Reise ins Unbekannte
Damir del Monte entführt uns mit seinem Sachbuch auf eine teilweise sehr philosophische Reise ins Gehirn. Das vielleicht komplexeste Gebilde des Universums, noch zu großen Teilen unerforscht und immer wieder aufs Neue faszinierend. So weit es das Thema zulässt erklärt der Wissenschaftler möglichst einfach dass Zusammenwirken der einzelnen Regionen im Gehirn. Das kommt natürlich nicht ohne Fachbegriffe aus und bleibt oft sehr abstrakt. Die Dimensionen sind aber auch nicht zu fassen. 86 Milliarden Nervenzellen, 1000 Billionen Synapsen, das sind Zahlen, die wir uns nicht vorstellen können. In einem Stück der Großhirnrinde von der Größe einer Bleistiftspitze befinden sich geschätzt 30000 – 60000 Nervenzellen und kilometerlange Leitungen, unfassbar. Das macht begreiflich, wie schwierig die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen und zu erklären ist. Ich hätte mir etwas mehr Einblick in die Forschung gewünscht, also welche Verfahren genau genutzt werden, um zu ermitteln, in welcher Region was gesteuert wird. So muss man als Leser das Angebotene hinnehmen und staunt über das Gesamtkunstwerk Hirn, das so viel mehr ist als nur ein Organ, das Nervenimpulse empfängt, aussendet und verarbeitet. Im Gehirn entstehen Gefühle, Ängste, Erfahrungen werden gespeichert und zu einem ganz eigenen Weltbild verarbeitet. Denn das ist einer der Kernaussagen des Buches, unsere Realität ist eine subjektive. Jeder erlebt seine Welt auf eine eigene Art. Und das unterscheidet uns letztendlich von jeder noch so hoch entwickelten KI. Wir sind geprägt von unseren Erinnerung und Wahrnehmungen, unser Gehirn schreibt daraus unsere eigene Geschichte, gibt uns Emotionen und macht uns einzigartig. Dabei ist das Gehirn kein ausgereifter, fertiger Zellhaufen. Das Gehirn wächst weiter oder verkümmert auch, wenn bestimmte Bereiche nicht gefordert oder überfordert werden. Deshalb ist lebenslanges Lernen so wichtig. Jonglieren, Fremdsprachen oder ein Musikinstrument, wer Zeit investiert, neue Fähigkeiten zu erwerben, der fordert sein Gehirn heraus, neue Verknüpfungen zu bilden. Das Gehirn lebt. Das unterscheidet uns von der KI. Diese basiert auf Statistiken und Algorithmen. Das Menschliche fehlt komplett. Und das ist auch die große Gefahr. Ein System, das keine Gefühle, Moral oder Mitleid empfindet, handelt rein zielorientiert ohne Rücksicht auf die weitreichenden Folgen. Wir müssen uns das menschliche Sein bewahren, wir müssen an uns glauben, an unsere Einzigartigkeit, mit all den Träumen, Fantasien, Hoffnungen und Geschichten, die wir uns erzählen. Dann kann es uns gelingen, Mensch zu bleiben und trotzdem den für uns größten Nutzen aus der KI zu ziehen, ohne uns aufzugeben. Das Buch gibt viele Denkanstöße, bietet einen tiefen Einblick in unser Denken und lässt uns hoffen, dass unser Gehirn das bleibt, was es ist: einzigartig.
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