Kurzweilige Holmes-Vertonung nach einer wahren Begebenheit
Eins vorweg: Ich bin ein großer Fan der Serie, da ich von Kindesbeinen an Sherlock Holmes liebe und hier die Chance bekomme, glaubwürdige, passende und dazu noch professionell vertonte neue Fälle zu hören. Am liebsten mag ich die Fälle aus der Feder des Autors Marc Gruppe, da sie immer eine wahre Hintergrundgeschichte haben, brillant recherchiert sind und mich häufig dazu motivieren, selbst noch nachzuforschen. Während ich mich ein wenig mit Houdini auskenne, war sein Zeitgenosse Harry Price mir komplett neu, und tatsächlich habe ich auf Wikipedia sogar Infos zum Fall Rosalie gefunden, allerdings oberflächlicher Natur. Umso schöner also, sich das Sherlock Holmes-Hörspiel anzuhören und hier gleich in die Details einzutauchen, die ich sonst mühsam hätte recherchieren müssen. Ein weiterer Fall also, der gleich eine Gratis-Sitzung Allgemeinbildung mitliefert, noch dazu derart kurzweilig verpackt.
Das Hörspiel überzeugt wie immer durch sorgfältige Geräusch- und Musikdramaturgie, was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist Daniela Thuar in der Rolle der Madame. Diese Frau kann weinen und schluchzen, dass es meiner Hörerseele im Herzen wehtut. Wenn Marc Gruppe und Stephan Bosenius eines beherrschen, dann eine vorzügliche SchauspielerInnenauswahl. Alle DarstellerInnen scheinen mit ihrer Rolle verschmolzen zu sein, aber dieses Weinen geht mir wirklich nahe. Ansonsten gibt es beispielsweise ein akustisches Wiederhören der wunderbaren Stimmen von Sally Field und Holly Hunter (Cornelia Meinhardt) und "Howling Mad Murdock" bzw. "Luke Skywalker" Hans Georg Panczak. Klasse!
Der Fall selbst ist spannend und kurzweilig. Die Auflösung hat neben Watson auch mich überrascht, wie es sich für einen guten Sherlock Holmes-Fall gehört. Und auch die von Doyle bekannten Straßenjungen dürfen nicht fehlen. Ein historischer Fall, brillant mit den Doyleschen Vorgaben verknüpft. Hörspielspaß vom Feinsten, von mir die volle Punktzahl.