhören der Musik, die uns doch inzwischen sehr fremd geworden ist, und ebensolcher Texte, die immerhin teilweise belustigen mit ihrem grimmigen Pathos ("Die Gnad tut er nicht sparen, den Blöden ist er hold"). Wer hört an einem schönen Sommertag, oder meinetwegen an einem mit Hamburger Schietwetter schon stundenlang zur Entspannung von der "alten Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas"? Nein, derartige Veröffentlichungen sind enzyklopädisch zu verstehen und haben als solche ihre Berechtigung. Ansonsten ist dem Eindruck des Rezensenten "meiernberg" zuzustimmen: Bläser überlagern hier zu häufig die Vokalstimmen, der schöne Essay über die Riesenorgel im Beiheft scheint mangels eines ebenso dominanten Höreindrucks des Instruments fehl am Platze. Vielleicht sind die kleinen Werke hier einfach inzwischen von einer glaubensfernen Zeit überholt, weisen zu wenig über sich selbst hinaus, und nahezu jedes Werk der Wiener Klassik - man nehme nur eine relativ unbekannte Haydn-Symphonie wie Nr. 47 "Palindrom" - sagt dem modernen Bewusstsein mehr, gerade weil es auf so direkte sprachliche Aussagen verzichtet.