Ein bissel zu generisch für den 100. Geburtstag einer Entertainerin, die zum deutschen Kulturerbe zählt
Ab 2009 konnte man GROSSE ERFOLGE & RARITÄTEN von Hildegard Knef, eine Zusammenstellung, die ihre künstlerischen Ergüsse von 1972 bis 1980 zusammenfasst, ausschließlich auf CD kaufen. 16 Jahre später und pünktlich zur Zeit, welche Hildes 100. Geburtstag gewesen wäre, gibt's das chansonträchtige Schlagerbündel über das Altberliner Lebensgefühl, das Altern und die Liebe, eingewoben in allerhand charmanten Kurzgeschichten (wer schreibt schon solche Sachen wie JENE IRRTIERTE AUSTER?!), in abgeänderter Form in einer schönen, auf 1.000 Stück durchnummerierten Doppel-LP zu kaufen, deren pink-marmorierte Vinylfarbe der ersten LP den Hintergrund des Covers aufgreift. Die zweite Platte hat einen transparenten Purpurton bekommen, wodurch das Set ausschaut wie die "Tour Edition" von P!nks TRUSTFALL.
Mir persönlich kommt es bei einer Knefschen Mische auf den COFFEE SONG an, den ich einfach liebe. Für die Vinyl-VÖ wurde er glücklicherweise bedacht. Die Beigabe des Remixes von VON NUN AN GING'S BERGAB gibt der Knef-VÖ einen aktuellen Anstrich, den sie eigentlich nicht nötig hatte. Solch einen generischen Techno-Stampfer-Beat im Stil der "geupdateten" Schlagerklassiker von Gestört aber geil stört den Ausgang der Doppel-LP schon und wird seinem Titel gerecht... denn von dort an geht's bergab. Das ursprüngliche Tracklisting von CD auf Schallplatte zu haben, wäre wirklich schön(er) gewesen.
Die Tonqualität war seit jeher schon durchwachsen, da sich Live-Mitschnitte mit professionellen Studioaufnahmen abwechseln. Dadurch hat die Ansammlung aber auch etwas Dynamisches, Lebendiges, etwas, das die Knef auch ausgestrahlt hat, als sie noch unter uns weilte. Schade auch, dass die Innenhüllen so langweilig weiß und ungefüttert geblieben sind und man nur im Inneren des Klappcovers auf eine weitere Fotografie dieser deutschen Kult-Entertainerin, die als eine der ersten zu ihren Schönheits-OPs gestanden hat, trifft. Ein reflektierender Text zu dieser Ausnahmepersönlichkeit wäre an der Hausordnung gewesen. Man wird ja schließlich nicht alle Jahre 100, oder?