Manfred Schlich: Ein anderes Leben - Teil 2, Kartoniert / Broschiert
Ein anderes Leben - Teil 2
- Der Verlauf einer Gehirnentzündung und die Grenzen eines Systems
(soweit verfügbar beim Lieferanten)
- Herausgeber:
- SelbstHilfeVerband - FORUM GEHIRN e. V.
- Verlag:
- BoD - Books on Demand, 10/2026
- Einband:
- Kartoniert / Broschiert
- Sprache:
- Deutsch
- ISBN-13:
- 9783696365912
- Artikelnummer:
- 12966445
- Umfang:
- 164 Seiten
- Nummer der Auflage:
- 26001
- Ausgabe:
- 1. Auflage
- Gewicht:
- 247 g
- Maße:
- 210 x 148 mm
- Stärke:
- 12 mm
- Erscheinungstermin:
- 12.10.2026
Klappentext
Sommer 2010: Renate Schlich ist 62 Jahre alt, gelernte Kinderkrankenschwester und seit drei Monaten in Rente. Sie lässt sich am grauen Star operieren, einer der häufigsten Routineeingriffe der Medizin. Bei der zweiten Operation reißt die Linsenkapsel, die Kunstlinse rutscht in den Glaskörper, und es folgt eine Vitrektomie. Drei Tage danach wird Renate trotz Fieber, Erbrechen und starker Kopfschmerzen entlassen.
Was folgt, sind achtundzwanzig Tage. Renate sucht immer wieder Hilfe: bei Augenärzten, Hausärzten, einem HNO-Arzt und in zwei Notaufnahmen. Fieber, Kopfschmerz und Nackensteife, die klassischen Warnzeichen einer Hirnentzündung, werden als Infekt, Nebenhöhlenproblem oder Verspannung gedeutet. Niemand prüft auf Meningismus, eine nicht auswertbare Blutprobe wird nicht wiederholt, eine Lumbalpunktion unterbleibt. Erst als Renate halluziniert, stellt ein Neurologe binnen Minuten die Diagnose: Enzephalitis. Eine Biopsie ergibt später eine autoimmune Gehirnentzündung (ADEM), die mit rechtzeitig gegebenem Cortison folgenlos geblieben wäre. Seitdem lebt Renate im Wachkoma.
Ihr Mann Manfred Schlich war bei jedem Arzttermin dabei und hat alles dokumentiert. Gestützt auf Krankenakten, Zeugenprotokolle und die Gutachten eines siebenjährigen Arzthaftungsprozesses rekonstruiert er den Verlauf Tag für Tag. Klage und Berufung wurden abgewiesen. Doch der Autor sucht keine Schuldigen. Er fragt, welche Strukturen es möglich machen, dass jede einzelne Entscheidung erklärbar ist und das Ergebnis dennoch katastrophal. Seine Antworten: Fallpauschalen, die jede Episode einzeln abrechnen, fehlende Rückkopplung zwischen Praxen und Kliniken, Angehörige, deren Beobachtungen nicht zählen, und eine Justiz, die medizinische Gutachten nicht in Frage stellen darf. Am Ende stehen konkrete Forderungen für mehr Patientensicherheit.
Karl-Heinz Groß, früherer Leiter des Rettungsdienstes Koblenz, ergänzt den Band um eine kritische Nachbetrachtung aus 37 Jahren Rettungsdienst. Sein Befund: Eine solche Odyssee ist keine Ausnahme, sondern eher die Regel.
Zahlreiche Hinweise für Betroffene und Angehörige machen das Buch zugleich zu einem praktischen Ratgeber. Es ist ein erschütterndes und zugleich sachliches Zeugnis und ein Appell an alle, die im Gesundheitswesen Verantwortung tragen, genauer hinzuschauen.
Anmerkungen:
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