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    Belina

    Aktiv seit: 17. März 2026
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    9 Rezensionen

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    Tanzende Frau, blauer Hahn

    Dana Grigorcea
    Tanzende Frau, blauer Hahn (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.05.2026

    Von Erinnerung, Liebe und dem, was unausgesprochen bleibt

    Als ich den Klappentext von „Tanzende Frau, blauer Hahn“ gelesen habe, bin ich von einer Geschichte über die Freundschaft von Roxana und Camil ausgegangen – vielleicht sogar von einer Liebesgeschichte. Umso mehr hat mich der Einstieg in den Roman überrascht, der sofort viele Fragen aufgeworfen und mich neugierig auf die weitere Geschichte gemacht hat.

    Der Roman verbindet Erinnerungen an Kindheit und Jugend in einem rumänischen Dorf in den 1990er Jahren mit den Einschüben einer Lesereise. Der Wechsel zwischen den beiden Erzählebenen ist gelungen.

    Je weiter die Erinnerungen der Erzählerin voranschreiten, desto deutlicher wird, dass die scheinbar heile Welt des Dorfes Risse hat. Hinter der Nostalgie verbergen sich gesellschaftliche Unterschiede, unausgesprochene Konflikte und eine Vergangenheit, die nie wirklich aufgearbeitet wurde. Das Dorf wird dabei zu einem Mikrokosmos des Rumäniens nach dem Ende des Sozialismus.

    Besonders gelungen fand ich, wie Dana Grigorcea diese Themen nicht belehrend vermittelt, sondern durch ihre Figuren und deren Geschichten zwischen den Zeilen sichtbar macht. Die verschiedenen Dorfbewohner wirken wie Puzzleteile eines größeren Bildes, in dem jeder seine eigene Vergangenheit mit sich trägt und damit auf ganz eigene Weise umgeht. Gleichzeitig erleben wir ganz unterschiedliche Arten, wie Liebe gefunden, gelebt, verpasst oder festgehalten werden kann – oft leise und unspektakulär, aber gerade deshalb glaubwürdig.

    Überrascht hat mich der Epilog, der noch einmal eine zusätzliche Perspektive einfließen lässt. Diese zusätzliche Ebene hat dem Roman für mich noch einmal eine interessante Wendung gegeben.

    „Tanzende Frau, blauer Hahn“ erzählt von Erinnerung, Liebe und dem, was unausgesprochen bleibt. Die melancholisch-nostalgische Atmosphäre und die bildhafte, stellenweise fast märchenhafte Sprache verleihen dem Roman dabei eine ganz eigene Stimmung, die für mich seine besondere Stärke ausmacht. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!
    Fast ein Leben

    Kiran Millwood Hargrave
    Fast ein Leben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.05.2026

    Poetisch, melancholisch und voller Leben

    „Fast ein Leben“ erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ein anderes Leben, mit anderen Menschen an unserer Seite. Und immer wieder von der Frage, was wäre gewesen, wenn…? Dieser Gedanke zieht sich durch den gesamten Roman.

    Im Mittelpunkt stehen Erica und Laure, zwei Frauen, die sich im Sommer 1978 in Paris kennen und lieben lernen und über Jahrzehnte hinweg miteinander verbunden bleiben. Ihre Wege trennen sich, aber kreuzen sich immer wieder. Besonders gut gefallen hat mir dabei, dass die beiden – ebenso wie viele Nebenfiguren – nicht wie glattgebügelte Charaktere aus einem typischen Liebesroman wirken. Sie zweifeln, treffen fragwürdige Entscheidungen, lassen sich von Emotionen (und Hormonen) treiben und machen Fehler. Genau dadurch fühlten sie sich für mich sehr lebendig und authentisch an.

    Auch wenn ich nicht jede Entwicklung und Entscheidung vollständig nachvollziehen konnte, sind mir Erica und Laure emotional immer nah geblieben. Die Autorin verwebt ihre Liebes- und Lebensgeschichten sehr gelungen mit dem Lebensgefühl verschiedener Jahrzehnte in Paris sowie Kunst- und Literaturszene und queerer Geschichte.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie leicht sich der Roman lesen lässt, obwohl zwischen den Zeilen viel Melancholie, Schmerz und Verlust mitschwingen. Auch Themen wie Alkoholmissbrauch, Sucht und Depression wirken nie künstlich dramatisiert, sondern fügen sich sehr natürlich in die Geschichte ein.

    Mich hat dieser Roman insgesamt wirklich begeistert. Für Leserinnen und Leser, die anspruchsvolle Liebes- und Lebensgeschichten mögen und sich für Figuren interessieren, die nicht perfekt sein müssen, um ans Herz zu wachsen, ist dieses Buch für mich eine klare Empfehlung.
    The Artist

    Lucy Steeds
    The Artist (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.05.2026

    Ein Künstlerroman voller Licht und misogynen Schatten

    Der Prolog des Romans hat mich sofort neugierig gemacht. Die angedeuteten Geheimnisse rund um eine weibliche Protagonistin und die dramatische Einstiegsszene haben bei mir die Erwartung geweckt, eine interessante und vielleicht überraschende Geschichte über eine Frau zu lesen, die in einer von Männern dominierten Kunstwelt ihren eigenen Weg sucht. Umso ernüchternder war für mich der weitere Verlauf, denn das Buch konnte meine Erwartungen leider nicht erfüllen.

    Der Roman spielt größtenteils in der Provence der 1920er-Jahre. Die Protagonisten bewegen sich zwischen Atelier, Leinwänden und glühender südfranzösischer Sommerhitze. Gerade die Beschreibungen des künstlerischen Schaffens – das Arrangieren von Motiven, das Spiel mit Licht und das Auftragen von Farbe – gehören für mich zu den stärksten Momenten des Buches.

    Leider begleiten wir über viele Seiten zunächst vor allem zwei männliche Figuren: den egozentrischen, cholerischen und offen misogynen Maler Tata sowie Joseph, der als gescheiterter Kunststudent und Journalist oft selbstmitleidig auf mich wirkte. Die Gedanken (oder Taten) beider kreisen häufig um sich selbst, ihre Kunst oder ihren beruflichen Erfolg. Das war auf Dauer anstrengend und stellenweise langweilig.

    Ettie, die mich von Anfang an am meisten interessiert hat, bleibt lange im Hintergrund. Erst nach etwa hundert Seiten bekommen wir langsam Zugang zu ihr. Wie so oft in der Geschichte der Kunst ist sie die Frau hinter dem erfolgreichen Mann: Sie organisiert, korrespondiert und hält ihm den Rücken frei – auf Kosten ihrer eigenen Entfaltung.

    Besonders hängen geblieben ist bei mir eine Szene, in der Tata und seine männlichen Gäste darüber diskutieren, warum es kaum berühmte Künstlerinnen gebe. Ihr Fazit: „Wenn die Frauen so gut wären wie die Männer, hätten sie schon längst zum Pinsel gegriffen.“ Diese und ähnliche Szenen waren schwer zu ertragen, weil die Misogynie darin so unverblümt sichtbar wird. Gleichzeitig muss man der Autorin zugutehalten, dass sie hier historische – und teilweise bis heute bestehende – Machtstrukturen sehr deutlich sichtbar macht.

    Viele Szenen des alltäglichen Zusammenlebens im Künstlerhaus wiederholen sich jedoch in ähnlichen Dynamiken immer wieder, was für erhebliche Längen sorgt. Auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Ettie und Joseph sowie einige ihrer vergangenen Erlebnisse, die im Rückblick erzählt werden, wirkten auf mich stellenweise vorhersehbar und klischeehaft. Gerade im Mittelteil musste ich mich immer wieder motivieren weiterzulesen.

    Am Ende bleibt für mich ein Roman mit starken Themen, schöner Atmosphäre und einer guten Rahmenhandlung (Prolog und letzter von vier Teilen) – aber auch mit Figuren und Passagen, die mich emotional oft eher auf Distanz gehalten haben.
    Mord in der Pension Möwennest

    Jess Kidd
    Mord in der Pension Möwennest (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.05.2026

    Cosy Crime mit Küstenflair und spleenigen Pensionsgästen

    „Mord in der Pension Möwennest“ ist genau das, was ich mir unter einem gelungenen Cosy Crime vorstelle.

    Im Stil, der an klassische Whodunits erinnert, entfaltet sich hier eine Geschichte, die vor allem Fans von Miss Marple sofort in ihren Bann ziehen dürfte. Die abgeschiedene Pension „Möwennest“, gelegen an einer rauen, windgepeitschten britischen Küste, wird zur Bühne erst eines, dann gleich mehreren Todesfällen, bei dem wirklich jede und jeder verdächtig wirkt. Oder eben gerade so unverdächtig, dass es schon wieder verdächtig ist. Eine spleenige Gästeschar bevölkert das Haus: schrullig, geheimnisvoll, manchmal ein wenig überzeichnet, aber unterhaltsam.

    Im Zentrum steht die Ermittlerin Nora, die deutlich den „Miss-Marple-Touch“ trägt, ohne bloße Kopie zu sein. Als ehemalige Nonne bringt sie nicht nur einen scharfen Verstand, sondern auch eine ganz eigene Perspektive auf menschliche Abgründe mit.

    Atmosphärisch punktet der Roman mit einer gelungenen Mischung aus Gemütlichkeit und Unwirtlichkeit: knarzende Dielen, salzige Meeresluft, flackerndes Kaminlicht – und darunter stets ein leises Unbehagen. Diese Balance hat die Autorin wunderbar hinbekommen und sorgt so dafür, dass man sich mit der Protagonistin gleichzeitig geborgen und latent bedroht fühlt.

    Allerdings, und das fällt nur auf, wenn man andere Romane von Jess Kidd kennt und mag, fehlt es diesem Buch meiner Meinung nach ein wenig an Originalität. Vor allem der sonst so markante Hauch von magischem Realismus, der Kidds Geschichten oft so besonders macht, ist hier nicht vorhanden. Auch die Figuren, so spleenig sie hier auch angelegt sind, reichen nicht an die besonderen Charaktere aus früheren Romanen heran. Das mag enttäuschen, wenn man genau darauf gehofft hat. Andererseits muss man fairerweise sagen: Weder Cover des Buches noch der Verlag haben etwas Derartiges versprochen.

    Und so bleibt am Ende ein Roman, der genau das liefert, was er ankündigt: solide und stimmungsvolle Unterhaltung für Liebhaber des Genres und ein angenehm-schauriger Aufenthalt „Möwennest“.
    Poyais. Ein Land, das es nie gab

    Uli Aechtner
    Poyais. Ein Land, das es nie gab (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.04.2026

    Vom Aufbruch in eine ungewisse Welt

    In “Poyais. Ein Land, das es nie gab” verarbeitet die Autorin Uli Aechtner einen historischen Schwindel und Momente der spanischen und britischen Kolonialgeschichte zu einem spannenden Abenteuerroman.

    Die Geschichte um die beiden irischen Brüder Liam und Jeffrey im einen Erzählstrang sowie die verhängnisvolle Reise der Auswanderer im anderen waren spannend und unterhaltsam zu lesen.

    Der Klappentext ist ganz auf die Siedlergeschichte konzentriert, was dem Buch meiner Meinung nach nicht gerecht wird. Die Handlung um die beiden Brüder, die, von Armut getrieben die Heimat verlassen, um in Übersee den Befreiungstruppen von General MacGregor beizutreten, nimmt ebenso viel Raum ein und wartet mit einigen starken Szenen auf.

    Die Autorin vermittelt schlaglichtartig ein authentisches Bild der Lebensumstände und Perspektiven von Menschen unterschiedlicher Klassen in Irland, England und Deutschland zu Beginn des 19. Jahrhunderts und erweitert den Blick bis nach Mittelamerika. Dabei bleibt die Figurenzeichnung hin und wieder etwas oberflächlich oder eindimensional, das große Ganze wirkte jedoch sehr stimmig auf mich.

    Einen kleinen Punktabzug gibt es von mir für die (meiner Meinung nach) zu Beginn ein wenig zu klischeehafte Darstellung der Romanze zwischen Tochter aus reichem Hause und Stallknecht. Da diese jedoch schnell in den Hintergrund tritt und der Fokus auf Anderes gelegt wurde, bin ich trotzdem auf meine Kosten gekommen und wurde gut unterhalten.
    Die Riesinnen

    Hannah Häffner
    Die Riesinnen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.04.2026

    Ein starker weiblicher Generationenroman

    Manchmal sind es nicht die lauten, sondern die leisen Geschichten, die bleiben. „Die Riesinnen“ ist genau so ein Buch.
    Drei Frauen, drei Leben, die sich umeinander winden wie Wurzeln im Waldboden: eng verbunden, kaum zu trennen, und doch jede für sich. Es geht um Herkunft und um das, was man mitbekommt, ohne danach gefragt zu haben. Und darum, ob man sich davon lösen kann, ohne sich selbst zu verlieren.
    Der Stil der Autorin ist reduziert und gerade deshalb so eindringlich. Keine überflüssigen Worte, keine großen Gesten. Stattdessen leise, starke Bilder, die nachhallen. Man liest langsam, weil man spürt, dass man sonst etwas verpasst.
    Der Roman verzichtet auf klassische Dramaturgie, auf Höhepunkte im üblichen Sinn. Und trotzdem passiert viel, nur eben zwischen den Zeilen. In Blicken, in Erinnerungen, in dem, was nicht gesagt wird.
    Besonders stark sind für mich die Szenen im Dorf Wittenmoos und im angrenzenden Wald. Hier entfaltet der Roman seine größte Atmosphäre, hier greifen Figuren, Landschaft und Stimmung am überzeugendsten ineinander. Die Passagen an anderen Orten, etwa Coras Erlebnisse im Ausland oder Evas Studium in Stuttgart, fallen dagegen spürbar ab. Sie wirken stellenweise austauschbarer, fast funktional, auch wenn (oder weil?) sie für den Fortgang der Geschichte und die Konstellation in Wittenmoos notwendig sind.
    Die Figur Liese hat mich nachhaltig beeindruckt. Sie trägt den Roman in vielerlei Hinsicht und verleiht ihm eine besondere Tiefe. In ihr verdichtet sich Vieles von dem, was das Buch ausmacht. Sie ist zugleich greifbar und distanziert, stark und verletzlich und bleibt lange im Gedächtnis. Nach dem Lesen der ihr gewidmeten Passagen fand ich es schade, dass ihr nicht noch mehr Seiten geschenkt wurden. Am Ende bleibt das Gefühl, dass es noch viel mehr über sie zu erzählen gegeben hätte, was mich jedoch nicht daran hindert, dieses Buch Leser/-innen zu empfehlen, die Freude an weiblichen Geschichten und Mütter-Töchter-Beziehungen haben und Kraft aus der Natur schöpfen.
    Der letzte Leuchtturm

    Michael Pedersen
    Der letzte Leuchtturm (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.04.2026

    „Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“

    „Der letzte Leuchtturm“ ist ein wundervoll poetischer Roman, der von nicht mehr und nicht weniger handelt, als von einer Landschaft – der schottischen Insel Muckle Flugga – und den Menschen, die sie durchstreifen.

    Ouse und sein Vater sind die einzigen Bewohner der Insel. Der Vater, ein verschlossener, grober und seit dem Tod der Mutter gebrochener Mann, stellt seine Pflichten als Leuchtturmwärter stets an erste Stelle und bildet seinen Sohn zu seinem Nachfolger aus. Ouse liebt seinen Vater und Muckle Flugga mit all seinen tierischen Bewohnern sehr und nimmt sein Schicksal offenbar an. Bei seinen Streifzügen über die Insel scheint er eins mit der Landschaft und Tierwelt um ihn herum zu sein, völlig mit sich und der Welt im Reinen. Seine Kreativität lebt er aus, in dem er Motive der Insel in kunstvolle Teppiche, Pullover und andere Strickwaren verwandelt und auf den Märkten auf dem Festland an Touristen verkauft. Seit dem Tod seiner Mutter steht Ouse der Geist von Robert Lewis Stevenson zur Seite, begleitet ihn auf seinen Ausflügen und ermutigt ihn, für sich selbst einzustehen.

    Eines Tages kommt der unglückliche und erfolglose Künstler Firth als Gast auf die Insel. Er möchte ein vor langer Zeit gegebenes Versprechen einlösen und den Ort besuchen, von dem sein Großvater einst berichtete. Er freundet sich mit Ouse an und erkennt dessen außergewöhnliches Talent. Für ihn ist klar: Ouse muss die Insel verlassen, um in Edinburgh zu studieren und als Künstler zu leben. Schließlich muss sich dieser entscheiden: Bleibt er dem Vater und der Insel treu und wird der nächste Leuchtturmwärter von Muckle Flugga oder will er sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und herausfinden, welches Leben jenseits der Insel auf ihn wartet?

    Die wundervolle Sprache des Autors hat mich von Beginn an verzaubert und sprachlich ist „Der letzte Leuchtturm“ bislang mein absolutes Jahreshighlight! Ganz gleich, ob er Landschaft, Flora und Fauna, die Dialoge zwischen den Männern oder deren Gedanken beschreibt, jedes Wort ist perfekt gewählt und zieht die Leser/-innen immer tiefer in die Welt des Romans hinein.
    Die Beziehungen zwischen Vater und Sohn und den beiden jungen Männern, aber auch die Geschichte der Insel werden sensibel Schicht um Schicht offengelegt und offenbaren deren liebenswerten, aber auch grausamen Seiten.

    Am Ende verlassen die Leser/-innen die Insel und den Roman und können, wie „jene, die Muckle Flugge wieder verlassen, […] ausnahmslos von den zeitlosen Qualitäten der Insel, von den kleinen Weller der Ewigkeit, die sich dort kräuseln“ berichten.

    „Ein Aufenthalt auf Muckle Flugga hat schon so manches Herz geheilt“ und ich empfehle diesen Roman aus ganzem Herzen und wünsche ihm viele Leser/-innen!
    Die Geister von La Spezia

    Oliver Plaschka
    Die Geister von La Spezia (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    23.03.2026

    Erinnerungsreisen auf den Spuren von Frankensteins Monster

    Genua im Jahr 1822. Die frisch verwitwete Mary Shelley erhält Besuch von Pat Colombari, die den Tod von Percy Bysshe Shelley untersuchen soll. Schnell wird klar, dass es sich bei Pat nicht um eine normale Ermittlerin handelt – sie verfügt über einen Apparat, mit dessen Hilfe sie in die Erinnerungen anderer Menschen eintauchen kann. Auf diesem Weg reisen die Leser/-innen in die Vergangenheit, lernen den berühmten Freundeskreis des Ehepaars kennen (darunter Lord Byron, John Polidori und Claire Clairmont) und finden schließlich gemeinsam mit Pat heraus, welche Ereignisse Mary Shelley dazu inspiriert haben, den weltberühmten Roman „Frankenstein“ zu verfassen und wer die „Geister von La Spezia“ sind.

    Die Idee der Erinnerungsreise („Mnemoskopie“) ist originell und gut umgesetzt: Anders, als z. B. bei einer Zeitreise sind Reisen in die Erinnerung immer subjektiv eingefärbt und Pat kann so die gleichen Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven kennenlernen. Auch verdrängte und „geschönte“ Erinnerungen sowie jede Menge Geheimnisse kommen letztendlich ans Tageslicht und helfen bei der Aufklärung des Falles. Der Autor schafft es wunderbar, die „Erinnerungsszenen“ so zu beschreiben, dass man sie den jeweiligen Personen gut zuordnen kann und ich immer wusste, in welchem Kopf Pat gerade unterwegs war. Besonders unterhaltsam und leicht skurril ging es z. B. im Kopf des Schriftstellers Trelawny zu, der sich offensichtlich selbst etwas heroischer sah, als es seine Umwelt tat. Und die Tatsache, dass Percy Shelley regelmäßig von Laudanum benebelt war, schlägt sich natürlich auch in seinem Erinnerungsvermögen wieder.

    Freundeskreis und Zeitgenossen der Shelleys beruhen auf den realen Personen und auch verschiedene Ereignisse haben so oder ähnlich tatsächlich stattgefunden. Da ich mich besonders für Gothic Novels und den Literatenzirkel um die beiden interessiere, habe ich die Geschichte mit Spannung verfolgt und immer wieder das Buch zur Seite gelegt, um zu recherchieren, was tatsächlich dokumentiert ist und was Fiktion.

    Etwas Punktabzug gibt es für mich für die Rahmenhandlung. Hin und wieder kommuniziert Pat über ihre Apparatur mit einem „Gus“, über den nicht viel bekannt ist. Andeutungsweise wird auch von einem Charlie gesprochen, der offenbar in der Nutzung der Mnemoskopie zu weit gegangen ist und irgendwo in Erinnerungen oder der Zeit verloren gegangen ist. In der ersten Hälfte des Buches kam es mir so vor, als hätte ich den ersten Band einer Reihe verpasst, in dem die Technik und die dahinterstehende Organisation bereits eingeführt wurde. In der zweiten Hälfte des Buches gibt es dann einige Hinweise und Manches (aber nicht alles) wird aufgeklärt.

    Vielleicht plant der Autor ja weitere Bände um Pat, der diese Lücken noch schließt. Falls sie demnächst noch in die Erinnerungen anderer berühmter Persönlichkeiten reisen sollte, wäre ich gerne wieder dabei, denn ich mochte es sehr, wie er sich den Geschehnissen aus unterschiedlichen Perspektiven nähert und eine sehr atmosphärische Stimmung aufbaut, wie sie auf dem Buchcover perfekt gespiegelt ist.
    Ultramarin

    Ann-Christin Kumm
    Ultramarin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.03.2026

    Roman mit großer Sogwirkung und bedrohlicher Atmosphäre

    Lou, Raf und dessen Schwester Sophia verbringen jedes Jahr den Sommerurlaub miteinander. Dieses Jahr soll auch Nora, eine Freundin von Sophie mitfahren. Sie sagt jedoch kurzfristig ab, sodass sich die beiden Männer in der ungewohnten Dreierkonstellation mit Nora im Ferienhaus wiederfinden.

    Lou und Raf kennen sich schon seit der Schulzeit und es wird schnell deutlich, dass mehr als nur Freundschaft zwischen ihnen ist – oder war. Die Lesenden verfolgen die Geschichte aus Lous Perspektive, dessen Gedanken von Beginn an fast ausschließlich um Raf kreisen. Oder um den abwesenden Jakob, dessen Rolle, ebenso wie die Sophies, zunächst im Dunkeln bleibt. Raf behandelt Lou abweisend und herablassend, während sich Nora zu ihm hingezogen fühlt. Die Beziehung der drei entwickelt eine spannende Eigendynamik, während es immer klarer wird, dass Lou in einem ungesunden Abhängigkeitsverhältnis zu Raf steht.

    Gleich zu Beginn des Romans baut die Autorin eine bedrohliche Atmosphäre auf und lässt keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesem Roman nicht um eine harmlose Sommerlektüre handelt. Stück für Stück enthüllt sie durch Rückblenden die Geschichte von Lou, Raf und Jakob, die ein dunkles Geheimnis birgt und Lou umso enger an Raf bindet.

    „Ultramarin“ entwickelt sich von Seite zu Seite immer mehr zu einem spannenden, psychologischen Roman. Während sich die Handlung in der Gegenwart auf wenige Ereignisse und Tage (diese haben es jedoch in sich!) erstreckt, machen Lous Gedankenspiralen und Selbstzweifel, die die Autorin sehr authentisch darstellt, einen großen Teil des Romans und dessen Spannung aus. Hier und da werden Details eingestreut, die die Lesenden immer wieder auf eine falsche Fährte führen. Daher hat mich der Roman besonders im letzten Drittel immer wieder neu überrascht, was mir sehr gut gefallen hat.

    Allerdings werden einige gelegte Fährten nicht weiterverfolgt und manche Andeutungen in den Rückblenden werden nicht wieder aufgegriffen. So bleiben einige Fragen offen. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin hier noch etwas mehr ins Detail geht, denn zum Beispiel Sophia wird als spannende, ambivalente Person angelegt, dann aber nur noch oberflächlich berücksichtigt. Dafür gibt es ein wenig Punktabzug, zum großen Teil fand ich den Roman jedoch sehr gut umgesetzt und unterhaltsam, wenn auch auf eine sehr düstere Art.
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