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    cosmea

    Aktiv seit: 27. Januar 2026
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    29 Rezensionen

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    Schwarzer September

    Sandro Veronesi
    Schwarzer September (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.03.2026

    Das Ende einer glücklichen Kindheit

    Im Sommer 1972 ist Giogio Bellandi 12 Jahre alt. Sein Vater ist ein erfolgreicher, gutaussehender Rechtsanwalt, seine Mutter Betty eine gebürtige Irin. Er hat eine fünf Jahre jüngere Schwester namens Gilda. Wie immer verbringt die Familie den Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste. Der Vater kommt am Wochenende dazu und verbringt viel Zeit auf dem Wasser mit seinem geliebten Segelboot Tivatú. Er nimmt Giogio mit auf diese Fahrten und führt mit ihm teilweise sehr riskante Manöver durch. In diesem Sommer verliebt sich der pubertierende Giogio in Astel, die dreizehnjährige bildhübsche Tochter einer Äthiopierin, die mit dem sehr reichen Geschäftsmann Lucido Raimondi verheiratet ist. Die Raimondis halten sich in der benachbarten Strandkabine auf, und ihre Häuser befinden sich auch in Sichtweite voneinander. Astel bitte Giogio um Hilfe beim Erlernen der englischen Sprache, und die beiden Jugendlichen übersetzen zusammen Songtexte von David Bowie und Cat Stevens. Sie kommen einander näher und verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander, hören ihre Lieblingsmusik und tanzen dazu. Giogio interessiert sich auch für alle Sportarten und das Schachspiel und verfolgt aufmerksam die Olympischen Spiele in München. Doch dann passieren zwei schreckliche Dinge, und von einem Tag zum anderen ist nichts mehr, wie es war.
    Etwa fünfzig Jahre später schreibt Giogio seine Geschichte auf. Er hat nichts vergessen, vor allem seine erste Liebe nicht. Der Autor lässt sich viel Zeit, wenn er die Ereignisse dieses Sommers nachzeichnet, und es passiert insgesamt nicht viel. Es gibt immer wieder Vorausdeutungen, die auf die unaufhaltsam nahenden Katastrophen hinweisen, wodurch die Spannung erhöht wird. Allerdings verringert die Tatsache, dass der Klappentext viel zu viel verrät, die Wirkung dieser Erzähltechnik erheblich. Mir hat der Roman gut gefallen, nachdem ich mich an die detaillierte Darstellung gewöhnt hatte, denn es geht ja auch um Sommer am Meer mit wunderbarem italienischem Ambiente.
    Der letzte Sommer der Tauben

    Abbas Khider
    Der letzte Sommer der Tauben (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.02.2026

    Nur Tauben fliegen in die Freiheit

    Der vierzehnjährige Noah erlebt den letzten Sommer seiner Kindheit. Bisher hatte er ein gutes Leben mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester, vor allem auch mit Onkel Ali, der in der anderen Hälfte des Hauses hinter der Mauer lebt. Der Onkel ist Geschäftsführer des Taubenzüchtervereins und hat Noah dieses Hobby nahegebracht. Noah kümmert sich liebevoll um die Tauben in dem Verschlag auf dem Dach, füttert sie, lässt sie fliegen. Jede hat einen Namen. Diese Idylle wird jedoch nicht mehr lange halten. Seit der Einrichtung des Kalifats befindet sich das Land im Umbruch. Nichts ist mehr, wie es war. Frauen müssen den Schleier tragen, dürfen das Haus nicht mehr allein verlassen, keinen Beruf ausüben. Alkohol, Zigaretten, Musik, Spiele sind verboten. Onkel Ali muss sein Café schließen, Noahs Vater kann sein Textilgeschäft nicht mehr wie bisher weiterführen. Abbildungen von Frauen und bunte Kleidung sind ebenfalls verboten. Jeder Verstoß gegen die neuen Gesetze wird hart bestraft. Es gibt öffentliche Hinrichtungen auf den Straßen der Stadt. Von zwei Freunden lässt sich Noah zu einem dummen Streich überreden, der ihn später in Lebensgefahr bringen wird. Inzwischen ist auch die Taubenzucht auf den Dächern verboten, denn Tauben können zum Schmuggeln verbotener Waren und zur Weiterleitung von Nachrichten benutzt werden.
    Khider schreibt eine bedrückende Geschichte von Rechtlosigkeit und maßloser Gewalt, die sicher durch eigene Erfahrungen im Irak inspiriert ist. Es gibt düstere Beschreibungen, aber es ist auch Platz für Humor und Satire und ausgesprochen poetische Formulierungen. Sein neuer Roman beschreibt das Leben der Unterdrückten sehr eindrucksvoll und ist genauso lohnend wie seine anderen Bücher, von denen ich einige kenne. Eine empfehlenswerte, auch sprachlich gelungene Lektüre.
    Lola im Spiegel

    Trent Dalton
    Lola im Spiegel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.02.2026

    Auf der Suche nach der eigenen Identität

    Ein namenloses 17jähriges Mädchen lebt mit der Mutter in einem kaputten Van auf einem Schrottplatz in der Nähe des Brisbane River. Sie waren viele Jahre lang auf der Flucht, denn die Mutter hat vor langer Zeit etwas sehr Schlimmes getan und wird noch immer von der Polizei gesucht. Deshalb hat die Frau, die sich Erica Finlay nennt, dem Mädchen nie seinen Namen gesagt. Sie will ihre Geschichte erst erzählen, wenn ihre Tochter 18 ist und niemand sie in eine Einrichtung sperren kann. Dann will sie sich auch der Polizei stellen. Ihren kargen Lebensunterhalt verdienen die beiden, indem sie für die grausame Flora Box genannt Lady Flo und ihren Sohn Brandon Drogen ausliefern. Keiner kommt aus diesem Milieu wieder heraus. Doch dann ertrinkt die Mutter, als sie ein Baby rettet, und die Tochter wird erst einmal keine Antworten auf ihre Fragen finden. Die talentierte Zeichnerin gibt jedoch nicht auf und verliert ihren Traum, eine berühmte Künstlerin zu werden, nicht aus den Augen. Immer wieder malt sie sich aus, wie am Ende ihres langen Lebens ein Kunstkenner im Metropolitan Museum Of Art in New York ihre Kunst lobt und ihre Lebensgeschichte erzählt. Doch noch ist es nicht so weit. Das Mädchen findet zwar Unterstützung und Hilfe und begegnet in dem jungen Danny Collins aus reichem Hause der Liebe ihres Lebens, gerät jedoch in lebensbedrohliche Situationen und gewalttätige Auseinandersetzungen, in denen auch Freunde und ein hilfsbereiter Polizist sterben.
    Der Roman einer Identitätssuche hat mir – wie schon der Vorgänger “Der Junge, der das Universum verschlang“ – insgesamt gut gefallen, obwohl die Geschichte des Mädchens, das auf der Suche nach sich selbst immer wieder in Spiegelscherben schaut und Gespräche mit jemand namens Lola führt, trotz der dargestellten Grausamkeiten wenig realistisch ist und eher märchenhafte Züge trägt. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand aus diesem Milieu am Rande der Gesellschaft den Aufstieg zur berühmten Künstlerin schafft. Dennoch hat mich die Darstellung, die nicht frei von Längen ist, immer wieder verzaubert. So überwiegt am Ende doch der positive Eindruck.
    Die Liebe, später

    Gisa Klönne
    Die Liebe, später (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.01.2026

    Frei, Freisein, Freiheit

    Anselm und Kora, beide Anfang 60, sind seit über zwanzig Jahren ein Paar. Nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung, gefolgt von einer Herzoperation erholt sich Kora nur langsam. Sie spürt, dass sie nicht einfach da weitermachen kann, wo sie vor der Operation aufgehört hat. Das ist auch deshalb nicht möglich, weil Anselm in Rente gegangen ist und die Radiostation, für die Kora all die Jahre gearbeitet hat, sie drängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Kora kann sich zunächst nicht entscheiden, stellt ihr ganzes Leben in Frage. Sie liebt Anselm nach wie vor, war immer glücklich in dieser Ehe, die all die Jahre eine Wochenendbeziehung war, weil Anselm zwischen Berlin und ihrem Haus in Köln pendelte, will aber plötzlich frei sein, was immer das in ihrem Fall heißen mag. Kora geht zurück in ihre Vergangenheit und trifft Freunde aus der Kindheit und Jugend. Da gibt es viele Dinge, die sie verdrängt hat und nun durch eine neuerliche Begegnung zum Abschluss bringen will. Das sind Geheimnisse, von denen Anselm nichts weiß, aber auch er hat ihr nie alles über sich gesagt. In dieser Beziehung gab es schon immer viel Distanz. Der Leser begleitet eine Ehekrise mit lange ungewissem Ausgang. Daneben beschäftigt sich Kora mit dem Problem ihres alten Bekannten Felix, der sie um Hilfe gebeten hat. Die Ehefrau von Felix ist plötzlich spurlos verschwunden, vielleicht bei einer Wanderung in den Alpen ums Leben gekommen, eventuell aber auch unterwegs in ein anderes, neues Leben.
    Die überwiegend aus Koras Perspektive auf mehreren Zeitebenen erzählte Geschichte ist nicht frei von Längen, aber sehr interessant und lesenswert. Die Einsichten in die menschliche Existenz bringen den Leser zum Nachdenken, besonders die immer wieder eingestreuten 5-Punkte-Listen. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, „dass nichts jemals so bleibt, wie es gerade ist. Der andere nicht. Man selbst nicht. Das Leben.“ (S. 187). Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir Zukunftspläne schmieden.
    26 bis 29 von 29 Rezensionen
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