Traum der Geigenvirtuosen
Die Kompositionen Johann Sebastian Bachs für die Sologeige sind Pflicht für alle Geigenvirtuosen. Die Möglichkeit zu bekommen, die Stücke aufzunehmen, ist wohl eine Art Ritterschlag für einen Geiger. Die vorliegenden Aufnahmen sind in doppelter Hinsicht besonders: Hartmut Schill, Konzertmeister der Robert-Schumann-Philharmonie, spielt die Stücke exzellent, ohne Pathos, auf den Aufnahmeort zugeschnitten. Die Chemnitzer Jakobi-Kirche ist die zweite Besonderheit. Zum Aufnahmezeitpunkt war sie noch im Innenausbau nach den Zerstörungen des Zweiten Welzkriegs. Die Kirche war leer. Der lange Nachhall trägt den Geigenton. Im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten würde dies nicht funktionieren. Für ein Rezital ist es wunderbar. Es sind 31 Sätze Geige solo, und es kommt keine Langeweile auf. Die drei Fugen, die große Ciaccona und das als Zugabestück auf den Bühnen dieser Welt unverwüstliche Gavotte en Rondeau der E-Dur Partita sind für mich die Höhepunkte. Das Begleitheft gibt kurze Auskünfte zu Werk, Aufnahmeort, Künstler und seine Beziehung zu den Stücken. Die Doppel-CD war ein Benefiz-Projekt für den Kirchenbau. Inzwischen ist der Ort mit Leben erfüllt. Aber vieleicht gehen ja immer noch 5 Euro vom Kaufpreis in die Kollekte. Nach dem Bau kommt schließlich die Erhaltung.