Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.
Last Kiss of Summer von Jessica M. Felleman
Huhu ihr Lieben. Das Herz. Es wird überaus häufig in Liedern verwendet, in unserem Sprachgebrauch, und gilt als Symbol der Liebe. Was das Herz alles kann? Es kann sein, dass My Heart will go on, Heartbeats die wie Jungledrums beaten (Rroo-ka-doong-ka-doong-ka-do-ka-do-ka-doong-doong), Man kann ein Heart of Gold suchen, Jemanden anflehen another little Peace of my Heart zu nehmen, völlig Herz an Herz sein, Jemandem sagen, dass sein das eigene ganze Herz ist, und das hungrige Herz kann ein bittersüßer Schmerz durchfahren…. Und so weiter. Herzen können brechen, zerreißen, schmerzen, entzwei geteilt sein, aber auch erfüllt von Liebe. Pragmatisch gesehen schlagen sie, und erhalten unseren menschlichen Körper am Leben. Aber hey, Pragmatismus und Gefühle, wie passt das zusammen, wenn es um so ein sensibles Thema geht? Tatsächlich und real können Herzen von Geburt an unvollständig entwickelt sein, in Form von Löchern im Herzen. Teile davon können nicht funktionsfähig sein, andere schon. Und trotzdem. Das Zusammenspiel des gesamten Herzens muss da sein, damit das Herz nicht irgendwann aufgibt und sagt „Ich mache meine Arbeit nicht mehr“. Und wie das Ganze mit diesem Buch zusammenhängt? Eine ganze Menge! Denn hier geht es um zwei Herzen (eigentlich noch eine ganze Menge mehr, weil natürlich jedes Herz im Buch auf seine eigene Art pocht und weint und hofft), und den letzten Kuss des Sommers. Wie das Ganze zusammenhängt? Hier nun die Geschichte der Geschichte.
Die Geschichte des letztens Kusses des Sommers:
Sera und Luke verbindet nicht nur ihre gemeinsame Geschichte, sondern auch Teile des Herzens. Während Luke nämlich wortwörtlich ein kleines Stück von Sera‘s ursprünglichem Herz in sich trägt, wurde Sera als Kind ein anderes Herz transplantiert, weil ihres versagt hat. Doch das ist nicht alles, was Sera und Luke verbindet, denn irgendwie sind da auch die gemeinsamen Sommer der Kindheit und Jugend in Cape Cod, ihre beste Freundschaft, und die unweigerlichen aufkeimenden Gefühle füreinander, die in beiden Herzen verankert sind, doch nie ausgesprochen wurden. Und wie es kommen muss, ändert ein Abend alles. Zwei Herzen werden gebrochen, und unausgesprochene Gefühle führen zu einem Missverständnis. Als Sera‘s transplantiertes Herz erneut zu versagen droht, reist sie mit ihrer Familie früher ab, ohne Luke zu sagen warum. Sera lebt zwischen Arztmeinungen, und mit dem Wissen, dass sie bald ein neues Herz brauchen wird. Um nochmal einen schönen Sommer zu haben, geht es erneut nach Cape Cod, und damit direkt zurück in Kindheit, Jugend, und zu Luke ……. Dem sie eigentlich gar nicht begegnen möchte. Oder doch? Denn Luke lässt sich nicht so einfach abschütteln und will wissen, was damals passiert ist, und dabei nähern sich beide wieder an. Ob diese Nähe bis ins Herz reicht, müsst ihr selbst nachlesen.
Cover und Titel:
Personen auf Covern finde ich wirklich immer schön, und hier gefällt mir besonders das Detail des Herzens, weil es symbolisch so schön zur Geschichte passt, und bildlich schön dargestellt wird mit Licht und Hoffnung im Herzen, aber auch, dass unser Herz aufleuchtet, wenn es der richtigen Person begegnet. Das Cover erscheint so voller Leben und Licht, und die Geschichte zeigt uns trotzdem, dass Krankheit und Tod immer als Begleitende durch das Leben hindurch mitwandeln, egal wie lebendig etwas scheint. Und auch der Titel ist schön gewählt, denn der letzte Kuss des Sommers kann der letzte Kuss eines jeden Sommers sein, oder ein gegebener Kuss im letzten Sommer, oder gar der letzte je gegebene Kuss. Macht einen nachdenklich? Definitiv.
Fazit und Herzgedankenallerlei:
Erst dachte ich dieses Buch ist durchzogen von Herzen, von Teilen und Stücken davon, von geteilten Herzen und von Herzschmerz. Das ist natürlich schon allein wegen der Thematik der Fall. Doch beim Lesen wurde mir dann bewusst, wie sehr es auch eine Geschichte von Momenten im Leben ist. Von Momenten der verpassten Gelegenheiten im Leben. Von Momenten die alles ändern. Von Momenten die bleiben. Von Momenten die wichtig sind, oder nur so erscheinen. Von Momenten der Liebe, und eben auch der Herzschläge. Und vom Moment der Antwort auf alles? Von 42 eben :)
Was soll ich sagen? Tränen und Ugly Cry in 3….2…..1. Go! Nach der Lektüre hat das Buch mich und mein kleines Herz ein wenig zerstört zurückgelassen. Ich liebe das Buch, weil es einen Vibe erschafft, in dem ich mich sehr wohl gefühlt habe, und das ist merkwürdig, weil es gleichzeitig mein "Herz gebrochen hat". Was mir unheimlich gut gefällt ist dieser Kleinstadt Vibe von Cape Cod. Da sind die Menschen, ihre Verbindungen untereinander, und Seras Familie die dazu gehört.
Sera als Protagonistin finde ich total sympathisch und Luke hat halt Boyfriend-Qualitäten der Sorte Sehnsucht. Die Leute erscheinen bodenständig, nicht abgehoben, und auch Luke ist genau das. Bodenständig, nicht überheblich, obwohl er für andere so viel mehr ist. Er ist sympathisch, charakterlich gefestigt, und für die Familie da. Luke war ein Nerd, wurde vorher nicht beachtet außer von Sera, und ist immer noch ein Nerd, aber auch ein Sportass, was ihn jetzt anziehender auf die Umgebung macht. Trotzdem spürt man durch die Zeilen beim Lesen, dass Sera und er eine enge Verbindung haben. Da ist dieses Gefühl von Fated Mates, die vom Schicksal verbunden sind, wo es aber gerne auch mal dazwischenfunkt, und das Verbundene trennen will. Das Schicksal mischt sich hier ganz schön ein, denn das ist hier ziemlich oft der Fall: Dieses Schicksal! Durch Rückblicke und Gedächtnissequenzen in die Vergangenheit erfahren wir, was genau zwischen Sera und Luke kommt. Missverständnisse. Nie ist der richtige Moment, obwohl doch so viele richtige Momente da sind. Das hat mich beim Lesen berührt und mitgenommen, weil es aussagt "Wenn du etwas sagen willst, trau dich, und dein Leben könnte einen ganz anderen Verlauf haben". Mir gefällt, dass die Geschichte trotz des Alters von Sera und Luke, so viel Tiefe hat, und sich mit großen Themen wie der eigenen Sterblichkeit und dem Schicksal beschäftigt, aber auch, dass die Tiefe der Gefühle von beiden so toll beschrieben ist, dass man einfach glaubt, dass die Beiden "zusammengehören". Mit dem Herzen UND auch so. Es gab auch noch Nebencharaktere in Form von Familie, Freunden und Geschwistern, und selbst die waren einem unheimlich sympathisch, und unterstützend.
Nun zum eigentlichen Thema der Momente und des Schicksals: Das Herz. Ich finde schön, dass es nicht erzwungen erscheint, dass Sera und Luke zusammen sein MÜSSEN, weil sie eben diese gemeinsame Herzgeschichte haben. Es erscheint leicht, und trotzdem so, als ob beide die freie Wahl haben, und sich eben gerne füreinander entschieden hätten, wenn da eben nicht das Schicksal wäre, das ihnen den Strich durch die Rechnung macht. Das Schicksal, das eigen Herz, und ein gewisses Ablaufdatum des eigenen Lebens. Dass es hier um Momente für Sera geht finde ich auch sehr schön beschrieben, da sie ja wirklich damit leben muss, dass ihr Leben jederzeit vorbei sein kann, wenn ihr Herz versagt. Schöne Aussage, die da heißt, sein Leben zu genießen, weil man nie weiß, wann es endet. Die Geschichte kommt nicht daher wie der wild schlagende und pochende Herzschlag, sondern wie der ruhige gleichmäßige Puls, der uns Sicherheit gibt. Doch was ist Sicherheit? Am Ende merken wir, dass Sicherheit eine Illusion ist, etwas an das wir glauben müssen, um weiter zu existieren. Und trotzdem schleicht sich hier ab und an auf langsamen Slow-Burn Sohlen eine Wildheit in den hungrigen Herzschlag des Buches, der uns mehr von sich preisgeben will. Und es auch tut. Und das ist verdammt gut, emotional, bittersüß und einfach nur lebendig, so wie die Geschichte an sich. Quasi auf leisen Tapsen gegen die wilden stampfenden Schritte des hungrigen und lauten Herzschlags.
Die Geschichte hat mich nicht losgelassen und…ja…ziemlich zum Weinen gebracht. Aber das sind auch die, die nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen bleiben, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn da ist die eigene Sterblichkeit, der Verlust von anderen und sich, Verlustängste, Krankheit, Tod, aber auch eine Menge Leben und Erinnerung an vergangene Tage im Buch. Hier wurde feinfühlig mit der Schwere des Themas/den Themen umgegangen, durch ein feines Gefühl für Sprache und das Ansprechen jener Themen.
Der Schreibstil selbst ist schon sehr tiefgehend, weil man merkt, dass die Thematik keine leichte und lockere ist. Geschichten um Herzen sind immer etwas Besonderes, und wenn es wahrhaftig um unser Herz geht, das sich mit einschaltet, haben Geschichten nochmal eine ganz besondere Tiefe und tiefe Bedeutung. Weil das Herz uns zeigt, dass es jederzeit aufhören kann zu schlagen, und uns vor eine Endlichkeit stellt. Aber auch, weil es uns zeigt, die Zeit zu genießen. Am liebsten natürlich mit Menschen, denen im wahrsten Sinne des Wortes unser Herz gehört und denen wir unser Herz schenken. Und hier wird es knifflig, weil genau das passiert, und das gefällt mir am besten an dieser Geschichte. Und ja, den Childhood Friends to Lovers Trope konnte ich spüren, und diese Atmosphäre voller Sehnsucht zwischen Luke und Sera natürlich auch, wahrscheinlich noch vor den Beiden. Und dann war im Schreibstil dieses Poetische, weil er aus Erinnerungen und Beschreibungen einer Vergangenheit besteht, die man hinter sich gelassen hat, und auch irgendwie nicht.
Das Ganze hat mich in kurzen Sequenzen erinnert an The Summer i turned pretty (was ich übrigens ebenfalls total liebe). NICHT von der Geschichte her, und auch nicht von den gleichen Konstellationen. Nein nein, die sind ganz anders. Aber da war dieses Küsten – und Kleinstadtfeeling am Meer und Sommer und vergangene Sommer und gemeinsame Vergangenheit und Gefühle, die man sich nicht eingesteht, und deshalb mit tausenden Irrungen und Wirrungen vielleicht ein Weg zueinander, oder auch nicht, und dazwischen immer mal wieder ein wenig Heartbreaking, weil man sich selbst nie für gut genug für den anderen hält. Also quasi wie im realen Leben. Und das erinnert dann vielleicht auch an die eigene Jugendzeit, weswegen ich beim Lesen ganz melancholisch wurde.
Das Buch und seine Geschichte verbergen eine Menge emotionale Nähe, und diese ist trotzdem so schön eingeflochten, dass die Geschichte eine Nähe zwischen ihr und Lesenden schafft, fast so wie Sera und Lukes Geschichte die beiden verbindet. Die Nähe hängt nicht nur mit der schicksalshaften Verbindung der Beiden zusammen. Die Nähe, die beide fühlen, ist unabhängig davon. Sie verbreitet eine Gewissheit in der Geschichte, mit der man als Lesender unweigerlich weiß, dass die Herzen von Sera und Luke füreinander schlagen, dass es bestimmt ist für Beide zusammen zu sein und füreinander Gefühle zu haben, die man anderen nicht entgegenbringen kann. Eben wie zwei Teile ein- und desselben Herzens, hier dann sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Und trotzdem ist die Herzverbindung nicht das, was beide zueinander hinzieht, sondern etwas Anderes: Ein Hauch von Schicksal :D. Und wer kennt und liebt, so wie gleichzeitig fürchtet, nicht auch diese winzigen Momente und Sekunden, in denen wir Entscheidungen treffen, die unser gesamtes weiteres Leben und Schicksal beeinflussen? Gab es diese Momente im Buch? Zuhauf. Das Buch lebt von diesen Momenten und für sie. Habe ich vor dem Buch gesessen und versucht Sera und Luke klar zu machen, dass sie ihre Entscheidungssekunde in der Vergangenheit hätten in eine andere Richtung lenken sollen? Definitiv und na klar! Aber wer weiß, ob das der richtige Schicksalsweg gewesen wäre? Niemand. Nicht mal ich als Lesende. Denn das Schicksal macht, was es will. Und ist, wie wir wissen, manchmal ein mieser Verräter. So war mein Herz aufgeregt, hat geklopft, war kurz wahnsinnig vor Trauer, war gebrochen, enttäuscht und eifersüchtig, und voller Glück und Lebendigkeit, und trotz der negativen Dinge voller Liebe für das Buch und seine mir erzählende Geschichte. Nun nach der Lektüre…… muss das Herz erstmal wieder heilen. Denn dies ist so ein Buch. Es bricht Herzen. In einer individuellen, aber dafür definitiv. Wie einfach man sowas sagt? Ein gebrochenes Herz muss heilen. Der Schreibstil hat also richtig mitten ins Herz getroffen. Und schon wieder eine Herzmetapher. Mir ist beim Lesen tatsächlich eingefallen, wie wir Menschen mit Herzmetaphern umgehen, und von gebrochenen Herzen, Herzschmerz und Ähnlichem sprechen. Das zeigt aber auch, wie wichtig Herzen sind, nicht nur symbolisch, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, und was alles daran hängt.
Ein paar kleine Fakten: Ihr bekommt Kunstliebe und die Liebe zur und für die Kunst als Symbol, dass etwas bleibt. Das Ganze hat eine außergewöhnliche Tiefe, nicht nur aufgrund der Herz-Thematik. Verwobene Schicksale und Herzen. Meeres- und Strandvibes eines (besonderen) Sommers. Slow Burn, Second Chance, Childhood Friends to Lovers, Ugly Cry. Fated Mates …. irgendwie. Die Angst vor einer Zukunft, die man vielleicht nie erreicht. All das, was hätte sein können. All das, was ist. Taschentuchalarm? Aber ja. Manchmal kamen die Tränen sogar so schnell, dass das Taschentuch vergebens war. So wird das Buch immer mit mir verbunden sein, weil es meine Tränen aufgefangen hat. Fast scheint es so, als ob man während des Lesens ebenfalls eine Verbindung zum Buch und seiner Geschichte erschafft und eingeht. Und über allem schwebt diese Bittersüße. Die Geschichte ist so voller Leben, und wandelt gleichzeitig am Rande des Todes. Es ist vielleicht sogar ein Buch der Momente, in denen man selbst reflektiert und die Gedanken unweigerlich um das eigene Leben und Vergangenes so wie Zukünftiges kreisen. Ich für meinen Teil bin in Erinnerungen abgetaucht. Erinnerungen an eine Kindheit im Bewusstsein, wie fragil unsere Herzen sind, und damit auch das Leben, das jeden Moment enden kann. Das Buch war wie angehaltene Zeit, eine Auszeit vom Leben. Man war gefangen in der Geschichte, und alles um einen herum war in diesem Moment erstmal vergessen. Diese Wirkung hatte das Buch auf alle Fälle bei mir.
Ein trauriges Buch, aber für mich ein Highlight, mit einer Bittersüße, die über allem schwebt.
Heutiges Rezensionslied? Muss doch irgendwas mit einem Herzen sein, oder? Und weil Herzen sowohl Licht als auch Dunkelheit bringen können, fand ich das hier passend, obwohl es natürlich gerade mit Herzen sehr viele Lieder gibt:
„Once upon a time, there was light in my life. But now there′s only love in the dark.
Nothing I can say. A total eclipse of the heart“