Hommage an Schumann ... und mehr
Niemand, der die Kammermusik von Brahms und mehr noch von Schumann liebt, wird enttäuscht von dieser CD sein.
Gleich das erste Werk, das Quartett op. 34, beginnt mit einer Verbeugung vor Schumanns Quintett op. 44 - doch sofort richtet sich Reinecke auf und schreitet auf seinem eigenen Weg weiter. "Die Fortsetzung Schumanns mit anderen Mitteln" sozusagen: Besonders beeindruckend ist das charaktervolle, nie larmoyante Andante.
Im späteren Klavierquintett op. 83, das man ohne Zögern als Meisterwerk bezeichnen kann, spielt er mit tonaler Offenheit, die er allerdings schnell auflöst, und aus dem schlichten, nachdenklichen Andante spricht echtester Reinecke zu uns, zu dem, wie in den folgenden Variationen, immer auch die große Kunstfertigkeit gehört. Das spätere Klavierquartett op. 272 stammt von 1905: von leichterer Faktur, ist es ein Beleg dafür, dass der langlebige Altonaer auch in späteren Jahren seine Kunstgrundsätze nicht revidiert hat - warum auch, ist man versucht zu fragen, wenn sie doch noch so ansprechende Ergebnisse zeitigten?
Das Linos-Ensemble, bestens aufeinander eingestimmt und sehr präsent aufgenommen, taucht den alten Meister in einen Jungbrunnen.