Ein vielschichtiger Roman, der den Leser nachdenklich zurück lässt.
Von marylou2101
Rachel Khong hat mit Real Americans einen spannenden Gegenwartsroman über Identität und Herkunft geschrieben. Einen Roman über die Frage ob wir wirklich die sind, die wir sein wollen. Oder ob wir die sind, die wir sein sollten.
Doch dieses Buch ist so viel mehr. Ein Gesellschaftsroman , in dem sich nicht nur viele Millenials wieder finden werden, sondern auch deren Kinder. Die Geschichte umspannt 3 Generationen:
Lilys Eltern , geboren und aufgewachsen in China und jene Amerikaner, die versuchen sich anzupassen und zu integrieren. Sie wollen Ihre alte Identität ablegen wie einen getragenen Mantel. Ihre Tochter Lily, die ihr ganzes Leben lang zwischen Ihren chinesischen Wurzeln und Ihrem Leben als US-Amerikanerin hin und hergerissen ist. Die weder in der einen Welt noch in der anderen zu 100 Prozent dazugehört. Und schließlich Lilys Sohn Nick, der auf der Suche nach den eigenen Wurzeln erkennen muss, dass nichts ist wie es scheint. Das Buch wirft tiefsinnige Fragen auf und erzählt dabei eine emotionale und spannende Familiengeschichte.
Die einfache Sprache wird wunderbar ergänzt durch Zitate aus der Weltgeschichte und durch Fragen nach dem Sinn des Lebens. Da die Handlung mehrere Generationen und Jahrzehnte umspannt können einige Lebenswegen der Charaktere nur relativ kurz angerissen werden. Daher sehe ich die Tiefe des Buches eher zwischen den Zeilen als in den Charakteren. Wodurch jedoch meiner Meinung nach ein hohes Identifikationspotential entsteht. Ich will nicht sagen, dass die Charaktere Austauschbar sind, aber man erkennt sich in einigen Facetten wieder. Die Autorin versucht sich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren und überrascht dabei immer wieder , in dem die Handlung nicht vorhersehbare Wendungen annimmt.
Ich mochte den Roman, seine Handlung , die Charaktere und die Frage nach der eigenen Identität. Sind wir wirklich diejenigen die wir sein wollen? Oder sind wir vielmehr diejenigen , die wir sein sollen? Wo ist unser Platz? Und wieviel können wir selber dafür tun um diesen Platz zu finden. Wieviel Anteil an unserem Leben trägt die Wissenschaft und deren immer größere werdenden Möglichkeiten ? Ist es alles nur Zufall? Wie weit kann der Mensch gehen, um seine Ziele zu erreichen?
Ein vielschichtiger Roman, der den Leser nachdenklich zurück lässt.