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    2. Alle Rezensionen von ChrischiD bei jpc.de

    ChrischiD

    Active since: April 2, 2023
    "Helpful" ratings: 0

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    37 reviews

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    All die Farben, all das Licht

    Cora Wucherer
    All die Farben, all das Licht (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jul 18, 2026

    Ein Buch mit Tiefgang

    Junas sehnlichster Traum ist es, eine bekannte und anerkannte Künstlerin zu werden. Ihre Gemälde sollen den Menschen in Erinnerung bleiben. Doch eine seltene Krankheit schränkt sie zunehmend ein: Nicht nur ihr Gehör, sondern auch ihr Sehvermögen ist betroffen. Innerlich zerrissen beginnt sie, immer mehr infrage zu stellen – und übersieht dabei womöglich das Wesentliche. Ihrer dreieinhalb Jahre jüngeren Schwester Martha hingegen scheinen alle Türen offen zu stehen. Sie kann sich frei bewegen und wirkt unerschütterlich. Oder ist die Wahrheit vielleicht eine ganz andere?

    Cora Wucherer legt hier ein fulminantes Romandebüt vor, das muss gleich zu Beginn gesagt werden. Indem sie die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive der beiden Schwestern erzählt, verleiht sie dem Roman eine Tiefe, die man nur selten findet. Dass zwischen Geschwistern eine gewisse Gegensätzlichkeit herrscht und es zu Auseinandersetzungen kommt, ist nichts Ungewöhnliches. Dennoch stehen auch die Konflikte oft sinnbildlich für etwas ganz anderes. Etwas, das innerhalb der Familie verborgen, vergraben oder bewusst verdrängt wird.

    Doch die Geschichte wirft auch weitreichendere Fragen auf, die nicht nur die Protagonisten, sondern ebenso den Leser betreffen: Wer bin ich eigentlich? Wer möchte ich sein? Was wird von mir in Erinnerung bleiben? Man kann sich dem Gefühl kaum entziehen, dass einem hier stellenweise der Spiegel vorgehalten wird. Gleichzeitig bietet die Erzählung Raum zum Innehalten und Reflektieren, über das Gelesene ebenso wie über eigene, womöglich sogar abschweifende Gedanken.

    Gegliedert in drei Teile, die eng miteinander verwoben sind, entwickelt der Roman mit jeder Seite mehr Kraft. Dazu trägt auch bei, dass sich die gesamte Erzählung über einen vergleichsweise überschaubaren Zeitraum erstreckt. Die Autorin besticht mit einem hohen Maß an Empathie, ohne dabei etwas schönzureden. Vielmehr begleitet sie jede Veränderung aufmerksam und gibt ihr den Raum, den sie benötigt. Und genau dieses Motiv spiegelt sich auch in der Geschichte selbst wider. Dieses Buch geht weit über reine Unterhaltung hinaus. Es regt zum Nachdenken an und bleibt lange im Gedächtnis.
    Alles ihre Schuld

    Andrea Mara
    Alles ihre Schuld (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jul 18, 2026

    Rasant, spannend, tiefgründig

    Vor aller Augen verschwindet ein kleiner Junge, und lange gibt es weder Anhaltspunkte zum Täter noch zum Motiv. Im sonst so friedlichen Dubliner Vorort werden nach und nach immer mehr Verdächtigungen laut, und auch die Polizei stößt auf erste wichtige Erkenntnisse. Dennoch entpuppt sich die Suche nach dem Jungen als extrem schwierig, trotz vieler helfender Hände. Gleichzeitig kommen Ungereimtheiten ans Tageslicht, die womöglich ein Umdenken erfordern.

    Die Autorin steigt sofort voll ins Geschehen ein und lässt dem Leser kaum Zeit, sich einzufinden. Wahrscheinlich ist es ohnehin sinnvoller, die Protagonisten direkt in dieser Ausnahmesituation kennenzulernen, da sie sich ehrlich verhalten und keine Maskerade zur Schau stellen – denkt man. Allerdings beherrschen einige von ihnen dieses Spiel dennoch vortrefflich, entsprechend misstrauisch darf man ruhig sein.

    Erzählt wird aus einer beobachtenden Perspektive, wobei dennoch kapitelweise immer wieder unterschiedliche Personen in den Vordergrund rücken, da sich mehrere Handlungsstränge parallel entwickeln und mit Sicherheit über kurz oder lang Schnittpunkte aufweisen werden. Trotz der Sicht von außen erhält der Leser tiefgründige Einblicke in die Gedanken einzelner Figuren, wodurch ein noch umfassenderes Bild entsteht.

    Die Geschichte wird unablässig vorangetrieben, viel Zeit zum Durchatmen bleibt dabei nicht. Es stehen schlichtweg zu viele Fragen im Raum, und gefühlt werden es mit jedem Kapitel mehr. Kaum glaubt man, einen Knoten erfolgreich aufgelöst zu haben, steht bereits die nächste unvorhergesehene Überraschung bereit. Mit zahlreichen Spitzfindigkeiten stellt die Autorin nicht nur ihre Protagonisten vor immense Herausforderungen.

    Psychologisch unglaublich dicht erzählt und von Anfang bis Ende spannend, ein Thriller, der in Erinnerung bleibt. Gleichzeitig eine Thematik, die man nicht ausblenden sollte, während die Nebenschauplätze die Hauptlinie um ebenso relevante Aspekte erweitern. Selten entwickelt man während einer Lektüre so viele Theorien, nur um sie anschließend wieder zu verwerfen. Dabei gibt Andrea Mara teils deutliche Hinweise – man muss nur genau hinschauen.
    Insel der Ratten

    Jo Nesbø
    Insel der Ratten (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Jul 3, 2026

    Wie würde man selbst handeln?

    Welche Ausmaße und Auswirkungen eine Pandemie annehmen kann, hat vermutlich jeder vor einigen Jahren miterlebt und verbindet damit ganz eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Emotionen. Jo Nesbø greift dieses Szenario auf und spinnt es erbarmungslos weiter. Was geschieht, wenn das gesellschaftliche Gleichgewicht noch weiter ins Wanken gerät und selbst die Gerechtigkeit zunehmend aus den Fugen gerät? Geht es am Ende nur noch ums nackte Überleben?

    Während die Erzählung voranschreitet, wird von Seite zu Seite deutlicher, dass der spätere Showdown bereits zu Beginn eingeläutet wurde. Mithilfe von Rückblenden rekonstruiert Jo Nesbø, wie die Protagonisten an diesen Punkt gelangt sind. Naheliegende Themen wie Macht und Einfluss spielen dabei eine zentrale Rolle, doch der Roman schlägt auch tiefgründigere Töne an. Schließlich verfügt jeder Mensch über einen eigenen Willen und die Freiheit, über sein Handeln zu entscheiden.

    Die Figuren bewegen sich durch verheerende Zustände. Vieles geschieht dabei aus purem Instinkt, manches jedoch auch mit Kalkül. Doch gilt in einem derartigen Ausnahmezustand tatsächlich nur das Recht des Stärkeren? Mit einer Mischung aus Spannung und Beklemmung verfolgt man das Geschehen, denn der Gedanke, dass ein solcher Plot alles andere als unrealistisch ist, lässt sich nur schwer abschütteln.

    Aufgrund des Sprachstils und der wechselnden Perspektiven entwickelt die Erzählung einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Einerseits möchte man angesichts der teils drastischen Beschreibungen die Augen verschließen, andererseits treibt die Geschichte unaufhaltsam voran. Man verfolgt die Ereignisse Schritt für Schritt, um die Hoffnung nicht der Verzweiflung weichen zu lassen. Und immer wieder drängt sich dieselbe Frage in den Vordergrund: Wie würde man selbst handeln?
    Vega Varg - Das Schweigen der Insel

    Åsa Hellberg
    Vega Varg - Das Schweigen der Insel (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Jun 21, 2026

    Solide

    Als ein Mord die ansonsten so idyllisch anmutenden Kosterinseln erschüttert, wimmelt es dort schon bald vor Polizei. Der Tote war nahezu jedem bekannt, doch die Umstände seines Ablebens erscheinen nebulös. Als es dann auch noch zu einem Vermisstenfall kommt, bei dem ein Zusammenhang zum Mord nicht ausgeschlossen werden kann, ist die norwegische Polizei als Unterstützung schnell zur Stelle. Vega Varg, die hiesige Ermittlerin, ist froh, dadurch ihren besten Freund Leopold an ihrer Seite zu wissen. Denn scheinbar gibt es sogar eine Verbindung zum Mord an ihrem Ehemann – und der liegt über 20 Jahre zurück.

    Das Leben rund um die Kosterinseln wird eindrücklich beschrieben. Das sticht sofort ins Auge und bleibt im Gedächtnis, wodurch das dargestellte Geschehen umso authentischer anmutet. Während man noch einige Umgebungs- und Figurenbeschreibungen erhält, ist das grauenhafte Verbrechen bereits geschehen. Von da an wird es wuselig, und man muss zusehen, den Faden nicht zu verlieren.

    Einerseits gibt es zahlreiche Personen, die es im Blick zu behalten gilt, andererseits unterschiedliche Zeitebenen. Wobei die Einblicke in die Vergangenheit – sei es einige Jahre oder auch nur ein paar Tage – in der Regel vor allem dazu dienen, Informationen zu transportieren. Dadurch erhält der Leser einen umfassenderen Überblick über die Situation und kann manche Ereignisse womöglich besser einordnen. Gleichzeitig bedeutet dieser Wissensvorsprung jedoch nicht unbedingt, dass man schneller ans Ziel kommt als die Polizei. Allerdings wird schnell deutlich, dass es definitiv Schnittpunkte, vielleicht sogar -mengen zwischen damals und heute gibt.

    Åsa Hellberg gestaltet die Erzählung spannend, mit der ein oder anderen offenen Fragestellung an genau der richtigen Stelle. Dabei entsteht zeitweise der Eindruck, dass das Gesamtgeschehen zu sehr durchstrukturiert sein könnte. Außerdem scheint sie gefühlt allzu viel in diesem Auftaktband unterbringen zu wollen. Es sind schon ziemlich viele Figuren, die überall mitmischen, wodurch eine gewisse Unruhe entsteht. Nichtsdestotrotz ein solider Einstieg in eine neue Reihe für Fans nordischer Spannungsliteratur.
    Im Morgengrauen

    Marc Raabe
    Im Morgengrauen (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jun 20, 2026

    Hochexplosiv und spannend

    Der Bundeskanzler verschwindet spurlos, nachdem im Netz einige Videos mit prekärem Inhalt aufgetaucht sind. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise darauf, dass etwas noch weitaus Größeres im Gange ist, als es ohnehin schon den Anschein hat. Während Art und Nele immer tiefer in ihre Ermittlungen eintauchen, gerät ersterer plötzlich unter Verdacht, den Kanzler nicht nur entführt, sondern auch ermordet zu haben. Wer zieht hier die Fäden und weshalb soll Art Mayer als Sündenbock herhalten? Oder ist er womöglich doch schuldig?

    Das Konstrukt rund um Art Mayer sowie Juli und Henrik Westphal stand bereits geraume Zeit auf wackeligen Beinen. Im Grunde war es nur eine Frage der Zeit, bis die mühsam errichtete Fassade einstürzen würde. Doch wer hat entschieden, dass dieser Zeitpunkt nun gekommen sei, und aus welcher Motivation heraus? Um die Brisanz des Ganzen nachvollziehen zu können, sind Vorkenntnisse unerlässlich. Es empfiehlt sich daher wärmstens, die chronologische Reihenfolge der Serie einzuhalten. Das dient nicht nur dem Verständnis, sondern lohnt sich auch für den Leser.

    Marc Raabe versteht es auch im inzwischen vierten Band, einen spannenden Plot zu entwickeln und gnadenlos umzusetzen. Dem Leser bleibt während der Lektüre an einigen Stellen durchaus die Spucke weg, sei es aufgrund der Darstellung einzelner Szenarien oder auch wegen mancher grundlegender inhaltlicher Themen. Nicht selten hat man dabei nur einen einzigen Satz im Kopf: Das hat er gerade nicht wirklich getan, oder?

    Die knapp 600 Seiten vergehen wie im Flug. Einerseits ist es ein Genuss, andererseits gleicht es einem wilden Ritt auf der Rasierklinge. Faszination und Abscheu geben sich dabei quasi die Klinke in die Hand, bis die Grenzen letztlich vollends verschwimmen. Dabei lernt man die Charaktere und ihre Geschichten noch besser kennen und taucht noch tiefer in teils jahrzehntealte Ereignisse ein. Nicht immer gefällt einem das, was an die Oberfläche gespült wird, aber gerade das macht Raabes Protagonisten authentisch und nahbar.

    Nachdem man wie im Wahn durch das Buch geprescht ist, stellt sich die Frage, ob die Geschichte nun auserzählt ist. Da man sich als geneigter Leser gerne der Hoffnung hingibt, klammert man sich an jeden noch so kleinen Strohhalm. Und ein paar noch nicht ganz verwobene Fäden lassen sich bei genauem Hinschauen durchaus entdecken.
    Weil sie lügt

    Caroline Seibt
    Weil sie lügt (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Jun 14, 2026

    Wer lügt hier, und warum?

    Seit über einem Jahr ist Juli verschwunden, ihr Vater sitzt im Gefängnis und der Fall scheint beinahe zu den Akten gelegt. Doch dann deutet sich plötzlich eine neue Spur an, die die gesamte Ermittlungsmaschinerie erneut in Gang setzt. Wieder wird Annas Leben vollständig auf den Kopf gestellt, Wohnung und Keller werden Zentimeter für Zentimeter durchsucht. Der Albtraum für sie und ihre Familie hat nie wirklich aufgehört – und nun wird er schlimmer denn je.

    Schon auf den ersten Seiten spürt der Leser die Verzweiflung, die Anna Tag für Tag begleitet. Die Ungewissheit, der ihre Familie ausgesetzt ist, möchte man sich kaum vorstellen, geschweige denn selbst erleben. Gleichzeitig brodelt es im Untergrund, als würden dort einige Geheimnisse lauern, die nur darauf warten, an die Oberfläche zu gelangen. Doch noch bleibt es bei einer vagen Ahnung, einem unbestimmten Gefühl. Wie weit die Verzweigungen tatsächlich reichen, ist lange Zeit nicht absehbar.

    Erzählt wird das Geschehen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Einerseits aus Annas Sicht als unmittelbar Betroffene, andererseits aus der Perspektive Katharinas, die die Ermittlungen leitet. Sie betrachtet die Ereignisse somit von der anderen Seite und hat selbstredend ein großes Interesse daran, den Fall aufzuklären. Dabei bleibt es nicht nur bei dem Wechsel der Perspektiven, auch die Zeitstruktur variiert. Immer wieder werden vergangene Situationen eingestreut, um das Bild nach und nach zu vervollständigen und zugleich neue Hinweise zu setzen. Diese sind so geschickt platziert, dass sie den Leser gelegentlich in gedankliche Sackgassen führen.

    „Weil sie lügt“ von Caroline Seibt ist ein wahrlich mitreißender Thriller, der sich am Ende in eine ganz andere Richtung entwickelt als zunächst erwartet. Den Titel und die Frage, wer diese ominöse „sie“ eigentlich ist, stets im Hinterkopf, versucht man mit jeder neuen Information, die Puzzleteile endlich zusammenzufügen, um den Ereignissen – damals wie heute – auf den Grund zu gehen. Der Schluss wirkt möglicherweise etwas konstruiert, was letztlich jedoch nur einen fast schon zu vernachlässigenden Kritikpunkt darstellt.
    Strandopfer

    Frank Goldammer
    Strandopfer (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    May 28, 2026

    Zu langatmig

    Ein deutscher Tourist wird tot am Strand bei Swinemünde entdeckt. Zunächst scheint alles auf einen Badeunfall hinzudeuten, doch dann wird ein Bernstein in seinem Rachen entdeckt. Lena Schuldt vom BKA wird nach Polen beordert, um den Fall gemeinsam mit dem hiesigen Ermittler zu untersuchen und möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Nicht nur die Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig, auch der Fall wird immer verstrickter, als es zunächst zu einer Entführung und plötzlich zu einem weiteren Mord kommt.

    Mit den beiden Hauptermittlern treffen zwei Charaktere aufeinander, die nicht nur stellvertretend für unterschiedliche Länder, sondern auch für gängige Klischees und Vorurteile stehen. Von Beginn an liegt eine Spannung zwischen den Figuren in der Luft, weshalb es dem Leser schwerfällt mit ihnen warm zu werden. Sicherlich ahnt man früh, dass in beider Vergangenheit tiefe, noch nicht verheilte Wunden zu ihrem Auftreten führen, an Sympathie gewinnen sie dennoch wenig.

    Das Geschehen wirkt auf den ersten Blick leicht chaotisch, als würde der rote Faden fehlen. Letztlich verfolgt der Autor natürlich ein konkretes Ziel, dieses erkennt man allerdings erst relativ spät. Dafür verliert er sich zunehmend in detaillierten Darstellungen und ausladenden Beschreibungen, die mitunter ermüdend, da wiederholend, wirken. Entsprechend kann die Spannung sich nicht in der gewünschten wie notwendigen Art und Weise entfalten.

    Obwohl die Auflösung sehr konstruiert erscheint, aber ganz bestimmt psychologisch einwandfrei recherchiert wurde, und es die bereits genannten Kritikpunkte gibt, muss man auch die Grundidee als solche betrachten. Es gibt sowohl interessante als auch intelligente Ansätze, sofern man die Ereignisse nicht im Gesamten, sondern einzeln betrachtet. Demnach besitzt das Werk durchaus Potenzial, ist in der Umsetzung jedoch zu langatmig geraten.
    Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen

    Marc-Uwe Kling
    Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen (CD)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    May 25, 2026

    Kurzweilige Unterhaltung mit wichtiger Botschaft

    Unglaublich – dass sie das noch erleben dürfen. Das liebgewonnene Klugscheißerchen ist doch nicht unfehlbar. Natürlich nagt dies am Selbstwertgefühl des kleinen türkisen Wesens. Kurzerhand begleitet es Theo und Tina in die Schule, das scheint der richtige Ort, um noch was zu lernen. Dabei stellen nicht nur die Kinder erstaunt fest, dass auch im Schreibtisch des Lehrers ein faszinierendes Geschöpf lebt. Eines, das den Kindern immer wieder versucht falsche Antworten einzuflüstern – ein Vehlerteufelchen.

    Das Klugscheißerchen ist zurück, und es bekommt einen Gegenspieler. Oder besser gesagt einen Sparringspartner. Denn auch wenn es zunächst den Anschein hat, da sie im Grunde auf gegensätzlichen Seiten stehen, so wird doch schnell klar, dass keiner dem anderen etwas böses will. Und ganz nebenbei erfährt man, wer eigentlich für die Fehler verantwortlich gewesen ist, die man damals in Tests und Klassenarbeiten gemacht hat.

    Marc-Uwe Kling holt den Hörer von der ersten Sekunde an ab und schafft es sogar in der kürzesten Geschichte einige wichtige Botschaften zu übermitteln. Trotz aller humoristischer Darbietung stehen Individualität, Vielfalt, Miteinander und Liebe im Vordergrund, und das ganz selbstverständlich. Kein erhobener Zeigefinger, keine Ermahnungen und erst recht keine Grundsatzdiskussion.

    Eine wahrlich sehr schöne Erzählung, über die man nicht allzu viele Worte verlieren sollte, gerne selbst hören und überzeugen. Aber Vorsicht, bei manchen Buchstabendrehern kann man schonmal einen Knoten im Gehirn bekommen.
    Hilfe, zu viele Zaubereulen!

    Mars-Leo Frei
    Hilfe, zu viele Zaubereulen! (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    May 17, 2026

    Emotionen und wie man mit ihnen umgeht

    Es scheint, als hätte sich die ganze Welt gegen Zoa verschworen. Ihre heißgeliebte Oma wandert nach Griechenland aus, Zoa zieht mit ihrer Familie um – 30 km von ihrer allerbesten Freundin entfernt. Sie muss nach den Ferien in eine neue Schule und zu allem Überfluss steht ihr Bett komplett falsch, ihre Eltern sind auf Zoas Wünsche nicht eingegangen. Ihr Bauch grummelt, der Magen zieht sich zusammen, die negativen Gefühle brechen sich Bahn … und plötzlich scheint es in Zoas Umfeld von Eulen nur so zu wimmeln.

    In diesem Auftaktband der magischen Reihe, die noch so einiges verspricht, steht Zoa im Mittelpunkt. Auf Grund zahlreicher Veränderungen in ihrem Leben ist sie zwangsläufig voll mit Emotionen, die zumeist negativer Natur sind. Sicherlich kann jeder sich in ihre Situation hineinversetzen und verstehen, weshalb sie unsicher, wütend, verzweifelt oder auch einfach nur traurig ist.

    Der Autor schildert diverse Alltagssituationen, die, sofern man mit ihnen vertraut ist und sich wohlfühlt, keinerlei Grund zur Sorge bieten. Muss man sich und seinen Platz jedoch erst noch finden und wird quasi ins kalte Wasser geworfen, können sie mitunter absolut bedrohlich erscheinen. So begleitet man Zoa in dieser schwierigen Phase, dabei ist man allerdings nicht alleine.

    Erst ist es nur eine, dann zwei, dann drei, dann vier, bis sich auf einmal über zwanzig Eulen in Zoas näherem Umfeld tummeln. Doch wie kommen sie bloß dahin, und warum verhalten sie sich nicht wie normale Eulen? Als Leser hat man da natürlich schnell eine Idee, schließlich weist der Autor mal mehr mal weniger subtil darauf hin, was hier womöglich passiert. Doch Zoa hat lange keinen rechten Blick dafür, weshalb ihr auch der Durchblick zunächst fehlt.

    Eine schön gestaltete und liebevoll illustrierte Geschichte, die sich mit der Entstehung von Emotionen und wie man mit ihnen umgeht befasst. Die Bilder sind nicht überladen und punktuell platziert, so dass sie das Gelesene gut untermalen. Ein Buch für alle Altersklassen, denn Gefühle sind ein Gebiet, das in jedem Alter relevant ist und auf dem man niemals auslernen kann.
    Pause

    Lena Kupke
    Pause (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    May 16, 2026

    Kraftvoll, aufwühlend, überwältigend

    Als Hanna sich mit Mitte dreißig plötzlich in ihrem Elternhaus wiederfindet, ist diese Option ursprünglich nur für ein oder zwei Nächte gedacht. Lieber gestern als heute möchte sie zurück nach Berlin, in ihre Wohnung, zu ihrem Freund, zu ihrem Job, ihrem Alltag. Aber gibt es all das überhaupt noch? Während sich das Zusammenleben mit ihren Eltern äußerst interessant gestaltet, lernt Hanna viele neue Facetten des Lebens, an sich selbst und ihren Mitmenschen kennen.

    Bereits ohne konkret zu wissen was eigentlich passiert ist, mit wem man es zu tun hat oder wo man sich befindet, wird der Leser in das Geschehen hineingezogen. Lena Kupke hat eine wunderbare Art Ereignisse und Figuren zu beschreiben, sie erschafft damit Nähe und Vertrauen wie es nur selten der Fall ist. Trotz einiger Unwägbarkeiten und scheinbarer Hürden, fühlt man sich direkt geborgen.

    Obwohl man im weiteren Verlauf sehr viel über die Protagonisten, allen voran natürlich Hanna, erfährt, in allen möglichen und unmöglichen Situationen zugegen ist, so geht es in diesem Roman doch um so viel mehr. Hanna steht dabei letztlich stellvertretend für jeden einzelnen. Sicherlich kann man ihre Geschichte nicht einfach auf sich projizieren, ihre Erlebnisse stoßen jedoch tief im Unterbewusstsein eine Lawine los, die man zu Beginn definitiv noch nicht hat kommen sehen. Der Leser erfasst einerseits die Darstellungen, lebt, liebt und leidet mit Hanna, ficht dabei aber gleichzeitig einen eigenen inneren Kampf aus.

    Die bei der Lektüre des Werkes aufkommenden Gefühle adäquat zu beschreiben, fällt schwer. Sämtliche Worte und Formulierungen können dem nicht gerecht werden. Lena Kupke ist mit „Pause“ ein wahrlich grandioser, unglaublich empathischer und nicht minder aufwühlender Roman gelungen. Um nicht von Emotionen überwältigt zu werden, sollte man den Titel sehr ernst nehmen und auch mal eine Pause beim Lesen machen, so schwierig es auch ist das Buch zur Seite zu legen.
    REM

    Annika Strauss
    REM (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    May 9, 2026

    Zwischen Irrationalität und Faszination

    Viele Jahre nach einem traumatischen Ereignis, das sich tief in ihr Unterbewusstsein gegraben hat, steht Alysee vor der Möglichkeit, die Vergangenheit zu verstehen. Vielleicht kann sie sogar die quälende Schlafphobie bezwingen und ein unbeschwertes Leben führen. Doch schnell wird ihr bewusst, dass etwas viel grausameres als die ihr bekannten Dämonen darauf lauert zuzuschlagen.

    Obwohl die Handlung als solche eine geraume Zeit benötigt, um in Gang zu kommen, ist schon früh ein gewisser Sog spürbar. Schließlich ist dem Leser bereits zu Beginn bekannt in welchem Genre man sich bewegt, so dass die Geschichte unweigerlich darauf hinsteuert, die entsprechenden Elemente sind unverkennbar. Die relativ kurzen Kapitel halten die Erzählung dabei stetig im Fluss. Auf Grund unregelmäßiger Perspektivwechsel erhält man zudem weitreichendere Informationen als die einzelnen Protagonisten.

    Diese wiederum bleiben in Summe recht blass. Selbst Alysee, um die sich im Grunde alles dreht, hätte noch mehr Tiefe vertragen können. Eine echte Verbindung zwischen Leser und Charakteren entwickelt sich nicht, dennoch ist einem ihr Schicksal selbstredend nicht gleichgültig.

    Annika Strauss hat gemeinsam mit Sebastian Fitzek einen Plot erschaffen, der die Denkleistung des Lesers durchaus ab und an fordert. Vieles schreit nach Irrationalität, die dargelegten Erläuterungen allerdings sind wahrhaftig erstklassig und regen zum Nachdenken und Grübeln an. Gleichzeitig verschlägt es einem ob der beschriebenen Szenarien mehr als einmal den Atem. Sicherlich keine Lektüre für schwache Nerven. Und ob man das Buch wirklich vor dem Schlafengehen lesen sollte, muss auch jeder selbst entscheiden.

    Meinungen und Empfindungen sind generell subjektiv zu betrachten. Da es hier explizit um Schlaf und Träume geht aber noch eine zusätzliche absolut subjektive Einschätzung zum Schluss. Es scheint, als würde das gesamte Setting weniger verfangen, wenn man selbst fast nur luzid träumt.

    Nichtsdestotrotz ist REM ein gelungener Horror-Thriller, der mit Sicherheit einige Leser restlos begeistern wird.
    Die Känguru-Rebellion

    Marc-Uwe Kling
    Die Känguru-Rebellion (CD)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Apr 27, 2026

    Es wird rebelliert...

    Es wird rebelliert … warum, wieso, weshalb … politisch, systemisch, gesellschaftlich … Hauptsache mit vielen und Hauptsache laut. Das Känguru ruft dazu auf, sich zu versammeln und zu formieren. Dass man dabei nicht immer gleich erfasst worum es eigentlich gerade geht … Egal!

    Im mittlerweile fünften Werk rund um das Känguru und seinen Mitbewohner Marc-Uwe wird wieder einmal eine Bandbreite an Themen angesprochen, die im Grunde jeden und jede in irgendeiner Art und Weise betreffen. Oder zumindest insofern relevant sind, als dass man sich darüber Gedanken machen und womöglich auch eine eigene Meinung bilden sollte. Dabei geht es kreuz und quer durch politische, technische wie auch gesamtgesellschaftliche Felder. Hin und wieder sind die Grenzen fließend. Während man gedanklich noch an Punkt A verweilt, kann es durchaus vorkommen, dass das Känguru bereits über B nach C gehüpft ist – mit einem kurzen Abstecher nach D.

    Allein auf Grund der knapp gehaltenen Kapitel ist das Werk bereits als kurzweilig einzustufen, dabei jedoch alles andere als oberflächlich. Beim vorliegenden Hörbuch kommt hinzu, dass die Texte vom Autor selbst in einer so mitreißenden Art und Weise gelesen werden, dass man sich als Hörer dem Sog kaum entziehen kann. Anekdoten und – mal mehr mal weniger gelungene – Wortspiele pflastern den Weg von Anfang bis Ende. Es wäre ein Wunder, wenn nicht jeder wenigstens einmal lauthals lachen müsste. Vermutlich funktionieren die Texte vorgelesen nochmal besser als würde man selbst lesen. Schon allein auf Grund des Enthusiasmus, den das Känguru an den Tag legt, um Mitrebellen zu akquirieren.

    Nicht jedes Thema, nicht jede Passage ist auf dem gleichen humoristischen Niveau. Sicherlich geht es nicht vorrangig darum irgendetwas oder -jemanden zu veralbern, es ist jedoch ein wichtiges Stilmittel, dessen der Autor sich bedient. Und natürlich kommt es auch immer auf den Einzelnen an, welche Themen einen abholen und welche Stellungnahmen sofort verfangen. Alles in allem dennoch wieder ein Werk mit viel Charme und Witz zu aktuellen Themen und Fragestellungen.
    Happy Head

    Josh Silver
    Happy Head (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Apr 26, 2026

    Verfängt nicht

    Ein Mental-Health-Programm, das die Probleme unglücklicher Jugendlicher lösen soll?
    Ein abgeschiedenes Camp, ein Experiment und eine Einladung, die Seb nicht ablehnen kann, wenn er seine Eltern endlich stolz machen möchte. Es kann doch nicht so schwer sein, die gestellten Aufgaben zur Zufriedenheit aller zu meistern, um endlich ein gänzlich erfülltes Leben zu führen. Hin und wieder wäre es allerdings gar nicht verkehrt Methoden und Ansichten zu hinterfragen.

    Für den Leser ist sehr schnell offensichtlich, dass im Camp irgendetwas vor sich geht, das bisher zwar nicht greifbar, aber ziemlich bedrohlich ist. Dabei bewundert man die Naivität der Jugendlichen, die scheinbar allesamt keinerlei Bedenken haben. Andererseits wurden sie vermutlich aus ganz bestimmten Gründen für dieses Experiment ausgewählt.

    Der Autor verfolgt interessante Ansätze, die den Leser sicherlich auf die ein oder andere Weise zum Nachdenken anregen. Nichtsdestotrotz gestaltet sich das erste Drittel recht zäh, es scheint als würde die Handlung nicht so richtig in Schwung kommen. Natürlich werden bereits Akzente gesetzt, die darauf hindeuten, dass mehr als nur ein Geheimnis hinter der Fassade lauert, sie ziehen das Tempo aber leider zunächst nicht merklich an.

    Inwiefern man sich mit der ein oder anderen Figur identifiziert liegt in erster Linie im eigenen Charakter begründet, nachvollziehbar sind viele der dargestellten Reaktionen seitens der Jugendlichen jedoch allemal. Schließlich wird jeder das ein oder andere Erlebnis seiner Teenagerzeit noch immer sehr präsent haben. Dementsprechend sind auch die teils überschäumenden Emotionen völlig plausibel.

    So richtig verfangen hat das Buch nicht, obwohl nicht nur der Cliffhanger am Ende für einige offene Fragen sorgt, die man schon gerne beantwortet bekommen würde. Ob der zweite noch folgende Band wirklich für einen runden Abschluss sorgen kann bleibt daher fraglich. Thematisch trifft Josh Silver sicherlich einen Nerv, in einer Zeit, die von Unsicherheiten im Kleinen wie im Großen geprägt ist und zahlreiche Ängste schürt.
    Ein guter Blick fürs Böse

    Elizabeth Arnott
    Ein guter Blick fürs Böse (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Apr 10, 2026

    Interessant, aber ausbaufähig

    Drei Frauen, die lange Zeit nichts von den Machenschaften ihrer Männer ahnten, nehmen den Kampf auf gegen einen mutmaßlichen Serientäter, der sein Unwesen treibt und Angst und Schrecken verbreitet. Denn wer mit einem Mörder verheiratet war, hat nochmal einen anderen Blick auf Muster und Verhaltensweisen, so ihre Theorie. Aber vielleicht wollen sie auch einfach nur etwas gutmachen, die Taten ihrer Männer sühnen …

    Dass man sich in den 1960ern befindet, muss man sich manches Mal konkret ins Bewusstsein rufen. Gerade wenn es um das Zusammenspiel von Männern und Frauen geht, den Umgang mit- und die Gedanken übereinander. Doch das ist nicht der einzige Faktor, der den Einstieg ins Geschehen ein wenig stocken lässt. Stil und Inhalt werden gleichermaßen zu Stolpersteinen. Die Autorin scheint zunächst eine Fülle an Informationen unterbringen zu wollen, die der Leser sich sortieren muss, um den Überblick nicht zu verlieren.

    Die Vorgehensweise der Hauptprotagonistinnen, den vermeintlichen Serienmörder dingfest zu machen, mutet gewissermaßen unstrukturiert an. Dennoch erlangen sie im Laufe des Geschehens teils überraschende Erkenntnisse und gewinnen zudem immer mehr an Sympathie. Ist man mit der Erzählung warm geworden, so fällt es leicht, dem Fortgang der Geschichte zu folgen. Nicht immer verfolgt der Leser dabei dieselbe Theorie wie die Frauen, wer letztlich auf der richtigen Spur ist, wird jedoch erst das recht groß angelegte Finale zeigen.

    Elizabeth Arnott versucht die Spannung hoch zu halten, gleichzeitig aber auch Einblicke in die Gedanken sowie die Vergangenheit der Protagonisten zu geben. Vor allem letzteres ist zum Teil wahrhaftig unbegreiflich. Die begangenen Taten, der Weg zu Entdeckung und Motiv, rational nicht nachvollziehbar was in den Männern vorgegangen ist. Durch die Mischung hält die Autorin die Handlung zwar lebendig, verliert sich hin und wieder aber in zu detaillierten Darstellungen. Eine an sich tolle Grundidee, die in der Umsetzung allerdings leichte Schwächen aufweist und die Erwartungen nicht gänzlich erfüllt.
    Die Rätsel meines Großvaters

    Masateru Konishi
    Die Rätsel meines Großvaters (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Apr 8, 2026

    Erfüllt sämtliche Erwartungen

    Konnte der erste Band rund um Kaede, ihren Großvater, das Lösen von Rätseln und so vielem mehr, noch für sich alleine stehen, so sind bei dem sehnsüchtig erwarteten zweiten Band einige Vorkenntnisse notwendig. Die wichtigsten Begebenheiten werden zwar kurz erwähnt, eine Erläuterung oder Einordnung, ob der besseren Nachvollziehbarkeit, gibt es jedoch nicht. Entsprechend sollte für den umfassenden Lesegenuss unbedingt zunächst der Auftaktband hinzugezogen werden.

    Dem Autor gelingt es, unglaublich feinfühlig und dabei gleichzeitig sehr geschickt, unterschiedliche Elemente und Aspekte miteinander zu verbinden. Häufig sogar so, dass der Leser dies erst im Nachhinein vollständig erfasst und eventuell nochmal kurz zurückblättert, um das Verweben nachzuverfolgen. Nichts geschieht im Verborgenen, und doch scheint es oft zunächst absolut undurchdringlich. Sobald die Beweisführung gestartet wird, wirkt aber plötzlich alles recht offensichtlich. Als geneigter Leser von Kriminalliteratur sollte man meinen einige Kniffe zu kennen. Dennoch ist man ein ums andere Mal überrascht wie getrübt die eigene Wahrnehmung doch sein kann.

    Das Buch beherbergt fünf Haupträtsel, die es für Kaede, ihre Freunde und ihren Großvater zu entschlüsseln gilt. Dabei sind die Grenzen jedoch fließend, es steht sogar zu vermuten, dass auch im dritten Band auf einzelne Ereignisse zurückgegriffen werden wird. Im ersten Band bereits liebgewonnene Charaktere tauchen erneut auf, entwickeln sich weiter und zeigen mitunter ganz neue Seiten an sich. Es werden aber auch neue Figuren eingeführt, die sich wunderbar ins Geschehen einfügen und sicherlich weiterhin erhalten bleiben. Denn noch ist definitiv keine ihrer Geschichten auserzählt.

    Die Krankheit ihres Großvaters bekommt ebenso ihren notwendigen Raum, wie auch Kaedes Familiengeschichte im Allgemeinen. Denn auch hier gibt es noch einige lose Fäden. Da diese Handlungsstränge die höchste emotionale Aufladung besitzen, werden sie wohldosiert weitergeführt, um eine vorzeitige Eskalation zu vermeiden. Auf das Finale darf man sicherlich sehr gespannt sein, es gibt noch viel zu entdecken. In jedem Fall konnte dieser zweite Band den hohen Erwartungen, mit denen er konfrontiert war, absolut entsprechen.
    Das White Octopus Hotel

    Alexandra Bell
    Das White Octopus Hotel (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Apr 8, 2026

    Eine ganz besondere Lektüre

    Seit Jahrzehnten ist Eve unglücklich. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als die Zeit zurückdrehen zu können, um nur ein winzig kleines Detail zu korrigieren, das die Katastrophe verhindern würde. Durch eine schicksalhafte Begegnung gerät das White Octopus Hotel in Eves Fokus – und lässt sie nicht mehr los. Erzählungen von Zeitreisen und magischen Gegenständen häufen sich, so dass Eve sich kurzerhand in die Schweiz aufmacht. Was hat sie schon zu verlieren …

    Was ist eigentlich Zeit? Eine nicht zu unterschätzende und gleichsam elementare Frage, die während der Lektüre mitschwingt. Wer sich voll und ganz darauf einlässt, mit Eve dieses Abenteuer zu bestreiten, der wird einigen nahezu unerklärlichen Ereignissen beiwohnen. Wer aber versucht eine allzu rationale Sicht zu bewahren, wird schnell an Grenzen stoßen.

    Dieses Buch lebt von Gefühlen, Geschichten, Erinnerungen. Es hat seinen ganz eigenen Klang, der vor allem zwischen den Zeilen wahrzunehmen ist. Verspürt man als Leser zunächst schlichtweg Neugierde, verwandelt sich diese schon bald in Unglauben, und dann wiederum in pure Faszination und Begeisterung. Es gibt noch zahlreiche Facetten, die zu erwähnen sich lohnen würde, und dennoch können Worte kaum den tatsächlichen Reiz des Werks vermitteln.

    Alexandra Bell verknüpft die unterschiedlichen Zeitebenen so gekonnt miteinander, dass sie ein Netz aus feinsten Fäden ergeben. Und doch scheinen sie immer wieder an einem einzigen Punkt zusammenzulaufen. Das ist einerseits irritierend, andererseits aber auch wahnsinnig spannend, denn das zeigt nur, dass alles möglich ist. Inwiefern manche Passagen ein wenig zu ausschweifend daherkommen, darüber ließe sich sicher diskutieren. In der Gesamtbetrachtung macht dies jedoch keinen nennenswerten Unterschied.

    „Das White Octopus Hotel“ ist Lesen mit allen Sinnen, weit über das Bekannte hinaus. Ein paar unterhaltsame Stunden auf der Couch sind garantiert. Zusätzlich werden Fantasie und Kreativität angesprochen wie selten. Am Ende gibt es sogar noch eine handfeste Überraschung, die sich zwar unterschwellig schon früh andeutet, aber trotzdem mit immenser Wucht einschlägt.
    Ungelöst - Die erste Zeugin

    Arno Strobel
    Ungelöst - Die erste Zeugin (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Apr 8, 2026

    Schöpft Potenzial nicht aus

    Luisa ist wie erstarrt, als sie in München, weit weg von ihrer Heimatstadt, mit einer Vergangenheit konfrontiert wird, die sie am liebsten vergessen würde. Doch schnell fängt sie sich, um sich den Dämonen zu stellen, damit der damalige Alptraum keine Wiederholung erfährt. Gemeinsam mit Hauptkommissar Ramin Brunner folgt sie Hinweisen und Indizien, die beide immer weiter hineinziehen in ein nahezu undurchdringliches Geflecht, und ganz tief hinein in die Tiefen der menschlichen Psyche.

    Arno Strobel beherrscht es in seinen Büchern meisterhaft, Querverbindungen zu seinen anderen Titeln herzustellen. Sei es über Figuren, die in unterschiedlichen Verhältnissen zueinander stehen, einzelne kurze Sequenzen oder auch ganze Handlungsstränge. Dennoch hat man niemals das Gefühl, es würde an Informationen mangeln. Vielmehr wird die Neugierde geschürt, dem ein oder anderen Verweis zu folgen und das entsprechende Werk zur Hand zu nehmen.

    Der vorliegende Fall bewegt sich auf unterschiedlichen Zeitebenen, da Rückblicke unausweichlich sind, um sämtliche Verstrickungen erfassen zu können. Gleichzeitig ist eine hohe Konzentration geboten, um sich nicht in den Ausführungen zu verirren, die den Leser in unregelmäßigen Abständen aufs Glatteis führen sollen. Um jedoch eine tatsächliche Verbindung zum Inhalt und den Figuren aufbauen zu können, fehlt letzteren eine gewisse Tiefe. Sie bleiben über einen weiten Zeitraum zu blass, womöglich folgt in weiteren Bänden eine dahingehende Entwicklung.

    Die weibliche Hauptprotagonistin, Luisa, besitzt ein eidetisches Gedächtnis. Dieser Aspekt ist eng verknüpft mit dem Verlauf der Ermittlungen, und durchaus spannend gestaltet. Sicherlich ist die Thematik generell weitaus komplexer, für das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit ist die Darstellung jedoch völlig ausreichend. Dennoch kann nicht verhindert werden, dass das Geschehen hin und wieder an Tempo einbüßt und dadurch sogar vorhersehbarer wird. Zu offensichtlich ist manch falsche Fährte.

    Im Großen und Ganzen handelt es sich um einen soliden Auftakt, der sich flüssig und zügig liest und noch einiges an Potenzial für Folgebände bietet.
    Pina fällt aus

    Vera Zischke
    Pina fällt aus (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Apr 8, 2026

    Vielschichtig und einfach großartig

    Pina ist immer da. Sie kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Leo, der in seinem eigenen Rhythmus lebt und klare Strukturen braucht. Als Pina zusammenbricht und im Krankenhaus landet, gerät plötzlich alles durcheinander. Die Bewohner der Hansastraße 22 sehen sich einer Herausforderung gegenüber, um die sie nicht gebeten haben, und mit der sie nie hatten konfrontiert werden wollen. Es müssen jedoch alle an einem Strang ziehen, wenn sie die Situation meistern und gemeinsam wachsen wollen – auch Leo.

    Vera Zischke bringt in ihrem Roman Charaktere zusammen, die auf den ersten Blick grundverschieden erscheinen. Blickt man jedoch hinter die Maske eines jeden einzelnen, so lassen sich immer mehr Gemeinsamkeiten feststellen. Zunächst stecken alle tief in der Rolle, die sie sich zumeist selbst auferlegt haben. Mit der Zeit aber bröckeln die Fassaden und es tritt eine unerwartete Vielschichtigkeit zutage.

    Feinfühlig, empathisch und dennoch mit absoluter Klarheit hält die Autorin der Gesellschaft den Spiegel vor. Niemand sollte sich scheuen dort hineinzublicken, denn dies ist immer eine Chance, eventuell falsch gewählte Abzweigungen zu erkennen und den Weg zu korrigieren. Es geht um das Miteinander, um Individuen, um Persönlichkeiten, um Ausgrenzung, um Zusammenhalt – und so vieles mehr.

    In „Pina fällt aus“ wird eine warmherzige Geschichte erzählt, die den Leser von der ersten Seite an packt. Einmal begonnen, kann man das Buch nicht aus der Hand legen. Ein wenig fühlt es sich an wie das Einlassen auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Während der Lektüre werden sämtliche Emotionen, positive wie negative, angesprochen. Denn trotz allem zeichnet Vera Zischke kein ausschließlich rosarotes Bild und verschleiert schwierige Gegebenheiten nicht.

    Ein ganz wundervolles Werk, das viel Lob und Beachtung verdient. Noch lange nach dem Lesen klingen Worte und Gefühle nach.
    Die Tote von Nazaré

    Miguel Silva
    Die Tote von Nazaré (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Mar 13, 2026

    Bleibt etwas blass

    Hauptkommissarin Maren Berger kann sich an nichts mehr erinnern. Die letzten Monate vor der verheerenden Tat, wie ausgelöscht. Sie braucht Abstand von allem, ihrem Umfeld, der gewohnten Umgebung. Sie flieht regelrecht nach Portugal, raus aus dem Hamsterrad, auf der Suche nach ihrer Erinnerung, auf der Suche nach sich selbst. Dabei ahnt Maren noch nicht, dass ihr die Widrigkeiten in die vermeintliche Idylle folgen, und sie schon bald vor weiteren Fragen ohne Antworten steht.

    Die grobe Vorgeschichte, weshalb die Kommissarin aus Köln nun nach Portugal gereist ist, lässt sich der Zusammenfassung schnell entnehmen. Doch sogleich stellt man sich als Leser die Frage, ob das wirklich alles ist, oder ob man hier bereits auf eine falsche Fährte gelockt werden soll. Irgendwie wirkt alles ein bisschen glatt, ein bisschen zu konstruiert. Als sollte man konkret in eine bestimmte gedankliche Richtung gelenkt werden. Vielleicht ist man aber auch einfach nur zu misstrauisch.

    Im Laufe des Geschehens dehnt sich die Handlung nach allen Seiten immer weiter aus. Es werden Aspekte hinzugefügt, Figuren eingeführt, Theorien entwickelt und wieder verworfen. Kurzum, die Erzählung bleibt im Fluss. Auf Grund des eingängigen Schreibstils ist es ein leichtes, ihr zu folgen und immer weiter am Ball zu bleiben. Dennoch vermisst man eine gewisse Kreativität. Obwohl Versuche unternommen werden, dies anders erscheinen zu lassen, verläuft doch alles ziemlich geradlinig und strukturiert.

    Entsprechend selten gelingt es dem Autor, den geneigten Krimileser in eine Sackgasse zu locken. Trotzdem lässt man sich ein auf dieses Abenteuer, das wohl den Beginn eines neuen Ermittler-Duos einläutet. Auch die Protagonisten dürfen gerne noch an Tiefe gewinnen, sie bleiben zunächst ein bisschen blass. Vermutlich ist dies aber der Charakteristik eines Auftaktbandes geschuldet. Ein durchaus solider Krimi mit Potenzial. Dem nächsten Band sollte man in jedem Fall eine faire Chance geben.
    Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn

    Sabine Bohlmann
    Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Mar 12, 2026

    Ein buntes Abenteuer

    Die nächsten großen Hürden für Familie Grause werfen ihre Schatten voraus. Schulstart meistern und Familienalltag managen mag einfach klingen, birgt aber diverse Fallstricke. Zumal die Grauses noch immer skeptisch beäugt werden und unter völlig anderen Voraussetzungen auf- und antreten als andere. Nichtsdestotrotz stellen sie sich mutig den ihnen auferlegten Aufgaben entgegen, in der großen Hoffnung, nicht zu scheitern. Denn was dann passieren würde … darüber spricht niemand.

    Der inzwischen dritte Band der Reihe setzt diverse Kenntnisse voraus, vor allem im Bezug auf die Grauses selbst. Besitzt man diese nicht, fällt es Neueinsteigern ungleich schwerer einen schnellen Zugang zum Buch zu finden. Mit der Zeit groovt man sich zwar ein und kann durch Nebeninformationen Querverbindungen ziehen und Zusammenhänge erkennen, der Lesegenuss ist aber in jedem Fall noch höher, wenn man mit Band 1 der Reihe startet.

    Trotz einiger Missgeschicke und durchaus ernsthaften Tönen, sprüht die Geschichte nur so vor positiven Botschaften. Ganz wundervoll und zielgruppengerecht dargestellt erschafft Sabine Bohlmann eine gewisse Wohlfühlatmosphäre, ohne jedoch Widrigkeiten auszuklammern. Auf Freundschaft und Zusammenhalt liegt ein großer Fokus, ebenso auf Individualität und Identität. Es werden aber noch viel mehr Aspekte beherbergt, die zu entdecken sich absolut lohnt.

    Mitreißend und einfühlsam geschrieben, gleichzeitig humorvoll und zum Mitfiebern. Kleine wie große Leser lassen sich gern ein auf dieses bunte Abenteuer, das zudem ganz zauberhaft von Daniel Steudtner illustriert wurde.
    Das Signal

    Ursula Poznanski
    Das Signal (Buch)

    3 of 5 stars Active star Active star Active star Inactive star Inactive star
    Mar 7, 2026

    Themenvielfalt im Thrillergewand

    Nach banger Zeit im Krankenhaus ist Viola froh, endlich wieder zu Hause zu sein.
    Ihr Ziel: möglichst schnell wieder mobil werden.
    Das Problem: ihr Mann scheint es mit Violas Genesung nicht allzu eilig zu haben.
    Der Tag des verheerenden Unfalls: wie ausgelöscht.

    Als Leser begibt man sich auf Grund der gewählten Erzählperspektive an Violas Seite. Das birgt sicherlich die Gefahr, gut getarnte Indizien nicht sogleich als relevant erfassen zu können. Bleibt man jedoch fokussiert, stellt man schnell fest, dass Violas Bauchgefühl nicht von ungefähr kommt. Allerdings sollte der Leser auch keinesfalls allzu blauäugig nur einer Richtung folgen. Denn hier pflastern mehr Geheimnisse den Weg als es zunächst den Anschein macht.

    Ursula Poznanski weiß den Leser für sich einzunehmen. Ihr gelingt es mittels ihres mitreißenden Schreibstils das Tempo weit oben und die Handlung im Fluss zu halten. Dennoch schleicht sich irgendwann das Gefühl ein, das Geschehen drehe sich immer wieder im Kreis, die Vorhersehbarkeit nimmt zu.

    Das Buch wird mit Sicherheit ein breites Publikum begeistern. Es werden zahlreiche Themen angesprochen, die gekonnt verknüpft und be- sowie verarbeitet werden. Seien es physische und psychische Beeinträchtigungen, unterstützende Technologien, Verrat oder Freundschaft, die Autorin erschafft eine neutrale Ebene, auf der keine Bewertung ihrerseits stattfindet.

    Ein bisschen schade ist der Spannungseinbruch, der mit den zunehmend vorhersehbaren Passagen einhergeht. Im Großen und Ganzen aber dennoch ein gelungenes Werk mit Unterhaltungswert, aber auch Aspekten, über die nachzudenken sich absolut lohnt.
    Erde 13 - Aufbruch ins Ungewisse (Erde 13, Bd. 1)

    Andreas Langer
    Erde 13 - Aufbruch ins Ungewisse (Erde 13, Bd. 1) (Buch)

    4 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Inactive star
    Feb 21, 2026

    Erwachen nach dem Kälteschlaf

    Die „alte“ Erde ist unbewohnbar geworden, das Ziel: Terra Ny, oder einfach Erde 13.
    Nach einem 92-jährigen Kälteschlaf ist die Expedition fast an ihrem Bestimmungsort angekommen, als es zu unerwarteten Komplikationen kommt. Die Rettungskapseln, auf die die Passagiere ausweichen müssen, landen verstreut auf dem unbekannten Planeten. Levi und Gwendolin stellen sich dem Abenteuer, versuchen Bekannte, Verwandte und Freunde wiederzufinden und machen dabei wundervolle Entdeckungen, stoßen aber auch auf ein unerwartetes Geheimnis.

    „Aufbruch ins Ungewisse“ kann ohne weiteres als klassischer Auftaktband beschrieben werden, ohne in irgendeiner Weise negatives zu implizieren. Der Leser startet gemeinsam mit den jungen Protagonisten in unbekannte Welten und in eine ungewisse Zukunft. Die Hauptfiguren stechen durch ihre sympathische Art sofort heraus, wobei jeder ganz individuelle Eigenschaften besitzt.

    Auf ihrem Weg treffen sie auf erstaunliche Phänomene, interessante Wesen, aber auch unerwünschte Gefahren. Entsprechend gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und bedacht zu handeln. Dies gelingt mal mehr mal weniger elegant, der Leser rührt sich allerdings nicht vom Fleck, ist nah dabei und verfolgt das Geschehen mit atemloser Spannung. Andreas Langer erschafft eine ganz besondere Atmosphäre, die trotz aller Unwägbarkeiten eine gewisse Sicherheit suggeriert.

    Obwohl man als Außenstehender bisher kaum etwas über die Planung und die Vorgeschichte der Expedition erfährt, wird schnell klar, dass irgendetwas ganz anders ist als es scheint. Es gibt Hinweise, die nicht ignoriert werden können, und doch bleibt alles ein bisschen unscharf und ist nicht konkret greifbar. Theorien werden im Ansatz entwickelt, verifiziert werden kann erst einmal allerdings nichts davon. Zweifellos werden im weiteren Verlauf der Reihe Antworten auf die Fragen, die sich unweigerlich ansammeln, erfolgen.

    Ein wunderbar erfrischendes Werk, das zielgruppengerecht geschrieben, aber dennoch auch für alle weiteren Altersklassen nach oben geeignet ist.
    Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand

    Baek Seungyeon
    Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Feb 14, 2026

    Entschleunigend

    Nicht ohne Grund werden Briefe als „Spiegel der Seele“ bezeichnet, wie Baek Seungyeon in ihrem Debüt eindrucksvoll unter Beweis stellt.

    In dem authentisch dargestellten Letter Shop treten die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf und miteinander in Kontakt. Über den anonymen Penpal-Service werden Verbindungen geknüpft, die womöglich ansonsten nicht zustande gekommen wären. Schön zu sehen an vereinzelten Aufeinandertreffen von Brieffreunden, die nichts von ihrer Gemeinsamkeit ahnen. Gleichzeitig bewegt sich auch die eigentliche Handlung stetig voran, die man ebenfalls gerne verfolgt.

    Durch die ruhige und sanfte Erzählweise taucht der Leser ein in die Welt der Briefe, die so viel mehr sind als Worte auf Papier. Sie erheitern, lassen ratlos zurück oder spenden Trost. Die Bandbreite an Emotionen ist enorm. Was das Werk aber ganz besonders ausmacht, ist die entschleunigende Wirkung, die sich während des Lesens entfaltet. Nicht nur im Briefladen steht die Zeit still, sondern auch auf der heimischen Couch, oder wo immer man dieses Buch zur Hand nimmt.

    Baek Seungyeon ist ein wunderbarer Wohlfühlroman gelungen, bei dem sich der Leser geborgen fühlt, fallen lassen und alles andere ausblenden kann. Vor allem überkommt einen mehr als einmal der Wunsch, selbst wieder mehr zu Stift und Papier zu greifen, anstatt hauptsächlich digital zu kommunizieren. Wahrhaftig ein Genuss.
    Mathilde und Marie

    Torsten Woywod
    Mathilde und Marie (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jan 16, 2026

    Ein Highlight gleich zu Jahresbeginn

    Manchmal braucht es ein einschneidendes Erlebnis, um endlich über seinen Schatten zu springen, Veränderungen zu wagen, sich dem Leben entgegenzustellen, zu sich selbst ehrlich zu sein. Bei Marie führt dies zu einer zunächst kopflos anmutenden Flucht ins Ungewisse. Durch eine ebenso schicksalhafte wie unerwartete Begegnung landet sie inmitten der belgischen Ardennen, in einem kleinen Bücherdorf.

    Torsten Woywod möchte den Leser dazu animieren, in diesen aktuell schwierigen, stressigen und durchaus ungewissen Zeiten, auch einmal innezuhalten. Sich auf all das positive zu besinnen, es wieder wahrzunehmen, ohne dabei die Realität zu verklären. Und – dies darf man ruhig schon zu Beginn sagen – es gelingt ihm ganz grandios.

    Nicht immer ist es ausschließlich das, was aufgeschrieben wurde, das den Leser berührt. Oft sind es die ungesagten Worte, der Raum zwischen den Zeilen, der ein Buch zu einer besonderen Lektüre werden lässt. Selbstverständlich besticht hier auch die Geschichte des Ortes, das Zusammenspiel der sich wunderbar ergänzenden Charaktere und ihrer Entwicklungen, sowie der eingängige und poetische Schreibstil. Die wahre Magie aber entsteht durch eine unbeschreibliche Atmosphäre, die sich vermutlich jedem auf eine andere Art und Weise zeigt.

    Ein wahrhaftiger Wohlfühlroman, der keine allzu großen Wendungen erwarten lässt, das Leben aber auch nicht bloß von seiner rosigen Seite zeigt. Es ist ein bisschen als würde der Leser gemeinsam mit Marie auf Entdeckungsreise gehen und von Grund auf lernen was Wahrnehmung eigentlich bedeutet und was sie vermag. Konkrete Formulierungen für Gefühle zu finden, ist immer schwierig, zumal eine Allgemeingültigkeit sicherlich nicht gegeben wäre. Daher: Unbedingt lesen und eintauchen!
    Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!

    Astrid Göpfrich
    Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama! (Buch)

    5 of 5 stars Active star Active star Active star Active star Active star
    Jan 17, 2026

    Fantastisch

    Der Familienname Frankenstein wirkt auf Nelly wie ein Makel. Etwas, das vor allem ihre Eltern am liebsten komplett verdrängen würden … würden sie nicht auf einem alten Schloss wohnen … und würde es dort nicht spuken … und würde ihre Tochter nicht in die Fußstapfen ihres Urururgroßvaters treten wollen. An Fantasie und Kreativität mangelt es keinesfalls. Und als Nelly plötzlich ein totgeglaubtes Alpaka wieder zum Leben erweckt, und dieses auch noch sprechen kann, ist das Chaos perfekt.

    Eine großartige, warmherzige und zugleich humorvolle Geschichte, mit einer von Anfang an sympathischen Hauptprotagonistin. So begibt man sich auf ein wildes Abenteuer, das mit viel Liebe zum Detail und ebenso tiefgründigen Botschaften gespickt ist. Doch keine Sorge, hier wird nicht mit dem erhobenen Zeigefinger jongliert. Der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, aber Zusammenhalt und Freundschaft sind zwei sehr reale, zentrale Themen.

    Mit einem tollpatschigen Alpaka wird es einem sowieso nie langweilig, man muss aber Acht geben, dass es sich nicht in seinen eigenen Hufen verheddert. Die Geschichte vergeht wie im Flug und wird wunderbar visualisiert durch kleinere und größere Illustrationen. Vor allem eingeschobene Tagebucheinträge zu Nellys mehr oder minder gelungenen Erfindungen lockern die Atmosphäre noch einmal zusätzlich auf.

    Inhaltlich möchte man gar nicht zu viel verraten, zu groß ist die Gefahr vor Begeisterung den gesamten Plot auszuplaudern. Daher sei jedem, der sich für ein paar Stunden gut unterhalten lassen und dem Alltag ein kleines bisschen entfliehen möchte, egal ob Klein oder Groß, dieses Buch ans Herz gelegt. Und auch ein zweiter Band ist schon in Planung, man darf gespannt sein.
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