Terrorize My Heart
Mark Everett hat eine neue Muse. Diese hört auf den Namen Katie Mattison. Mit der Frontfrau der noch weitestgehend unbekannten New Yorker Band 79.5. hat der Eels-Kopf ein Album aufgenommen. Dafür schlüpft der eigentümliche, auch unter seinem Pseudonym “E” bekannte Querkopf in eine neue Identität. Denn als Boo Boos geben Bronco Boo (Everett) und Katie Boo (Mattison) ein wirklich niedliches Duo ab.
Bislang ist keine Meldung viral gegangen, dass Everett und Mattinson tatsächlich ein Paar sind. Der geschätzte Altersunterschied spricht eigentlich dagegen. Trotzdem machen sich die Protagonisten auf “Young Love” hier permanent schöne Augen. Und das stets bei aufgedrehtem Oldie-Radio. “C’mon Baby” klingt wie ein ausgegrabener Song von Fleetwood Mac, bei dem Mr. und Mrs. Boo die Rollen von Stevie Nicks und Lindsay Buckingham übernehmen. Im zärtlichen wie humorvollen “Stumpled” braucht es nicht mehr als gedämpftes Schlagzeug und getupftes Klavier, um den Song genügend Leben einzuhauchen. John Lennon hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Der beteuerte Zusammenhalt gleitet aber auch schnell ins Parodistische ab, wenn in “The Toughest Bitch I Know” aus manchmal schmalzigen Liebesschwüren zynische Witze werden. Denn das ist das eigentliche Ansinnen von “Young Love”: den Softrock der 70er durch den Kakao zu ziehen. Aber das mit viel Leidenschaft.
So drückt man dann auch bei dem ein oder anderen albernen Songtext ein Auge zu. Und doch sind die Boo Boos glänzende Songwriter. Auch wenn sie scheinbar nur zwei Arten von Songs schreiben können: die eher unbekümmerten, in denen sie abenteuerlustig Americana, Country und Jangle-Pop durchqueren und die schweren Balladen, bei denen besonders Mattinson mit ihrem Gesang der Klangfarbe das fehlende Etwas beimischt. Everett verteilt dennoch über alle Songs seinen Feenstaub, weswegen man nicht umhin kommt, ab und zu an seine andere Band zu denken. Für Katie Mattison ist diese Kollaboration die erste Veröffentlichung seit “Predictions”, dem letzten Album von 79.5 im Jahr 2018. Und Everett? Der griff zuletzt regelmäßig in seine Trickkiste und brachte nur noch Altbekanntes heraus. Mit “Young Love” überrascht er uns dann doch.