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    SusanK

    Aktiv seit: 01. September 2024
    "Hilfreich"-Bewertungen: 0

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    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    77 Rezensionen

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    Kurzer Prozess

    Edith Löhle
    Kurzer Prozess (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    17.09.2026

    Moral predigen ist leicht, Moral begründen schwer.

    Rassismus, Sexismus und Bodyshaming waren völlig normal in Film und Fernsehen – doch heute stehen unsere Kindheitshelden vor Gericht und müssen vor dem Internationalen Moralgerichtshof Rechenschaft ablegen für Werte, deren Langzeitfolgen bei uns heute offen zutage treten: Minderwertigkeitskomplexe, toxische Schönheitsideale, verzerrte Liebesbilder. Case closed – aber was ist die Moral der Geschichte?

    Selten habe ich ein Buch aus so vielen verschiedenen Perspektiven gelesen. Dabei gibt es die Haupterzähler*Innen wie Reha als Chefanklägerin oder Lexi, die als Reporterin groß rauskommen will, aber auch Einzelstimmen der Kindheitsikonen. Es gibt Fakten, abstruse Szenen und einiges aus den Verhandlungen – dabei suchte ich beim Lesen manchmal den roten Faden. Bei der Vielzahl der Figuren war es schwer, wirklich Bindung aufzubauen. Selbstverständlich haben diese – wie auch unsere Ikonen – Fehler und Schwächen, doch im Gegensatz zu den Ikonen weiß ich viel zu wenig über sie. Allerdings kann ich sagen, dass Aladin mich sehr positiv überrascht hat.

    Sprachlich gefiel mir der Text sehr gut – besonders kleine Highlights wie Saubermaus-Image rundeten für mich die Geschichte ab.

    „Kurzer Prozess“ - der Name, der Programm für das Buch ist, ist eine Satire und ein wildes Zusammenspiel verschiedenster Figuren, Meinungen und Zielen, die versuchen, Moral zu definieren. Auch aus meinem Alltag kenne ich die angesprochenen Probleme, beispielsweise bei der Frage, ob man die „Feuerzangenbowle“ oder alte Disney-Filme noch schauen darf. Selbstverständlich ist der historische Kontext keine Entschuldigung, für mich, aber durchaus ein Zeugnis dessen, was wir heute (hoffentlich) nicht mehr so sehen. Rehas Vater fasst es ganz gut zusammen: „Man verliert nie, mal gewinnt man und mal lernt man.“

    Insgesamt ein unterhaltsames Buch mit einem extrem wichtigen Thema, allerdings mit kleinen Schwächen. Und eines bleibt: Moral ist nicht einklagbar, sondern etwas, an dem wir alle als Gesellschaft arbeiten müssen.
    Die Zukunft der Männer. Eine Generation zwischen Wut und Utopie

    Tristan Horx
    Die Zukunft der Männer. Eine Generation zwischen Wut und Utopie (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.09.2026

    Nun wohl, nun seht, dass ihr euch lieb behaltet

    Vor 12.000 Jahren begann das Patriachat, heute bröckelt es, da Männer schlechtere Schulabschlüsse machen und Frauen ihnen gegenüber den Vorteil der Empathie haben. Und auch im Miteinander der Geschlechter werden Ansprüche laut, die keine Partei scheinbar gewillt ist, zu erfüllen und es scheint, als könnten Frauen ganz gut ohne Männer leben, was diese massiv unter Druck setzt. Dadurch flüchten sich immer mehr Männer in Hass, rechte Ideologien oder Gewalt und werden dadurch unattraktiver, während Frauen immer liberaler werden – ein Teufelskreis!
    Zukunftsforscher Tristan Horx analysiert diese männliche Identitätskrise und das Scheitern alter Rollenbilder. Seine Vision ist die »Mutual Liberation« – eine gemeinsame Befreiung aus digitalen Blasen und Konflikten.

    Die Schreibweise ist sehr leicht verständlich und teilweise dadurch schon etwas grob. Es stellt sich mir die Frage, ob das bewusst einem bestimmten Publikum angepasst sein soll.

    Das Buch unterteilt sich in die Abschnitte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hier werden viele wichtige Punkte kurz auf den Punkt gebracht und manch andere ausgespart. Auch bei anderen Aspekten hatte ich manchmal Fragezeichen im Kopf, denn beispielsweise fehlte mir der oft angesprochene Zyklus bei der Rollenverteilung. Im Gegensatz dazu werden auch weitere wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen, denn durch die sich perfektionierende KI lernt der Mensch immer weniger Widersprüche auszuhalten und Kompromisse einzugehen, was den ganzen Prozess noch schwieriger macht. Schon das Tierreich zeigt, dass Kooperation das A und O ist. Aber auch andere Themen, wie beispielsweise Daytrading, werden kurz und knapp erklärt.

    Für mich besonders interessant (da von einem Zukunftsforscher geschrieben) empfand ich den Zukunftsteil. Hier werden verschiedene Szenarien vorgestellt und das aus Sicht des Autors beste Szenario wird mit Tipps untermalt, wie dieses zu erreichen ist.

    Erinnert haben mich hier einige Passagen an ein Buch von Alice Schwarzer „Die Antwort“, die eben auch die biologischen Unterschiede von Männern und Frauen darstellt und wie man aus ihnen ein gutes Miteinander schaffen kann – auch sie kommt darin zu dem Schluss, dass dogmatische Tabus aufgelöst werden müssen.

    Insgesamt ein gutes und prägnantes Buch, was aus meiner Sicht an einigen Stellen aber ein bisschen zu eindringlich ist.
    Stolz, Vorurteil und Hexerei

    Melinda Taub
    Stolz, Vorurteil und Hexerei (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.09.2026

    Tolle neue Adaption

    „Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass die siebte Tochter einer siebten Tochter eine Hexe sein muss.“

    Miss Lydia Bennet ist liederlich, egoistisch, eitel und naiv (und extrem jung) – eben eine richtige Hexe! Zumindest letzteres ist nicht allen bekannt, wie auch die wirklichen Ereignisse, die Lydia erlebt hat. Nun ist es Zeit für die jüngste der Bennet Schwestern, ins Rampenlicht zu treten und ihre eigene Geschichte wahrheitsgemäß und ungeschönt zu erzählen.

    Die Handlung wird in Form von Briefen erzählt, ein Großteil umfasst davon ein Brief aus Lydias Perspektive, an dem sie mehrere Wochen schreibt, so dass die einzelnen Kapitel oft ähnlich anfangen, was ich gerade zu Beginn irgendwann lästig fand. Passend zu Lydias Charakter springt sie auch beim Schreiben hin und her in den Zeiten und ist ganz und gar sie selbst. Hier muss ich auch das Ende sehr lobend erwähnen, dass einfach rund ist und absolut Lydia widerspiegelt. Dies ist keine neue Interpretation von „Stolz und Vorurteil“., sondern es ist eine Neuinterpretation von Lydia Bennet als Hexe, ihren Abenteuern in Brighton und ihren wahren Gedanken und Erlebnissen.

    Ein besonderes Highlight ist natürlich, dass die meisten aus Jane Austens Original bekannten Figuren auch hier auftauchen und man sie (teilweise) völlig neu kennenlernen kann. Lydia ist den meisten Leser*Innen vermutlich nicht als Lieblingsfigur im Gedächtnis geblieben und auch hier würde ich nicht sagen, dass ich sie am Ende so sehr liebe wie Lizzy, aber sie ist authentisch, ihre Handlungen sind nachvollziehbar und durch ihre (der Zeit völlig unpassende Art) habe ich sie doch sehr ins Herz geschlossen. Selbst der Dämon Wickham (ist er hier wirklich), konnte mich als Figur nun vollends überzeugen. Und auch die Beziehung zwischen Lydia und ihm wird in verschiedenen Dimensionen Zeit und Raum gegeben.

    Anfangs tat ich mich noch etwas schwer daran, dass geliebte Figuren völlig anders bewertet wurden aus Lydias Sicht als ich es aus der Austen Fassung kannte, aber durch die Nachvollziehbarkeit und Charakterentwicklung gab es ein sehr stimmiges Bild ab.

    Schön fand ich auch, dass Miss Darcy einiges an Raum zugestanden wird. Es ist eine gute Mischung aus den geliebten und bekannten Figuren, die teils mehr, teils aber auch deutlich weniger Zeilen abbekommen und neuen Figuren, die man kennenlernen kann.

    Das Frauenbild ist schon in „Stolz und Vorurteil“ teils revolutionär und durch die weibliche Verbundenheit in der Hexerei geht „Stolz und Vorurteil und Hexerei“ noch eine Stufe weiter, aber kritisiert gleichzeitig die Verhaltensweisen manch einer Hexe. Zwischen Gemeinschaftsgefühl, Überlegenheit in einer sonst so unterdrückenden Gesellschaft, Freiheitsbestreben, hinterfragt ausgerechnet Lydia die Moral dahinter. Wie beim Original gibt es viel soziale und historische Kritik.

    Sehr gut gefällt mir auch, dass die Autorin Melinda Taub noch mehr auf die Zeit an sich eingeht, in der das Buch spielt - und sehr authentisch über das Leben beispielsweise in Brighton schreibt. Ein besonderer Mehrwert war für mich dabei auch die Geschichte von Miss Lambe – einer neuen Figur - die auch die Kolonialgeschichte Englands mit hineinbringt und das Schicksal einer Mischlingsperson.

    Melinda Taub hat es geschafft, den trockenen, ironischen Witz von Jane Austen einzufangen, mit einem Hauch von Modernität und einem großen Schuss Hexenzauber.

    Ich hatte extrem hohe Erwartungen an das Buch und vor allem die Beschreibung „Voller Zauber, Intrigen, Gefahren und grenzenloser Magie vereint diese Adaption all den unverschämten Witz, die Stärke und die Romantik von »Stolz und Vorurteil« – und schenkt der wildesten Bennet-Schwester eine unerwartete Erlösung“ hatte mich sofort gepackt. Jedes einzelne Wort stimmt davon! Auch die Nerven der Mutter, Mr. Darcys Stolz und all die bekannten Probleme kommen nicht zu kurz. Bis auf die Anfangsabschnitte der ersten Kapitel bin ich restlos begeistert von dieser Neuadaption.
    Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder

    Chris Morton
    Masterminds, Band 1 - Der Darknet-Köder (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.09.2026

    Spannender Heist Thriller

    Bei einem Verkehrunfall hat der 17jährige Julius seine Eltern verloren und laboriert immer noch an den schwerwiegenden Folgen. Als er entdeckt, dass sein Onkel und Vormund Randolf nicht nur in dubiose Geschäfte verwickelt ist und Gelder aus der von seinen Eltern gegründeten Firma und der Stiftung veruntreut, sondern Julius sogar umbringen lassen will, um sich an seinem Erbe zu bereichern, beschließt der hochintelligente Justus die Machenschaften seines Onkels aufzudecken. ZUsammen mit seinem Bodyguard Parker und einem Rätselköder im Darknet rekruiert er den Meisterdieb Jay únd die Hackerin Kikki; zusammen mit seiner Cousine, der Comtesse Fifi sind sie die "Masterminds", die für GErechtigkeit sorgen wollen ...

    Der deutsche Autor und Übersetzer Christian Dreller hat bereits einige Action-Thriller veröffentlich und legt nun unter dem Psyeudonym Chris Morton mit "Mastermind - Der Darknet-Köder" den Auftakt zu einer neuen Heist-Thriller-Reihe vor. Dabei ist Gewalt auf ein absolutes Minimum beschränkt, es zählen vielmehr Köpfchen und ausgeklügelte Abläufe.

    Im "Darknet-Köder" erzählt Chris Morton von der Vorbereitung und Durchführung einer spektakulären Aktion; durch unerwartete Wendungen und Pläne, die schief gehen, wird viel Spannung erzeugt. Berichtet wird dabei überwiegend aus Justus' Sicht, aber auch der anderen Masterminds, die die Leser*Innen so nach und nach immer besser kennen lernen. Auch die unterschiedlichen Zeitebenen erhöhen die Spannung; wobei das "Jetzt" und die WEchsel zu vorangegangenen Zeiten in den Überschriften sehr gut gekennzeichnet sind. DIe Aufteilung des Buches in die zwei Teile "WarmUp" und "Endgame" und die kurzen, rasant erzählten Kapitel passen perfekt zum Thema.
    Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass auch die technischen Informationen sehr gut verständlich waren.

    Das Alter der Figuren (zwischen 16 und 23) und die Kernthemen lassen die "Masterminds" in das Genre des "New Adult" einreihen; meiner Meinung nach lässt sich das Buch auch mit Vergnügen von älteren Leser*Innen verschlingen.
    Die Figuren sind mehrdimendional und mit Liebe zum Detail angelegt, durchaus sympathisch und mit kleinen Fehlern behaftet, was sie authentisch wirken lässt. Teilweise kommt sogar etwas Humor ins Spiel.

    Die Themen "Gier", "Pharma-Skandale", das "Hacken" und vor allem "Gerechtigkeit" sind hochaktuell und passen gut zu den dargestellten Figuren und dem Genre.

    Mir hat "Masterminds - Der Darknet-Köder" großes Lesevergnügen bereitet und ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung "Masterminds 2 - Der Insider-Job", der im Februar 2027 erscheinen soll - insbesondere, da es im vorliegenden Band einen kleinen Cliffhanger am Ende gibt.
    Jagdfieber

    Yngra Wieland
    Jagdfieber (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    07.09.2026

    Der Verfall einer Familie

    Ein bekannter Schönheitschirurg stirbt in einem heftigen Autounfall. Eine junge Frau läuft nach der ersten Therapiesitzung bei Salome Liebeskind vor ein Auto, um ihrer kaputten Familie zu entfliehen. Salome beginnt – sehr zum Missfallen der örtlichen Polizei – zu ermitteln und je mehr sie erfährt, desto verworrener werden die Stränge.

    Die deutsche Autorin Yngra Wieland ist selbständige Heilpraktikerin für Psychotherapie und legt mit „Jagdfieber“ nun den zweiten Band um die sympathische Psychologin Salome Liebeskind vor.

    Die Schreibweise ist flüssig und leicht zu lesen – mit Ausnahme der bayrischen Dialoge. Die Fachbegriffe werden meist mehrmals erklärt und sind gut in den Kontext gesetzt. Es wird zwar des öfteren Bezug auf Band 1 genommen, aber Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

    Mir hat der psychologische Fokus auf den Fall sehr gut gefallen; das Gesamtbild ist absolut stimmig und es erfüllte mich mit Freude, die Puzzlestücke schneller zusammengesetzt zu haben als die polizeilichen Ermittler oder Salome selbst. Yngra Wieland schafft es in diesem Kriminalfall, den Verfall von Familien sehr einprägsam zu schildern. Die Autorin ist einfach vom Fach und legt besonderen Wert auf ihre gut gezeichneten Figuren und deren Entwicklungen.

    Besonders mitgefiebert habe ich mit Salome; und daher freut mich das Ende des Buches sehr für sie. Derselbe polizeiliche Ermittler kam bereits schon im ersten Band vor; auch ihn und seine Probleme lernt man in diesem Krimi sehr ausführlich kennen. Etwas utopisch fand ich allerdings die geschilderte Frauenfreundschaft zwischen Tochter und Stiefmutter – aber gemeinsames Trauma verbindet wohl.

    Ein kleiner Wermutstropfen ist leider doch festzustellen: Was mir jedoch gar nicht gefallen hat und auch nicht wirklich genügend ausgearbeitet wurde, war die Nebengeschichte, die zum Selbstmord einer Influencerin führte.

    Ein sehr unterhaltsamer Krimi mit kleinem Abzug, den ich gerne weiterempfehle.
    Hummerjahre

    Beatrix Gerstberger
    Hummerjahre (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    07.09.2026

    Fulminante Fortsetzung einer wunderschönen Geschichte

    SIebzehn Jahre ist es her, seit Mina mit ihrer Tochter Luca und ihrem jetzigen Ehemann Carlos nach Seattle gezogen ist, nun kehrt sie zusammen mit ihrer Tochter, ihrem todkranken Vater Richard und ihrer Mutter JUdith zurück nach Eagle Island, wo sie auf Lucas Vater Sam trifft und vor einer Entscheidung steht. Auch für Judith bringt diese Reise Erinnerungen und Schuldgefühle zurück, denn ihre Handlungen damals haben das Leben ihres Sohnes zerstört, der mitschuldig an Ellis und Janes Sohn Jack war, der wiederum deren Ehe auseinanderbrachte. Und nicht zuletzt ist da auch Julie, Minas ZIehoma, die den Verlust ihres Mannes und ihrer besten Freundin Ann betrauert.....

    Nach ihrem fulminanten Romandebüt "Die Hummerfrauen" legt die Journalistin und nunmehr Bestseller-Autorin Beatrix Gerstberger nun den Nachfolgeband "Hummerjahre" vor. Obwohl es viele Rückblicke und Erinnerungen gibt, kann ich mir gut vorstellen, dass der volle Lesegenuss nur entsteht, wenn der erste Band bekannt ist.

    Gerstberger erzählt bildhaft und höchst einfühlsam und wechselt dabei regelmäßig die Perspektive zwischen ihren Hauptfiguren (als personale Erzählerin); ebenso wechselt sie auch die Zeiten und nimmt ihre Leser*Innen mit in die Vergangenheit. Die Wechsel sind klar gekennzeichnet und gut nachvollziehbar, so dass stets die Ordnung bleibt. Gerade durch diese Rückblicke werden Zusammenhänge geklärt, die im ersten Band noch in der Schwebe blieben, wie zum Beispiel Anns Vergangenheit und Trennung von ihrer großen Liebe Carolyn.

    Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Schilderungen und setzt nicht auf schnelle Schnitte und künstliches Drama, was absolut zum THema passt.Und ihre Botschaft dabei ist eindeutig: der Wert von Freundschaft und LIebe und der Vergebung von Schuld.

    Beatrix Gerstberger hat selbst einige Monate in einem Fischerdorf an der Ostküste der USA unter Hummerfischern gelebt und ist mit ihnen auf Fang gefahren. Das wir deutlich daran, wie intensiv und sensibel sie von der harten körperlichen Arbeit der Fischern schreibt und ihrer ausgeprägten Gemeinschaft.

    Während es in den "Hummerfrauen" in erster Linie um Freundschaft ging, wechselt Gerstberger hier nun langsam immer mehr zum Thema "LIebe". Mina, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss, dem verlässlichen, ruhigen Carlos und dem impulsiven Sam, für den sie mehr Leidenschaft verspürt, der sie aber auch immer mehr zerrießt. Judith, deren Liebe zu ihrem Mann Richard und ihrer Tochter Mina erst jetzt wirklich zu erkennen ist. Ellis, der immer nur eine Frau geliebt hat und diese von Herzen zurücksehnt. Und schließlich Julie, die ohne ihren Mann Nat und ihre beste Freundin Ann verloren scheint und ihren Platz neu sucht. Zuletzt Ann, deren verlorene Liebe Carolyn endlich thematisiert wird. Dabei schreibt die Autorin empathisch und liebevoll, aber auch melancholisch.

    Ihre Figuren sind mehrdimensional und mit viel Herz ausgearbeitet; ich habe es genossen, mit ihnen mitzulieben und mitzuleiden. Sehnsüchte nicht nur der Liebenden, sondern auch die vielfältigen Verlangen der vielen unterschiedlichen Bewohner von Maine sind aus dem Leben gegriffen und ich bin sicher, dass sich jede*r in ihnen wiederfindet. Beeindruckt hat mich bei der Lektüre, dass Gerstberger nicht wertet und keine ihrer Figuren verurteilt, auch, wenn diese durchaus schlechte Eigenschaften zeigen.

    Die immer wieder eingestreuten "Lebensweisheiten" (meine liebste ist: "Oft entscheiden wir nicht zwischen Richtig und Falsch, sondern zwischen zwei Versionen von Verlust. Wenn wir bleiben, verlieren wir etwas. Wenn wir gehen, auch. Jede Entscheidung schließt eine Tür, und deshalb fühlen sich selbst gute Entscheidungen manchmal traurig an.") klingen niemals plakativ oder billig, sondern passen perfekt zu den Figuren und der Handlung.

    Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch das Wiedersehen mit dem blauen Hummer Mr. Darcy, der zu guter Letzt seine Aufgabe erfüllt und sich im Hummerballett eingliedert.

    Meiner Meinung nach hat Beatrix Gerstberger sich mit ihrem zweiten Roman "Hummerjahre" noch einmal gesteigert. Mich hat dieser höchst atmosphärische Roman sehr berührt und ich empfehle ihn absolut weiter.
    Schön. Reich. Tot.

    Nadine Hostettler
    Schön. Reich. Tot. (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    06.09.2026

    Eine emotionale Familiengeschichte

    „Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; aber jede unglückliche Familie ist auf ihre besondere Art unglücklich.“

    Ein Ehepaar verstirbt bei einem tragischen Autounfall in der Mojave-Wüste. Zurück bleiben die drei Töchter des jetzt in zweiter Ehe verheirateten Vaters, die unterschiedlicher nicht sein könnten - und die sich nun mit sehr, sehr viele Fragen und Aufgaben konfrontiert sehen im ZUsammenhang mit einem möglichen Erbe.

    Die Schweizer Journalistin und Schriftstellerin Nadine Hostettler legt mit "Schön, Reich. Tot." ein umfassendes Werk vor, in dem zahlreiche Themen verarbeitet sind und dem über allem eine große Melancholie liegt.

    Der Roman ist in fünf große Abschnitte unterteilt, die nicht der zeitlichen Chronologie folgen, sondern immer ein anderes Familienmitglied der verschiedenen Generationen der Familie Borel unter die Lupe nimmt. Umrahmt wird dies jeweils von treffenden Zitaten. Während der Fokus klar auf den drei Schwestern liegt, kann man aber auch die Veranlagung der bösen Seele aufgrund schlimmer Taten in der Vergangenheit nachverfolgen. Für mich machte es dieses Konstrukt aber schwer zu lesen, denn viele Dinge, die aufgeworfen wurden, kamen zu keinem Abschluss und bei anderen fiel die Einordnung in den Kontext etwas schwer.

    Familiensagen sind spätestens seit Thomas Mann eine eigene literarische Kategorie - und auch hier werden verschiedenste Figuren in ihren Zeiten (der Roman beginnt in der Schweizer Uhrenstadt Aureole zu Beginn des Ersten Weltkriegs und endet nach der globalen Finanzkrise in Kalifornien), aber auch in ihren erlebten und vererbten Mustern hervorragend zu Leben erweckt. Der Transfer in die heutige Zeit erscheint geglückt.

    Der Schreibstil ist manchmal etwas sperrig und von großer Traurigkeit überlagert; Spannung ist eher nicht zu finden, obgleich ich diese nach dem ungeklärten Todesfall zu Beginn eigentlich erwartet hatte.

    Zentraler Angelpunkt ist dabei die Suche nach der eigenen Identität und dem Sinn des eigenen Lebens. Nadine Hostettler schafft es, das Scheitern, Aufstehen und Verzweifeln verschiedener Figuren – hauptsächlich Frauen – eindrücklich auf den Punkt zu bekommen. Aber auch das Streben nach Geld und Macht (sehr treffend am Vater der Schwestern verbildlicht, der nach Amerika kam, um vom Tellerwäscher zum Millionär zu werden) und dem Finden der Heimat sind weitere wichtige Aspekte des Romans und vieler Leser*Innen. Hier besonders einprägsam empfand ich die zweite Ehefrau des Vaters, die allein aufgrund ihrer Abstammung im weißen Amerika immer zu kämpfen hatte.

    Keine der Figuren würde ich als sympathisch bezeichnen, was auch Sinn der Sache zu sein scheint, doch mir das Mitfühlen sehr erschwerte. Die Fülle an nachvollziehbaren, aber auch völlig skurilen Figuren ist schier überwältigend und ich musste mich anstregenden, hier nicht den Überblick zu verlieren. Allerdings habe ich ein Problem mit der Drogenverherrlichung im Text.

    Auch wenn viele Fragen offen bleiben, ist das Ende für mich stimmig und zufriedenstellend.
    Jenseits des Scheins

    Anna Johannsen
    Jenseits des Scheins (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.09.2026

    Ein herausfordernder Vermisstenfall

    Der Mann einer Bundestagsabgeordneten wird vermisst. Zur Unterstützung werden die LKA Ermittler*Innen Hanna und Jan hinzugezogen. Dabei stoßen sie nicht nur auf Affären, Intrigen und Spendenaffären, sondern auch auf ein altes Vergehen. Bei so vielen Spuren müssen Hanna und Jan alles geben, um den Überblick zu behalten und den Nebel zu lichten - und auch privat steht einiges an. …
    „Jenseits des Scheins“ ist bereits der fünfte Band über Kommissarin Hanna Will und Kriminalpsychologe Jan de Bruyn der fleißigen SPIEGEL-Bestseller-Autorin Anna Johannsen, die abwechselnd verschiedene Reihen weiterschreibt. Auch dieser Krimi lässt sich problemlos ohne Vorkenntnisse lesen, auch, wenn sich gerade das Privatleben der Ermittler ständig weiterentwickelt.
    Schauplätze sind – wieder einmal - in ganz Niedersachsen; hier liegt der Schwerpunkt auf Goslar.
    Die Geschichte ist abwechselnd mit Schwerpunkt auf Jan oder Hanna geschrieben. Beim Lesen wirken die polizeilichen Ermittlungen sehr authentisch und Anna Johannsen schafft es geschickt, viele verschiedene Spuren zu legen. Allerdings tauchen gerade im Verhalten der Figuren, aber auch in der Storyline, der ein oder andere Widerspruch auf, der dann teilweise auch direkt zum richtigen Täter führt.
    Es kommen insgesamt unglaublich viele Figuren zum Vorschein. Teilweise scheinen diese aus den Vorgängerbüchern bekannt, aber ein Großteil ist neu. Jede dieser Figuren hat ganz eigene Interessen und Motive, und für die Kürze der Geschichte ist es extrem komplex aufgebaut und war manchmal für mich auch etwas verwirrend. Ich kann sehr empfehlen, beim Lesen auch ein Fallboard anzulegen.
    Mit Jan und vor allem Hanna bin ich nicht ganz warmgeworden, aber das liegt vermutlich größtenteils an meiner Unwissenheit der vier Vorgängerbücher. Hanna nervte mich größtenteils mit ihrem Verhalten in Hinsicht auf ihre privaten Probleme, die dann auch Einfluss auf ihre Arbeit fanden. Sehr schade fand ich, dass die Nebengeschichte mit Jans Sohn George, die den Anfang der Geschichte darstellte, noch komplett in der Schwebe hängt – ein Cliffhanger, der Lust auf den nächsten Band macht.
    Auffallend positiv gestaltete sich in diesem Krimi die Zusammenarbeit zwischen den LKA-Ermittlern Hanna und Jan und der regional zuständigen Stelle. Ich fand es wohltuend, hier einmal keine – wie in anderen Büchern so oft beschriebenen – Reibungsverluste zu sehen.
    Die möglichen Verdächtigen sind ein Potpourri aus jeder Schicht und mit jedem Hintergrund, was wirklich faszinierend eingearbeitet ist. Ein Problem habe ich allerdings mit der (wirklich überaus unsympathischen) Bundestagsabgeordneten: mir fällt es schwer zu glauben, dass eine Politikerin solchen Formats keine Backgroundchecks in ihrem direkten Umfeld macht. Ehrlicherweise musste ich bei ihr auch immer an eine real existierende Ministerin denken.
    Für mich etwas zu kurz kamen die psychologischen Hintergründe der einzelnen Motive und Figuren. Gerade durch die Diversität dieser, hätte man wunderbar eine weitere Ebene detailreicher aufarbeiten können – die Grundlagen sind jedenfalls vorhanden.
    Insgesamt ist „Jenseits des Scheins“ ein gut konstruierter Krimi, der mich bestens unterhalten hat und Lust auf weitere Bände der Reihe macht.
    Loving A Vampire Is Total Chaos

    Aura Hayes
    Loving A Vampire Is Total Chaos (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    02.09.2026

    Liebe ist chaotisch

    Celine ist enttäuscht von ihrer Mutter und verzweifelt mit ihrem schwer an Demenz erkrankten Vater. Nur wegen ihm ist sie zur Polizei gegangen. Frisch befördert wird sie mit dem schlimmsten aller Serienkiller konfrontiert.
    Zavier ist gelangweilt und tötet aus Spaß Kriminelle. Dabei hinterlässt er immer sein Symbol: einen Smiley mit Fangzähnen. Doch an seinem neuesten Tatort nimmt er ein neues Visier ins Auge - kann er wirklich nach über 300 Jahren seine Gefährtin gefunden haben? Er schleicht sich penetrant und humorvoll in ihr Leben.
    Doch was geschieht, wenn Celine herausfindet, dass ihr attraktiver Nachbar nicht nur ein Vampir, sondern genau der Mörder ist, den sie schnappen soll?

    Das Chaos im Titel ist ernst zu nehmen, denn die Geschichte ist chaotisch, schnell und aus zwei Perspektiven geschildert. Bei dem Tempo fiel es mir manches Mal etwas schwer mitzuhalten.

    Während Celine durchaus nachvollziehbar als Figur ausgearbeitet ist, kann ich Zavier so gar nicht fassen. Auf der einen Seite ist er super süß, anhänglich und humorvoll - und dann wieder ein gnadenloser, gelangweilter Killer. Auch die ein oder andere Beziehung mit Nebenfiguren ergibt für mich noch nicht wirklich Sinn – aber es stehen ja noch zwei Bände aus.

    Die Kombination aus Vampir und Ermittlerin klang wahnsinnig spannend, allerdings hat die Ausarbeitung einige Lücken, was ich schade finde. Dennoch bin ich super gespannt auf Band 2 – das Pairing wurde schon angeteasert.
    Battle of the Bookstores

    Ali Brady
    Battle of the Bookstores (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    25.08.2026

    NIcht nur für Bücherwürmer

    Ryan und Josie arbeiten fast Seite an Seite - und doch könnten ihre Buchläden nicht unterschiedlicher sein. Wo Josie auf echte Literatur und Struktur setzt, setzt Ryan auf diverse Wohlfühlatmosphäre und verkauft „nur“ Romance. Es könnte immer so weitergehen, hätte der Eigentümer der Läden nicht beschlossen, ein großes Buchcafé zu eröffnen, wofür er nur noch einen Buchhändler braucht. Ein erbitterter Wettstreit beginnt und kaum ein Fettnäpfchen wird ausgelassen. Doch ist das nicht einer der klassischsten der Romance Tropes?

    Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Josie und Ryan erzählt, wobei es auch viele Nachrichten der Beiden in ihren virtuellen Formen gibt. Auch hier zeigt sich immer, wie unterschiedlich die Beiden sind, denn Ryan schafft es so gut wie nie, eine Nachricht ohne Tipp- oder Rechtschreibfehler zu versenden.

    Wie schon die Kurzbeschreibung und der Titel vermuten lassen, bekommt man genau das auch geboten: eine buchnerdige Lovestory mit vielen Anspielungen auf weitere Tropes. Fans beider Genres werden hier auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen.

    Wunderschön fand ich die Zusammenfassung von Josies Mum, was das Genre "Romance" ausmacht: die Chance zu wachsen und einen Neuanfang zu wagen, denn „Liebe kann das perfekte Umfeld dafür schaffen, uns unseren Ängsten zu stellen“.

    Bei den Hauptfiguren wurde gut ins Detail gegangen, leider verblassen die Nebenfiguren da schnell. Hier hätte ich mir doch mehr Tiefe gewünscht. Dies gilt auch etwas für die vielen Nebenschauplätze, die angefangen wurden, wie beispielsweise lange Zeit fehlende Repräsentation von queeren Geschichten, Behinderungen oder Bindungsangst.

    "Battle of the Bookstores" ist eine unterhaltsame Lektüre, die nicht nur für Bücherwürmer und Leseratten zu empfehlen ist.
    Goodbye, Honeysuckle

    Tayari Jones
    Goodbye, Honeysuckle (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    24.08.2026

    Frauenleben

    Als Wiegenfreundinnen im ländlichen Louisiana der 1960er aufgewachsen, verbindet Niecy und Annie auch die Tatsache, dass sie beide ohne ihre Mutter und das Gefühl unerschütterlicher Liebe aufwachsen mussten. Fest entschlossen, dieses Loch zu stopfen, trennen sich ihre Wege: Annie sucht ihre Mutter in Memphis, während Niecy studieren geht und das Leben einer Schwarzen in der Stadt kennenlernt. Währenddessen schreiben sie sich und wissen, dass sie einander immer retten werden.

    Die Geschichte wird von beiden Frauen parallel erzählt und es gibt viele Briefe, die sie sich gegenseitig, aber auch anderen Figuren, schreiben. Dadurch haben ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten viel Raum sich zu zeigen und zu wachsen. Durch wenige Überschneidungen im Erwachsenleben liest sich das Buch teilweise wie zwei unterschiedliche Romane, aber wer Wahlfamilie an anderen Orten hat, weiß, wie eng dieses Band trotz weniger persönlicher Treffen ist.

    Das Stichwort "Wahlfamilie" beschreibt einige Verhältnisse in der Geschichte sehr gut, und hier hat es mir der ein oder andere Nebencharakter besonders angetan.

    Die vielfach ausgezeichnete US-amerikanische Schriftstellerin Tayari Jones schafft es, in ihrem Roman die Zeitgeschehnisse und unterschiedlichen Wege junger schwarzer Frauen zu der beschriebenen Zeit aufzuzeigen und authentisch zum Leben zu erwecken. Dabei urteilt weder sie noch ihr Text, und als Leser*In kann man entweder einfach mitfühlen oder sich selbst ein Urteil bilden. Wer jedoch wirkliche politische oder gesellschaftliche Tiefe erwartet (wie beispielsweise zu der studentischen Bewegung zu der Zeit), wird enttäuscht werden, da dies nur sehr am Rande thematisiert wird. Ein weiteres Thema, was zwar oft vorkam, aber nicht wirklich eingeordnet wurde, ist die gleichgeschlechtliche Liebe zu dieser Zeit.

    Für mich auch etwas enttäuschend war die Tatsache, dass die typische Südstaaten-Atmosphäre und ihre kulturellen Eigenheiten hier nur Randthemen sind, zwar mögen Niecy und Annie lieber den klassischen Maissirup als Ahornsirup, aber die Kultur hat mehr zu bieten als fantastisches Essen und Gottesfürchtigkeit.

    Dafür wird das Fehlen der Mutterliebe und die Angst, verlassen zu werden, sehr präsent und facettenreich erzählt. Beide junge Frauen versuchen, das entstandene Loch sehr unterschiedlich zu füllen und verletzten dabei nicht nur sich selbst, was sehr emotional aufwühlend zu lesen ist.

    Insgesamt ein sehr bewegendes Buch aber auch sehr anders, als ich es vom Klappentext erwartet hätte. Darum vergebe ich 3,5 Sterne.
    ALMANCI-Mädchen

    Tülin Sezgin
    ALMANCI-Mädchen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.08.2026

    Ein Leben mit Migrationshintergrund

    Tülin wurde in Berlin-Neukölln geboren, hatte aber von Geburt an den türkischen Pass. In Deutschland ist und bleibt sie Berlinerin mit Migrationshintergrund, doch auch in der Türkei ist sie nicht einfach eine Türkin, sondern ihre Abstammung wird ebenfalls negativ goutiert. Ein Leben im ständigen Spagat zwischen Anpassung und dem Finden eigener Identität, was in der Verbeamtung Tülins gipfelte – so ziemlich das Deutscheste, was es gibt.

    In den einzelnen Kapiteln erzählt Tülin Sezgin ihre eigene Lebensgeschichte, immer mit dem Fokus auf einen bestimmten Aspekt, den sie gelernt hat oder bei dem der Kulturclash besonders deutlich wurde. Dabei werden selbst schlimme Erfahrungen humorvoll beschrieben.

    Klischees auf beiden Seiten werden aufgezeigt, aber auch deren Hintergründe. Labels sind in der heutigen Zeit allgegenwärtig und Tülin Sezgin zeigt, wie man sich das eigene Label zurückerobern kann und das Beste daraus macht – eine sehr ermutigende Aussage, nachdem man sie fast 241 Seiten bei der Suche nach ihrer Herkunft und Zugehörigkeit erleben durfte.

    Auch wenn es bei weitem nicht die schlimmste Situation im Buch war, hat es mich wirklich schockiert, wie Tülin im Kindergarten über die Fleischsorte beim Mittagessen angelogen wurde.

    Ein berührendes Buch, was absolut empfehlenswert ist für jeden! - und viele Probleme, aber auch Lösungen aufzeigt.
    Lovestruck Cottage

    Lea Melcher
    Lovestruck Cottage (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    24.08.2026

    Wohlfühlroman für zwischendurch

    Poppy Williams glaubt nicht an die Liebe; auch, weil ihre Eltern, die sich im Lovestruck Cottage verliebten, geschieden sind. Darum schreibt sie ein Buch über überschätzte LIebesnester und das Cottage soll den krönenden Abschluss ihres Verisses bilden. Als sie sich dort einquartiert, auch um ihrer Schweter und ihrem Schwager bei der Planung einer Adels-Hochzeit zu helfen, verliebt sie sich zwar in den Besitzer August, vermutet aber dennoch Betrug hinter den eigenmächtigen Handlungen des Cottages, das Blumen blühen lässt, Türen aus dem Nichts entstehen lässt und vieles mehr. Und auch August geht auf Abstand zu Poppy ....

    Lea Melcher ist eine deutsche Autorin und Illustratorin, und so ist auch das Titelbild wunderbar gestaltet.

    Abwechselnd lässt Melcher ihre Hauptfiguren Poppy und August von den Geschehnissen und ihren Gefühlen berichten, im Hörbuch wunderbar eingesprochen von Nora Jokhosha und Florens Schmidt.

    Die Handlung lebt von vielen Klischees, einer ordentlichen Portion Magie, rätselhafter Geschichte, niedlichen Tieren und der Liebe, wobei es meiner Meinung nach die spicy Szenen, die irgendwie abrupt wirkten, nicht gebraucht hätte und die insgesamt einigermaßen vorhersehbar ist. Die skurrilen Situationen konnten mir manches Auflachen bescheren. Das alles macht hier einen schönen Wohlfühl-Roman ohne großen Anspruch aus, der der Seele gut tut und sich angenehm lesen bzw. hören lässt.


    Interessanterweise bringt sogar das Happy-End noch eine besondere (diverse) Überraschung mit sich.

    Wer sich in diesen Zeiten einfach mal etwas berieseln lassen möchte ohne groß Nachdenken zu müssen, ist hier absolut richtig.
    Querfeldein

    Alex Capus
    Querfeldein (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.08.2026

    Ein Gasthaus, Schmuggel und lebendige Figuren

    Nachdem Arnold lange durch die Gegend gezogen ist und niemals länger als 100 Tage an einem Arbeitsplatz verweilte, war ihm - eher unfreiweillig - das Glück im Casiono hold und Arnold wird sesshaft. Im kleinen Dorf Ramsen an der Schweizerischen-Deutschen Grenze eröffnet der fleißige Arnold ein Gasthaus, dem die Witzbolde des Ortes den Namen "zur Moskau" verpassen. Im Vertrauen darauf, dass sich alles finden wird, wartet er auf eine Frau - und heiratet die zufällig vorbeireitende Betty, mit der er acht Kinder bekommt. Die älteste Tochter, die schräge Clara, hat den unsteten Charakter ihrer Mutter geerbt und führt ein ebenso sprunghaftes Leben, bis sie sich in den Schmuggler Hermann verliebt. Doch dieser bringt die uniformierten Deutschen gegen sich auf und es kommt zum Drama ....

    Als Setting hat der schweizer Schriftsteller Alex Camus die Gemeinde Ramsen im heutigen Kanton Schaffhausen gewählt, die direkt an der Grenze zu Deutschland, nahe Singen gelegen ist. Diese gibt es tatsächlich, genau wie den Weiler Moskau dort, und nicht nur das erweckt in jedem Augenblick den Eindruck, die von Alex Camus erzählte Geschichte hätte sich genau so zugetragen und sei wahr.

    Als neutraler Beobachter erzählt Camus von den Ereignissen, die sich vor über 100 Jahren zugetragen haben; dabei kennt er jedoch höchsten die Gedanken und Gefühle von Arnold; insbesondere die Frauen Betty und Clara werden in ihrer unsteten Art von Geheimnissen umhällt. Trotzdem empfand ich die besondere Art, Menschen zu beschreiben, mit genauem Blick auf ihre hervorstechenden Eigenschaften oder besser gesagt Eigenarten, als überaus liebevoll und sie machte mich neugierig, immer mehr erfahren zu wollen und das Buch nicht mehr aus der Hand zu legen. Selbst die Nebenfiguren wurden mit wenigen Worten so überaus treffend beschrieben, dass ich ein genaues Bild vor Augen hatte.

    Begeistert hat mich auch wieder einmal der Sprachstil: Camus schreibt mit feiner Wortwahl, ohne dabei prätentiös zu wirken. Das Bildhafte und vor allem der feinsinnige Humor haben mich voll in ihren Bann gezogen und ich ertappte mich so manches Mal dabei, wie ich still vor mich hin lächelte.

    Eine Besonderheit stellt in diesem Buch der Schluss dar: das Drama um Hermann und die daraus entstehenden diplomatischen Verwicklungen zwischen der Schweiz und Deutschland werden zwar aufgelöst, dennoch bleibt das Ende im Ungewissen Doch selbst das vermag ich nicht zu kritisieren.

    Eigentlich erzählt Alex Camus auch in "Querfeldein" wieder eine kleine Geschichte, die sich an tausenden Orten zugetragen haben könnte oder sogar zugetragen hat, aber dies mit einer solchen Empathie und Liebe zu seinen Figuren, die auf den ersten Blick äußerst schräg wirken, aber die man dann doch auch aus der Realität zu kennen glaubt, genauesten Beobachtungen des Lebens im Allgemeinen und Besonderen und dazu in wunderschöner Sprache, dass ich wieder einmal in meiner Meinung bestötigt wurde, Camus zu meinem LIebelingsschriftstellern zu zählen!
    Für mich nichts anderes als eine klare Leseempfehlung.
    Das Geheimnis der Frauen

    Sonja Roos
    Das Geheimnis der Frauen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.07.2026

    Eine emotionale Familiengeschichte

    1945. Im kleinen Örtchen Giesenbach im Westerwald leben nur noch die Frauen; alle Männer sind im Krieg. Die Schwestern Hanni und Grete, deren 10jähriger Sohn Max mehr an seiner Tante hängt, führen den "Dorfkrug" mehr schlecht als recht weiter. Als ein englischer Bomber abgeschossen wird, findet Hanni den Piloten James und versteckt ihn vor den Nazis.
    2014. Max, inzwischen verwitwet, ist seinen Enkelinnen Lulu und Malin ein liebevoller Großvater. Als Lulu ihre Anstellung in einem Sylter Feinschmeckerrestaurant hinwirft, damit auch ihren Chef und Lebensgefährten Volker verlässt und nach Giesenbach zurückkehrt, entsteht die Idee, dass sie den inzwischen von ihren Eltern aufgegebenen "Dorfkrug" übernimmt und zum 750jährigen Dorfjubiläum neu eröffnet. Als Lulu und Marlin bei ihrem Großvater auf einen Stapel ungeöffneter Briefe stoßen, ist ihre Neugier geweckt und sie versuchen, ein lang gehütetes Familiengeheimnis aufzudecken......

    "Das Geheimnis der Frauen" ist ein wunderbarer Roman der deutschen Redakteurin und Schriftstellerin Sonja Roos, die das Setting in ihre Heimat, den Westerwald, gelegt hat.

    Sonja Roos schreibt flüssig, bildhaft und emotional und lässt die beschriebenen Szenen leicht lebendig werden vor den Augen ihrer Leser*Innen.Nicht nur wegen eines ungelösten Todesfalls im Prolog, gelingt es der Autorin, schnell Spannung aufzubauen und diese durchgehend hoch zu halten. Nach und nach werden immer mehr Details und ZUsammenhänge aufgedeckt, bis bei einer dramatischen FAmilienzusammenführung am Ende alles zu zerbrechen droht.

    Erzählt wird die Familiengeschichte in zwei Zeitebenen; dabei wird die Vergangenheit von einer neutralen Erzählperspektive aus geschildert, während in der Gegenwart Lulu die Ich-Erzählerin ist. So sind beide Ebenen klar voneinander abgegrenzt; viele Kapitel enden mit einer Art Cliffhanger, so dass man das Buch kaum aus der Hand zu legen vermag und schnell alles erfahren möchte.

    Die Figuren sind authentisch gezeichnet und insbesondere die Hauptfiguren wirken mehrdimensional; ich fühlte fast sofort eine tiefe Verbindung zu den sympathischen Figuren Lulu, Hanni und James, dem englischen Piloten sowie dem älteren Max, der nach dem Tod seiner geliebten Frau keine neue feste Bindung eingehen kann oder will. Grete ist sicherlich eine Figur, über deren Verhalten sich diskutieren lässt, doch ich fühlte MItleid mit dieser Frau, die einerseits für ihre Familie ihren Körper opferte, andererseits aber kaum ihre wahren Gefühle auszudrücken vermochte und viel missverstanden wurde, bis sie schließlich an den Folgen zerbrach und großes Leid nicht nur über Hanni brachte. Positiv hervorheben möchte ich, wie selbstverständlich Sonja Roos mit Marlin und Sarah ein queeres Paar in der Familie etabliert hat.

    Wirklich überragend ist meiner Meinung nach, wie Sonja Roos das (Über-)Leben in einem kleinen Dorf während des Zweiten Weltkrieges schildert.:Der tägliche Alltag und die Probleme, Nahrungsknappheit, verschiedene Ängste und die konkrete Todesangst während der Bombenangriffe, die mit wenigen ruhigen Worten geschildert wurden und mir doch so nahe gingen. Und immer wieder das Auftreten der Nazis, die selbst noch kurz vor Kriegsende ihre Macht missbrauchten und grausam agierten. Die Stärke der Frauen, die in diesen Zeiten über sich hinauswuchsen und immer wieder zu Lachen und Fröhlichkeit fanden, großer Mut Einzelner, Zusammenhalt aller, was dem Grauen des Krieges gegenüberstand. Das ist echte und emotionale Geschichtskunde, die neben den Schlachten oft vergessen wird. Und wie sich daraus eine Spachlosigkeit, ein Schweigen entwickelte, das in einem so großen Familiengeheimnis mündete, das noch viele Jahrzehnte später eine solche Macht hatte - und aus dem sich die Lehre ziehen lässt, dass das Miteinander Reden so wichtig ist.

    Ein kleiner Kritikpunkt für mich war, dass die Autorin in der Handlung einige Details ausgespart hat, um die Handlung schnell voranzutreiben, an denen sich mein logisches Denken jedoch aufgehängte - doch das ist sicher verschmerzbar.

    "Das Geheimnis der Frauen" ist ein Buch, das mich emotional gepackt und sehr gut unterhalten hat - und auch dabei hilft, die Grauen des Krieges nicht zu vergessen, damit wir uns mit aller Macht gegen zukünftige stemmen können.
    Bauernopfer für Norddeich

    Dirk Trost
    Bauernopfer für Norddeich (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    27.07.2026

    Steckt mehr hinter der Entführung der Firmenchefin von VentoNova?

    Als die Firmenchefin Ilona Hansen samt Fahrzeug und ihrer Fahrerin verschwindet, geht die Polizei sofort von einer Entführung aus und der ehemalige Anwalt Jan de Fries wird vom Familienanwalt der Hansens als Lösegeldbote vorgeschlagen. Trotz guter Vorbereitung endet diese Übergabe allerdings in einer Katastrophe und Jan, der schnell als Schuldiger ausgemacht wird, beginnt auf eigene Faust weiter zu ermitteln. Dabei gerät er bald selbst in Lebensgefahr ....

    Der deutsche Autor Dirk Trost legt mit "Bauernopfer für Norddeich" bereits den 13. Fall um den sympathischen Jan de Fries vor, der eigentlich als Privatier und Pro Bono Anwalt sein Leben mit seinen Freunden an der Küste genießen möchte. Auch dieser Fall lässt sich problemlos ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände lesen, wenngleich es auch einige Anspielungen auf frühere Fälle und Erlebnisse gibt. Selbst die bekannten Figuren werden sehr gut eingeführt und zum Leben erweckt.

    Genau wie der aus Gelsenkirchen stammende Klaus-Peter Wolf bringt der ehemailie Duisburger Dirk Trost seine Liebe zu Ostfrieslanf aufs Papier. Es gibt eine Menge Lokalkolorit und typische Ostfriesen - und besonders schön ist in diesem Band das Geschehen in Norden beschrieben (ich sah den Kreisverkehr vorm Teemuseum, das ich erst vor kurzem besuchte, direkt vor mir) und die VentoNova Windwerke in Norddeich erinnern an die riesige Offshore-Firma Ørsted, die aber selbstverständlich nichts mit den geschilderten Geschehnissen zu tun hat.
    Allerdings geht es in diesem Band stellenweise recht brutal zur Sache und es fließt eine ganze Menge Blut, was man zunächst einmal nicht im beschaulichen Ostfriesland erwartet.

    Dirk Trost schreibt flüssig und anschaulich und auch mit einer guten Portion Humor in der Ich-Perspektive.
    Die Geschichte entwickelt sich langsam und in der ersten Hälfte werden zwar Fragen aufgeworfen, doch es gibt noch viele Beschreibungen, Überlegungen und Beziehungen, doch spätestens ab der Lösegeldübergabe geht es rasant weiter bis zu einem dramatischen Showdown auf See, DIe Motive für die Taten überraschten, waren absolut schlüssig.

    DIe Figuren sind gut gezeichnet und wirken authentisch. Insbesondere Jan und die Ermittlerin Doro hatte ich schnell ins Herz geschlossen; Jans dicker Berner Sennenhund Motte ist eine gelungene Ergänzung; man muss ihn einfach gern haben oder über ihn schmunzeln.

    Gerne möchte ich an dieser Stelle ergänzen, dass auch das Cover (mit der bedrohlichen Atmosphäre über der Nordsee und dem Offshore PArk) sehr gelungen ist - und sich der Titel aus dem Buch heraus treffend erklärt.

    "Bauernopfer für Norddeich" hat mich wieder einmal gut unterhalten und ich empfehle es gerne weiter.

    Ein unglücklicher Tod

    Peter Grainger
    Ein unglücklicher Tod (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.07.2026

    Gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe

    Seine Vorgesetzten bei der Norfolk Police würden DC Smith gerne in Rente schicken, doch dieser lebt für seinen Beruf. So teilt man ihm eine Routineermittlung und den jungen Anwärter Chris Waters zu. Im Rahmen seiner akribischen Ermittlungen stößt DC Smith schnell auf Ungereimtheiten und zweifelt an einem einfachen Bade-Unfall des 17jährigen Wayne Fletcher ....

    Der britische Lehrer und Autor Peter Grainger hatte seine Serie um den charakterstarken DC SMith bereits als Selfpublisher verlegt; nun erscheint mit "EIn unglücklicher Tod" der erste Band endlich auf Deutsch im Diogenes Verlag, dem bald weitere folgen werden.

    Peter Grainger schreibt flüssig in klassischer englischer Krimi-Manier im Stile der beliebten "Police Procedural", in denen Ermittlungsmethoden und Polizeiarbeit, aber auch persönliche Traumata der Ermittler im Vordergrund stehen. Anfangs wollte ich beim Lesen kaum glauben, dass dies der erste Band einer Serie ist, denn immer wieder gibt es Anspielungen auf die Vergangenheit des Ermittlers und ein internes Ermittlungsverfahren, das aber recht lange im Dunklen bleibt. Smith ist der kauzige Einzelgänger, der in akribischer Arbeit immer mehr Details ans Licht bringt, so dass der Tod des Jungen bald weite Kreise zieht. Wenn die Geschichte auch langsam beginnt, steigt die Spannung im Laufe immer weiter an und nimmt einige überraschende Wendungen, bevor es zur Aufklärung kommt. Blutige Grausamkeiten oder spektakuläre Heldentaten sucht man hier vergebens.

    Gut gefallen hat mir auch das Zusammenspiel zwischen dem "alten Hasen" und dem jungen Waters, der klaglos die langweiligeren Tätigkeiten auf sich nimmt und begierig an Smiths Lippen hängt, dabei dennoch nie devot oder dumm wirkt - im Gegenteil. Auch der immer wieder aufploppende, teils schwarze Humor war ganz nach meinem Geschmack.

    Die Haupt-Figuren sind mehrdimensional und gut gezeichnet und konnten brillieren; gemeinsam mit dem überrschenden und gut konstruierten Todesfall führten sie zu großem Lesevergnügen.

    Der Vollständigkeit halber soll noch erwähnt werden, dass DC Smith im beschaulichen Kings Lake in der britischen Grafschaft Norfolk ermittelt, die ein schönes Setting abgibt.

    "Ein unglücklicher Tod" von Peter Grainger ist ein großartiger Krimi, der mich gut unterhalten hat; ich freue mich schon auf die Folgebände!
    Wer blind vertraut

    Tessa Duncan
    Wer blind vertraut (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.07.2026

    Herausragend

    Die hochschwangere Psychotherapeutin und ehemalige Polizeipsychologin Lily Brown möchte in ihrer therapeutischen Praxis eigentlich kürzer treten, dennoch nimmt sie zwei neue Patientinnen an: Zum einen die traumatisierte und suizidale Mary-Ann, deren ältere Tochter Laura vor drei Jahren spurlos verschwand und die nur unter dem Druck, ihre kleine Tochter nicht an die Fürsorge zu verlieren, der Therapie zugestimmt hat und sich im Laufe der Sitzungen in ständige Widersprüche verwickelt, zum anderen die verwitwete, selbstbewusste Caroline, die auf dem Friedhof von dem Heiratsschwindler Paul angesprochen wurde und ihm größere Summen Geld anvertraut hat. Von den Schilderungen getriggert, beginnt Lily eigene Nachforschungen und gerät schon bald selbst in Lebensgefahr ….

    Die deutsche Bestseller-Autorin Marita Spang, die unter dem Pseudonym Marie Lacrosse bereits zahlreiche historische Romane veröffentlicht hat, legt nun mit „Wer blind vertraut“ den dritten Spannungsroman aus der Reihe der „Canterbury Fälle“ vor, die unter ihrem Pseudonym Tessa Duncan erscheinen. Auch dieser ist in sich abgeschlossen und kann ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände gelesen werden – wobei der Lesegenuss natürlich größer ist, wenn man die Vorgeschichte Lilys kennt und ihre persönliche Entwicklung wie auch die Evolution ihrer Beziehung miterlebt.

    Hervorzuheben ist dabei, dass die Autorin selbst eine umfangreiche berufliche Expertise und Erfahrung als Psychologin und Psychotherapeutin aufweisen kann, die sie in die Handlung mit einfließen lässt. Dadurch wirken die Figuren und die geschilderten Geschehnisse absolut authentisch und der Krimi überzeugt durch seine psychologische Tiefe, auf die Tessa Duncan ihren Schwerpunkt gelegt hat.

    Schauplatz dieser Reihe ist vor allem die historische Stadt Canterbury und die Autorin führt ihre Leser*Innen hier diesmal u. a. auf alte Friedhöfe; ein besonderes Setting für diesen düsteren Roman.

    Tessa Duncan hat einen wunderbar flüssigen und bildreichen Erzählstil, der hervorragend zu lesen ist. Dabei muss auch der hohe Spannungsbogen hervorgehoben werden, der mit immer neuen Erkenntnissen und Wendungen zu überzeugen weiß, bevor es schließlich zu einem nervenaufreibenden Showdown und einem schlüssigen Abschluss kommt. Und – wie der Titel schon aussagt – weiß weder Lily noch ihre Leser*Innen, wem man eigentlich noch vertrauen kann, was einen zusätzlichen Kick ausmachte.

    Die einfühlsam geschilderten, doch bedrückenden Themen wie psychische Manipulation, häusliche Gewalt und Missbrauch, Femizide, das Messi-Syndrom und weitere haben mich tief berührt und gefesselt und sind dabei manchmal nur schwer zu ertragen, doch die psychologischen Hintergründe der Täter und ihren Taten bieten einen echten Mehrwert.

    Im Mittelpunkt der Handlung steht erneut Lily Brown – Psychotherapeutin und ehemalige Polizeipsychologin. Durch ihre sensible, aber analytische Art gelingt es ihr, ein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihren Patientinnen aufzubauen. Und selbst lange Zeit ohne die Unterstützung der Polizei lebt sie ihre ermittlerischen Instinkte aus und verstrickt sich tiefer in die Fälle, als gut für sie ist – und erzielt beeindruckende Erfolge. Lily ist eine äußerst sympathische Hauptfigur, die man – wenn schon nicht als Freundin – gerne als Therapeutin hätte. Sie wirkt unverfälscht und glaubhaft und ich leide stets auch mit ihr mit.
    Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit Lilys Partner – und Vater ihres Kindes - Dan, der sich allerdings nicht von seiner Noch-Ehefrau lösen kann und damit für weitere Verwicklungen und Ärger sorgt, die die Psychologin Lily nicht so einfach lösen kann sowie Lilys Kater Mick, der einen eigenen Katzenkrimi durchzustehen hat und Lilys Nachbar Gerald O’Brian. Obwohl Tessa Duncan auch hier bei den privaten Entwicklungen komplexe psychologische Probleme aufgreift, waren diese Passagen dabei schon fast erholsam für mein durch die belastenden Themen strapaziertes Nervenkostüm.

    Bereichernd ist auch einmal mehr das Nachwort der Autorin. Hierin verbindet Tessa Duncan ihre fiktiven Handlungsstränge aus dem Spannungsroman mit realen Kriminalfällen und psychologischen Ausnahmezuständen und sorgt somit für erneute Gänsehaut, wenn festzustellen ist, dass die Realität oft mindestens so grausam wie jede erdachte Geschichte sein kann. Die geschilderten Gräueltaten hallen noch lange nach!

    Das Erzähltalent der Autorin, die authentischen Figuren zusammen mit der psychologischen Tiefe und den spannenden Kriminalfällen heben „Wer blind vertraut“ aus der Masse der Krimis und Thriller heraus und ergaben wieder einmal ein absolutes Lese-Highlight für mich, das ich unbedingt weiterempfehle (sofern man die furchtbaren Taten ertragen kann)!
    Kurbad Hiddensee - Meeresleuchten

    Annette Weber
    Kurbad Hiddensee - Meeresleuchten (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.07.2026

    Ein Kuraufenthalt Plus auf Hiddensee

    1921 treffen im Kurbad "Zur Sommerfrische" auf der Insel HIddensee drei junge Frauen aufeinander: Während Edith von Ulmenau, die an einem rätselhaften Husten leidet, und die junge Wally Rose, die sich als ihre Herrin ausgeben muss, die mit ihrer heimlichen LIebe auf Reisen gegangen ist, sich ein Zimmer teilen, arbeitet Mette als Oberschwester in der Kurklinik. Schnell verbindet die Frauen eine tiefe Freundschaft. Und auf die unterschiedlichsten Arten machen alle drei die Bekanntschaft mit der LIebe - doch kann das bei den ungleichen Voraussetzungen gut gehen?

    Die norddeutsche Autorin Annette Weber legt nach zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern, aber auch Theaterstücke und Kurzgeschichten sowie zeitgenössischen LIebesromanen , mit "Kurbad Hiddensee - Meeresleuchten" den Auftakt einer neuen Reihe vor, die ihre Leser*Innen in das Kurbad Hiddensee zur Sommerfrische führt.

    MIt leichter Hand lässt Annette Weber ihre Leser*Innen nicht nur die wunderschöne Insel erkunden, sondern beschreibt auch das Kurgeschehen von vor ca. 100 Jahren. Manchmal musste ich schmunzeln, wie sehr das beschriebene Gesundheitsprogramm schon damals dem heiutigen Programm ähnelt mit Gymnastikgruppen, Inhalationen, Bädern, Tränken usw. Gut eingefangen hat Weber auch die typischen Denk-, Fühl- und Verhaltensweisen der Gesellschaft in den frühen zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. (Da wurde wieder einmal deutlich, wie glücklich wir Frauen im 21. Jahrhundert uns schätzen dürfen in vielen Belangen.)

    Dabei gelingt es der Autorin, höchst unterhaltsam zu erzählen und viel Spannung aufkommen zu lassen, denn die Geschichten der drei Hauotfiguren kommen nicht ohne Drama aus, das letztendlich jedoch aufgelöst werden kann in einem - teilweise außerordentlich überraschenden - Happy End.

    Im Mittelpunkt stehen mit einem DIenstmädchen, einer Krankenschwester und einer Adligen drei vollkommen unterschiedliche Frauenfiguren mit den verschiedensten Hintergründen; doch alle eint das Ziel, glücklich zu sein und ihr Leben in eine positive Richtung zu bringen. Alle drei machen eine Entwicklung durch, die glaubhaft beschrieben ist und in die Zeit passt, in der Frauen noch in starken Abhängigkeiten standen. Doch alle zeigen eine große Stärke und behaupten sich schließlich nach etlichen Hindernissen.
    Besonders schön dabei fand ich, dass nicht nur die LIebe als einziges Ziel ausgemacht wird, sondern auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frauen. Die Männer sind in Teilen doch eher Staffage und treten hinter den starken Frauen zurück.
    Über das ein wenig zu rührselige Ende sehe ich da gerne hinweg.

    Mich hat dieser leichte, aber nicht kitschige Sommerroman gut unterhalten und ich hoffe, dass Annette Winter mich bald wieder nach Hiddensee entführt. Gespannt bin ich auch, ob Edith, Wally und Mette dann auch im nächsten Band der Reihe die Hauptfiguren sein werden, oder ob weiter die Kurklinik im Mittelpunkt stehen wird.

    Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln

    Florian Schwiecker
    Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.07.2026

    Moderner, unfassbar spannender Kampf Gut gegen Böse

    Eine Gruppe von Cyberterroristen namens "Timeout" erpresst die EU, indem sie die Kontrolle über das Galileo Satellitensytem übernommen hat. Während der erste Angriff nur einen kurzen Ausfall der Navigationssysteme bedeutete, sind bei jedem weiteren größere Schäden feststellbar; schließlich könnten die Angriffe auf Navigation, internationale Börsen oder sogar militärische Anwendungen verheerende Folgen haben. Die Sicherheitsbehörden können die Überfälle nicht abwehren. Mehr durch Zufall stößt die IT-Fachfrau und Hackerin Charlie zum Sicherheits-Team dazu. Sie entscheidet sich, die von ihr programmierte Künstliche Intelligenz KIM zur Unterstützung einzusetzen und stößt auf alarmierende Informationen....

    Der Autor und Jurist Florian Schwiecker ist einer breiten Leserschaft bereits bekannt durch die Justiz-Krimi-Reihe um den Anwalt Rocco Eberhardt und den Rechtsmediziner Dr. Justus Jarmer, die er gemeinsam mit dem deutschen Rechtsmediziner und Bestseller-Autor Michael Tsokos geschrieben hat. Als Experte für Künstliche Intelligenz bringt Florian Schwiecker nun eine neue Reihe um auf den Markt um das kongeniales Duo aus der jungen Hackerin Charlie und die von ihr selbst programmierte künstliche Intelligenz KIM, zu der "Code Null. Dieses Spiel kennt keine Regeln" den Auftakt bildet,

    Dass Schwiecker weiß, von was er schreibt, ist mehr als deutlich. Und gerade die Tatsache, dass alles Geschilderte real und möglich erscheint, macht die Handlung so nervenaufreibend, dass ich als Leserin KI mit Skepsis betrachten muss.

    Der flüssige Schreibstil und die kurzen Kapitel peitschen die Leser*Innen geradezu durch die Handlung, zusammen mit wechselnden Sichtweisen. Dazu kommen immer wieder neue Wendungen und die Tatsache, dass man bald nicht mehr weiß, wem man überhaupt noch trauen kann, treiben die Spannung auf ein fast unerträgliches Maß, so dass ich einfach die Nacht durchlesen musste, um zu erfahren, ob unsere Welt überhaupt noch zu retten ist. Das Ende war schlüssig und dennoch überraschend - und teaste ein Nachfolgebuch an, auf das ich mich schon sehr freue.

    Es liegt in der Natur der Sache, dass Schwiecker viele Fachausdrücke nutzt und Tätigkeiten beschreibt, deren Vokabular mir fremd ist. Das konnte meinen Lesefluss aber nicht stören; die Handlung blieb verständlich, auch, wenn ich möglicherweise Details nicht verstanden habe, Ein Glossar wäre dennoch schön gewesen.

    DIe Hauptfigur Charlie ist durchaus mehrdimensional angelegt und war mir von Beginn an überaus sympathisch, so dass ich mit ihr mitgefiebert und mitgelitten habe; und selbst die KI KIM ist so beschrieben, dass sie menschlich und sympathisch wirkt. Doch der Gedanke, was passieren würde, wenn die KI einmal NICHT auf der Seite der "Guten" steht, wollte mich nicht loslassen.

    Andere Figuren blieben durchaus geheimnisvoll oder wechselten die Seite, was den Thrill erhöhte.

    Florian Schwiecker ist es gelungen, ein hochaktuelles, brisantes Thema in einen atemberaubenden (Tech-)Thriller zu verwandeln, der wegen seiner Intensität noch lange nachwirkt - und darüberhinaus zum Nachdenken anregt.
    Der Tote auf dem Kniepsand

    Anna Johannsen
    Der Tote auf dem Kniepsand (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.07.2026

    Realistischer Krimi auf Amrum

    Als der 35-jährige Dennis Claasen tot am Kniepsand gefunden wird, werden die Hauptkommissarin Lena Lorenzen und ihre Kollegin Naya Olsen für die Ermittlungen nach Amrum geschickt. Erbstreitigkeiten Dennis' oder auch seine Frauengeschichten könnten ein Motiv ergeben, aber offenbar hatte CLaasen auch mit den am Strand angespülten Drogenpäckchen zu tun.....

    In ihrer Krimireihe "Die Inselkommissarin" lässt die norddeutsche Bestsellerautorin Anna Johannsen ihre Hauptkommissarin Lena Lorenzen überwiegend auf den nordfriesischen Inseln ermitteln. In dem nun schon dreizehnten Band führt der Weg nach Amrum, wo Lena ihre KIndheit verbracht hat.

    Obwohl ich die vorherigen Bände nicht kannte, konnte ich mühelos in die Geschichte einsteigen; FIguren und ihre Beziehungen waren mir schnell vertraut. Trotzdem hätte mir ein Personenverzeichnis gut gefallen, da sehr viele Figuren auf die ein oder andere Weise an den Ermittlungsarbeiten beteiligt sind.

    Anna Johannsen schreibt flüssig und auf das Wesentliche reduziert; ein Schwerpunkt liegt auf der soliden Polizeiarbeit. Obwohl die Spannungskurve erst im letzten Drittel ansteigt, habe ich mich auch vorher zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, sondern die realistisch scheinenden Ermittlungen der Polizistinnen mit Interesse verfolgt. Die Aufklärung des Falles konnte mich überraschen, obwohl es vorher bereits HInweise gegeben hatte. Zahlreiche Wendungen und immer wieder neue Fingerzeige, denen die Ermittlerinnen nachgingen, waren gut durchdacht.

    Gut gefallen hat mir, dass in dieser Reihe gleich zwei Polizistinnen die Hauptfiguren sind, die sich gegen teils misogyne Kollegen durchsetzen müssen. Sie waren gut gezeichnet und mir sofort sympathisch. Ihr Privatleben hat mich dagegen nicht ganz abholen können; es wurde immer wieder angesprochen, erschien mir aber weder die Handlung noch ihre Beziehungen voranzubringen.

    Auch das Setting auf Amrum spielte kaum eine Rolle.Wirklich etwas über die Insel, die ich leider noch nie besucht habe, konnte ich nicht erfahren.

    "Der Tote auf dem Kniepsand" ist ein solider Krimi mit tollen Hauptfiguren, der mich gut unterhalten hat und Lust auf weitere Bücher der Autorin macht!
    Bin in der Lebensmitte. Komme klar.

    Tanja Mairhofer
    Bin in der Lebensmitte. Komme klar. (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    07.06.2026

    EIn Mutmachbuch für Frauen, die aus dem Gröbsten heraus sind

    Die österreichische Autorin Tanja Mairhofer ist vielen als (TV-) Moderatorin und Schauspielerin bekannt, u.a. durch "DIe Sendung mit dem Elefanten", in denen sie sich mit Sachthemen befasst. Ihr erstes (ERwachsenen-) Buch war der 2017 erschienene Anti-Ratgeber "Schluss mit Muss", in dem sie dem allgemeinen Selbstoptimierungswahn eine klare Absage erteilt. Hieran schließt sich nun folgerichtig ihr Buch "Bin in der Lebensmitte. Komme klar" an.

    in diesem Buch beschäftigt sich Mairhofer mit einer großen Anzahl von Themen (allein das Inhaltsverzeichnis umfasst vier Seiten!), die Frauen in der Lebensmitte beschäftigen: Von hormonellen Veränderungen, Blasenschwäche bis hin zum INvestieren in ETFs ist wirklich alles vertreten; dabei ist es nur natürlich, dass die Autorin nur an der Oberfläche kratzt und nicht in die Tiefe gehen kann.

    Tanja Mairhofer schreibt leicht und verständlich, nutzt auch sehr deutliche pointierte Formulierungen ("Ist doch Scheiße, wenn jetzt alle in die Hose machen") und trifft damit genau den Punkt. Scharfsinnig legt sie den Finger in die Wunden und bleibt dabei so humorvoll und selbstironisch, dass es gar nicht weh tut. Ohne Tabus hatte ich beim Lesen das Gefühl, als unterhielte ich mich mit einer Freundin. Wenn Mairhofer schonungslos ehrlich über sich und ihre Gedanken, Erfahrungen und Gefühle schreibt, erkannte ich mich oder meine Themen, nickte zustimmend und wurde zum Nach- und Weiterdenken angeregt.

    Und wenn schon im Buchtitel steht "komme klar", dann ist deutlich zu erkennen, dass die beschriebene Lebensmitte kein Drama ist, sondern eine Zeit mit einer neuen inneren Stärke und Besonnenheit, in der wir Frauen dem ständig präsenten Selbstoptimierungswahn die rote Karte zeigen!

    Auch, wenn ich zunächst schmunzeln musste, dass "das große A" dieses Buch in die Rubrik "Kochbücher" einordnet, ist es sicher ein Rezept für körperliche und geistige Gesundheit in einer Zeit, in der jede Frau sich verändert. Was die jeweilige Köchin daraus macht, bleibt ihr überlassen.

    "Bin in der Lebensmitte. Komme klar." hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern mir aufgezeigt, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken, Erfahrungen und Hoffnungen. Absolut lesenswert für jede Frau in der Sandwich-Generation zwischen Kindern und Eltern - auch als Geschenk bestens geeignet.
    Das Gesetz der Elite

    Sandrone Dazieri
    Das Gesetz der Elite (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    25.05.2026

    Ist der Reichtum ihr Untergang?

    Der ehemalige Fußballstar und erfolgreiche UnternehmerJesus Martinez wird tot in der Kryosauna in seiner Wohnung in der Mailänder Jungla Urbana aufgefunden. DIe Polizei glaubt an einen technischen Defekt und nimmt keine Ermittlungen auf. Der Bruder des Toten engagiert die Privatermittlerin und frühere Polizistin Colomba Caselli, die - gemeinsam mit ihrem Freund Dante Torre - schon bald auf HInweise zu einem Serienmörder findet, der mit der Forderung "Tötet die Reichen" für gesellschaftliche Brisanz sorgt.

    Nachdem der beliebte italienische Krimiautor Sandrone Dazieri bereits 2018 seine Trilogie um die Polizistin Colomba Caselli abgeschlossen hatte, geht es nun in "Das Gesetz der Elite" mit den beiden Hauptfiguren weiter. Ob man hier von einer Fortsetzung der Reihe oder dem Start einer neuen Serie (wie der Verlag es tut) redet, ist ohne Balang; das Buch lässt sich problemlos ohne Vorkenntnis der Trilogie genießen - obschon es immer wieder Anspielungen auf den alten Fall gibt, der bei Caselli, aber noch mehr bei Torre schlimme Traumata ausgelöst hat, die bei beiden intensiv nachklingen.

    Die prägnante Schreibweise, die spannenden Themen und die atemlose Spannung haben mich schnell begeistert. VIele unvorhersehbare Wendungen sorgen für stetigen Nervenkitzel und ließen mich das Buch in einem Rutsch verschlingen.

    Für die VIelzahl der Figuren war das Personenverzeichnis hilfreich; hier konnte ich immer mal wieder nachschlagen, bevor ich die Namen durcheinanderbrachte.
    DIe beiden Hauptfiguren Colomba Caselli und insbesondere ihr Freund Dante Torres waren vielleicht ein wenig überzeichnet, doch die komplexen Persönlichkeiten bereiteten mir viel Vergnügen und sorgten auch das ein oder andere Mal für ein Schmunzeln in diesem ansonsten doch recht düsteren Thriller. Speziell der durchaus als verhaltensauffällig zu bezeichnende Torre sorgte durch sein unkonventionelles Benehmen, seine vielfältigen Kontakte und seine hohe Intelligenz für viele überraschende Auftritte und Wendungen.

    Besonders hervorheben möchte ich auch die von Dazieri geübte Gesellschaftskritik und die - teils erschreckenden - Einblicke in die Welt der Superreichen. Fast unvorstellbarer Reichtum sorgt für große Macht, die ohne zu Zögern von diesen ausgenutzt wird; und so konnte schon allein dieses Thema für erhebliche Gänsehaut sorgen - neben der ermittlungstechnischen Spannungskurve. Doch lest selbst, was die Superreichen mit ihrem Vermögen alles anzustellen gedenken ....

    Für mich ist "Das Gesetz der Elite" ein absolutes Highlight, das mir höchsten Lesegenuss beschert hat und das ich allen Interessierten wärmstens weiterempfehlen kann. Ich hoffe, bald wieder von Sandrone Dazieri zu lesen!
    Tödliche Nachlese

    Matthias Melich
    Tödliche Nachlese (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    25.05.2026

    Für den guten Zweck!

    Im beschaulichen Weinort Malsch im Kraichgau wird vor dem KIrchenportal eine von Nadeln durchbohrte Puppe gefunden. Tobias Stetten misst dem Fund zunächst keine tiefere Bedeutung bei, doch als ein Tennis-Freund bei einem mysteriösen Autounfall ums Leben kommt und er selbst sich verfolgt und bedroht fühlt, zieht er einen Zusammenhang zu einer Mordserie, die den Ort vor einigen Jahren in Atem hielt und an deren Aufklärung er maßgeblich beteiligt war. Sind er und sein Freund Dominik in Lebensgefahr durch den Bruder des ehemaligen Mörders, der seine Familie rächen will?

    "Tödliche Nachlese" ist der Nachfolgeband von "Blutige Spätlese" des Autoren Dr. Matthias Meilich, dessen Augenmerk nach über 25 Jahren erfolgreicher Tätigkeit in unterschiedlichen Funktionen bei SAP heute auf kreativen und karitativen Aktivitäten liegt. Alle Einnahmen aus dem Verkauf der Bücher werden zugunsten von EIN KIWI GEGEN KREBS gespendet, was ich absolut bemerkenswert finde.

    Matthias Meilich hat einen durchaus interessanten Plot erdacht; doch leider wird die Spannung durch ständige Wiederholungen und ausladende Gedankengänge der Hauptfigur gebremst. Der Autor erzählt abwechselnd durch seine beiden Hauptfiguren Tobias und Dominik, wodurch die Leser*Innen viele Hintergründe aus dem vorhergehenden Band sowie weitere Zusatzinformationen erfahren, die nicht immer die Handlung vorantreiben. Dass Meilich ein begeisterter Golfer ist, konnte er durch seine ausführlichen Beschreibungen des Geschehens auf dem Golfplatz nicht verbergen.

    Das Setting im Kraichgau, die Ortsbeschreibungen mit ihrem Brauchtum wie Karnevalsfeiern und Wallfahrt, ist sicher nicht nur für Einheimische interessant.

    Leider konnte mich auch die Schreibweise nicht wirklich überzeugen. Dabei störten mich nicht einmal die vielen englischen Ausdrücke, die sich folgerichtig aus Ausbildung und Tätigkeit des Autoren ergeben. Vielmehr irritierten mich die kurzen Sätze, teilweise ohne Verb; oftmals kam es mir vor, als wenn ein Schüler einen Aufsatz geschrieben hätte, was ich sehr schade fand.

    Trotz der Einblicke in die eigene Gedanken- und Gefühlswelt der Hauptfiguren blieben diese mir seltsam fremd und ich konnte keine wirkliche Beziehung zu ihnen aufbauen. Weitere Figuren blieben eindimensional. Die Figur des Söldners, der Rache für die Bestrafung seines Mörder-Bruders suchte, aber vor allem auch der mysteriöse Ritter, den nicht einmal seine Kollegen kennen und der in bizarren Situationen auf- und untertaucht, konnten mich nicht wirklich überzeugen.

    Trotz einiger Kritik an dem Buch möchte ich die Serie als kleine Lektüre für zwischendurch weiterempfehlen aufgrund ihres karikativen Zwecks.
    Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord

    Catherine Mack
    Amalfi Mortale. Kein Urlaub ohne Mord (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    17.05.2026

    Sehr leichte Unterhaltung

    Eleanor Dash ist Bestsellerautorin. Für ihre erfolgreiche Krimireihe hat sie ihre Urlaubsliebe Connor als Hauptfigur gewählt, der sie nun allerdings erpresst, um am Erfolg teilzuhaben. Von ihrem Verlag wird Eleanor - sehr widerwillig - zusammen mit ihrer Schwester, die sie managt, und Connor sowie einigen Leserinnen auf eine Lesereise nach Italien geschickt. Eigentlich hatte Eleanor beschlossen, Connor in ihrem nächsten Band sterben zu lassen, doch plötzlich werden vermeintlich Anschläge im wahren Leben auf Connor verübt. Und als es tatsächlich einen Mord gibt, spitzt sich die Lage weiter zu ....

    Catherine Mack ist das Pseudonym einer US-amerikanischen und kanadischen Bestellerautorin. MIt "Amalfi Mortale - Kein Urlaub ohne Mord" legt sie nun den Auftakt ihrer neuen Krimireihe vor, die an der malerischen Amalfi-Küste angesiedelt ist.

    DAs Setting verspricht Urlaubsfeeling, allerdings bleibt der Ort ziemlich im Hintergrund und wird kaum beschrieben, was vielleicht auch daran liegt, dass die Autorin doch geografisch sehr wenig mit Italien zu tun hat.

    Catherine Mack schreibt in der Ich-Perspektive aus der Sicht ihrer Hauptfigur Eleanor Dash und es gibt wirklich sehr viele Dialoge, die ich - entgegen der Werbung für das Buch - nur bedingt als "spritzig" bezeichnen würde. Ein wirklich sehr ungewöhnliches Stilmittel sind die 234 Fußnoten, die das Buch enthält: Die fiktive Bestsellerautorin kommentiert darin alles Geschehen, das sie erzählt, noch einmal zusätzlich. Wenn die Autorin damit die Handlung bereichern wollte, ist dies meiner Meinung nach nicht gelungen; mich haben die vielen Fußnoten unglaublich gestört und den Lesefluss extrem unterbrochen, ohne eine Mehrwert darzustellen. Auch die eingefügten Notizen (von Eleanor als "Exposé" für ihren nächsten Krimi gedacht) sind einfach nur eine Zusammenfassung des zuvor Beschriebenen.

    Die (zahlreichen) Figuren werden nicht wirklich eingeführt und bleiben in der Charakterisierung recht blass. So konnte man auch nicht wirklich miträtseln, wer der Mörder war. Witzig fand ich die Titulierung der Leserinnen als BookFace Ladies; allerdings spielten sie auch keine wirklich Rolle außer eben Dazusein.

    Gefallen hat mir, über das Verlagsgeschöft ein wenig zu erfahren und dem Leben einer Bestsellerautorin.
    Und auch die Spannungskurve, bei der sich in einem spektakulären Show-Down auch Eleanor in Gefahr brachte, war für einen Cosy Crime absolut ok, wenn auch ein wenig verwirrend.

    Insgesamt ist "Amalfi Mortale - Kein Urlaub ohne Mord" ein leichter Krimi ohne Tiefe, den man sicherlich einmal zwischendurch lesen kann. Ich werde auf die weiteren Bände allerdings verzichten.

    1 bis 25 von 77 Rezensionen
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