Inhalt Einstellungen Privatsphäre
jpc.de – Leidenschaft für Musik Startseite jpc.de – Leidenschaft für Musik Startseite
  • Portofrei ab 20 Euro
  • Portofrei bestellen ab 20 Euro
  • Portofrei innerhalb Deutschlands Vinyl und Bücher und alles ab 20 Euro
0
EUR
00,00*
Warenkorb EUR 00,00 *
Anmelden
Konto anlegen
    Erweiterte Suche
    Anmelden Konto anlegen
    1. Startseite
    2. Alle Rezensionen von Belina bei jpc.de

    Belina

    Aktiv seit: 17. März 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    15 Rezensionen

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.
    Luft nach unten

    Tamara ¿Tajner
    Luft nach unten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    21.07.2026

    Wenn man alle Leben zugleich will

    Tamara Stajner erzählt in Luft nach unten weniger von einem Familiengeheimnis, wie der Klappentext zunächst vermuten lässt, als von einer Frau, die zwischen ihren Wünschen, Ängsten und unterschiedlichen Lebensentwürfen keinen Halt findet.

    Die Protagonistin Iva ist keine Figur, die man sofort versteht oder gar mag. Sie verfolgt fast schon fanatisch ihren Kinderwunsch, nur um wenig später daran zu zweifeln, ob sie überhaupt Mutter werden möchte. Sie fordert von ihrem Ehemann Felix bedingungslose Ehrlichkeit und Hingabe, während sie selbst eine heimliche Affäre führt. Sie möchte den Kontakt zu ihren Eltern pflegen und mehr über deren Vergangenheit erfahren, bringt es jedoch nicht über sich, das Gespräch zu suchen.
    Ihr Geliebter bringt diesen Widerspruch mit einem Satz auf den Punkt: „Du willst alle Leben zugleich.“
    Als Leserin oder Leser erlebt man Ivas Gedankenspiralen, ihre Eifersucht, ihre Wut, ihr Misstrauen und ihre Sehnsucht nach Liebe aus nächster Nähe. Das ist nicht immer leicht zu lesen, macht aber zumindest ansatzweise nachvollziehbar, wie sehr sie an sich selbst und ihren Beziehungen scheitert. Besonders eindrücklich fand ich die schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Deren frühes Eingeständnis, die Mutterschaft zu bereuen, überschattet ihr Verhältnis dauerhaft und das zu anderen Menschen und prägt zugleich Ivas eigenes Ringen um den Kinderwunsch.

    Gespräche, die Iva mit ihrer Mutter nie geführt hat oder nie führen wird, ersetzt sie durch an sie gerichtete Tagebucheinträge. Diese Einträge waren für mich das Highlight des Romans. Zusammen mit den eingefügten Textnachrichten verleihen sie der Geschichte eine große Unmittelbarkeit und emotionale Nähe.

    Sprachlich liest sich der Roman flüssig. Herausfordernd sind vielmehr seine Figuren, allen voran Iva, deren Widersprüche und Verletzungen den Roman tragen und immer wieder zum Nachdenken anregen.

    Nicht überzeugt hat mich, dass Iva im Verlauf der Handlung kaum eine erkennbare Entwicklung durchläuft. Man begleitet sie ein Stück ihres Weges, verlässt sie jedoch, ohne zu erfahren, wie sie sich entscheidet oder ob sie für einen ihrer inneren Konflikte einen Weg findet. Das mag in Bezug auf Ivas Persönlichkeit konsequent sein, war für mich als Leserin jedoch enttäuschend. Ich bleibe mit vielen Fragen zurück, unter anderem mit der, wem ich diesen Roman empfehlen würde.
    Zeit der Monster

    Seyda Kurt
    Zeit der Monster (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    21.07.2026

    Der Sumpf als Spiegel der Gesellschaft

    „Ein Sumpf hält fest, was in ihn sinkt, so einfach ist das. Erinnerungen und Dinge, Körper und Krankheiten. Er ist Archiv und Grab zugleich.“

    Mit diesem Satz beschreibt Seyda Kurt im Laufe des Romans das Viertel, in dem ihre Geschichte spielt – und bringt dessen Wesen für mich auf den Punkt. Der Sumpf ist Sinnbild für einen aufgegebenen Stadtteil, dessen Bewohnerinnen und Bewohner von Armut, Perspektivlosigkeit und Resignation geprägt sind. Über sieben Tage begleiten wir Figuren wie Sanya, Mira, Pfarrer Angelo oder Dr. Shifa durch ihren Alltag – Menschen, die versuchen, inmitten von Hoffnungslosigkeit Sinn, Gemeinschaft, ein wenig Wohlstand oder zumindest ein wenig Halt zu finden.

    Der Roman verknüpft mehr oder weniger konsequent große gesellschaftliche Themen miteinander. Es geht um Armut, Einsamkeit, Flucht (auch vor der Realität), Radikalisierung, Fake News und vererbte Traumata. Erschreckend und überspitzt zeigt Seyda Kurt, wie Desinformation, religiöser Fanatismus und Verschwörungserzählungen dort gezielt zum Einsatz kommen und sich verbreiten, wo Menschen das Gefühl haben, ohnehin nichts mehr verlieren zu können. Gleichzeitig gibt es immer wieder Figuren, die versuchen, mit Menschlichkeit und Solidarität gegen diese Entwicklung anzukämpfen.

    Eine besondere Rolle spielt dabei eine außenstehende Chronistin, die jedes Kapitel mit einer nächtlichen Bestandsaufnahme beendet und den Bogen von mesopotamischen Schöpfungsmythen bis in unsere Gegenwart spannt. Gut gefallen hat mir, wie historische Bezüge und die Geschichte des Viertels immer wieder miteinander verwoben werden. Am Ende fasst sie den Ort so zusammen:
    „Unser Viertel ist nah und fern, herrlich und monströs. […] Schon immer Sumpf gewesen und ständig aufs Neue dabei, zu vertrocknen. […] Das Leben in den Straßen, das Murmeln auf den Plätzen, die Wut und die Träume der Menschen, all das, was der Sumpf verschluckte und wieder hervorspuckte, hat unser Viertel zu dem Ort gemacht, der er heute ist.“

    So eindrucksvoll viele Bilder und Gedanken dieses Romans sind, so herausfordernd war die Lektüre für mich. Die Handlung wirkt oft fragmentarisch, Figuren mäandern durch das Viertel und den Roman, interagieren miteinander und verlieren sich wieder, Erzählstränge verlaufen ins Leere oder werden erst viel später aufgegriffen. Dazu kommen lyrische Passagen, absurde und teilweise schockierende Szenen und eine Fülle an Themen, die mich stellenweise eher überfordert als bereichert haben. Immer wieder hatte ich das Gefühl, einen wichtigen Gedanken nur zu streifen, bevor schon der nächste Gedanke folgte.

    Trotzdem bleibt für mich der Eindruck, einen gesellschaftlich nicht unwichtigen Roman gelesen zu haben. „Zeit der Monster“ fordert seine Leserinnen und Leser heraus und verlangt Aufmerksamkeit. Mich haben die originelle Erzählweise, die sprachliche Kraft und der Mut zu Chaos und Skurrilität beeindruckt. Gleichzeitig hätte dem Roman aus meiner Sicht etwas mehr erzählerische Konzentration gutgetan – manchmal ist weniger eben doch mehr.
    Ich vergebe eine 3+ und schaue mir den nächsten Roman der Autorin wieder an.
    Ein unerhörter Wunsch

    Ann Packer
    Ein unerhörter Wunsch (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.07.2026

    Wenn man festhalten will, aber loslassen muss

    Die Ausgangssituation dieses Romans ist ungewöhnlich: Claire ist unheilbar krank und äußert einen Wunsch, der ihren Mann Eliot völlig unvorbereitet trifft. Nicht er soll sie in ihren letzten Tagen begleiten, sondern ihre beiden engsten Freundinnen. Aus dieser Entscheidung entwickelt Ann Packer einen Roman, der weniger von Krankheit als von Liebe, Verlust und den Fragen erzählt, die entstehen, wenn vertraute Rollen plötzlich infrage gestellt werden.

    Obwohl Claire im Zentrum der Geschichte steht, erleben wir den Roman ausschließlich aus Eliots Perspektive. Die Autorin begleitet ihn durch Trauer, Selbstzweifel und Wut. War seine Fürsorge nicht gut genug? Hat er als Ehemann versagt? Warum schließen Claire und ihre Freundinnen ihn ausgerechnet jetzt aus? Seine Gedankenspiralen wirken ehrlich, unmittelbar und menschlich. Besonders eindrücklich beschreibt Ann Packer seine Verzweiflung: „Er warf den Kopf zurück und heulte, oder glaubte, geheult zu haben; [...] Die Vorstellung, dass er, dass der Mensch, der er zu sein glaubte, dahinschwand, während er darauf wartete, dass Claire ihm verlorenging.“

    Die große Stärke des Romans liegt für mich in Ann Packers genauer Beobachtung ihrer Figuren. Sie beschreibt Elliots Gedanken, die Gespräche zwischen den Personen und scheinbar beiläufige Momente so anschaulich, dass man sich mitten in diesem unlösbaren Dilemma wiederfindet: auf der einen Seite ein liebender Ehemann, der seine Frau bis zuletzt begleiten möchte, auf der anderen ihr letzter, kaum zu akzeptierender Wunsch.

    Nicht jede Frage wird am Ende beantwortet, und auch Eliot erweist sich nicht immer als vollkommen verlässlicher Erzähler. „Ein unerhörter Wunsch“ liefert keine einfachen Antworten, sondern lädt dazu ein, über Liebe, Abschied und die Grenzen von Fürsorge nachzudenken. Trotz des schweren Themas liest sich der Roman erstaunlich leicht.

    Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die sich auf einen außergewöhnlichen psychologischen Roman einlassen möchten und vor einem ernsten Thema nicht zurückschrecken.
    Ein Riesenspaß für die ganze Familie

    Jennifer E. Smith
    Ein Riesenspaß für die ganze Familie (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.07.2026

    Geschwister können kompliziert sein!

    Schon lange habe ich keinen Unterhaltungsroman mehr gelesen, von dem ich genau das sagen kann: Ich habe mich von der ersten bis zur letzten Seite hervorragend unterhalten gefühlt!

    Im Mittelpunkt des Romans stehen die vier Geschwister Endicott, deren Lebenswege wir in Vergangenheit und Gegenwart begleiten. Nach einer mehrjährigen Funkstille treffen sie sich auf Initiative einer der Schwestern an einem abgelegenen Ort in North Dakota wieder. Neugierig, teilweise widerwillig und mit „Kind und Kegel“ im Gepäck versammeln sich Gemma, Connor, Roddy und Jude irgendwo im Nirgendwo, um sich auszusprechen und letztlich ein wichtiges Kapitel ihrer gemeinsamen Vergangenheit neu zu schreiben.

    Ihre Unsicherheiten, Stärken, Schwächen und kleinen wie großen Alltagskonflikte machen sie überraschend nahbar – auch wenn sich drei der vier Geschwister inzwischen zu Berühmtheiten entwickelt haben.

    Da ich selbst eine von drei Schwestern bin, hat mich vor allem die Dynamik zwischen den Geschwistern begeistert. Jennifer E. Smith beschreibt sehr fein, wie Geschwister sich missverstehen und doch blind kennen, sich übereinander ärgern und trotzdem bedingungslos füreinander da sind, sich aus den Augen verlieren und dennoch verbunden bleiben. Gerade diese Ambivalenz macht ihre Beziehungen so glaubwürdig und berührend.

    Natürlich ist es eher unwahrscheinlich, dass eine Familie gleich mehrere außergewöhnliche Talente als Schriftsteller, Schaupsielerin und Profifußballer hervorbringt. Mich hat das allerdings keine Sekunde gestört. Im Gegenteil: Gerade diese Konstellation macht den Roman besonders unterhaltsam und bietet Raum für ganz unterschiedliche Lebensentwürfe und Konflikte.

    Auch ernste Themen wie lange unerfüllter Kinderwunsch, die Frage, ob die eigene Kindheit einen für das Elterndasein disqualifizieren kann, Scheidung, Queerness im Profisport, Krankheit und Verlust finden ganz selbstverständlich ihren Platz in der Geschichte, ohne sie zu beschweren oder ihren warmherzigen Grundton zu verlieren.

    Für mich ist „Ein Riesenspaß für die ganze Familie“ schöne, warmherzige, aber niemals platte Unterhaltung mit Figuren, die man am Ende nur ungern wieder ziehen lässt und ich empfehle ihn gerne weiter.
    Gotico salentino

    Marina Pierri
    Gotico salentino (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    11.06.2026

    Wenn Mary Shelley in der Gaming-Lounge sitzt

    Mit den ersten Seiten von „Gotico Salentino“ führt Marina Pierri alles ein, was einen klassischen Schauerroman ausmacht: eine alte Villa mit Geschichte, erbaut auf sumpfigem Grund und erfüllt vom Geruch nach Moder und Vergänglichkeit. Türen öffnen sich von selbst, Kamine entzünden sich ohne Zutun und Bilder verrücken an den Wänden. Dazu kommen die Form des Briefromans und eine Erzählerin, deren Wahrnehmung nicht immer ganz verlässlich wirkt.

    Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin klassische Motive der Schauerliteratur mit modernen Elementen verbindet. Die Villa verfügt nicht nur über antikes Mobiliar und Spuren der vormaligen Bewohner in allen Ecken, sondern auch über Fernseher und Gaming-Lounge – ein Gruselhaus 2.0. Verweise auf literarische Klassiker, aktuelle Romane und Filme ziehen sich durch den gesamten Roman. Fans von Tim Burton dürften hier ebenso auf ihre Kosten kommen wie Leserinnen und Leser, die Freude an literarischen Anspielungen haben.

    Die Protagonistin und Erbin der Villa, Filo Quarta, kann Geister sehen und möchte das als verflucht geltende Anwesen in ein Bed & Breakfast verwandeln – während sie gleichzeitig versucht, ihren eigenen Roman zu schreiben. Unterstützt wird sie dabei nicht nur von ihrer besten Freundin und einem Freund aus Kindertagen, sondern auch von den literarischen Geistern Mary Shelleys und Shirley Jacksons. Wirklich gruselig sind diese allerdings nicht – vielmehr sorgen sie für einige humorvolle Momente.

    Könnte alles so schön sein, wäre da nicht Orlando Trispét, der wirklich gruselige Geist einer Nonne, die Filo bereits seit ihrer Kindheit heimsucht. Die Geschichte um sie entwickelt sich zunächst eher langsam, gewinnt in der zweiten Romanhälfte, in der Filo die Geschichte der Villa und ihres Vorfahren Oronzo Quarta erforscht, aber deutlich an Fahrt. Ganz klassisch geht es darum, verdrängtes Unrecht ans Licht zu bringen, um einem ruhelosen Geist Frieden zu verschaffen.

    Insgesamt hatte ich jedoch weniger das Gefühl, eine Schauergeschichte zu lesen, sondern vielmehr einen Roman, in dem Marina Pierri über alles schreibt, was ihr wichtig ist: Verlust und Herkunft, Freundschaft und weibliche Solidarität, die Liebe zur Schauerliteratur und ihren Autorinnen sowie die eigene kreative Arbeit.

    Wer auf der Suche nach dem nächsten großen Gruselroman ist, wird hier wohl nicht auf seine Kosten kommen – allzu zart besaitet sollte man allerdings ebenfalls nicht sein. Die Zielgruppe dieses Romans ist vermutlich eher schmal. Ich konnte mich jedoch vor allem an den literarischen Anspielungen und der originellen Idee der „literarischen Geistervilla“ erfreuen.
    Sunset Flip

    Joey Goebel
    Sunset Flip (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    05.06.2026

    Ein sensibler Roman über ein Leben zwischen Inszenierung, Sehnsucht und Identität

    In Sunset Flip von Joey Goebel tauchen wir mit Auggie Schnuck und seiner großen Liebe Nadine tief in die Welt des Wrestlings ein. Für Leserinnen und Leser, die bislang kaum Berührungspunkte mit dieser Szene hatten (wie mich), könnte dies zunächst abschreckend wirken. Doch genau dieser ungewöhnliche Rahmen macht die Geschichte so besonders. Wer ihn meidet, verpasst einen vielschichtigen, außergewöhnlichen Roman.

    Goebel erzählt sensibel und sehr nahbar davon, wie Auggie und Nadine ihren gemeinsamen Traum verfolgen. Beide möchten in Hollywood erfolgreich werden, doch während Nadine aus einem wohlhabenden Elternhaus stammt, hofft Auggie, durch den Erfolg den prekären Verhältnissen seiner Herkunft zu entkommen und endlich Anerkennung zu finden. Das Wrestling, zunächst nur als Umweg gedacht, wird zu seiner Bühne, auf der er verschiedene Rollen ausprobieren kann. Mit dem Gimmick „The Aug“ gelingt ihm schließlich der Durchbruch. Und die Gefahr, sich selbst zu verlieren, droht.

    Die sich entwickelnde Karriere und sein eigener Perfektionismus sorgen dafür, dass Auggie bald mehr als 300 Tage im Jahr „The Aug“ ist. Anfangs wirkt das noch amüsant, doch nach und nach wird die Bühnenfigur zu einer bedrohlichen Präsenz, die selbst in Alltags- und Familiensituationen ihren Platz einfordert. Goebel zeichnet das feinsinnige Porträt eines Menschen, der zwischen Rolle und Realität zunehmend den Halt verliert. Schließlich müssen Auggie und Nadine sich die Frage stellen, welches Leben sie führen wollen.

    Besonders gelungen ist die szenische Erzählweise, die stellenweise fast wie die Vorlage für ein Drehbuch wirkt. Zwei Zeitstränge wechseln einander ab: Der eine begleitet Auggies Karriere als Profi-Wrestler, der andere blickt chronologisch zurück und offenbart, wer Auggie wirklich ist und wie viel von ihm in „The Aug“ steckt. Die Zeitsprünge wirken zu Beginn etwas fordernd, doch Goebel dosiert die Einblicke in Auggies Vergangenheit so geschickt, dass Spannung und Neugier stets erhalten bleiben. Gerade die zweite Hälfte des Buches habe ich regelrecht verschlungen.

    Die Szenen rund um die Wrestling-Karriere sind unterhaltsam und oft humorvoll, gelegentlich schleichen sich jedoch auch Wiederholungen und Längen ein. Die vielen Fachbegriffe erschweren zudem den Zugang; ein Glossar hätte hier zusätzlichen Mehrwert geboten.

    Sunset Flip ist ein kluger, sensibler und zugleich nachdenklicher Roman über Identität, Rollenbilder und die Frage, wie sehr Herkunft und Erfahrungen uns prägen. Für mich war es das erste Buch von Joey Goebel, und es wird garantiert nicht das letzte bleiben. Wer bereit ist, über Wrestling hinauszublicken, findet eine Geschichte voller Emotionen und Tiefe, die mit feinem Gespür von menschlichen Motivationen und inneren Konflikten erzählt.
    Tanzende Frau, blauer Hahn

    Dana Grigorcea
    Tanzende Frau, blauer Hahn (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.05.2026

    Von Erinnerung, Liebe und dem, was unausgesprochen bleibt

    Als ich den Klappentext von „Tanzende Frau, blauer Hahn“ gelesen habe, bin ich von einer Geschichte über die Freundschaft von Roxana und Camil ausgegangen – vielleicht sogar von einer Liebesgeschichte. Umso mehr hat mich der Einstieg in den Roman überrascht, der sofort viele Fragen aufgeworfen und mich neugierig auf die weitere Geschichte gemacht hat.

    Der Roman verbindet Erinnerungen an Kindheit und Jugend in einem rumänischen Dorf in den 1990er Jahren mit den Einschüben einer Lesereise. Der Wechsel zwischen den beiden Erzählebenen ist gelungen.

    Je weiter die Erinnerungen der Erzählerin voranschreiten, desto deutlicher wird, dass die scheinbar heile Welt des Dorfes Risse hat. Hinter der Nostalgie verbergen sich gesellschaftliche Unterschiede, unausgesprochene Konflikte und eine Vergangenheit, die nie wirklich aufgearbeitet wurde. Das Dorf wird dabei zu einem Mikrokosmos des Rumäniens nach dem Ende des Sozialismus.

    Besonders gelungen fand ich, wie Dana Grigorcea diese Themen nicht belehrend vermittelt, sondern durch ihre Figuren und deren Geschichten zwischen den Zeilen sichtbar macht. Die verschiedenen Dorfbewohner wirken wie Puzzleteile eines größeren Bildes, in dem jeder seine eigene Vergangenheit mit sich trägt und damit auf ganz eigene Weise umgeht. Gleichzeitig erleben wir ganz unterschiedliche Arten, wie Liebe gefunden, gelebt, verpasst oder festgehalten werden kann – oft leise und unspektakulär, aber gerade deshalb glaubwürdig.

    Überrascht hat mich der Epilog, der noch einmal eine zusätzliche Perspektive einfließen lässt. Diese zusätzliche Ebene hat dem Roman für mich noch einmal eine interessante Wendung gegeben.

    „Tanzende Frau, blauer Hahn“ erzählt von Erinnerung, Liebe und dem, was unausgesprochen bleibt. Die melancholisch-nostalgische Atmosphäre und die bildhafte, stellenweise fast märchenhafte Sprache verleihen dem Roman dabei eine ganz eigene Stimmung, die für mich seine besondere Stärke ausmacht. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
    Fast ein Leben

    Kiran Millwood Hargrave
    Fast ein Leben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.05.2026

    Poetisch, melancholisch und voller Leben

    „Fast ein Leben“ erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ein anderes Leben, mit anderen Menschen an unserer Seite. Und immer wieder von der Frage, was wäre gewesen, wenn…? Dieser Gedanke zieht sich durch den gesamten Roman.

    Im Mittelpunkt stehen Erica und Laure, zwei Frauen, die sich im Sommer 1978 in Paris kennen und lieben lernen und über Jahrzehnte hinweg miteinander verbunden bleiben. Ihre Wege trennen sich, aber kreuzen sich immer wieder. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die beiden – ebenso wie viele Nebenfiguren – nicht wie glattgebügelte Charaktere aus einem typischen Liebesroman wirken. Sie zweifeln, treffen fragwürdige Entscheidungen, lassen sich von Emotionen (und Hormonen) treiben und machen Fehler. Genau dadurch fühlten sie sich für mich sehr lebendig und authentisch an.

    Auch wenn ich nicht jede Entwicklung und Entscheidung vollständig nachvollziehen konnte, sind mir Erica und Laure emotional immer nah geblieben. Die Autorin verwebt ihre Liebes- und Lebensgeschichten sehr gelungen mit dem Lebensgefühl verschiedener Jahrzehnte in Paris sowie Kunst- und Literaturszene und queerer Geschichte.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie leicht sich der Roman lesen lässt, obwohl zwischen den Zeilen viel Melancholie, Schmerz und Verlust mitschwingen. Auch Themen wie Alkoholmissbrauch, Sucht und Depression wirken nie künstlich dramatisiert, sondern fügen sich sehr natürlich in die Geschichte ein.

    Mich hat dieser Roman insgesamt wirklich begeistert. Für Leserinnen und Leser, die anspruchsvolle Liebes- und Lebensgeschichten mögen und sich für Figuren interessieren, die nicht perfekt sein müssen, um ans Herz zu wachsen, ist dieses Buch für mich eine klare Empfehlung.
    The Artist

    Lucy Steeds
    The Artist (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.05.2026

    Ein Künstlerroman voller Licht und misogynen Schatten

    Der Prolog des Romans hat mich sofort neugierig gemacht. Die angedeuteten Geheimnisse rund um eine weibliche Protagonistin und die dramatische Einstiegsszene haben bei mir die Erwartung geweckt, eine interessante und vielleicht überraschende Geschichte über eine Frau zu lesen, die in einer von Männern dominierten Kunstwelt ihren eigenen Weg sucht. Umso ernüchternder war für mich der weitere Verlauf, denn das Buch konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen.

    Der Roman spielt größtenteils in der Provence der 1920er-Jahre. Die Protagonisten bewegen sich zwischen Atelier, Leinwänden und glühender südfranzösischer Sommerhitze. Gerade die Beschreibungen des künstlerischen Schaffens – das Arrangieren von Motiven, das Spiel mit Licht und das Auftragen von Farbe – gehören für mich zu den stärksten Momenten des Buches.

    Leider begleiten wir über viele Seiten zunächst vor allem zwei männliche Figuren: den egozentrischen, cholerischen und offen misogynen Maler Tata sowie Joseph, der als gescheiterter Kunststudent und Journalist oft selbstmitleidig auf mich wirkte. Die Gedanken (oder Taten) beider kreisen häufig um sich selbst, ihre Kunst oder ihren beruflichen Erfolg. Das war auf Dauer anstrengend und stellenweise langweilig.

    Ettie, die mich von Anfang an am meisten interessiert hat, bleibt lange im Hintergrund. Erst nach etwa hundert Seiten bekommen wir langsam Zugang zu ihr. Wie so oft in der Geschichte der Kunst ist sie die Frau hinter dem erfolgreichen Mann: Sie organisiert, korrespondiert und hält ihm den Rücken frei – auf Kosten ihrer eigenen Entfaltung.

    Besonders hängen geblieben ist bei mir eine Szene, in der Tata und seine männlichen Gäste darüber diskutieren, warum es kaum berühmte Künstlerinnen gebe. Ihr Fazit: „Wenn die Frauen so gut wären wie die Männer, hätten sie schon längst zum Pinsel gegriffen.“ Diese und ähnliche Szenen waren schwer zu ertragen, weil die Misogynie darin so unverblümt sichtbar wird. Gleichzeitig muss man der Autorin zugutehalten, dass sie hier historische – und teilweise bis heute bestehende – Machtstrukturen sehr deutlich sichtbar macht.

    Viele Szenen des alltäglichen Zusammenlebens im Künstlerhaus wiederholen sich jedoch in ähnlichen Dynamiken immer wieder, was für erhebliche Längen sorgt. Auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Ettie und Joseph sowie einige ihrer vergangenen Erlebnisse, die im Rückblick erzählt werden, wirkten auf mich stellenweise vorhersehbar und klischeehaft. Gerade im Mittelteil musste ich mich immer wieder motivieren weiterzulesen.

    Am Ende bleibt für mich ein Roman mit starken Themen, schöner Atmosphäre und einer guten Rahmenhandlung (Prolog und letzter von vier Teilen) – aber auch mit Figuren und Passagen, die mich emotional oft eher auf Distanz gehalten haben.
    Mord in der Pension Möwennest

    Jess Kidd
    Mord in der Pension Möwennest (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.05.2026

    Cosy Crime mit Küstenflair und spleenigen Pensionsgästen

    „Mord in der Pension Möwennest“ ist genau das, was ich mir unter einem gelungenen Cosy Crime vorstelle.

    Im Stil, der an klassische Whodunits erinnert, entfaltet sich hier eine Geschichte, die vor allem Fans von Miss Marple sofort in ihren Bann ziehen dürfte. Die abgeschiedene Pension „Möwennest“, gelegen an einer rauen, windgepeitschten britischen Küste, wird zur Bühne erst eines, dann gleich mehreren Todesfällen, bei dem wirklich jede und jeder verdächtig wirkt. Oder eben gerade so unverdächtig, dass es schon wieder verdächtig ist. Eine spleenige Gästeschar bevölkert das Haus: schrullig, geheimnisvoll, manchmal ein wenig überzeichnet, aber unterhaltsam.

    Im Zentrum steht die Ermittlerin Nora, die deutlich den „Miss-Marple-Touch“ trägt, ohne bloße Kopie zu sein. Als ehemalige Nonne bringt sie nicht nur einen scharfen Verstand, sondern auch eine ganz eigene Perspektive auf menschliche Abgründe mit.

    Atmosphärisch punktet der Roman mit einer gelungenen Mischung aus Gemütlichkeit und Unwirtlichkeit: knarzende Dielen, salzige Meeresluft, flackerndes Kaminlicht – und darunter stets ein leises Unbehagen. Diese Balance hat die Autorin wunderbar hinbekommen und sorgt so dafür, dass man sich mit der Protagonistin gleichzeitig geborgen und latent bedroht fühlt.

    Allerdings, und das fällt nur auf, wenn man andere Romane von Jess Kidd kennt und mag, fehlt es diesem Buch meiner Meinung nach ein wenig an Originalität. Vor allem der sonst so markante Hauch von magischem Realismus, der Kidds Geschichten oft so besonders macht, ist hier nicht vorhanden. Auch die Figuren, so spleenig sie hier auch angelegt sind, reichen nicht an die besonderen Charaktere aus früheren Romanen heran. Das mag enttäuschen, wenn man genau darauf gehofft hat. Andererseits muss man fairerweise sagen: Weder Cover des Buches noch der Verlag haben etwas Derartiges versprochen.

    Und so bleibt am Ende ein Roman, der genau das liefert, was er ankündigt: solide und stimmungsvolle Unterhaltung für Liebhaber des Genres und ein angenehm-schauriger Aufenthalt „Möwennest“.
    Poyais. Ein Land, das es nie gab

    Uli Aechtner
    Poyais. Ein Land, das es nie gab (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.04.2026

    Vom Aufbruch in eine ungewisse Welt

    In “Poyais. Ein Land, das es nie gab” verarbeitet die Autorin Uli Aechtner einen historischen Schwindel und Momente der spanischen und britischen Kolonialgeschichte zu einem spannenden Abenteuerroman.

    Die Geschichte um die beiden irischen Brüder Liam und Jeffrey im einen Erzählstrang sowie die verhängnisvolle Reise der Auswanderer im anderen waren spannend und unterhaltsam zu lesen.

    Der Klappentext ist ganz auf die Siedlergeschichte konzentriert, was dem Buch meiner Meinung nach nicht gerecht wird. Die Handlung um die beiden Brüder, die, von Armut getrieben die Heimat verlassen, um in Übersee den Befreiungstruppen von General MacGregor beizutreten, nimmt ebenso viel Raum ein und wartet mit einigen starken Szenen auf.

    Die Autorin vermittelt schlaglichtartig ein authentisches Bild der Lebensumstände und Perspektiven von Menschen unterschiedlicher Klassen in Irland, England und Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts und erweitert den Blick bis nach Mittelamerika. Dabei bleibt die Figurenzeichnung hin und wieder etwas oberflächlich oder eindimensional, das große Ganze wirkte jedoch sehr stimmig auf mich.

    Einen kleinen Punktabzug gibt es von mir für die (meiner Meinung nach) zu Beginn ein wenig zu klischeehafte Darstellung der Romanze zwischen Tochter aus reichem Hause und Stallknecht. Da diese jedoch schnell in den Hintergrund tritt und der Fokus auf Anderes gelegt wurde, bin ich trotzdem auf meine Kosten gekommen und wurde gut unterhalten.
    Die Riesinnen

    Hannah Häffner
    Die Riesinnen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.04.2026

    Ein starker weiblicher Generationenroman

    Manchmal sind es nicht die lauten, sondern die leisen Geschichten, die bleiben. „Die Riesinnen“ ist genau so ein Buch.
    Drei Frauen, drei Leben, die sich umeinander winden wie Wurzeln im Waldboden: eng verbunden, kaum zu trennen, und doch jede für sich. Es geht um Herkunft und um das, was man mitbekommt, ohne danach gefragt zu haben. Und darum, ob man sich davon lösen kann, ohne sich selbst zu verlieren.
    Der Stil der Autorin ist reduziert und gerade deshalb so eindringlich. Keine überflüssigen Worte, keine großen Gesten. Stattdessen leise, starke Bilder, die nachhallen. Man liest langsam, weil man spürt, dass man sonst etwas verpasst.
    Der Roman verzichtet auf klassische Dramaturgie, auf Höhepunkte im üblichen Sinn. Und trotzdem passiert viel, nur eben zwischen den Zeilen. In Blicken, in Erinnerungen, in dem, was nicht gesagt wird.
    Besonders stark sind für mich die Szenen im Dorf Wittenmoos und im angrenzenden Wald. Hier entfaltet der Roman seine größte Atmosphäre, hier greifen Figuren, Landschaft und Stimmung am überzeugendsten ineinander. Die Passagen an anderen Orten, etwa Coras Erlebnisse im Ausland oder Evas Studium in Stuttgart, fallen dagegen spürbar ab. Sie wirken stellenweise austauschbarer, fast funktional, auch wenn (oder weil?) sie für den Fortgang der Geschichte und die Konstellation in Wittenmoos notwendig sind.
    Die Figur Liese hat mich nachhaltig beeindruckt. Sie trägt den Roman in vielerlei Hinsicht und verleiht ihm eine besondere Tiefe. In ihr verdichtet sich Vieles von dem, was das Buch ausmacht. Sie ist zugleich greifbar und distanziert, stark und verletzlich und bleibt lange im Gedächtnis. Nach dem Lesen der ihr gewidmeten Passagen fand ich es schade, dass ihr nicht noch mehr Seiten geschenkt wurden. Am Ende bleibt das Gefühl, dass es noch viel mehr über sie zu erzählen gegeben hätte, was mich jedoch nicht daran hindert, dieses Buch Leser/-innen zu empfehlen, die Freude an weiblichen Geschichten und Mütter-Töchter-Beziehungen haben und Kraft aus der Natur schöpfen.
    Der letzte Leuchtturm

    Michael Pedersen
    Der letzte Leuchtturm (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.04.2026

    „Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“

    „Der letzte Leuchtturm“ ist ein wundervoll poetischer Roman, der von nicht mehr und nicht weniger handelt, als von einer Landschaft – der schottischen Insel Muckle Flugga – und den Menschen, die sie durchstreifen.

    Ouse und sein Vater sind die einzigen Bewohner der Insel. Der Vater, ein verschlossener, grober und seit dem Tod der Mutter gebrochener Mann, stellt seine Pflichten als Leuchtturmwärter stets an erste Stelle und bildet seinen Sohn zu seinem Nachfolger aus. Ouse liebt seinen Vater und Muckle Flugga mit all seinen tierischen Bewohnern sehr und nimmt sein Schicksal offenbar an. Bei seinen Streifzügen über die Insel scheint er eins mit der Landschaft und Tierwelt um ihn herum zu sein, völlig mit sich und der Welt im Reinen. Seine Kreativität lebt er aus, in dem er Motive der Insel in kunstvolle Teppiche, Pullover und andere Strickwaren verwandelt und auf den Märkten auf dem Festland an Touristen verkauft. Seit dem Tod seiner Mutter steht Ouse der Geist von Robert Lewis Stevenson zur Seite, begleitet ihn auf seinen Ausflügen und ermutigt ihn, für sich selbst einzustehen.

    Eines Tages kommt der unglückliche und erfolglose Künstler Firth als Gast auf die Insel. Er möchte ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen und den Ort besuchen, von dem sein Großvater einst berichtete. Er freundet sich mit Ouse an und erkennt dessen außergewöhnliches Talent. Für ihn ist klar: Ouse muss die Insel verlassen, um in Edinburgh zu studieren und als Künstler zu leben. Schließlich muss sich dieser entscheiden: Bleibt er dem Vater und der Insel treu und wird der nächste Leuchtturmwärter von Muckle Flugga oder will er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und herausfinden, welches Leben jenseits der Insel auf ihn wartet?

    Die wundervolle Sprache des Autors hat mich von Beginn an verzaubert und sprachlich ist „Der letzte Leuchtturm“ bislang mein absolutes Jahreshighlight! Ganz gleich, ob er Landschaft, Flora und Fauna, die Dialoge zwischen den Männern oder deren Gedanken beschreibt, jedes Wort ist perfekt gewählt und zieht die Leser/-innen immer tiefer in die Welt des Romans hinein.
    Die Beziehungen zwischen Vater und Sohn und den beiden jungen Männern, aber auch die Geschichte der Insel werden sensibel Schicht um Schicht offengelegt und offenbaren deren liebenswerten, aber auch grausamen Seiten.

    Am Ende verlassen die Leser/-innen die Insel und den Roman und können, wie „jene, die Muckle Flugge wieder verlassen, […] ausnahmslos von den zeitlosen Qualitäten der Insel, von den kleinen Weller der Ewigkeit, die sich dort kräuseln“ berichten.

    „Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“ und ich empfehle diesen Roman aus ganzem Herzen und wünsche ihm viele Leser/-innen!
    Die Geister von La Spezia

    Oliver Plaschka
    Die Geister von La Spezia (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.03.2026

    Erinnerungsreisen auf den Spuren von Frankensteins Monster

    Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von Percy Bysshe Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine normale Ermittlerin handelt – sie verfügt über einen Apparat, mit dessen Hilfe sie in die Erinnerungen anderer Menschen eintauchen kann. Auf diesem Weg reisen die Leser/-innen in die Vergangenheit, lernen den berühmten Freundeskreis des Ehepaars kennen (darunter Lord Byron, John Polidori und Claire Clairmont) und finden schließlich gemeinsam mit Pat heraus, welche Ereignisse Mary Shelley dazu inspiriert haben, den weltberühmten Roman „Frankenstein“ zu verfassen und wer die „Geister von La Spezia“ sind.

    Die Idee der Erinnerungsreise („Mnemoskopie“) ist originell und gut umgesetzt: Anders, als z. B. bei einer Zeitreise sind Reisen in die Erinnerung immer subjektiv eingefärbt und Pat kann so die gleichen Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen. Auch verdrängte und „geschönte“ Erinnerungen sowie jede Menge Geheimnisse kommen letztendlich ans Tageslicht und helfen bei der Aufklärung des Falles. Der Autor schafft es wunderbar, die „Erinnerungsszenen“ so zu beschreiben, dass man sie den jeweiligen Personen gut zuordnen kann und ich immer wusste, in welchem Kopf Pat gerade unterwegs war. Besonders unterhaltsam und leicht skurril ging es z. B. im Kopf des Schriftstellers Trelawny zu, der sich offensichtlich selbst etwas heroischer sah, als es seine Umwelt tat. Und die Tatsache, dass Percy Shelley regelmäßig von Laudanum benebelt war, schlägt sich natürlich auch in seinem Erinnerungsvermögen wieder.

    Freundeskreis und Zeitgenossen der Shelleys beruhen auf den realen Personen und auch verschiedene Ereignisse haben so oder ähnlich tatsächlich stattgefunden. Da ich mich besonders für Gothic Novels und den Literatenzirkel um die beiden interessiere, habe ich die Geschichte mit Spannung verfolgt und immer wieder das Buch zur Seite gelegt, um zu recherchieren, was tatsächlich dokumentiert ist und was Fiktion.

    Etwas Punktabzug gibt es für mich für die Rahmenhandlung. Hin und wieder kommuniziert Pat über ihre Apparatur mit einem „Gus“, über den nicht viel bekannt ist. Andeutungsweise wird auch von einem Charlie gesprochen, der offenbar in der Nutzung der Mnemoskopie zu weit gegangen ist und irgendwo in Erinnerungen oder der Zeit verloren gegangen ist. In der ersten Hälfte des Buches kam es mir so vor, als hätte ich den ersten Band einer Reihe verpasst, in dem die Technik und die dahinterstehende Organisation bereits eingeführt wurde. In der zweiten Hälfte des Buches gibt es dann einige Hinweise und Manches (aber nicht alles) wird aufgeklärt.

    Vielleicht plant der Autor ja weitere Bände um Pat, der diese Lücken noch schließt. Falls sie demnächst noch in die Erinnerungen anderer berühmter Persönlichkeiten reisen sollte, wäre ich gerne wieder dabei, denn ich mochte es sehr, wie er sich den Geschehnissen aus unterschiedlichen Perspektiven nähert und eine sehr atmosphärische Stimmung aufbaut, wie sie auf dem Buchcover perfekt gespiegelt ist.
    Ultramarin

    Ann-Christin Kumm
    Ultramarin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.03.2026

    Roman mit großer Sogwirkung und bedrohlicher Atmosphäre

    Lou, Raf und dessen Schwester Sophia verbringen jedes Jahr den Sommerurlaub miteinander. Dieses Jahr soll auch Nora, eine Freundin von Sophie mitfahren. Sie sagt jedoch kurzfristig ab, sodass sich die beiden Männer in der ungewohnten Dreierkonstellation mit Nora im Ferienhaus wiederfinden.

    Lou und Raf kennen sich schon seit der Schulzeit und es wird schnell deutlich, dass mehr als nur Freundschaft zwischen ihnen ist – oder war. Die Lesenden verfolgen die Geschichte aus Lous Perspektive, dessen Gedanken von Beginn an fast ausschließlich um Raf kreisen. Oder um den abwesenden Jakob, dessen Rolle, ebenso wie die Sophies, zunächst im Dunkeln bleibt. Raf behandelt Lou abweisend und herablassend, während sich Nora zu ihm hingezogen fühlt. Die Beziehung der drei entwickelt eine spannende Eigendynamik, während es immer klarer wird, dass Lou in einem ungesunden Abhängigkeitsverhältnis zu Raf steht.

    Gleich zu Beginn des Romans baut die Autorin eine bedrohliche Atmosphäre auf und lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesem Roman nicht um eine harmlose Sommerlektüre handelt. Stück für Stück enthüllt sie durch Rückblenden die Geschichte von Lou, Raf und Jakob, die ein dunkles Geheimnis birgt und Lou umso enger an Raf bindet.

    „Ultramarin“ entwickelt sich von Seite zu Seite immer mehr zu einem spannenden, psychologischen Roman. Während sich die Handlung in der Gegenwart auf wenige Ereignisse und Tage (diese haben es jedoch in sich!) erstreckt, machen Lous Gedankenspiralen und Selbstzweifel, die die Autorin sehr authentisch darstellt, einen großen Teil des Romans und dessen Spannung aus. Hier und da werden Details eingestreut, die die Lesenden immer wieder auf eine falsche Fährte führen. Daher hat mich der Roman besonders im letzten Drittel immer wieder neu überrascht, was mir sehr gut gefallen hat.

    Allerdings werden einige gelegte Fährten nicht weiterverfolgt und manche Andeutungen in den Rückblenden werden nicht wieder aufgegriffen. So bleiben einige Fragen offen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin hier noch etwas mehr ins Detail geht, denn zum Beispiel Sophia wird als spannende, ambivalente Person angelegt, dann aber nur noch oberflächlich berücksichtigt. Dafür gibt es ein wenig Punktabzug, zum großen Teil fand ich den Roman jedoch sehr gut umgesetzt und unterhaltsam, wenn auch auf eine sehr düstere Art.
    Vertrag widerrufen
    Newsletter abonnieren
    FAQ- und Hilfethemen
    • Über jpc

    • Das Unternehmen
    • Unser Blog
    • Großhandel und Partnerprogramm
    MasterCard VISA Amex Diners Club PayPal
    DHL
    • AGB
    • Versandkosten
    • Datenschutzhinweise
    • Barrierefreiheitserklärung
    • Impressum
    • Kontakt
    • Hinweise zur Batterierücknahme
    * Alle Preise inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten
    ** Alle durchgestrichenen Preise (z. B. EUR 12,99) beziehen sich auf die bislang in diesem Shop angegebenen Preise oder – wenn angegeben – auf einen limitierten Sonderpreis.
    © jpc-Schallplatten-Versandhandelsgesellschaft mbH
    • jpc.de – Leidenschaft für Musik
    • Startseite
    • Feed
    • Pop/Rock
    • Jazz
    • Klassik
    • Vinyl
    • Filme
    • Bücher
    • Noten
    • %SALE%
    • Weitere Bereiche
      • Themenshops
      • Vom Künstler signiert
      • Zeitschriften
      • Zubehör und Technik
      • Geschenkgutscheine
    • Hilfe
    • Anmelden
    • Konto anlegen
    • Datenschutzhinweise
    • Impressum
    • Kontakt