Die Zerstörung Magdeburgs
Die Bluthochzeit, historischer Roman von Wolf Hector, 540 Seiten, erschienen im Ullstein-Verlag-
Der Fall Magdeburgs im 30jährigen Krieg
1930 wird die protestantische Stadt Magdeburg von den kaiserlichen Truppen belagert. Der Magistrat hat ein Bündnis mit den Schweden geschlossen. Die eigensinnigen Bürger, wollen sich nicht ergeben, weil sie auf Hilfe des König Gustav Adolf II. von Schweden warten. Doch die rettenden schwedischen Truppen lassen auf sich warten. So gelingt es dem geharnischten Mönch, Graf von Tilly, Magdeburg zu stürmen. Zwischen den Fronten ein Liebespaar, Teresa Werdenhagen und Caspar Ludolf Steinmann. Deren Schicksal eng mit dem der Stadt verbunden ist.
Das Buch besteht aus 60 überschaubaren Kapiteln, die mit Ort und Datum, sowie mit einem, das Kapitel zusammenfassenden Titel überschrieben sind. Das Gesamtwerk teilt sich in drei Bücher. Die Erzählform ist auktorial, ich finde es die hier sinnvollste Stilform, denn der Leser kann die Geschichte von allen Seiten und aus der Sicht aller Figuren genießen. W. Hector, schreibt mitreißend, sehr bildhaft, und historisch einwandfrei, Kleinigkeiten die Zeitlich angepasst wurden, sind genannt. Der Autor kann auch Romantik, dass hat er in den einzelnen Liebeszenen bewiesen, selten habe ich dermaßen ästhetische Szenen gelesen, alles klar vorstellbar und kein bisschen zum Fremdschämen. Etwas Besonderes, dieses Buch beginnt mit dem Ende, das ja auch jederzeit in den Geschichtsdokumenten eingesehen werden kann, es wird also nichts vorweggenommen.
Die Zeittafel, das Personenverzeichnis (fiktive Personen mit * markiert) auf den ersten Seiten und das Glossar auf den letzten Seiten habe ich anfangs des Öfteren zu Rate gezogen. Dieser Roman ist es wert langsam und bedächtig gelesen zu werden, die vielen Charaktere und ihre Zugehörigkeit machen dies nötig. Ab der Hälfte geht es flüssig voran und das dritte und letzte Buch habe ich mit Spannung inhaliert. Ein Buch wie für mich, die Begebenheiten und Kämpfe im 30jährigen Krieg faszinieren mich schon immer, jetzt habe ich über den Fall Magdeburgs so viel erfahren, ich kann dem Autor nur eine gründliche Recherche bestätigen. Die einzelnen Figuren sind fundiert beschrieben, sie handeln nachvollziehbar und sind authentisch. Etwas Mystik, durch die Seherin Edita und Bruder Sebastian ist auch dabei, dies hat meine Fantasie beflügelt. Es fügt sich gut ins Buch und ich habe jedes Wort gefühlt. Die historische Stadtansicht ganz zu Beginn hat mir ebenfalls gefallen, man kann sich gut vorstellen was für eine prächtige Stadt Magdeburg war, macht auch das Setting nachvollziehbar. Mit Interesse habe ich auch das Nachwort des Autors zur Kenntnis genommen, weitere Einblicke werden dadurch gewährt.
Schon lange habe ich keinen so schönen historische Roman mehr gelesen, bei dem Fakten und Fiktives so gelungen zusammengefügt waren. Die beigefügte Liebesgeschichte habe ich genossen, ohne Weiteres hätte dies ein Detail zu dieser Zeit, an jenem Ort gewesen sei können. Die historischen Figuren, waren sehr interessant, besonders gelungen die Beschreibung von Tilly und auch Domprediger Bake. Fasziniert haben mich vor allem, die starken Frauen im Roman, Teresa sowie Sabina, ein Leichtes sich in sie hineinzuversetzen. Noch viele weitere bemerkenswerte Figuren wären, Ludolf, sein Vater, Balthasar oder auch Nikola von Kalovac. Nur einen fand ich richtig mies, von Falkenberg den Hofmarschall des schwedischen Königs. Einen Vater wie ihn Teresa hatte, wünscht man sich wohl auch nicht.
Ich fand diesen Roman grandios, ich wurde bestens unterhalten und habe weitere Erkenntnisse über das Geschehen im 30jährigen Krieg erhalten. Ich habe mich am Buch erfreut und gebe gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.