Spannende Quest mit für mich unnötigem Spice
Dieses spannende Quest-Abenteuer spielt mit der Idee, das Wort "Niemand" ganz wörtlich zu nehmen. Die Welt wird von der Kriegsgöttin Corvynne erobert und die Prophezeiung besagt, dass Niemand sie aufhalten könne. Also was, wenn Niemand eine bestimmte Person ist?
Für mich hat dieser Gedankengang allerdings einen Haken, denn wenn eine Niemand-Person für eine Mission auserwählt wird, dann ist sie doch kein Niemand mehr sondern eine Auserwählte. Und genau hier unterscheidet sich dann auch die eigentliche Handlung vom Klappentext.
Denn es geht erst einmal darum, wer das Amulett der anderen Göttin, Artemisen, berühren kann, ohne in Flammen aufzugehen und genau hierfür wird ein Niemand benötigt.
Und so gerät unsere Hauptcharakterin Soli in den Fokus. Soli ist ein Niemand, eine Leibeigene des Königreichs, eine sogenannte Greymind. Greyminds sind aber nicht einfach nur Leibeigene, sondern sie leiden an einer Erkrankung des Geistes. Bei Soli zeigt sich dies darin, dass sich ihr Verstand in stressigen Situationen in Nebel hüllt und sie so zu schützen versucht. Somit hat dieses Buch auch Mental Health zum Thema, was ja eher selten in Bezug auf Fantasy ist.
Die Handlung selbst ist eine unterhaltsame typische Quest, in der eine bunte Truppe rund um Soli versucht, die Schlüssel für das Gefängnis der Göttin Artemisen zu finden.
Die Truppe ist wirklich bunt zusammengewürfelt und jeder scheint seine eigenen Geheimnisse vor den anderen mit sich herumzutragen, was das ein oder andere Mal für Spannungen sorgt. Doch dabei auf Soli zu vertrauen und sie zu beschützen, da sind sich alle einig und halten gut zusammen.
Wobei die gemeinsame Reise die Truppe doch auch nach und nach zusammenschweißt. Mir hat die Dynamik zwischen allen jedenfalls gut gefallen und ich mochte am liebsten Andras und die witzige und kriegerische Chitai. Nur die Tatsache, dass alle immer ganz viel Verständnis und nur gute Worte für Soli übrig haben, fand ich etwas überzogen.
Was der Klappentext allerdings hier nicht erahnen lässt und was ich nicht unbedingt in der Geschichte gebraucht hätte ist die doch sehr spicy aufgeladene Beziehung zwischen dem Questanführer Prinz Kaelen und Soli. Kaelen wird eigentlich als kalt, arrogant, sehr reizbar und herzlos rübergebracht, doch sobald er Soli zum ersten Mal erblickt, ist er fast schon besessen von ihr. Er selbst kann seinen Sinneswandel selbst nicht nachvollziehen, was ihn zu einem sehr wankelmütigen Mann macht, der sich nicht entscheiden kann, ob er seinen ungewohnten Gefühlen nachgeht oder doch auf Abstand bleibt und dann wäre da ja noch die Tatsache, dass er ein Prinz ohne Königreich ist und er hat mich einfach nur genervt damit. Soli hingegen kann ihn auch nicht o recht verstehen, versucht in ihrer neu errungenen Freiheit aber mitzunehmen was geht. Ansonsten ist Kaelen aber ein interessanter Charakter, der sicherlich im nächsten Band noch viel über sich selbst lernen darf. Schon witzig, dass ihm bei diesem Band der Untertitel gewidmet wurde, hätte vielleicht für die Fortsetzung besser gepasst.
Was ich sonst noch schade fand ist, dass Solis bester Freund Trick etwas zu kurz kommt. Er ist die einzige Person in der Truppe, die sie kennt und der selbst auch nicht ehrlich ist. Wäre schön gewesen, wenn die beiden mal mehr miteinander geredet hätten oder man mehr über Tricks Leben erfahren hätte. Da wusste ich am Ende mehr über die anderen.
Aber trotz aller Kritik die ich hier habe, hat mich das Buch wirklich gut unterhalten. Ich habe spannend mitgefiebert und freue mich, diese Truppe wiederzusehen, da die Quest in diesem Buch noch nicht beendet ist. Insbesondere am Ende wird es nochmal richtig interessant und ich bin gespannt, was Kaelen über sich noch so lernen darf.
Wer eine wilde Quest mit Spice und Mental Health sucht, dem sie mit diesem Buch jedenfalls sehr gut gedient.