Wenn das Ungesagte nachhallt
"Wolkenberührpunkt", der zweite Roman von Christoph Kramer wird seinem Titel für mich direkt gerecht: er berührt bereits von der ersten Seite an, nicht zuletzt durch die schlichte Gestaltung des Covers.
Auch der Einstieg in den Roman ist gelungen. Durch Rückblenden lernen wir sowohl den Protagonisten und seine Lebensgeschichte kennen. Besonders gefällt mir dabei die Verbindung zum Autor selbst, der die Geschichte von Roman erzählt, nachdem er ihm in seinem eigenen Leben begegnet ist. Dabei wechselt er immer zwischen der Geschichte von Roman und seinen persönlichen Kommentaren aus der Gegenwart. Diese Erzählstil mach den Roman für mich besonders reizvoll.
Was passiert, wenn sich von einer auf die andere Sekunde all die Wahrheiten auflösen, an die man bisher geglaubt hat? Vor dieser Frage steht Roman, als ihm sein Vater im Alter von zwölf Jahren eröffnet, dass er adoptiert wurde. Wir begleiten Roman durch sein Leben und erfahren, wie er mit dieser Erkenntnis umgeht und welche Fragen und Herausforderungen ihn auf seinem Weg ins Erwachsenenleben beschäftigen.
Der Schreibstil von Christoph Kramer gefällt mir hier sogar noch besser als in seinem ersten Buch. Er ist leise und zurückhaltend, dabei aber so intensiv, dass auch das, was nicht ausdrücklich ausgesprochen wird, in einem nachhallt. Es geht um große Themen wie Freundschaft, Wünsche, Abschied, die Suche nach dem Sinn des Lebens und dem persönlichen Glück. Gleichzeitig sind es die kleinen, unscheinbaren Momente, die das Leben prägen und der Geschichte ihre besondere Tiefe verleihen.
Besonders spannend finde ich dabei die Gegenüberstellung der Lebenswege von Christoph und Roman. Ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Entwicklungen eröffnen weitere Perspektiven auf die großen Fragen des Lebens.
Ein Roman, der nicht laut werden muss, um etwas auszulösen und gerade durch seine leisen Töne noch lange nachhallt.