Shape of Women: Toll zusammengestellte Mischung aus Retro-Soul und Hollywood-Pop
Die einzig von weiblichen Künstlerinnen getragene Filmmusik von DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 ist ein modischer, 13 Stücke umfassender Zusammenstoß von Retro-Soul, wie ihn einst Amy Winehouse gemacht hat (Sienna Spiro, Raye), mit Hochglanz-Pop von Sängerinnen, deren Produktionen so teuer wirken wie ganz exklusive Markenklamotten aus dem KaDeWe (Dua Lipa, Miley Cyrus). Drei entweder tanzbare oder balladeske Neukompositionen von Lady Gaga, die speziell für den Film angefertigt wurden, sollen zum Hype des Soundtracks beitragen, dessen Tonträger sonst eigentlich nur Bekanntes und Altbewährtes vereint (die Beigaben von Raye und Dua Lipa sind z. B. schon 2 Jahre alt). Den (Designer-)Schuh, dass der Soundtrack zu PRADA 2 insbesondere wegen gefühlvollen Songs wie SHAPE OF A WOMAN und GLAMOROUS LIFE sowie dem Ballroom-Pop von RUNWAY auf sich aufmerksam macht, darf sich Gaga gerne anziehen. Gaga-Fans kaufen die Platte gerne, sind doch ihre 3 Songs auf keinem anderen Tonträger ihrer Mother Monster zu finden und eine künstliche Verlängerung zu ihrem letzten Studioalbum MAYHEM, bei dessen Ära man noch nicht wahrhaben will, dass sie zu Ende ist. Ansonsten ist es schön zu hören, dass WALK OF FAME von Miley Cyrus inkludiert ist und das Lied dadurch eine Art von späterer Gerechtigkeit widerfährt. Mit gezielter Promo wäre die tanzbare Synthienummer mit melodischen Elementen, die an Bronski Beat erinnern (gerade die Falsettstimme der Duettpartnerin Brittany Howard), sicher ein großer Hit für die oftmals unterschätzte Künstlerin Miley Cyrus geworden.
Nach kurzer Zeit ist man bei der musikalischen Untermalung zum 2. PRADA-Film mit Meryl Streep und Anne Hathaway am Ende der zweiten Plattenseite gelangt. Im Grunde ist DER TEUFEL TRÄGT PRADA 2 eine gut kompilierte Spotify-Playlist mit etwa einem Viertel an neuem Material, welches ganz besonders Lady-Gaga-Fans in Verzückung versetzt (wobei die beiden ruhigen Nummern unabhängig von der Künstlerin äußerst schön und ästhetisch sind).
Nicht nur den Film und dessen Musik hat man blockbustermäßig für die Massen aufgebaut, auch bei der Verwirklichung auf Platte hat man sich ein Bein herausgerissen, um viele Interessenten abzuholen. Die 3 Auflagen als jeweils schwarzes, rotes und blaues Vinyl sind per se nicht versiegelt, sondern befinden sich in einer klarsichtigen Japan-Hülle, einem Kuvert, der sich an einem Klebestreifen öffnen und wieder schließen lässt. Das Cover ist als Klapphülle mit einigen Bildern aus dem Film im Inneren ausgestattet. Ich persönlich finde es immer dekadent, wenn die Vinylvariante eines Albums nur aus einem einzigen Tonträger besteht, aber als sogenanntes Gatefold mit 2 Kartonärmeln für ebenso viele Platten konzipiert wurde. Die Platte steckt in einer ungefütterten Innenhülle, welche optisch aber perfekt zum Cover abgestimmt ist. Die blaue Variante sieht wunderschön aus. Ich würde das Vinyl als royalblau bezeichnen, königlich wie Meryl Streep in den PRADA-Filmen. Unter Störungen durch oberflächlichen Schmutz leidet weder das blaue noch das schwarze Vinyl, wobei meine schwarze Variante leicht gebogen ist. Sie läuft dennoch tadellos durch und anders als beim blauen Vinyl bleibt die Tonqualität bis zum Ende jeder Seite glasklar. Die blaue LP wird ab der Mitte von Mileys WALK OF FAME sumpfig und verliert dadurch viel an Feinheiten im Klangbild. Muss diesmal wirklich am Einfärben liegen, wobei ja selbst klassisch-schwarzes Vinyl genau genommen auch das Ergebnis einer nachträglichen Verfärbung des eigentlichen klaren PVCs ist. Die schwarze LP klingt in meinen Ohren besser, daher geht meine Empfehlung ans Klassische raus.