Die perfekte Einstiegsdroge in die Welt des King of Pop, darüber hinaus wunderhübsch anzusehen
Zugebenermaßen nerven die zahlreichen Kürzungen seit der CD-Veröffentlichung von Michael Jacksons NUMBER ONES im Jahr 2003. Gerade charakteristische Intros (THRILLER) und Outros (kriminell: der wunderschöne Abgang von YOU ARE NOT ALONE fehlt) fielen der Schere zum Opfer. Dafür wurde nunmehr das katastrophale Loudness-Mastering verschlimmbessert und wirkt wesentlich milder als jenes der CD, die meistens eh im güntigen Budget-Angebot zu finden war, seitdem MJ im Jahr 2009 überraschend verstorben ist. Die Erstpressungen von 1979 aufwärts werden aber immer besser klingen als das Destillat der NUMBER ONES. So fehlen beispielsweise Elemente des reichen Synthieteppichs in THRILLER, was wahrscheinlich auf die Abmischung von 2003 zurückzuführen ist, in der von Hause aus klanglich viel verloren gegangen ist. Die Vermutung liegt nahe, da einige der Edits speziell für die NUMBER ONES vorgenommen worden sind. Generell wirkt das Mastering sehr klinisch, steril und digital und lässt die Dynamik der Originale in ihren zumeist längeren Fassungen vermissen.
Dennoch hat man thematisch gesehen wohl eines der allumfassendsten Best ofs des King of Pop vorliegen in seiner künstlerisch spannendsten Periode, und zwar von den Studioalben OFF THE WALL bis INVINCIBLE, und das auch noch in willkommener chronologischen Reihenfolge. Warum sich damals WHO IS IT nicht die Pole Position sichern konnte und daher leider fehlt, darf dabei gerne hinterfragt werden. Ich behaupte jetzt einfach, dass das Essentielle des Essentiellen des ewigen Popkönigs vorhanden ist, wobei NUMBER ONES als Einstiegsdroge gefährlich ist: Sollte man noch nicht viel von MJ in der Plattensammlung haben, wird man sicher nach mehr von ihm schreien... dann sollte man sich bitte unbedingt DANGEROUS (mit WHO IS IT) und BAD in seiner unangetasteten Erstpressung von 1987 mit dem zusätzlichen Sprachintro in I JUST CAN'T STOP LOVING YOU und den Atemgeräuschen in SMOOTH CRIMINAL sichern!
Die "Solid Red Pressing" macht auf jeden Fall optisch viel her. Wie der Aufkleber auf der Einschweißfolie bereits ankündigt, handelt es sich um eine deckende Vinylfarbe und nichts Durchscheinendes, was ja gerade so angesagt zu sein scheint. Das farbige Material ist etwas anfällig gegenüber akustischen Oberflächengeräuschen, was ich im geringen Maße für mein Exemplar bestätigen kann. Jedoch halten sich die Knistergeräusche in einem vertretbaren Rahmen. Die NUMBER ONES mit ihrer Weniger-ist-mehr-Gestaltung ist insbesondere etwas fürs Auge und MJ-Sammler. Im Inneren der Klapphülle kehren zwei weitere Schwarzweißfotografien des King of Pop auf, die zu ihrer Zeit als Alternativcover der CD-Veröffentlichung hergehalten haben. Die roten Platten stecken in bedruckten ungefütterten Hüllen, die klar strukturiert Produktionsnotizen zu den einzelnen Titeln parat halten.
Inhaltlich brauchen MJ-Sammler das Ganze nicht unbedingt, es sei denn, man tut sich damit schwer, die 12" der damals neuen Ballade ONE MORE CHANCE aufzutreiben, welche damals nur der NUMBER ONES vorbehalten gewesen ist. Wer aber erstmal nach einem gut gebündelten Gesamteindruck vom Schaffen des Ausnahmekünstlers sucht oder einfach nur ein hübsches Souvenir, welches die Verbundenheit zu MJ ausdrücken soll, der wird mit NUMBER ONES (relativ) glücklich werden.