Schumann in Gold: Schliessmanns Deluxe‑LP‑Set als interpretatorischer Höhepunkt
Die Edition erscheint nun als dreifach aufgelegtes, schwergewichtiges Gold-Audiophile-LP-Set in einer Deluxe-Pressung, veröffentlicht am 15. Mai 2026. Nachdem die ursprüngliche Ausgabe sowohl auf SACD als auch in Dolby Atmos vorlag, erweitert die LP-Version das audiophile Spektrum um eine weitere Facette – zumal die Schallplatte derzeit eine bemerkenswerte Renaissance erlebt.
Aufgenommen wurde das Album in den Berliner Teldex Studios unter der Produktion von Julian Schwenkner und der Tonregie von Jupp Wegner. Insgesamt kamen vierzehn Mikrofone zum Einsatz, um jede Nuance von Schliessmanns Spiel einzufangen; die LP-Pressung zielt zugleich auf eine ausgeprägt analoge Wärme. Das Set präsentiert sich zudem mit einem völlig neuen, farbintensiveren Cover, das sich deutlich vom mahagonigetönten Konzertfoto der SACD-Box unterscheidet.
Interpretatorisch offenbart sich eine Fülle feinster Abstufungen. Schliessmanns Zugang ist zutiefst persönlich, und je intensiver man hört, desto mehr Schichten treten hervor. Voraussetzung ist, die eigenen Hörgewohnheiten beiseitezulegen: Schliessmann ist hörbar mit einem freien, unvoreingenommenen Blick zur Partitur zurückgekehrt – und ebenso sollten wir hören. Die Klangqualität des Flügels ist herausragend, insbesondere die Bassdefinition. Ein Beispiel bietet das zweite Stück der Fantasiestücke op. 12, in dem Schliessmann eine Leidenschaft entfaltet, die an Argerichs legendäres Concertgebouw-Livekonzert der späten 1970er Jahre (EMI) erinnert.
„Warum?“, das dritte Stück des Zyklus und Inbegriff romantischer Traumverlorenheit, erklingt hier in einer der eindrucksvollsten Interpretationen überhaupt – und in dieser klanglichen Tiefe wirkt es geradezu enthüllend. Da dies eine zusammenfassende Besprechung ist, sei die erste LP nur kurz erwähnt: Kreisleriana und die Fantasie C-Dur verlangen nicht nur dem Interpreten, sondern auch dem Instrument alles ab – ein Umstand, der zugleich das Können des Klaviertechnikers Daniel Brech bezeugt.
Die besondere Klangfülle der dreifachen Heavyweight-Pressung erweist sich vor allem für die dritte LP (Seiten E und F) als ideal. Für mich bildet dieser Abschnitt den Kern des gesamten Sets. Nacht und Morgendämmerung prägen diesen Teil: Die Nachtstücke op. 23 faszinieren durch Lichtstrahlen, die immer wieder von dunklen Gedanken überlagert werden. Die Bedeutung der Stücke op. 111 ist enorm – und Schliessmanns Interpretation trägt dieser Bedeutung in jeder Phrase Rechnung.
Doch erneut möchte ich eindringlich auf die Gesänge der Frühe op. 133 verweisen: Musik, die von Licht durchzogen ist. Sie sollten als Ausgangspunkt dienen, um sich tiefer in Schumanns späte Werke vorzuwagen – eine entrückte, eigenwillige, aber unendlich faszinierende und berührende Welt. Schliessmanns Klangkultur, seine interpretatorische Tiefe und die präzise Setzung der Akkorde sind entscheidend für den Erfolg dieser Darbietung: Wenn technisch alles vollkommen intakt ist, bleibt nichts, was von der Interpretation ablenkt. Schliessmann weiß das – und er nutzt es.
Das Entfalten des zweiten Stücks ist hypnotisch, ebenso die Kontraste, die es durchziehen. Op. 133 markiert Schliessmanns bislang größten interpretatorischen Höhepunkt – und es in einer derart luxuriösen audiophilen Präsentation zu erleben, ist ein Privileg.