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    ChrischiD

    Aktiv seit: 02. April 2023
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    31 Rezensionen

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.
    Strandopfer

    Frank Goldammer
    Strandopfer (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    28.05.2026

    Zu langatmig

    Ein deutscher Tourist wird tot am Strand bei Swinemünde entdeckt. Zunächst scheint alles auf einen Badeunfall hinzudeuten, doch dann wird ein Bernstein in seinem Rachen entdeckt. Lena Schuldt vom BKA wird nach Polen beordert, um den Fall gemeinsam mit dem hiesigen Ermittler zu untersuchen und möglichst schnell zum Abschluss zu bringen. Nicht nur die Zusammenarbeit gestaltet sich schwierig, auch der Fall wird immer verstrickter, als es zunächst zu einer Entführung und plötzlich zu einem weiteren Mord kommt.

    Mit den beiden Hauptermittlern treffen zwei Charaktere aufeinander, die nicht nur stellvertretend für unterschiedliche Länder, sondern auch für gängige Klischees und Vorurteile stehen. Von Beginn an liegt eine Spannung zwischen den Figuren in der Luft, weshalb es dem Leser schwerfällt mit ihnen warm zu werden. Sicherlich ahnt man früh, dass in beider Vergangenheit tiefe, noch nicht verheilte Wunden zu ihrem Auftreten führen, an Sympathie gewinnen sie dennoch wenig.

    Das Geschehen wirkt auf den ersten Blick leicht chaotisch, als würde der rote Faden fehlen. Letztlich verfolgt der Autor natürlich ein konkretes Ziel, dieses erkennt man allerdings erst relativ spät. Dafür verliert er sich zunehmend in detaillierten Darstellungen und ausladenden Beschreibungen, die mitunter ermüdend, da wiederholend, wirken. Entsprechend kann die Spannung sich nicht in der gewünschten wie notwendigen Art und Weise entfalten.

    Obwohl die Auflösung sehr konstruiert erscheint, aber ganz bestimmt psychologisch einwandfrei recherchiert wurde, und es die bereits genannten Kritikpunkte gibt, muss man auch die Grundidee als solche betrachten. Es gibt sowohl interessante als auch intelligente Ansätze, sofern man die Ereignisse nicht im Gesamten, sondern einzeln betrachtet. Demnach besitzt das Werk durchaus Potenzial, ist in der Umsetzung jedoch zu langatmig geraten.
    Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen

    Marc-Uwe Kling
    Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    25.05.2026

    Kurzweilige Unterhaltung mit wichtiger Botschaft

    Unglaublich – dass sie das noch erleben dürfen. Das liebgewonnene Klugscheißerchen ist doch nicht unfehlbar. Natürlich nagt dies am Selbstwertgefühl des kleinen türkisen Wesens. Kurzerhand begleitet es Theo und Tina in die Schule, das scheint der richtige Ort, um noch was zu lernen. Dabei stellen nicht nur die Kinder erstaunt fest, dass auch im Schreibtisch des Lehrers ein faszinierendes Geschöpf lebt. Eines, das den Kindern immer wieder versucht falsche Antworten einzuflüstern – ein Vehlerteufelchen.

    Das Klugscheißerchen ist zurück, und es bekommt einen Gegenspieler. Oder besser gesagt einen Sparringspartner. Denn auch wenn es zunächst den Anschein hat, da sie im Grunde auf gegensätzlichen Seiten stehen, so wird doch schnell klar, dass keiner dem anderen etwas böses will. Und ganz nebenbei erfährt man, wer eigentlich für die Fehler verantwortlich gewesen ist, die man damals in Tests und Klassenarbeiten gemacht hat.

    Marc-Uwe Kling holt den Hörer von der ersten Sekunde an ab und schafft es sogar in der kürzesten Geschichte einige wichtige Botschaften zu übermitteln. Trotz aller humoristischer Darbietung stehen Individualität, Vielfalt, Miteinander und Liebe im Vordergrund, und das ganz selbstverständlich. Kein erhobener Zeigefinger, keine Ermahnungen und erst recht keine Grundsatzdiskussion.

    Eine wahrlich sehr schöne Erzählung, über die man nicht allzu viele Worte verlieren sollte, gerne selbst hören und überzeugen. Aber Vorsicht, bei manchen Buchstabendrehern kann man schonmal einen Knoten im Gehirn bekommen.
    Hilfe, zu viele Zaubereulen!

    Mars-Leo Frei
    Hilfe, zu viele Zaubereulen! (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.05.2026

    Emotionen und wie man mit ihnen umgeht

    Es scheint, als hätte sich die ganze Welt gegen Zoa verschworen. Ihre heißgeliebte Oma wandert nach Griechenland aus, Zoa zieht mit ihrer Familie um – 30 km von ihrer allerbesten Freundin entfernt. Sie muss nach den Ferien in eine neue Schule und zu allem Überfluss steht ihr Bett komplett falsch, ihre Eltern sind auf Zoas Wünsche nicht eingegangen. Ihr Bauch grummelt, der Magen zieht sich zusammen, die negativen Gefühle brechen sich Bahn … und plötzlich scheint es in Zoas Umfeld von Eulen nur so zu wimmeln.

    In diesem Auftaktband der magischen Reihe, die noch so einiges verspricht, steht Zoa im Mittelpunkt. Auf Grund zahlreicher Veränderungen in ihrem Leben ist sie zwangsläufig voll mit Emotionen, die zumeist negativer Natur sind. Sicherlich kann jeder sich in ihre Situation hineinversetzen und verstehen, weshalb sie unsicher, wütend, verzweifelt oder auch einfach nur traurig ist.

    Der Autor schildert diverse Alltagssituationen, die, sofern man mit ihnen vertraut ist und sich wohlfühlt, keinerlei Grund zur Sorge bieten. Muss man sich und seinen Platz jedoch erst noch finden und wird quasi ins kalte Wasser geworfen, können sie mitunter absolut bedrohlich erscheinen. So begleitet man Zoa in dieser schwierigen Phase, dabei ist man allerdings nicht alleine.

    Erst ist es nur eine, dann zwei, dann drei, dann vier, bis sich auf einmal über zwanzig Eulen in Zoas näherem Umfeld tummeln. Doch wie kommen sie bloß dahin, und warum verhalten sie sich nicht wie normale Eulen? Als Leser hat man da natürlich schnell eine Idee, schließlich weist der Autor mal mehr mal weniger subtil darauf hin, was hier womöglich passiert. Doch Zoa hat lange keinen rechten Blick dafür, weshalb ihr auch der Durchblick zunächst fehlt.

    Eine schön gestaltete und liebevoll illustrierte Geschichte, die sich mit der Entstehung von Emotionen und wie man mit ihnen umgeht befasst. Die Bilder sind nicht überladen und punktuell platziert, so dass sie das Gelesene gut untermalen. Ein Buch für alle Altersklassen, denn Gefühle sind ein Gebiet, das in jedem Alter relevant ist und auf dem man niemals auslernen kann.
    Pause

    Lena Kupke
    Pause (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.05.2026

    Kraftvoll, aufwühlend, überwältigend

    Als Hanna sich mit Mitte dreißig plötzlich in ihrem Elternhaus wiederfindet, ist diese Option ursprünglich nur für ein oder zwei Nächte gedacht. Lieber gestern als heute möchte sie zurück nach Berlin, in ihre Wohnung, zu ihrem Freund, zu ihrem Job, ihrem Alltag. Aber gibt es all das überhaupt noch? Während sich das Zusammenleben mit ihren Eltern äußerst interessant gestaltet, lernt Hanna viele neue Facetten des Lebens, an sich selbst und ihren Mitmenschen kennen.

    Bereits ohne konkret zu wissen was eigentlich passiert ist, mit wem man es zu tun hat oder wo man sich befindet, wird der Leser in das Geschehen hineingezogen. Lena Kupke hat eine wunderbare Art Ereignisse und Figuren zu beschreiben, sie erschafft damit Nähe und Vertrauen wie es nur selten der Fall ist. Trotz einiger Unwägbarkeiten und scheinbarer Hürden, fühlt man sich direkt geborgen.

    Obwohl man im weiteren Verlauf sehr viel über die Protagonisten, allen voran natürlich Hanna, erfährt, in allen möglichen und unmöglichen Situationen zugegen ist, so geht es in diesem Roman doch um so viel mehr. Hanna steht dabei letztlich stellvertretend für jeden einzelnen. Sicherlich kann man ihre Geschichte nicht einfach auf sich projizieren, ihre Erlebnisse stoßen jedoch tief im Unterbewusstsein eine Lawine los, die man zu Beginn definitiv noch nicht hat kommen sehen. Der Leser erfasst einerseits die Darstellungen, lebt, liebt und leidet mit Hanna, ficht dabei aber gleichzeitig einen eigenen inneren Kampf aus.

    Die bei der Lektüre des Werkes aufkommenden Gefühle adäquat zu beschreiben, fällt schwer. Sämtliche Worte und Formulierungen können dem nicht gerecht werden. Lena Kupke ist mit „Pause“ ein wahrlich grandioser, unglaublich empathischer und nicht minder aufwühlender Roman gelungen. Um nicht von Emotionen überwältigt zu werden, sollte man den Titel sehr ernst nehmen und auch mal eine Pause beim Lesen machen, so schwierig es auch ist das Buch zur Seite zu legen.
    REM

    Annika Strauss
    REM (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    09.05.2026

    Zwischen Irrationalität und Faszination

    Viele Jahre nach einem traumatischen Ereignis, das sich tief in ihr Unterbewusstsein gegraben hat, steht Alysee vor der Möglichkeit, die Vergangenheit zu verstehen. Vielleicht kann sie sogar die quälende Schlafphobie bezwingen und ein unbeschwertes Leben führen. Doch schnell wird ihr bewusst, dass etwas viel grausameres als die ihr bekannten Dämonen darauf lauert zuzuschlagen.

    Obwohl die Handlung als solche eine geraume Zeit benötigt, um in Gang zu kommen, ist schon früh ein gewisser Sog spürbar. Schließlich ist dem Leser bereits zu Beginn bekannt in welchem Genre man sich bewegt, so dass die Geschichte unweigerlich darauf hinsteuert, die entsprechenden Elemente sind unverkennbar. Die relativ kurzen Kapitel halten die Erzählung dabei stetig im Fluss. Auf Grund unregelmäßiger Perspektivwechsel erhält man zudem weitreichendere Informationen als die einzelnen Protagonisten.

    Diese wiederum bleiben in Summe recht blass. Selbst Alysee, um die sich im Grunde alles dreht, hätte noch mehr Tiefe vertragen können. Eine echte Verbindung zwischen Leser und Charakteren entwickelt sich nicht, dennoch ist einem ihr Schicksal selbstredend nicht gleichgültig.

    Annika Strauss hat gemeinsam mit Sebastian Fitzek einen Plot erschaffen, der die Denkleistung des Lesers durchaus ab und an fordert. Vieles schreit nach Irrationalität, die dargelegten Erläuterungen allerdings sind wahrhaftig erstklassig und regen zum Nachdenken und Grübeln an. Gleichzeitig verschlägt es einem ob der beschriebenen Szenarien mehr als einmal den Atem. Sicherlich keine Lektüre für schwache Nerven. Und ob man das Buch wirklich vor dem Schlafengehen lesen sollte, muss auch jeder selbst entscheiden.

    Meinungen und Empfindungen sind generell subjektiv zu betrachten. Da es hier explizit um Schlaf und Träume geht aber noch eine zusätzliche absolut subjektive Einschätzung zum Schluss. Es scheint, als würde das gesamte Setting weniger verfangen, wenn man selbst fast nur luzid träumt.

    Nichtsdestotrotz ist REM ein gelungener Horror-Thriller, der mit Sicherheit einige Leser restlos begeistern wird.
    Die Känguru-Rebellion

    Marc-Uwe Kling
    Die Känguru-Rebellion (CD)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.04.2026

    Es wird rebelliert...

    Es wird rebelliert … warum, wieso, weshalb … politisch, systemisch, gesellschaftlich … Hauptsache mit vielen und Hauptsache laut. Das Känguru ruft dazu auf, sich zu versammeln und zu formieren. Dass man dabei nicht immer gleich erfasst worum es eigentlich gerade geht … Egal!

    Im mittlerweile fünften Werk rund um das Känguru und seinen Mitbewohner Marc-Uwe wird wieder einmal eine Bandbreite an Themen angesprochen, die im Grunde jeden und jede in irgendeiner Art und Weise betreffen. Oder zumindest insofern relevant sind, als dass man sich darüber Gedanken machen und womöglich auch eine eigene Meinung bilden sollte. Dabei geht es kreuz und quer durch politische, technische wie auch gesamtgesellschaftliche Felder. Hin und wieder sind die Grenzen fließend. Während man gedanklich noch an Punkt A verweilt, kann es durchaus vorkommen, dass das Känguru bereits über B nach C gehüpft ist – mit einem kurzen Abstecher nach D.

    Allein auf Grund der knapp gehaltenen Kapitel ist das Werk bereits als kurzweilig einzustufen, dabei jedoch alles andere als oberflächlich. Beim vorliegenden Hörbuch kommt hinzu, dass die Texte vom Autor selbst in einer so mitreißenden Art und Weise gelesen werden, dass man sich als Hörer dem Sog kaum entziehen kann. Anekdoten und – mal mehr mal weniger gelungene – Wortspiele pflastern den Weg von Anfang bis Ende. Es wäre ein Wunder, wenn nicht jeder wenigstens einmal lauthals lachen müsste. Vermutlich funktionieren die Texte vorgelesen nochmal besser als würde man selbst lesen. Schon allein auf Grund des Enthusiasmus, den das Känguru an den Tag legt, um Mitrebellen zu akquirieren.

    Nicht jedes Thema, nicht jede Passage ist auf dem gleichen humoristischen Niveau. Sicherlich geht es nicht vorrangig darum irgendetwas oder -jemanden zu veralbern, es ist jedoch ein wichtiges Stilmittel, dessen der Autor sich bedient. Und natürlich kommt es auch immer auf den Einzelnen an, welche Themen einen abholen und welche Stellungnahmen sofort verfangen. Alles in allem dennoch wieder ein Werk mit viel Charme und Witz zu aktuellen Themen und Fragestellungen.
    Happy Head

    Josh Silver
    Happy Head (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    26.04.2026

    Verfängt nicht

    Ein Mental-Health-Programm, das die Probleme unglücklicher Jugendlicher lösen soll?
    Ein abgeschiedenes Camp, ein Experiment und eine Einladung, die Seb nicht ablehnen kann, wenn er seine Eltern endlich stolz machen möchte. Es kann doch nicht so schwer sein, die gestellten Aufgaben zur Zufriedenheit aller zu meistern, um endlich ein gänzlich erfülltes Leben zu führen. Hin und wieder wäre es allerdings gar nicht verkehrt Methoden und Ansichten zu hinterfragen.

    Für den Leser ist sehr schnell offensichtlich, dass im Camp irgendetwas vor sich geht, das bisher zwar nicht greifbar, aber ziemlich bedrohlich ist. Dabei bewundert man die Naivität der Jugendlichen, die scheinbar allesamt keinerlei Bedenken haben. Andererseits wurden sie vermutlich aus ganz bestimmten Gründen für dieses Experiment ausgewählt.

    Der Autor verfolgt interessante Ansätze, die den Leser sicherlich auf die ein oder andere Weise zum Nachdenken anregen. Nichtsdestotrotz gestaltet sich das erste Drittel recht zäh, es scheint als würde die Handlung nicht so richtig in Schwung kommen. Natürlich werden bereits Akzente gesetzt, die darauf hindeuten, dass mehr als nur ein Geheimnis hinter der Fassade lauert, sie ziehen das Tempo aber leider zunächst nicht merklich an.

    Inwiefern man sich mit der ein oder anderen Figur identifiziert liegt in erster Linie im eigenen Charakter begründet, nachvollziehbar sind viele der dargestellten Reaktionen seitens der Jugendlichen jedoch allemal. Schließlich wird jeder das ein oder andere Erlebnis seiner Teenagerzeit noch immer sehr präsent haben. Dementsprechend sind auch die teils überschäumenden Emotionen völlig plausibel.

    So richtig verfangen hat das Buch nicht, obwohl nicht nur der Cliffhanger am Ende für einige offene Fragen sorgt, die man schon gerne beantwortet bekommen würde. Ob der zweite noch folgende Band wirklich für einen runden Abschluss sorgen kann bleibt daher fraglich. Thematisch trifft Josh Silver sicherlich einen Nerv, in einer Zeit, die von Unsicherheiten im Kleinen wie im Großen geprägt ist und zahlreiche Ängste schürt.
    Ein guter Blick fürs Böse

    Elizabeth Arnott
    Ein guter Blick fürs Böse (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    10.04.2026

    Interessant, aber ausbaufähig

    Drei Frauen, die lange Zeit nichts von den Machenschaften ihrer Männer ahnten, nehmen den Kampf auf gegen einen mutmaßlichen Serientäter, der sein Unwesen treibt und Angst und Schrecken verbreitet. Denn wer mit einem Mörder verheiratet war, hat nochmal einen anderen Blick auf Muster und Verhaltensweisen, so ihre Theorie. Aber vielleicht wollen sie auch einfach nur etwas gutmachen, die Taten ihrer Männer sühnen …

    Dass man sich in den 1960ern befindet, muss man sich manches Mal konkret ins Bewusstsein rufen. Gerade wenn es um das Zusammenspiel von Männern und Frauen geht, den Umgang mit- und die Gedanken übereinander. Doch das ist nicht der einzige Faktor, der den Einstieg ins Geschehen ein wenig stocken lässt. Stil und Inhalt werden gleichermaßen zu Stolpersteinen. Die Autorin scheint zunächst eine Fülle an Informationen unterbringen zu wollen, die der Leser sich sortieren muss, um den Überblick nicht zu verlieren.

    Die Vorgehensweise der Hauptprotagonistinnen, den vermeintlichen Serienmörder dingfest zu machen, mutet gewissermaßen unstrukturiert an. Dennoch erlangen sie im Laufe des Geschehens teils überraschende Erkenntnisse und gewinnen zudem immer mehr an Sympathie. Ist man mit der Erzählung warm geworden, so fällt es leicht, dem Fortgang der Geschichte zu folgen. Nicht immer verfolgt der Leser dabei dieselbe Theorie wie die Frauen, wer letztlich auf der richtigen Spur ist, wird jedoch erst das recht groß angelegte Finale zeigen.

    Elizabeth Arnott versucht die Spannung hoch zu halten, gleichzeitig aber auch Einblicke in die Gedanken sowie die Vergangenheit der Protagonisten zu geben. Vor allem letzteres ist zum Teil wahrhaftig unbegreiflich. Die begangenen Taten, der Weg zu Entdeckung und Motiv, rational nicht nachvollziehbar was in den Männern vorgegangen ist. Durch die Mischung hält die Autorin die Handlung zwar lebendig, verliert sich hin und wieder aber in zu detaillierten Darstellungen. Eine an sich tolle Grundidee, die in der Umsetzung allerdings leichte Schwächen aufweist und die Erwartungen nicht gänzlich erfüllt.
    Die Rätsel meines Großvaters

    Masateru Konishi
    Die Rätsel meines Großvaters (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.04.2026

    Erfüllt sämtliche Erwartungen

    Konnte der erste Band rund um Kaede, ihren Großvater, das Lösen von Rätseln und so vielem mehr, noch für sich alleine stehen, so sind bei dem sehnsüchtig erwarteten zweiten Band einige Vorkenntnisse notwendig. Die wichtigsten Begebenheiten werden zwar kurz erwähnt, eine Erläuterung oder Einordnung, ob der besseren Nachvollziehbarkeit, gibt es jedoch nicht. Entsprechend sollte für den umfassenden Lesegenuss unbedingt zunächst der Auftaktband hinzugezogen werden.

    Dem Autor gelingt es, unglaublich feinfühlig und dabei gleichzeitig sehr geschickt, unterschiedliche Elemente und Aspekte miteinander zu verbinden. Häufig sogar so, dass der Leser dies erst im Nachhinein vollständig erfasst und eventuell nochmal kurz zurückblättert, um das Verweben nachzuverfolgen. Nichts geschieht im Verborgenen, und doch scheint es oft zunächst absolut undurchdringlich. Sobald die Beweisführung gestartet wird, wirkt aber plötzlich alles recht offensichtlich. Als geneigter Leser von Kriminalliteratur sollte man meinen einige Kniffe zu kennen. Dennoch ist man ein ums andere Mal überrascht wie getrübt die eigene Wahrnehmung doch sein kann.

    Das Buch beherbergt fünf Haupträtsel, die es für Kaede, ihre Freunde und ihren Großvater zu entschlüsseln gilt. Dabei sind die Grenzen jedoch fließend, es steht sogar zu vermuten, dass auch im dritten Band auf einzelne Ereignisse zurückgegriffen werden wird. Im ersten Band bereits liebgewonnene Charaktere tauchen erneut auf, entwickeln sich weiter und zeigen mitunter ganz neue Seiten an sich. Es werden aber auch neue Figuren eingeführt, die sich wunderbar ins Geschehen einfügen und sicherlich weiterhin erhalten bleiben. Denn noch ist definitiv keine ihrer Geschichten auserzählt.

    Die Krankheit ihres Großvaters bekommt ebenso ihren notwendigen Raum, wie auch Kaedes Familiengeschichte im Allgemeinen. Denn auch hier gibt es noch einige lose Fäden. Da diese Handlungsstränge die höchste emotionale Aufladung besitzen, werden sie wohldosiert weitergeführt, um eine vorzeitige Eskalation zu vermeiden. Auf das Finale darf man sicherlich sehr gespannt sein, es gibt noch viel zu entdecken. In jedem Fall konnte dieser zweite Band den hohen Erwartungen, mit denen er konfrontiert war, absolut entsprechen.
    Das White Octopus Hotel

    Alexandra Bell
    Das White Octopus Hotel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.04.2026

    Eine ganz besondere Lektüre

    Seit Jahrzehnten ist Eve unglücklich. Nichts wünscht sie sich sehnlicher als die Zeit zurückdrehen zu können, um nur ein winzig kleines Detail zu korrigieren, das die Katastrophe verhindern würde. Durch eine schicksalhafte Begegnung gerät das White Octopus Hotel in Eves Fokus – und lässt sie nicht mehr los. Erzählungen von Zeitreisen und magischen Gegenständen häufen sich, so dass Eve sich kurzerhand in die Schweiz aufmacht. Was hat sie schon zu verlieren …

    Was ist eigentlich Zeit? Eine nicht zu unterschätzende und gleichsam elementare Frage, die während der Lektüre mitschwingt. Wer sich voll und ganz darauf einlässt, mit Eve dieses Abenteuer zu bestreiten, der wird einigen nahezu unerklärlichen Ereignissen beiwohnen. Wer aber versucht eine allzu rationale Sicht zu bewahren, wird schnell an Grenzen stoßen.

    Dieses Buch lebt von Gefühlen, Geschichten, Erinnerungen. Es hat seinen ganz eigenen Klang, der vor allem zwischen den Zeilen wahrzunehmen ist. Verspürt man als Leser zunächst schlichtweg Neugierde, verwandelt sich diese schon bald in Unglauben, und dann wiederum in pure Faszination und Begeisterung. Es gibt noch zahlreiche Facetten, die zu erwähnen sich lohnen würde, und dennoch können Worte kaum den tatsächlichen Reiz des Werks vermitteln.

    Alexandra Bell verknüpft die unterschiedlichen Zeitebenen so gekonnt miteinander, dass sie ein Netz aus feinsten Fäden ergeben. Und doch scheinen sie immer wieder an einem einzigen Punkt zusammenzulaufen. Das ist einerseits irritierend, andererseits aber auch wahnsinnig spannend, denn das zeigt nur, dass alles möglich ist. Inwiefern manche Passagen ein wenig zu ausschweifend daherkommen, darüber ließe sich sicher diskutieren. In der Gesamtbetrachtung macht dies jedoch keinen nennenswerten Unterschied.

    „Das White Octopus Hotel“ ist Lesen mit allen Sinnen, weit über das Bekannte hinaus. Ein paar unterhaltsame Stunden auf der Couch sind garantiert. Zusätzlich werden Fantasie und Kreativität angesprochen wie selten. Am Ende gibt es sogar noch eine handfeste Überraschung, die sich zwar unterschwellig schon früh andeutet, aber trotzdem mit immenser Wucht einschlägt.
    Ungelöst - Die erste Zeugin

    Arno Strobel
    Ungelöst - Die erste Zeugin (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    08.04.2026

    Schöpft Potenzial nicht aus

    Luisa ist wie erstarrt, als sie in München, weit weg von ihrer Heimatstadt, mit einer Vergangenheit konfrontiert wird, die sie am liebsten vergessen würde. Doch schnell fängt sie sich, um sich den Dämonen zu stellen, damit der damalige Alptraum keine Wiederholung erfährt. Gemeinsam mit Hauptkommissar Ramin Brunner folgt sie Hinweisen und Indizien, die beide immer weiter hineinziehen in ein nahezu undurchdringliches Geflecht, und ganz tief hinein in die Tiefen der menschlichen Psyche.

    Arno Strobel beherrscht es in seinen Büchern meisterhaft, Querverbindungen zu seinen anderen Titeln herzustellen. Sei es über Figuren, die in unterschiedlichen Verhältnissen zueinander stehen, einzelne kurze Sequenzen oder auch ganze Handlungsstränge. Dennoch hat man niemals das Gefühl, es würde an Informationen mangeln. Vielmehr wird die Neugierde geschürt, dem ein oder anderen Verweis zu folgen und das entsprechende Werk zur Hand zu nehmen.

    Der vorliegende Fall bewegt sich auf unterschiedlichen Zeitebenen, da Rückblicke unausweichlich sind, um sämtliche Verstrickungen erfassen zu können. Gleichzeitig ist eine hohe Konzentration geboten, um sich nicht in den Ausführungen zu verirren, die den Leser in unregelmäßigen Abständen aufs Glatteis führen sollen. Um jedoch eine tatsächliche Verbindung zum Inhalt und den Figuren aufbauen zu können, fehlt letzteren eine gewisse Tiefe. Sie bleiben über einen weiten Zeitraum zu blass, womöglich folgt in weiteren Bänden eine dahingehende Entwicklung.

    Die weibliche Hauptprotagonistin, Luisa, besitzt ein eidetisches Gedächtnis. Dieser Aspekt ist eng verknüpft mit dem Verlauf der Ermittlungen, und durchaus spannend gestaltet. Sicherlich ist die Thematik generell weitaus komplexer, für das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit ist die Darstellung jedoch völlig ausreichend. Dennoch kann nicht verhindert werden, dass das Geschehen hin und wieder an Tempo einbüßt und dadurch sogar vorhersehbarer wird. Zu offensichtlich ist manch falsche Fährte.

    Im Großen und Ganzen handelt es sich um einen soliden Auftakt, der sich flüssig und zügig liest und noch einiges an Potenzial für Folgebände bietet.
    Pina fällt aus

    Vera Zischke
    Pina fällt aus (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    08.04.2026

    Vielschichtig und einfach großartig

    Pina ist immer da. Sie kümmert sich liebevoll um ihren Sohn Leo, der in seinem eigenen Rhythmus lebt und klare Strukturen braucht. Als Pina zusammenbricht und im Krankenhaus landet, gerät plötzlich alles durcheinander. Die Bewohner der Hansastraße 22 sehen sich einer Herausforderung gegenüber, um die sie nicht gebeten haben, und mit der sie nie hatten konfrontiert werden wollen. Es müssen jedoch alle an einem Strang ziehen, wenn sie die Situation meistern und gemeinsam wachsen wollen – auch Leo.

    Vera Zischke bringt in ihrem Roman Charaktere zusammen, die auf den ersten Blick grundverschieden erscheinen. Blickt man jedoch hinter die Maske eines jeden einzelnen, so lassen sich immer mehr Gemeinsamkeiten feststellen. Zunächst stecken alle tief in der Rolle, die sie sich zumeist selbst auferlegt haben. Mit der Zeit aber bröckeln die Fassaden und es tritt eine unerwartete Vielschichtigkeit zutage.

    Feinfühlig, empathisch und dennoch mit absoluter Klarheit hält die Autorin der Gesellschaft den Spiegel vor. Niemand sollte sich scheuen dort hineinzublicken, denn dies ist immer eine Chance, eventuell falsch gewählte Abzweigungen zu erkennen und den Weg zu korrigieren. Es geht um das Miteinander, um Individuen, um Persönlichkeiten, um Ausgrenzung, um Zusammenhalt – und so vieles mehr.

    In „Pina fällt aus“ wird eine warmherzige Geschichte erzählt, die den Leser von der ersten Seite an packt. Einmal begonnen, kann man das Buch nicht aus der Hand legen. Ein wenig fühlt es sich an wie das Einlassen auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Während der Lektüre werden sämtliche Emotionen, positive wie negative, angesprochen. Denn trotz allem zeichnet Vera Zischke kein ausschließlich rosarotes Bild und verschleiert schwierige Gegebenheiten nicht.

    Ein ganz wundervolles Werk, das viel Lob und Beachtung verdient. Noch lange nach dem Lesen klingen Worte und Gefühle nach.
    Die Tote von Nazaré

    Miguel Silva
    Die Tote von Nazaré (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    13.03.2026

    Bleibt etwas blass

    Hauptkommissarin Maren Berger kann sich an nichts mehr erinnern. Die letzten Monate vor der verheerenden Tat, wie ausgelöscht. Sie braucht Abstand von allem, ihrem Umfeld, der gewohnten Umgebung. Sie flieht regelrecht nach Portugal, raus aus dem Hamsterrad, auf der Suche nach ihrer Erinnerung, auf der Suche nach sich selbst. Dabei ahnt Maren noch nicht, dass ihr die Widrigkeiten in die vermeintliche Idylle folgen, und sie schon bald vor weiteren Fragen ohne Antworten steht.

    Die grobe Vorgeschichte, weshalb die Kommissarin aus Köln nun nach Portugal gereist ist, lässt sich der Zusammenfassung schnell entnehmen. Doch sogleich stellt man sich als Leser die Frage, ob das wirklich alles ist, oder ob man hier bereits auf eine falsche Fährte gelockt werden soll. Irgendwie wirkt alles ein bisschen glatt, ein bisschen zu konstruiert. Als sollte man konkret in eine bestimmte gedankliche Richtung gelenkt werden. Vielleicht ist man aber auch einfach nur zu misstrauisch.

    Im Laufe des Geschehens dehnt sich die Handlung nach allen Seiten immer weiter aus. Es werden Aspekte hinzugefügt, Figuren eingeführt, Theorien entwickelt und wieder verworfen. Kurzum, die Erzählung bleibt im Fluss. Auf Grund des eingängigen Schreibstils ist es ein leichtes, ihr zu folgen und immer weiter am Ball zu bleiben. Dennoch vermisst man eine gewisse Kreativität. Obwohl Versuche unternommen werden, dies anders erscheinen zu lassen, verläuft doch alles ziemlich geradlinig und strukturiert.

    Entsprechend selten gelingt es dem Autor, den geneigten Krimileser in eine Sackgasse zu locken. Trotzdem lässt man sich ein auf dieses Abenteuer, das wohl den Beginn eines neuen Ermittler-Duos einläutet. Auch die Protagonisten dürfen gerne noch an Tiefe gewinnen, sie bleiben zunächst ein bisschen blass. Vermutlich ist dies aber der Charakteristik eines Auftaktbandes geschuldet. Ein durchaus solider Krimi mit Potenzial. Dem nächsten Band sollte man in jedem Fall eine faire Chance geben.
    Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn

    Sabine Bohlmann
    Willkommen bei den Grauses 3: Der normale Schulwahnsinn (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.03.2026

    Ein buntes Abenteuer

    Die nächsten großen Hürden für Familie Grause werfen ihre Schatten voraus. Schulstart meistern und Familienalltag managen mag einfach klingen, birgt aber diverse Fallstricke. Zumal die Grauses noch immer skeptisch beäugt werden und unter völlig anderen Voraussetzungen auf- und antreten als andere. Nichtsdestotrotz stellen sie sich mutig den ihnen auferlegten Aufgaben entgegen, in der großen Hoffnung, nicht zu scheitern. Denn was dann passieren würde … darüber spricht niemand.

    Der inzwischen dritte Band der Reihe setzt diverse Kenntnisse voraus, vor allem im Bezug auf die Grauses selbst. Besitzt man diese nicht, fällt es Neueinsteigern ungleich schwerer einen schnellen Zugang zum Buch zu finden. Mit der Zeit groovt man sich zwar ein und kann durch Nebeninformationen Querverbindungen ziehen und Zusammenhänge erkennen, der Lesegenuss ist aber in jedem Fall noch höher, wenn man mit Band 1 der Reihe startet.

    Trotz einiger Missgeschicke und durchaus ernsthaften Tönen, sprüht die Geschichte nur so vor positiven Botschaften. Ganz wundervoll und zielgruppengerecht dargestellt erschafft Sabine Bohlmann eine gewisse Wohlfühlatmosphäre, ohne jedoch Widrigkeiten auszuklammern. Auf Freundschaft und Zusammenhalt liegt ein großer Fokus, ebenso auf Individualität und Identität. Es werden aber noch viel mehr Aspekte beherbergt, die zu entdecken sich absolut lohnt.

    Mitreißend und einfühlsam geschrieben, gleichzeitig humorvoll und zum Mitfiebern. Kleine wie große Leser lassen sich gern ein auf dieses bunte Abenteuer, das zudem ganz zauberhaft von Daniel Steudtner illustriert wurde.
    Das Signal

    Ursula Poznanski
    Das Signal (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    07.03.2026

    Themenvielfalt im Thrillergewand

    Nach banger Zeit im Krankenhaus ist Viola froh, endlich wieder zu Hause zu sein.
    Ihr Ziel: möglichst schnell wieder mobil werden.
    Das Problem: ihr Mann scheint es mit Violas Genesung nicht allzu eilig zu haben.
    Der Tag des verheerenden Unfalls: wie ausgelöscht.

    Als Leser begibt man sich auf Grund der gewählten Erzählperspektive an Violas Seite. Das birgt sicherlich die Gefahr, gut getarnte Indizien nicht sogleich als relevant erfassen zu können. Bleibt man jedoch fokussiert, stellt man schnell fest, dass Violas Bauchgefühl nicht von ungefähr kommt. Allerdings sollte der Leser auch keinesfalls allzu blauäugig nur einer Richtung folgen. Denn hier pflastern mehr Geheimnisse den Weg als es zunächst den Anschein macht.

    Ursula Poznanski weiß den Leser für sich einzunehmen. Ihr gelingt es mittels ihres mitreißenden Schreibstils das Tempo weit oben und die Handlung im Fluss zu halten. Dennoch schleicht sich irgendwann das Gefühl ein, das Geschehen drehe sich immer wieder im Kreis, die Vorhersehbarkeit nimmt zu.

    Das Buch wird mit Sicherheit ein breites Publikum begeistern. Es werden zahlreiche Themen angesprochen, die gekonnt verknüpft und be- sowie verarbeitet werden. Seien es physische und psychische Beeinträchtigungen, unterstützende Technologien, Verrat oder Freundschaft, die Autorin erschafft eine neutrale Ebene, auf der keine Bewertung ihrerseits stattfindet.

    Ein bisschen schade ist der Spannungseinbruch, der mit den zunehmend vorhersehbaren Passagen einhergeht. Im Großen und Ganzen aber dennoch ein gelungenes Werk mit Unterhaltungswert, aber auch Aspekten, über die nachzudenken sich absolut lohnt.
    Erde 13 - Aufbruch ins Ungewisse (Erde 13, Bd. 1)

    Andreas Langer
    Erde 13 - Aufbruch ins Ungewisse (Erde 13, Bd. 1) (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    21.02.2026

    Erwachen nach dem Kälteschlaf

    Die „alte“ Erde ist unbewohnbar geworden, das Ziel: Terra Ny, oder einfach Erde 13.
    Nach einem 92-jährigen Kälteschlaf ist die Expedition fast an ihrem Bestimmungsort angekommen, als es zu unerwarteten Komplikationen kommt. Die Rettungskapseln, auf die die Passagiere ausweichen müssen, landen verstreut auf dem unbekannten Planeten. Levi und Gwendolin stellen sich dem Abenteuer, versuchen Bekannte, Verwandte und Freunde wiederzufinden und machen dabei wundervolle Entdeckungen, stoßen aber auch auf ein unerwartetes Geheimnis.

    „Aufbruch ins Ungewisse“ kann ohne weiteres als klassischer Auftaktband beschrieben werden, ohne in irgendeiner Weise negatives zu implizieren. Der Leser startet gemeinsam mit den jungen Protagonisten in unbekannte Welten und in eine ungewisse Zukunft. Die Hauptfiguren stechen durch ihre sympathische Art sofort heraus, wobei jeder ganz individuelle Eigenschaften besitzt.

    Auf ihrem Weg treffen sie auf erstaunliche Phänomene, interessante Wesen, aber auch unerwünschte Gefahren. Entsprechend gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und bedacht zu handeln. Dies gelingt mal mehr mal weniger elegant, der Leser rührt sich allerdings nicht vom Fleck, ist nah dabei und verfolgt das Geschehen mit atemloser Spannung. Andreas Langer erschafft eine ganz besondere Atmosphäre, die trotz aller Unwägbarkeiten eine gewisse Sicherheit suggeriert.

    Obwohl man als Außenstehender bisher kaum etwas über die Planung und die Vorgeschichte der Expedition erfährt, wird schnell klar, dass irgendetwas ganz anders ist als es scheint. Es gibt Hinweise, die nicht ignoriert werden können, und doch bleibt alles ein bisschen unscharf und ist nicht konkret greifbar. Theorien werden im Ansatz entwickelt, verifiziert werden kann erst einmal allerdings nichts davon. Zweifellos werden im weiteren Verlauf der Reihe Antworten auf die Fragen, die sich unweigerlich ansammeln, erfolgen.

    Ein wunderbar erfrischendes Werk, das zielgruppengerecht geschrieben, aber dennoch auch für alle weiteren Altersklassen nach oben geeignet ist.
    Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand

    Baek Seungyeon
    Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.02.2026

    Entschleunigend

    Nicht ohne Grund werden Briefe als „Spiegel der Seele“ bezeichnet, wie Baek Seungyeon in ihrem Debüt eindrucksvoll unter Beweis stellt.

    In dem authentisch dargestellten Letter Shop treten die unterschiedlichsten Persönlichkeiten auf und miteinander in Kontakt. Über den anonymen Penpal-Service werden Verbindungen geknüpft, die womöglich ansonsten nicht zustande gekommen wären. Schön zu sehen an vereinzelten Aufeinandertreffen von Brieffreunden, die nichts von ihrer Gemeinsamkeit ahnen. Gleichzeitig bewegt sich auch die eigentliche Handlung stetig voran, die man ebenfalls gerne verfolgt.

    Durch die ruhige und sanfte Erzählweise taucht der Leser ein in die Welt der Briefe, die so viel mehr sind als Worte auf Papier. Sie erheitern, lassen ratlos zurück oder spenden Trost. Die Bandbreite an Emotionen ist enorm. Was das Werk aber ganz besonders ausmacht, ist die entschleunigende Wirkung, die sich während des Lesens entfaltet. Nicht nur im Briefladen steht die Zeit still, sondern auch auf der heimischen Couch, oder wo immer man dieses Buch zur Hand nimmt.

    Baek Seungyeon ist ein wunderbarer Wohlfühlroman gelungen, bei dem sich der Leser geborgen fühlt, fallen lassen und alles andere ausblenden kann. Vor allem überkommt einen mehr als einmal der Wunsch, selbst wieder mehr zu Stift und Papier zu greifen, anstatt hauptsächlich digital zu kommunizieren. Wahrhaftig ein Genuss.
    Mathilde und Marie

    Torsten Woywod
    Mathilde und Marie (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.01.2026

    Ein Highlight gleich zu Jahresbeginn

    Manchmal braucht es ein einschneidendes Erlebnis, um endlich über seinen Schatten zu springen, Veränderungen zu wagen, sich dem Leben entgegenzustellen, zu sich selbst ehrlich zu sein. Bei Marie führt dies zu einer zunächst kopflos anmutenden Flucht ins Ungewisse. Durch eine ebenso schicksalhafte wie unerwartete Begegnung landet sie inmitten der belgischen Ardennen, in einem kleinen Bücherdorf.

    Torsten Woywod möchte den Leser dazu animieren, in diesen aktuell schwierigen, stressigen und durchaus ungewissen Zeiten, auch einmal innezuhalten. Sich auf all das positive zu besinnen, es wieder wahrzunehmen, ohne dabei die Realität zu verklären. Und – dies darf man ruhig schon zu Beginn sagen – es gelingt ihm ganz grandios.

    Nicht immer ist es ausschließlich das, was aufgeschrieben wurde, das den Leser berührt. Oft sind es die ungesagten Worte, der Raum zwischen den Zeilen, der ein Buch zu einer besonderen Lektüre werden lässt. Selbstverständlich besticht hier auch die Geschichte des Ortes, das Zusammenspiel der sich wunderbar ergänzenden Charaktere und ihrer Entwicklungen, sowie der eingängige und poetische Schreibstil. Die wahre Magie aber entsteht durch eine unbeschreibliche Atmosphäre, die sich vermutlich jedem auf eine andere Art und Weise zeigt.

    Ein wahrhaftiger Wohlfühlroman, der keine allzu großen Wendungen erwarten lässt, das Leben aber auch nicht bloß von seiner rosigen Seite zeigt. Es ist ein bisschen als würde der Leser gemeinsam mit Marie auf Entdeckungsreise gehen und von Grund auf lernen was Wahrnehmung eigentlich bedeutet und was sie vermag. Konkrete Formulierungen für Gefühle zu finden, ist immer schwierig, zumal eine Allgemeingültigkeit sicherlich nicht gegeben wäre. Daher: Unbedingt lesen und eintauchen!
    Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!

    Astrid Göpfrich
    Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama! (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.01.2026

    Fantastisch

    Der Familienname Frankenstein wirkt auf Nelly wie ein Makel. Etwas, das vor allem ihre Eltern am liebsten komplett verdrängen würden … würden sie nicht auf einem alten Schloss wohnen … und würde es dort nicht spuken … und würde ihre Tochter nicht in die Fußstapfen ihres Urururgroßvaters treten wollen. An Fantasie und Kreativität mangelt es keinesfalls. Und als Nelly plötzlich ein totgeglaubtes Alpaka wieder zum Leben erweckt, und dieses auch noch sprechen kann, ist das Chaos perfekt.

    Eine großartige, warmherzige und zugleich humorvolle Geschichte, mit einer von Anfang an sympathischen Hauptprotagonistin. So begibt man sich auf ein wildes Abenteuer, das mit viel Liebe zum Detail und ebenso tiefgründigen Botschaften gespickt ist. Doch keine Sorge, hier wird nicht mit dem erhobenen Zeigefinger jongliert. Der Fantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, aber Zusammenhalt und Freundschaft sind zwei sehr reale, zentrale Themen.

    Mit einem tollpatschigen Alpaka wird es einem sowieso nie langweilig, man muss aber Acht geben, dass es sich nicht in seinen eigenen Hufen verheddert. Die Geschichte vergeht wie im Flug und wird wunderbar visualisiert durch kleinere und größere Illustrationen. Vor allem eingeschobene Tagebucheinträge zu Nellys mehr oder minder gelungenen Erfindungen lockern die Atmosphäre noch einmal zusätzlich auf.

    Inhaltlich möchte man gar nicht zu viel verraten, zu groß ist die Gefahr vor Begeisterung den gesamten Plot auszuplaudern. Daher sei jedem, der sich für ein paar Stunden gut unterhalten lassen und dem Alltag ein kleines bisschen entfliehen möchte, egal ob Klein oder Groß, dieses Buch ans Herz gelegt. Und auch ein zweiter Band ist schon in Planung, man darf gespannt sein.
    Minnesota

    Jo Nesbø
    Minnesota (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.01.2026

    Sehr gelungen

    Wer bereits mit dem Autor vertraut ist weiß, dass Jo Nesbø sich oft und gerne tiefgründig mit dem Denken und Handeln der Menschen auseinandersetzt. Seine Figuren haben zumeist etwas tragisches an sich. Häufig liegen dem traumatische Ereignisse zugrunde, die jedoch erst im fortgeschrittenen Verlauf der Geschichte enthüllt werden.

    In „Minnesota“ spielt er zudem unglaublich gekonnt mit verschiedenen Perspektiven, die ein authentisches Bild der Gegebenheiten zeichnen. Doch kann man sich wirklich auf seine Sinne verlassen? Gibt es nur diese eine Realität oder lässt man sich gerade hinters Licht führen? Widersprüchliche Gefühle brechen sich immer wieder Bahn, denn einerseits scheint alles stimmig, andererseits jedoch passt nichts zusammen.

    Neben charakterstarken Protagonisten mit deutlichem Wiedererkennungswert behandelt das Buch nicht bloß eine Mordserie, die wie eine Rachemission aussieht. Vielmehr gilt es, hinter die Kulissen zu blicken, den Antrieb und die Motivation hinter den Taten zu erkennen. Gebannt und mit fast schon morbider Faszination verfolgt man Seite für Seite, Zeile für Zeile und taucht immer tiefer ein in diesen Strudel.

    Nesbø ist hier ein beeindruckender Coup, ein Meisterstück, gelungen. Die Lektüre zur Seite zu legen – nahezu unmöglich. Brutal und schonungslos ehrlich auf der einen Seite, gleichzeitig aber auch empathisch. Eine grandiose Mischung aus lauten und leisen Tönen, die noch lange nachhallen.
    The Woman in Suite 11

    Ruth Ware
    The Woman in Suite 11 (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    29.12.2025

    Lässt das gewisse Etwas vermissen

    Eine geheimnisvolle Einladung weckt Lo Blacklocks Interesse. Obwohl sie schon viele Jahre nicht mehr als Reisejournalistin aktiv war, reizt sie das Angebot, der Neueröffnung eines Luxushotels in der Schweiz beizuwohnen. Anstatt des erhofften Interviews erwartet sie vor Ort jedoch eine Überraschung der etwas anderen Art …

    Es handelt sich hier nicht um eine Fortsetzung im klassischen Sinn, auch wenn einige der Protagonisten aus „The Woman in Cabin 10“ erneut auftauchen. Ruth Ware beleuchtet zwar die Entwicklung der Figuren, die diese in den letzten Jahren durchgemacht haben, hat aber dennoch unabhängig davon eine eigenständige Geschichte erschaffen.

    Der Erzählstil ist eingängig und flüssig, so dass es leicht fällt, dem Geschehen zu folgen. Gleichzeitig beschreibt die Autorin das Szenario so authentisch und detailliert, dass der Leser mitgerissen wird, und die angespannte Atmosphäre fast greifen kann. Letztendlich ist die Erzählung gespickt mit Andeutungen und Möglichkeiten, aus denen sich diverse Theorien ableiten lassen. Diese wiederum laden dazu ein, hinter jeder Ecke etwas schreckliches, namenloses, zu erwarten.

    Die Dichte und Intensität des Aufbaus ist beeindruckend, die eigentliche Storyline im Vergleich dazu jedoch enttäuschend. Einige vermeintliche Wendungen sind schon im Vorfeld offensichtlich, wodurch die aufgebaute Spannung nach und nach in sich zusammenfällt. Sicherlich bleibt man dennoch bis zum Schluss dabei, um zu erfahren wie es nun tatsächlich ausgeht. Und in der Hoffnung, doch noch eine kleine Überraschung zu erleben.
    Dann ruhest auch du

    Sandra Åslund
    Dann ruhest auch du (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.12.2025

    Würdiger Abschluss der Trilogie

    Kriminalinspektorin Maya Topelius möchte eigentlich nur ein ruhiges Wochenende bei ihren Eltern verbringen, als sie sich plötzlich einem neuen Fall gegenübersieht, und ihr Kollege Pär auch noch anreist. Die erhoffte Entspannung ist schnell dahin, denn es wird deutlich, dass die Ereignisse weitaus größere Ausmaße annehmen, als zunächst erwartet. Mehrere Morde, ohne konkret erkennbare Zusammenhänge und eine Geschichte, die weit zurückreicht. Und dann streifen die Vorkommnisse auch noch Mayas eigene Kindheit und Jugend.

    Von Beginn an als Trilogie angelegt, in der Hauptprotagonistin Maya Topelius immer in irgendeiner Art und Weise persönlich involviert ist, begibt man sich mit dem vorliegenden Abschlussband nun ans große Finale. Entsprechend wenig überrascht es, dass ihren Gedanken und Emotionen viel Raum gegeben wird, sich zu entfalten. Nur so ist es möglich, die Tragweite ihrer eigenen Betroffenheit authentisch darzustellen.

    Wer allerdings die Vorgängerbände nicht gelesen hat, wird eine gewisse Zeit benötigen, um ins Geschehen hineinzufinden. Die Fälle als solche sind natürlich in sich abgeschlossen. Dennoch gibt es eine Rahmenhandlung, die alle Bände miteinander verbindet und nicht bloß zierendes Beiwerk ist. Die Autorin beschränkt sich darauf, vereinzelt Hinweise einzustreuen, um manches Mal eine bessere Einordnung vornehmen zu können. Tatsächliche Rückblenden finden jedoch nicht statt.

    Dem Leser ist früh klar, dass hier etwas im Untergrund brodelt, die Anspannung aller Beteiligten ist nahezu greifbar. Und doch bleibt lange Zeit vieles im Dunkeln, manche Figuren lassen sich nur schwer bis gar nicht einschätzen, was die Spannung noch steigert. Die Geschichte entwickelt sich im Verhältnis mal qualvoll langsam und dann wieder explosiv, so dass unbedingt Konzentration geboten ist, damit nichts wichtiges übersehen wird. Vor allem sollte man vermeiden, sich gefühlsmäßig zu sehr einzufinden, um einen neutralen Blick von außen wahren zu können. Auch wenn es an manchen Stellen mitunter wirklich schwer fällt.

    Ein würdiger Abschluss der Trilogie, mitreißend erzählt und stilistisch gekonnt ausgeschmückt. Vielleicht begegnet man der ein oder anderen Figur ja irgendwann doch noch einmal.
    Der Tag, an dem Barbara starb

    Richard Hooton
    Der Tag, an dem Barbara starb (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.11.2025

    Berührend, ehrlich, spannend

    Überall Blaulicht, das ganz große Aufgebot, es muss also etwas Schreckliches geschehen sein. Als Margaret registriert, dass ihr Nachbarin ermordet wurde, weiß sie, dass sie sich an etwas wichtiges erinnern muss … aber was war es noch gleich?

    Voller Tatendrang und gleichzeitig mit liebevoller Hingabe wird Margaret von ihrem Enkel dabei unterstützt, dem Verbrechen auf den Grund zu gehen. Die implizierte, um einiges tiefergehende Bedeutung des Ganzen erschließt sich dem Leser erst im weiteren Verlauf der Geschichte, und ist dabei nicht minder berührend.

    Zwischen unfassbaren Gräueltaten und tückischen Krankheiten verbirgt sich aber auch immer eine Prise Humor. Damit verleiht der Autor seiner Erzählung nicht nur Lebendigkeit, er trotzt der Schwermut, um sie nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.

    Gebannt verfolgt der Leser, wie Margaret das Puzzle nach und nach zusammensetzt. Doch wird es ihr wirklich gelingen, den Code letztlich zu knacken, oder wird manches für immer verborgen bleiben?

    Ein wunderbar warmherziges und ehrliches Buch, das nicht nur einen spannenden Kriminalfall beinhaltet, sondern auch ganz besonders von bedingungsloser Liebe zeugt.
    Joshua Jackelby

    Benedict Mirow
    Joshua Jackelby (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.10.2025

    Grandios

    Direkt zu Beginn der Geschichte wird der Leser mit dem titelgebenden Zeitungsjungen Joshua Jackelby und der im Klappentext beschriebenen Rettungsaktion des Hundewelpen konfrontiert. Schnell stellt sich heraus, dass der Junge zahlreiche Eigenschaften in sich vereint, die ihn zu einem wahren Sympathieträger machen, was mitnichten despektierlich zu verstehen ist. Dass sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, gepaart mit Mut, aber auch einer Spur von Leichtsinn, Joshua und seine Freunde in gefährliche Situationen bringen wird, scheint unausweichlich.

    Erstaunt und fasziniert verfolgt man das Geschehen von Anfang an. Teils atemlos, teils erheitert, aber häufig auch recht angespannt. Denn regelmäßig kommt es zu riskanten Manövern, die es zu umschiffen gilt. Der Autor zeichnet ein ebenso umfangreiches wie erstaunlich atmosphärisches Bild von London in Zeiten Queen Victorias. An der Authentizität seiner Darstellung zweifelt man keine Sekunde, obwohl es sich natürlich um eine fiktive Erzählung handelt.

    Schon bald geht es für den Leser nicht mehr darum wer hinter den schrecklichen Verbrechen steckt, die Joshua und seine Freunde aufzudecken beziehungsweise zu vereiteln versuchen. Vielmehr geht es um den Aufbruch in eine andere Zeit und ein Abenteuer, das von Wünschen und Träumen getragen und vorangetrieben wird. Liebevolle, gleichzeitig aber auch sich zurückhaltende, Illustrationen am Ende eines Kapitels, runden den positiven Gesamteindruck ab.

    Ganz gleich wie realistisch die Vielzahl an glücklichen Zufällen, die zur Entschärfung brenzliger Situationen führen, wirklich sind, das Gesamtkonstrukt in sich ist wunderbar stimmig. Die Begeisterung, die der Autor beim Schreiben empfunden haben muss, spiegelt sich in jedem Buchstaben und springt ohne Wenn und Aber auf den Leser über. Ein durch und durch großartiges Buch.
    Die Bibliothek meines Großvaters

    Masateru Konishi
    Die Bibliothek meines Großvaters (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.10.2025

    Beeindruckend und berührend

    Jedes Rätsel beinhaltet bereits seine Lösung, man muss nur genau hinsehen.
    Kaedes Großvater versetzt nicht nur seine Enkelin, sondern auch den Leser ein ums andere Mal in Erstaunen, wenn er scheinbar unlösbare Problematiken mühelos in ihre Einzelteile zer- und versteckte Hinweise offenlegt. Mit beeindruckender Kombinationsgabe erschafft er daraufhin in sich stimmige Auflösungen, unabhängig der Komplexität der jeweiligen Fragestellung.

    Besonders berührend und wunderbar herausgearbeitet ist das Verhältnis zwischen Kaede und ihrem Großvater. Eine Verbindung, die in jedem Wort mitschwingt und den Leser direkt ins Geschehen zieht, manches Mal aber auch einfach nur innehalten lässt. Ihre, teils sehr tragische, Familiengeschichte wird direkt in die Erzählung eingeflochten.

    Die Darstellung der Figuren gelingt optimal. Jeder einzelne Charakter ist dreidimensional und besitzt Wiedererkennungswert. Eine leichte Spannungskurve wurde ebenfalls eingebaut. Denn auch, wenn es sich nicht um einen Krimi handelt, so wird es für den ein oder anderen im weiteren Verlauf durchaus gefährlich.

    Da es sich um den ersten von drei Bänden handelt, darf man auf die Weiterführung sehr gespannt sein. Der Auftakt ist in jedem Fall rund und könnte definitiv für sich alleine stehen. Absolut und ohne Einschränkungen empfehlenswert.
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