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    2. Alle Rezensionen von Magnolia bei jpc.de

    Magnolia

    Active since: November 5, 2023
    "Helpful" ratings: 17

    Please note

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    313 reviews

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    Klein aber tot

    Jo Fischler
    Klein aber tot (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Jun 20, 2026

    Kriminaloberkommissar Jojo Wunder und sein erster Fall

    Herzlich „willkommen in Knuffingen, dem erstaunlichsten Krimischauplatz der Welt.“ Schon der erste, visuelle Eindruck, macht Lust auf mehr. Und ja, auch die Buchgestaltung lädt förmlich dazu ein, mehr als einen Blick hinter die Kulissen dieser Miniaturwelt zu riskieren.
    Jo Fischler, der erstaunlich vielseitige Autor, hat mit seinem Kommissar Jojo Wunder und so etlichen in Knuffingen ansässigen Bewohnern einen Ort erschaffen, in dem es nicht immer friedlich zugeht, denn spätestens dann, als die Leiche des Journalisten Friedrich Frank gefunden wird, wird dies klar. Und selbstredend ist Kommissar Jojo Wunder sofort am Ermitteln. Er durchleuchtet das Leben des Toten, stößt auf so einige Ungereimtheiten und auch die Schmähkritiken, die er kurz zuvor im Knuffinger Tagblatt veröffentlicht hat, lassen erste Schlüsse auf den Täter zu.
    Schlägt man das Buch auf, sind gleich mal einige Kurzinfos zu den Hauptakteuren zu finden. So auch zu Helga Schumann, der Assistentin des Polizeichefs. Sie ist es, die nicht nur Jojo fest im Griff hat – zumindest hat es den Anschein, denn dieser ominöse Polizeichef ist eher unsichtbar. Was da wohl dahinterstecken mag? Dabei drängt sich mir als versierte Krimi-Leserin sofort ein Verdacht auf, den ich hier aber nicht näher erläutern möchte. Viel eher bin ich gespannt, was diese Krimi-Reihe noch so alles zu bieten hat, denn ich bin schon im Knuffingen-Fieber. Nun, auch wenn der Chef gerade nicht greifbar ist, so ist es doch Buddha, der tierische Detektiv, der ganz brauchbare Fährtenleser, den die Schumann Jojo aufs Auge drückt. Als weitere polizeiliche Mitarbeiterin wäre da noch die ehemalige Rechtsmedizinerin Bohne mitsamt Olaf, ihrem knallgelben Gefährt, zu erwähnen. Und - persönlich sehr nahe sind Jojo einige Bewohner dieser Stadt, die allesamt ihre Leidenschaften pflegen.
    Die Suche nach dem Mörder ist so spannend wie mysteriös. Wir lesen von einer Molekularküche, von Kinokarten und einem USB-Stick, von Lügen und geheimnisvollen schwarzen Blüten und von noch sehr viel mehr, auch führen Spuren ins Schloss Löwenstein. Die Zeit drängt, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, denn die Feier zu zwölfhundert Jahre Knuffingen steht an.
    Auf das Miniatur Wunderland Hamburg bin ich in einer Talkshow aufmerksam geworden, als die Gründer, die Zwillingsbrüder Braun, davon erzählt haben. Und nun bin ich sozusagen mittendrin, folge den Ermittlungen, die viel Spürsinn erfordern. Der Fall an sich ist ganz schön verzwickt, es gibt so einige Verdächtige, die Indizien sprechen eine eindeutige Sprache. Die liebenswerten, zuweilen kauzig bis schrägen Figuren, der witzig-spritzige Unterton sowie die vielschichte, komplexe Story erzeugen viel Spannung.
    Der Auftakt zu dieser Reihe ist gelungen, nun heißt es erst mal Abschied nehmen von Jojo Wunder und den anderen, die sich von diesem komplexen Fall in ihrem Miniatur-Knuffingen erholen dürfen. Bis zum nächsten Mal, ciao einstweilen.
    Fünf, sechs, sieben, acht

    Ewald Arenz
    Fünf, sechs, sieben, acht (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 16, 2026

    Über das Loslassen und die gar nicht einfache Reise zu sich selbst

    Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich und über eine längst verloren geglaubte große Liebe und die Gewissheit, dass diese, wäre sie gelebt worden, sehr viel besser gewesen wäre.
    Anton ist Stepptänzer, mit seinen sechzig Jahren fühlt er sich noch topfit und doch hat er den Zenit eines Tänzers überschritten. Er wird aussortiert, andere, jüngere sind nun am Zuge. Anstatt seiner wird ab sofort seine Tochter Emma die Choreographie am Theater verantworten. „Als hätte sein Leben einen Sprung bekommen, so fühlte es sich gerade an.“
    Der Musik setzt ein, der Tänzer zählt - fünf, sechs, sieben, acht – sein Tanz beginnt. Für Anton ist alles Musik, alles ist im Takt. Nur er ist außer Takt geraten.
    Anton ist zutiefst gekränkt, er ist wütend und poltert ganz schön rum, wir folgen ihm und seinen Gedanken. Dass wir alle irgendwann von dieser Lebensbühne abtreten müssen, weiß auch er. Noch aber geht es um die Theaterbühne, von der er unsanft weggedrängt wurde und das ausgerechnet von seiner Tochter. Und da ist Katja, seine Ex, die zwischen den Fronten vermitteln will.
    Man sollte sich vorbereiten auf das Danach, um nicht in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Keiner ist unersetzlich und auch bewegt sich alles weiter, alles fließt, nichts bleibt so wie es ist. Arenz stellt seine Hauptfigur als verbitterten Alten dar, der außer sich und seiner für ihn nicht akzeptablen Lage nichts sehen und nichts gelten lassen will. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Er ist trotz allem stolz auf seine Tochter, was er aber sehr gut zu verbergen weiß. Zugute halte ich ihm, dass er von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch seine lange gelebte Einzigartigkeit könnte dazu beitragen, dass er als gefeierter Tänzer und Choreograph total abgehoben ist. „Alles war Musik, alles Takt“ in seinem bisherigen Leben. Außer Takt sucht er nach seiner großen Liebe Jo…
    „Eine Schwere, an die er sich schon gewöhnt hat“, hat er wie einen Rucksack zugunsten einer Leichtigkeit liegen lassen auf seiner Reise, die ihn zu sich selbst führt. Untermalt ist dieses kluge Buch ums Loslassen mit wundervollen Klängen wie etwa jene von Paolo Conte. Via con me. Komm mit mir, it´s wonderful...
    Ritualblut

    Ethan Cross
    Ritualblut (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 13, 2026

    Baxter Kincaid in Action

    Ethan Cross assoziiere ich mit der Welt der Serienkiller. Francis Ackerman jun ist der Inbegriff dieses fiktiven Killers, dem ich Buch für Buch folge…
    …und nun ist es auch Baxter Kincaid, der zum nunmehr zweiten Mal mit brutalen Morden zu tun hat, mit Foltermethoden, die man sich nicht annähernd vorstellen mag, aber unbedingt davon lesen will, mit einem gefährlichen Kult, dessen Anführer sich für gottähnlich hält, mit einem Mafiaboss und seinen Gefolgsleuten und mit noch so einigen ziemlich finsteren Gestalten.
    Jian Wu, der Assistent eines Professors, der mit seinen brisanten Forschungspapieren untergetaucht ist, wird gekidnappt. Um an die heiß begehrten Papiere zu gelangen, wird mit schlimmsten Foltermethoden versucht, ihn zum Sprechen zu bringen. Auch seine Nichte sucht nach dem Professor, sie bitten Baxter, ihr dabei zu helfen. Besagte Unterlagen wecken Begehrlichkeiten, die Jagd danach ist für so manche ein gar tödliches Unterfangen.
    Ich kenne und schätze Ethan Cross mitsamt Ackerman & Family schon lange und mag es sehr, dass er mit Baxter Kincaid eine neue, sehr charismatische Figur erschaffen hat und am Ende des Buches verrät Cross auch, wie denn Baxter zum Leben erweckt wurde. Mit der gerade mal 1,50 m großen Corin hat Baxter sich eine Geschäftspartnerin geholt, die von sich selber sagt, dass sie auf ihn aufpassen muss. Er ist eher ein Privatermittler, der seine Hand über die Abgehängten hält, wogegen Corin mit Härte durchgreift. Sie ist eine Kampfmaschine mit ihrer ganz besonderen Waffe, die ich hier nicht verraten mag. Irgendwie geraten sie immer wieder zwischen die Fronten, haben es mit gefährlichen, mit äußerst skrupellosen Gegnern zu tun.
    Schon die ersten Seiten haben mich ins Buch gezogen, es geht gleich mal richtig zur Sache. Wenn es die Situation verlangt, ist auch Baxter knallhart unterwegs, er kann viel einstecken (wie auch Corin), teilt aber um einiges kräftiger aus. Zuweilen garniert mit einem losen Spruch oder einer Prise Charme - auch so lässt sich ein Gegner ausknocken oder zumindest verwirren. Ihre Dialoge haben Biss und Witz, es gibt durchaus amüsante Momente.
    Auch dieser zweite Band der Baxter Kincaid-Reihe war im Nu gelesen. Neben den Ermittlungen sind es die Action-Szenen, die viel Raum einnehmen. Neben den beiden Hauptakteuren werden alle Figuren so eingeführt, dass man sie trotz der für uns nicht sehr geläufigen fernöstlichen Namen sofort verinnerlicht. Der Thriller überzeugt mit immer wieder neuen Wendungen, er ist spannend, bestialisch, blutrünstig, er nichts für schwache Nerven. Ein Ethan-Cross eben!
    Weil sie lügt

    Caroline Seibt
    Weil sie lügt (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 12, 2026

    Ein Thriller der Extraklasse

    Juli ist weg! Die Polizei ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Hauptverdächtiger ist ihr Vater. Er wird festgenommen, allerdings kommen die Ermittlungen nicht recht voran. Und da ist Anna, Julis jüngere Schwester. Sie versucht stark zu sein - für ihre trauernden Eltern, für ihren kleinen Bruder Leon.
    Caroline Seibts Psychothriller WEIL SIE LÜGT gleicht einem absoluten Albtraum, vor allem für Julianes Familie. Der Vater sitzt im Gefängnis, die Mutter ist schwer traumatisiert und da ist auch noch der 7jährige Leon, der ziemlich verloren wäre, hätte er nicht seine große Schwester Anna. Diese begreift, dass die Polizei an der Wahrheit nicht sonderlich interessiert ist, hält sie doch nach wie vor ihren Vater für Julis Mörder. Was Anna so gar nicht glaubt. Also ermittelt sie auf eigene Faust.
    Als dann ein Mithäftling Annas Vater erneut schwer beschuldigt, wird die Polizei wieder tätig. Sie finden Knochen, alles deutet verstärkt darauf hin, dass der richtige Täter inhaftiert ist. Anna jedoch kann es nicht glauben, sie kommt tief verborgenen Geheimnissen auf die Spur und dennoch scheint sich alles gegen sie verschworen zu haben. Und als ob dies nicht genug wäre, kommt es zu einem weiteren, nicht erklärbaren Todesfall.
    Ich habe mir das ungekürzte Hörbuch geholt, das über 9 Stunden und 20 Minuten den Ermittlungen folgt. Es sind zwei Erzählstränge, die abwechselnd aus Annas Perspektive und aus der von der Polizistin Katharina Engels berichten. Die beiden versierten Sprecherinnen Rebecca Veil und Elke Appelt passen sich den Charakteren situationsbedingt perfekt an. Ihnen zuzuhören, ist trotz der düsteren Stimmung ein Hörerlebnis, dem ich gebannt lausche.
    Ich hoffe und bange mit Anna, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Wie sie kann ich nicht recht an die Schuld ihres Vaters glauben und doch zweifle ich zwischendurch. Denn da ist auch Katharinas Engels Stimme, die für den Fall Juliane Brunner Verantwortliche, sehr zum Missfallen ihres Kollegen. Die Tätersuche hat für sie oberste Priorität, wenngleich so einiges an Privatem durchschimmert. Beide Frauen sind eindrucksstarke Persönlichkeiten, bei beiden bin ich zuweilen hin- und hergerissen, was die sowieso schon beklemmende Atmosphäre zusätzlich verstärkt. Bis ziemlich dem Ende zu kann ich sie nicht ganz einschätzen, was mir als versierte Thriller-Leserin sehr zusagt.
    Der Thriller ist durchweg spannend, beklemmend, sehr atmosphärisch und bis zuletzt undurchschaubar. Mehrmals hatte ich das Gefühl, der nun endlich richtigen Spur zu folgen – aber nix da! Der Handlungsablauf ist raffiniert konstruiert, voller falschen Fährten und immer wieder bleibt die Frage, wer es denn nun ist, der lügt. Ein Thriller der Extraklasse!
    Sommerhaus

    Rachel Joyce
    Sommerhaus (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Jun 12, 2026

    Familienzuwachs der etwas anderen Art

    „Ich habe die Liebe meines Lebens kennengelernt. Sie heißt Bella-Mae. Und ich werde sie heiraten.“ Wenn das mal keine Ansage ist!
    In einer hippen Kellerbar in Soho trifft sich Vic Kemp, der berühmte Maler, mit seinen erwachsenen Kindern. Ihr ganzes bisheriges Leben waren Netta, Susan, Goose und Iris ihrem Vater sehr nah, da ihre Mutter schon früh verstorben ist. Und nun gedenkt ihr 76jähriger Vater eine 27jährige zu heiraten. Sie sei Künstlerin, meint Vic. Zwei verwandte Seelen wären sie, sie kennen sich erst kurz und doch sind sie sich vollkommen sicher. Er schwärmt noch mehr von ihr, ein Kennenlernen wird es bald geben.
    Der Roman wird in drei Teilen präsentiert, beginnend mit „Bella-Mae, London, 2015“. Allerdings warte ich vergeblich auf sie, trotzdem es die Übertitelung des ersten Teiles suggeriert. Denn zunächst liegt der Focus auf den sehr unterschiedlichen Lebensweisen der vier Geschwister und ihrer Anreise zum Sommerhaus der Familie, das direkt am Lago d’Orta liegt, nachdem sie völlig überraschend vom Tod ihres Vaters erfahren haben.
    Die Charaktere sind also bestens eingeführt, auch habe ich von Vic ein gutes Bild vor Augen, nur Bella-Mae bleibt weiterhin unsichtbar. Unweigerlich drängt sich mir die Frage auf, ob es diese Frau denn wirklich gibt. Auch im Sommerhaus ist sie zwar in allen Köpfen sehr präsent, physisch aber nicht anwesend, lediglich Lazlo tritt in Erscheinung. Ihr Cousin soll er sein – ob das stimmt?
    Die Erzählung wird nach einer für meine Begriffe zu langen Einführung zunehmend intensiver. Ist Vic, der exzellente Schwimmer, wirklich ertrunken? Allen voran ist es Netta, die große Zweifel hegt. Vics Gemälde sind verschwunden, ein Testament ist nicht auffindbar – was wird hier gespielt und wer zieht hier die Fäden?
    Könnte es sich um ein Verbrechen handeln? Diese Frage schimmert durch. Irgendwann dann erscheint sie – Bella-Mae. Habe ich vorher gezweifelt, ob denn diese Familiengeschichte es wert ist, gelesen zu werden, so bin ich nun voll und ganz dabei. Bella-Mae - eine Figur, die wie aus dem Schatten ins grelle Licht tritt. Wer ist sie wirklich? Noch ist sie nicht greifbar, eher stiller Beobachter, zurückhaltend. Und doch raumübergreifend. Agiert geschickt und wie es scheint äußerst manipulativ. Eine Figur, deren Charakterisierung absolut gelungen ist. Dies gilt auch für alle anderen Personen, wobei ich mich zwischendurch schon auch frage, wie naiv die einen und wie penetrant sich andere verhalten. Als ob sämtliche Eigenschaften sich in den Geschwistern wiederfinden sollten.
    Im SOMMERHAUS habe ich mich gerne aufgehalten, wenngleich das Ankommen lange gedauert hat. Die flirrende Hitze, die sie schon von London mitgebracht haben, war spürbar, genau so ihre Konflikte, die sie ein Leben lang vor sich hergetragen haben. Wie es denn zu dem berühmten, sehr vermögenden Künstler Vic und seinem kommerziellen Erfolg kommen konnte, kann ich schlussendlich dann nicht nachvollziehen, aber sei es drum – der Roman hat mich nach den schon beschriebenen Anfangsschwierigkeiten gut unterhalten.
    Tokyo

    Tokuro Nukui
    Tokyo (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Jun 10, 2026

    Eher japanischer Gesellschaftsroman denn Thriller

    Der erstmals 1993 erschienene Thriller „TOKYO: Schwarzer Sommer“ ist Tokuro Nukuis Debüt. Neben den Krimielementen spielen die Gepflogenheiten der japanischen Gesellschaft eine tragende Rolle, auch ist eine Glaubensgemeinschaft sehr präsent.
    Tokyo 1991. In einem Flussbett wird ein Mädchen tot aufgefunden, das noch im Kindergartenalter gewesen sein dürfte. Mehrere kleine Mädchen verschwinden spurlos, eine obskure Religionsgemeinschaft wirft Fragen auf, ein Vater sucht verzweifelt nach seinem Kind. Die beiden Kommissare Saeki und Okamoto ermitteln.
    Sowohl der Klappentext als auch die Aufmachung von TOKYO locken ungemein, also mache ich mich kurzentschlossen ans Lesen. Und stelle alsbald ernüchternd fest, dass mich die ausschweifende Erzählweise und das sehr gründlich ausformulierte Miteinander ermüden. Trotzdem bleibe ich im Buch, wenngleich ich – entgegen meiner sonstigen Lesegewohnheiten – des Öfteren pausiere.
    Jede Figur wird bis ins kleinste Detail eingeführt und auch danach gefühlt jede Regung, jeder Gedanke wiedergegeben. Sowohl die Kommissare als auch ihre Kollegen und deren Familien mitsamt ihren gerade anstehenden Problemen und ihren Dialogen lasse ich an mir vorbeiziehen. Selbiges geschieht mit den Sekten, deren Anwerbung und deren Mitgliedern. Gut, man erfährt schon so einiges über ihre geschickt aufgebauten Strukturen, ihren Hierarchien und ihren Finanzen. Auch das oben erwähnte japanische Lebensgefühl schimmert durch, was angesichts des Handlungsortes absolut passend ist.
    Was mir aber zunehmend fehlt, ist der Fokus auf die Ermittlung, die eher nebenher so mitläuft und dem Buch viel an Spannung nimmt. Die zwei Handlungsstränge – Ermittlung und Sekte – wechseln sich ab, dabei bleibt vieles auf der Stecke, denn die Erzählung verliert sich großteils in Nebensächlichkeiten. Erst dem Ende zu wird es spannend. Urplötzlich tut sich was, wenngleich die Ereignisse sich nicht gerade überschlagen. Und dennoch zeichnet sich eine Figur ab, das Warum tritt hervor, die Akteure werden greifbarer.
    TOKYO mag in Japan funktionieren, das kann ich nicht beurteilen. Ich jedoch habe nur bedingt das Gefühl, einen Krimi gelesen zu haben. Eher einen kriminalistisch untermalten japanischen Gesellschaftsroman.
    Die geheime Mission

    Titus Müller
    Die geheime Mission (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 10, 2026

    Die Berlin-Blockade

    DIE GEHEIME MISSION ist das erste Buch der Kurierin-Reihe aus der Feder von Titus Müller. Seine Hauptfigur ist die Nela, die Tochter einer Kommunistin, die in der sowjetischen Zone lebt. Sie ist unversöhnlich ihrem geschiedenen Mann gegenüber, dem Vater von Nela. Er lebt im Westen Berlins und arbeitet hier für die CIA. Nachdem Vater und Tochter lange getrennt waren, treffen sie sich dann doch. Und - sie begibt sich auf das gefährliche Terrain einer Kurierin zwischen Ost und West.
    Wir sind in der Zeit des Kalten Krieges, inmitten der Berlin-Blockade und der Luftbrücke, welche die Westalliierten als Konsequenz daraus in einem Kraftakt ankurbeln.
    Mit der Berlin-Blockade (1948/49) verfolgte die Sowjetunion das Ziel, sich Berlin und nachfolgend ganz Deutschland unterzuordnen. Die drei Westsektoren wurden von den USA, England und Frankreich verwaltet, die vierte Besatzungszone kontrollierten die Sowjets. Nach Stalins Befehl sollten die Westmächte aus Berlin vertrieben werden, dafür stellte die Rote Armee die Belieferung mit lebenswichtigen Gütern ein. Auch war die Währungsreform West ein weiterer Grund, mit absoluter Härte dagegen vorzugehen. Kurzerhand wurden die zugesicherten Versorgungswege gekappt, Berlin sollte ausgehungert und somit zur Aufgabe gezwungen werden.
    Im Gegensatz zu den Westberlinern fehlte es denen in der Sowjetzone an nichts, die als glühende Anhänger des SED-Regimes im Kapitalismus nur das Schlechte sehen und dies auch lautstark propagieren. Mit gezielt gestreuten Desinformationen wird dieser bekämpft – der Roman bietet hier tiefe Einblicke. Er vermittelt viel über diese Zeit der Blockade aus verschiedenen Blickwinkeln. CIA und MGB, der Vorgänger des KGB, werden beleuchtet, Überläufer sind einzuschätzen, Spitzeldienste hier wie da sind nicht wegzudenken - die Geheimdienste sind Thema. Daneben lesen wir kleine Anekdoten rund um die Rosinenbomber, müssen um urplötzlich Verschwundene bangen, der Schwarzmarkt ist nicht wegzudenken. Müller hat aber noch sehr viel mehr zu bieten, mehr will ich hier aber gar nicht anführen, selber lesen lohnt sich allemal. Der bestens recherchierte Roman ist ein rundum gelungenes, informatives, spannend erzähltes und zudem unterhaltsames Zeugnis dieser Zeit, die von beiden Seiten berichtet, aus Ost- und aus Westsicht. Ohne zu werten.
    Der Auftaktband der Kurierin-Dilogie hält sich an die historischen Fakten und endet damit, dass man die Hintergründe um die Berlin-Blockade nochmal zusammengefasst nachlesen kann mitsamt Kurzinfo über die Gründung der NATO. Eine rundum gelungene Geschichte, der hoffentlich bald der zweite Band folgen wird.
    Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln

    Florian Schwiecker
    Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 7, 2026

    Intelligent inszenierter Thriller um KI

    Florian Schwiecker trifft mit seiner neuen KI-Thriller-Serie CODE NULL den Nerv der Zeit. Künstliche Intelligenz - Segen und Fluch zugleich. Sie ist längst in unserem Leben angekommen.
    An einem Sonntag im April fallen in Berlin für wenige Sekunden die Navis aus. Schon ärgerlich, aber schnell wieder vergessen. Ganz anders sieht es bei Dr. Alina Breitenbach, der Präsidentin der Europäischen Kommission, aus, die eine Erpressermail erhält: „Dieses Mal waren es zehn Sekunden…“ Es wird eine horrende Summe verlangt, zahlbar binnen 48 Stunden in Bitcoin. Andernfalls werden die Folgen für Berlin und für ganz Europa verheerend sein.
    „Timeout“, wie sich die Erpresser nennen, kontrolliert Galileo, das europäische Satellitensystem und trifft somit die EU an ihrer empfindlichsten Stelle. Nicht nur Navigationssysteme und Smartphones sind betroffen, die ganze Infrastruktur hängt an diesem präzise arbeitenden System. Breitenbach wendet sich an die für Galileo zuständigen Mitarbeiter, die unter Hochdruck Timeout zu enttarnen versuchen. Die Uhr tickt unaufhaltsam.
    Derweilen bekommt Charly, eine junge Hackerin, dieses Dilemma mit. Sie bietet der zuständigen Spezialeinheit CSA5 ihre Dienste an, was diese nach einer gründlichen Sicherheitsüberprüfung und unter strengsten Auflagen genehmigen. Vor Jahren hat Charly KIM entwickelt, eine künstliche Intelligenz, die sie nun gegen Timeout einsetzt und denen damit ziemlich nahe kommt. Aber kommt sie ihnen nahe genug?
    Florian Schwiecker kenne und schätze ich aus seinen Justizkrimis und was liegt da näher, in seine neueste Reihe um Charlie & KIM hineinzulesen. Ich hab tatsächlich damit angefangen und ja – auch „dieses Spiel kennt keine Regeln“ und kein Zeitlimit, denn erst weit nach Mitternacht, nachdem der letzte Satz (mit Cliffhanger) gelesen war, konnte ich das Buch weglegen. Schwiecker, der ehemalige Strafverteidiger, ist im Management eines führenden globalen Unternehmens im Bereich Künstliche Intelligenz tätig. Als Insider weiß er genau, wovon er schreibt. Gut, bei den Fachbegriffen aus der IT-Welt musste ich passen, was aber meinen Lesefluss nicht beeinträchtigt hat.
    Mit Charly hat Schwiecker eine junge, sehr kluge, brillant agierende IT-Spezialistin ins Leben gerufen, die mit ihrem hochentwickelten KI-Modell KIM interagiert. Sie ist loyal, sie ist schlau, sie gibt niemals auf. Sie kann sich auf eine Handvoll Leute verlassen, aber auch sie und ihr Umfeld haben Gegenspieler, die sich geschickt tarnen. Und auch alle anderen, hier agierenden Charaktere, sind gut gezeichnet. Es ist ein regelrechtes Katz- und Mausspiel, dem sie ausgesetzt sind und nicht nur das, es ist durchgehend spannend und es wird hochgefährlich.
    Ganze Stadtteile bleiben tagelang im Dunkeln, unsere Infrastruktur ist sehr angreifbar, wir lesen und hören immer wieder davon. CODE NULL zeigt ein Szenario auf, das uns alle schwer treffen würde. Ein intelligent inszenierter Thriller um KI, der mich begeistert hat, der mich nachdenklich zurücklässt. Dessen nächsten Band ich unbedingt lesen muss.
    Johannifeuer

    Susanne Betz
    Johannifeuer (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 3, 2026

    JOHANNIFEUER erzählt von der jungen Bergbäuerin Vroni…

    …die mit ihrem zweiten Mann Anton, ihrem kleinen Sohn, den alle – bis auf die Schwiegermutter, die ihn mit seinem Taufnamen Hermann ruft – Burschi nennen, dem Rosl und dem alten Onkel auf dem Geißschädel leben.
    Es ist das zweite Buch um „Die Bergbäuerin“, das auch ohne Vorkenntnisse der HEUMAHD gelesen werden kann. Und dennoch werde ich Band eins nachlesen, der schon vor mir liegt, denn diese intensive Erzählung um das bäuerliche Leben Ende des 19. Jahrhunderts hat mich direkt hineingezogen in eine Welt, in der es außer harter Arbeit von früh bis spät und der Abhängigkeit vom Wetter nicht viel an Annehmlichkeiten gab. Susanne Betz intensiver Schreibstil holt diese Zeit hervor, man wähnt sich als stiller Beobachter ganz nah bei ihnen.
    Die Erzählung beginnt am Unsinnigen Donnerstag des Jahres 1893, die Maschkera-Figuren verspotten das Rosl als „Idiotenkind“. Das Derblecken war nie freundlich, keiner will ins Visier dieser Maschkera geraten.
    Ein ganzes Jahr lang hatte sie als Witwe die alleinige Verantwortung für den Hof, das Vieh, den kranken Onkel und das Stiefkind, das Rosl, aus der „großen mongolischen Familie“. Ihr erster Mann ist auf dem Weg heimwärts schwer besoffen gestürzt und so dem Kältetod erlegen, was Vroni eher aufatmen lässt, denn er hat sie während ihrer Ehe schwer misshandelt. Das karge Leben kennt sie seit jeher - sie, das ledige Kind einer Häuslerin, das oft gehungert hat und nun jeden voller Teller zu schätzen weiß.
    Die Huberin, ihre Schwiegermutter mit dem großen Kropf und dem vielen Geld, das sie geschickt in Aktien und dergleichen investiert, nimmt Vroni, ihre Lieblingsschwiegertochter, mit nach München zu einem angeblich wichtigen Termin. Vroni kehrt als eine andere zurück. Ihr Blick weitet sich, so manch gestohlene Stunde drängt sich in ihren arbeitsreichen Alltag.
    Die Handlung und die meisten Protagonisten sind fiktiv, wie Susanne Betz im Nachwort anmerkt. Und doch gibt sie das dörfliche Leben im Werdenfelser Land mit den Gebräuchen, dem Aberglauben und dem scharfen Blick auf die Nachbarn gut wieder. Die ersten Sommerfrischler mokieren sich ob den ländlich angehauchten Unterkünften und auch hier ist es Afra Huber, die ein lukratives Geschäft wittert.
    Reginald Langdon-Down, der Sohn des britischen Arztes John Langdon-Down, auf den die wissenschaftliche Erstbeschreibung des nach ihm benannten Down-Syndroms (Trisomie 21) zurückgeht, ist maßgeblicher Teil des Romans. Auch andere Persönlichkeiten werden geschickt ins Geschehen verwoben, sodass das real Existente mit dem Fiktiven zu einer perfekten Einheit verschmelzen.
    Die Geschichte der Vroni Grasegger, wie sie noch immer genannt wird, auch nach der Heirat mit Anton Huber, geht unter die Haut. Neben dem entbehrungsreichen Leben voller Müh und Plag ist das Down-Syndrom Thema, wir schauen auf den allerersten Daimler-Motorwagen, werfen einen Blick auf die Porträts des Wilhelm Leibl, um nur einiges Weniges zu nennen, das sich dazwischen geschlichen hat inmitten des Werdenfelser Landes mit seinen Buckelwiesen, den kleinen Seen und den Almen vor den nördlichen Alpen. Ich hab Susanne Betz JOHANNISFEUER sehr gerne gelesen - und ja, das Bild des hoch lodernden Feuers in der Johannisnacht und die Folgen danach bleiben haften.
    Der Tote auf dem Kniepsand

    Anna Johannsen
    Der Tote auf dem Kniepsand (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Jun 2, 2026

    Wer war Dennis?

    Lena Lorenzen ist die Inselkommissarin, sie ermittelt zum nunmehr dreizehnten Mal.
    Kriminaldirektorin Nielsen ersucht Lena, verdeckt zu ermitteln, da an den Sylter Stränden Drogenpäckchen vermehrt angespült werden. Zudem wurde vor vier Tagen ein Mann am Strand tot aufgefunden, er lebte seit über drei Jahren auf Amrum im Haus seiner verstorbenen Großmutter. An seiner Kleidung, seinen Händen, seiner Nase wurden Kokainspuren gefunden. Alles deutet auf einen Zusammenhang mit diesen angespülten Drogenpäckchen und somit auf organisierte Kriminalität hin.
    Lena ermittelt mit ihrer Kollegin Naya Olsen - ganz offiziell. Dafür reisen sie auf Lenas Heimatinsel Amrum, arbeiten mit den örtlichen Kollegen zusammen. Bald wissen sie, dass es bei Dennis Claasen, dem Toten, um einen Erbstreit mit seinen Geschwistern ging, zudem werden seine monetären Schwierigkeiten publik. Was liegt da näher, als ihn mit dem lukrativen Drogengeschäft in Verbindung zu bringen.
    Wer war Dennis? Nicht nur das gilt es herauszufinden, auch sein Umfeld wird neben vielen anderen Spuren durchleuchtet. Die Ermittlungen weiten sich aus, selbst das LKA mischt kräftig mit, wenngleich Lena mit den örtlichen Gepflogenheiten sehr viel besser zurechtkommt.
    Sind es zwei Fälle, denen sie hier nachgehen? Hat Dennis Tod mit dem Drogenschmuggel zu tun? So einige der Bekannten, der Freunde und auch der Freundinnen machen sich verdächtig, jeder Spur wird nachgegangen.
    Auch wenn es zuweilen ganz schön zur Sache geht, sind die Ermittlungen um Mord und Drogen nie actionmäßig unterwegs, sie sind vielschichtig und logisch aufgebaut, die Arbeitsweise eher ruhig und durchdacht. Wobei mir die Aufklärung dann doch nicht so ganz zusagt. Zwischendurch schwingt das Private immer mal wieder durch, es wird gekonnt in die Ermittlungsarbeit eingewoben, nimmt zwar nicht überhand, ist aber schon auch in einem „normalen“ Maße präsent. Ein wenig Inselflair inklusive.
    Der Krimi um die Inselkommissarin ist durchweg spannend, man wird gut unterhalten, auch dank der authentischen Akteure. Er ist in sich abgeschlossen, man kann also ohne Vorkenntnisse danach greifen und auch wenn sich die Hauptfiguren von Fall zu Fall weiterentwickeln, so steht das Wesentliche im Buch.
    Akte Nordsee - Die letzte Predigt

    Eva Almstädt
    Akte Nordsee - Die letzte Predigt (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Jun 1, 2026

    Der tote Pastor

    Band vier um die Rechtsanwältin Fentje Jacobsen und Niklas John, den Journalisten, beginnt nach dem ziemlich heftigen Prolog damit, dass Niklas sie zu Alexander, seinem Vater, mitnimmt. Alexanders abfälliges Verhalten lässt Fentje dann fluchtartig das Haus verlassen. Blöd nur, dass Niklas einer momentan obdachlosen alten Freundin sein Gästezimmer anbietet. Die Verwicklungen sind vorprogrammiert, aus Fentje und Niklas Zweisamkeit wird wohl nichts.
    Die Pfarrgemeinde indes bereitet sich auf die Feierlichkeiten zur silbernen Konfirmation vor, dabei begegnen sich alte, zum Teil längst vergessene Schulfreunde wieder. Sie blicken zurück, stellen fest, dass damals auch der jetzige Pastor Tammo Gerdes schon damals, in einem Ferienlager, dabei war. Und nun wird er tot aufgefunden. Ertrunken soll er sein. Seine schon vorbereitete Predigt hat er nach einem ziemlich aufschlussreichen Gespräch kurzentschlossen umformuliert – hat dies zu seinem Tod beigetragen? War es doch kein Unfall? Die Polizei ermittelt. Als dann eine weitere Leiche gefunden wird, gerät Niklas in Verdacht.
    Fentje und Niklas, die beiden Hauptakteure der Akte Nordsee-Reihe, sind mir aus den Vorgängerbänden wohlbekannt. Beide Charaktere sind treffend skizziert, auch zu den anderen Personen habe ich eine konkrete Vorstellung.
    Der Focus liegt schon im Hier und Jetzt, daneben aber blicken wir zurück, erfahren von längst vergangenen Aktionen. Ob diese Nebenhandlungen für die Aufklärung der Todesumstände von Gerdes und der weiteren Toten wichtig sind? Viele Ungereimtheiten lassen in eine bestimmte Richtung denken und doch frage ich mich, ob – und wann ja – wie diese eingeflochtenen Geschichten dazu beitragen, Licht ins Dunkle zu bringen. Für meine Begriffe waren es zu viele irritierende Erzählstränge, die ich mit der eigentlichen Story nicht so recht in Einklang bringen kann.
    Was es mit dieser letzten Predigt auf sich hat, wird letztendlich klar. Auch andere beim Lesen aufkeimende Fragen sind geklärt, die actionreiche Auflösung ist spannend, auch wenn sich die Story zuvor schon etwas zieht und so manch Aktion sehr konstruiert wirkt.
    Kurz: Diesen vierten Band empfinde ich schwächer als die Vorgängerbände, es sind ganz einfach zu viele Geschichten dazwischen, die schon in die Irre führen, was wahrscheinlich so geplant ist, die aber dennoch eher als Fremdkörper fungieren. Davon abgesehen ist der Krimi gut zu lesen, wenngleich so manch Aktion dilettantisch anmutet.
    Träume aus Feuer

    Florian Illies
    Träume aus Feuer (Buch)

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    Jun 1, 2026

    Anregende Reise durch die Welt des (rubinroten) Glases

    Florian Illies, der „große Geschichtenerzähler“, wie die Süddeutsche ihn so treffend beschreibt, erzählt in seinem neuesten Werk „Träume aus Feuer“ von dem Alchimisten und Glasmacher Johannes Kunckel.
    Der erste Blick aufs Buch nimmt mich mit in die faszinierende, in allen Farben schillernde Welt des Glases. Durch die rubinroten Scheiben meine ich, die noch wilde Pfaueninsel zu erkennen. Die Insel, an der Havel im Südwesten Berlins gelegen, die der Große Kurfüst Friedrich Wilhelm ihm einst geschenkt hat. Wir sind im Jahre 1685, als Johannes Kunckel mit der Schenkung auch die Rechte erhält, die für die Glasherstellung notwenigen Öfen sowie ein Laboratorium zu erbauen, auch sollen sich seine Helfer mit ihren Familien hier ansiedeln und selbst versorgen, sie also autark leben und arbeiten. „Die Pfaueninsel, das ist seine (Kunckels) Lizenz zum Träumen.“
    Davor schon war der Große Kurfürst von Kunckel sehr angetan, auch wenn er einsehen musste, dass auch dieser kein von ihm so begehrtes Gold herstellen konnte. Dafür aber erfuhr er so einiges über die Welt der Alchemie und die für die Glasherstellung notwendigen Substanzen. So verbrachten sie viele Abende miteinander, Kunckel war alsbald sein Vertrauter, er wird zum Geheimen Kammerdiener ernannt. Was des Kurfürsten Sohn Friedrich mitsamt seinem Kammerdiener Eberhard Danckelmann sehr missfällt. Sie nennen Kunckel einen eitlen Selbstdarsteller, neiden ihm seine Stellung beim Großen Kurfürsten.
    Reinstes Glas, ohne Bläschen, in einem Rubinrot, das zuvor noch keiner herstellen konnte, war Kunckels Meisterwerk. Ein Rubinglas von besonderer Leuchtkraft, sehr zur Freude des Großen Fürsten und seiner zweiten Ehefrau Dorothea. So manch Pokal veredelte der Hofglasschneider Martin Winkler mit Jagdszenen und anderem Zierwerk, der Mode der Zeit entsprechend.
    Daneben wird der geschichtliche Hintergrund in jener Zeit angerissen und soweit beschrieben, wie es für diese Geschichte und den hier vorkommenden Personen notwendig scheint. Illies lässt etwa den Großen Kurfürsten von seinem Reich erzählen und auch erfahren wir von seiner Familie und den Eifersüchteleien der Kinder aus erster Ehe und von denen, die früh verstorben sind. Überhaupt war die Kindersterblichkeit groß, auch Kunckel blieb davon nicht verschont.
    Im Focus jedoch steht die faszinierende Welt der Glasherstellung aus jener Zeit, als der Alchimist Johannes Kunckel dem Glas Farbe und Glanz verleiht. Sein Rubinglas war einzigartig und nicht nur dieses, auch sein kobaltblaues Glas war heiß begehrt. Kunckels Leben und Wirken wird zuletzt nochmal stichpunktartig in der Rubrik NACHGLÜHEN wiedergegeben.
    Illies bildhafter Erzählstil macht das Buch zu etwas Besonderem, er bringt auf wenigen Seiten die „Träume aus Feuer“ zum Glühen und danach zum Funkeln. Mich hat er damit tief beeindruckt und nicht zuletzt den Wunsch erweckt, mir die Pfaueninsel demnächst anzusehen.
    Die Welt in Meran - Schattenflamme

    Angela Marina Reinhardt
    Die Welt in Meran - Schattenflamme (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    May 29, 2026

    Absolut lesenswert

    Schon das erste Buch „Die Welt in Meran. Walzerblut“ habe ich mit Genuss gelesen und nun treffe ich wiederum auf Helen von Burt und auf ihre beiden Verehrer – den Korsen Jean de Benedetti und den Erbgrafen Maximilian von Montalban. Wir schreiben das Jahr 1874, zwei Jahre zuvor waren es der Kurbetrieb und die Maskenbälle. Das erste Buch führt ein in die damalige Gesellschaft und deren Gepflogenheiten und nun sind wir mittendrin im Wiener Börsenkrach, als sich die Wege der drei Hauptakteure erneut kreuzen.
    Das Hineinfinden in das zweite Buch „Die Welt in Meran. Schattenflamme“ ist dank des Personenverzeichnisses, das gut gegliedert dem Geschehen voransteht, auch für Neueinsteiger nicht schwierig. Das Schicksal führt – wie schon zwei Jahre zuvor, auf oben erwähntem Ball - Helen, Jean und Max zusammen, jedoch ist in der Zwischenzeit doch so einiges geschehen. Auch wird von dem Waisenmädchen Rosa, von Sigmund Hirsch, dem Arzt - um nur mal die beiden zu nennen - weitererzählt.
    Die ersten Kapitel sind übertitelt mit Verliebt. Verlobt. Verheiratet. Wer denn die Glücklichen sind, sei hier nicht verraten. Nur so viel – es kommt anders, als ich zunächst gedacht habe. Und wir bleiben nicht ausschließlich in Meran, es geht auch nach Wien – es ist eine, wie sich später herausstellt, schicksalhafte Entscheidung.
    Die einzelnen Charaktere, ihr gesellschaftlicher Stand und deren damit oftmals einhergehenden Standesdünkel sind gut herausgearbeitet, auch ist die patriarchalische Denkweise nach wie vor fest verwurzelt. Angela Marina Reinhardts Hauptfiguren sind fiktiv, sie verwebt deren Geschichte mit historisch belegten Nebenfiguren, die so auch im Personenverzeichnis gekennzeichnet sind. Merans Stadtgeschichte, die Heilanstalten, die Schlösser und all die Bauten und Orte sind erkennbar und was mit ganz besonders gefällt, sind die Gedichtzeilen, die jedes Kapitel einleiten.
    Auch dieses zweite Meran-Buch, die „Schattenflammen“, habe ich verschlungen. Es war ein faszinierender Aufenthalt in und um Meran, ein lesenswerter zweiter Band, dem hoffentlich bald der nächste folgen wird.
    Tote Kinder schreien ewig (Bekker & Meislow - Thriller 5)

    Gunnar Schwarz
    Tote Kinder schreien ewig (Bekker & Meislow - Thriller 5) (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    May 28, 2026

    Dunkle Geheimnisse

    Den beiden Ermittlerinnen Charlie Bekker und Stella Meislow bin ich nicht das erste Mal gefolgt, alle bis jetzt gelesenen Thriller mit ihnen waren top, so auch das neueste Werk von Gunnar Schwarz „Tote Kinder schreien ewig“, das ich soeben aus den Händen gelegt habe.
    In einem kleinen Dorf, wo jeder jeden kennt, wo so gut wie nichts passiert, wird eine brutal zugerichtete Leiche gefunden und bald darauf wird ein zweiter Mordfall bekannt, das Opfer wurde ähnlich in Szene gesetzt entdeckt. Die Spuren führen zu dem örtlichen Jäger, über den immer mehr dunkle Geheimnisse bekannt werden sowie zu dem Dorfmetzger, direkt hinein in sein Schlachthaus.
    Zunächst gilt es, Gemeinsamkeiten der Opfer zu finden - beide waren sie Stammtischbrüder. Dabei drängt sich die Frage auf, wen der brutale Mörder als nächstes ins Visier nimmt, denn nichts deutet darauf hin, dass es mit diesen zwei Morden genug ist. Bei jedem der Toten wird eine identische Zeichnung gefunden, Buchstaben geben Rätsel auf. Und schon bald ist ein weiteres Opfer zu beklagen.
    Charlie ist berüchtigt für ihre Alleingänge und nun ist es auch Stella, die ihrem Bauchgefühl folgt, was Jan, ihr Vorgesetzter, in Rage bringt und sie kurzerhand zum Innendienst verdonnert. Stella aber ist damit nicht so ganz einverstanden, auch spielt ihr ehemaliger Kollege Vincent, der sich mittlerweile im Ruhestand befindet, immer noch mit. Irgendwie.
    Dieser fünfte Fall für die Sondereinheit wird zunehmend zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Es gilt, einen Serienkiller zu stoppen, was sich – je weiter sie vordringen – als äußerst schwieriges Unterfangen herausstellt. Das Ermittlerteam arbeitet durchaus effizient und doch will nichts so recht zusammenpassen. Als sie dann einer heißen Spur nachgehen, wird es brandgefährlich.
    Gunnar Schwarz bürgt für Gänsehautmomente. Und das nicht zu knapp. Bekker & Meislow, die beiden Ermittlerinnen könnten unterschiedlicher nicht sein und doch ergänzen sie sich und auch ihre Kollegen sind allesamt Typen, jeder hat seine Eigenheiten. Die Spannung, die sich von Anfang an einstellt, steigert sich zunehmend. Neue Aspekte kommen ans Licht und auch wenn man meint, dass es an menschlichen Abgründen genug wäre, kommt lange Vergangenes geballt zum Vorschein. Man braucht schon gute Nerven für diesen düsteren Thriller, das schon. Und doch werde ich die Reihe weiterverfolgen, ich hoffe auf weitere Ermittlungen für die Sondereinheit um Charlie und Stella.
    The Artist

    Lucy Steeds
    The Artist (Buch)

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    May 24, 2026

    Lichtdurchflutet

    1957. Eine Frau steht in der National Gallery in London vor einem Gemälde, vor einer großformatigen Leinwand, gefasst in einen verzierten goldenen Rahmen. Das Täfelchen an der Wand nennt Maler, Titel und Maltechnik. Sein unverwechselbarer Pinselstrich hat ihm den Beinamen „Meister des Lichts“ eingebracht. Édouard Tartuffe.
    „The Artist“ ist Lucy Steeds fulminantes Debüt, das bildgewaltig von Édouard Tartuffe erzählt, einem exzentrischen Künstler, der in der Provence in einem Bauernhaus lebt und wirkt. Seine Nichte Ettie kümmert sich um ihn, um seine Malutensilien, besorgt und arrangiert Mahlzeiten, wie der Meister sie braucht, um sie zu malen, erledigt seine Post. Sie ist da, wenn er sie braucht und unsichtbar, sobald er es wünscht.
    Als eines Tages die Anfrage des Journalisten Joseph Adelaide ins Haus flattert mit dem Ansinnen, Tartuffe zu interviewen, bekommt er tatsächlich eine Zusage. Doch Tata, wie er genannt wird, hat anderes mit Joseph vor. Er soll ihm für sein neuestes Werk Modell sitzen, dafür kann er schreiben, was immer er will.
    Der Roman, der um 1920 angesiedelt ist, dringt tief ein in die Psyche der drei Hauptakteure. Tata, das Genie, ist der typische Künstler, der alle überstrahlt, der keinen neben sich duldet. Genie und Wahnsinn fällt mir bei so manch Szene ein. Ettis Herkunft wird hinterfragt, ihre eigentliche Leidenschaft sichtbar, auch lernen wir Joseph näher kennen. Es ist ein spannendes Porträt um einen Maler, der seiner Nichte verbietet, es ihm gleichzutun. Was Unterdrückung und Abhängigkeit zur Folge hat. Tata, Ettie und Joseph – sie sind mir nahe gekommen, jeder auf seine ureigene Art. Ettie vor allem hat es mir angetan, sie ist der eigentliche Star dieser Geschichte – zumindest für mich.
    Auch werden Bezüge zur Kunstwelt der 1920er Jahre sichtbar, Cézanne etwa oder auch Peggy Guggenheim spielen am Rande mit. Und dann ist es die große Erzählkraft, die jedes Stillleben leuchten und die Pfirsiche duften lässt, die mit jedem Sonnenstrahl Wärme vermittelt. So manch Gemälde wird so eindringlich beschrieben, sodass ein faszinierendes Bild vor Augen entsteht.
    „Sie malt ins Licht, auch wenn das bedeutet, ihre Welt in Flammen zu setzen.“ Ein beeindruckender Roman um „Die Farben des Lichts“, der mich bis zum Schluss nicht losgelassen hat.
    Espresso unter Sternen

    Stefan Maiwald
    Espresso unter Sternen (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    May 17, 2026

    Kleine (Alltags)Fluchten und mehr

    Als bekennender Italien-Fan kommt mir Stefan Maiwalds neuester Roman gerade recht. „Eine Reise in Sachen Glück“ untertitelt er seinen „Espresso unter Sternen“.
    Stefan Maiwald hat die kleine Insel Grado in Italien als seine Heimat auserkoren und nun will er sich eine Auszeit nehmen, seine Komfortzone verlassen. Also nix wie weg. Es zieht ihn nach Triest, eine seiner Heimatinsel durchaus nahen Hafenstadt an der Adria.
    Schon der erste Blick aufs Buch weckt auch meine Lust, mich ein wenig treiben zu lassen. Flanieren zwischen den Gassen, mich kulinarisch verwöhnen lassen, einen caffé zwischendurch genießen. Nero heißt hier (in Trieste) der Espresso und bei capo ist Cappuccino gemeint. In der Bar, am Tresen genossen, ist er etwas günstiger zu haben als am Tisch. Kleine Feinheiten, die man wissen sollte. Es gibt aber sehr viel mehr an Wissenswertem, das Maiwald mit einfließen lässt. Er führt mich an Orte, die zum Verweilen einladen. Das Antico Caffè San Marco, Triests berühmtes Literatencafé, gehört unbedingt dazu. Eine Fahrt mit der historischen Trambahn sollte man sich nicht entgehen lassen, auch reizt mich trotz der eher fußfeindlichen Kiesel der Strandabschnitt mitsamt dem hilfsbereiten Bademeister, die Triester Bräune gibt es hier sozusagen inklusive dazu. Das Buch hat noch so einiges mehr zu bieten, auch wartet es mit Hintergrundwissen auf. Und natürlich kommt das Essen à la italiano nicht zu kurz.
    Die Seele baumeln lassen, die alltägliche Routine durchbrechen, im Hier und Jetzt leben, Glücksmomente bewusst genießen – es braucht nicht viel, um die ganz einfachen Dinge des Lebens neu zu entdecken. Das Buch gibt Denkanstöße - Entschleunigung fällt mir dazu ein.
    „Anderszeit statt Alltagstrott“ nennt Stefan Maiwald seine Zeit in Triest. Es ist eine interessante, eine unterhaltsame, eine vergnügliche Reise, die eindrucksvoll seine Tage in der ehemaligen Grenzstadt Triest beschreibt. Ein Buch, das im Ganzen oder in Etappen genossen immer wieder kleine Fluchten aus dem Alltag zulässt. Ein Buch, das keine Altersgrenze kennt, das auch als Geschenk bestens ankommen wird.
    Komm spielen

    Linwood Barclay
    Komm spielen (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    May 15, 2026

    Gespenstisch, unheimlich, gruselig

    Der Bezug zu Stephen King kommt mir ein wenig haltlos vor, denn „grandios“ ist Linwood Barclays KOMM SPIELEN für mich dann doch nicht, wenngleich ich es schon über weite Strecken als gruselig, als nicht recht erklärbar, empfunden habe.
    Annie ist die Schöpferin von Pierce, einem Kinderbuchhelden, als ein Ereignis aus ihrer Leserschaft sie komplett aus der Bahn wirft. Zudem müssen sie und Charlie, ihr kleiner Sohn, den Verlust von John verkraften. Kurzerhand bucht Finnegan, ihr Lektor, für Annie und Charlie ein Ferienhaus, weitab von New Yorks Großstadtlärm.
    Kaum in Castle Creek angekommen, geht Charlie auf Entdeckungstour und wie es so ist, macht ihn ein abgesperrter Schuppen neugierig. Annie lernt einen Nachbarn kennen, seine Frau jedoch will von ihr nicht viel wissen. Fotografen haben vorher hier gewohnt, momentan jedoch wird es ab und an vermietet, meist steht das Haus leer. Annie versucht, auch hier zu arbeiten, sie vermisst die Hintergrundgeräusche New Yorks, allerdings meint sie, einen Zug gehört zu haben. Was an und für sich nichts Ungewöhnliches sein sollte.
    Die Geschichte wird in fünf Akten dargeboten. Nachdem ich im ersten Akt Annie und Charlie folge, hat nun Harry, der Polizeichef, seinen Auftritt. Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab. In Harrys Stadt geschieht Seltsames. Leute verschwinden, andere werden übelst zugerichtet aufgefunden, die Vorfälle häufen sich.
    Natürlich war ich gespannt, was mich erwartet. Nach der für meine Begriffe zu langen Einführung ist es mäßig spannend, was den Vorteil hat, dass mir alle Figuren bald bestens vertraut sind. Und doch warte ich auf mehr. Annie und Charlie sind in der Gegenwart verortet, Harrys Part dagegen liegt schon einige Zeit zurück. Es passiert schon so einiges, das nicht zu erklären ist, der Ursprung allen Übels scheint aber dennoch sichtbar zu sein. Und dann fängt es richtig an, es wird zunehmend unheimlich, es treibt mich weiter, raubt mir den Atem, lässt mir das Herz bis zum Halse klopfen. Da ist Mr Choo, der in seinem Geschäft Eisenbahnen verkauft – nicht nur ein Kindertraum, auch Erwachsene erliegen dieser faszinierenden Welt aus ganzen Landschaften, durch welche die Züge fahren. Es geht gar gespenstisch zu, Unheimliches, nicht Erklärbares, lässt mich aufhorchen und mich frösteln.
    Ein guter Thriller mit Horror-Elementen, das nach dem zu langen Intro viel zu bieten hat. Wenngleich ich ihn nicht mit King in einem Atemzug nennen möchte, denn der ist eine Klasse für sich.
    Léon und die Frau im blauen Kleid

    Alexander Oetker
    Léon und die Frau im blauen Kleid (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    May 10, 2026

    Der erste Fall für de Cavallier und Bentaleb - gelungener Auftaktband

    Alexander Oetker präsentiert das neue Ermittlerteam an der Côte d’Azur: Commissaire Léon de Cavallier, adeliger Leiter der Brigade criminelle von Nizza, nie unterwegs ohne Ferrari und Maßanzug und Commissaire Nadia Bentaleb, zuletzt im Einsatz in der Banlieue, nie unterwegs ohne ihre Kawasaki und ihre Lederjacke.
    Diese ersten Infos sind absolut treffend. Beide sind sie erfahrene Commissaire, beide sind sie durchsetzungsstark, beide leben sie für ihren Beruf, auch wenn auf den ersten Blick der Anschein nach außen hin zuweilen trügt.
    Zunächst erwartet mich auf der aufklappbaren Cover-Innenseite eine Karte mit den Orten, in denen sich die Ermittlungen um den Leichenfund an der Promenade des Anglais bewegen - ein erster Pluspunkt dieses Côte d’Azur-Krimis, der neben den kriminalistischen Elementen und den gar köstlichen Dialogen der beiden Hauptakteure noch mehr zu bieten hat wie etwa die reizvolle Umgebung oder auch die Dekadenz der Reichen und Schönen mitsamt der kontrastierenden Drogenkriminalität in den sozialen Brennpunkten Nizzas.
    „Frauenleiche, Anfang zwanzig. Wurde angespült. Ihre neue Kollegin ist schon vor Ort…“ Die Worte des Gendarmen haben Léon de Cavallier eiskalt erwischt. Mit einem Gefühl, das ihm Gänsehaut verursacht, sieht er eine junge Frau mit dunkelbrauner Haut - Nadia Bentaleb.
    Das erste Zusammentreffen des zukünftigen Ermittlerduos fällt frostig aus, Léon gibt gleich mal den Macho, den versnobten Spross aus reicher, aus adeliger Familie. Seine neue Partnerin dagegen ist der genaue Gegensatz. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen in den Pariser Banlieues weiß sie sich durchzusetzen, was sie alsbald unter Beweis stellen muss. „Ich weiß noch nicht, was das mit Ihnen beiden wird, aber ich kann mir vorstellen, dass es richtig gut wird. Oder es explodiert, und er wirft Sie sofort wieder raus. Alles ist möglich.“ Schon die erste Einschätzung eines Kollegen spricht Bände.
    Es dauert schon ne ganze Weile, bis sie sich zusammenraufen. Wobei gefühlt Nadja an Léons Snobismus schwer zu knabbern hat, sie aber es versteht, ihn mit Witz und einer gehörigen Portion Abgeklärtheit zu nehmen, ihre Pariser Vergangenheit hat sie gelehrt, mit den unterschiedlichsten Charakteren zurechtzukommen und nicht nur das, ihnen auch Paroli zu bieten. Und damit punktet sie bei Léon, der trotz seiner zur Schau gestellten Überheblichkeit alsbald weiß, dass er in ihr eine starke, eine verlässliche Partnerin hat.
    Der wendungsreiche Krimi führt in die High Society und in Nizzas Brennpunktviertel und auch ins Fürstentum Monaco. Es bedarf einer Sondererlaubnis, um auf monegassischem Boden zu ermitteln, was sich auch hier als Hürde erweist, die jedoch Léon zu umgehen weiß. Er kennt die Gepflogenheiten vor Ort, geht so besonnen wie trickreich mit den Verdächtigen um, die sich im mondänen Fürstentum sicher und dank ihres Reichtums unangreifbar wähnen. Der Umgang mit den harten Jungs dann ist für Nadia lang erprobter Alltag, was Léon zuweilen staunen lässt. Ich meine, die ersten Hürden ihrer Zusammenarbeit dürften sie souverän gemeistert haben.
    Der erste Fall für Léon und Nadia macht Lust auf mehr, die beiden Commissaires haben mich bestens unterhalten, die Auflösung dann hat mich verblüfft, ist aber in sich stimmig. Den nächsten Fall, der am 5. Mai 2027 erscheint, lasse ich mir nicht entgehen, ich werde pünktlich anreisen.
    Darkrooms

    Rebecca Hannigan
    Darkrooms (Buch)

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    May 4, 2026

    Im dunklen Schlingenwald…

    Ein Dorf an der irischen Küste, umgeben von dichtem Wald, ist Schauplatz von Rebecca Hannigans DARKROOMS. Hier verschwand vor nunmehr zwanzig Jahren die damals 9jährige Roisin, deren Schicksal bis dato ungeklärt ist. Ihre Schwester Deedee sucht noch heute nach ihr, deren Spur sich im Sommer 1999 verliert, als sie mit der damals ebenfalls 9jährigen Caitlin unterwegs war.
    Der Thriller wird in zwei Zeitebenen erzählt, gleich mal begegnen wir Caitlin Ende 2019, die nun in London lebt. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Es bleibt nicht aus, dass sie Deedee begegnet, die mittlerweile als Polizistin arbeitet und nach wie vor nach Roisin sucht.
    Caitlin und Deedee – von beiden Frauen wird so einiges bekannt, beide sind sie sehr speziell, um ihren Charakter wohlwollend zu umschreiben. Wobei sie es beide nicht gerade einfach hatten in ihrem bisherigen Leben. Die eine will wissen, was mit ihrer Schwester passiert ist, ob sie vielleicht noch lebt oder ihre Leiche irgendwo verscharrt ist. Und die andere scheint ziemlich abgebrüht zu sein, ihre Vergangenheit ist nicht ohne.
    Man erfährt häppchenweise, wie die Hauptakteurinnen leben, immer wieder unterbrochen durch das Gestern, weiß um die Rolle der Polizei, der Vermisstenfall Roisin ist ungeklärt und auch tauchen einige mehr oder weniger seltsame Typen auf. Und immer wieder sind wir in besagtem Wald, dem Schlingenwald, der gerodet werden sollte. Unterschwellig tauchen Sätze auf, die zu Roisins Verschwinden passen würden. Aber – wäre das nicht zu einfach? Ein geheimnisvoller Plan wirft Fragen auf, Alkohol spielt mit hinein, auch scheinen hier sehr manipulative Mächte am Werk zu sein.
    DARKROOMS ist raffiniert konstruiert. Die beklemmende Story lebt von Andeutungen, sie gibt eine Richtung vor und wenn man meint, diese würde zum Ziel führen, ändert sich die Sichtweise und man ist so klug als wie zuvor. Alle Figuren sind zutiefst verstörend, bis gegen Ende zu fehlt der Durchblick. Ein aufwühlender Thriller, der durchweg spannend ist, der mich trotz der beunruhigenden Geschichte bestens unterhalten hat.
    Die Straße

    Robert Seethaler
    Die Straße (CD)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    May 3, 2026

    Lebensgeschichten

    Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.
    Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, die hier leben. Von den Bewohnern im Altenheim etwa und auch von dem Jungen mit der Steinschleuder, der die Tauben ins Visier nimmt. Ein anderer will Bücher vor dem Verfall retten, er eröffnet in einer ehemaligen Kohlenhandlung ein Buchantiquariat. Es sind alte, staubige Bücher und auch weiß man um den Kohlenstaub, der sich mit den Jahren in den Räumen abgesetzt hat. Es sind die Sorgen der kleinen Leute, deren Hoffnungen und Sehnsüchten Seethaler nachspürt. Der ganz normale Alltag eben in all seinen Facetten ist es mit den Bewohnern, die alle ein wenig wie entrückt wirken…
    …was Matthias Brandt als Sprecher dieser ungekürzten Hörbuchfassung (4 Stunden und 9 Minuten) dann doch gerade gerückt hat. Er macht diese Straße mitsamt seiner Bewohner lebendig. Ihn schätze ich sehr, er brilliert in jeder seiner Rollen und auch hier gibt er jedem einzelnen der hier beschriebenen Charaktere seine ganz besondere Note.
    Es sind viele Schicksale, die Seethaler in einem ruhigen, unaufgeregten Ton präsentiert. Alltagsgeschichten, wie jeder sie kennt oder von denen man zumindest gehört hat. Kurze Momentaufnahmen, die jede für sich steht, in Seethalers Straße sind sie alle zu finden.
    Ins fahle Herz des Sommers

    Andreas Eschbach
    Ins fahle Herz des Sommers (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Apr 30, 2026

    Beklemmendes Zukunftsszenario

    Andreas Eschbach nimmt sich in seinem neuesten Roman INS FAHLE HERZ DES SOMMERS eines düsteren Zukunftsszenarios an, das angesichts des nicht zu leugnenden Klimawandels gar nicht so abwegig ist.
    Fausto lebt als einer der wenigen noch verbliebenen Menschen in einem Ort, der weitgehend ausgestorben ist. Ein Pfarrer, eine alte Frau und eine Farmerfamilie sind noch da. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, Fausto hat sich in dem nicht sehr viel kühleren Keller eingerichtet. Seine Suche nach zurückgelassener Nahrung betreibt er akribisch, ein alter Kühlschrank dient dank Sonnenenergie für kühles Wasser, das zunehmend knapp wird.
    Die meisten der Dorfbewohner haben sich in den kälteren Norden aufgemacht, Ansichtskarten zeugen von ihrem dort sehr viel angenehmeren Leben.
    Als eines Tages eine junge Frau in Faustos Nachbarhaus erzieht, nimmt er Kontakt zu ihr, zu Valérie, auf. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen, jedoch trägt sie ein Geheimnis in sich, das Fausto erst sehr viel später erkennt.
    Das Buch lebt von Überspritzungen, nichts anderes ist zu erwarten. Und doch zeigt es auf erschreckende Weise, wohin die Welt sich bewegt. Das Thema ist allgegenwärtig, die globale Erderwärmung geht einher mit extremen Wetterereignissen. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Folgen für die Menschheit sind deutlich spürbar. Hier ist es die unerträgliche Hitze, die Ernten vertrocknen und das Wasser verdunsten, die der Menschheit keinen Raum zum Leben lässt. Ein „beklemmendes Gedankenexperiment“, das nachdenklich stimmt.
    Die Briefträgerin

    Francesca Giannone
    Die Briefträgerin (Buch)

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    Apr 29, 2026

    La Portalettere

    Anna und Carlo lernen sich im Norden Italiens kennen und lieben, sie gründen eine Familie und bald darauf vermacht Carlos Onkel Luigi ihnen alles. Land, Häuser und ein hübsches Sümmchen. Darum gehen sie weg aus Ligurien, aus Annas Heimat, um in Lizzanello, das in der süditalienischen Region Apulien liegt, neu anzufangen. Carlo ist hocherfreut, endlich wieder in seiner alten Heimat zu sein, auch heißt sein Bruder Antonio ihn und seine Anna herzlich willkommen. Für die Bewohner des Dorfes jedoch ist Anna die Fremde.
    Francesca Giannone erzählt vom Leben ihrer Urgroßmutter Anna Allavena, deren Leben sie in Briefen, Fotos und Dokumenten nachspürt, die sie eher zufällig im Haus ihrer Eltern in einer Schublade entdeckt hat. Von Anna, einer Frau, die sich von der männerdominierten Gesellschaft nicht von ihren Zielen hat abbringen lassen.
    Im Juni 1934 kommen Anna und Carlo mit ihrem kleinen Roberto in Lizzanello an und wie es so ist im Leben, wird Anna kritisch beäugt. Nicht nur von denen aus dem Dorf, auch Agata, ihre Schwägerin, tritt ihr gegenüber ziemlich reserviert auf. Was Anna nicht davon abhält, ihre eigenen Ideen durchzusetzen. Daheim war sie Lehrerin, hier ist eine Stelle als Briefträger vakant, also bewirbt sie sich. Signora Portalettere ist zunächst zu Fuß, später dann mit dem Fahrrad unterwegs.
    Neben der Familie sind es doch so einige Personen, die gut eingeführt werden, sodass der Überblick nicht verloren geht, auch schwingt der beginnende Faschismus mit hinein, Annas Leben mit ihrer Familie und jenes im Dorf jedoch stehen im Vordergrund. Sie ist ihrer Zeit weit voraus, sie ist eine selbstbestimmte Frau, die sich auch für andere einsetzt, die der Engstirnigkeit der Dorfbewohner, die im Gestern verharren, die ihre Vorurteile pflegen, unerschrocken entgegentritt. Da ist etwa Giovanna, die als die Verrückte gilt, dabei hatte sie nie eine Chance, Schreiben und Lesen zu lernen. Annas Idee von einem Frauenhaus stößt im Dorf auf Unverständnis, eine lebenslange Lüge droht, viel Leid nach sich zu ziehen – das Buch ist so viel mehr als „nur“ die Geschichte um Signora Portalettere.
    Es ist ein Zeugnis jener Zeit, ein Blick auf die Gesellschaft, auf die Dorfgemeinschaft und auf die Liebe - auch sie zieht sich durchs Buch, nicht nur jene zwischen Anna und Carlo. Vom Sommer 1934 bis in dem August des Jahres 1961 hat dieser Roman eine schier unendliche Fülle an Leben parat, das mit leisem Ton, aber dennoch übervoll von einer unerschrockenen Frau erzählt, die stets für andere da ist, sich vor sie stellt und nicht müde wird, für deren Belange zu kämpfen. Ja, Anna hat die Hosen an, auch im wörtlichen Sinne, was damals ziemlich skandalös war. Das Buch, die Geschichte um DIE BRIEFTRÄGERIN, hat mich tief bewegt. Ich habe das Buch genossen, es entwickelt seinen ganz besonderen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte und es auch nicht wollte. Ein absolut empfehlenswertes Buch.
    Pina fällt aus

    Vera Zischke
    Pina fällt aus (Buch)

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    Apr 28, 2026

    Ein Miteinander voller Wärme und Zusammenhalt

    Für Leo ist es eine Tragödie, als Pina ausfällt, auch wenn er diesen Schicksalsschlag so nicht erfassen kann. Leo ist Autist, er ist zwanzig, er braucht feste Strukturen, braucht die Lavalampe, um morgens aus dem Bett zu steigen und seine ganz bestimmte Schrittfolge, um über die Treppe herunter zum Bus zu kommen, der ihn in die Behindertenwerkstätte fährt. In der Zeit, in der Leo dort ist, erledigt Pina, seine Mutter, all das, was sie ohne ihn schaffen kann.
    Als sie dann eines Tages mitten auf der Straße zusammenbricht, weiß zunächst keiner, wo sie ist. Leo hat sie bei ihrer 86jährigen Nachbarin Inge gelassen, dafür nimmt sie Einkäufe für Inge mit. Eigentlich müsste sie schon wieder zurück sein, aber Pina kommt nicht. Leo ist außer sich, er schlägt um sich, räumt Inges Schränke aus. Die Polizei fühlt sich als nicht zuständig, Inge ist vollkommen überfordert. Und da sind noch Zola, die junge Schulabbrecherin, die mit ihrem Leben nichts anzufangen weiß und Wojtek, der sich hinter seinen Computer vergräbt.
    Es sind ganz und gar unterschiedliche Menschen, die nichts miteinander zu tun haben. Und doch kommen sie sich näher, fühlen sich mehr und mehr verantwortlich für Leo, den sie zuvor eher gemieden haben. Sie wissen mittlerweile, dass Pina im Koma liegt und auch, wenn es schwer fällt, sehen sie ein, dass Leo auf ihre Hilfe angewiesen ist.
    Mehr und mehr wachsen sie zusammen, es ist ein Miteinander, ganz im Gegensatz zu vorher. Sie können sich aufeinander verlassen, jeder übernimmt Verantwortung für Leo, ihre Hausgemeinschaft beginnt ziemlich holprig, sie funktioniert mit der Zeit jedoch immer besser. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihren Leo fördert und ihn bei Bedarf verteidigt.
    Es ist ein Buch, das berührt. Auch wenn es im wirklichen Leben nicht immer so solidarisch zugeht, man von vielen keinerlei Hilfe erwarten kann, so ist es doch herzerwärmend, dass es diese Hilfsbereitschaft doch gibt. Eine Geschichte voller Wärme und Zusammenhalt, sehr lesenswert, wundervoll erzählt.
    Annie Knows Everything

    Rachel Wood
    Annie Knows Everything (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Apr 28, 2026

    Annie lässt nicht locker

    „Ich glaube, du bist der nervigste Mensch, den ich je getroffen habe“ sagt er. Um sie dann auf seine ureigene Weise zum Schweigen zu bringen.

    Aber da sind wir schon mittendrin, ich beginne mal mit dem Anfang, als Annies Schlüsselkarte nicht mehr funktioniert, sie also nicht mehr ins Büro kommt. Natürlich findet sie Mittel und Wege, zu ihrer Freundin Carrie in die Personalabteilung zu gelangen, um von dieser zu erfahren, dass sie nicht die einzige ist, die ihren Job in diesem New Yorker TechStartUp los ist. Annie ist hartnäckig und so erfährt sie von einer vakanten Stelle im Haus, für die sie allerdings nicht die geringste Qualifikation aufweisen kann. Was Annie jedoch nicht anficht. Sie steuert direkt auf diese Abteilung zu, bequatscht Connor, den hier zuständigen Chef, bis er ihr einen Eignungstest anbietet. Zwar hat sie keine Ahnung von Datenstrategie, was auch ihm nicht verborgen bleibt, und doch ergattert sie den Job. Annie knows everything, ja. Sie weiß alles, weiß alles besser, redet überall mit, sie lässt nicht locker.

    Und ja – Annie nervt zuweilen gewaltig. Sie kann aber auch anders, vor allem wenn es um ihren Vorgesetzten geht, mit dem sie sich so manchen Schlagabtausch liefert. Connor ist aber auch ein heißer Typ. Bevor sie aber so richtig loslegt, muss sie noch schnell heimfliegen, in Kanada ist ihre Schwester dabei, ihre Hochzeit vorzubereiten. Wieder mal! Denn schon einmal wollte Shannon ihren Dan ehelichen, er aber hat es gründlich vermasselt. Was liegt für Annie also näher, als ihre Schwester vor diesem Kerl zu warnen. Überhaupt mischt Annie kräftig mit – bei allem und bei jedem. Dabei meint sie es nur gut.

    Der Roman versprüht eine lockere, witzig-spritzige Atmosphäre mit einer impulsiven Hauptfigur, sie ist schlagfertig und auch nervig, was man bei ihr aber gut wegstecken kann. Auch deshalb, weil sie es gut meint mit den anderen, wenngleich gut gemeint nicht immer gut gemacht ist und gut ankommt. Sie hat aber dennoch ein Gespür dafür, wenn sie mal wieder zu weit geht. Connor passt perfekt zu ihr, auch wenn sie beide (meist ist es aber Annie) das gelegentlich vergessen.

    Annie mochte ich von Anfang an und nachdem ich mich eingelesen habe, konnte ich diese Liebesgeschichte so richtig genießen. Was mich selber gewundert hat, denn eigentlich umgehe ich dieses Genre. Rachel Wood hat mir mit ihrer Annie locker-leichte, kurzweilige, amüsante Lesestunden beschert. Ja, „Annie Knows Everything“ ist ein Roman, den ich gerne gelesen habe.
    Der Fjord

    Sarah Goodwin
    Der Fjord (Buch)

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    Apr 27, 2026

    Wendungsreiche Story, absolut fesselnder Psychothriller

    Nachdem ich mich vor ziemlich genau einem Jahr auf DIE YACHT begeben habe, habe ich mich nun auf einen weiteren Psychothriller von Sarah Goodwin eingelassen. DER FJORD hat mit noch mehr an menschlichen Abgründen aufzuwarten, wie ich finde.
    Der Prolog bietet einen ersten Einblick auf die begehrten Einladungen zu der alljährlich stattfindenden Sommerparty auf dem mondänen Anwesen der Fowleys. Ein Jahr später dann ist es wieder so weit. Amelia reist nach Norwegen, sie ist ganz offiziell eingeladen. Was keiner weiß – sie sucht nach ihrer Schwester Rose, deren Spur sich seit dem letzten Sommerfest der Familie Fowley verliert.
    Die Autorin versteht es, ab sofort Spannung zu erzeugen und diese durchgehend aufrecht zu erhalten. Erzählt wird hauptsächlich aus Amelias Sicht und sie ist es auch, um die ich bange. Ihr Plan, wie sie sich in die Party drängt, ist so genial wie gefährlich. Inmitten der illustren Gäste, die sich in den stilvollen Außenanlagen inklusive der extra für dieses Spektakel aufgebauten Hütten, Bars und dergleichen bis hin zum Strand bestens amüsieren, ist sie auf der Suche nach dem Verbleib ihrer Schwester. Sie sucht den Kontakt zu dem Fowleys, zu Lawrence und James, zu Sam und Ford und noch so einigen mehr. Jeder einzelne scheint einiges zu verbergen zu haben, wobei ich mein Urteil über sie mehrmals infrage stelle. Die Fassaden bröckeln, um sich dann doch wieder ins Gegenteil zu verkehren.
    Sarah Goodwin ist eine Meisterin darin, ihre Figuren vielschichtig und undurchdringlich zu präsentieren. Bis zum bitteren Ende, denn schon vorher meine ich, dem Satan höchstpersönlich begegnet zu sein. Ein Trugschluss? Nur so viel: DER FJORD hat mich von Anfang bis Ende absolut gefesselt, die wendungs- und temporeiche Story mochte ich nicht weglegen, das Buch habe ich in zwei kurzen Nächten verschlungen.
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