Start in eine Familiensaga um zwei verfeindete Brüder, deren Streit Generationen beeinflusst.
Buchinhalt:
London, 1947: die junge Elisabeth erbt von ihrem Onkel ein Gestüt im Norden Deutschlands. Sie ist allerdings nicht die einzige Erbin: auch der Spanier Javier ist erbberechtigt. Für Elisabeth wäre die Erbschaft ein Glücksfall – nach einem Verkauf des Anwesens könnte sie die Schulden zurückzahlen, die ihr verstorbener Mann hinterlassen hat, das kann sie allerdings nicht allein entscheiden. Stück für Stück kommt sie hinter das Geheimnis ihrer Vorfahren, den Streit zweier bis aufs Blut verfeindeter Brüder, der die Geschicke des Guts Seydell bis in die Gegenwart prägt…
Persönlicher Eindruck:
„Das Gestüt“ ist der erste Band der Trilogie rund um das Gestüt Seydell, um den generationenübergreifenden Streit zweier Brüder, die sich zeitlebens spinnefeind waren: Alexander und Ludwig von Seydell. So beschreibt dieser erste Teil auch in weiten Teilen die Geschehnisse im späten 19. Jahrhundert, der Gegenwartsteil ist mehr oder weniger eingestreut. Durch die beiden Zeitlinien erfährt der Roman eine gewisse Spannung, wobei es allerdings einige Zeit dauert, bis sich die Tiefe der Erzählung einstellt.
Der Kern, der dem Familienstreit zugrunde liegt, ist die Liebe der beiden ungleichen Brüder zu derselben Frau, was sich immer mehr auswächst und schließlich in einer erbitterten Trennung mündet. Alexander nimmt den einzigen Zuchthengst auf seine Flucht mit und sucht sein Glück im spanischen Navarra.
Mir hat beim Lesen der historische Teil besser gefallen als die Abschnitte rund um Elisabeth, zahlreiche eingestreute historischen Begebenheiten und Personen wie die englische Queen Victoria oder die verheerende Cholera-Epidemie in Hamburg geben dem Roman ein fundiertes Gerüst.
Trotz der zahlreichen Figuren und Schauplätze verliert man als Leser den Faden nicht, eine Landkarte und ein Personenregister sind im Vorderteil vorhanden. Die Sprache und Erzählweise machen das Buch zu einem leichten Roman, der einige schöne Lesestunden beschert, auch wenn der Schluß mitten in der Handlung natürlich auf den zweiten Band hinweist. Als Einzelband ist das Buch nicht geeignet.
Die beiden zerstrittenen Brüder und ihr weiterer Lebensweg nach der Trennung sind gut und bildhaft beschrieben, die Arbeit und das Leben auf dem Gestüt sind nachvollziehbar und atmosphärisch. Viele Handlungsfäden werden geöffnet und machen neugierig auf die Fortsetzung. Thema sind Familie, Hass, Liebe aber auch Betrug und die Hoffnung auf einen Neubeginn.
Mein Fazit: ein leichter, aber dennoch spannender Beginn einer Familiensaga, die sich in zwei Zeitebenen abspielt und Lust auf mehr macht. Ich werde auf jeden Fall dran bleiben!