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    cosmea

    Aktiv seit: 27. Januar 2026
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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    9 Rezensionen

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    Der Gesang der See

    Trude Teige
    Der Gesang der See (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.03.2026

    Pflicht oder Liebe?

    Mit “Der Gesang der See“ liegt Trude Teiges Debütroman erstmals auf Deutsch vor. Die Geschichte spielt auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste. Dort leben die Menschen von Fischerei und Schafzucht. Die junge Kristiane ist mit ihrem ersten Kind schwanger, als ihr geliebter Mann Anders bei einem Sturm ums Leben kommt. Sie hat ihrem Vater einst versprochen, dass sie dafür sorgen wird, dass das Lotsenamt in der Familie bleibt. Er hat ihr zwar alles über das Leinenfischen und den Umgang mit Booten beigebracht, aber Frauen ist es verwehrt, als Lotsen zu arbeiten. Man setzt ihr eine Frist. Wenn sie keinen geeigneten neuen Partner findet, der die Lotsenprüfung besteht, verliert die Familie die Lotsennummer. Sie heiratet Lars, der seit der Kindheit ihr Freund ist und sie immer schon liebt. Er ist ein verlässlicher Partner und ein guter Vater für ihren kleinen Sohn Lisje Anders. Allerdings hat sich Kristiane inzwischen in Fredrik verliebt, einen gutaussehenden Mann aus einer reichen, einflussreichen Familie. Sie beginnen eine geheime leidenschaftliche Beziehung.
    Kristiane ist eine sehr sympathische Protagonistin, eine ambitionierte, kämpferische Frau, die sich von Männern nichts vorschreiben lässt. Dafür erntet sie viel Kritik, obwohl sie durch geschicktes Verhandeln mit dem Fischhändler bessere Preise nicht nur für sich, sondern für alle Fischer im Dorf erzielt. Man tratscht über sie, weil sie im Meer schwimmt, was sich angeblich nicht gehört. Der Roman zeigt die harten Lebensbedingungen der Fischer, die durch ihre Arbeit kaum genug zum Überleben verdienen und lässt den Leser eintauchen in Landschaft und Klima der Westküste. Mir hat die Geschichte gut gefallen. Allerdings haben mich die ersten beiden Bände ihrer berühmten Trilogie noch mehr beeindruckt.
    Die Rätsel meines Großvaters

    Masateru Konishi
    Die Rätsel meines Großvaters (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.03.2026

    Die Wahrheit wird im Rauch sichtbar

    “Die Rätsel meines Großvaters“ ist der zweite Band einer Trilogie des japanischen Autors Masateru Konishi. Im Mittelpunkt stehen die junge Lehrerin Kaede und ihr namenloser Großvater, der an DLB, einer besonderen Form der Demenz leidet. Bei ihm wechseln Phasen, in denen er bei klarem Verstand ist und andere, in denen er Personen und Ereignisse der Vergangenheit halluziniert. Dann sieht er seine tote Ehefrau oder Tochter. Oft auch seine Enkelin als kleines Kind. Kaede verbringt viel Zeit mit dem geliebten Großvater, mit dem sie rätselhafte Kriminalfälle oder mysteriöse Vorfälle aufklärt. Beide haben traumatische Erlebnisse zu verarbeiten, und beide teilen die Liebe zu berühmten Krimiautoren und zu Verfilmungen ihrer Werke. Der Großvater findet oft Handlungsmuster der großen Romane der Kriminalliteratur in aktuellen Fällen wieder und klärt sie blitzschnell auf, nachdem er um eine Zigarette gebeten hat und in den Rauch blickt: „… er konnte inmitten des Zigarettenrauchs eine Halluzination der Wahrheit sehen“ (S. 228). Oft sind mit Iwata und Shiki zwei Freunde von Kaede dabei, die beide in sie verliebt sind, ohne zu Rivalen zu werden. Zu den Protagonisten gehört mit Agatsuma auch ein ehemaliger Schüler des Großvaters sowie der Polizist Jonouchi.
    Der Roman weist keine stringente Handlung, sondern vier voneinander unabhängige Rätsel auf, die vom Großvater gelöst werden, ohne dass er dazu seinen Lehnstuhl verlassen oder den Tatort eines Verbrechens aufsuchen muss. Sein messerscharfer Verstand und seine hervorragende Kombinationsgabe in seinen lichten Momenten sind genauso beeindruckend wie das liebevolle Verhältnis zwischen Großvater und Enkelin. Allerdings wirkt die Darstellung nicht besonders realistisch, eher märchenhaft. Das japanische Flair hat mir gefallen, die zahllosen japanischen Ausdrücke, die nicht erklärt oder übersetzt werden, eher weniger. Insgesamt bin ich ein bisschen enttäuscht.
    Ich, die ich Männer nicht kannte

    Jacqueline Harpman
    Ich, die ich Männer nicht kannte (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.03.2026

    Ist Überleben nicht mehr als das Warten auf den Tod?

    Ein namenloses junges Mädchen ist zusammen mit 39 Frauen in einem unterirdischen Käfig eingesperrt. Hier gelten strenge Regeln. Sie werden von drei Wärtern bewacht, die bei jeglichem Verstoß mit der Peitsche knallen. Sie sprechen nicht mit den Gefangenen, die nicht wissen, warum sie eingesperrt sind und auch nicht, warum sie überhaupt am Leben gehalten werden. Irgendwann in der Vergangenheit hat es ein unbekanntes Ereignis gegeben, das ihr bisheriges Leben beendete. Die anderen Frauen haben noch vage Erinnerungen an die Vergangenheit, an Ehemänner und Kinder, an Liebe und Sex. Das Mädchen wird unter anderem auch deshalb von den anderen ausgrenzt, weil ihre Situation völlig anders ist. Sie wurde schon als Kleinkind in den Käfig gesperrt, kennt ihren Namen nicht und weiß nicht, wer ihre Eltern sind. Sie kann weder lesen noch schreiben, kann sich unter all den Dingen, die zu einem normalen Alltag gehören, nichts vorstellen. Irgendwann findet sie in Anthea eine Freundin, die ihr Zahlen und Buchstaben beibringt. Das Mädchen entwickelt ein System, das es ihr ermöglicht, Zeit zu messen. Bisher gab es für die Frauen keine Möglichkeit, Tag und Nacht zu unterscheiden, denn das Licht wurde nie ausgeschaltet. Eines Tages ertönt eine Sirene, und die Wärter, die gerade die Zellen geöffnet haben, um die karge Mahlzeit zu bringen, verschwinden spurlos. Als erste verlässt das Mädchen das Gefängnis. Sie schaut sich in dem Bunker um, findet reichlich Lebensmittel und tiefgefrorenes Fleisch, etwas Kleidung, einige Paar Stiefel. In der Folge erforschen die Frauen erst die Umgebung und machen dann immer längere Expeditionen. Sie hoffen, auf andere Menschen zu treffen, eine Stadt zu finden. Stattdessen stoßen sie im Laufe der Jahre auf immer neue verschlossene Bunker mit jeweils 40 toten Frauen, manchmal auch Männern. Im Lauf der Jahre werden sie eine Gemeinschaft, weil sie nur überleben können, wenn sie einander unterstützen und helfen. Da das Mädchen mit Abstand die Jüngste ist, ist von vornherein klar, dass sie irgendwann die einzige Überlebende sein wird.
    In dieser ungewöhnlichen Dystopie behandelt die Autorin viele Themen. Was macht menschliches Leben aus? Was macht uns zu denen, die wir sind? Sind die Frauen außerhalb des Käfigs wirklich frei? Welchen Sinn hat das (Über-)Leben? Auf viele Fragen bekommt der Leser bis zum Schluss keine Antwort, zum Beispiel, welches Ereignis jegliche Normalität beendet hat und ob sie sich noch auf dem Planet Erde befinden. Wo kommt die Energie für die Beleuchtung der Bunker her, und wer sorgt für die Nahrungsmittel?
    Die neue Übersetzung dieses zuerst 1995 in französischer Sprache veröffentlichten lange vergessenen Romans ins Englische hat einen Hype ausgelöst, den ich nicht so ganz nachvollziehen kann. Es ist ein interessanter Roman, der für mich aber zu viele Fragen unbeantwortet lässt und einige Ungereimtheiten enthält.
    Alma

    Federica Manzon
    Alma (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.03.2026

    Geografie siegt immer über Geschichte

    Alma ist eine Frau mit einer besonderen Herkunft und einem ungewöhnlichen Werdegang. Sie ist in Triest aufgewachsen, einer Stadt im Osten Italiens an der Grenze zum ehemaligen Jugoslawien. Ihre reichen und gebildeten Großeltern mütterlicherseits leben in der habsburgischen Tradition. Almas Mutter will der Enge ihres strengen Elternhauses entfliehen und heiratet einen Slawen. Sie arbeitet in einer fortschrittlichen psychiatrischen Klinik, in der die Patienten nicht fixiert und sediert werden, sondern sich relativ frei bewegen können. Die Mutter kümmert sich nicht besonders um Alma. Unterstützung und Liebe findet sie vor allem bei ihrem Großvater. Ihr Vater verschwindet immer wieder über die Grenze nach Osten, ohne zu sagen, welcher Arbeit er dort nachgeht. Irgendwann erfährt Alma, dass er ein Anhänger Titos ist und seine Reden aufschreibt. Als Alma 11 Jahre alt ist, bringt ihr Vater eines Tages den gleichaltrigen Vili mit, den Sohn seines besten Freundes. Seine Eltern sind Dissidenten und wollen, dass ihr Sohn jenseits der Grenze in Sicherheit aufwächst. Anfangs verstehen sich Alma und Vili nicht besonders. Jahre später werden sie ein Liebespaar. Dann trennen sich ihre Wege für viele Jahre, bis sie Vili in ihrer Heimatstadt Triest trifft, damit er ihr im Auftrag ihres verstorbenen Vaters ihr Erbe übergibt. Zu der Zeit ist Alma 53 Jahre alt und hat viele Jahre in Rom und anderswo als Journalistin gearbeitet.
    Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Alma, die immer wieder auf ihr vergangenes Leben zurückblickt. Sie war immer auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrer Identität, hat sich nie irgendwo zugehörig gefühlt. Auch für den Leser ist es nicht ganz einfach, weil die Autorin selten Orte und die Namen der Mächtigen nennt. Da heißt es nur die Stadt, die Hauptstadt, hinter der Grenze, die verbotene Stadt, die Insel, der Marschall, der Mann mit den weißen Handschuhen usw. Im Zusammenhang mit dem Bosnienkrieg der 90er Jahre nennt sie zumindest Sarajewo, Vukovar und Srebrenica. Für mich leidet die Lesbarkeit dieses eigentlich interessanten und ungewöhnlichen Romans auch unter der sprachlichen Qualität der deutschen Übersetzung. Da stören zahlreiche sehr spezielle Wendungen und Satzkonstruktionen.
    Kala

    Colin Walsh
    Kala (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    19.03.2026

    Was geschah wirklich mit Kala?

    Im kleinen Ort Kinlough an der irischen Westküste genießt eine Gang von sechs Jugendlichen im Jahr 2003 den Sommer ihres Lebens. Da sind die Jungen Joe, Mush und Aidan und die Mädchen Helen, Aoife und Kala. Die mutterlose charismatische Kala Lanann lebt bei ihrer Großmutter und ist der Mittelpunkt dieser Gruppe, bis sie im November desselben Jahres plötzlich spurlos verschwindet. 15 Jahre später treffen sich Joe, Mush und Helen zur Hochzeit von Helens Vater mit der Mutter von Aidan, der Selbstmord begangen hat, und den 16jährigen Zwillingen Marie und Donna. Joe ist inzwischen ein erfolgreicher Musiker, Helen arbeitet als freiberufliche Journalistin in Kanada, und Mush hilft seiner Mutter im Café. Er hat als einziger Kinlough nie verlassen. Dann werden Kalas sterbliche Überreste an einer Stelle gefunden, wo ein lokales Unternehmen Häuser bauen will. Sie starb eines gewaltsamen Todes. Nicht nur die Polizei, sondern auch die drei Freunde wollen endlich herausfinden, wer Kala ermordet hat. Helen, Joe und Mush haben sie nie vergessen und fühlen sich irgendwie schuldig an ihrem Tod. Dann sind plötzlich auch die Zwillinge verschwunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kalas Tod und den aktuellen Ereignissen?
    Colin Walshs Debütroman liest sich aus verschiedenen Gründen nicht leicht. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen aus der Perspektive von Joe, Helen und Mush, wobei Joe für seine Sicht die zweite Person verwendet. Immer wieder geht der Blick in die Vergangenheit und zeichnet die Entwicklung der drei Jugendlichen nach. Es passiert nicht allzu viel, und auf den ersten 300 Seiten wirkt die Darstellung oft unnötig detailliert und ist für mich keineswegs so spannend, wie manche Kritiker behaupten. Erst im letzten Drittel nimmt die Geschichte Fahrt auf bis hin zur Auflösung, die man nicht erraten kann. Dem Autor gelingt jedoch eine ungewöhnliche Mischung aus Coming-Of-Age-Story mit ersten Liebesbeziehungen und düsterem Thriller mit teilweise recht grausamen Episoden, denn in dieser scheinbar friedlichen Gegend gibt es mafiöse Strukturen, Korruption und brutale Schläger, die lange ungestraft davonkommen. Dieser komplizierte Plot, die ungeheure Personenvielfalt und der ständige Wechsel der Zeitebene erschweren die Lektüre und mindern die Spannung. Insgesamt bleibt “Kala“ hinter meinen Erwartungen zurück.
    Schwarzer September

    Sandro Veronesi
    Schwarzer September (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.03.2026

    Das Ende einer glücklichen Kindheit

    Im Sommer 1972 ist Giogio Bellandi 12 Jahre alt. Sein Vater ist ein erfolgreicher, gutaussehender Rechtsanwalt, seine Mutter Betty eine gebürtige Irin. Er hat eine fünf Jahre jüngere Schwester namens Gilda. Wie immer verbringt die Familie den Sommer in Fiumetto an der ligurischen Küste. Der Vater kommt am Wochenende dazu und verbringt viel Zeit auf dem Wasser mit seinem geliebten Segelboot Tivatú. Er nimmt Giogio mit auf diese Fahrten und führt mit ihm teilweise sehr riskante Manöver durch. In diesem Sommer verliebt sich der pubertierende Giogio in Astel, die dreizehnjährige bildhübsche Tochter einer Äthiopierin, die mit dem sehr reichen Geschäftsmann Lucido Raimondi verheiratet ist. Die Raimondis halten sich in der benachbarten Strandkabine auf, und ihre Häuser befinden sich auch in Sichtweite voneinander. Astel bitte Giogio um Hilfe beim Erlernen der englischen Sprache, und die beiden Jugendlichen übersetzen zusammen Songtexte von David Bowie und Cat Stevens. Sie kommen einander näher und verbringen so viel Zeit wie möglich miteinander, hören ihre Lieblingsmusik und tanzen dazu. Giogio interessiert sich auch für alle Sportarten und das Schachspiel und verfolgt aufmerksam die Olympischen Spiele in München. Doch dann passieren zwei schreckliche Dinge, und von einem Tag zum anderen ist nichts mehr, wie es war.
    Etwa fünfzig Jahre später schreibt Giogio seine Geschichte auf. Er hat nichts vergessen, vor allem seine erste Liebe nicht. Der Autor lässt sich viel Zeit, wenn er die Ereignisse dieses Sommers nachzeichnet, und es passiert insgesamt nicht viel. Es gibt immer wieder Vorausdeutungen, die auf die unaufhaltsam nahenden Katastrophen hinweisen, wodurch die Spannung erhöht wird. Allerdings verringert die Tatsache, dass der Klappentext viel zu viel verrät, die Wirkung dieser Erzähltechnik erheblich. Mir hat der Roman gut gefallen, nachdem ich mich an die detaillierte Darstellung gewöhnt hatte, denn es geht ja auch um Sommer am Meer mit wunderbarem italienischem Ambiente.
    Der letzte Sommer der Tauben

    Abbas Khider
    Der letzte Sommer der Tauben (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    22.02.2026

    Nur Tauben fliegen in die Freiheit

    Der vierzehnjährige Noah erlebt den letzten Sommer seiner Kindheit. Bisher hatte er ein gutes Leben mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester, vor allem auch mit Onkel Ali, der in der anderen Hälfte des Hauses hinter der Mauer lebt. Der Onkel ist Geschäftsführer des Taubenzüchtervereins und hat Noah dieses Hobby nahegebracht. Noah kümmert sich liebevoll um die Tauben in dem Verschlag auf dem Dach, füttert sie, lässt sie fliegen. Jede hat einen Namen. Diese Idylle wird jedoch nicht mehr lange halten. Seit der Einrichtung des Kalifats befindet sich das Land im Umbruch. Nichts ist mehr, wie es war. Frauen müssen den Schleier tragen, dürfen das Haus nicht mehr allein verlassen, keinen Beruf ausüben. Alkohol, Zigaretten, Musik, Spiele sind verboten. Onkel Ali muss sein Café schließen, Noahs Vater kann sein Textilgeschäft nicht mehr wie bisher weiterführen. Abbildungen von Frauen und bunte Kleidung sind ebenfalls verboten. Jeder Verstoß gegen die neuen Gesetze wird hart bestraft. Es gibt öffentliche Hinrichtungen auf den Straßen der Stadt. Von zwei Freunden lässt sich Noah zu einem dummen Streich überreden, der ihn später in Lebensgefahr bringen wird. Inzwischen ist auch die Taubenzucht auf den Dächern verboten, denn Tauben können zum Schmuggeln verbotener Waren und zur Weiterleitung von Nachrichten benutzt werden.
    Khider schreibt eine bedrückende Geschichte von Rechtlosigkeit und maßloser Gewalt, die sicher durch eigene Erfahrungen im Irak inspiriert ist. Es gibt düstere Beschreibungen, aber es ist auch Platz für Humor und Satire und ausgesprochen poetische Formulierungen. Sein neuer Roman beschreibt das Leben der Unterdrückten sehr eindrucksvoll und ist genauso lohnend wie seine anderen Bücher, von denen ich einige kenne. Eine empfehlenswerte, auch sprachlich gelungene Lektüre.
    Lola im Spiegel

    Trent Dalton
    Lola im Spiegel (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.02.2026

    Auf der Suche nach der eigenen Identität

    Ein namenloses 17jähriges Mädchen lebt mit der Mutter in einem kaputten Van auf einem Schrottplatz in der Nähe des Brisbane River. Sie waren viele Jahre lang auf der Flucht, denn die Mutter hat vor langer Zeit etwas sehr Schlimmes getan und wird noch immer von der Polizei gesucht. Deshalb hat die Frau, die sich Erica Finlay nennt, dem Mädchen nie seinen Namen gesagt. Sie will ihre Geschichte erst erzählen, wenn ihre Tochter 18 ist und niemand sie in eine Einrichtung sperren kann. Dann will sie sich auch der Polizei stellen. Ihren kargen Lebensunterhalt verdienen die beiden, indem sie für die grausame Flora Box genannt Lady Flo und ihren Sohn Brandon Drogen ausliefern. Keiner kommt aus diesem Milieu wieder heraus. Doch dann ertrinkt die Mutter, als sie ein Baby rettet, und die Tochter wird erst einmal keine Antworten auf ihre Fragen finden. Die talentierte Zeichnerin gibt jedoch nicht auf und verliert ihren Traum, eine berühmte Künstlerin zu werden, nicht aus den Augen. Immer wieder malt sie sich aus, wie am Ende ihres langen Lebens ein Kunstkenner im Metropolitan Museum Of Art in New York ihre Kunst lobt und ihre Lebensgeschichte erzählt. Doch noch ist es nicht so weit. Das Mädchen findet zwar Unterstützung und Hilfe und begegnet in dem jungen Danny Collins aus reichem Hause der Liebe ihres Lebens, gerät jedoch in lebensbedrohliche Situationen und gewalttätige Auseinandersetzungen, in denen auch Freunde und ein hilfsbereiter Polizist sterben.
    Der Roman einer Identitätssuche hat mir – wie schon der Vorgänger “Der Junge, der das Universum verschlang“ – insgesamt gut gefallen, obwohl die Geschichte des Mädchens, das auf der Suche nach sich selbst immer wieder in Spiegelscherben schaut und Gespräche mit jemand namens Lola führt, trotz der dargestellten Grausamkeiten wenig realistisch ist und eher märchenhafte Züge trägt. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass jemand aus diesem Milieu am Rande der Gesellschaft den Aufstieg zur berühmten Künstlerin schafft. Dennoch hat mich die Darstellung, die nicht frei von Längen ist, immer wieder verzaubert. So überwiegt am Ende doch der positive Eindruck.
    Die Liebe, später

    Gisa Klönne
    Die Liebe, später (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.01.2026

    Frei, Freisein, Freiheit

    Anselm und Kora, beide Anfang 60, sind seit über zwanzig Jahren ein Paar. Nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung, gefolgt von einer Herzoperation erholt sich Kora nur langsam. Sie spürt, dass sie nicht einfach da weitermachen kann, wo sie vor der Operation aufgehört hat. Das ist auch deshalb nicht möglich, weil Anselm in Rente gegangen ist und die Radiostation, für die Kora all die Jahre gearbeitet hat, sie drängt, einen Aufhebungsvertrag zu unterschreiben. Kora kann sich zunächst nicht entscheiden, stellt ihr ganzes Leben in Frage. Sie liebt Anselm nach wie vor, war immer glücklich in dieser Ehe, die all die Jahre eine Wochenendbeziehung war, weil Anselm zwischen Berlin und ihrem Haus in Köln pendelte, will aber plötzlich frei sein, was immer das in ihrem Fall heißen mag. Kora geht zurück in ihre Vergangenheit und trifft Freunde aus der Kindheit und Jugend. Da gibt es viele Dinge, die sie verdrängt hat und nun durch eine neuerliche Begegnung zum Abschluss bringen will. Das sind Geheimnisse, von denen Anselm nichts weiß, aber auch er hat ihr nie alles über sich gesagt. In dieser Beziehung gab es schon immer viel Distanz. Der Leser begleitet eine Ehekrise mit lange ungewissem Ausgang. Daneben beschäftigt sich Kora mit dem Problem ihres alten Bekannten Felix, der sie um Hilfe gebeten hat. Die Ehefrau von Felix ist plötzlich spurlos verschwunden, vielleicht bei einer Wanderung in den Alpen ums Leben gekommen, eventuell aber auch unterwegs in ein anderes, neues Leben.
    Die überwiegend aus Koras Perspektive auf mehreren Zeitebenen erzählte Geschichte ist nicht frei von Längen, aber sehr interessant und lesenswert. Die Einsichten in die menschliche Existenz bringen den Leser zum Nachdenken, besonders die immer wieder eingestreuten 5-Punkte-Listen. Wir dürfen vor allem nicht vergessen, „dass nichts jemals so bleibt, wie es gerade ist. Der andere nicht. Man selbst nicht. Das Leben.“ (S. 187). Dessen müssen wir uns bewusst sein, wenn wir Zukunftspläne schmieden.
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