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    Lesewunder

    Aktiv seit: 15. April 2026
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    10 Rezensionen

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    Der Club der Unbeugsamen

    Kathryn Stockett
    Der Club der Unbeugsamen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.05.2026

    Berührende Geschichte über mutige Frauen und Freundschaft

    Die elfjährige Meg wird von ihrer Mutter Charlie allein zurückgelassen und Tage später ins Waisenhaus von Oxford, Mississippi gebracht, das von Garnett Pittman geleitet wird. Garnet ist eine bigotte, verbitterte, heuchlerische, herzlose Frau, die Meg mit unerklärbaren Hass verfolgt und dem Mädchen das Leben zur Hölle macht.

    Birdie lebt mit Mutter und Oma in einem kleinen Kaff im Mississippi- Delta. Sie ist die einzige, die ein wenig Geld verdient, aber nicht genug, um die Familie auf Dauer vor der drohenden Zwangsversteuerung des Hauses zu bewahren. Birdies Schwester Frances, die reich geheiratet hat und in Oxford wohnt, ist ihre letzte Rettung. Birdie macht sich auf, sie um Geld zu bitten.

    Mit Birdies Ankunft in Oxford beginnt eine so berührende und dabei fesselnde und oft auch humorvolle Geschichte, dass ich gar nicht mehr mit Lesen aufhören wollte.

    Meine Lieblingsfiguren waren ganz klar Birdie und Meg. Birdie ist eine herzensgute Person ohne großes Selbstbewusstsein. Immer stand sie im Schatten ihrer schönen und umschwärmten Schwester Frances. Frances war eine der Personen, die mich rasend gemacht hat mit ihrer Ignoranz und Überheblichkeit. Birdie versucht alles, um sie vor unliebsamen Wahrheiten zu beschützen. Selbst als Birdie mit ihren unkonventionellen Methoden , Geld für das Überleben aller ihr am Herzen liegenden Personen, riskiert, ins Gefängnis zu kommen, straft Frances sie mit Verachtung. Denn auch bei Frances ist das Geld knapp und der Ruin scheint unausweichlich. Durch die unerwarteten Herausforderung, möglichst schnell und viel Geld zu verdienen, gewinnt Birdie an Selbstbewusstsein.

    Meg gehört zu den Menschen, die Birdie retten will. Meg ist trotz der schlimmen seelischen Verletzungen immer noch voller Optimismus, dass man sie einfach lieben muss. Meine Hassfigur war Garnett , an der ich beim besten Willen nichts gutes entdecken konnte.

    Eingebettet ist die Handlung in die Wirtschaftskrise in den 30iger Jahren im Süden der USA, die viele Farmer in den Ruin getrieben hat. Die Auswirkungen wurden sehr anschaulich dargestellt und bilden die Erklärung von vielem, was heute zum Glück undenkbar ist. Für mich erschütternd und Anlass für unbändige Wut, war der verächtliche Umgang mit den Frauen, besonders wenn sie arm waren oder nicht reine Weiße. Sie waren Menschen zweiter Klasse und wurden oft als schwachsinnig diffamiert. Auch das wird sehr anschaulich thematisiert.

    Bei aller Dramatik und Schrecken endet der Roman zu meiner Freude hoffnungsvoll. Für mich war es ein tolles Leseerlebnis, das mich berührt und aufs beste unterhalten hat.
    Wiener Wedding Killer

    Franziska Waltz
    Wiener Wedding Killer (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.05.2026

    Unterhaltsam, bissig und humorvoll

    Gut, dass ich schon verheiratet bin, denn nach dieser Lektüre hätte ich es mich sicher nochmals überlegt. Mir war nicht bewusst, wie lebensgefährlich Heiraten sein kann. Das beginnt schon mit der Auswahl des jeweiligen Partners. Rachsüchtige Schwägerinnen, kriminelle Verwandtschaft, Verlobte, die eine fragwürdige Vergangenheit haben oder irgendwie zwischen die feindlichen Linien geraten sind, das alles habe ich nie bedacht. Da ist ein aus dem Ruder laufender Junggesellenabschied schon fast ein heiteres Erlebnis.

    Die einzelnen Geschichten sind bissig auf den Punkt und bedienen auf humorvolle Weise Klischees. Wenn auch nicht immer ganz korrekt, konnte ich bestens darüber lachen . Ich war verblüfft, welche Wege das Schicksal gehen kann und wurde bei der Suche nach den Tätern sehr gut unterhalten.
    NordOstZorn (Flensburg-Krimi) (Küstenkrimi)

    Nele Bruun
    NordOstZorn (Flensburg-Krimi) (Küstenkrimi) (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.05.2026

    Tod einer Wahrsagerin

    Anne Anders und Hendryk Larson müssen dieses Mal den Mord an einer bekannten Wahrsagerin aufklären. Der Kreis der Verdächtigen ist mal wieder größer als erhofft. Die Spannweite der möglichen Motive reichen von unzufriedenen Kunden, Erpressung und Eifersucht. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Kunden der Opfers bekannte Größen in Flensburg sind und die Persönlichkeit der Toten sehr unterschiedlich dargestellt wird. Für die einen ist sie eine Heilige, für andere eine geldgierige Hure. Auch das Geständnis eines Verdächtigen hilft nicht wirklich. Zweifel bleiben.
    Bis hier hin fand ich den Krimi spannend, überzeugend und unterhaltsam. Die Lösung selbst hat mich nicht ganz so begeistert. Der wahre Täter gerät relativ spät in den Fokus der Ermittler und bleibt für mich als Person blass. Davon abgesehen hat die Lektüre Spaß gemacht.
    Wenn die Stille bricht | Der spannende Kriminalthriller, der dich nicht loslässt

    Dirk Osygus
    Wenn die Stille bricht | Der spannende Kriminalthriller, der dich nicht loslässt (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.05.2026

    Ein Cold Case und eine verlorene Liebe

    Stefanie Reuter ist ein Glückskind, denn sie hat Folter und einen Mordversuch im Dienst überlebt. Zudem ist sie glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Trotzdem kann und will sie nicht an ihre alte Stelle zurückkehren und ist zur Motorradpolizei in ihrer alten Heimatstadt gewechselt. Das verspricht Sicherheit und Stabilität - bis der Fund einer Leiche ihr Leben erneut ins Wanken bringt. Der Tote ist Tommi, ihre große Jugendliebe, der vor 25 Jahren spurlos verschwand.. Tommi war ein Rebell und der Schwarm aller Mädchen und er nahm Drogen . Nun kommen Erinnerungen hoch, die fast schon vergessen waren. Steffi beginnt die Beteiligten von damals , zu befragen und erhält Informationen , die sie glauben lassen, sie hätte ihre Mitmenschen damals nie richtig gekannt. So viele haben gelogen und geschwiegen, froh, dass der Unruhestifter weg war. Die Wahrheit ist mit ihren Vertrauensbrüchen und Brutalität monströs und bringt Steffi in Lebensgefahr.

    Die Spannung des Krimis entwickelt sich langsam und nimmt in dem Maße zu, wie sich Steffi erinnert. Ich konnte verstehen, dass sie unbedingt wissen will, was damals passiert ist aus Gründen der Gerechtigkeit, aber auch weil sie Tommis Verschwinden tief verletzt hat. Was ich ihr vorwerfen kann, dass sie im Alleingang unterwegs war und niemanden mit einbezogen hat. Das hat sich am Schluss auch gerächt. Das Ende hat mir gut gefallen, wenn es auch ein wenig übertrieben war. Steffis Mann hat dabei stark bei mir gepunktet. Der Krimi hat mich gut unterhalten und mit einigen Wendungen stark überrascht.

    Léon und die Frau im blauen Kleid

    Alexander Oetker
    Léon und die Frau im blauen Kleid (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.05.2026

    Der Snob und die Commissaire aus der Pariser Banlieue

    Der Autor schickt ein neues Ermittlerduo ins Rennen, das in meinen Augen , was sowohl die Persönlichkeiten als auch die Schauplätze betrifft, eher ungewöhnlich ist, wenn man sie mit seinen anderen Krimis - die ich liebe - vergleicht. Aber ich war bereits nach wenigen Seiten begeistert. Vielleicht liegt es am Schauplatz mit seinem besonderen Flair von Sommer und Meer, dass sich der Krimi trotz des bestürzenden Falles leicht und mit einer gehörigen Portion Humor liest. Definitiv tragen die beiden Hauptakteure ihren guten Teil dazu bei. Commissaire Leon ist unverschämt reich und von Adel und ein Snob. Regeln scheinen für ihn nur ausnahmsweise zu gelten. Zuerst dachte ich , was für ein Mistkerl, aber dann habe ich mich ein wenig in ihn verliebt, denn mit vielen hat er recht und einiges ist Fassade. Da ist Nadia schon ein ganz anderer Typ. Aufgewachsen in den Pariser Banlieue, aus ärmlichen Verhältnissen und zudem mit dunkler Hautfarbe ist sie durch eine harte Schule gegangen. Zwei Welten treffen aufeinander und ihre Wortduelle sprühen vor Humor und gelungenen Seitenhieben.

    Der Fall ist tragisch und und offenbart die Gedankenlosigkeit und Überheblichkeit der Reichen und Schönen aufs beste. Die Suche des Opfers nach Glück und Liebe endet im Meer. Die Spur führt in das Herz von Monaco und damit zu den Superreichen. Erschwerend kommt hinzu, dass die französische Polizei in Monaco keinerlei Befugnisse hat. Hier habe ich Leon bewundert, wie er sich von der einmal aufgenommen Spur nicht mehr abbringen lässt. Ich war begeistert und dabei auch voller Schadenfreude, wie die beiden Commissaires es doch noch schaffen, die Verdächtigen zu verhaften. Die Auflösung ist in meinen Augen überzeugend und auch erschreckend. Das Buch selbst endet mit einem Cliffhänger, was mich insoweit freut, weil es eine Fortsetzung geben wird, die ich ganz sicher lesen werde.
    Vier Minuten Stille - Und dann kam der Sturm

    Chris Warnat
    Vier Minuten Stille - Und dann kam der Sturm (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.05.2026

    Fesselnd und unerwartet emotional

    Hamburg im Schnee und eine nackte Leiche auf einem Liegestuhl im Garten. Ein neuer Fall für den Kriminalbeamten Wase Rahimi und seine Kollegin Emma. Was zuerst aussieht wie der tragische Tod einer Alkoholikerin entpuppt sich als Mord an einer ehemals bekannten Schauspielerin. Sie lebte zurückgezogen und hatte kaum soziale Kontakte. ,somit kein Hinweis auf den Täter, kein Motiv.

    Dann bekommt der Fall eine sehr persönliche Note für Wase. Sein bester Freund und Vorbild Lennart Bär wurde am Tatort gesehen. Wase will an keine Beteiligung Bärs am Verbrechen glauben, aber die Indizien verdichten sich. Es gibt weitere Tote, die mit dem ersten Opfer in Verbindung standen. War die Tote selbst Täterin ? Unaufhaltsam läuft die Handlung auf das furiose und überraschende Ende zu. Das hat mich so berührt, dass kurzzeitig Taschentuchalarm angesagt war, was ich so bei einem Thriller nicht von mir kenne.

    Der Thriller liest sich kurzweilig und spannend. Gut gefallen haben mir die kurzen Rückblenden in die Vergangenheit, die zu Beginn von einer glücklichen Zeit erzählen, die so gar nicht zur gegenwärtigen Tristesse passen wollen. Normalerweise habe ich kein Problem mitten in eine Serie einzusteigen. Hier habe ich es bedauert, dass ich den 1. Band nicht kenne. In Gesprächen wird ab und zu Bezug auf vergangene Ereignisse genommen, mit dem ich nichts anfangen konnte . Man versteht die Handlung trotzdem, hat mich aber in meinem Lesefluss gestört. Neben der Suche nach dem Mörder nimmt Wases Beziehung zu Bär und dessen Schicksal einen wichtigen Platz ein. Je näher ich Bär kennenlerne, um so mehr Mitgefühl hatte ich. Dennoch konnte ich einige seiner Handlungen nicht gut heißen, weil sie die Ermittlungen gefährden und den Verdacht gegen ihn weiter bestärkt haben . Wase hat mir als Ermittler gut gefallen. Privat blieb er mir fremd, was ich bedauert habe. Für mich war der Thriller eine echte Entdeckung und in seiner Gesamtheit hat er mich völlig überzeugt. Der Fall war vielschichtig und unerwartet emotional . Den Täter konnte ich von Herzen verabscheuen und war mit dem Ende sehr zufrieden.
    Tod auf Hohenzollern

    Yvette Eckstein
    Tod auf Hohenzollern (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.05.2026

    Ein spannender Fall und ein sehr sympathischer Hobbydetektiv

    Der Einstieg in die Geschichte war sehr rätselhaft, denn der Prolog schildert eine Begebenheit aus dem 2. Weltkrieg auf der Burg Hohenzollern. Warum hat mich lange beschäftigt, bis es Sinn ergab.

    Wolfgang Kramer, der Schlossmeister auf der Burg, bodenständiger Schwabe und Familienmensch, findet in der St. Michaeliskapelle einen toten Sicherheitsmann. Nicht irgendeinen, sondern Basti, ein enger Freund seit Kindertagen. Sofort tun es alle als Unfall ab, denn Basti hatte ein Alkoholproblem. Wolfgang will das nicht glauben und dank zahlreicher Erfahrungen aus gesehenen Krimis, beginnt er , nach - und zu hinterfragen. Damit stößt er nicht auf Gegenliebe und er selbst muss sich fragen, ob er seine alten Freunde wirklich kennt. Nur seine älteste Tochter Hannah unterstützt ihn, auch wenn sie öfters Bedenken äußert. Die Lösung des Falles offenbart eine Tragödie, die so nicht zu erwarten war.

    Die Handlung war sehr fesselnd. Es gab viele Verdächtige und jeder schien ein Geheimnis zu haben. Ich konnte Wolfgangs wachsendes Misstrauen gut nachvollziehen. Er war mir mit samt seiner Familie von Herzen sympathisch. Die Familie ist mit ihren kleinen und großen Problemen ein wichtiger Bestandteil der Handlung, was ich ebenfalls unterhaltsam fand und passt in meinen Augen gut zu dem gelungenen , bodenständigen Cosy Crime. Was mir zudem sehr gut gefallen hat, die Autorin bindet historischen Begebenheiten und bauliche Besonderheiten der Hohenzollern gekonnt in den Krimi ein, so dass man einen guten Eindruck von der Burg bekommt.
    SchwedenSchuld (Schwedenkrimi) (Küstenkrimi)

    Nele Bruun
    SchwedenSchuld (Schwedenkrimi) (Küstenkrimi) (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.04.2026

    Der Feuerteufel

    Eigentlich sollte es ein ruhiges 1. Maiwochenende für Marten und Lena werden, doch leider nimmt das Verbrechen darauf keine Rücksicht. Eine alte Hütte brennt ab und ein Jugendlicher stirbt in den Flammen. Ist eine Mutprobe schief gelaufen ? Als sich der Verdacht auf Brandstiftung auf Brandstiftung erhärtet, gerät eine örtliche Archäologin ebenfalls ins Visier. Bei den Nachforschungen fällt wieder einmal der Name Thorbjörn , ein Widersacher Martens und erfolgreicher Geschäftsmann. Der Feuerteufel schlägt erneut zu. Die verdächtigen bleiben die gleichen, doch keiner drängt sich wirklich in den Vordergrund. Die Ermittlungen treten auf der Stelle. Martens Konflikt mit Thorbjörn beginnt, zu eskalieren . Als sich endlich eine heiße Spur ergibt , überschlagen sich die Ereignisse. Marten und Lena wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht. Mögliche Opfer müssen geschützt werden und vor allem muss der Täter gestoppt werden. Mit dem tatsächlichen Täter hat niemand gerechnet - auch ich nicht.

    Ich mag diese Reihe der Autorin sehr. Mir gefällt die Mischung aus fesselndem Fall und den privaten Spannungen zwischen Marten und seiner Exfrau Lena so wie die Einblicke in den Kosmos der Stadt Vimmerby. Nur dieses Mal ist alles eine Spur heftiger. Der Fall nimmt ein unglaubliches Ausmaß an. Die Zahl der verdächtigen und möglicher Opfer ist erheblich. Der Streit zwischen Marten und Thorbjörn bekommt einen immer schärferen Ton.

    Mir haben die Vernehmungen der Verdächtigen und Zeugen gut gefallen. Das war spannend und unterhaltsam zugleich. Trotzdem bleibt das sich ergebende Bild vage. Jeder konnte der Täter sein und ehrlich gesagt , ich hätte es jedem und jeder sofort zugetraut. Keiner war mir sympathisch. Auch das Ende ist dramatischer als bisher. Mehrere Szenenwechseln halten den Spannungsbogen hoch und halten mich in Atem. Obwohl es zu einer Verhaftung kommt, bleibt manches ungeklärt. Normalerweise bin ich von so einer Lösung nicht begeistert, hier war es aber absolut passend.
    Schwesternland

    Katharina Fuchs
    Schwesternland (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.04.2026

    Unterhaltsamer Roman über Verlust, Verfolgung und familie

    Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist Antonia, eine von vier Schwestern, die nach dem Selbstmord des Vaters ihren Ruhepol verloren hat und die enge Bindung zu ihren Schwestern. Anlässlich des 100.Geburtstags ihrer Oma Henriette lernt sie deren Großcousine Max kennen, die Antonia mit der Familiengeschichte bekannt macht.

    Antonias Vorfahrin war die Tochter eines Seidenwebers in Lyon. Aufgrund des Edikt von Nantes sind viele Hugenotten aus Frankreich geflohen, darunter auch Jeanne und ihre Familie. Antonias Interesse ist geweckt und sie begibt sich auf Spurensuche. Wie kam Jeanne nach Berlin und was ist mit ihrer Familie passiert ? Dies wird in Rückblenden anschaulich geschildert. Es ist eine Geschichte von Verlust, Verrat, Flucht , Demütigung und auch Heimat finden. Das war unglaublich spannend und berührend zu lesen . Und wieder einmal stellt sich die Frage, wie kann ein Mensch dem anderen das antun. Und wieviel Leid kann man ertragen, ohne daran zu zerbrechen ? Gleichzeitig habe ich viel über die Vertreibung der Hugenotten erfahren und welche Möglichkeiten es bei der Ahnenforschung gibt. Beides Neuland für mich und sehr informativ.

    Antonia reist zum Ausgangspunkt der Ereignisse nach Lyon und findet dort tatsächlich Spuren von Jeanne. Auch für sie persönlich wird Lyon zum Schicksalsort. Ein bestürzender Anruf aus Berlin lässt sie kopflos nach Hause aufbrechen.

    Für mich war der Roman beste Unterhaltung. Die Reise in die Vergangenheit war sehr emotional und informativ. Antonia blieb mir ein wenig fremd, auch wenn ich ihre Geschichte interessant fand. Da es eine Fortsetzung geben wird, bleiben zwangsläufig einige Fragen offen und warten auf Antworten im Folgeband, den ich unbedingt lesen will.
    Helmuth James von Moltke

    Volker Ullrich
    Helmuth James von Moltke (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.04.2026

    Mensch, liebender Ehemann und Vater, Widerstandskämpfer, Christ

    Ich interessiere mich als Laie sehr für die Ereignisse während des Dritten Reiches, weil ich es wichtig finde, sich zu erinnern. Und stelle immer wieder fest, dass ich nur kleine Puzzleteile kenne. So sind mir zwar die Ereignisse rund um den 20.Juli 44 bekannt und Graf von Stauffenberg ein Begriff, aber der Kreisauer Kreis und Helmuth James von Moltke eher eine Leerstelle.

    Der Autor zeichnet anhand des regen Briefwechsel, den von Moltke mit vielen verschiedenen Personen und im besonderen mit seiner Ehefrau Freya führte , ein lebendiges Bild und zeigt den Menschen hinter der historischen Person. Von Moltke wurde 1907 im kleinen Dorf Kreisau nahe Breslau geboren . Sein Elternhaus war liberal, besonders dank seiner Mutter Dorothy, die aus Südafrika stammte. Er war neuen Ideen aufgeschlossen und durch seine Reisen und Kontakten zu fortschrittlichen Gruppierungen nicht in engen Denkweisen gefangen. Von Anfang an stand er dem Naziregime ablehnend gegenüber. Er studierte Jura, sah seine Berufung aber in der Politik.

    Zum Widerstandskämpfer , der Gleichgesinnte um sich sammelte, wurde er 1940 durch die Kriegshandlungen. Er war ein strikter Gegner der Appeasement Politik des Auslandes. Auf der anderen Seite lehnte er einen Umsturz durch ein Attentat auf Hitler aus nachvollziehbaren Gründen ab. Er sah seine Aufgabe darin, einen Plan für die politischen Ordnung nach dem Zusammenbruch des Regimes zu schaffen .

    Moltke war sich immer bewusst, dass ihm sein Engagement, das Leben kosten konnte. Trotz dieser Gefahr hat ihn seine Frau Freya vorbehaltlos unterstützt und zuhause den Rücken frei gehalten. Für mich waren die Kapitel, die seinen Gefängnisaufenthalt schildern die mich am meisten berührt haben. Er hat in seiner Haltung nicht gewankt und hat seine Hoffnung auf Gott gesetzt. Der Briefwechsel mit Freya aus dieser Zeit ist sehr emotional und zeugt von großer Liebe. Für mich zeigt sich hier der Mensch , dem ich nahe kommen kann. Zudem gibt es einen kleinen Eindruck davon, was er und seine Mitstreiter persönlich auf sich genommen haben.

    ich als Laie konnte dem Inhalt gut folgen. Es ist verständlich geschrieben und die vielen Zitate machen es lebendig. Eine Herausforderung war die Fülle der Daten. Der Autor gibt parallel zu Moltkes Leben einen kurzen Abriss der jeweiligen politischen Ereignissen und Entwicklungen. Da sind Vorkenntnisse von Vorteil, um den Überblick nicht zu verlieren. Das Buch mir viele neue Informationen beschert und einiges zum Nachdenken gegeben. Gut gefallen hat mir zudem , dass die Lebenswege der überlebenden Mitstreiter und seiner Ehefrau nach seinem Tod weiter geführt werden
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