Gutes Package, aber keine Box
Das Set besteht aus der Live-Aufnahme zur Record Release Party 2004, das gibt es auch einzeln, zusätzlich Vol.4 mit 3D-Bild auf einer der zwei Scheiben und einer zusätzlichen Picture-Disc mit einer Art Best-Of der anderen Volumes, also nicht sein komplettes Schaffenswerk. Wer die CDs nicht hat und kein Sammler ist sollte zuschlagen, denn die CDs scheinen kaum noch erhältlich zu sein. Die vier Volumes mit vielen, nicht allen Hörspielmusiken von ihm erschienen zwischen 2004 und 2018, eben jenes umstrittene Volume IV.
Zum Inhalt selbst, über Carstens Schaffenswerk muss man denke ich nicht viel verlieren. Jedoch möchte ich eine Lanze für Vol. IV brechen, jene 83er-Titel produziert in den USA im Studio von Peter Baumann, hier als Doppel-Vinyl (drei Seiten)
Das Ganze ist in diesen Fällen mehr interpretiert und natürlich digitaler als früher, das waren bis auf die Roland CR-78 und einige Analogsynthesizer die Instrumente auch. Vocoder, Sequenzer, alles, was dem damaligen Zeitgeist entsprach und hier hat man tatsächlich gewagt, von der Vorlage abzuweichen. Zwar mit CR-78, aber anderem Setting und ja, das fand ich gewöhnungsbedürftig. Finde ich das aber gut? Auch ein klares Ja, trotzdem anders. Probleme habe ich mit Rhodes und Pitchbend, das könnte man vielleicht anders machen, da wäre weniger manchmal mehr gewesen. Nehmen wir als Beispiel Track 3 (Shine On), das Original ist gegen Ende voller "Improvisationsfehler", das klingt nicht schön und ist eher nervig. Dies hat man bei der Neuinterpretation aus 2018 deutlich besser gemacht und im Vergleich klingt es das auch. Nur fehlt der markante Basslauf im Intro und die ebenso markante, gegenphasig verschaltete CR-78. Ich will das irgendwann mal versuchen mit meinem Equipment nachzubauen und würde mich da auch eher dem Original annähern wollen. Trotzdem ist Vol. IV anders, nicht starr neu eingespielt, sondern mit deutlich mehr Interpretationsraum und Druck, übrigens auch mit deutlich weniger Grundrauschen.
Ich denke, man hätte das sicher nicht besser umsetzen können. Fraglich ist außerdem, ob er die Originalvorlagen und das Instrumentensetting noch nachvollziehen konnte oder das Ergebnis quasi nach Noten aus der Erinnerung entstand. Letzteres würde ich vermuten, denn vor Allem bei den ersten beiden Volumes hielt man sich deutlich mehr an das Original.
Wer lieber das Original hat, findet auf YouTube meist eher schlecht als recht konstruierte Zusammenschnitte, das klingt auch nicht besser, aber analoger. Von daher, klare Kaufempfehlung, vorzugsweise für Sammler.