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    Shilo1 Top 50 Rezensent

    Aktiv seit: 24. Juni 2020
    "Hilfreich"-Bewertungen: 31
    668 Rezensionen
    Herzlauschen

    Nicole Swidler
    Herzlauschen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    06.09.2025

    Verloren im Klang, gefangen im Blick

    Die Geschichte beginnt mit einem unerwarteten Treffen in Berlin: Tessa, eine Sopranistin, begegnet einem stillen Künstler, der sie heimlich skizziert. Schon dieser erste Moment hat mich neugierig gemacht, weil er zeigt, dass die Begegnung beider Figuren mehr sein könnte als nur Zufall.
    Im Verlauf des Buches entwickeln sich mehrere kleine Szenen, in denen sich die beiden Figuren näherkommen. Mal ist es ein flüchtiger Blick, dann wieder eine gemeinsam betrachtete Zeichnung oder ein stiller Austausch, der mehr andeutet, als er ausspricht. Diese Momente sind zurückhaltend gestaltet, tragen die Handlung und machen die Figuren greifbar.
    Besonders gefallen hat mir, dass die Autorinnen die Figuren nicht überdramatisieren. Tessa ist sympathisch, ihre Entscheidungen wirken nachvollziehbar, und der Bildhauer bleibt geheimnisvoll, ohne unglaubwürdig zu erscheinen. Dennoch bleibt die emotionale Tiefe an manchen Stellen begrenzt, weshalb ich mich beim Lesen teilweise etwas distanziert gefühlt habe.
    Die Handlung entwickelt sich in kleinen Schritten, ruhig und sachlich. Es gibt wenige große Wendungen, stattdessen konzentriert sich das Buch auf die feinen Zwischentöne in den Begegnungen der beiden Hauptfiguren. Manche Szenen überraschen, andere lassen Fragen offen – das passt zum Ton der Geschichte, erzeugt aber auch ein Gefühl von Zurückhaltung.
    Gefühlsmäßig habe ich die Lektüre als ruhig und bedacht erlebt. Es sind vor allem die kleinen Hinweise auf die wachsende Verbindung, die den Lesefluss interessant machen. Die Geschichte entfaltet ihre Wirkung mehr in den Beobachtungen der Figuren als in dramatischen Ereignissen.
    Am Ende bleibt ein gemischter Eindruck: Das Buch bietet ein leises, zurückhaltendes Leseerlebnis, das mich interessierte, aber nicht vollständig fesseln konnte. Für meine persönliche Einschätzung liegt es damit im mittleren Bereich und somit bei 3 Sternen.
    Der Italiener

    Arturo Pérez-Reverte
    Der Italiener (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.09.2025

    Ein Roman, den man so schnell nicht vergisst

    „Der Italiener“ von Arturo Pérez-Reverte hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt der Roman von den geheimen Operationen italienischer Kampfschwimmer im Hafen von Gibraltar während des Zweiten Weltkriegs. Eine dieser Figuren, verletzt und erschöpft, wird an einem andalusischen Strand entdeckt – eine Begegnung, die das Schicksal zweier Menschen unwiderruflich verändert.
    Genau hier setzt das Buch seinen stärksten Akzent: auf der Spannung zwischen einer riskanten Mission und dem persönlichen Dilemma, das daraus entsteht. Mich hat beeindruckt, wie real und greifbar die Situation beschrieben wird – das Meer, die Bedrohung, die ständige Gefahr der Entdeckung. Gleichzeitig entwickelt sich eine stille, sehr intensive Beziehung zwischen der Frau, die helfen will, und dem Mann, der eigentlich ein Feind ist.
    Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, selbst am Strand zu stehen, das Rauschen der Wellen im Ohr und die Anspannung in jeder Geste spürbar. Der Roman ist voller unerwarteter Wendungen, doch nie reißerisch – vielmehr fein nuanciert, atmosphärisch dicht und durchzogen von einer Ernsthaftigkeit, die mich nachdenklich zurückgelassen hat.
    Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es Spannung, Geschichte und Menschlichkeit auf so überzeugende Weise verbindet. Für mich ist „Der Italiener“ ein fesselnder und bewegender Roman, der weit über die reine Handlung hinaus wirkt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
    Das Mädchen und der Templer

    Nora Berger
    Das Mädchen und der Templer (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.09.2025

    Intrigen, Gier und dunkle Machenschaften

    Nora Berger entführt den Leser in „Das Mädchen und der Templer“ tief ins 13. Jahrhundert. In einer Mischung aus realen und historischen Ereignissen erfährt man einiges über die Mystik des Templerordens und taucht in eine vergangene Zeit ein.
    Intrigen und Verrat, Gier nach Geld und Besitz – das sind die Triebfedern, die den hohen Spannungsbogen der Geschichte bestimmen. Die Rolle der Kirche mit ihrem Machtstreben, ihren Betrügereien und der Bereitschaft, auch vor Mord nicht Halt zu machen, zeigt eindrücklich, dass es sich um Menschen mit Stärken und Schwächen handelt. Sehr interessant und mitreißend wird dargestellt, wie Macht, Eifersucht und persönliche Ambitionen das Geschehen prägen.
    Gleichzeitig kommt auch die Liebe nicht zu kurz. Sie steht jedoch nicht im Vordergrund, sondern fügt sich dezent in die spannungsgeladene Handlung ein. Die Charaktere und Schauplätze sind sehr gut und authentisch beschrieben, sodass man das Gefühl hat, selbst durch Burgen, Dörfer und Straßen des Mittelalters zu wandern. Besonders die Einblicke in die Kinderkreuzzüge und das alltägliche Leben im 13. Jahrhundert sind eindrucksvoll und verleihen der Geschichte Tiefe.
    Der Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch dicht, die Spannung bleibt vom ersten bis zum letzten Kapitel greifbar. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, da ich unbedingt wissen musste, wie es weitergeht und sich die Geschichte entwickeln wird. Die Autorin scheut sich nicht, die Gefahren, Katastrophen und Härten jener Zeit zu zeigen.
    „Das Mädchen und der Templer“ ist ein historischer Roman, der Intrigen, Machtspiele, Mut und Abenteuer eindrucksvoll miteinander verbindet und den Leser direkt ins 13. Jahrhundert entführt. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    So weit die Liebe uns trägt (Liebesroman)

    Josefine Weiss
    So weit die Liebe uns trägt (Liebesroman) (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.09.2025

    Eine Geschichte, die Herzen sanft berührt

    Josefine Weiss erzählt in diesem Roman die Geschichte von Lana, einer Frau Mitte 30, deren Leben sich zwar sicher, aber auch leer und festgefahren anfühlt. In der Stille ihres Alltags scheinen Lebendigkeit und Freude verloren gegangen zu sein – eine Ausgangslage, die sehr nachvollziehbar wirkt und viele leise Töne anschlägt.
    Die Begegnung mit Anton, einem freiheitsliebenden Mann mit einer ganz eigenen Mission, bringt frischen Wind in Lanas Leben. Er ist unterwegs, um das Reisetagebuch eines geliebten Menschen zu vollenden – und auf diesem Weg öffnet er Lana nicht nur neue Räume, sondern auch alte, verschlossene Türen in ihr selbst. Zwischen gemeinsamen Momenten unter freiem Himmel, ungeplanten Umwegen und tiefen Gesprächen entwickelt sich mehr als nur eine zarte Liebe. Lana beginnt, sich selbst wieder zu spüren – und das mit einer ruhigen, glaubwürdigen Entwicklung, die ohne große Dramen auskommt.
    Josefine Weiss schreibt mit einem feinen Gespür für Zwischentöne. Die Sprache bleibt klar und unaufgeregt, trägt die Geschichte aber mit Wärme und leiser Tiefe. Man spürt beim Lesen die Sehnsucht nach einem echten, erfüllten Leben – und gleichzeitig den Mut, der dafür nötig ist. Die Wendung, die durch Antons wahres Geheimnis entsteht, wirkt glaubwürdig und verleiht der Handlung zusätzliche Substanz.
    Mich hat das Buch auf eine stille Weise berührt. Es ist kein lauter Roman, eher ein Begleiter, der einen sanft erinnert: Es ist nie zu spät, sich neu zu begegnen – weder einem anderen Menschen noch sich selbst. Wer sich nach einer gefühlvollen, aber unaufdringlichen Geschichte sehnt, wird in diesem Buch einen warmen Platz finden. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten

    Emeli Glaser
    Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    31.08.2025

    Zwischen Faszination und Distanz

    "Rahnsdorf Ripper und andere Männergeschichten" von Emeli Glaser hat bei mir ein zwiegespaltenes Gefühl hinterlassen. Die Sammlung gibt kurze Einblicke in das Verhalten verschiedenster Männer – von alltäglichen Eigenheiten bis hin zu verstörenden Abgründen. Glaser zeigt ein feines Gespür für Details und Charakterzüge, wodurch die Figuren oft lebendig wirken. Manche Geschichten haben mich richtig gefesselt, andere blieben eher flach und hinterließen keinen nachhaltigen Eindruck.
    Besonders spannend fand ich die Vielfalt der Charaktere und Situationen. Einige Geschichten wirkten bedrohlich, andere melancholisch oder nachdenklich, und es war interessant, diese unterschiedlichen Facetten zu beobachten. Dennoch fehlte mir manchmal ein verbindender roter Faden, der die Sammlung stärker zusammenhält. Die Mischung aus Momenten der Spannung und längeren, reflektierenden Passagen erzeugte beim Lesen ein ständiges Auf und Ab.
    Mein Lesegefühl war intensiv, aber wechselhaft. Ich war neugierig und irritiert zugleich, habe nachgedacht und mich stellenweise etwas distanziert gefühlt. Besonders gelungen fand ich die Passagen, die psychologische Tiefe andeuten und zum Nachdenken über menschliches Verhalten anregen. Weniger gelungen waren für mich die Geschichten, die sich zu schnell erschöpften oder deren Wirkung auf mich nicht wirklich durchdrang.
    Insgesamt bietet Glaser interessante Ansätze und Momente, die neugierig machen und die menschliche Psyche beleuchten. Das Buch kann aber nicht durchgehend fesseln, was den Gesamteindruck etwas getrübt hat. Wer kurze, teils intensive Einblicke in das Verhalten verschiedener Männer schätzt, findet hier Lesestoff – allerdings mit deutlichen Höhen und Tiefen. 3 Sterne.
    Als wir vom Aufbruch träumten

    Farina Eden
    Als wir vom Aufbruch träumten (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    29.08.2025

    Aufbruch zwischen Angst und Freiheit

    Farina Eden hat mit diesem Roman ein sehr intensives Leseerlebnis geschaffen. Schon nach den ersten Seiten war ich mitten in Ostberlin 1989 und habe die Atmosphäre gespürt – das Aufbegehren, die Unsicherheit und diese besondere Mischung aus Hoffnung und Angst, die in der Luft lag. Die Autorin schreibt so nah und lebendig, dass man den grauen Alltag und gleichzeitig den Aufbruchssturm dieser Zeit förmlich miterlebt.
    Besonders Anni hat mich beeindruckt. Ihre Leidenschaft für Literatur, ihr Mut und ihr unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Worte haben mich berührt. Gleichzeitig merkt man, wie schmerzhaft es ist, wenn Vertrauen zerbricht und man nicht mehr weiß, wem man sich noch anvertrauen darf. Dass mitten in Freundschaft und Gemeinschaft plötzlich Verrat, Misstrauen und Willkür stehen, hat mich sehr bewegt.
    Sehr eindringlich fand ich auch die Einblicke in die Methoden der Stasi. Wie subtil eine Überwachung begann, wie aus beiläufigen Begegnungen plötzlich Verhöre wurden und wie schnell man ins Visier geraten konnte, zeigt die Autorin mit großer Eindrücklichkeit. Es entsteht ein beklemmendes Gefühl, wenn klar wird, dass jedes Wort, jede Begegnung und sogar Freundschaften von Kontrolle überschattet sein können. Diese Szenen haben mich besonders nachdenklich zurückgelassen, weil sie zeigen, wie lähmend Misstrauen in einem System wirken kann.
    Ich fand es spannend, wie geschickt die Autorin die literarische Untergrundszene beschreibt – nicht als Kulisse, sondern als Herzstück dieser Generation. Die heimlichen Treffen, das Risiko bei Lesungen und die verbotenen Texte wirken greifbar und authentisch. Dabei geht es nie nur um Geschichte, sondern immer auch um Menschen, um ihre Träume und ihre Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.
    Auch wenn man weiß, dass der Mauerfall kommen wird, bleibt das Buch bis zum Schluss spannend, weil es eben nicht nur um das große historische Ereignis geht, sondern um das Schicksal einzelner, die genau in diesem Moment mitgerissen wurden. Man liest von Auftrittsverboten, von Verhören und schließlich von Annis Haft – und spürt, wie sehr diese Zeit auf den Schultern der jungen Leute lastete.
    Der Schreibstil ist klar und zugleich sehr atmosphärisch. Es gibt Sätze, die man sich am liebsten markieren möchte, weil sie so eindrücklich das Lebensgefühl von damals festhalten. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich einzelne Szenen sehr bewegt haben.
    Am Ende blieb bei mir ein Gefühl von Respekt für die Figuren, die ihren Weg zwischen Aufbruch, Verrat und Freundschaft suchen mussten. Und gleichzeitig die Erinnerung daran, dass Freiheit nie selbstverständlich ist.
    Für mich ist „Als wir vom Aufbruch träumten“ ein fesselnder, emotionaler Roman, der geschichtliche Ereignisse, persönliche Schicksale und die beklemmende Präsenz der Stasi überzeugend verbindet. Ein Buch, das nachhallt. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
    Was du siehst

    Laura Maaß
    Was du siehst (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    28.08.2025

    Erfrischend erzählt, tief empfunden

    "Was du siehst" ist ein Roman, der mich von den ersten Seiten an gefesselt hat. Laura Maaß erzählt mit einem lebendigen, flüssigen und erfrischenden Schreibstil, der die Szenen bildhaft vor Augen führt und die Figuren schnell nahbar macht. Die Geschichte spielt über mehrere Jahrzehnte hinweg und begleitet Menschen, deren Leben durch Flucht, Neubeginn und ein lange gehütetes Geheimnis geprägt wird. Auch wenn die Geschichte und die handelnden Personen frei erfunden sind, spürt man, dass einige Ereignisse auf wahren Begebenheiten beruhen – und genau das verleiht dem Ganzen eine besondere Tiefe und Authentizität.
    Die Autorin versteht es, ihre Figuren nicht nur über Worte, sondern auch über Zwischentöne zum Leben zu erwecken. Man hat das Gefühl, ihnen direkt zu begegnen, ihre Blicke, Gesten und kleinen Eigenheiten wahrzunehmen. Die Handlung entwickelt sich in einem guten Tempo, hält immer wieder Überraschungen bereit und hat mich bis zur letzten Seite nicht losgelassen.
    Besonders beeindruckt hat mich, wie feinfühlig ernste Themen eingeflochten werden, ohne die Geschichte zu beschweren. Es gibt Momente voller Spannung, leise emotionale Szenen und Passagen, die einen einfach mit einem warmen Gefühl zurücklassen.
    Dass es sich um den Debütroman von Laura Maaß handelt, macht das Ganze noch bemerkenswerter. Für mich ist dieses Buch eine rundum gelungene Mischung aus Erzählkunst, glaubwürdigen Figuren und einer Geschichte, die lange nachklingt.
    Beim Lesen habe ich mich mal berührt, mal neugierig, mal nachdenklich gefühlt – und vor allem wollte ich immer wissen, wie es weitergeht. Ein Buch, das ich mit Freude und Überzeugung weiterempfehle.
    Von mir gibt es volle 5 Sterne.
    Die Verlorene

    Miriam Georg
    Die Verlorene (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    27.08.2025

    Die verlorene Geschichte der Großmutter

    „Die Verlorene“ ist ein berührender und tiefgründiger Roman, der gleich mehrere Generationen miteinander verwebt und sich behutsam einem lange verdrängten Familiengeheimnis nähert. Im Mittelpunkt steht Laura, die nach dem Tod ihrer Großmutter Änne beginnt, deren Vergangenheit zu erforschen. Bisher wusste sie nur von Ännes Erinnerungen an die Sommer in Schlesien, doch über die Menschen und das Leben damals hatte Änne stets geschwiegen. Erst als Laura Briefe und Dokumente entdeckt, beginnt sie, den Spuren ihrer Familie zu folgen, und stößt auf eine Geschichte, die weit mehr verbirgt, als sie je geahnt hätte.
    Der Roman bewegt sich geschickt auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart begleitet man Laura auf ihrer emotionalen Reise nach Polen, wo sie versucht, das ehemalige Gut der Familie zu finden und Antworten auf die vielen offenen Fragen zu bekommen. In der Vergangenheit erleben wir Ännes Kindheit und Jugend auf dem Gutshof, geprägt vom Zweiten Weltkrieg, gesellschaftlichen Zwängen und persönlichen Tragödien.
    Miriam Georg gelingt es, die Zeitgeschichte authentisch und lebendig einzufangen. Die bedrückende Atmosphäre während der Nazizeit, das zunehmende Misstrauen, die Angst und das Schweigen. All das wird eindrucksvoll und zugleich sensibel beschrieben. Besonders stark ist die Darstellung der weiblichen Perspektive: Die inneren Konflikte, das Schweigen über Schuld und Verlust und die Kraft, trotz allem weiterzumachen, ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch.
    Die Charaktere sind fein gezeichnet, besonders die drei Frauen – Änne, ihre Tochter Ellen und Enkelin Laura – wirken vielschichtig und glaubwürdig. Man kann sich gut in ihre Gedanken und Gefühle hineinversetzen. Auch das langsame Aufdecken der Geheimnisse wird spannend und mit viel Fingerspitzengefühl erzählt. Keine plötzlichen Wendungen, sondern ein leises, stetiges Annähern an die Wahrheit.
    „Die Verlorene“ ist mehr als ein Familienroman. Es ist ein Buch über Erinnern und Schweigen, über generationsübergreifende Traumata und die Suche nach Identität. Die Autorin verarbeitet dabei auch eigene familiäre Erfahrungen, was dem Roman zusätzliche Tiefe und Authentizität verleiht.
    Ein fesselndes, emotionales Buch, das lange nachwirkt. Wer Geschichten mag, in denen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einem dichten Geflecht verweben, wird „Die Verlorene“ kaum aus der Hand legen können. 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
    Der Himmel fällt

    Lorenza Mazzetti
    Der Himmel fällt (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.08.2025

    Ein Buch, das zwischen den Zeilen berührt

    Beim Lesen von "Der Himmel fällt" hatte ich oft das Gefühl, in eine ganz eigene Welt einzutauchen. Es ist die Sicht eines Kindes, die mich sofort eingenommen hat – unschuldig, verspielt, manchmal sogar leicht und fröhlich, und doch immer überschattet von einer Realität, die viel zu schwer für Kinder ist. Gerade dieser Kontrast hat mich beim Lesen immer wieder bewegt.
    Manche Szenen haben mich zum Lächeln gebracht, weil sie so lebendig und voller kindlicher Fantasie sind. Doch gleich darauf schlägt die Stimmung um und es liegt eine Beklemmung über den Worten, die fast körperlich spürbar ist. Genau das hat die Geschichte für mich so eindringlich gemacht: die Spannung zwischen kindlicher Wahrnehmung und der harten Wirklichkeit des Krieges.
    Die Sprache wirkt auf den ersten Blick schlicht, fast unscheinbar, aber genau das macht sie stark. Zwischen den Zeilen bleibt so vieles hängen, dass ich oft länger über ein Bild oder einen Gedanken nachgedacht habe als über den eigentlichen Fortgang der Handlung. Man merkt deutlich, dass hier Erinnerungen verarbeitet werden, die schmerzhaft sind und trotzdem nicht verloren gehen dürfen.
    Für mich war es kein Buch, das man nebenbei lesen kann. Es verlangt Aufmerksamkeit, weil es so sprunghaft erzählt ist und nicht immer einen klaren roten Faden verfolgt. Das hat mich zwischendurch etwas angestrengt, aber gleichzeitig auch das Gefühl verstärkt, dass man mitten in den Gedanken und Erinnerungen eines Kindes steckt.
    Am Ende bin ich mit einem leisen Nachklang zurückgeblieben, nachdenklich und ein Stück weit berührt. Es ist kein Buch, das Antworten gibt oder alles „rund“ macht, sondern eines, das in einem weiterarbeitet. Genau dieses hat mich beeindruckt, auch wenn ich nicht in jeder Passage gleichermaßen hineingefunden habe.
    Ich vergebe vier Sterne – für ein Werk, das mich emotional gepackt hat, das manchmal anstrengend, aber gerade deshalb unvergesslich ist.
    Die Rheinreise

    Ann Schlee
    Die Rheinreise (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.08.2025

    Eine besondere Rheinreise

    Ann Schlee nimmt uns in ihrem Roman mit auf eine Dampfschifffahrt im Jahr 1907. Im Mittelpunkt steht Charlotte, die ihren Bruder begleitet. Er ist Historiker, anerkannt und selbstbewusst, während Charlotte ihr Leben bisher im Schatten verbracht hat. Schon auf den ersten Seiten merkt man, dass die Reise nicht nur eine Fahrt über den Rhein ist, sondern für sie auch ein Wendepunkt werden könnte.
    Die Geschichte ist ruhig erzählt und entfaltet sich Schritt für Schritt. Die Eindrücke der Fahrt, die Orte am Ufer, die Begegnungen an Bord – all das fügt sich zu einem stimmungsvollen Bild zusammen. Besonders gelungen finde ich, dass die Landschaft nicht nur als Hintergrund dient, sondern fast wie ein Spiegel wirkt. Sie unterstreicht die inneren Bewegungen von Charlotte, die beginnt, über ihr Leben und ihre Rolle nachzudenken.
    Die Figuren wirken lebendig und glaubwürdig. Charlotte bleibt dabei immer im Zentrum, aber auch die Nebenfiguren tragen dazu bei, die Atmosphäre zu verdichten. Man spürt die gesellschaftlichen Erwartungen jener Zeit, die Pflichten, die man zu erfüllen hat, und die wenigen Möglichkeiten, auszubrechen. Gerade dieser leise Konflikt macht das Buch spannend, ohne dass es große Dramen braucht.
    Ann Schlee schreibt in einer klaren, ruhigen Sprache. Sie verzichtet auf große Gesten und überlässt es den Leserinnen und Lesern, zwischen den Zeilen zu spüren, was sich in Charlotte verändert. Das macht die Geschichte besonders intensiv. Man liest nicht einfach nur eine historische Episode, sondern taucht in ein feines Geflecht aus Stimmungen und Gedanken ein.
    „Die Rheinreise“ ist eine stille, eindringliche Erzählung. Sie verbindet historische Genauigkeit mit psychologischer Tiefe und bleibt lange im Gedächtnis. Für mich war es eine bereichernde Lektüre, die zeigt, dass gerade die leisen Töne viel zu sagen haben. 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Sag niemals Lebewohl

    Kim Sakwa
    Sag niemals Lebewohl (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    22.08.2025

    Zwischen Zeiten und Gefühlen

    Was passiert, wenn ein geheimnisvoller Ring eine Frau aus der Gegenwart in das Schottland des 18. Jahrhunderts schleudert? Kim Sakwa erzählt daraus in „Sag niemals Lebewohl – Eine Liebe zwischen den Zeiten“ eine romantische Zeitreisegeschichte voller Gefühl und Magie. Erzählt wird die Geschichte von Jillian, die nach einer gescheiterten Beziehung einen Neuanfang sucht und durch den Ring plötzlich in einer völlig fremden Epoche landet. Dort begegnet sie Ian Montgomery, einem Mann, der gleichzeitig stark und verletzlich ist.
    Gefallen hat mir besonders, wie die Gegensätze zwischen Jillians moderner Sichtweise und Ians traditioneller Welt dargestellt werden. Auch die Dialoge wirken lebendig und haben mich manchmal zum Schmunzeln gebracht. Die Szenen, in denen Jillian versucht, sich in der fremden Zeit zurechtzufinden, fand ich charmant und berührend.
    Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht vollständig packen. Manche Szenenwechsel sind abrupt, und insgesamt hätte ich mir mehr Tiefe in den Beschreibungen und bei den Figuren gewünscht. Auch die Handlung war für mich teilweise vorhersehbar, wodurch die Spannung verloren ging.
    Unterm Strich bleibt ein Roman, der unterhält, aber nicht so sehr in Erinnerung bleibt, wie ich es mir erhofft hatte. Deshalb vergebe ich 3 Sterne.
    Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

    Susanne Abel
    Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104 (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.08.2025

    Ein Roman, der zutiefst bewegt

    Schon mit den ersten Seiten wurde mir klar, dass dieses Buch noch lange in meinem Herzen bleiben wird. Susanne Abel erzählt die Geschichte von Hartmut und Margret so eindrücklich, dass ich beim Lesen oft innehalten musste – bewegt, betroffen, berührt. Ihre Sprache ist klar und warm zugleich. Trotz des schweren Hintergrunds – Nachkriegszeit, Heimerziehung, traumatische Wurzeln – bleibt der Ton respektvoll, ehrlich und niemals pathetisch.
    Die Szenen im Heim, besonders an Weihnachten 1947, sind erschütternd. Doch inmitten der Härte leuchtet Margrets Stärke, die mich tief beeindruckt hat. Die Bindung zwischen ihr und Hartmut ist zart und kraftvoll zugleich, so notwendig, dass ich das Gefühl hatte, die beiden säßen direkt neben mir. Diese Mischung aus Schutz, Verletzlichkeit und lebenslanger Verbundenheit hat mich sehr bewegt.
    Ich habe selten ein Buch gelesen, das so still erzählt und dennoch eine so starke Wirkung entfaltet. Jede Seite wirkt echt, ohne Übertreibungen oder unnötige Ausschmückungen. Nur das pure Leben zweier Menschen, die sich trotz aller Umstände nicht loslassen wollen. Wenn schließlich Emily, die Urenkelin, vor dem Schweigen ihrer so sehr geliebten Urgroßeltern steht, spürt man, wie sehr alte Geheimnisse noch in die Gegenwart hineinwirken.
    Am Ende blieb ich mit Tränen in den Augen zurück, nachdenklich und voller Dankbarkeit für diese Geschichte. Dieses Buch verdient nicht nur fünf Sterne – es hätte noch mehr verdient, so sehr hat es mich berührt. Es ist ein Familienroman, der leise bleibt und gerade deshalb lange nachhallt.
    Nachteule

    Ingrid Noll
    Nachteule (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    20.08.2025

    Zwischen Fürsorge und Gefahr

    Ingrid Nolls Roman "Nachteule" erzählt die Geschichte der 15-jährigen Luisa, die aus Peru stammt und in einem wohlhabenden deutschen Haushalt aufwächst. Sie besitzt eine ungewöhnliche Fähigkeit – sie kann im Dunkeln sehen. Diese Gabe bleibt jedoch nicht im Mittelpunkt, sondern bildet den Hintergrund für eine vielschichtige, ruhig erzählte, aber dennoch spannende Geschichte.
    Eines Tages trifft Luisa im Wald auf Tim, einen obdachlosen Jungen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine stille Verbindung, die zunehmend ernster und gefährlicher wird. Aus einer guten Absicht heraus verstrickt sich Luisa nach und nach in Lügen und moralisch fragwürdige Entscheidungen.
    Der Schreibstil von Ingrid Noll ist wie gewohnt klar, schnörkellos und dabei oft leicht ironisch. Sie schafft es, mit einfacher Sprache eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen, ohne dabei übertrieben dramatisch zu wirken. Besonders eindrucksvoll ist der Kontrast zwischen Luisas geordnetem Zuhause und Tims schwieriger Lebensrealität. Diese Gegenüberstellung macht die Geschichte lebendig und gibt ihr Tiefe.
    Die Figuren wirken glaubwürdig, besonders Luisa, die zwischen jugendlicher Unschuld und wachsender Verantwortung schwankt. Auch wenn man nicht jede ihrer Entscheidungen nachvollziehen kann, bleibt sie als Figur interessant und vielschichtig. Tim bleibt geheimnisvoll, aber nicht klischeehaft.
    "Nachteule" ist kein klassischer Krimi, sondern eher ein leises Kammerspiel mit psychologischen Zwischentönen. Es geht nicht um große Verbrechen, sondern um kleine Schritte, die aus Fürsorge oder Naivität heraus in gefährliches Terrain führen.
    Insgesamt handelt es sich um einen ruhig erzählten, aber fesselnden Roman über Vertrauen, Verantwortung und die Frage, wie weit man für einen anderen Menschen gehen würde. Wer Ingrid Nolls Stil kennt, wird auch hier nicht enttäuscht – und wer ihn noch nicht kennt, bekommt mit diesem Buch einen guten Einstieg.
    4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Die Frauen der Familie Flores

    Angélica Lopes
    Die Frauen der Familie Flores (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    19.08.2025

    Im Schatten des Fluchs

    "Die Frauen der Familie Flores" von Angélica Lopes ist ein tiefgründiger, feinfühlig erzählter Roman über Mut, Widerstand und die Kraft weiblicher Solidarität über Generationen hinweg. In zwei miteinander verwobenen Zeitebenen – dem Brasilien des Jahres 1918 und dem Rio de Janeiro von 2010 – entfaltet sich eine Familiengeschichte, die nicht nur persönlich, sondern auch politisch ist.
    Im Zentrum steht Eugênia, eine kluge und entschlossene junge Frau, die gegen ihren Willen mit einem gewalttätigen Offizier verheiratet wird. Was zunächst wie ein Schicksal ohne Ausweg scheint, wird für Eugênia zur Herausforderung, der sie sich mit stillem Mut stellt. Ihre Waffe ist kein Schwert, sondern die feine Nadel ihrer Spitzenkunst – und ein geheimer Code, den sie in die Muster einwebt, um ihre Flucht zu planen.
    Besonders gut gefällt mir, wie die Autorin die Lebensumstände der Frauen um 1900 schildert; von den Zwängen und Unterdrückungen bis hin zum mutigen Akt der Kommunikation durch eine kunstvolle Codierung. Die Autorin vermittelt eine tief empfundene Atmosphäre, in der die Kunst des Stickens als Symbol für Mut, Hoffnung und Widerstand dient.
    Der Roman besticht durch seine ruhige, leise Erzählweise, die im Kontrast zu manch greller feministischer Literatur steht. Gerade diese Zurückhaltung verleiht der Geschichte Tiefe und macht die stille Rebellion der Frauen umso eindrücklicher.
    Hundert Jahre später beginnt Eugênias Nachfahrin Alice durch ein altes Stück Spitze die verborgene Geschichte ihrer Familie zu entschlüsseln. Dabei wird deutlich, dass der Kampf um Freiheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit über Generationen weitergetragen wird, wenn auch in anderer Form.
    Frau Lopes gelingt es, eine dichte Atmosphäre zu schaffen, in der man Hitze, Staub und die angespannte Konzentration der Frauen beim Klöppeln beinahe körperlich spürt. Die Sprache ist ruhig, aber kraftvoll, der Ton nicht schrill, sondern eindringlich. Besonders beeindruckend ist, wie subtil das Buch die strukturelle Gewalt jener Zeit sichtbar macht – ohne zu dramatisieren, aber auch ohne zu beschönigen.
    "Die Frauen der Familie Flores" ist kein aufrüttelnder Protestroman, sondern eine leise, aber nachhaltige Erzählung über weibliche Stärke, die sich nicht durch Lautstärke, sondern durch Beharrlichkeit auszeichnet. Ein außergewöhnliches Buch, das zeigt, wie viel Widerstand in scheinbarer Stille liegen kann und wie Vergangenheit und Gegenwart einander spiegeln. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Der Barmann des Ritz

    Philippe Collin
    Der Barmann des Ritz (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    18.08.2025

    Ein stiller Held hinter der Bar

    Philippe Collin hat mit „Der Barmann des Ritz“ einen eindrucksvollen Roman geschrieben, der leise und gleichzeitig tiefgründig von einem außergewöhnlichen Leben erzählt. Im Mittelpunkt steht Frank Meier – eine reale historische Persönlichkeit. Meier war österreichisch-jüdischer Herkunft und arbeitete als berühmter Barkeeper im Pariser Luxushotel Ritz. Während der deutschen Besatzung von Paris (1940–1944) mixte er dort Cocktails für hohe NS-Offiziere, für Prominente und Mitglieder des Widerstands. Was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen mag, entfaltet sich im Roman als das Porträt eines Mannes, der Tag für Tag mit Mut, Vorsicht und innerer Klarheit zwischen Anpassung und Widerstand lebt.
    Collin erzählt nicht laut oder dramatisch, sondern ruhig, präzise und mit viel Feingefühl für Atmosphäre. Die Szenen in der Bar wirken fast filmisch – gedämpftes Licht, das Klirren von Gläsern, flüchtige Blicke. Man spürt den Druck, der auf Meier lastet, ohne dass er ihn je laut ausspricht. Der Autor verbindet historisch belegte Fakten und Archivmaterial mit fiktiven Tagebucheinträgen Meiers, die seiner Figur Tiefe und eine persönliche Stimme verleihen – zurückhaltend, reflektiert, nie pathetisch. Genau das macht die Figur so glaubwürdig und nahbar.
    Beim Lesen fühlte ich mich oft wie ein stiller Gast an der Bar. Die Gedanken des Protagonisten wirken nüchtern und dennoch berührend. Manche Szenen ließen mich innehalten, etwa wenn Meier einem hochrangigen Nazi ein Getränk reicht und gleichzeitig weiß, dass draußen Menschen verfolgt werden, denen er insgeheim zur Flucht verhilft. Es sind solche leisen Spannungen, die unter die Haut gehen, ohne laut zu werden.
    „Der Barmann des Ritz“ ist ein Roman, der nicht auf schnelle Effekte setzt, sondern auf Zwischentöne, auf Beobachtung, auf Atmosphäre. Es ist eine Geschichte über Haltung, über stille Formen des Widerstands, über Loyalität – und über das Leben eines Mannes, der unter extremen Bedingungen seine Würde bewahrt. Das Buch wirkt lange nach – nicht, weil es große Gesten braucht, sondern weil es dem Stillen und Unscheinbaren den Raum gibt, den es verdient. 4 Sterne.
    Die Passantin

    Nina George
    Die Passantin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.08.2025

    Eine Frau, eine Flucht, ein Neubeginn

    Was macht man, wenn die Welt plötzlich glaubt, man sei tot? Die berühmte Schauspielerin Jeanne Patou trifft in diesem Moment eine radikale Entscheidung: Sie geht nicht zurück. Kein Filmset, keine Interviews, kein Eheleben – stattdessen verschwindet sie aus allem, was sie bisher ausgemacht hat. Aus einem Impuls wird ein kompletter Neuanfang, und genau dieser Weg, mit all seinen Konsequenzen, steht im Mittelpunkt dieses Romans.
    Nina George erzählt diese Geschichte mit einer besonderen Mischung aus poetischen Bildern, scharfer Beobachtungsgabe und spürbarer Wut. Sie zeigt, wie subtil und gleichzeitig erdrückend patriarchale Strukturen wirken können, und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Gerade Jeannes Begegnungen mit anderen „Unsichtbaren“ – Frauen, die ebenfalls beschlossen haben, sich aus ihren alten Leben zurückzuziehen – fand ich eindrucksvoll. Besonders das Haus in Barcelona, in dem diese Frauen zusammenleben, ist für mich einer der stärksten Schauplätze: Dort prallen unterschiedliche Lebensgeschichten aufeinander, und trotzdem entsteht so etwas wie Vertrauen und Zusammenhalt.
    Das Buch ist reich an Figuren, Rückblenden und Gedanken. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass fast zu viele Ebenen gleichzeitig erzählt werden. An ein, zwei Stellen musste ich bewusst innehalten, um den roten Faden wieder aufzunehmen. Trotzdem empfinde ich gerade diese Vielschichtigkeit als eine Stärke – sie macht die Geschichte lebendig, vielschichtig und nah am echten Leben.
    „Die Passantin“ ist kein leichter Roman für zwischendurch. Er fordert Aufmerksamkeit und lässt einen auch nach dem Zuklappen nicht los. Er erzählt von Mut, Verlust, Befreiung – und davon, dass es nie zu spät ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Mich hat er berührt, zum Nachdenken gebracht und an manchen Stellen auch richtig wütend gemacht.
    Für mich ist es ein starkes, mutiges Buch, das kleine Längen und Überfrachtungen hat, aber im Endeffekt sehr überzeugt. Deshalb vergebe ich gute 4 Sterne.
    In uns der Ozean

    Theresia Graw
    In uns der Ozean (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.08.2025

    Zwischen Forschung und Verantwortung

    "In uns der Ozean" von Theresia Graw widmet sich dem Leben von Rachel Carson, einer Frau, die zu einer der einflussreichsten Stimmen im Umwelt- und Naturschutz des 20. Jahrhunderts wurde.
    Die Geschichte setzt in den 1930er Jahren an, als Rachel nach dem Verlust ihrer Forschungstätigkeit eine neue Richtung einschlägt. Sie beginnt, über das Meer und seine Bewohner zu schreiben. Ihre Texte verbinden wissenschaftliche Genauigkeit mit einer klaren, anschaulichen Sprache, die auch Laien anspricht. So erreicht sie nach und nach ein breites Publikum.
    Ein Wendepunkt tritt ein, als sie bei einem Spaziergang einen toten Vogel findet. Dieser Moment weckt ihr Interesse an den damals noch wenig bekannten Auswirkungen des Insektengifts DDT. Aus der stillen Beobachterin wird eine kritische Mahnerin, die akribisch recherchiert und ihre Erkenntnisse in einer Form veröffentlicht, die sowohl Fachwelt als auch Öffentlichkeit erreicht.
    Theresia Graw schildert diesen Weg mit einem ruhigen, klaren Erzählstil. Die Beschreibungen der Küstenlandschaften und der Arbeit im wissenschaftlichen Umfeld geben einen lebendigen Eindruck der damaligen Zeit. Gleichzeitig werden die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen beleuchtet, die es für eine Frau dieser Epoche besonders schwer machten, sich Gehör zu verschaffen.
    Das Buch zeigt nachvollziehbar, wie Rachels Beharrlichkeit und fachliche Kompetenz dazu beitrugen, ein neues Umweltbewusstsein zu schaffen. Es ist sowohl ein biografisches Porträt als auch ein Stück Zeitgeschichte, das verdeutlicht, wie eine Einzelne mit Wissen und Überzeugungskraft Veränderungen anstoßen kann.
    Mein Fazit: Die Geschichte hat mich in ihrer Klarheit und Detailtreue überzeugt. Besonders beeindruckt hat mich, wie beharrlich Rachel Carson ihren Weg gegangen ist, trotz Widerständen und ohne laut zu werden. Das Buch wirkt lange nach und hinterlässt ein Bild von einer Frau, die mit Sachlichkeit und Herz gleichermaßen etwas bewegen konnte. Für mich ist es ein rundum gelungenes Werk. Ich vergebe dafür 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Europäische Erziehung

    Romain Gary
    Europäische Erziehung (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.08.2025

    Eine stille Geschichte mit bleibender Wirkung

    Romain Garys "Europäische Erziehung" erzählt die Geschichte des jungen Janek, der im besetzten Polen des Zweiten Weltkriegs zum Widerstand findet. Das Buch schildert seine Erlebnisse und Begegnungen in einer Zeit voller Gewalt, Entbehrung und Unsicherheit. Was dabei auffällt, ist der ruhige, klare Erzählstil, der ohne große Ausschmückung auskommt und dadurch viel Wirkung entfaltet.
    Trotz der düsteren Umstände stehen in der Geschichte immer wieder Themen wie Menschlichkeit, Bildung und Hoffnung im Mittelpunkt. Besonders die Gespräche zwischen Janek und seinem Freund Jurek geben dem Buch Tiefe. In diesen Momenten geht es nicht nur um den Krieg, sondern auch um Ideen, Gedanken und das, was Europa einmal sein könnte.
    Die Figuren sind keine klassischen Helden, sondern Menschen mit Widersprüchen, mit Schwächen und Mut zugleich. Das macht sie glaubwürdig. Der Humor, der manchmal durchscheint, wirkt leise, fast zurückhaltend – und gerade dadurch stark.
    Der Titel „Europäische Erziehung“ bekommt im Verlauf des Romans eine vielschichtige Bedeutung. Es geht nicht nur um schulisches Wissen, sondern um Werte wie Freiheit, Verantwortung und Menschlichkeit, auch unter schwierigen Bedingungen.
    Insgesamt ist das Buch kein einfaches, aber ein wichtiges. Es hat nachdenklich gemacht und bleibt im Kopf, weil es nicht laut ist, sondern still wirkt, mit klaren Bildern und einer Botschaft, die auch heute noch Bedeutung hat. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Der falsche Japaner

    Daniela Dröscher
    Der falsche Japaner (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    14.08.2025

    Von der Freiheit, jemand anderes zu sein und ihrem Preis

    Daniela Dröscher erzählt in diesem Roman die Geschichte des George Psalmanazar, einer faszinierenden, rätselhaften Figur, die im London des 18. Jahrhunderts als angeblicher „Formosaner“ zu Ruhm gelangt. George taucht an der schottischen Küste auf, wirkt fremd, wild, spricht eine seltsame Sprache und erzählt von einem exotischen Land, das niemand kennt. Seine Geschichte wird von der Gesellschaft begierig aufgenommen – je unglaublicher seine Erzählungen, desto größer die Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwird.
    Die Autorin nähert sich ihrer Hauptfigur mit großer Feinfühligkeit. Indem sie George als jungen Mann schildert, entgegen den historischen Fakten, verleiht sie ihm eine Verletzlichkeit, die berührt. Es geht weniger um historische Genauigkeit als um die Frage, was einen Menschen dazu bringt, sich selbst neu zu erfinden – in Sprache, Aussehen, Herkunft und Rolle. Dabei bleibt George nie bloß ein Hochstapler, sondern wird zu einem Sinnbild für die Sehnsucht nach einem anderen Leben.
    Frau Dröscher schreibt in einer klaren, poetischen Sprache, die Bilder schafft, ohne überladen zu wirken. Ihre Beschreibungen von Stadt, Büchern, Meer und Menschen sind feinfühlig und atmosphärisch. Der Roman entfaltet dabei eine besondere Mischung aus historischer Kulisse und literarischer Leichtigkeit.
    Was mich beim Lesen besonders bewegt hat, war diese ständige Spannung zwischen Faszination und Beklommenheit. George zieht einen in seinen Bann, doch je länger man ihn begleitet, desto spürbarer wird die innere Müdigkeit seiner Lüge. Es gibt leise Momente der Nähe, etwa mit Lucy, der Tochter des Gelehrten Johnson – zarte, unsichere Augenblicke, die etwas sehr Menschliches freilegen. Immer wieder entsteht der Eindruck, dass unter all der Maske ein einsamer, suchender Mensch steckt.
    "Der falsche Japaner" ist ein stiller, eindringlicher Roman über Identität, Fantasie und das Bedürfnis, gesehen zu werden. Er hat mich nachdenklich gemacht – über die Macht von Sprache, über Rollen, die man spielt, und über die feine Grenze zwischen Wahrheit und Wunsch. Es ist ein Buch, das leise nachhallt. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    Unsere letzten wilden Tage

    Anna Bailey
    Unsere letzten wilden Tage (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.08.2025

    Die Wahrheit lauert im Schatten der Sümpfe

    "Unsere letzten wilden Tage" von Anna Bailey hat mich von Beginn an mit seiner dichten, atmosphärischen Erzählweise gepackt. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, mitten in der schwülen Hitze Louisianas zu stehen. Die Luft wirkt schwer, das Sumpfgras raschelt, und irgendwo lauert eine Gefahr, die man nicht sehen, aber deutlich spüren kann. Diese greifbare Kulisse ist weit mehr als nur ein Hintergrund. Sie wird zu einer Figur, die das Geschehen ebenso prägt wie die Menschen selbst.
    Im Mittelpunkt steht Loyal, eine Journalistin, die nach Jahren in ihre Heimat zurückkehrt. Dort wird ihre frühere Freundin tot aufgefunden. Loyal beginnt zu recherchieren und stößt auf Mauern aus Schweigen, Angst und Misstrauen. Niemand scheint die Wahrheit wirklich ans Licht bringen zu wollen. Die Autorin schafft es, diese Mischung aus Spannung, innerem Ringen und bedrückender Dorfdynamik so zu schildern, dass man sich fast selbst in den engen Straßen und dunklen Winkeln wiederfindet.
    Besonders beeindruckt hat mich, wie eng Anna Bailey Landschaft und Gesellschaft miteinander verwebt. Die Wildnis mit ihren undurchdringlichen Sümpfen spiegelt die Geheimnisse und Konflikte der Menschen wider. Loyals innerer Kampf, ihr Mut und ihre Entschlossenheit sind spürbar, auch wenn sie manchmal zögert oder innehält. Gerade diese Momente verleihen ihr Tiefe und machen sie glaubwürdig.
    Trotz der fesselnden Atmosphäre gibt es Passagen, in denen die Spannung etwas nachlässt. Vor allem im letzten Drittel hätte ich mir stellenweise einen klareren Zug nach vorn gewünscht. Nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte kraftvoll, getragen von starken Bildern und einer eindringlichen Sprache.
    Insgesamt ist es ein Roman, der nicht nur durch seine Handlung überzeugt, sondern auch durch seine eindrucksvolle Stimmung und die vielschichtige Darstellung seiner Figuren. Für mich ist es ein intensives Leseerlebnis, das ich gerne mit 4 Sternen bewerte. Wer sich von einer dichten Atmosphäre, leiser Wut und einer Landschaft voller Geheimnisse mitreißen lassen möchte, wird hier ein besonderes Buch finden.
    My Haunted Heart - Ich sehe dich

    Mimi Kylling
    My Haunted Heart - Ich sehe dich (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    13.08.2025

    Flora, Blumen und ein Typ, der einfach nicht gehen will

    Mit diesem Buch hat mich die Autorin so richtig erwischt. Flora führt ihren Blumenladen, ein Ort voller Leben und Farben, der plötzlich eine ganz neue Stimmung bekommt, als dieser mysteriöse Sawyer auftaucht. Er ist so ein bisschen wie der Typ, der bei der Party einfach nicht kapiert, dass er nicht eingeladen ist, aber irgendwie will man ihn trotzdem nicht loswerden.
    Die Mischung aus romantischem Knistern und einer Prise Grusel macht das Ganze spannend. Man weiß nie so richtig, ob man jetzt erschrecken oder dahinschmelzen soll. Flora und Sawyer tasten sich vorsichtig aneinander heran, was ich sehr gut nachvollziehen konnte. Man will ja nicht kopfüber ins Chaos springen, aber die Neugier gewinnt einfach.
    Was mir besonders gefallen hat, ist die Ehrlichkeit der Gefühle. Keine süßen Zuckerwatte-Momente, sondern ein warmes Kribbeln, gepaart mit dem charmanten Gefühl von „Was zur Hölle passiert hier eigentlich?“. Das Buch zieht einen in seinen Bann, ohne kitschig zu werden.
    Warum nur 4 Sterne? Ein paar Wendungen hätten noch etwas mehr Überraschung vertragen können. Aber ganz ehrlich, wer will schon ein perfektes Märchen? Gerade diese kleinen Macken machen die Geschichte für mich sympathisch und authentisch. Manchmal sind es eben die Ecken und Kanten, die das Herz am meisten berühren und ein Buch erst so richtig spannend machen.
    Wenn der Himmel das Meer berührt (Liebesroman)

    Josefine Weiss
    Wenn der Himmel das Meer berührt (Liebesroman) (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.08.2025

    Ein Kind, ein Geheimnis, ein Gewissenskonflikt

    Dieses Buch verdient wirklich fünf Sterne – und das nicht leichtfertig, sondern weil es mich mit seiner leisen, ehrlichen Art sehr berührt hat. Die Erzählweise ist warm und lebendig, die Figuren wirken so echt, als könnte man ihnen im wahren Leben begegnen.
    Emma arbeitet im Jugendamt und trifft dort auf die neunjährige Alina, ein stilles Mädchen mit einer besonderen Liebe zu den Sternen. Alina hatte es nicht leicht und soll nun vorübergehend bei ihrem Onkel Max an der Nordsee leben. Emma begleitet sie dorthin, eigentlich nur aus beruflicher Pflicht, doch schon bald wird klar, dass ihr Herz längst mehr investiert war, als sie sich eingestehen will.
    Alina schloss ich beim Lesen schnell ins Herz. Ihre Zurückhaltung, ihre kleinen Beobachtungen und die Art, wie sie Vertrauen schenkte, gaben der Geschichte Tiefe. Max brachte eine ruhige, unaufdringliche Wärme in die Handlung. Die Begegnungen zwischen ihm und Emma entwickelten sich langsam, geprägt von gegenseitigem Respekt und stiller Anziehung.
    Ein verborgenes Geheimnis im Hintergrund sorgte dafür, dass ich aufmerksam blieb und mich immer wieder fragte, wie es sich auf die Figuren auswirken würde. Die Spannung war nie laut, sondern zeigte sich in kleinen Veränderungen, in Blicken und unausgesprochenen Gedanken.
    Am Ende blieb kein lauter Knall, sondern ein gutes, warmes Gefühl – so, wie wenn man nach einem langen Tag am Meer nach Hause geht und noch einmal zurückschaut, um den Moment festzuhalten.
    Mein Fazit:
    Ein bewegender Roman über Verantwortung, Vertrauen und die Frage, was wirklich zählt im Leben. Wer Geschichten mag, die ans Herz gehen und zum Nachdenken anregen, wird dieses Buch kaum aus der Hand legen wollen.
    We Burn Daylight

    Bret Anthony Johnston
    We Burn Daylight (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    11.08.2025

    Hat mich berührt, aber auch oft warten lassen

    "We Burn Daylight" spielt im texanischen Sommer der 1990er-Jahre und erzählt von Roy und Jaye, zwei Vierzehnjährigen, die in einer isolierten, religiösen Gemeinschaft aufwachsen. Während draußen die Sonne brennt, wächst zwischen den beiden eine zarte, heimliche Liebe – etwas, das in ihrer streng kontrollierten Welt nicht vorgesehen ist. Gleichzeitig werden sie immer tiefer in die rigiden Strukturen des Kults hineingezogen, dessen Macht über das Leben der Mitglieder allgegenwärtig ist. Die Handlung wechselt zwischen den Erlebnissen der Jugendlichen und heutigen Podcast-Interviews, in denen Überlebende und Beteiligte die damaligen Ereignisse reflektieren.
    Der Erzählstil ist atmosphärisch dicht, mit vielen feinen Beobachtungen und einer glaubwürdigen Figurenzeichnung. Die ruhige, detailreiche Erzählweise fängt sowohl die innere Unsicherheit der Jugendlichen als auch die beklemmende Atmosphäre der Gemeinschaft gut ein.
    Allerdings ziehen sich manche Passagen zu sehr in die Länge, sodass die Spannung zeitweise abfällt. Gerade in der Mitte hätte eine straffere Erzählung der Geschichte gutgetan.
    Fazit: Ein interessanter, sensibel geschriebener Roman über erste Liebe, Freiheit und Unterdrückung, der vor allem in der Atmosphäre stark ist, jedoch nicht durchgehend fesselt. Für Leser, die es eher gemütlich mögen und sich nicht an längeren Passagen stören, ist das Buch eine gute Wahl. Aber ein echter Pageturner? Eher nicht. 3 Sterne.
    Schwestern der Freiheit

    Heather Morris
    Schwestern der Freiheit (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    09.08.2025

    Wenn Zusammenhalt über Leben entscheidet

    Heather Morris entführt den Leser in „Schwestern der Freiheit“ mitten in das Jahr 1942, als Singapur unter japanische Kontrolle fällt. Die australische Krankenschwester Nesta James und die englische Musikerin Norah Chambers – beides reale Frauen – versuchen, dem Chaos zu entkommen, erleiden jedoch Schiffbruch und werden schließlich in ein japanisches Kriegsgefangenenlager in Indonesien gebracht.
    Die Autorin hat akribisch recherchiert und verarbeitet hier wahre Begebenheiten mit großem Respekt. Sie schildert eindrucksvoll, wie die Frauen Hunger, Krankheit und Gewalt ertragen mussten und wie sie trotz allem menschliche Wärme bewahrten. Und wie sie dennoch Kraft aus Freundschaft, Zusammenhalt und kleinen Momenten der Menschlichkeit schöpften. Besonders bewegend ist Norahs Idee, ein „Stimmorchester“ zu gründen: Musik als Rettungsanker in einer Welt, die alles Menschliche auszulöschen drohte.
    Beim Lesen hat mich die Geschichte tief berührt. Es war schmerzhaft, das Leid dieser Frauen mitzuerleben, und gleichzeitig tröstlich, wie sie sich gegenseitig Hoffnung und Würde gaben. Die kleinen Gesten – ein geteiltes Stück Brot, ein Lächeln, ein gemeinsames Lied – leuchteten wie Funken im Dunkeln.
    Manche Passagen hätte ich mir noch ausführlicher gewünscht, um einzelne Figuren noch näher kennenzulernen. Doch vielleicht spiegelt diese Zurückhaltung gerade die innere Distanz wider, die sie zum Überleben brauchten.
    „Schwestern der Freiheit“ ist keine leichte Lektüre, aber eine, die im Gedächtnis bleibt. Ein aufwühlendes, authentisches und respektvolles Porträt außergewöhnlicher Frauen, das zeigt, wie viel Kraft in Freundschaft, Mitgefühl und dem Willen zum Überleben steckt. Und das uns daran erinnert, dass dies keine Fiktion, sondern erlebte Geschichte ist. 5 Sterne.
    Anna oder: Was von einem Leben bleibt

    Henning Sußebach
    Anna oder: Was von einem Leben bleibt (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    07.08.2025

    Ein stilles Leben, behutsam rekonstruiert

    Dieses Buch hat mich von Anfang an auf eine besondere Art eingefangen. Ohne große Gesten, ohne Dramatik – aber mit stiller Intensität entfaltet sich beim Lesen eine bemerkenswerte Tiefe.
    Im Mittelpunkt steht Anna Kalthoff, eine Frau, die Ende des 19. Jahrhunderts in einem kleinen Ort im Sauerland lebt. Ihre Geschichte ist nicht in großen historischen Ereignissen verankert – und doch erzählt sie so viel über Mut, Selbstbestimmung und das stille Ringen um ein selbstgewähltes Leben. Anna widersetzt sich dem Lehrerinnenzölibat, heiratet trotz Verbots, wird zur Witwe, übernimmt Post und Gasthof, zieht ein Kind groß, heiratet später erneut – einen deutlich jüngeren Mann.
    Henning Sußebach rekonstruiert Annas Leben anhand weniger überlieferter Spuren: Fotos, Briefe, ein Poesiealbum, mündliche Überlieferungen. Wo Dokumente fehlen, tastet er sich vorsichtig mit Mutmaßungen heran, ohne je etwas zu überhöhen oder zu dramatisieren. Gerade diese respektvolle Annäherung hat mich sehr berührt. Es ist kein Versuch, eine Heldin zu erschaffen, sondern das Bemühen, einen Menschen zu erkennen; mit Licht und Schatten, in einem bestimmten sozialen und historischen Kontext.
    Die Sprache ist klar, schnörkellos, oft sachlich. Doch zwischen den Zeilen liegt eine spürbare Wärme. Immer wieder begegnet man feinen Beobachtungen und kleinen Gedanken über das Erinnern, über familiäre Weitergabe, über das Vergessen. Man liest nicht nur eine Lebensgeschichte, sondern spürt, wie sehr uns die Vergangenheit prägt, auch wenn sie nur in Bruchstücken überliefert ist.
    Mich hat das Buch auf eine stille, aber eindringliche Weise berührt. Ohne Pathos, aber mit einem feinen Gespür für das Wesentliche erzählt es von einem Frauenleben, das so nie im Geschichtsbuch stehen würde – aber trotzdem nicht vergessen werden sollte.
    Was bleibt von einem Leben, wenn irgendwann niemand mehr davon spricht? Diese Frage zieht sich wie ein leiser Nachhall durch das Buch. Ich habe es nicht nur gelesen, sondern durchlebt – manchmal mit einem Kloß im Hals, manchmal mit einem Lächeln.
    Ein ruhiges, unaufgeregtes, sehr menschliches Buch. Und ein Plädoyer dafür, auch die leisen Geschichten ernst zu nehmen, denn gerade sie machen uns aus. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
    51 bis 75 von 668 Rezensionen
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