Disco ist das italienische Wort für Schallplatte
Es hat lange gedauert, bis ein Querschnitt von Donna Summers Karriere auf Schallplatte erschienen ist, der auch ihren 80er-Hit SHE WORKS HARD FOR THE MONEY und ihre Zeit mit Stock Aitken Waterman berücksichtigt (wunderbar erkennbar am schrulligen, aber deshalb nicht minder reizvollen I DON’T WANNA GET HURT, das sich wie ein kitschiger Abklatsch von Kylie Minogues HAND ON YOUR HEART anhört, natürlich inklusive der im Refrain ins Tiefe verzerrten Stimme). Beim Kauf sollte man aber unbedingt darauf achten, ob sich auf den zwei LPs von ON THE RADIO: GREATEST HITS ganze 24 Singles oder nur 18 befinden. Derzeit wird das Album nämlich auch in einer farbigen Konfiguration auf pinkem bzw. lilafarbenem Vinyl im Vertrieb von Universal Music angeboten, das o. g. Titel nicht enthält, dafür aber mit einer verlängerten Version des Singlehits ON THE RADIO ausgestattet ist. Daher sollte man unbedingt einen Blick auf die Produktinfo werfen und auf den Zusatz EXPANDED achten, bevor man ON THE RADIO im Vertrieb von kauft. Sollte die Herstellerinfo dann auch noch den Vertrieb H’Art offenbaren, ist man auf dem richtigen Dampfer, was die richtige Fülle an Material rund um Donna Summers Schaffen betrifft.
Ihre Zeit mit Giorgio Moroder an den Reglern wird jedoch in jeder Fassung von ON THE RADIO rege bedacht, worauf es hauptsächlich ankommt. Ihre das Genre Disco definierenden Klassiker LOVE TO LOVE YOU BABY und I FEEL LOVE sind in ihren (sehr) kurzen Single-Versionen enthalten, jene Lieder, die zu den am meisten in der Musikgeschichte gesampleten zählen. Ganz große Namen wie Beyoncé, TLC, Madonna, Kylie Minogue und die Pet Shop Boys haben sich diese Kompositionen schon einverleibt, um Eigenes zu kreieren. Das beweist den nicht abbrechenden Einfluss der Disco-Ikone auf das sich ständig verändernde Popgeschehen. Diesbezüglich hat sich Rüppelrapper Kanye West durch seine nicht tolerierbaren Skandale der Neuzeit eine Abfuhr bei den Nachlassverwaltern von Donna Summer abgeholt. Take That durften das, was Kanye West nicht durfte: Mit ihrem Cover zu Summers COULD IT BE MAGIC gelang der Boyband Anfang der 90er nebenbei auch noch einer ihrer ersten Kassenschlager. Donna Summer ist allgegenwärtig – und bleibt trotz ihres frühen Todes unvergessen!
ON THE RADIO auf zwei schwarzen Platten zollt ihr ordentlich Tribut bei einer perfekten Pressung und einer Klangqualität, bei der nichts zu beanstanden ist. Obwohl das farbige Pendant mit nur 18 Singles auf der gleichen Anzahl an Tonträgern vermutlich mehr Luft zum Atmen zwischen den Rillen hat, so klingt das schwarze Doppel auch äußerst anständig, weil dynamisch und in seinen klanglichen Ebenen sauber voneinander differenziert. Die Hülle kann man aufklappen und offenbart im Inneren eine Großaufnahme von Donna Summer samt abgedruckter Unterschrift. Auf den ungefütterten Innenhüllen präsentiert man die Singlecover der 24 Nummern in sauber aufgeführter Kacheloptik... alles schick, ohne allzu sehr auf den Knopf des „Übererhaschens“ drücken zu wollen.