Kennt ihr schon … »Tell Me How You Really Feel« von Courtney Barnett? (Folge 10)

24. Mai 2018

Die Welt ist voller guter Musik. Aber die muss man erst einmal entdecken. Wir helfen euch dabei, in unserer Blogserie »Kennt ihr schon …?«. Heute mit »Tell Me How You Really Feel« von Courtney Barnett.

Courtney Barnett: Tell Me How You Really Feel (Cover)Führt Introvertiertheit vielleicht zur progressiven Rockrevolution? Vielleicht sind gerade die Stillsten am Ende die, die gehört werden müssen. Jemand, dem man unbedingt Gehör schenken sollte, ist die leise und schüchterne Courtney Barnett aus Australien.

In Zeiten enormer Selbstdarstellung und Angeberei braucht die alternative Rockerin kein Erkennungsmerkmal oder besonders ausgefallene Techniken. Diese Frau bleibt durch ihre Musik für immer im Ohr und somit im Gedächtnis.

Kaum hatte die schüchterne Sängerin die Singer-Songwriter- und Indieszene in Australien betreten, so schnell wurde sie auf den roten Teppich katapultiert. Grammy-Award-Nominierung für »Best New Artist« im Jahr 2016 und tausende Interviews. Dass das gerade nicht ihre Art ist, zeigt sich bereits an ihren Texten. Diese handeln oftmals von Belanglosikeiten oder oberflächlichen Emotionen. Befindlichkeiten und eigene Gefühle werden dabei jedoch so prägnant umschrieben, dass die Texte einen Tiefgang und eine Stimmung bekommen, die keiner vorher erahnen könnte. Der Blick auf die Gesellschaft wird dabei mit viel Sarkasmus und Ironie geschmückt und wirkt dadurch weder aufdringlich kritisch, noch kitschig. Insbesondere beim neuen Album »Tell Me How You Really Feel« verfeinert Barnett ihre Botschaften mit mehr Feminismus. So lautet zum Beispiel einer ihrer Liedtexte auf dem neuen Album:

»He said, I could eat a bowl of alphabet soup and spit out better words than you‘
But you didn’t.
Man your kidding yourself if you think the world revolves around you.«

Courtney Barnett: Tell Me How You Really Feel (LP)Gerade mit solchen Botschaften schafft es Courtney Barnett, einen kritischen Einblick in die eigene Seelenwelt und der anderer Frauen zu erzeugen.

Musikalisch wirkt Barnett alles andere als zurückhaltend und schüchtern. Wo es anfangs noch zartere Gitarrenstücke gab, sind mittlerweile extrem verzerrte Garage- und Alternativerythmen dazugekommen. Zwischen scheinbar zufällig angeschlagenen Gitarrenakkorden und verzögertem Gesang befindet sich ihre Musik irgendwo zwischen Surfrock und Indiepop.

Kleine Ausflüge zurück in die Schüchternheit gab es bereits letztes Jahr mit dem ruhigen Sonntagnachmittags-Album »Lotta Sea Lice« zusammen mit Kurt Vile, einem der Gründungsmitglieder von The War on Drugs.

Fazit: Mit ihrem neuen Album zeigt Courtney Barnett wieder einmal, dass gerade die stillen Beobachter einen ungeschönten Blick auf die Gesellschaft schaffen können. Es braucht keine laute Revolutionskapelle, es braucht nur eine Frau mit einer verzerrten Gitarre.

Das Album inklusive Hörproben findet ihr hier.

Das Album im Überblick:

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Alexander Gluschkowskij

Verfasst von Alexander Gluschkowskij

Alexander Gluschkowskij ist Jurist, DJ und auch mal Radiomoderator. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Vinylfan. Seit 2018 schreibt er als freier Redakteur für den jpc-Blog, zum Beispiel über Neuerscheinungen und Geheimtipps.


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