Kennt ihr schon … »Sei ein Faber im Wind« von Faber? (Folge 2)

11. Juli 2017

 

Nachdem wir euch im Mai mit Ásgeirs »Afterglow« bereits den ersten Geheimtipp unserer neuen Blogserie »Kennt ihr schon …?« vorgestellt haben, kommt hier Folge 2 mit dem Album »Sei ein Faber im Wind« von Faber.

Mit gerade einmal 24 Jahren auf dem Buckel klingt Faber, der mit bürgerlichem Namen Julian Pollina heißt, als hätte er schon mindestens zwei Leben gelebt. Der junge Schweizer ist ein großartiger Geschichtenerzähler und ein nicht weniger talentierter Musiker und Sänger. Kein Wunder, wurde ihm die Musik als Sohn des italienischen Liedermachers Pippo Pollina quasi in die Wiege gelegt. Abgesehen davon, dass er in dessen berufliche Fußstapfen getreten ist, ist die Art der Ausführung beim Sohn allerdings eine gänzlich andere als beim Vater.

Faber: Sei ein Faber im Wind (CD)Nach seinen beiden EPs »Alles Gute« und »Abstinenz« präsentiert er 2017 sein mit Spannung erwartetes Debütalbum »Sei ein Faber im Wind«.

13 Songs hat Faber dafür aufgenommen, die sich musikalisch irgendwo zwischen Singer-Songwriter und Liedermacher, Folk und Chanson bewegen. Und dann wären da noch rasantere, manchmal punkige oder fast schon polkaeske Ausflüge, die zeitweilig die Ruhe auf dem Album unterbrechen.

Inhaltlich treffen auf »Sein ein Faber im Wind« persönliche Erzählungen und Beobachtungen auf romantische Poesie und Protestsong, Ironie auf Weltschmerz. Genug Substanz also, um sich das eine oder andere Mal darin wiederzufinden.

»Einer von uns beiden war ein Arschloch, und das warst du.« heißt es da im Titelstück. Und weiter: »Dein Neuer, der trägt im Gesicht einen Vollbart, meine Neue nur einen Flaum, du bist einfach abgehauen.«

Seine kluge, witzige und gerne auch mal schroffe Lyrik bietet der Schweizer übrigens in echtem Vorzeigehochdeutsch dar. Komplettiert wird das Ganze von seiner tiefen und rauen Stimme und seinem brillanten Akustikgitarrenspiel.

Und so erinnert sein erstes Album hier an den frühen Dylan, dort an Nick Cave, dann wieder an Rio Reiser und plötzlich an Bands wie Beirut oder Mumford & Sons – vor allem aber erinnert sie an Faber selbst, denn der Musiker macht, und das kommt heute nur noch selten vor, sein ganz eigenes Ding.

Rau, ehrlich, jung und klug: Faber ist ein Hoffnungsschimmer für die deutschsprachige Popmusik. Meine Prognose: »Sei ein Faber im Wind« ist der Beginn einer großartigen Karriere.

Macht euch also unbedingt selbst ein Bild. Das Album inklusive Hörproben findet ihr hier.

Das Album im Überblick:

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Christoph van Kampen

Verfasst von Christoph van Kampen

Christoph van Kampen ist unser Texter und Redakteur. Neben Rock, Pop, Klassik und Jazz beschäftigt sich der Schallplattenliebhaber bevorzugt mit dem Thema Vinyl, zum Beispiel hier im Blog.

Eine Antwort zu “Kennt ihr schon … »Sei ein Faber im Wind« von Faber? (Folge 2)”

  1. Dieter Kindl sagt:

    Schon gewusst?
    Die früheste Aufnahme von Faber stammt aus dem 2003. Damals sang er, zusammen mit seiner Schwester Madlaina und seinem Vater, das Lied „Bella Ciao“. Nachzuhören auf dem Album „Racconti Brevi“ von Pippo Pollina. Weitere Kostproben von ihm gibt es auf den Live-Alben seines Vaters zu hören: 2013 war es „Züri“ und „Für dich“ (3-DVD-Box „Live at Volkshaus Zürich) und 2015 „Widerstand“ (Album: Live at Hallenstadion Zürich).