Enttäuschend
Die Geschichte des Cyrano de Bergerac nach dem gleichnamigen Versdrama von Edmond Rostand zählt zu den schönsten Liebesgeschichten der Literatur und wurde kongenial verfilmt mit Gerard Depardieu in der Titelrolle (Cyrano de Bergerac, 1990). Auch die Schwarzweiß-Fassung von 1950 mit Mel Ferrer (Der letzte Musketier) kann sich sehen lassen.
Nun haben wir eine neue Verfilmung von 2021, die alles anders machen will.
Handwerklich sicher gut gemacht und mit großen Etat umgesetzt, kann ich damit jedoch so recht nicht warm werden. Den poetischen Musketier, der mit Worten ebenso geschickt umzugehen weiß, wie mit dem Degen, nun zu besetzen mit Peter Dinklage und statt der übergroßen Nase, wegen der Cyrano verspottet wird, seine Kleinwüchsigkeit zum Thema zu machen, ist ja ein pfiffiger Einfall, aber er überzeugt nicht. Peter Dinklage ist zweifellos ein sehr guter Schauspieler, doch seine Fechtszenen muten etwas sehr gewollt und doch nicht gekonnt an. Ein wenig erinnerte es mich an den Lichtschwert schwingenden Meister Yoda.
Dass sich hier in einer Geschichte, die im barocken Frankreich des 17. Jahrhunderts spielt, diverse farbige in allerlei hohen Positionen tummeln, ist der Unart geschuldet, Rollen nur noch paritätisch nach Hautfarben zu besetzen. Den hübschen, aber wenig geistreichen Christian hier mit einem farbigen Darsteller zu besetzen, kann aber auch irgendwie falsch interpretiert werden.
Ja und dann, weiß der Film mitunter nicht, was er eigentlich sein will. Plötzlich und unerwartet, ja irgendwie unmotiviert, fangen die Darsteller an zu singen. Aber so recht ein Musical mag der Film dennoch nicht sein. Auch sind nicht wirklich alle Stimmen so wirklich tragend für den Gesang. Zeitweilig wird erkennbar im Reimschema gesprochen, jedoch sind es dann nicht die Verse der Originalvorlage (wie dies bei der Depardieu-Verfilmung überaus gekonnt umgesetzt wurde), sondern ein gänzlich anderer Text. Schließlich wird es dann düster und ernst, wenn die Handlung auf den Kriegsschauplatz wechselt. Was eigentlich nur Mittel zum Zweck ist, um die dramatische Wendung in der Geschichte einzuleiten ist, wird hier für meinen Geschmack zu sehr in den Mittelpunkt gestellt.
Zusammenfassend kann ich feststellen, dass nicht jede Neuverfilmung auch immer gleich besser sein muss. Die 1990er Fassung bleibt unerreicht. Im Cyrano von 2021 fehlt es an Witz, um als Komödie zu glänzen, Stimmen und Lieder wollen nicht genügend überzeugen, um den Film als Musical punkten zu lassen und die Besetzung mit farbigen Schauspielern und einem Kleinwüchsigen genügen nicht, um besonders avantgardistisch zu sein.
Kann man schauen, muss man aber nicht.