Technisch makellose Pressung, aber klanglich überraschend flach
Aus fertigungstechnischer Sicht gibt die Pressung keinen Anlass zur Beanstandung. Das Vinyl ist plan, sauber verarbeitet und frei von sichtbaren Mängeln; auch akustisch zeigt sich die Oberfläche unauffällig, ohne nennenswertes Knistern, Rauschen oder Höhenschlag. In produktionstechnischer Hinsicht handelt es sich somit um eine solide und fehlerfreie Herstellung.
Klanglich fällt die Bewertung jedoch deutlich kritischer aus. Die Wiedergabe wirkt insgesamt stark von einer digitalen Ästhetik geprägt: kontrolliert, vergleichsweise kühl und in ihrer räumlichen Entfaltung eher zurückhaltend. Räumliche Staffelung, Tiefenwirkung und mikrodynamische Differenzierung bleiben hinter dem zurück, was von einer sorgfältig für das Medium Vinyl aufbereiteten Produktion zu erwarten wäre. Das Klangbild erscheint insgesamt relativ flach und dynamisch begrenzt.
Dieser Eindruck verstärkt sich im direkten Vergleich mit der hochauflösenden digitalen Version auf Qobuz, die eine deutlich offenere, räumlichere und differenziertere Darstellung bietet. Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass für die Schallplatte kein eigenständiges, auf die spezifischen Anforderungen des Mediums abgestimmtes Vinyl-Mastering vorgenommen wurde. Vielmehr scheint ein bereits stark limitierter Digitalmaster weitgehend unverändert als Grundlage für den Schnitt verwendet worden zu sein. Ein solches Vorgehen ist zwar technisch möglich, führt jedoch häufig dazu, dass die für Vinyl typischen Qualitäten – etwa größere räumliche Plastizität, feine dynamische Abstufungen und eine organischere Klangentfaltung – nur eingeschränkt zur Geltung kommen. Man muss Vinyl und digitale Produktion völlig unterschiedlich mastern und handhaben.
Das Resultat ist eine saubere, jedoch in ihrer Wirkung eher nüchterne und distanzierte Wiedergabe, der ein Teil jener räumlichen und emotionalen Wirkung fehlt, die in der digitalen Version deutlich präsenter erscheint.
Erwähnenswert ist zudem die visuelle Gestaltung der Veröffentlichung. Sowohl auf den Labels der Platte als auch im inneren Artwork finden sich explizite Darstellungen, darunter krasse Aktfotografie. Ein entsprechender Hinweis auf dem äußeren Cover fehlt jedoch. Album ist nur für Erwachsene geeignet. Angesichts der Bildsprache wäre eine entsprechende Kennzeichnung aus Transparenzgründen sinnvoll gewesen.
Ich habe diese Ausgabe primär aufgrund der guten musikalischen Produktion auf Qobuz gehört und erworben. Während die Pressqualität überzeugt, bleibt das klangliche Ergebnis aus meiner Sicht hinter den Möglichkeiten des Vinyl Formats zurück. Gleichwohl bleibt jede klangliche Bewertung notwendigerweise subjektiv, und andere Hörer mögen diese Pressung durchaus positiver beurteilen. Drei Sterne von mir und der Hinweis das die Qobuz Version deutlich besser klingt.