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    Magnolia

    Aktiv seit: 05. November 2023
    "Hilfreich"-Bewertungen: 16

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    287 Rezensionen

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    Meine tote Schwester: Psychothriller

    Catherine Shepherd
    Meine tote Schwester: Psychothriller (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.04.2026

    Spannender Auftaktband

    Von Catherine Shepherd kenne und schätze ich ihre Zons-Thriller, auch ihre Laura Kern- und Julia Schwarz-Thriller und nun geht sie mit ihrem neuesten Buch „Meine tote Schwester“ den Schritt Richtung Psychothriller. Und auch davon bin ich sehr angetan, ich werde die neue Reihe weiter verfolgen – eh klar.
    Zunächst stehe ich mit Mia am Fenster. Sie beobachtet die Villa gegenüber, die schon seit vielen Jahren leer steht. Ihre Mutter hat ihr strikt verboten, auch nur einen Fuß in dieses Haus zu setzen. Nicht ohne Grund, denn vor elf Jahren ist ihre damals 16jährige Schwester darin ums Leben gekommen.
    Nora will weg aus Hamburg – Lukas wegen. Er wird gemobbt, seit sich das Gerücht hält, er hätte seine Freundin auf dem Gewissen. Sie macht genau diese Villa ausfindig, die sie ziemlich günstig erwerben kann, allerdings weiß Lukas nichts von dem Kauf, er ist dementsprechend sauer. Hilft aber nix, die Hamburger Wohnung ist verkauft, er muss mit. Bei ihrer Ankunft sind die Handwerker noch zugange, die ersten Zimmer erstrahlen aber schon in neuem Glanz.
    In der Schule lernt Lukas Mia und ihre Freundinnen Charlotte und Lisa kennen, sie werden Freunde. Lost Places sind Charlottes begehrte Objekte, vor Lukas und Noras Einzug war es die Villa, auch der umschwärmte Maurice und Anne sind auf der Jagd nach diesen morbiden Objekten, ihre Klicks beweisen, dass die beiden damit sehr viel mehr Erfolg haben als Charlotte. Als dann eines Tages eine Mitschülerin unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, fällt der Verdacht auf Lukas.
    Was für ein Szenario! Catherine Shepherd versteht es, die Spannung hoch zu halten. Neben Lukas gibt es so einige Verdächtige, ich würde sogar sagen, dass die sich sehr verdächtig machen. Ich hab da einen ganz speziellen Typen in Verdacht, dann wieder schwenke ich wieder um, ich bin mir absolut nicht sicher. Genau so bin ich es gewohnt von der Autorin, sie beherrscht das Katz- und Mausspiel mit ihren Lesern. Die wendungsreiche Story ist ab sofort fesselnd, auch weiß ich lange nichts über die näheren Umstände zu Jasmins lange zurückliegendem Tod. Bei Lukas geht es mir ähnlich, auch zu ihm gibt es so einiges, das bis ziemlich zum Schluss unbekannt bleibt. Irgendwann dann kristallisiert sich einer heraus, es ist nur ein kleines Detail und doch bleibe ich daran hängen. Wars das? Nein, ich verrate nichts. Dieser Psychothriller ist es allemal wert, gelesen zu werden. Spannend bis zum Schluss, man kann das Buch erst dann weglegen, wenn man die letzte Zeile gelesen hat.
    Liars all around me

    Clara Blais
    Liars all around me (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    16.04.2026

    Lügen, nichts als Lügen

    „Am frühen Morgen wurde am Leuchtturm die Leiche einer unserer Schülerinnen gefunden. Den Ermittlungen zufolge handelt es sich um Sheila Parker. “
    Alles beginnt damit, dass die Musterschülerin Avery den ziemlich anrüchigen Ryle bittet, ihr eine Waffe zu besorgen. Was dieser jedoch ablehnt. Und nun ist Sheila tot. Erschossen. Die ersten Anzeichen deuten auf Suizid, jedoch bleiben Zweifel. Schon allein die Tatsache, dass Avery ein paar Tage zuvor eine Waffe will, spricht gegen sie. Sie versucht, Ryle davon zu überzeugen, dass sie mit Sheilas Tod nichts zu tun hat. Eine Woche gibt er ihr Zeit, ihre Unschuld zu beweisen. Mit ihrer besten Freundin Micah sucht sie nach Hinweisen. Sie findet heraus, dass Sheila, genau wie sie auch, Drohbriefe erhalten hat.
    Sowohl Sheilas als auch Averys Umfeld werden durchleuchtet, auch bekomme ich Einblicke in Ryles Familie, die – im Gegensatz zu Sheila und Averys vermögenden Familien – am Existenzminimum ihr Dasein fristet.
    Alle Eventualitäten werden durchgespielt, jeder wird durchleuchtet, was die Story dann doch ziemlich in die Länge zieht. Ein Jugendroman mit kriminalistischen Elementen, dem ich nach dem starken Anfang nicht viel abgewinnen konnte. Weitergelesen habe ich dennoch und – es hat sich gelohnt. Gut, erste zarte Bande gehören schon auch dazu, dann aber sind es auch ernste Themen wie Depressionen und psychische Erkrankungen, einhergehend mit Medikamentenmissbrauch, dazu sehr viele Lügen und Erpressung bis hin zu Stalking und noch so einiges mehr an menschlichen Abgründen. Aber auch von dem genauen Gegenteil lese ich. Von Freundschaft und Geborgenheit, von Vertrauen und vom Verzeihen. Dafür braucht es nicht mehr als Herzenswärme, egal ob reich oder arm.
    Die Story endet mit einem letzten Knall. Ja, Liars all around me. Ein – wenn auch nicht durchgehend – spannender Roman im Jugendmilieu, untermalt mit Songs von Genesis, Lana Del Rey, Hurts, Taylor Swift und noch so einigen mehr. Die vollständige Playlist ist dem Geschehen vorangestellt.
    Bachelorette Party

    Camilla Sten
    Bachelorette Party (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    16.04.2026

    Beklemmend, grausam, rachsüchtig

    Der Prolog führt zurück ins Jahr 2012 und schon diese ersten Seiten haben es in sich. An diesem 12. Mai haben sich die vier Freundinnen Matilda, Anna, Evelina und Linnea verabredet, wie jedes Jahr auf eine kleine Schäreninsel überzusetzen – Isle Blind. Sie gehört Annas Eltern. Bald ist die erste der Freundinnen tot und kurz danach folgt die nächste… Bis heute fehlt jede Spur von ihnen, lediglich das verlassene Boot wurde gefunden.
    Zehn Jahre später dann will Anneliese das Ende ihres Singledaseins mit ihren Freundinnen feiern, dafür hat sie sich Isle Blind ausgesucht. Es gibt hier mittlerweile ein erstklassiges Hotel, das kurz vor der Eröffnung steht. Irene hat die Insel gekauft, sie bietet im Schärengarten ihr Yoga-Retreat, ein rundum Sorglos- und Wohlfühl-Paket, an. Zu Anneliese gesellen sich Mikaela, Theresa, die Tessa genannt wird, Caroline und Natalie. Letztere ist in ihrem Freundeskreis neu, sie kennt noch nicht alle. Neben den sechs Frauen ist lediglich ein Koch anwesend, sie können sich also vollkommen ungestört fühlen. Vier Tage liegen vor ihnen, es werden neben entspannenden auch alkoholgeschwängerte Stunden sein.
    Gespannt folge ich den Frauen, zwischendurch dann lese ich von einer Schuld, die das Innerste Ich dieser Person auszureden versucht. „Nichts davon ist deine Schuld.“ Was es damit auf sich hat, ist bis ziemlich zuletzt nicht greifbar. Eine der Freundinnen musste weg – angeblich. Das Boot, mit dem sie gekommen sind, war fest vertäut – angeblich. Nun schwimmt es weit draußen. Auch im Haus geschieht Mysteriöses, die ganze Umgebung im Haus und auch außerhalb wird immer unheimlicher. Alles spitzt sich zu, man kann kaum atmen, bis dann eine der Frauen tot aufgefunden wird. Was ist hier los? Hat das Ganze mit den Ereignissen von vor zehn Jahren zu tun? Der Prolog lässt darauf schließen, aber dennoch mag sich ein Zusammenhang nicht recht erklären.
    So leicht und locker der Titel daherkommt, umso mehr dreht sich die Story Richtung Albtraum - so fesselnd wie düster, so unterhaltsam wie nervenaufreibend. Spannend, mit nicht vorhersehbaren Wendungen. Trotz ihrer langen Freundschaft sind es ganz unterschiedliche Charaktere. Irene, die Besitzerin des Retreats und der Koch mit eingeschlossen. Zunächst scheint alles eitel Sonnenschein zu sein, es ist beinahe ein wenig langweilig. WLAN – gibt es nicht. Handy, Tablet und dergleichen werden bei Ankunft konfisziert, der Focus liegt darin, im Moment zu leben. Bald jedoch wendet sich das Blatt…
    Camilla Sten hat schon als Kind Geschichten geschrieben, wie sie verrät – vielleicht ein wenig inspiriert von ihrer Mutter Viveca, zu deren Thrillern ich gerne greife. Die Familie besitzt ein Ferienhaus in den Stockholmer Schären und was liegt da näher für Camilla, ihre „Bachelorette Party“ dorthin zu verorten. Gerne bin ich ihr gefolgt, es war mein erstes, aber bestimmt nicht mein letztes Buch aus ihrer Feder. Sie hat mir intensive, schaurig-beklemmende Lesestunden beschert.
    Die Stockholm-Protokolle

    Moa Berglöf
    Die Stockholm-Protokolle (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.04.2026

    Ein tiefer Blick hinein den innersten Kreis der Mächtigen

    „Gefährliche Beziehungen“ ist der Auftaktband der „Stockholm Protokolle“ von einem Autorenduo, das mit geballtem Insiderwissen punktet: Joakim Zander und Moa Berglöf. Zander ist EU-Experte und Moa Berglöf war jahrelang Redenschreiberin des schwedischen Ministerpräsidenten.
    Julia und Alfred leben mit ihren beiden Kindern in Stockholm. Der Politikjournalismus ist Julias Metier und als solche geht sie einer heißen Spur nach, die direkt zu Christian Bratt, dem Ministerpräsidenten Schwedens, führt. Ihr Chefredakteur zieht sie von der Sache ab, zeitgleich wird ihr Lebensgefährte Alfred ins Kanzleramt gebeten, um ihn als Bratts Pressesprecher zu gewinnen. Die Zeit drängt, er sagt zu und erst danach erfährt Julia davon. Für die Personalie Alfred Swärd war vordergründig sein souveräner Auftritt im TV maßgeblich, jedoch ist er in diesem politischen Haifischbecken total unerfahren, Julia dagegen hat den absoluten Überblick. Sie ist zwar kaltgestellt, was sie jedoch nicht daran hindert, still und heimlich weiter zu recherchieren. Alfred dagegen merkt bald, dass er sich Respekt verschaffen muss. Infos werden bewusst manipuliert oder ganz „vergessen“, er wird vielfach ausgebootet.
    Es geht um Macht und Machtmissbrauch und um persönliche Verstrickungen, es geht aber sehr viel tiefer. Die dunkelsten Seiten der Politelite werden aufgezeigt. Es sind gefährliche Beziehungen, ganz klar, auch ist die Kungelei mit den Rechtsaußen-Parteien Thema.
    Was genau unsere beiden Protagonisten Julia und Alfred lostreten, in welch Wespennest sie stochern, wird erschreckend deutlich. Gut, eigentlich ist es Julia, die nicht locker lässt. Sie gräbt immer tiefer, ihr Weg führt sie auch in ein Internat, schon damals kannten sich die Mächtigen von heute. Mehr möchte ich dazu nicht verraten, kann aber jedem politisch Interessierten zu diesem Buch raten und auch jene, die einen spannenden Thriller suchen, werden nicht enttäuscht sein.
    Trotzdem wir mittendrin im Machtgefüge der Politik sind, ist die Story auch für Nicht-Politiker verständlich geschrieben. Ein Personenverzeichnis wäre optimal gewesen, zumal es viele Personen sind, die in Rosenbad, dem Sitz der schwedischen Regierung, arbeiten und so etliche davon gleich anfangs auftreten. Hier kommt man mit den vielen schwedischen Namen und den Posten, welche die einzelnen Personen bekleiden, ganz schön ins Schleudern und so war es für mich unabdingbar, mir dieses Verzeichnis selber zu erstellen. Ansonsten gibt es über diesen sehr lesenswerten Thriller nichts zu beanstanden.
    „Macht, Intrigen und Verrat“ gibt es nicht nur in der Politik, wir wissen es.
    Ich möchte zurückgehen in der Zeit

    Judith Hermann
    Ich möchte zurückgehen in der Zeit (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    30.03.2026

    Eine Spurensuche

    Auf die Frage, was den Anlass gab, dieses Buch zu schreiben, war Judith Hermanns Antwort, dass sie sich mit der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auseinandersetzen wolle. Viel weiß sie nicht, da in der Familie über ihn und sein Leben eher geschwiegen denn gesprochen wurde. Dass er Mitglied der Gestapo und während des Zweiten Weltkriegs im polnischen Radom stationiert war, ist ihr bekannt, also begibt sie sich auf dessen Spuren, fährt in diese polnische Stadt, quartiert sich dort ein.
    „In Zwischen- und Untertönen spürt Judith Hermann das Verdrängte, die Leerstellen unserer Gesellschaft auf.“
    Aber - wie sollte das gelingen? Ein schier unmögliches Unterfangen, über einen zu schreiben, dem man selber nie begegnet ist. Von der verräterischen Tätowierung auf seinem linken Arm etwa weiß ihre Mutter zu berichten. Es sind spärliche Infos, die lediglich erkennen lassen, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Judith aber will mehr, in Radom liest sie Mitscherlich, liest von der wechselvollen Geschichte dieser Stadt und ja, sie findet ein Foto ihres Großvaters, der auf einem Motorrad der SS sitzt. Und sie lässt wissen, dass sie ihn in keinster Weise lieb hat, ihn eher feindselig bei sich trägt.
    Irgendwann dann reist sie weiter über Krakau und Wien zu ihrer Schwester nach Napoli. Diese Tage muten direkt sonnendurchflutet an, fern der Schwere Radoms.
    Es ist ein leises Buch, eine Geschichte über das Schweigen einer Familie. Eine Familie, wie es sie unendlich viele gibt. Sollte man dem Vergangenen nachspüren? Um damit abschließen zu können? Dabei sollte man bedenken, dass Leerstellen bleiben, anderes wäre gar nicht möglich.
    Es ist Judith Hermanns Buch, sehr persönlich, vielleicht zu persönlich. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen – aber was hab ich mitgenommen? Diese Frage drängt sich mir unweigerlich auf, zumal ich über den Zweiten Weltkrieg, über die Nationalsozialisten, über die Täter und auch über die Mitläufer und über sie alle, die irgendwie dazwischen waren, viel gelesen habe und noch immer sehr viel darüber wissen möchte. Es ist ein nicht alltäglicher Blickwinkel auf eine Zeit, die nie vergessen werden darf, eine fast private Spurensuche.
    Doppelspiel

    Arne Dahl
    Doppelspiel (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.03.2026

    Zwischen Fiktion und Realität

    Die Spieleröffnung hat es gleich mal in sich. Nic Castillo befindet sich inmitten der Trauergäste. Schuldgefühle plagen ihn, da er den Visbybomber, der vor drei Wochen ein Massaker angerichtet hat, nicht hatte aufhalten können. Schlimm geht es weiter, ein Pfarrer tritt auf und da - Big Bang Blues ist im Kasten.

    Meine Nerven! Dieses Szenario geht ganz schön an die Nieren. Bis ich dann begreife, was diese ersten Seiten mir sagen wollen, bin ich schon mittendrin im Geschehen, bin in Stockholm am 6. Juni, den Nationalfeiertag, bin unterwegs mit dem Krimiautor Tom Borg, dem trotz des einschlagenden Erfolges seines vorherigen Krimis partout nichts einfallen mag. Die Story will sich nach dem ersten Kapitel nicht weiter entwickeln, also streift er durch Stockholm, sucht in diversen Lokalitäten nach Inspiration. Und da – geschieht ein Mord, der ihn auf beängstigende Weise an seinen gerade angefangenen Krimi erinnert. Mehr noch, alles scheint sich zu verselbständigen, er ist mittendrin in einem tödlichen Spiel, dem er zu entrinnen sucht. Ein Wettlauf gegen einen unbekannten Gegner beginnt, ein gar unwirkliches Szenario nimmt seinen Lauf…

    …in dem Tom als Verdächtiger durch Stockholms Straßen gejagt wird. Da er seine Unschuld nicht beweisen kann, ist er die ganze Zeit über auf der Flucht, was mir zuweilen so einiges an Kopfschütteln abverlangt. Die Handlung ist rasant und durchgehend spannend, das schon, logisch jedoch ist sie nicht unbedingt. Genau so die Charaktere, angefangen von dem schon erwähnten Tom, der zuweilen irrwitzige Entscheidungen trifft oder die Polizistin Olivia, der ich in ihrer rambomäßigen Art so gar nichts abgewinnen kann. Die geheimnisvolle Ronda und auch der gewitzte Lennart mischen neben so etlichen, sehr individuellen Gestalten, auch kräftig mit, so ziemlich alle Figuren sind sehr speziell, um es mal zurückhaltend auszudrücken.

    Die Handlung beginnt mit „I. Spieleröffnung“ und endet ein Jahr später, ebenfalls am Nationalfeiertag, mit „X. Die Veröffentlichung“. Dazwischen spielt sich ein gar irrwitziges Szenario um die Schreibblockade des Krimiautors ab.

    DOPPELSPIEL ist nicht mein erstes Buch von Arne Dahl, jedoch habe ich ihn und seinen Schreibstil anders in Erinnerung. Mag es am Zusammenspiel mit Jonas Moström liegen, dass hier so einiges nicht passen will? Moström kann ich nicht beurteilen, auch weiß ich um die Arbeitsteilung der beiden Autoren nichts, so ganz gelungen scheint es aber nicht zu sein, da sich so manche Passagen wie einzelne Versatzstücke lesen, die sich nicht vermengen wollen. Der Klimawandel etwa ist Thema, der sich allerdings so gar nicht ins Geschehen einfügen mag. Das Schachspiel und die Tattoos drumherum ranken sich durchs Buch, auch dieses Element finde ich weit hergeholt, das hätte man sehr viel eleganter in die Story einbauen können. So einige – ich nenn sie mal Flüchtigkeitsfehler – hätten vermieden werden können, wenn auf das Vorherige besser eingegangen, darauf aufgebaut und als homogenes Ganzes präsentiert worden wäre. Schade drum, das Buch hat mich schon unterhalten, durch diese Unstimmigkeiten jedoch geht so einiges verloren. „DOPPELSPIEL ist Band 1 der neuen Spannungs-Trilogie des Bestseller-Duos aus Schweden.“ Ob mich die nächsten beiden Bände reizen? Ich weiß es noch nicht, werde dann spontan entscheiden.
    Wo der Wind die Namen trägt

    Anja Jonuleit
    Wo der Wind die Namen trägt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.03.2026

    Vom Schweigen und Vertuschen, von Gräueltaten und alten Seilschaften

    Gerne greife ich zu Anja Jonuleits Büchern, jedes einzelne kann ich wärmsten empfehlen. Wobei ich sie nicht alle gelesen habe. Noch nicht. Gerade habe ich ihren neuesten Roman „Wo der Wind die Namen trägt“ zugeklappt, er erzählt in zwei Zeitebenen von Inge. Von der 8jährigen, dem Kind Inge und von der 85jährigen Inge Sundermann. Es ist das Jahr 1946, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und dann ist es das Jahr 2023, als sie eine Einladung zum Klassentreffen erhält.

    Sie zögert, will an diese Zeit in der Lüneburger Heide nicht erinnert werden und nun, da ich den Roman gelesen habe, kann ich sie gut verstehen. Die Idylle dieser Landschaft ist schon auch beschrieben, man möchte sich direkt aufmachen, um durch die Heide zu streifen, all die Gerüche in sich aufnehmen und so manch verwunschenen Ort näher betrachten. Da ist aber auch das Andere, die unrühmliche Vergangenheit, die hier beschriebenen Nazi-Seilschaften, die auch im Nachkriegs-Deutschland allgegenwärtig sind.

    Die achtjährige Inge ist mit ihrer Mutter, einer Celler Kinderärztin, in diese Gegend gezogen. Auch hier ist die Ärztin angesehen, sie wird gar als Heldin verehrt, hat sie doch viele Kinder aus dem brennenden Krankenhaus in Celle gerettet. Inges Erinnerungen sind die ihrer Kindheit. Nicht alles konnte sie verstehen, erst im Nachhinein musste sie mit Erschrecken feststellen, dass ihr damaliges Bild, ihre geliebte Heimat und die Menschen darin, ein verklärtes Bild war. Die kleine Inge trifft auf den Geigenmann, wie sie ihn nennt und zu ihrer großen Freude unterrichtet er sie im Geigenspiel. Der Weg zu ihm führt durch einen Wald, den sie zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegt. Eines Tages dann beobachtet sie ein Verbrechen…

    Und da ist Helga, die den Auftrag für eine Chronik der Kreisbauernschaft erhält und dafür viel mit den Menschen hier redet. Es sind viele Tagebücher zusammengekommen, die Inge Jahrzehnte später liest und spätestens da wird ihr idyllisches Bild irreversibel zurechtgerückt. Es sind schmerzhafte Wahrheiten, von denen viele hier wussten und geschwiegen haben.

    Der Roman entspricht in weiten Teilen der Wirklichkeit, untermalt von fiktiven Elementen. Es ist ein historisch belegtes Zeitdokument, das von Euthanasie an behinderten Kindern berichtet. Von einem Kriegsverbrecher, einem SS-Mann an vorderster Front, der sich unter falschem Namen jahrelang in dieser Gegend versteckt hat. Wohlgemerkt mit Hilfe der hier Ansässigen, die vieles verdrängt, sehr vieles vertuscht haben. Es waren Mitläufer, vielfach aber waren es Täter, die sich auch später dann die gut dotierten Posten zugeschachert haben. Und ja, man weiß um das Vergangene, um die Gräueltaten während des Nazi-Regimes, die nie in Vergessenheit geraten dürfen. Und doch bleibt vieles im Verborgenen.

    Anja Jonuleit hat einen aufwühlenden Roman vorgelegt, der in großen Teilen von der Vergangenheit erzählt - aus Sicht der jungen Inge und aus Sicht von Helga, der Chronistin. Sämtliche Personen, denn es sind doch so einige mehr als die oben genannten, sind aufs Beste charakterisiert, die einzelnen Erzählstränge durch die verschiedenen Schriftarten gut auseinanderzuhalten und auch ist es der am Ende näher beschriebene historische Hintergrund sowie die letzten Anmerkungen der Autorin, die diesen Roman abrunden. Ein Buch, das betroffen macht. Eine Geschichte – ein Teil unserer Geschichte - die gelesen werden will, die ich allen geschichtlich Interessierten gerne empfehle.
    39 Grad Mord

    Jenny Lund Madsen
    39 Grad Mord (Buch)

    2 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    20.03.2026

    Leicht, seicht, vorhersehbar

    Hannah Krause-Bendix, ihres Zeichens Schriftstellerin, hat eine Schreibblockade. Ihr erster Krimi war ein durchschlagender Erfolg, für den nächsten dieser Art hat sie den Vorschuss kassiert, ihn auch schon ausgegeben, aber ihr will nichts einfallen. Trotzdem sitzt ihr der Abgabetermin im Nacken. Was tun? Ihr Lektor hat einen Plan, dem sie sich zunächst widersetzt, ihn aber doch annimmt. Es hätte weniger luxuriös kommen können, denn er schickt sie nach Sizilien, direkt hinein in einen Traum von Haus. Dass diese Villa ihrem erfolgreichen Krimi-Kollegen gehört, weiß sie zunächst nicht. Denn ob sie dann hierher gefahren wäre, ist äußerst fraglich, kann sie doch diesen Typen so gar nicht leiden.
    Dass Autoren zuweilen an einer Schreibblockade leiden, scheint momentan eine gängige Einstiegsmethode in einen Krimi zu sein. Nun gut, Hannah ist noch sehr viel mehr als nur die verhinderte Schreiberin eines schnöden Krimis, sie sieht sich vielmehr als diejenige, die nichts weniger als hochwertige Literatur verfasst. Sie leidet an Selbstüberschätzung, würde ich sagen, denn reihenweise Liebesromane sind eher seichte Kost. Sei´s drum. Sie ist auf Sizilien und kaum angekommen, sucht sie sich ein Lokal, schließlich muss sie etwas zu sich nehmen. Und ja, sie isst schon irgendwas, aber hauptsächlich ernährt sie sich nass. Sprich: sie ist dem Alkohol sehr zugetan. Und wie es der Zufall so will, findet sie in ihrem benebelten Zustand, zudem ist es dunkel geworden, nicht mehr in die Villa, also ruft sie ein Ehepaar, das sie in besagtem Lokal kennengelernt hat, an. Er holt sie ab, seine Frau Gemahlin hat gekocht, sie bechern munter weiter, also schläft sie hier. Am nächsten Tag findet sie irgendwie zu sich und, was noch beängstigender ist, sie findet die Frau des Hauses, Greta, mausetot am Küchenboden liegen.
    Was ich hier etwas flapsig wiedergegeben habe, ist mein erstes und eigentlich durchgängiges Empfinden über diese Story. Die Hauptakteurin Hannah trinkt, um es mal geschönt auszudrücken. Sie ist von sich absolut überzeugt, andere sind in ihren Augen absolute Looser. Der Tod von Greta wird der örtlichen Polizei angezeigt, diese jedoch ist unfähig und selbstredend ermittelt Hannah heimlich. Und klar, nur sie hat den absoluten Spürsinn. Ihre Geliebte kommt ins Spiel, sie ist verheiratet, hat zwei kleine Kinder und genau deswegen kann und will sie ihr Leben nicht aufgeben. Hannah jedoch verlangt von ihr, zigtausend Kilometer zu ihr zu ziehen, sie jedoch denkt nicht im Traum daran, ihr Singledasein aufzugeben. So geht es munter weiter, sie nennt eine junge Polizistin „Kinderpolizistin“, da sie im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen eben kleiner und zarter ist. Die ganze Story ist krampfhaft bemüht, originell zu sein. Dabei wird die Figur Hannah in ihrer Respektlosigkeit als Heldin gesehen. Sie agiert dummdreist und frech, lügt, was das Zeug hält. Dem kann ich absolut nichts abgewinnen und auch wenn sich das Buch ganz flott liest, so dreht sich die Story um die Daueralkoholbenebelte Hannah. Neben der Kinderpolizistin kommen noch so einige verunglückte Wortungetüme vor, die nicht mal im Ansatz witzig sind.
    „39 Grad Mord“ ist sehr leichte, seichte Kost, die man lesen kann, es aber nicht zwangsläufig muss. Wer sich an aneinandergereihten Klischees und an einer vorhersehbaren Story nicht stört, wird diesen Kriminalroman durchaus etwas abgewinnen können.
    Ultramarin

    Ann-Christin Kumm
    Ultramarin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.03.2026

    Charismatisch, manipulativ, toxisch

    „Das Wasser tief unter uns, ein dunkles Blau, ultramarin. Vielleicht war das schon zu viel gewesen für meine Nerven.“
    Es gibt sie, diese charismatischen Menschen, die dich festhalten, dich mit allen Sinnen verführen, die dich innehalten lassen und dich von ihnen abhängig machen. Ann-Christin Kumm hat sich in ihrem Debüt ihrer angenommen, sie erzählt von ihrem manipulativen Spiel, von dem man hinterher weiß. Es eigentlich schon vorher weiß, es aber nicht wahrhaben will.
    Alles beginnt mit einer Leichtigkeit, zumindest fast. Lou und Raf und Nora sind unterwegs zu dem alten Ferienhaus in Dänemark, das Rafs Familie gehört. Eigentlich sollte Sophie dabei sein, seine Schwester. Sie aber ist verhindert, deshalb schickt sie Nora mit. Sie freuen sich über unbeschwerte Tage, die vor ihnen liegen. Lou ist derjenige, der dafür sorgt, dass sie nicht hungern müssen. Und auch ansonsten ist er es, der sich kümmert.
    Aus Lous Sicht wird dieses Spiel um Macht und Begehren sichtbar. Sein Blick geht zwischendurch zurück auf gemeinsam Erlebtes, auch auf Jakob, mit dem ihn viel an Intimität verband, kommt darin vor. Und immer wieder ist es Raf, der sie alle mitzieht, der sein Spiel perfekt auf seine ureigene, sehr manipulative Weise beherrscht.
    Ann-Christin Kumm präsentiert ihre absolut authentisch beschriebenen Akteure in dieser sommerlichen Atmosphäre. Sie leben in den Tag hinein, genießen ihr Dasein, alles flirrt. Sie probieren sich aus, testen Grenzen aus, gehen weit darüber hinweg. Dieses Spiel um Erotik, Macht und Begehren ist hoch toxisch, die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen werden deutlich sichtbar, auch wenn man am liebsten die Augen davor verschließen möchte.
    Die Autorin versteht es, ihre Leser direkt mit hineinzuziehen in dieses Machtgefüge. Zunächst war ich ob der Zeitsprünge etwas verwirrt, ihr ganz eigener Schreibstil war mit bald vertraut, sie hat mich in ihr meisterhaft konstruiertes Spiel hinein gesaugt und mich erst wieder losgelassen, als es vorbei war. Erst da wusste ich um die ganze Dramatik. Sie hat in mir eine Gefühlspalette entfacht, die nie ganz positiv war, die jedoch immer gehofft hat. Das Ende kommt abrupt, ist aber trotz der Düsternis in sich stimmig. „Ultramarin“ ist ein Buch, das ich nicht missen möchte, das mich noch lange gedanklich beschäftigen wird.
    Der Fährmann

    Regina Denk
    Der Fährmann (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.03.2026

    Absolut lesenswert!

    „Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Krieg zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“ Erich Maria Remarque.
    Hannes ist sechs Jahre alt, als wir ihm das erste Mal begegnen. Wir schreiben das Jahr 1894, es ist November, draußen ist es stockfinster und eiskalt. Grad haben sie Hannes aus dem Wasser gefischt und trotzdem die Mutter ihm sofort die nassen Sachen ausgezogen und ihn warm eingepackt hat, kriecht die Kälte durch ihn durch. Schwimmen soll er dringend lernen, meint sein Onkel Georg Winkler, der als Fährmann auf der Salzach die österreichische und die deutsche Seite miteinander verbindet.
    „Ich verbiete es euch, der Hannes wird kein Fährmann werden. Suchts euch einen anderen Hochzeiter für eure Salzachbraut“ schimpft die Mutter. Sie aber kommt dagegen nicht an, als jüngstem von vier Söhnen bleibt Hannes nicht recht viel anderes übrig, den Hof wird er nie übernehmen können. Und so kommt es auch, Hannes Winkler ist der Fährmann, der seiner Lebtag lang ledig bleiben muss, so ist es und so war es immer schon.
    Hannes, Elisabeth und Annemarie waren als Kinder unzertrennlich und nun, kaum der Kindheit entwachsen, wird Elisabeth den jungen Steiner heiraten, die Eltern haben es so beschlossen. Der Hoferbe Josef Steiner kann nur eine heiraten, die etwas mitbringt – Sach kommt zu Sach. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich zu fügen, auch wenn sich alles in ihr nach Hannes sehnt. Die Eltern bestimmen sogar, dass Elisabeths beste Freundin Annemarie als Wirtstochter zu wenig her macht, um bei der Hochzeit ihre Kranzljungfrau zu sein. Die Ehe ist für Elisabeth kein Zuckerschlecken und wo die Liebe fehlt, ziehen Gewalt und Missbrauch ein und damit auch Hass und Härte. Und wäre es damit nicht schon genug, beginnt der Erste Weltkrieg. Die Männer müssen fort, nicht jeder kommt wieder heim und wenn doch, dann ist er ein anderer.
    Den Fährmann und die Geschichte drumherum begleiten wir von 1894 an, als sie noch unbeschwert Kinder sein durften, bis zum Kriegsjahr 1915. Viel ist geschehen, auch schon vor dem Krieg. Als Bäuerin auf dem Steiner-Hof hat Elisabeth nicht viel zu melden, der alte Steiner führt nach wie vor das Regiment und Josef, der Jungbauer, steht in seinem Wesen dem Alten in nichts nach. Er nimmt sich, was und wen er will und wird grob, wenn eine aufmuckt.
    Die kurzen Kapitel mit Zeitangabe wechseln von Elisabeth zu Hannes zu Annemarie und auch zu Josef. War es schon vor dem Krieg kaum auszuhalten, so wird es später dann richtig schlimm. Dabei ist es Hannes, der die beiden jungen Frauen immer wieder auffängt, er ist ihr Ruhepol und auch wenn er selber oft darunter leidet, lässt er sich nichts anmerken.
    Die Geschichte hat trotz des unerbittlichen Schicksals eines jeden einzelnen eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann und wenn man meint, alles ist kaum auszuhalten, kommt es noch ein Stück weit schlimmer. Die Rolle der Frauen, der verheirateten und der ledigen und jenen, die als Hexe abgestempelt sind, wird deutlich sichtbar und auch die des Mannes. Das Patriarchat und die Unterordnung der Frauen war gang und gäbe, keiner hat diese Rangordnung je infrage gestellt und wenn doch, hat er (hat sie) dies am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Es ist eine schmerzhafte Geschichte, die Regina Denk erzählt. Die nichts beschönigt, die voller Gewalt und Wutausbrüchen ist, aber auch die liebevollen Momente sind da, wenn auch rat gesät. Es ist ein wunderbares Buch, eine eindringlich erzählte Geschichte, aufwühlend und atmosphärisch. Ein historischer Roman, der gelesen werden will. Unbedingt.
    Die Reise ans Ende der Geschichte

    Kristof Magnusson
    Die Reise ans Ende der Geschichte (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.03.2026

    Ein Spionageroman, der schmunzeln lässt

    Kristof Magnusson hat mit seiner „…Reise ans Ende der Geschichte“ einen Spionageroman vorgelegt, der trotz der Vorkommnisse zuweilen schmunzeln lässt.
    Schon der Prolog wirft mich geradewegs hinein in das Agentenmilieu. Ein vergifteter Cocktail ist es, der zunächst dieses Klischee bedient, da eine unbekannte, eine faszinierende Welt sich mir genau so darbietet, wie ich sie mir vorstelle. Jakob Dreiser, ein international gefeierter Dichter und Dieter Germeshausen, seines Zeichens Doppelagent, haben hier ihren ersten Auftritt. Mit dabei sind noch so etliche geheimnisvolle Personen und Persönlichkeiten, unter anderem Francesca Aquatone, die sich mir als Italienischlehrerin präsentiert.
    Wir sind dann in Rom im Garten der Botschaft der Russischen Föderation. Hier sind sie dabei, „das Ende vom Ende der Welt“ zu feiern. Dass sie hiermit entschieden zu früh dran sind bzw. dass es diesen Weltfrieden so nicht geben wird, ist mittlerweile eine nicht zu leugnende Tatsache. Noch aber sind wir in den 1990er Jahren und wie es den Anschein hat, will Germeshausen den Dichter anwerben, um aus ihm, Jakob Dreiser, einen Spion zu machen.
    Für die beiden geht es direkt nach Kasachstan, in die Vereinten Hubschrauberbetriebe Sergei Danilowitsch Luganski in Almaty, weiter soll es dann gen Kolumbien gehen, auch fliegen sie nach Sankt Petersburg, um so einige Stationen ihrer abenteuerlichen Reise zu benennen. Und selbstredend sind sie so manch Gefahr ausgesetzt. Wobei mir der junge Jakob Dreiser schon etwas naiv und unbedarft vorkommt, er scheut vor nichts und niemanden zurück. Im Gegenteil, er ist ein Draufgänger, ein Machertyp, der nicht einen Hubschrauber kauft, wie von Germeshausen anvisiert, nein. Sechs Stück sind es, die er mal so nebenbei ordert.
    Der Roman hat einen durchaus ernsten Hintergrund, dem der Autor mit einer gehörigen Prise Humor seine Schwere nimmt, trotzdem weiß man um seine Botschaft. Es ist die Zeit, als der Kalte Krieg vorbei schien, es herrscht Aufbruchstimmung. Die Geschichte lebt von der Lust am Abenteuer, so mach Situation ist mit einem Augenzwinkern zu betrachten, zuweilen wird es herrlich skurril, gelegentlich ist manch Szenerie überzeichnet wie auch einzelne Figuren und deren Handlungsweise.
    Ein Abenteuerroman, der zum Denken anregt. Beim Lesen hatte ich die heutigen Krisenherde vor Augen und auch wenn damals der Eiserne Vorhang mit der Fall der Mauer weg war, so ist er mittlerweile höher und undurchdringlicher denn je. Eine Wirklichkeit, an der man nicht vorbeikommt und doch ist „Die Reise ans Ende der Geschichte“ mit einer Leichtigkeit ausgestattet, die gut unterhält, die ich gerne gelesen habe.
    Der Gesang der See

    Trude Teige
    Der Gesang der See (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.03.2026

    Trude Teiges erster Roman um eine starke Frau

    Trude Teige ist als Tochter eines Fischers auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste aufgewachsen, lässt die Autorin gleich mal wissen. Über ihre Ururgroßmutter Gertrud wollte sie ein Sachbuch schreiben, bis ihr ihre Romanfigur Kristiane begegnet ist - eine taffe Frau, die sich in der Männergesellschaft behaupten musste, denn es ging um nichts weniger als den Lotsenposten, der in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde, es musste aber ein Mann sein, Frauen waren dafür nicht vorgesehen.
    Kristiane war immer ein Papa-Mädchen, sie wollte aufs Meer, gemeinsam mit ihrem Vater. Er hatte sie rudern und segeln gelehrt, er hatte ihr beigebracht, wie man anhand der Landmarken navigiert. Auch bei den Lotsenfahrten hatte sie ihn begleitet, er hat ihr die Fischgründe gezeigt, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Als sie älter war, konnte sie auch schwere Männerarbeit auf dem Schiff verrichten. Wäre sie ein Mann, könnte sie auf jedem Boot anheuern, hat er nicht ohne Stolz verkündet. So aber waren die Begehrlichkeiten der anderen nach der familieneigenen Lotsennummer groß, als Vater starb. Kristiane heiratet ihre große Liebe, das Lotsenmandat bleibt am Hof. Als ihr Mann bei einem Sturm ums Leben kommt, wird ihr nicht lange Zeit für eine Wiederverheiratung gegeben, ansonsten wird ihr das Mandat entzogen.
    Trude Teiges Bücher kenne und schätze ich sehr, jedes einzelne hat mich tief bewegt. „Der Gesang der See“ ist ihr erstes Buch, das 2002 in Norwegen erschienen ist und jetzt, im Jahre 2026, von Günther Frauenlob ins Deutsche übersetzt wurde. Trude Teige schreibt über Frauen, die trotz aller Widrigkeiten ihr Leben meistern. Starke Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen. Es ist die Zeit, in der die traditionellen Geschlechterrollen gelten, eine Frau hatte sich um Kind und Hof zu kümmern, das Sagen hatten jedoch die Männer. Auf rauer See hatte eine Frau nichts verloren, Kristiane aber hat ihnen die Stirn geboten, die Lorbeeren jedoch sollte sie nicht ernten - was ihr so gar nicht zusagte. Dunkle, sorgenvolle Zeiten waren es voller Schmerz und doch gab es auch helle Momente voller Leidenschaft und Freude. Dem Balanceakt zwischen Familie und der knallharten Realität auf See hat sie sich gestellt. Kristianes Geschichte geht unter die Haut, eine Geschichte über eine patriarchale Gesellschaft, eine Geschichte, auch über Liebe und Verrat.
    Die nächste Generation steht schon parat, Kristianes Sohn Anders soll die Familientradition fortführen. Aber will er das? „Hinaus in den Wind“ erscheint im August 2026, ich werde auch seinen Weg gespannt verfolgen.
    Der Schrein der Könige

    Sabine Weiß
    Der Schrein der Könige (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.03.2026

    Spannender Einblick in die Erschaffungsgeschichte des Dreikönigenschreins

    Sabine Weiss nimmt ihre Leser in ihrem neuesten historischen Roman „Der Schrein der Könige“ mit nach Köln ins ausgehende 12. Jahrhundert. Zunächst jedoch sind wir in Mailand, als Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der Heiligen Drei Könige an sich bringt, um diese dann nach Köln zu schaffen. Und hier ist es der Goldschmied Nicolaus von Verdun, der den Auftrag für den Dreikönigenschrein erhält.
    Die Autorin versteht es, historisch Verbürgtes mit fiktiven Elementen anzureichern. Das Historische schwingt in ihrer Geschichte um Nicolaus von Verdun immer mit, wobei wir viel von der Goldschmiedekunst an sich erfahren. Auch sind es die Anfänge der Zunft der Goldschmiede, die sich in jener Zeit in Bruderschaften zusammenfinden. Der Lothringer Goldschmied und Emailmaler Nicolaus hatte dabei einen schweren Stand, galt er doch als Zugezogener und einer, der den Kölnern die Arbeit wegnimmt. Ihm werden neben dem Dreikönigenschrein etliche andere Werke zugeordnet wie etwa dem Marienschrein in Tournai (Belgien), der hier auch Erwähnung findet.
    Die Goldschmiedekunst an sich mit all den edlen Materialien wie Gold, Silber, Edelsteine und mehr und die Erschaffung der filigranen, sehr lebendigen Figuren wird anschaulich beschrieben, daneben ist es die historische Figur Nicolaus und seine fiktive Familie mitsamt mehr oder weniger Gleichgesinnten, denen ich gespannt folge. Mit seiner früh verstorbenen Frau hatte er fünf Kinder, zwei davon sind ebenfalls schon gegangen. Mit Louis, Anne und Bastien zieht er des Auftrags wegen nach Köln, auch spielt sein Bruder Charles eine ziemlich finstere Rolle. Wir verfolgen den Weg von jedem einzelnen Mitglied der Familie, jeder hat auf seine ureigene Weise mit sich und so manch Unwägbarkeiten zu kämpfen. Wobei Louis eher dem leichtlebigen Charles gleicht, sich gerne mit halbseidenen Gestalten einlässt, Bastien dagegen hat schon in ganz jungen Jahren gesundheitliche Probleme und Anne ist es, die die Familie zusammenhält. Auch weiß sie viel über Kräuter und deren Heilwirkung, sie hat auch ein großes Herz für die Abgehängten, für diejenigen, die am Rande der Stadtgemeinschaft ihr kärgliches Dasein fristen. Durch diese fiktive Geschichte erfahren wir viel über das Leben anno dazumal, es ist ein kurzweiliger Einblick in die gesellschaftlichen Schichten und selbstredend dürfen die realen Begebenheiten und die damals lebenden Persönlichkeiten hier nicht fehlen.
    Der historische Bezug ist stets gegeben, angefangen von Kaiser Friedrich I., als Barbarossa wohlbekannt, auf dessen Anweisung Rainald von Dassel, der auch Erzkanzler von Italien war und besagte Gebeine nach Köln holt über Nicolaus und seinem Entschluss, dem Kölner Domkapitel einen Entwurf für den Schrein zu präsentieren und seiner (fiktiv dargestellten) Reise nach Köln, bei dem er sich dem Tross eines Gewürzhändlers anschließt bis hin zur Ankunft und den anfänglichen Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden und später dann seine Werkstatt einzurichten. Der Thronstreit nach dem Tod Heinrich IV. zwischen dem Staufer Philipp von Schwaben und dem Welfen Otto von Braunschweig mitsamt der Rolle, die Papst Innozenz III. dabei inne hat, ist ausreichend thematisiert. Wir begegnen noch so einigen historischen Persönlichkeiten, auch werden die Kinderkreuzzüge erwähnt bis hin zu Franz von Assisi, der hier aber eher als Randfigur fungiert. Dies ist lediglich ein kurzer Abriss dessen, was Sabine Weiss sehr eindrucksvoll in ihrem „Schrein der Könige“ beschreibt.
    Das gut gegliederte Personenverzeichnis mit den historisch gekennzeichneten Figuren ist der perfekte Einstieg ins Buch, abgerundet durch das Glossar und die historischen Anmerkungen zum Schluss bildet der gut recherchierte Roman ein lesenswertes Gesamtbild um den goldenen Schrein, der auch heute noch in all seiner Pracht im Kölner Dom besichtigt werden kann.
    Alt genug

    Ildikó von Kürthy
    Alt genug (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.03.2026

    Nicht mehr jung, aber auch noch nicht alt

    Irgendwann in letzter Zeit bin ich auf Ildikó von Kürthys Recherchen aufmerksam geworden, die sie auf Instagram mit ihren Leserinnen geteilt hat. Ihre geplante Bewerbung bei GNTM war Thema, auch ihr New York-Trip und noch so einiges mehr. Schon da war für mich klar, dass ich davon lesen möchte. Gelesen habe ich „Alt genug“, wie sie ihr neuestes Buch nennt, dann doch nicht, aber – ich habe es mir von ihr vorlesen lassen, was eine gute Entscheidung war.
    Sehr offen lässt sie ihre Leser (ihre Hörer) daran teilhaben, wie sie nun, da sie alt genug für bequeme Unterwäsche ist, mit dem Alter umgeht. Dabei ist sie mit ihren nunmehr 58 Jahren nicht alt, wie ich finde. Sie ist im besten Alter, um ihr Leben mit allen Sinnen zu genießen, was auch heißt, dass sie nicht mehr alles braucht, nicht mehr alles mitmachen muss. Nicht unbeschadet, sogar ziemlich angeschlagen, hat sie die Lebensmitte überschritten, wie sie berichtet. Hat geliebte Menschen gehen lassen müssen, ist voller neuer Erkenntnisse, ist zuweilen gescheitert, hat gekämpft und nicht immer gesiegt. Und ist doch voller Zuversicht, hat endlich Mut zur Unvollkommenheit.
    Selbstironisch erzählt sie etwa davon, wie sie daran scheitert, einen Tunnel zu durchfahren, auch sind Fahrstühle nicht unbedingt ihr bevorzugtes Transportmittel nach oben. Sie versteht es, all diese Anekdoten kurzweilig wiederzugeben, in diesen Szenen sprüht sie geradezu vor Witz und Charme, man hört ihr gerne zu.
    Dies und noch so viel mehr erzählt sie in ihrem Buch „Alt genug“, das kein Roman ist. Ein Memoir, sehr ehrlich, sehr selbstreflektiert, sehr persönlich. Sie greift all die alltäglichen Themen auf, geht darüber hinaus und über ihre Grenzen, sie traut sich mehr zu. Ein kurzweiliges Hörvergnügen, sympathisch vorgetragen.
    Giftiger Grund

    Thomas Knüwer
    Giftiger Grund (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.03.2026

    Beste Krimi-Unterhaltung

    Frisch aus dem Knast entlassen sitzt er nun hier, in der Wohnung seines Vaters, auch Georg Kutowski, der Mann, der ihm damals ins Messer gelaufen ist, wartet auf ihn, denn das Schmerzensgeld, das er ihm seitdem regelmäßig zahlt, sollte auch jetzt weiterlaufen.
    Zu dritt waren sie damals, Jorans Kumpel Aras und Marvin haben ihre Jahre für schweren Raub schon länger abgesessen und nun ist auch er draußen. Vor sieben Jahren haben sie die Tankstelle überfallen, die Beute konnten sie gerade noch rechtzeitig im Kanalschacht verstecken und nun sucht Joran danach. Was er aber findet, ist die Leiche seines Freundes Aras.
    Die Tankstelle ist schon lange verlassen. Ein Lost Place, der Charu wie magisch anzieht. Sie betreibt ihren Internetkanal, ihr Markenzeichen ist eine Glitzerkatze. Ihr Equipment ist in der ehemaligen Waschstraße platziert, als sie Joran bemerkt. Außerdem ist da noch ein kleines Mädchen im Schlafanzug. Edda.
    Die Tankstelle und deren verseuchter, giftiger Grund ist es, der diesem vielschichtigen, psychologischen Thriller seinen Namen gibt. Der morbide Charme der verfallenden Immobilie zeigt die Hoffnungslosigkeit, die auch jeder der drei Hauptakteure ausstrahlt: Jaron und seine Suche nach Halt und Arbeit, dazu der Fund der Leiche. Charu, die mit ihrer Schwester und deren Typen ständigen Trouble hat und Edda, die im Schlafanzug und Gummistiefel Nacht für Nacht hier auftaucht.
    Rund um diesen Lost Place entwickelt sich eine Geschichte um (Über)Leben und Tod. Je mehr von den Protagonisten bekannt wird, desto undurchsichtiger und trostloser gestaltet sich gefühlt deren Dasein und auch wenn jeder von ihnen einen Rückzugsort hat, ist es dennoch für keinen ein Zuhause. Die Perspektiven wechseln von Joran zu Charu zu Edda, wobei Edda es ist, deren Hintergrund lange geheimnisumwoben bleibt, um dann doch deren Fassade Stück für Stück zum Einsturz zu bringen.
    Alle drei sind sie verlorene Seelen, von der Welt im Stich gelassen. Vor allem Joran ist es, der es mit seiner kriminellen Vergangenheit schwer hat, Fuß zu fassen. Wird er wieder zum Täter, gleitet er erneut ab? Und was ist mit Charu, der nicht mal ihre eigene Schwester glaubt? Was hat das Leben den sowieso schon Abgehängten zu bieten? Mit Vorurteilen ist man schnell zur Hand, besonders dann, wenn das Vergangene gegen einen spricht.
    Es dauert einige Zeit, bis sie für mich greifbar werden. Je weiter ich jedoch lese, desto mehr fiebere ich mit ihnen und ihrer vertrackten Situation, die ausweglos scheint, mit. Trotzdem fesselt mich der Krimi ab sofort, er treibt mich immer weiter. Nicht jedes kleine Detail wird geklärt, damit kann ich aber gut leben und der Schluss bietet dann nochmal ein Highlight der ganz besonderen Art.
    Moorland. Die Zwillinge

    Andreas Winkelmann
    Moorland. Die Zwillinge (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.03.2026

    Schaurig-mystisches Moor

    Alles beginnt am Nachmittag des 1. Februars 2026. „Am frühen Nachmittag war der Nebel aufgezogen, angekündigt von einem tiefroten Sonnenaufgang am Morgen. Dicht und wattig und weiß hüllte er die Landschaft um das Namenlose Moor ein und befeuchtete alles…“ Und dann diese Schreie, die Toma hört. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs, stoppt – aber nein, da war nichts, auch wenn sein Gefühl ihm etwas anderes sagt…
    Andreas Winkelmann hat schon nach diesen ersten Seiten meine volle Aufmerksamkeit. „Die Zwillinge“ ist der absolut gelungene Auftaktband seiner neuen Thriller-Reihe „Moorland“. Schon der erste, visuelle Eindruck zieht einen förmlich an und die Story dann hält, was das Cover verspricht.
    Die 18jährigen Zwillinge Nike und Jana beitreiben ihren TikTok-Kanal „Moormaid“ und wie der Name schon sagt, sind sie dafür im Moor unterwegs. Ihr Vater erscheint aufgeregt bei der Polizei, da die beiden seit zwei Stunden überfällig, eigentlich aber sehr zuverlässig sind. Losgefahren sind sie, bevor der Nebel aufzog, um Bilder zu machen und nun ist es schon ne Weile dunkel. Mit ihren Rädern waren sie unterwegs, sie wollten zu einem Hochsitz. An diesem Fleckchen im Moor sind sie oft, er eignet sich hervorragend für ihre Zwecke.
    Die Kommissarin Malia Gold hat sich hierher versetzten lassen und kaum angekommen, wird sie mit diesem Fall konfrontiert. Sie ist hier aufgewachsen, war aber seit fünfzehn Jahren nicht mehr hier, was den schwierigen Familienverhältnissen geschuldet ist. Und nun trifft sie unweigerlich auf ihre Mutter. Ruth Sichler. Die das Moor kennt wie sonst niemand, sie ist die Fährtenleserin schlechthin und somit unverzichtbar bei der Suche nach den Zwillingen.
    Andreas Winkelmann beschreibt das Moor in seiner ganzen Unheimlichkeit, das dennoch eine gewisse Faszination ausübt. Um diese angst- und auch respekteinflößende Kulisse rankt sich die Suche nach Nike und Jana. Die Zeit sitzt ihnen im Nacken, denn es ist bitterkalt, zudem weiß man nicht, ob die beiden verletzt sind, ob sie gefangen gehalten werden und wenn ja, unter welchen Bedingungen und vor allem – wo sind sie? Es gibt mehrere Verdächtige, die sich ziemlich auffällig verhalten. Jeder könnte der Übeltäter sein, alle scheinen sich in Widersprüche zu verstricken.
    Man spürt diese beklemmende Atmosphäre, die das Moor ausstrahlt. Und da sind die ganz eigenen Charaktere, von kauzig und exzentrisch bis geheimnisvoll, jeder für sich ist authentisch, jedem einzelnen nehme ich seine Eigenheiten ab.
    Und wiederum weiß ich, warum ich zu Winkelmanns Büchern immer wieder greife. Er schafft ein Szenario – hier ist es die Moorlandschaft – das für sich schon allein dieses Bedrohliche, dieses Schaurig-mystische ausstrahlt. Dazu die spannende Story, die bis zuletzt fesselt. Der Auftakt von „Moorland“ verlangt nach mehr, nach sehr viel mehr. Ich bin dabei. Unbedingt.
    Fünf Fremde

    Romy Fölck
    Fünf Fremde (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.03.2026

    Was damals geschah

    Der Prolog blickt ins Jahr 1995. In einem Schullandheim auf Neuwerk haben sie wundervolle Tage verlebt bis zu jener Nacht, als zwei Kinder verschwunden sind. Charlotte, die damals als Lehrerin dabei war, macht sich noch heute Vorwürfe. Sie ist noch länger geblieben, hat jeden Winkel nach Janosch und Isa abgesucht, allerdings vergebens.
    „Fünf Fremde“ erzählt von damals, von diesen verhängnisvollen Augusttagen im Jahre 1995 und von heute, als fünf Passagiere an einem Oktobertag 2025 auf der Fähre über die stürmische Nordsee zur Insel Neuwerk unterwegs sind.
    Von der etwa drei Quadratkilometer großen Insel Neuwerk, die 15 km nordwestlich von Cuxhaven und 120 km südöstlich von Hamburg liegt, habe ich zuvor noch nie gehört. Romy Fölck beschreibt die Eigenheiten dieser Insel, das umliegende Watt, die erhöhte Turmwurt und auch den Neuwerker Turm (um nur einiges zu nennen) mitsamt den sehr überschaubaren Einwohnern eindrucksvoll. Zunächst nimmt sie mich mit auf die Fähre und stellt die für unsere Geschichte relevanten Personen vor. Ist es Zufall, dass auch Annika Lundt, die Hamburger Kriminalbeamtin, hier ist? Sie kümmert sich um ihre hier lebende Mutter Hedda, die sie immer wieder an einer ganz bestimmten Stelle einsammelt - irgendetwas zieht die zunehmend demente Frau hierhin.
    Was passiert hier? Der Sturm wird zunehmend stärker, keiner sollte sich draußen aufhalten und doch scheint da etwas zu lauern – oder sind es „nur“ Geräusche, die der Sturm verursacht? Allerdings sprechen einige unerklärliche Vorkommnisse dagegen. Seltsame Dinge geschehen, es wird direkt unheimlich. Diese beklemmende, ja bedrohliche Atmosphäre ist eindringlich beschrieben, man spürt dieses Düstere hautnah.
    Die beiden Zeitebenen werden wechselseitig erzählt. Neben den beiden Vermissten Janosch und Isa sind es Finn, Mats und Bea, die ich nicht alle mit den heutigen Passagieren in Einklang bringe. Bleibt noch Annika, die hier aufgewachsen ist und schon lange in Hamburg lebt und arbeitet. Und da ist noch die Wildtierauffangstation, die neu besetzt werden sollte. Die Übergabe gestaltet sich jedoch ganz anders, als es sein sollte.
    Lange tappe ich im Dunkeln, kann mir so einiges nicht erklären. Bis dann doch das ganze Ausmaß dessen, was damals geschah, nach oben drängt. Unerbittlich. Und ja, alles wird bis zum bitteren Ende aufgeklärt. Hier, in der Aufklärung, liegt für mich schon ein Wermutstropfen, denn diesen Schluss, der dreißig Jahre zurückgeht, finde ich nicht schlüssig. Zu abstrakt, zu gewollt, zu konstruiert. Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner sehr guten Bewertung, der Thriller hat es allemal verdient.
    Tödliches Angebot

    Marisa Kashino
    Tödliches Angebot (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    25.02.2026

    Nicht sehr glaubwürdige Story

    „Verzweiflung treibt eine Frau dazu, für ihr Traumhaus über Leichen zu gehen.“ Wenn das mal keine Ansage für einen Thriller-Fan ist!
    Margo hat einen Plan, der sich durchaus vernünftig anhört. Sie und ihr Mann haben ihr altes Haus verkauft, da es für ihren hoffentlich baldigen Familienzuwachs zu klein ist. Vorübergehend leben sie in einer Mietwohnung, halten aber Ausschau nach ihrem Traumhaus, das sie erfreulicher Weise bald finden. Ab sofort scheint Margo besessen zu sein von diesem Haus, dessen Besitzer sie umgarnt und umschmeichelt. Noch ist die Immobilie nicht öffentlich angeboten, was Margo in die Karten spielt, denn genau dies will und wird sie mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. In Gedanken ist sie schon dabei, „ihr“ Haus einzurichten, tätigt sogar erste Einkäufe – bis sie ihre Grenzen aufgezeigt bekommt. Was sie allerdings nicht akzeptiert.
    „Sie werden Margo lieben, während der Psycho-Thriller jede moralische Grenze sprengt.“ Nun ja, ich mochte Margo von Anfang an nicht sonderlich gut leiden und meine sowieso sehr begrenzte Zuneigung zu ihr wurde zunehmend weniger, je mehr ich von ihrer manipulativen Art wusste.
    Positiv hervorheben muss ich allerdings die Sprecherin des Hörbuchs. Rebecca Veil. Ihre warme Stimme und ihr facettenreicher Vortrag, der jedem Charakter seine ganz persönliche Note gibt, macht das Hören trotz der nicht sehr glaubhaften, schon auch lebensfremden Story, dann doch angenehm. Und auch sie ist es, die mich zu den drei Sternen meiner Bewertung veranlasst hat, denn diese Geschichte hat für mich sehr viel weniger verdient, denn…
    …die Story gefällt mir nicht sonderlich. Nicht, weil ich ein Moralapostel wäre – dafür lese ich zu viele Thriller und Krimis – sondern weil das Ganze so unwirklich, so abgedreht, fern jeglicher Realität ist. Margo ist wie besessen von genau diesem einen Haus, das sie unbedingt haben muss. Dafür ist sie bereit, ihr gesamtes Umfeld zu belügen, ihre Kontakte – Freunde und Kollegen - in ihr mieses Spiel mit einzubeziehen, ohne dass diese auch nur im Ansatz darüber wüssten. Die Protagonistin ist eine falsche Schlange, ihr heimtückisches Spiel ist ausschließlich eigennützig, sie verfolgt ihr Ziel zum Schaden anderer, von Liebenswürdigkeit keine Spur. Nach Luft schnappe ich eher ob der hanebüchenen Story, die mir präsentiert wird. Diese wird konfuser, je weiter sie fortschreitet. Und gipfelt in ein Ende, das so grausam wie unglaubwürdig ist. Margo ist am Ziel, Verluste jeglicher Art sind mit einkalkuliert. Verstörend an der Geschichte? Alles, vor allem der Schluss.
    Ungelöst - Die erste Zeugin

    Arno Strobel
    Ungelöst - Die erste Zeugin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.02.2026

    Guter Auftaktband

    „Ungelöst – Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband zu Arno Strobels neuer Cold-Case-Serie. Egal ob die Mörderfinder-Reihe, Fakt/Fake, Stalker oder welch Buch auch immer ich von Strobel gelesen habe - jeder einzelne Thriller hat mich gefesselt und auch dieser Reihenbeginn ist ein nervenaufreibender, spannender Psychothriller, der neugierig auf den nächsten Fall macht.
    Luisa Menkhoff wendet sich an die Polizei, nachdem sie auf dem Flugblatt, das auf dem Campus aushängt, die seit vier Tagen abgängige Frau als Nicole Klement erkennt, die sie mit damals in Verbindung bringt. Damals wurde Luise als 5jährige entführt und wie es den Anschein hat, steckt dieser Entführer, Dr. Joachim Lichner, auch heute nicht nur hinter dem Verschwinden von Nicole, auch ist wiederum ein kleines Mädchen spurlos verschwunden, das genau in das damalige Schema passt.
    Kriminalhauptkommissar Ramin Brunner ist gerade im Begriff, eine Cold-Case-Einheit aufzubauen, jedoch wird er zunächst diese aktuellen Vermisstenfälle mithilfe des ihm zugeteilten Kriminalkommissars Sebastian Grohmann bearbeiten, was ihm nicht sonderlich zusagt, ist doch Grohmann bekannt für seine eher unmotivierte Dienstauffassung. Nun, die beiden werden sich zusammenraufen müssen, denn Grohmann wird im KK11 Brunner unterstellt sein.
    Die ersten Seiten machen mich mit den Personen vertraut, allen voran Ramin Brunner und Luise Menkhoff, deren eidetisches Gedächtnis noch sehr hilfreich sein wird. Um wiederum scheint auch sie wie schon vor Jahren im Focus von Lichner zu stehen, den einst Luises Vater hinter Gitter gebracht hat, nun aber unter Auflagen vorzeitig entlassen wurde. Nicht nur diese Hauptakteure, auch alle anderen Charaktere werden gut eingeführt, was sich allerdings schon etwas in die Länge zieht.
    So richtig spannend wird es, als Luise ein altes Foto findet, das sie als 5jährige zeigt. Ab da sind die Nerven zum Zerreißen gespannt, Spuren führen immer wieder zurück und wiederum ist ein Mädchen abgängig. Sie verfolgen so etliche Spuren, viele Ungereimtheiten stehen im Raum, auch wollen sich die einzelnen Fragmente nicht recht miteinander verbinden. Und wenn es dann so aussieht, als sei alles geklärt, wendet sich nicht zum ersten Mal das Blatt. Zwischendurch sind es kurze, kursiv dargestellt Kapitel, die zunächst so gar nicht greifbar sind.
    „Ungelöst“ werde ich weiterverfolgen, ich mag Strobels Art, die allzu dunklen Seiten der menschlichen Seele aufzuzeigen. Ein Psychothriller, der mich nach der zu langen Einführung dann nicht mehr loslassen wollte.
    Wellengrab

    Stefan Ahnhem
    Wellengrab (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.02.2026

    Absolut spannend

    Der siebte Fall für Fabian Risk ist mein erster, mein letzter wird er bestimmt nicht sein, denn ich bin total abgetaucht in finstere Machenschaften, die mir total suspekt sind und die Ängste in mir hervorrufen.
    Alles beginnt mit einem Stromausfall, der die gesamte Küste Schwedens betrifft. Zu dieser Zeit befinden sich Fabian Risk und seine Tochter Matilda auf ihrem Segelboot.
    Zurück in Helsingborg haben Fabian Risk und seine Kollegen rätselhafte Fälle auf den Tisch bekommen. Die Frage drängt sich auf, ob diese in Zusammenhang mit dem großflächigen Blackout stehen wie etwa ein Banküberfall, auch scheinen Kinder zu verschwinden, was dann doch wieder dementiert wird. Als dann Fabians Tochter verschwindet, spitzt sich die Lage zu.
    „Wellengrab“ - das über 16 Stunden und 51 Minuten dauernde Hörbuch wird von David Nathan gesprochen. Seine dunkle, warme Stimmlage passt sich perfekt dem Geschehen an. Er gibt jeder einzelnen Person seine charakteristischen Merkmale, was das Hören trotz der düsteren, sehr beklemmenden Story sehr angenehm macht.
    Der Autor versteht es, seine Leser und/oder auch seine Hörer bis zum Schluss in Atem zu halten. Die vielschichtige Story ist fesselnd, zudem äußerst mysteriös. Ein Mädchen verschwindet, die Eltern schweigen, ich verdächtige aber den Vater und frage mich schon, wie die Mutter tickt, warum sie sich so seltsam verhält. Das ist nur einer der Fälle, die durchweg Fragen aufwerfen, die erst dem Ende zu Sinn ergeben. Auch Fabians Kollegin ist privat involviert. Wie genau, bleibt lange im Ungewissen. Spuren führen in ein feudales Anwesen, in eine Schule, es geht um Datendiebstahl, um Cyberangriffe und um noch sehr viel mehr.
    Einmal drin in der Story gibt es kein Halten mehr. Was verbindet diese Einzelschicksale miteinander? Egal, wohin man sieht, überall lauern Gefahren, selbst ein Schlaganfall sorgt für Verdachtsmomente. Die vielen losen Fäden fügen sich zusammen, ja. Auch wenn es lange dauern mag und man starke Nerven braucht - selbst dem Ende zu geht es brutal zur Sache – so hat man zum Schluss den Überblick. „Wellengrab“ ist ein hochspannender Thriller, der nach mehr verlangt.
    Stürmische Klippe

    Sabine Weiß
    Stürmische Klippe (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    03.02.2026

    Ein in jeglicher Hinsicht ungemütliches Szenario

    Der mittlerweile zehnte Sylt-Krimi, in dem Liv Lammers ermittelt, beginnt dramatisch. Den Anschlag auf die ehemalige Ministerin Armgart Zabrowski erlebe ich hautnah, die ersten Seiten ziehen mich sofort ins Geschehen und da Liv sich in einer privaten Angelegenheit auf dieser Insel befindet, wird sie kurzerhand von ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht hierher zitiert.
    Hilke ist bei Armgart Zabrowskis Geburtstagsfeier zu Gast, diese feiert hier, auf Sylt, ihren Sechzigsten, die Tage danach werden angefüllt sein mit Gesprächen über Investitionen, die für jeden einzelnen sehr lukrativ sein werden. Alles unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit, keine Silbe darf nach außen dringen. Armgarts Gäste sind Größen aus Politik und Wirtschaft, auch hat sie ihre langjährige Freundin Hilke Hasselbrecht eingeladen, sie ist Chefin der Mordkommission und als solche wird sie mit dem morgendlichen Anschlag auf Armgart konfrontiert, dessen Ermittlung sie an Liv delegiert. Galt dieser Anschlag der Privatperson Armgart oder der ehemaligen Ministerin und zuvor Staatsanwältin?
    Es bleibt nicht bei diesem Anschlag, nein. Es passiert daneben noch so einiges, auch Livs Lebensgefährte Sebastian gerät in Schwierigkeiten und wären diese Vorkommnisse nicht genug, spielt auch das Wetter verrückt. Ein schwerer Sturm kommt auf die Insel zu, der sich zu Orkanstärke entwickelt, der so manch Schaden hinterlässt. Aber nicht nur draußen tobt der Sturm, auch im Haus lauern Gefahren, trotzdem genügend Personal inklusive Personenschützer sowie Überwachungskameras im Einsatz sind. Drohbriefe tauchen auf, jeder einzelnen Person haftet etwas Negatives an, keinen bekommt man in Gänze zu fassen.
    Die Spannung bleibt durchgehend hoch, lange herrscht Ratlosigkeit. Verdächtige gibt es genug, eigentlich traue ich jedem alles zu. Angefangen von Armgart und ihren Gästen bis hin zum Personal, jeder scheint etwas verbergen zu wollen. Es passiert noch so einiges mehr, all das ist ziemlich mysteriös und lange nicht durchschaubar. Daneben sind es die Naturgewalten, denen Sylt ausgesetzt ist. Die Insel verändert sich, eine dieser Sturmfluten tobt im eigentlichen und im übertragenen Sinne um Armgarts Villa.
    Die vielschichtige Story erzählt neben den kriminalistischen Elementen, die absolut im Vordergrund stehen, auch von Sylts naturbedingten Veränderungen, vor allem aber von denen, die in ihrer Skrupellosigkeit über (sprichwörtliche und echte) Leichen gehen. Ein in jeglicher Hinsicht ungemütlicher Fall, der mich wiederum bestens unterhalten hat wie alle Krimis um Liv Lammers zuvor, dem nächsten Fall fiebere ich schon entgegen.
    This Story Might Save Your Life

    Tiffany Crum
    This Story Might Save Your Life (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.01.2026

    Schwacher Anfang, wird zunehmend fesselnd

    Schon allein die Geschichte, die den Anspruch erhebt, dein Leben retten zu können oder besser ausgedrückt „was dich nicht umbringt, lässt dich überleben“, macht neugierig aufs Buch, dazu das sehr ansprechende Äußere – da muss man einfach zugreifen. „This Story Might Save Your Life“, kurz TSMSYL, ist ein Comedy-Survival-Podcast, der sich jede Woche einem anderen Thema widmet.
    Joy und Benny sind die beiden Protagonisten, die diesen Postcast betreiben. Einer ist Stichwortgeber, der andere kontert, das Ergebnis sind launige, witzige Folgen, die Reichweite ist mittlerweile enorm. Man muss schon locker sein, um den vorgegebenen, mitunter lebensgefährlichen Situationen auf witzig-spritzige Art beizukommen - ihre Fans lieben genau diesen Nervenkitzel. Die beiden kennen sich wirklich gut, sind beste Freunde, sie ticken ähnlich. Ein Paar sind sie jedoch nicht. Joy ist mit Xander verheiratet und Luna ist Bennys Ex-Frau. Einige andere spielen schon auch eine Rolle, sie kommen ins Geschehen, sobald es die Story zulässt. Als dann Joy und Xander verschwinden, ist nichts mehr so, wie es war.
    Gespannt starte ich in diese Geschichte, die mich jedoch bald das Buch zur Seite legen lässt. Der extrem langatmige Anfang macht das Hineinfinden in die Story nicht gerade einfach, das Durchhalten hat sich aber dann doch gelohnt. Die wechselnden Kapitel werden aus Sicht von Joy und Benny erzählt, es sind einmal Rückblenden und dann ist es die Suche nach Joy und Xander. Und jetzt nimmt die Story so richtig Fahrt auf, von jedem einzelnen werden auch unschöne Dinge ans Licht gezerrt, keiner kommt ungeschoren davon. Letztendlich sehe ich klarer, es geht um perfide Manipulation, die lange gut versteckt werden kann. Ein Thriller, der sich langsam entwickelt, dem man trotz Startschwierigkeiten eine Chance geben sollte, es lohn sich allemal.
    Da, wo ich dich sehen kann

    Jasmin Schreiber
    Da, wo ich dich sehen kann (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.01.2026

    Erschütternde Einblicke in häusliche Gewalt und deren tödliche

    Ein Femizid wird als gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens gesehen, dem häufig über einen längeren Zeitraum exzessive Gewalt in körperlicher und physischer Form vorausgeht. Jasmin Schreiber hat sich dieses Themas angenommen. „Da, wo ich dich sehen kann“ gibt einen Einblick in eine Familienstruktur, der erschüttert.
    Vater, Mutter, Kind und beide Großelternpaare sowie die beste Freundin der Mutter, die auch Majas Patentante ist, kommen hier zu Wort, daneben sind es Anträge über das Sorgerecht für die neunjährige Maja, Gerichtsbeschlüsse, Zeitungsartikel sowie Zeichnungen und Notizzettel des Kindes, dazwischen auch sehr dunkle Kapitel, die schwarz unterlegt sind.
    Es geht um Verlust, um Trauer, um Liebe und Hass und um Manipulation geht es auch. Frank, Majas Papa, war Meister darin, seine Tochter an sich zu binden und sie gleichzeitig ihrer Mutter Emma zu entziehen. Er versteht es bestens, das Bild des treusorgenden Ehemannes und Vater zu zeigen, dabei hält er Emma klein, sodass auch sie dieses Bild nach außen hin verfestigt. Nicht mal ihren Eltern vertraut sie sich an, es kommt immer häufiger zu unschönen Szenen, die in der Ermordung Emmas durch Frank gipfelt.
    Nach einigem hin und her ist Maja bei Oma und Opa mütterlicherseits, bei Brigitte und Per. Zu Mamas beste Freundin Liv fasst sie Vertrauen und vor allem ist es ihre Hündin Chloé, die das Herz aller im Sturm erobert. Abwechselnd werden sie alle näher betrachtet, sie alle tragen sehr viel Trauer in sich, sie haben Schuldgefühle – warum habe ich nicht eher hingesehen, nichts bemerkt? Anzeichen gab es reichlich. Aber ist es nicht immer so, dass man hinterher nicht nachvollziehen kann, die verdeckten Hilferufe übersehen zu haben?
    Es ist eine sehr intensive Erzählung, die jedoch teilweise wie entrückt daherkommt, nicht recht greifbar ist. Vor allem die Protokolle und auch die Großeltern väterlicherseits sind eher abstrakt, während ich das Gefühlschaos in Maja schon nachvollziehen kann. Ihre Gewissensnöte sind sichtbar, sie erlebt in ihren jungen Jahren häusliche Gewalt und auch, wenn sie in Therapie ist, kann sie nicht damit umgehen. Sie gibt sich die Schuld an Mamas Tod. Denkt an sie und auch an ihren Papa, der hier ansonsten stumm bleibt. Auch Livs Bemühungen um sie sowie die von Oma Brigitte und Opa Per sind ob dieser schrecklichen Situation überzeugend und warmherzig dargestellt.
    Ein weiterer Fall im familiären Umfeld wird angedeutet - ein als Treppensturz getarnter Femizid. Podcasts und Thrillerautoren werden angeprangert, allerdings fehlt mir ein nicht unbedeutender Teil. Gewalt gegen Frauen ist hier Thema – so weit, so gut bzw. nicht gut. Dass es auch Gewalt gibt, die von Frauen ausgehen, wird zum Schluss auf einer halben Seite (Hilfe für Männer) schon erwähnt, was mir zu wenig ist. Denn gerade hier ist die Dunkelziffer hoch, Frauen wird unbesehen alles geglaubt, während Männer sich immer noch scheuen, Hilfe anzunehmen. Trotzdem ist es ein Buch, das mich fassungslos zurücklässt. Weltweit wird alle zehn Minuten eine Frau ermordet. Getötet, weil sie Frauen sind. Von Partnern, von Familienmitgliedern.
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

    Alena Schröder
    Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.01.2026

    Familie und mehr

    Zwei Frauen, zwei Zeitebenen und die Frage, ob wir unseren Eltern etwas schulden und wenn ja, wie wir uns daraus befreien können. Alina Schröder erzählt davon.
    Von Marlen, die als 14jährige in einer Schublade kauert, die ihr als Versteck vor den Russen dient. Als sie endlich herauskriechen kann, bemerkt sie unter einer Lage alter Zeitungen ein kleines Bild, an dem sie in ihrem finsteren Unterschlupf mit einem Fingernagel die Farbschicht zerkratzt hatte. Von da an hütet sie dieses Porträt einer jungen Frau wie ihren Schatz.
    Der 34jährigen Hannah begegnen wir 2023 in Berlin. Sie weiß von einem verschollenen Bild, das einst ihrer Großmutter Evelyn gehört hat. Die Spur führt nach Güstrow zu einem Haus, das es nicht mehr gibt. Momentan jedoch hat Hannah andere Sorgen. Ihr Vater, den sie nicht kennt, hat sich gemeldet. Warum so plötzlich? Nachdem ihre Mutter und auch ihre Großmutter tot sind?
    Von 1945 bis 2023 spinnt Alena Schröder den Faden, der Prolog führt ins Jahr 1989 in das Notaufnahmelager Marienfelde in Westberlin. Davor (ab 1945) sind wir mit Marlen in Güstrow und danach, im Jahre 2023, mit Hannah in Berlin.
    Beide Zeitebenen berichten von Verlust, vom Suchen nach der eigenen Identität, vom Abschied nehmen und von Neuem, das man nicht immer zulassen kann. Von Freundschaft und Zusammenhalt lese ich und auch von dem Gefühl, den anderen ohne Worte zu verstehen. Entscheidungen, die nicht nur das eigene Leben betreffen, hinterlassen oftmals ein schales Gefühl. Ein Gefühl, dem man sich nicht entziehen kann, auch wenn der Weg, für den man sich entscheidet, viel Schmerz beinhaltet.
    Beide Erzählstränge sind sehr intensiv. Bei Marlen ist es Wilma, die ihr einst als 14jährige ein Zuhause gegeben hat. Sie leben im Osten, Güstrow liegt in der ehemaligen DDR. Marlen wollte Kunst studieren – warum es nicht dazu gekommen ist, wird erst spät sichtbar. Die alte Burgel lebt schon immer hier, sie hat Jon großgezogen, der im Krieg als verschollen gilt. Die drei Frauen müssen miteinander klarkommen, was nicht immer einfach ist und doch ist es die beste aller Möglichkeiten. Und Hannahs Sorgen haben viel mit „Martin Klammer auf Papa Klammer zu“ zu tun und einer Lüge, die sie irgendwann durchschaut.
    Dieses Buch ist das dritte einer Reihe, die beiden Vorgängerbücher habe ich jedoch nicht gelesen, habe aber nicht das Gefühl, dass mir Relevantes fehlt. In beide Erzählebenen bin ich gut gestartet, sowohl die Hauptakteure als auch die Nebenfiguren sind gut skizziert, ich hatte für jeden einzelnen ein Bild vor Augen. Der heimliche Star, das kleine Bild in Öl gemalt, ist aber eher bei Marlen verortet, denn bei Hannah ist es die Geschichte um ihren seit jeher abwesenden Vater, der sich urplötzlich in ihr Leben drängt. Überhaupt haben beide Geschichten nur marginal miteinander zu tun und doch finde ich sie beide stimmig, was auch dem einnehmenden Erzählstil geschuldet ist.
    Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie?

    Iliana Xander
    Der Boss - Ist er ein Monster oder ein Genie? (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.01.2026

    Sie will Rache! Wird sie sie bekommen?

    „Es liegt genau genommen keine Straftat vor. Es gibt keinerlei Beweise, die auf den Mann im Club hindeuten“ nimmt ihr die Beamtin jede Hoffnung, nach diesem gut aussehenden Kerl zu suchen, mit dem Cara in der Bar verschwunden ist. Jedoch sind sie aus einem anderen Grund interessiert, der Sache nachzugehen, denn es liegt eine weitere junge Frau in ähnlichem Zustand in diesem Krankenhaus, sie hatte die gleichen Substanzen wie Caro im Körper, allerdings zeigt diese keine Hirnaktivität mehr. Natalie hört alle Alarmglocken schrillen, zumal sie noch die Info bekommt, dass es vor Kurzem zwei ähnliche Fälle gegeben hat.
    Natalie Olsen und Caro sind die allerbesten Freundinnen, sie leben in einer WG und nun sitzt Natalie da, alleine mit ihrer Ratte Trixy. In ihr reift ein Plan – sie will Rache. Wie es der Zufall will, begegnet sie auf den Straßen New Yorks den verpeilten, aber durchaus charmanten Nick. Gut, eher hält sie ihn davon ab, direkt vor ein Auto zu laufen. Sie trinken einen Kaffee miteinander, kurz darauf verfängt sich ihr Blick in der Titelseite einer Zeitschrift, das Foto kommt ihr bekannt vor. Es ist der Typ aus dem Club – Geoffrey Rosenberg. Dieser Nick scheint ein Glückstreffer zu sein, denn er arbeitet für Rosenberg und mehr noch, er verschafft ihr einen Job in der Villa.
    Der Einstieg in die Story hält schon mal einige Zufälle parat, die man geflissentlich ausblenden sollte, so man weiterlesen will. Was sich allemal lohnt, da Iliana Xanders Schreibstil überzeugt, anders als diese schon etwas hanebüchene Einführung in die Handlung. Natalie ist drin in der Villa, ihre Kollegen sind davon nicht gerade begeistert. Auch bekommt sie Anweisungen, wie sie sich dem Boss gegenüber zu verhalten hat. Nämlich so, dass sie unsichtbar bleibt. Was ihr jedoch so gar nicht in den Kram passt, sie ist schließlich in ihrer ureigenen geheimen Mission unterwegs.
    Zwischendurch meldet sich Unbekannt. An wen sind diese Botschaften gerichtet? Sind es Drohungen? Amüsiert sich Unbekannt über so manch Aktion? Einige Zeit tappe ich im Dunkeln, bis eine anvisierte Person mit Namen angesprochen wird, Zweifel jedoch bleiben.
    Die Atmosphäre in der Villa ist beängstigend, auch alle Angestellten sind nicht recht greifbar, der Boss inklusive. Und doch kommt die Story nicht recht vorwärts, was sich dann doch irgendwann ändert. Der bis dahin 08/15-Thriller läuft zur Hochform auf, nicht vorhersehbare Wendungen fesseln mich, die Charaktere sind bis auf wenige Ausnahmen gut und geheimnisumwittert gezeichnet, wobei die Hauptfigur Dinge treibt, die völlig abstrus sind.
    Und DER BOSS? Ist er ein Monster oder ein Genie? Ja, diese Frage wird letztendlich geklärt. Mich hat dieser Typ zwar nicht durchweg, aber doch gut unterhalten, auch wenn die Story mitsamt den handelnden Personen arg überzogen, ja über weite Strecken geradezu absonderlich daherkam.
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