Licht und auch Schatten...
Auch ich erwähne vorab, dass das Live-Album an sich legendär ist! Dafür kann es nur volle Punktzahl geben, alles andere wäre eine Lüge. Aber hier soll es um die Ausgabe auf Doppel-Vinyl im Steven Wilson Remis gehen, daher möchte ich sowohl Licht als auch Schatten hervorheben.
Die Qualität der Pressung ist über jeden Zweifel erhaben - da gibt es rein gar nichts zu bemängeln. Das hatte ich zwar auch erwartet, aber man kennt das natürlich auch anders.
Auch das Cover erfüllt voll und ganz meine Ansprüche an eine Ausgabe im Jahr 2026. Die gefütterten Innenhüllen möchte ich gleichermaßen positiv erwähnen (darf bei rund 37 Euro wohl auch erwartet werden).
Von dieser Seite hier also alles gelungen.
Ich besitze das Album in einer frühen Vinyl-Ausgabe und auf CD. Vorab: Die Version auf CD ist im Vergleich zu beiden Vinyl-Ausgaben deutlich hinterher und klingt eher "verwaschen". Aber um diesen Vergleich soll es nicht gehen, sondern vielmehr die Eindrücke, welche die alte Vinyl-Ausgabe und die SW-Remix-Vinyl hinterlassen.
Ich bin ein absoluter Freund von Live-Mitschnitten, insbesondere wenn diese "den Moment" einfangen und das darf dann gerne auch mal roh, ungehobelt oder wie auch immer man dazu sagen mag klingen. Genau so klingt die alte Vinyl - rau und geradeaus. Der SW-Remix klingt da sehr viel feiner und geradliniger, in etwa wie ein gebügeltes Hemd. Für sich genommen also sehr fein und man könnte meinen, alles richtig gemacht. Auch sind Stimmen und alle Instrumente in etwa auf einem Level zu hören, was eine gewisse Harmonie entstehen lässt. Das ist gerade bei der alten Vinyl nicht der Fall - da fällt mir insbesondere mitunter ein sehr dominates Keyboard auf, was schon mal Gitarren oder auch das Schlagzeug fast schon komplett im Hintergrund verschwinden lässt. Den Eindruck vermittel der SW-Remix rein gar nicht - im Gegenteil, hier klingt alles wie aus einem Guss und man hätte, wäre das Album damals so erschienen, sicher gesagt: Alles richtig gemacht. Ich empfinde das nicht so, denn gerade die nicht so perfekte Abstimmung der alten Vinyl-Ausgabe lässt (für mich) klar mehr Atmosphäre durchkommen. Diese ist beim SW-Remix doch etwas gedämpft, wenngleich das Album auch in dieser Version eine Hausnummer für sich ist.
Abschließend meine ich, hat der SW-Remix also seine volle Daseinsberechtigung und ist eine Bereicherung für die Plattensammlung. Man hat sozusagen Gelegenheit, das Konzert "Made in Japan" quasi aus einer anderen Perspektive neu zu erhören. Ob ich es deshalb besser finde als die alte Version? Sicherlich nicht, denn dafür vermitteln beide Versionen einen zu unterschiedlichen Höreindruck. Ich liebe die alte Ausgabe, weil diese, wie bereits zuvor erwähnt, unvermittelt das widerspiegelt, was man selbst erwartet, wenn man auf ein Konzert geht: Keinen perfekten Sound, sondern ein Erlebnis. Ob der SW-Remix nach mehrmaligem Hören dieses Level zu erreichen vermag, kann ich noch nicht beurteilen. Ich denke eher: Nein. Betrachte ich beide Versionen aber aus einer anderen Perspektive und setze, wie beschrieben, gewisse Unterschiede in der Erwartungshaltung voraus, so liefern beide fett ab.
Kaufen? Ja, durchaus. Wer allerdings ein besseres Live-Erlebnis sucht, ist (meines Erachtens) mit der alten Version besser beraten. Wer hingegen auf der Suche nach einer neuen Erfahrung dieses Mitschnitts ist und sich überraschen lassen kann, was ein geänderter Remix zu liefern im Stande ist, der wird nicht enttäuscht.