Ich hab doch keine Wahl. Muss doch hier ne Antwort haben.
Ich habe mit West-Sozialisation Silly erst kurz nach der Wende kennengelernt, war allerdings auch erst 16 - "Februar" gab's im Plattenladen meines Vertrauens. "Flüstern und Schreien" und "Coming Out" habe ich wenig später im Fernsehen gesehen. Seitdem ist viel passiert. Ich habe mich nach und nach mit den anderen Alben beschäftigt, sofern erhältlich, und fand alle großartig. Nach Tamaras Tod gab es immer mal wieder Bücher und Reportagen, auch das erste Album kam irgendwann auf CD heraus, aber zu der Anfangszeit war wenig über Silly zu erfahren. Wer sich dafür interessiert, ob wie ich zu spät dabei oder mit Erinnerungslücken, kann mit Thomas Fritzschings Buch Abhilfe schaffen.
Ich habe es heute Morgen ausgelesen und fand es von Anfang an spannend erzählt und interessant geschrieben. Viele Details und Anekdoten, die ein Bild zeichnen vom Alltag in der DDR, Grenzverkehr in die Nachbarländer, Zusammenhalt, Lebensbedingungen, Behördenhürden, ... und einem großartigen Durchhaltevermögen. Mich hat das alles sehr beeindruckt.
Das Ende kam dann sehr abrupt und ist beklemmend zu lesen. Respekt an Thomas Fritzsching, dies endlich auf diesem Wege öffentlich zu machen und damit aufzuarbeiten.
Sternabzug gibt es für die willkürliche Setzung von Kommas und manch haarsträubende Rechtschreibung. Da hätte jemand vom Fach mal drüberschauen dürfen. Auch fehlte mir manchmal ein wenig der Erzählfluss zwischen einzelnen Themen.
Alles in allem habe ich dieses Buch aber kaum aus der Hand legen können. Ich sehe jetzt vieles differenziert und höre die Alben mit einem ganz anderen Verständnis.