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    jenvo82

    Aktiv seit: 13. Mai 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    4 Rezensionen

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    Feine Risse

    Elisa Hoven
    Feine Risse (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    08.06.2026

    Die hellen Momente in den dunkelsten Tagen

    „Diese Unterscheidung gibt es nicht. Schriftsteller machen Wahres zu Geschichten, und Schauspieler lassen die Geschichten wahr erscheinen. Ich tue beides.“

    Inhalt

    Eva Herbergen, eine Strafverteidigerin, die in zahlreichen Fällen ihr Können unter Beweis gestellt hat, vertagt ihren geplanten Ruhestand und arbeitet noch ein Weilchen weiter. Der Leser bekommt in kurzen Abschnitten ihre aktuellsten Fälle präsentiert, in denen sie es mit den unterschiedlichsten Verbrechern und deren Motiven zu tun bekommt. Im Hintergrund beschäftigt sie auch ein ganz persönlicher Fall: Im Elternhaus ihres Mannes findet man im Zuge von Renovierungsarbeiten ein eingemauertes Skelett im Kellerraum. Welches Geheimnis sich wohl hinter diesem Verbrechen verbirgt?

    Meinung

    Dies ist bereits das zweite Buch der Autorin um die Figur der Eva Herbergen. Den ersten Roman („Dunkle Momente“) möchte ich gerne noch lesen und vielleicht wird es ein drittes Buch geben – der Cliffhänger am Ende der Lektüre lässt dies vermuten.

    Man merkt dieser Erzählung die berufliche Erfahrung der Autorin an, die selbst Richterin am sächsischen Verfassungsgerichtshof ist. Besonders intensiv wird hier die Kluft zwischen Recht und Gerechtigkeit besprochen, die sich durch jeden Fall zieht und mehrfach zu einem Zwiespalt führt. Denn Ethik und Moral vertragen sich nicht gänzlich mit den Normen der Rechtsprechung.

    Dabei entwirft die Autorin eine sympathische, nahbare Protagonistin, die menschlich denkt und handelt und selbst nicht unfehlbar ist. Die kurzen Episoden sind in klarer, prägnanter Sprache verfasst und sehr fokussiert bzw. leserfreundlich gestaltet – keine Schnörkel, keine Ausreißer in Endlosdebatten.

    Dennoch bietet dieses Buch viel mehr als eine bloße Abhandlung von gerichtsfällen: es lädt vielmehr dazu ein, hinter die Kulissen zuschauen und ein breites Spektrum an Möglichkeiten aufzuzeigen.

    Fazit

    Ich vergebe gute 4 Lesesterne für einen interessanten, abwechslungsreichen Roman, der Rechtsprechung und Menschsein miteinander in Einklang bringt. Er eignet sich hervorragend für Gesprächsrunden und weckt die Neugier auf die Hintergründe der Verbrechen. Auch der Beruf des Strafverteidigers bekommt hier Tiefe und lässt mehrere Dimensionen entstehen. Wer gerne Grauzonen auslotet und sich für die Thematik der Rechtsprechung begeistert, bekommt hier gutes Lesefutter geboten, welches Lust auf mehr macht.
    Mit beiden Händen den Himmel stützen

    Lilli Tollkien
    Mit beiden Händen den Himmel stützen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    04.06.2026

    Mühe mit meinem unbeständigen Leben

    „Das Bild von meiner Mutter wird zum übergroßen Traum eines Kindes. Im Traum ist sie eine Bärin, die mich mit ihren großen Tatzen gegen die Welt verteidigt, während sie in der Realität immer weniger wird.“

    Inhalt

    Lale wächst in einer Männerkommune in Berlin auf, nachdem ihrer drogenabhängigen Mutter das Sorgerecht entzogen wurde. Ihr leiblicher Vater und dessen Freunde, führen ein Leben zwischen Drogen, Alkohol, wechselnden Frauenliebschaften gepaart mit Arbeitsverweigerung und politischen Statements. Lales Platz in der Wohngemeinschaft ist förmlich nicht existent - sie ist eben einfach da! Es gibt keine Regeln, keine Zuwendung, keine Anleitung. Während sich die Erwachsenen tagein und tagaus im Suff befinden oder mit Frauen vergnügen, muss Lale ihren Platz behaupten. Doch über Verwahrlosung und Desinteresse schiebt sich noch der Missbrauch hinzu, wenn die Männer gerade keine Frau haben, setzen sie sich gerne auch die 8-jährige auf den Schoß. Sobald sie kann, verlässt sie die Wohnung, schlittert jedoch nur in ein eigenes Leben voller Abhängigkeiten hin zu Drogen und den Randfiguren der Gesellschaft. Doch aufgeben ist keine Option, ihr erstrebenswertes Ziel: endlich ankommen und ein Zuhause finden. Erst als sie selbst Mutter wird, eröffnet sich diese Chance – und diesmal will sie es nicht vermasseln.

    Meinung

    Die Thematik des Buches an sich ist schon eine ganz spezielle und deutet auf eine Vielfalt an Betrachtungsweisen und Meinungen hin, umso betroffener hat mich dieser Text, der ausschließlich von Lale selbst erzählt wird, gemacht. Denn der Leser ist hier hautnah dabei an dieser Kindheit voller Missstände, Ängste und Haltlosigkeit. Die psychologische Betrachtung erschließt sich unmittelbar und durch keinerlei Filter beschönigt. Ein hartes Kinderleben formt eine harte Erwachsene, die dennoch nur schwimmt und sich auf der Flucht vor sich selbst befindet, auf der Flucht vor ihren antrainierten Unzulänglichkeiten, die keinerlei Vertrauensbasis erfahren hat und voller Begierde auf ein „normales“ Leben schaut, ohne zu wissen, wie sie dieses erreichen kann.

    Dennoch hat mich diese konsequente Erzählweise in ihrem harschen Ton stellenweise erschreckt und weniger Emotionen geweckt als erhofft. Die Traurigkeit erfasst den gesamten Text, bewegt sich aber weitab von irgendeiner Allgemeingültigkeit. Mir war einiges zu exemplarisch dargestellt und die dunklen Momente der Betroffenen wirken nur deshalb so „erträglich“, weil sich das Umfeld immer im Drogenwahn oder in der Volltrunkenheit befindet. Der endgültige Befreiungsschlag bleibt aus und der Funken Hoffnung ist klein und unbeständig.

    Fazit

    Ich vergebe gute 4 Lesesterne für einen besonderen, dramatischen Roman mit harten Themen, verlorenen Protagonisten und Randexistenzen der Gesellschaft, die jeglichen Halt verloren haben. Der distanzierte Stil, in kurzen einfach Sätzen, basierend auf Erlebnissen, eines Kindes mit all den Folgeschäden für die Zukunft, dass muss man aushalten können. Man kann dieses Buch in einem hohen Tempo lesen und ist stets gefesselt – allerdings auf eine unangenehme Art und Weise. Die Wirkung jedoch ist die eines tragischen Einzelschicksals, die Gesamtaussage bleibt hinter meinen Erwartungen zurück und die einseitige Sicht auf dieses Leben im Ausnahmezustand, verhindert die Facettenvielfalt, die ich mir hier gewünscht hätte.
    Die Namen

    Florence Knapp
    Die Namen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.05.2026

    Drei Namen, drei Leben, eine Bürde

    „Seit ein paar Jahren geht sie zu einer Therapeutin, aber auch sie hat lange gebraucht, um die schwersten Steine anzuheben und die dunkle Erde darunter zu betrachten, wo ihre Ängste und Sorgen vor dem Licht weghuschen, wie Kellerasseln.“

    Inhalt

    Bear ist der Sohn eines Mörders, seinen Vater kennt er nicht, weil dieser seit Jahren im Gefängnis sitzt. Julian ist Halbwaise, er musste ohne seine Mutter aufwachsen, die Opfer ihres gewalttätigen Mannes wurde. Gordon hat eine klassische Familie, doch in den eigenen vier Wänden dominiert der prügelnde Vater den Alltag. Die drei Männer sind ein und dieselbe Version in drei möglichen Parallelwelten. Wie würde das Leben aussehen, wenn man einen anderen Namen trägt und doch im gleichen Kontext lebt? Wer kann man werden und wer möchte man sein?

    Meinung

    Die Idee zu diesem spannenden Roman ist ebenso simpel wie genial. Eine leichte Fiktion bildet die Basis für verschiedene Szenarien, die sich dennoch nur geringfügig unterscheiden, denn die Prägung eines Individuums in jungen Jahren ist so nachhaltig und umfassend, dass selbst wechselnde Rahmenhandlungen nur bedingte Veränderungen zulassen. Trotzdem können Lebenswege ganz anders verlaufen, doch dazu bedarf es nicht nur eines anderen Namens, sondern ganz bewusster Entscheidungen für oder gegen ein bestimmtes Verhalten.

    Die Konstanten der Geschichte sind hier die Mutter aber noch viel mehr die ältere Schwester des Hauptprotagonisten – zwischen diesen Polen erlebt der Leser abwechselnd die drei Wege eines Mannes im Abstand von jeweils sieben Jahren. Diesen Zeitraffer empfand ich als gelungen und glaubwürdig, dennoch hätte es mir besser gefallen, wenn der jeweilige Name in sich geschlossen gewesen wäre, bevor die nächste Episode unter anderem Namen nur zur gleichen Zeit aufgegriffen wird. So wie es war blieben mir alle drei Persönlichkeiten irgendwie fremd und gedanklich musste man gut sortieren, um nicht durcheinander zu kommen.

    Fazit

    Ich vergebe gute 4,5 Lesesterne, die ich zu 5 aufrunden möchte. Gerade der gängige Schreibstil und die einfache aber aussagekräftige Intention des Romans machen ihn zu einem Pageturner. Die Thematik der häuslichen Gewalt, die sich hier in erster Linie auf die Lebenspartnerin beschränkt, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die psychologischen Folgen für die Kinder und deren spätere Entwicklung vollzieht sich stimmig und dramatisch. Die Probleme der einen Generation werfen lange Schatten in die der nächsten hinein. Dabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, wann man dem Terror entkommen ist, sondern vielmehr wie man mit der Situation umgeht. Die Bürde der Verantwortung und die Schwierigkeiten, sich der eskalierenden Gewalt zu entziehen sind glaubwürdig und empathisch geschildert. Lediglich die Emotionalität geht auf Grund der Erzählstruktur etwas verloren: Der Leser schaut von außen zu, wie innen alles zerbricht und bleibt dem Geschehen als Beobachter verbunden.
    Das White Octopus Hotel

    Alexandra Bell
    Das White Octopus Hotel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    13.05.2026

    Die drei goldenen Schlüssel durch die Zeit

    Inhalt

    Das White Oktopus Hotel, ist im Jahre 2016 nur noch ein sehenswürdiger Lost-Place, während es 1935 ein Grand-Hotel in den Schweizer Alpen war und 1918 ein Krankenhaus für Kriegsversehrte. Die Immobilie umgibt eine geheimnisvolle Aura und eine große Portion Zauberei. Der einstige Besitzer Nikolas Roth, war angeblich ein großer Künstler, doch sein Gesamtwerk gilt als verschollen. Das Interesse der Kunsthistorikerin Eve Shaw ist geweckt, zumal sie selbst eine magische Verbindung mit einem Oktopus pflegt, der als wanderndes Tattoo unter ihrer Haut lebt. Und so wird ihr Ausflug zur verfallenen Ruine am Berg zu einer faszinierenden Reise in die Vergangenheit. In drei Zimmern des Hotels sind Zeitreisen möglich und Eve ist im Besitz eines Schlüssels. Als sie erfährt, dass alle Gegenstände der Unterkunft eine andere magische Eigenschaft besitzen, und es angeblich hauseigenes Briefpapier gibt, welches eine Veränderung der Vergangenheit ermöglicht, setzt die junge Frau alles daran, dieses zu finden. Ändern möchte Sie ihr bisheriges Leben, weil ein Fehler aus ihrer Kindheit ihr gesamtes Dasein überschattet und sie mit einer nie enden wollenden Schuld belastet. Im Hotel trifft sie auf Max Everly, einen begabten Komponisten, der mit seiner Musik ihr Herz bewegt. Mit ihm scheint sie weit mehr zu verbinden, als zunächst geglaubt und auch er kann durch die Zeit reisen. Die gegenseitige Anziehungskraft führt dazu, dass sich die Wahrheiten von heute, gestern und vorgestern neu sortieren und möglicherweise eine ganz andere Gegenwart ermöglichen, doch jedes Glück fordert seinen Preis …

    Meinung

    Auf diese Geschichte voller Magie und abenteuerlicher Erlebnisse bin ich durch positive Leserstimmen aufmerksam geworden, denn normalerweise fehlt mir in Storys über Zeitreisen der Realitätsbezug. Hier jedoch entspinnt sich nach und nach eine sehr sympathische Erzählung über die Vergangenheit und ihre Möglichkeiten. Aus Sicht der jungen Eve, deren inneres Drama man sehr gut nachvollziehen kann, eröffnen sich Wege und Türen hinein in ein buntes Wirrwarr aus Zeitsprüngen und Ereignissen. Der Dreh-und Angelpunkt jedoch ist das White Octopus Hotel, mit seinen Bars, Spiegeln und der wunderbaren Aussicht auf die Schweizer Berge. Vieles bleibt während des Lesens sehr rätselhaft und man taucht immer tiefer in die Materie ein, ohne jedoch den Kern der Geschichte restlos zu erfassen. Erst die letzten Seiten des Buches bringen endgültiges Licht ins Dunkel und dennoch bleiben manche Dinge beinahe verborgen.

    Sehr positiv empfand ich den gekonnten Zeitwechsel zwischen den Jahren und Eindrücken von Eve Shaw, die uns meist nur ihre Perspektive zeigt, dafür jedoch in zahlreichen Facetten. Geschichte, Magie und eine langjährige Liebesbeziehung ziehen den Leser in den Bann.

    Fazit

    Dieser ansprechende Roman passt in keine Schublade und weckt dadurch auch das Interesse von Lesern, die mit Fantasy im Allgemeinen eher wenig anfangen können. Es ist ein spannender Schmöker, der den magischen Realismus bedient aber auch historische Aspekte einfängt und hin und wieder Lebensweisheiten präsentiert. Sehr gern vergebe ich 4,5 Lesesterne, die ich zu 5 Sternen aufrunde. Gerade der bildliche Erzählstil würde mich zu einer Filmvorlage inspirieren, die Kunst, die Stimmung und die Hintergründe würden sicherlich tolle Bilder heraufbeschwören. Besonders die Zeitlosigkeit der Geschichte, macht sie vielen Lesern zugänglich und beinahe wirkt es so, als könnte man selbst, durch eine der magischen Türen das Hotel betreten, um in einer anderen Zeit den Horizont zu erweitern.
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