Der perfekte Abschluss der Neuguinea-Saga
Nun heißt es Abschied nehmen von der Familie Berger, die einst einen Neuanfang fernab ihrer Heimat wagten. Zwanzig Jahre sind seitdem vergangen, seit sie Karlsruhe verlassen haben - ein fürchterlicher Brand hat ihnen alles genommen. Zunächst waren sie in Finschhafen und nun sind sie seit mittlerweile dreizehn Jahren hier, in Friedrich-Wilhelmshafen in Neuguinea.
Vater Gustav führt nach wie vor die Schreinerei, zusammen mit seiner Tochter Hedwig, die daneben eine Schule für die Einheimischen plant und auch schon die ersten Schüler unterrichtet. Ihre Tochter Marie lernt, mit der Nähmaschine umzugehen, ihr Traum ist der einer Schneiderin. Hedwigs Schwester Anna ist ins Kopra-Geschäft eingestiegen, das sie mittlerweile mit Raba, ihrem Kâte-Mann, führt und das ihnen ein gutes Auskommen sichert. Clara, die dritte Schwester, führt die Krankenstation. Als eines Tages ein Pflanzer mit schweren Verletzungen zu ihr kommt, wird ihr einmal mehr bewusst, dass hier dringend ein Arzt gebraucht wird. Sie geht zum Gouverneur von Deutsch-Neuguinea, zu Albert Hahl, einem vernünftigen Mann, mit dem es sich reden lässt – wäre da nicht Alfred Ross, seines Zeichens Bezirksamtmann. Er ist Hahl unterstellt, arbeitet aber eigenständig, er tyrannisiert die Ureinwohner, rekrutiert sie notfalls mit Waffengewalt. Zudem ist er – wie sich bald herausstellt – korrupt. Um seines Vorteils willen schikaniert er die Deutschen, hier sind es die Bergers, die allesamt unter ihm zu leiden haben – ihre Existenz ist gefährdet und als wäre das nicht genug, droht auch die Vergangenheit, sie einzuholen.
Schon lange habe ich sie alle ins Herz geschlossen - Gustav und seine Töchter und auch die nächste Generation. Marie wird es hier, in Friedrich-Wilhelmshafen, zu eng. Es drängt sie Richtung Singapur, einer Stadt, die ihr und ihrem Schneiderhandwerk sehr viel mehr zu bieten hat als diese doch sehr provinziale Gegend. Und da ist Paul, Anna und Rabas Sohn, der zweisprachig aufgewachsen ist und der sich hier als auch bei Rabas Stamm zuhause fühlt.
Ich lese von Kembu, einem Schießjungen, der für die Deutschen Paradiesvögel jagt, deren Federn gutes Geld einbringen. Die Autorin lässt gekonnt wahre Begebenheiten in ihre fiktive Story um die Familie Berger mit einfließen, auch gab es zwischen den Soldaten und den indigenen Stämmen Konflikte, die nicht selten brutal ausgetragen wurden. Dies ist nur ein kleiner Abriss dessen, was der dritte und letzte Teil der Neuguinea-Saga zu bieten hat.
Fiktion und die wahren historischen Ereignisse bilden eine homogene Einheit, alle Personen sind fiktiv -bis auf Albert Hahl, dem deutschen Verwalter der Kolonie in Neuguinea. Seine charakteristischen Eigenschaften sind nach historischen Überlieferungen wiedergegeben, wie die Autorin als Nachbemerkung betont.
Wie schon die beiden Vorgängerbände so ist auch die Zeit des Umbruchs ein spannender, historischer Roman, der viel von der Kolonialzeit der Deutschen weiß. Man erfährt viel Wissenswertes, dringt tief ein in die täglichen Belange und Unzulänglichkeiten wie etwa Sprachbarrieren und deren Überwindung, erfährt über medizinische Belange und die Plantagenwirtschaft (Kopra sei hier genannt) und von noch so vielem mehr, all dies unterhaltsam aufbereitet. Nun wünsche ich allen viel Freude mit dieser sehr lesenswerten Neuguinea-Saga, die nun vollständig in allen drei Teilen erhältlich ist.