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    dorli Top 50 Rezensent

    Aktiv seit: 13. Februar 2018
    "Hilfreich"-Bewertungen: 25

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    283 Rezensionen

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    Die fremde Prinzessin

    Sabrina Qunaj
    Die fremde Prinzessin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    15.06.2018

    Die fremde Prinzessin

    In ihrem historischen Roman „Die fremde Prinzessin“ nimmt Sabrina Qunaj den Leser mit in das 12. Jahrhundert nach Wales und Irland und erzählt von einem bedeutenden Ereignis in der irischen Geschichte: der normannischen Eroberung des Landes.

    Im Mittelpunkt dieses vierten und abschließenden Bandes der Geraldines-Reihe steht eine uneheliche Tochter von Richard „Strongbow“ de Clare: Basilia „Lia“ de Clare. Lia wächst im Schatten der Burg von Striguil auf und ist ein richtiger Wildfang. So herrlich ungestüm, dass eigentlich jeder sie sofort ins Herz schließen müsste, doch als Tochter eines normannischen Earls und einer walisischen Magd hat sie es nicht gerade leicht. Sie wird von keiner Seite wirklich akzeptiert, sondern immer wieder als Bastard beschimpft. Aber Lia lässt sich nicht unterkriegen, im Gegenteil, ihre vielfältigen Erfahrungen machen sie stark für das Leben, das ihr Vater für sie vorgesehen hat. Zu einer heiratsfähigen jungen Frau herangewachsen, nimmt Strongbow Lia mit nach Irland. An der Seite ihrer Stiefmutter Aoife lernt sie das von blutigen Unruhen erschütterte Land kennen und schließlich auch lieben…

    Eine weitere Hauptrolle in dieser Geschichte spielt Raymond le Gros, ein Enkel von Nesta ferch Rhys und Gerald de Windsor. Raymond ist einer der fähigsten Ritter in Strongbows Gefolge, besonders die militärischen Erfolge während der Eroberung Irlands gehen zu einem erheblichen Teil auf sein Konto. Obwohl Strongbow auf Raymonds Geschick als Feldherr angewiesen ist und ihm in diesem Bereich vollkommen vertraut, herrscht auf persönlicher Ebene eine regelrechte Fehde zwischen den beiden Männern – ein Umstand, der auch für Lias Lebensweg von großer Bedeutung ist…

    Sabrina Qunaj erzählt Lias Geschichte sehr anschaulich und unterhaltsam, jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd. Die Autorin hat eine Fülle wahrer Begebenheiten in die Handlung eingeflochten und zeichnet damit ein facettenreiches und sehr glaubwürdiges Bild von Zeit und Ort - man kann sich die Schauplätze und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen und durchweg prima mit den Akteuren mitfiebern und mitfühlen.

    Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren bekommen schnell ein Gesicht, alle werden lebhaft und ausdrucksstark dargestellt und wirken in ihrem Tun überzeugend. Es war äußerst spannend, die Wege der Akteure zu verfolgen und es hat Spaß gemacht, ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten und die schönen Momente wie auch die traurigen Augenblicke mit ihnen zu teilen. Ob nun Lias intrigante Zwillingsschwester Alina, der wissbegierige Knappe Geoffrey oder auch der scheußliche Robert de Quincy – sie alle sorgen dafür, dass die Geschichte immer wieder neuen Schwung bekommt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.

    „Die fremde Prinzessin“ hat mich rundum begeistert – eine gelungene Verknüpfung von historischen Fakten, Spannung und Unterhaltung, die schwungvoll erzählt wird und mir eine interessante, kurzweilige Zeitreise beschert hat.
    Denzau, H: Landarzt zum Verlieben

    Heike Denzau
    Denzau, H: Landarzt zum Verlieben (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    14.06.2018

    Ein Landarzt zum Verlieben

    Elmfleth an der Elbe - ein beschauliches Dorf, in dem nie Hektik herrscht. Hier ist die 28-jährige Isa Hofer aufgewachsen. Ohne Vater, denn Thomas Hofer hat seiner Familie vor 20 Jahren den Rücken gekehrt. Isa vermisst ihn auch heute noch sehr, aber eigentlich ist sie sauer auf ihn, weil er nach wenigen Briefen einfach den Kontakt abgebrochen hat…

    Isa ist ausgebildete Krankenschwester und studiert mittlerweile Medizin, nimmt sich aber gerade eine Auszeit, um ihre verunfallte Mutter in der Familienpension zu unterstützen. Nebenbei hilft sie halbtags in der Landarztpraxis von Dr. Hollerbeck aus. Als Onkel Hollerbeck plötzlich ins Krankenhaus muss, erscheint als Vertretung dessen Neffe auf der Bildfläche. Dr. Aaron Berner ist Isa noch aus Kindertagen in Erinnerung, „Professor Fetty“ haben sie und ihre beste Freundin Jette ihn immer genannt - der Mann, der ihr jetzt gegenübersteht, hat allerdings nichts mehr mit dem pummeligen Brillenträger von damals gemein, sondern lässt Isas Herz prompt schneller schlagen…

    Neben einigen Höhen und Tiefen in der Dorfgemeinschaft sorgt auch ein Pensionsgast, um dessen Unterbringung Jette gebeten hat, für mächtig Wirbel - Jettes Onkel Tommaso benimmt sich irgendwie merkwürdig und übt dabei eine ganz besondere Anziehungskraft auf Isa aus…

    Heike Denzau hat einen angenehm zu lesenden, sehr humorvollen Schreibstil. Schon nach wenigen Seiten ist man mittendrin im Geschehen und kann prima mit Isa mitfiebern und mitfühlen.

    Isa ist eine Protagonistin, der man gerne folgt. Die 28-Jährige hat ein großes Herz und immer ein offenes Ohr für die Probleme ihrer Mitmenschen, nur die Unwuchten in ihrem eigenen Leben, die kriegt sie nicht so richtig in den Griff. Isas Gefühlswelt fährt im Verlauf der Handlung immer wieder Achterbahn - besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin für diese Geschichte die Ich-Perspektive gewählt hat und Isa selbst von ihren Erlebnissen erzählen lässt, da man so alles, was die Studentin beschäftigt und durchmacht, sehr intensiv miterlebt.

    Auch die anderen Figuren haben Persönlichkeit und Ausstrahlung. Jeder Einzelne bekommt schnell ein Gesicht und bringt mit seinen Eigenarten, Besonderheiten und Macken eine Menge Schwung in die Handlung. Der Humor ist frisch und natürlich, die Dialoge sind lebhaft, das ganze Geschehen ist bis auf wenige traurige Momente sehr fröhlich - es macht einfach Spaß, das Miteinander und Gegeneinander der Akteure zu beobachten.

    „Ein Landarzt zum Verlieben“ hat mir sehr gut gefallen – genau der richtige Schmöker für einen gemütlichen Lesenachmittag auf Terrasse oder Balkon.
    Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal

    Anja Marschall
    Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.06.2018

    Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal

    In ihrem historischen Kriminalroman „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ nimmt Anja Marschall den Leser mit in das Jahr 1896 nach Kiel. Die Autorin wartet mit einem Mix aus historischen Fakten und spannender Fiktion auf und lässt diesen Krimi damit zu einer kurzweiligen Zeitreise werden.

    Hauke Sötje, ehemaliger Kapitän und jetzt Kommissar bei der neuen Kriminalpolizei in Kiel, ist zufällig zugegen, als die Leiche einer jungen Frau aus dem Kanal gezogen wird. Obwohl der Fall schnell als Selbstmord abgetan wird, sagt Haukes Bauchgefühl etwas anderes, denn es gibt ein paar Indizien, die für ein Fremdverschulden sprechen. Hauke bittet Levi Bloch, den Schreiber des Kommissariats, sich bezüglich der offenen Fragen für ihn umzusehen und umzuhören, da er selbst sich ein paar Tage vom Dienst freistellen lassen hat, um einen inoffiziellen Auftrag im Kieler Schloss zu erledigen. Während des Besuchs einer russischen Delegation soll Hauke einen Spion beschützen – eine Aufgabe, die er nur übernimmt, weil diese ihm die Gelegenheit bietet, die Geister der Vergangenheit abzuschütteln und den Mann zur Rechenschaft zu ziehen, der für den Untergang seines Schiffes und den Tod seiner Mannschaft verantwortlich ist. Dass er schnurstracks in eine Falle tappt, ahnt der Kommisaar jedoch nicht…

    „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ ist bereits der dritte Fall für Hauke Sötje, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

    Für die Ermittler gilt es in diesem Fall, ein Knäuel aus rätselhaften Spuren, hinterhältigen Machenschaften und fragwürdigen Personen zu entwirren – als Leser ist man von Anfang an mittendrin in diesem spannenden Verwirrspiel und kann bis zum Schluss prima über Täter und Motive miträtseln und mitgrübeln.

    Anja Marschall hat ein gutes Händchen dafür, die fesselnde Krimihandlung mit historischen Fakten und wahren Begebenheiten zu verweben. Das Kiel des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird vielschichtig dargestellt. Neben der Mentalität und den Eigenarten der Menschen in der damaligen Zeit fließen auch Lebensweise, Alltag, politische Lage, gesellschaftliche Gepflogenheiten, technische Errungenschaften und Mode in das Geschehen ein – alles was die Menschen im alten Kiel beschäftigt und bewegt hat, findet man in der Handlung wieder. Die ganze Szenerie wirkt dadurch durchweg authentisch und lebendig, so dass das Lesen dieses historischen Krimis zu einem besonderen Erlebnis wird.

    „Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal“ hat mich rundum begeistert – die gut ausbalancierte Mischung aus Spannung und Historie hat mir nicht nur unterhaltsame Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die Historie Kiels ermöglicht.
    Die Pranken des Löwen

    Mac P. Lorne
    Die Pranken des Löwen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    30.05.2018

    Die Pranken des Löwen

    In seinem historischen Roman „Die Pranken des Löwen“ geht Mac P. Lorne der Frage nach, wie aus einem mittelenglischen Freibauern ein so hervorragender Kämpfer und Bogenschütze wie der legendäre Robin Hood werden konnte. Hierzu hat der Autor die historischen Ereignisse zwischen Februar 1110 und dem Winter 1186 mit einer facettenreichen fiktiven Handlung verflochten und nicht nur ein glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet, sondern zudem eine durchaus denkbare Ahnengeschichte für den englischen Volkshelden konstruiert.

    Matilda, Tochter Henry I., ist 8 Jahre alt, als sie den jungen Gardisten Robert Fitzooth davor bewahrt, seine rechte Hand zu verlieren. Robert wird zum persönlichen Leibwächter der Prinzessin ernannt und begleitet Matilda nicht nur zu ihrer Verlobung mit Heinrich V. nach Deutschland, sondern bleibt jahrzehntelang treu an ihrer Seite. Als der während eines Italienaufenthalts an Malaria erkrankte Robert auf dem Rückweg nach Trier bewusstlos von Pferd fällt, lässt Matilda ihn von heilkundigen Nonnen im Kloster Disibodenberg gesund pflegen. Hier lernt der Leibwächter die junge Martha kennen und lieben – die späteren Großeltern von Robin Hood haben sich gefunden.

    Mac P. Lorne erzählt sehr unterhaltsam, jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich nicht nur ruckzuck mittendrin im Geschehen war, sondern mir die Handlungsorte und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen konnte.

    Der Autor wartet besonders im ersten Teil des Buches mit einer geballten Ladung an historischen Fakten auf, die aber so spannend und mitreißend verpackt sind, das es großen Spaß macht, die Wege der Akteure zu verfolgen und ihr Miteinander und Gegeneinander zu beobachten. Das Leben und Wirken Matildas steht hier im Mittelpunkt und man erlebt ihre aufregende Zeit als Kaiserin des römisch-deutschen Reiches genauso intensiv mit, wie das viele Jahre andauernde Gerangel mit ihrem Cousin Stephan von Blois um die englische Krone.

    Im zweiten Teil des Buches wird der historische Roman dann zu einer fesselnden Abenteuergeschichte. Mac P. Lorne erzählt in diesem Part, wie es dazu kam, dass aus dem jüngeren Robert Fitzooth der sagenumwobene Robin Hood wurde. Es geht mitten hinein in den Sherwood Forest und man bekommt die bekannten Geschichten rund um Robin und seine Merry Men kurzweilig präsentiert.

    Fiktive und historische Figuren werden von Mac P. Lorne einleuchtend miteinander kombiniert, ihr Zusammenspiel ist gut durchdacht und ausgeklügelt. Jeder Einzelne bekommt schnell ein Gesicht, zeigt Emotionen und handelt entsprechend seinen Eigenheiten.

    „Die Pranken des Löwen“ hat mir sehr gut gefallen – eine tolle Mischung aus Historie, Spannung und Abenteuer, die mir nicht nur abwechslungsreiche Lesestunden beschert, sondern mir auch eine fesselnde Zeitreise in die Geschichte Europas ermöglicht hat.
    Nur Gisela sang schöner

    Dany R. Wood
    Nur Gisela sang schöner (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.05.2018

    Nur Gisela sang schöner

    Oberkommissar Jupp Backes – Dorfpolizist in der beschaulichen Gemeinde Hirschweiler – hadert mit seinem langweiligen, tristen Beamtendasein. Er sehnt sich nach echter Ermittlungsarbeit. Und diese soll er schneller bekommen als gedacht, denn er und seine Frau Inge finden Nachbarin Beate tot in deren Badewanne. Während das LKA Saarbrücken den Fall als Selbstmord abtut, ist Inges Baugefühl anderer Meinung und auch Jupp findet Indizien, die auf ein Fremdverschulden hinweisen. Familie Backes beginnt zu ermitteln – neben Jupp und Inge ist auch Oma Käthe mit von der Partie. Die 81-Jährige bringt die Ermittlungen immer wieder mit gezielter Internetrecherche voran…

    Dany R. Wood hat einen angenehm zu lesenden, sehr unterhaltsamen Schreibstil. Der Autor wartet mit einen frischen, natürlich wirkenden Humor auf und kann mit Wortwitz und Situationskomik punkten. Auch wenn der Krimi nicht mit nervenaufreibender Höchstspannung daherkommt, lädt das verzwickte Geschehen den Leser zum Mitfiebern und Miträtseln ein.

    Der Clou in diesem Krimi sind ganz eindeutig die herrlichen und zum Teil recht skurrilen Figuren – alle werden sehr gut charakterisiert und beleben mit ihren Eigenarten und Besonderheiten die Szenerie. Ich habe schmunzelnd das Miteinander und Gegeneinander in der Hirschweiler Dorfgemeinschaft verfolgt und mich dabei köstlich über die extrovertierte Käthe, Nackt-Nachbarn Karl-Heinz und viele weitere Dorfleute amüsiert.

    Das Lesen und Mitermitteln hat Spaß gemacht - „Nur Gisela sang schöner“ ist ein humorvoller Krimi, in dem die eine oder andere Überraschung und vor allen Dingen ein sehr munteres Ermittler-Gespann dafür sorgen, dass keine Langeweile aufkommt.
    Ehlers, J: Abmurksen und Gin trinken

    Jürgen Ehlers
    Ehlers, J: Abmurksen und Gin trinken (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    28.05.2018

    Abmurksen und Gin trinken

    Hamburg. Die arbeitslosen Ü-Fünfziger Jürgen und Hans-Dieter möchten ihre finanzielle Situation verbessern und versuchen sich als Bankräuber, Einbrecher und Gastwirte – da jedoch der gewünschte Erfolg ausbleibt, entscheiden die beiden sich, richtige Berufsverbrecher zu werden. Sie schließen sich Professor Hasso von Lohbergen an und bilden gemeinsam mit Studentin Susanne und Tresorknacker Otto ein kriminelles Quintett: die Killerorganisation. Auftragsmord und Bankraub sind ihr Metier. In geselliger Runde werden abends vor dem Kamin bei einem Gläschen Gin Pläne geschmiedet, die in der Ausführung meist mehr schlecht als recht gelingen. Ein Großauftrag soll ihre leere Kasse füllen, doch hierfür ist die Mithilfe des berühmt-berüchtigten King of Crime erforderlich – dieser muss allerdings zunächst aus dem Altersheim befreit werden…

    Jürgen Ehlers – selbst eine der Hauptfiguren in dieser Gaunerkomödie – wartet hier mit einer Menge Situationskomik und einer großen Portion schwarzem Humor auf.

    Das Buch besteht aus locker miteinander verbundenen Episoden, in denen es jeweils um die Planung und Durchführung eines Verbrechens geht. Die Aktionen strotzen nur so vor haarsträubenden Ideen und gehen trotz aller Raffinesse in der Vorbereitung am Ende meistens aufgrund von Kleinigkeiten schief.

    Auch wenn die Geschichte recht absurd und überdreht daherkommt und ich nicht mit diesem ausgeflippten Geschehen gerechnet habe, habe ich die chaotische Truppe gerne durch die Höhen und Tiefen ihrer aberwitzigen Projekte begleitet – die verrückten Abenteuer haben mir ein ums andere Mal ein Schmunzeln entlockt und ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

    „Abmurksen und Gin trinken“ bietet kurzweilige Unterhaltung für alle, die schwarzhumorige Geschichten mit skurrilen Figuren mögen.
    Friesenguru

    Olaf Büttner
    Friesenguru (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.05.2018

    Friesenguru

    Wilhelmshaven. Ein neuer Fall für Haven-Detektiv Reent Reents! Susi Schöpski bittet – nein, sie fleht den frischgebackenen Erfolgsdetektiv an, ihre 23-jährige Tochter Sassi aus den Fängen der Sekte „Ebbe und Flut“ zu befreien. Reent will den Auftrag ablehnen, weil er keine Lust auf Sektenkram hat, doch plötzlich steckt er dennoch mittendrin in diesem mysteriösen Fall und sucht nicht nur nach Sassi, sondern auch nach einer aus dem Pool des Gurus verschwundenen Leiche…

    Reent (nach seinem ersten, mit Bravour gelösten Fall ein Star seiner Zunft) begibt sich in bereits bewährter Philip-Marlowe-Manier auf Spurensuche. Unterstützt wird er dabei wieder von seiner neumalklugen inneren Stimme und dem Jack Russell Terrier Ricky sowie von dem etwas verpeilten Hundecoach Ubbo Dose und dem Psychologen Klaus Maria Deuter. Die Akteure werden allesamt hervorragend charakterisiert und beleben mit ihren Eigenarten und Besonderheiten die Szenerie - die bunt zusammengewürfelte Truppe hat mich mit ihrem quirligen Miteinander und der Art, wie sie die Ermittlungen anpackt, durchweg prima unterhalten.

    Der Krimi kommt zwar nicht mit nervenaufreibender Höchstspannung daher, kann dafür aber umso mehr mit ganz viel Humor und einer großen Portion Lokalkolorit punkten – nicht nur Land und Leute werden lebhaft beschrieben, auch eine Sagenfigur der Region, das „Minsener Seewiefken“, spielt eine nicht unerhebliche Rolle.

    Olaf Büttner hat die Dialoge mit ganz viel Wortwitz gespickt und den Akteuren zudem viele lockere Sprüche in dem Mund gelegt. Zusätzlichen Schwung erhält die Handlung durch einen locker eingeflochtenen Friesenslang.

    Das Lesen und Mitermitteln hat mir wieder großen Spaß gemacht - „Friesenguru“ ist ein unterhaltsamer Krimi, der mit seinem skurrilen Humor von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige Unterhaltung bietet.
    Wie man die Zeit anhält

    Matt Haig
    Wie man die Zeit anhält (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    23.05.2018

    Wie man die Zeit anhält

    London, heute. Tom Hazard ist der neue Geschichtslehrer an der Oakfield School. Der etwas verschrobene Einzelgänger ist kein gewöhnlicher Geschichtslehrer, denn er hat die Dinge, die er lehrt, selbst erlebt. Tom sieht zwar aus wie vierzig, wurde aber am 03. März 1581 geboren. Ein Gendefekt lässt ihn sehr langsam altern. Was wie eine wunderbare Veranlagung klingt, ist jedoch alles andere positiv, denn sie macht einsam. Niemand darf Toms Geheimnis erfahren – deshalb muss er alle acht Jahre seine Identität wechseln und an einem anderen Ort eine neue Existenz aufbauen. Es ist die Suche nach seiner Tochter Marion, die Tom über die Jahrhunderte hinweg einen Grund gegeben hat, am Leben zu bleiben. Als Tom sich an seiner neuen Schule in die Französischlehrerin Camille verliebt, ändert sich alles für ihn …

    In seinem Roman „Wie man die Zeit anhält“ nimmt Matt Haig den Leser mit auf eine sehr ungewöhnliche Zeitreise. Der Autor lässt seinen Protagonisten mit einer etwas melancholischen Stimme aus seinem langen Leben erzählen – der Leser begleitet Tom in Rückblenden durch stetig wechselnde Zeiten, teilt die Erinnerungen und Erfahrungen, die er in den unterschiedlichen Epochen gemacht hat, mit ihm und lernt dabei auch einige historische Persönlichkeiten kennen, denen Tom begegnet ist.

    Matt Haig präsentiert hier eine Geschichte, die weit mehr beinhaltet, als es auf den ersten Blick der Fall zu sein scheint. Der Autor hat einige philosophische Überlegungen über die Zeit und das Leben in die Handlung eingebaut, die in der Erkenntnis münden, dass wir alle die Zeit anhalten können, wenn wir uns nur auf unsere Gegenwart konzentrieren. Toms Weg zu dieser Erkenntnis wird spannend und fantasievoll erzählt – das Buch entfaltet schnell eine Sogwirkung, der man sich als Leser kaum entziehen kann.

    „Wie man die Zeit anhält“ hat mir sehr gut gefallen – ein Buch, dass nicht nur auf eine ganz eigene, besondere Art zu unterhalten weiß, sondern den Leser auch immer wieder zum Nachdenken animiert.
    Constantine, L: Dein Leben gegen meins

    Liv Constantine
    Constantine, L: Dein Leben gegen meins (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    06.05.2018

    Dein Leben gegen meins

    Amber Patterson ist es leid, unsichtbar zu sein. Sie möchte bemerkt werden, man soll sie beachten und zu ihr aufblicken. Amber will jemand anderes sein – nicht irgendjemand anderes, sie will das perfekte Leben von Daphne Parrish haben und um dieses Ziel zu erreichen, hat sie einen perfiden Plan ausgeklügelt…

    Die Geschichte beginnt recht ruhig. Man lernt die Protagonisten aus Ambers Sicht kennen und erlebt mit, wie diese boshafte, neidische Frau ganz sachte die Tür zu Daphnes Leben aufmacht. Sie gibt sich hilfsbereit und bescheiden, erschleicht sich geschickt Daphnes Vertrauen, macht sich nach und nach unentbehrlich und wird schließlich zu ihrer besten Freundin.

    Im zweiten Teil des Buches wechselt die Perspektive auf Daphne, das Geschehen wird rasanter und spannender und man versteht in diesem Abschnitt, warum Daphne die ganze Zeit die Vertrauensseligkeit in Person war und Amber so ein leichtes Spiel hatte.

    Obwohl der Klappentext die Überraschung aus der Wendung in der Geschichte nimmt, habe ich gefesselt die Entwicklung der Ereignisse verfolgt. Die Darstellung der Protagonisten hat mir gut gefallen - sie sind allesamt ausdrucksstark und wirken echt, wenn auch durchweg wenig sympathisch. Auch den Ablauf der Handlung habe ich als sehr gelungen empfunden.

    „Dein Leben gegen meins“ hat mir insgesamt sehr gut gefallen. Ein Roman, der deutlich macht, dass im Leben nicht immer alles so erstrebenswert ist, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.
    Muscheln, Mord und Meeresrauschen

    Christiane Franke
    Muscheln, Mord und Meeresrauschen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.05.2018

    Muscheln, Mord und Meeresrauschen

    Neuharlingersiel. Bei einem Großbrand auf der Baustelle des geplanten Entspannungszentrums „Meeresrauschen“ kommt der polnische Arbeiter Wacław Drawo ums Leben. Nur kurze Zeit nachdem der Investor Johann Gehrken lautstark verkündet hat, dass er genau weiß, um wen es sich bei dem Brandstifter handelt, wird er eiskalt ermordet. Die Kripo Wittmund nimmt die Ermittlungen auf und auch Hobbydetektivin Rosa Moll und ihre Freunde Rudi und Henner lassen es sich nicht nehmen, Licht in das Dunkel dieses Falls zu bringen…

    „Muscheln, Mord und Meeresrauschen“ ist bereits der fünfte Fall für das Neuharlingersieler Ermittlertrio, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

    Christiane Franke und Cornelia Kuhnert erzählen diesen Krimi gewohnt schwungvoll und haben mit ihrem neuen Krimi um Rosa, Henner und Rudi erneut einen Volltreffer gelandet. Den Leser erwartet eine unterhaltsame Spurensuche, bei der man bis zur schlüssigen Auflösung prima über Täter, Motive und Hintergründe mitgrübeln und miträtseln kann.

    Die Akteure werden alle sehr authentisch dargestellt und handeln glaubwürdig und nachvollziehbar. Sie beleben mit ihren Eigenarten, Macken und Besonderheiten die Szenerie und tragen damit kräftig zur Unterhaltung bei - jeder Einzelne des gesamten „Stammpersonals“ ist auf seine Art liebenswert und nimmt einen wichtigen Platz in der Geschichte ein.

    Punkten können die Autorinnen auch in diesem Band wieder mit einer großen Portion Lokalkolorit. Die Besonderheiten des beschaulichen Küstenortes werden hervorgehoben und auch die Mentalität der Einheimischen und die Spezialitäten der Region fließen in die Handlung ein.

    Die Mischung aus Spannung und Humor ist den Autorinnen einmal mehr ausgezeichnet gelungen - „Muscheln, Mord und Meeresrauschen“ ist ein Ostfriesen-Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweiliges Lesevergnügen bietet.
    Planetenpolka

    Lotte Minck
    Planetenpolka (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.05.2018

    Planetenpolka

    In ihrer Ruhrpott-Krimödie „Planetenpolka“ schickt Lotte Minck eine neue Hobby-Ermittlerin ins Rennen: die Astrologin Stella Albrecht.

    Stellas Großmutter Maria, die sich ebenfalls der Astrologie verschrieben hat und als Madame Pythia wahrsagt, kann es nicht fassen - ihre gute Freundin Cäcilie von Breidenbach ist tot! Dabei strotze die schwerreiche alte Dame geradezu vor Gesundheit und hatte eine Weltreise geplant. Ob womöglich einer der ungeduldigen Erben bei Cäcilies plötzlichen Ableben seine Finger im Spiel hatte? Stella ist fest davon überzeugt und wendet sich an die Polizei - doch für Kommissar Arno Tillikowski zählen keine verhängnisvollen Planetenkonstellationen, sondern nur handfeste Indizien und Beweise. Mit dem Mumpitz dieser durchgeknallten Astrotante kann er nichts anfangen…

    Lotte Minck wartet in dem ersten Band ihrer neuen Krimireihe mit einer großen Portion Wortwitz und reichlich Situationskomik auf. Der Humor ist frisch und natürlich und wirkt zu keiner Zeit aufgesetzt. Besonders begeistert haben mich die außergewöhnlichen Figuren. Jeder Einzelne bekommt schnell ein Gesicht und bringt mit seinen Eigenarten, Besonderheiten und Macken eine Menge Schwung in die Handlung, so dass durchweg für eine lebhafte Szenerie gesorgt ist.

    Stella geht gemeinsam mit dem Journalisten Ben Glaeser auf Spurensuche und auch Oma Maria mischt bei den Ermittlungen kräftig mit. Sie haben ihre besonderen Methoden und nutzen ihre ganz eigenen Quellen für Informationen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Es macht großen Spaß, die Truppe zu begleiten und ihnen bei ihren Nachforschungen über die Schultern zu schauen.

    Das Lesen und Mitermitteln hat großen Spaß gemacht - „Planetenpolka“ ist ein humorvoller Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige Unterhaltung bietet.

    Schwarzes Watt

    Hendrik Berg
    Schwarzes Watt (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    06.05.2018

    Schwarzes Watt

    Nordfriesland. Die Kölnerin Ina Maurer macht mit ihrer Familie Urlaub in St. Peter-Ording. Auf dem Rückweg vom Strand zur Ferienwohnung glaubt sie den Mann wiedererkannt zu haben, der vor 20 Jahren ihre Schwester Nelly am Elbstrand in Övelgönne brutal erschlagen hat. Kommissar Theo Krumme und seine Kollegin Patrizia Reichel gehen Inas Angaben nach und finden schnell heraus, dass es sich bei dem Verdächtigen um den hoch angesehenen und allseits beliebten Pastor Jonas Hartung handelt…

    „Schwarzes Watt“ ist bereits der vierte Fall für den sympathischen Kommissar von der Kripo Husum, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände bestens verständlich.

    Hendrik Berg hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Der Kriminalfall ist von Anfang an fesselnd und wird im Verlauf der Handlung immer dramatischer, weil Ina, obwohl alles für Hartungs Unschuld spricht, nicht wahrhaben will, dass sie sich getäuscht hat und deshalb auf eigene Faust versucht, den vermeintlichen Mörder dingfest zu machen.

    Auch in diesen Krimi hat Hendrik Berg wieder einen kleinen übersinnlichen Part eingebaut – in mehreren kurzen Einschüben begegnet man der schwarzhaarigen Rieke, die über die Jahrhunderte hinweg immer dort erscheint, wo einem Mädchen oder einer jungen Frau Gewalt angetan wurde. Auch in Inas Nähe taucht die rätselhafte Erscheinung in dem einfachen Leinenkleid wiederholt auf…

    Einblicke in Krummes Privatleben, ein paar sehr humorvolle Szenen mit Nachbarshund Watson sowie eine gute Portion Lokalkolorit sorgen für zusätzliche Unterhaltung und runden die Krimihandlung prima ab.

    „Schwarzes Watt“ hat mir sehr gut gefallen - ein Krimi, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß - ein rundum spannendes Lesevergnügen.
    Die Arznei der Könige

    Sabine Weiß
    Die Arznei der Könige (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.05.2018

    Die Arznei der Könige

    In ihrem historischen Roman „Die Arznei der Könige“ entführt Sabine Weiß den Leser in das 14. Jahrhundert und erzählt die Geschichte der Heilerin Jakoba Félicie de Almania. Die Autorin hat die wenigen historischen Fakten, die über Jakobas Leben bekannt sind, mit einer spannenden fiktiven Geschichte verknüpft und lässt diesen Roman damit zu einer interessanten, kurzweiligen Zeitreise werden.

    Nachdem Jakoba durch ein tragisches Unglück ihren Mann und ihren Sohn verloren hat, hat sie im Kloster Ebbekestorpe ein neues Zuhause gefunden und sich ganz und gar der Heilkunst verschrieben. Doch ihr Leben wird ein weiteres Mal aus der Bahn geworfen – ihr Bruder Anno lässt sie aus dem Kloster entführen und bestimmt, dass sie den gewalttätigen Patrizier Gevehard Reppenstede heiraten muss. Als Jakoba einen von dessen brutalen Übergriffen abwehrt und Gevehard dabei schwer stürzt, flüchtet sie und schließt sich kurze Zeit später dem fahrenden Theriak-Krämer Meister Arnold und dessen Frau Mona an. Mit ihnen reist Jakoba nach Venedig, wo sie lernt, wie Theriak hergestellt wird. Schließlich landet sie in Paris und macht sich als Heilerin einen Namen…

    Sabine Weiß hat einen flüssig zu lesenden Schreibstil, der den Leser schnell in das Geschehen hineinzieht. Die Autorin erzählt sehr anschaulich und wartet mit einer Fülle von Details auf, so dass man sich die Schauplätze und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen kann. Vieles, was die Menschen damals bewegt und beschäftig hat, findet man in der Handlung wieder. Neben wahren Begebenheiten, Alltagsleben, Gepflogenheiten und Mode stehen natürlich die Herstellung von Heiltränken und die Behandlungsmethoden der damaligen Zeit im Mittelpunkt des Geschehens.

    Sehr gut gefallen hat mir die Darstellung der Akteure. Sowohl Haupt- wie auch Nebenfiguren bekommen schnell ein Gesicht, alle werden lebendig und ausdrucksvoll präsentiert und wirken in ihrem Tun überzeugend.

    Sabine Weiß hat keinen leichten Weg für ihre Protagonistin vorgesehen. Hunger, Erschöpfung, Intrigen, Überfälle – Jakoba hat immer wieder mit herben Niederlagen zu kämpfen. Man hofft und bangt stets mit ihr, dass all die Turbulenzen und Strapazen irgendwann ein Ende haben werden und der Tag kommt, an dem sie einfach nur das machen kann, wovon sie immer geträumt hat: als Heilerin arbeiten.

    Überraschungen und Wendungen sorgen im Verlauf der Handlung dafür, dass die Geschichte immer wieder neuen Schwung bekommt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.

    „Die Arznei der Könige“ hat mir sehr gut gefallen. Die mitreißend erzählte Mischung aus Historie, Spannung und Abenteuer hat mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die frühe Medizingeschichte ermöglicht.
    Lo Cascio, P: Spiel der Königsmacher

    Priska Lo Cascio
    Lo Cascio, P: Spiel der Königsmacher (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    02.05.2018

    Das Spiel der Königsmacher

    In ihrem Roman „Das Spiel der Königsmacher“ nimmt Priska Lo Cascio den Leser mit auf eine kurzweilige Zeitreise in das 10. Jahrhundert und wartet mit einer gut ausbalancierten Mischung aus Historie, Spannung und Romantik auf. Die Autorin hat die historischen Ereignisse zwischen August 911 und dem Jahr 916 mit einer mitreißenden fiktiven Geschichte verknüpft und ein vielschichtiges und vor allen Dingen sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Zeit gezeichnet.

    Priska Lo Cascio erzählt sehr unterhaltsam. Jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich ruckzuck mittendrin war in einer Welt aus Lug und Trug, Machtgier, Intrigen und Verrat, aber auch aus Liebe und Leidenschaft. Dank der farbenfrohen Beschreibungen und detailreichen Schilderungen konnte ich mir die Schauplätze und die vorherrschenden Gegebenheiten bestens vorstellen. Man erlebt im Verlauf der Handlung viele aufregende und einschneidende Momente intensiv mit und kann sich daher bestens in die Zeit und die Lage der Menschen einfühlen.

    Die Figuren bekommen allesamt schnell ein Gesicht, sie wirken echt, sind ausdrucksstark und haben Persönlichkeit, sie zeigen Emotionen und handeln entsprechend ihren Eigenheiten. Historische und fiktive Figuren werden geschickt miteinander kombiniert, das Zusammenspiel aller Akteure ist ausgeklügelt und funktioniert bestens.

    Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen der 26-jährige Liuthar - Krieger und Gefolgsmann des sächsischen Herzogssohn Heinrich - und die 21-jährige Fränkin Sarhild von Babenberch, die im Zuge einer Fehde um die Macht im Frankenland ihren Vater, ihren Rang und ihre Heimat verloren hat. Die beiden Protagonisten begegnen sich kurz in Frankfurt und lernen sich dann später besser kennen, als Sarhild zu ihrem Oheim Otto nach Sachsen flüchtet, um einer arrangierten Ehe mit dem barbarischen Manhard von Baiern zu entkommen.

    Liuthar und Sarhild geraten hinein in das Gerangel um die Vorherrschaft im Ostfränkischen Reich und müssen während der Machtkämpfe und Ränkespiele der einflussreichen Landesfürsten und hochrangigen Kirchenvertreter viele Höhen und Tiefen durchleben. Es war äußerst spannend für mich, ihre Wege zu verfolgen und es hat Spaß gemacht, das Miteinander und Gegeneinander aller zu beobachten. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und Sarhild und Liuthar abwechselnd zu Wort kommen lässt. So bekommt man einen guten Einblick in die Ansichten, Beweggründe und Gefühle beider Akteure.

    Dass Priska Lo Cascio ein gutes Händchen für Figuren hat, zeigt sich auch bei den zahlreichen Nebendarstellern. Dazu gehören zum Beispiel Heinrichs quirliger Sohn Thankmar, der mich mit seinen herrlich altklugen Äußerungen begeistert hat. Und der Mönch Frodebert, der nicht nur den Schalk im Nacken hat, sondern zudem einen überaus wichtigen Part in dem Intrigenspiel einnimmt. Oder auch die durchsetzungskräftige Herzogsmutter Kunigunde, die weiß, welche Fäden sie ziehen muss, um die Dinge in die von ihr gewünschte Richtung zu lenken. Jeder Einzelne von ihnen spielt die ihm zugedachte Rolle ausgezeichnet und bereichert die Handlung außerordentlich.

    „Das Spiel der Königsmacher“ hat mich rundum begeistert – eine sehr gelungene Verknüpfung von historischen Fakten, Spannung und Unterhaltung, die mit viel Pep und Schwung erzählt wird und mir nicht nur kurzweilige Lesestunden beschert, sondern mich auch lebensnah an einem Stückchen mitteleuropäischer Geschichte teilhaben lassen hat. Absolute Leseempfehlung!

    Grado im Nebel

    Andrea Nagele
    Grado im Nebel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    01.05.2018

    Grado im Nebel

    Grado. Der kleine Ort an der Nordküste der Adria wird erneut von einem Mord erschüttert. Die Spurenlage dieses neuen Falls ähnelt einer Mordserie, die als abgeschlossen galt, da der geistig behinderte Toto Merluzzi alle Taten gestanden hatte. Obwohl Toto spurlos aus der psychiatrischen Klinik, in der er auf seine Verhandlung warten sollte, verschwunden ist, werden Zweifel an seiner Täterschaft laut und Commissaria Maddalena Degrassi und ihr Team ermitteln entgegen der Anweisung von Commandante Scaramuzza auch in andere Richtungen…

    „Grado im Nebel“ ist der dritte Fall für Maddalena Degrassi und eine unmittelbare Fortsetzung der Ereignisse aus dem zweiten Teil der Reihe. Auch wenn Vorkenntnisse aus „Grado im Dunkeln“ für das Verständnis dieses Krimis nicht unbedingt vonnöten sind, halte ich es für ratsam, die Fälle in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da das Wissen über die vorherigen Ereignisse den Lesegenuss dieser spannend erzählten Geschichte noch erhöht.

    Andrea Nagele hat einen flüssig zu lesenden, sehr mitreißenden Schreibstil - schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die persönlichen Probleme sowie das Miteinander und Gegeneinander der Akteure hautnah mit.

    Die Autorin stellt ihre Figuren interessant und vielschichtig dar. Es gelingt ihr ganz hervorragend, dem Leser die Gedanken und Gefühle ihrer Akteure zu vermitteln. Indem sie den Krimi nicht nur aus Sicht der Ermittler erzählt, sondern die Handlung aus vielen unterschiedlichen Perspektiven präsentiert, bekommt man einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe aller Mitwirkenden.

    Der Kriminalfall ist durchweg fesselnd. Unvorhergesehene Ereignisse - wie Maddalenas schwerer Unfall mit ihrer Moto Guzzi oder der fast mit einer Katastrophe endende Alleingang ihres Kollegen Arturo Fanetti - lassen die Handlung immer dramatischer werden und halten die Spannung auf einem hohen Level.

    „Grado im Nebel“ hat mir sehr gut gefallen – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der von der ersten bis zur letzten Seite kurzweilige, spannende Unterhaltung bietet.
    Nacht über Föhr

    Volker Streiter
    Nacht über Föhr (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    19.04.2018

    Nacht über Föhr

    In seinem historischen Küstenkrimi „Nacht über Föhr“ nimmt Volker Streiter den Leser mit in das Jahr 1845 auf die nordfriesische Insel Föhr. Der Autor wartet mit einer fesselnden Mischung aus Realität und Fiktion auf und lässt diesen Roman damit zu einer kurzweiligen Zeitreise werden.

    Gleich an seinem ersten Tag auf der Insel wird der Reiseschriftsteller Johann Georg Kohl Zeuge der Gefangennahme eines vermeintlichen Mörders. Der seit vielen Jahren auf Föhr lebende Südseeinsulaner Pana Nancy Schoones soll den 14-jährigen Schiffsjungen Ingwer Martens erschlagen haben. Kohl, der nicht nur auf der Suche nach spannenden Geschichten für seinen nächsten Reisebericht ist, sondern auch einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hat, zweifelt an der Schuld des friedvollen Panas und stellt eigene Nachforschungen an…

    Auch Ingwers 13-jährige Schwester Laura ist davon überzeugt, dass jemand anderes ihren Bruder auf dem Gewissen hat. Sie will sich bei den wohlhabenden Badegästen in Wyk umschauen und ahnt nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begibt…

    Volker Streiter hat einen sehr mitreißenden Schreibstil – ruckzuck war ich mittendrin im Geschehen und konnte prima mit den Akteuren mitfiebern.

    Die Darstellung von Land und Leuten ist Volker Streiter hervorragend gelungen – der Autor hebt die Besonderheiten des Landstrichs genauso hervor, wie die Mentalität und die Eigenarten der Inselfriesen, so dass ich mir sowohl die Schauplätze wie auch die Akteure sehr gut vorstellen konnte. Nicht nur das Lokalkolorit ist überzeugend, auch mit dem Zeitkolorit kann der Autor punkten. Lebensweise, Gepflogenheiten, Mode und Sprache der damaligen Zeit fließen genauso in die Handlung ein, wie die politische Lage Föhrs in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Auch der Kontrast zwischen der armen Landbevölkerung und der vornehmen Wyker Badegesellschaft wird beleuchtet.

    Volker Streiter hat ein gutes Händchen dafür, die historischen Fakten, wahren Begebenheiten und lokalen Sehenswürdigkeiten mit fiktivem Geschehen und fesselnder Krimihandlung zu verweben. Der Blick des Lesers wird während der spannenden Spurensuche durch einige Überraschungen und Wendungen in unterschiedliche Richtungen gelenkt, so dass man prima über Täter und Motive miträtseln kann. Selbst nachdem für den Leser etwa ab Mitte des Buches klar ist, wer der eigentliche Bösewicht in dieser Geschichte ist, bleibt die Spannung auf einem hohen Niveau – zum einen, weil der ganze Fall mit dieser Erkenntnis noch lange nicht gelöst ist und zum anderen, weil Volker Streiter das Geschehen mit dramatischen Ereignissen und neuen Fakten bis zum Schluss lebendig und interessant hält.

    „Nacht über Föhr“ hat mich durchweg begeistert – ein gut ausbalancierter Mix aus Spannung und Historie, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
    Kalter Sand

    Anja Behn
    Kalter Sand (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    18.04.2018

    Kalter Sand

    Anja Behn beginnt ihren Kriminalroman „Kalter Sand“ mit einem spannenden, sehr neugierig machenden Prolog: Ein Mann schleppt die Leiche einer Frau durch die Nacht und legt sie im Sand ab.

    Es folgt ein Zeitsprung von 6 Jahren – es ist November auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Kunsthistoriker Richard Gruben hat die Einladung seines langjährigen Freundes Philipp Stöbsand angenommen und besucht den Fotografen an der Ostsee. Philipp hat einen Bildband über die mecklenburgische Ostseeküste herausgebracht und stellt einige der Fotografien im Kunsthaus in Gellerhagen aus. Auf der Vernissage kommt es zu einem Zwischenfall – Philipp wird von Andreas Schoknecht des Mordes an seiner Tochter Annika bezichtigt. Richard ist überrascht, als er erfährt, dass sein Freund in dem Jahre zurückliegenden, nie aufgeklärten Mordfall lange Zeit als Hauptverdächtiger galt. Er möchte mehr über die Hintergründe wissen und beginnt nachzuforschen…

    „Kalter Sand“ ist bereits der dritte Fall für Richard Gruben – für mich war dieser Krimi der erste, bei dem ich dem sympathischen Kunsthistoriker über die Schulter schauen durfte. Auch ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände war ich schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit allen Akteuren gut vertraut zu sein.

    Anja Behn hat mir alles geboten, was für mich zu einem unterhaltsamen Krimi dazugehört: eine flüssig erzählte Geschichte, deren Spannungskurve durchgehend auf einem hohen Niveau bleibt und die mir durch immer neue Fragen und unerwartete Wendungen viel Platz zum Miträtseln und Mitgrübeln gegeben hat.

    Die Figuren wirken allesamt echt und handeln glaubwürdig. Die Autorin erzählt den Krimi nicht nur aus Sicht des ermittelnden Richard, sondern präsentiert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven, so dass man einen guten Einblick in die Ansichten und Beweggründe der Akteure bekommt.

    Anja Behn kann auch mit einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Dank der gelungenen Beschreibungen habe ich mich an die Ostsee versetzt gefühlt und konnte mir die Schauplätze in und um Gellerhagen und Niederwieck – fiktive Küstenorte, die die Autorin in die reale Landschaft der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst eingebettet hat – sehr gut vorstellen.

    „Kalter Sand“ ist ein kurzweiliger Krimi, der mich mit seiner spannenden, abwechslungsreichen Handlung sehr gut unterhalten hat.
    Steirerquell

    Claudia Rossbacher
    Steirerquell (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    17.04.2018

    Steirerquell

    Graz. Die Hochzeit zweier Kollegen wird gefeiert und Sandra Mohr hat ihr Handy während der Trauungszeremonie stummgeschaltet. Als sie ihre Nachrichten schließlich abhört, ist sie schockiert: Ihre Freundin Andrea fleht panisch um Hilfe, kann aber ihren Aufenthaltsort nicht mehr mitteilen, bevor die Verbindung abreißt. Sandra macht sich umgehend auf die Suche, doch Andrea bleibt spurlos verschwunden. Der Fund einer verkohlten Leiche in der Nähe von Loipersdorf lässt Sandra das Schlimmste befürchten, denn in einem dort ansässigen Wellness-Hotel wollte Andrea das Wochenende verbringen…

    „Steirerquell“ ist bereits der achte Fall für Abteilungsinspektorin Sandra Mohr und ihren Chef Sascha Bergmann, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

    Claudia Rossbacher hat einen angenehm zu lesenden Schreibstil und versteht es ganz ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Der Kriminalfall ist von Anfang an fesselnd und wird im Verlauf der Handlung immer dramatischer. Besonders mitreißend sind neben den spannenden Ermittlungen auch die locker in das Geschehen eingestreuten Einschübe, in denen der Leser erfährt, wie es Andrea zwischenzeitlich ergeht.

    Claudia Rossbacher kann auch mit einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Die Autorin rückt in diesem Krimi das Thermenland Steiermark in den Mittelpunkt und hebt dabei die lokalen Begebenheiten und die Besonderheiten der Landschaft hervor. Dank der detailreichen Beschreibungen kann man sich alle Schauplätze sehr gut vorstellen.

    „Steirerquell“ hat mir sehr gut gefallen. Ein spannend erzählter Krimi, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß.
    Bis auf den Grund

    Kathrin Heinrichs
    Bis auf den Grund (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    16.04.2018

    Bis auf den Grund

    Juist. Anton Wieneke – Endsiebziger und seit seinem Schlaganfall auf Hilfe angewiesen – und seine polnische Pflegekraft Zofia Bartoszewski verschlägt es auf die Ostfriesischen Inseln, genauer gesagt nach Juist. Hier hat Janek Sinkiewicz, der Bruder von Zofias bester Freundin Kaja, in einem Hotel als Pianist gearbeitet. Der Musiker ist jedoch seit einigen Tagen spurlos verschwunden und seine Familie macht sich große Sorgen. Zofia und Anton machen sich auf die Suche nach Janek und stolpern schon nach kurzer Zeit über eine Leiche: Hotelchefin Kirsten Jenssen, die angeblich eine Affäre mit Janek gehabt haben soll, liegt brutal ermordet an einem See…

    „Bis auf den Grund“ ist bereits der zweite Fall für das ungleiche Ermittlerduo, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis des vorhergehenden Bandes bestens verständlich.

    Kathrin Heinrichs hat einen angenehm zu lesenden, sehr unterhaltsamen Schreibstil - ich war schnell mittendrin im Geschehen und hatte schon nach wenigen Seiten das Gefühl, mit den Akteuren gut vertraut zu sein.

    Zofia und Anton sind liebenswerte Charaktere, die durch ihre jeweiligen Eigenheiten und den Umgang miteinander auf eine sehr charmante Art unterhaltsam sind. Die beiden haben mich damit, wie sie die Dinge anpacken, einmal mehr rundum überzeugt. Fragen stellen, Hinweisen nachgehen, beobachten und spekulieren – so versuchen Zofia und Anton nicht nur Janek ausfindig zu machen, sondern auch dem Mörder von Kirsten auf die Spur zu kommen. Geschickt lenkt die Autorin den Blick dabei auf unterschiedliche Verdächtige, so dass man als Lesers durchweg prima miträtseln und mitgrübeln kann.

    Der Krimi wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt – neben Zofia und Anton kommt hin und wieder auch Antons Sohn Thomas zu Wort. Thomas ist Kommissar und stellt auf dem Festland Nachforschungen zu dem Fall an. Außerdem erfährt man in mehreren Einschüben, wie es Janek zwischenzeitlich ergeht.

    Kathrin Heinrichs hat ein gutes Händchen dafür, Spannung und Humor miteinander zu verknüpfen. Fesselnde Krimihandlung und ein frischer, natürlich wirkender Witz sorgen durchweg für kurzweiliges Lesevergnügen. Leseempfehlung für alle Krimiliebhaber, die ungewöhnliche Ermittlerteams mögen.
    Die Eifelhexe

    Katja Kleiber
    Die Eifelhexe (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    05.04.2018
    Antweiler/Adenau. Die 36-jährige Unternehmensberaterin Ella Dorn hat nach einem Burn-out Frankfurt den Rücken gekehrt und genießt seit zwei Jahren das Leben in einem alten, abgeschieden gelegenen Forsthaus in der Nähe von Antweiler. Ella beschäftigt sich intensiv mit Kräuterheilkunde und hat sich mit dem Aufspüren von Erdstrahlen und Wasseradern mittels Wünschelrute bereits einen Namen in der Umgebung gemacht. Als der Lokalpolitiker und Vorsitzende des Jagdvereins Wolfgang Leyendecker ermordet aufgefunden wird, gerät Ella in das Visier der polizeilichen Ermittler. Sowohl ihr Wissen in Kräuterkunde – Leyendecker wurde mit einer Überdosis Digitalis vergiftet – als auch die Tatsache, dass sie anfangs den Besuch bei Leyendecker am Abend seines Todes leugnet, lassen Ella äußert verdächtig erscheinen. Um ihre Unschuld zu beweisen, stellt Ella eigene Nachforschungen an…

    Katja Kleiber versteht es mit ihrem lockeren und angenehm zu lesenden Schreibstil ausgezeichnet, den Leser in den Bann ihrer Geschichte zu ziehen. Schnell war ich mittendrin im Geschehen und hatte schon nach kurzer Zeit das Gefühl, mit allen Akteuren gut vertraut zu sein.

    Neben der sympathischen Ella schickt die Autorin den Dorfpolizisten Peter Claes und die ehrgeizige Tanja Marx von der Kriminaldirektion Trier ins Rennen. Obwohl sich Hobbydetektivin und offizielle Ermittler sehr bemühen, scheint eine rasche Aufklärung des Falls lange Zeit unwahrscheinlich, denn Verdächtige haben Alibis und hoffnungsvolle Hinweise verlaufen im Sande – bis Ella beim Bäcker einen Tipp erhält, der sie auf die richtige Spur bringt…

    Katja Kleiber kann mit einer großen Portion Lokalkolorit punkten. Ausführlich werden die Landschaft und die beeindruckende Natur beschrieben, so dass man sich ein gutes Bild von der Gegend machen kann. Die Autorin hebt die Besonderheiten des Landstrichs hervor und lässt zudem lokale Begebenheiten sowie Probleme der Region in die Handlung einfließen, indem sie die unterschiedlichen Interessen von Umweltschützern, Jägern und Landwirtschaft in den Mittelpunkt rückt und dabei auf Themen wie den Natur- und Artenschutz und die Flurbereinigung eingeht.

    „Die Eifelhexe“ hat mir sehr gut gefallen. Die Krimihandlung kommt nicht mit atemloser Höchstspannung daher, kann dafür aber mit einer sympathischen Ermittlerin und interessanten Themen überzeugen.
    Tiefe Havel

    Tim Pieper
    Tiefe Havel (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    05.04.2018

    Tiefe Havel

    Potsdam/Havelland. Der 60-jährige Schiffsführer Jürgen Seitz befindet sich mit seinem Frachtschiff auf dem Havelkanal, als ein Unbekannter von der Stabbogenbrücke bei Paretz aus an Bord springt und ihn ermordet. Eine Tat, die einer Hinrichtung gleicht – wie Hauptkommissar Toni Sanftleben und seinem Team schnell feststellen…

    In einem weiteren Handlungsstrang lernt man den 25-jährigen Sandro Ehmke kennen. Sandro hat nach seiner Haftentlassung Arbeit als Stallgehilfe auf dem Pferdehof von Hartmut Jessen gefunden. Das Aufpäppeln der Fuchsstute Bonita hat dem Exhäftling nach vielen schlechten Erfahrungen neuen Lebensmut gegeben, doch seine kriminelle Vergangenheit hat er nicht hinter sich gelassen…

    Tonis Frau Sofie galt 16 Jahre lang als verschollen. Toni hat sie nach intensiver Suche aufgespürt, doch Sofie, die lange Zeit im Koma lag und mit den Nachwirkungen zu kämpfen hat, braucht Zeit für sich. Sie hat das gemeinsame Hausboot verlassen und lebt in einer Wohngemeinschaft auf einem Resthof, um die verlorene Zeit aufzuarbeiten und zu sich selbst zu finden. Als Toni bei einem Überraschungsbesuch erkennen muss, dass Sofie sich emotional weiter von ihm entfernt hat, als er jemals für möglich gehalten hätte, bricht für den trockenen Alkoholiker eine Welt zusammen und er greift wieder zur Flasche…

    „Tiefe Havel“ ist bereits der dritte Fall für den Potsdamer Hauptkommissar Toni Sanftleben, der Krimi ist aber auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände bestens verständlich.

    Tim Pieper versteht es mit seinem angenehm zu lesenden Schreibstil ganz ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein hohes Level zu katapultieren. Schnell ist man mittendrin im Geschehen und erlebt nicht nur die Ermittlungen, sondern auch die persönlichen Probleme sowie das Miteinander und das Gegeneinander der Akteure hautnah mit.

    Der Fall um den ermordeten Seitz ist knifflig und mit einigen Überraschungen gespickt. Immer neue Fakten und Ereignisse halten die Handlung bis zum actionreichen Finale lebendig und haben mir genauso wie die zahlreichen im Verlauf des Krimis auftauchenden Fragen viel Platz zum Miträtseln über Zusammenhänge und Hintergründe, mögliche Motive und die Identität des Täters gegeben.

    Tim Pieper punktet auch mit einer großen Portion Lokalkolorit. Dank der detailreichen Beschreibungen kann man sich die Schauplätze im Havelland sehr gut vorstellen. Zudem bekommt der Leser auch interessante Einblicke in die Arbeit der Binnenschiffer.

    „Tiefe Havel“ hat mich durchweg begeistert - ein Krimi, der mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß - ein rundum spannendes Lesevergnügen.
    Am Ende bist du still

    Herbert Dutzler
    Am Ende bist du still (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    04.04.2018

    Am Ende bist du still

    Sabine Meißner durchlebt eine Kindheit, die man niemandem wünscht, denn Sabines Leben wird von ihrer Mutter bis ins kleinste Detail gesteuert. Ihr Vater sieht untätig dabei zu, wie seine Tochter gegängelt und bevormundet wird, er ist jedoch nicht mutig genug oder einfach zu bequem, um sich einzumischen. Es ist Sabine nicht möglich, eigene Erfahrungen zu machen und aus eventuellen Fehlern zu lernen. Nie darf sie selbst Entscheidungen treffen, stets ist es ihre Mutter, die bestimmt, was richtig und was falsch ist. Sabine bekommt zudem eingeimpft, wie wichtig Äußerlichkeiten sind. Teure Geschenke und exklusive Kleidung grenzen sie jedoch in der Schule aus, sie hat keine Freunde.

    Wie stark diese extreme Überbehütung Sabine geprägt hat, zeigt sich dann auch während ihres Studiums – sie ist zum Beispiel nicht in der Lage, ihren Part an einem Projekt zu erfüllen, weil es ihr an Initiative und sozialer Kompetenz fehlt.

    Sabine hat immer alle Vorwürfe, Anweisungen und Kommentare ihrer Mutter in sich reingefressen, es gelingt ihr selbst als Erwachsene nicht, sich gegen die Übermacht ihrer Mutter zu wehren. Über die Jahre hinweg hat sich in der jungen Frau eine riesengroße Wut aufgestaut, die irgendwann in Hass umgeschlagen ist und den Wunsch nach Rache und Vergeltung in ihr wachsen lassen hat. Als sich an einem Weihnachtsabend unversehens die Möglichkeit bietet, sich endgültig von aller Unterdrückung und Bevormundung zu befreien, zögert Sabine daher nicht…

    Herbert Dutzler hat einen flüssig zu lesenden, sehr fesselnden Schreibstil, der mich schnell in das Geschehen hineingezogen hat. Der Autor erzählt anschaulich und eindringlich von Sabines Erlebnissen und schildert sehr mitreißend, wie ein Kind durch übertriebene Fürsorge zu einem Monster gemacht wird.

    Der Aufbau des Kriminalromans hat mir besonders gut gefallen. Herbert Dutzler präsentiert das Geschehen auf zwei Zeitebenen. Kapitelweise wechseln Episoden aus Sabines Kindheit und ihr Leben in der Gegenwart sich ab. Durch die Darstellung von Ursache und Wirkung kann man Sabines Entwicklung sehr gut nachvollziehen und erlebt den Weg zu dem genauso dramatischen wie tragischen Finale äußerst intensiv mit.

    Überraschungen und Wendungen sorgen im Verlauf der Handlung dafür, dass die Geschichte immer wieder neuen Schwung bekommt und die Sogwirkung bis zur letzten Seite nicht abreißt.

    „Am Ende bist du still“ hat mich durchweg begeistert – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Krimi, der mir ein paar äußerst spannende Lesestunden beschert hat.
    Die Klippen von Tregaron

    Constanze Wilken
    Die Klippen von Tregaron (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    26.03.2018

    Die Klippen von Tregaron

    In Constanze Wilkens fünftem Wales-Roman „Die Klippen von Tregaron“ erwartet den Leser eine dramatische Familiengeschichte mit einem abwechslungsreichen Handlungsverlauf und einer spannenden Spurensuche.

    Die Glaskünstlerin Caron Bevans erbt ein Cottage in der walisischen Gemeinde Llanbedrog sowie eine beträchtliche Geldsumme, wenn sie die Bedingungen erfüllt, die der exzentrische Brynmore Bowen an das Erbe geknüpft hat. Caron soll die Geschichte eines Gemäldes aufdecken. Das Bild aus dem späten 19. Jahrhundert zeigt eine junge Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm. Verblüfft stellt Caron fest, dass die dargestellte Frau ihre Doppelgängerin sein könnte…

    Als Grundlage für ihre Recherche bekommt Caron das Tagebuch des Malers und hat ein Jahr Zeit, um Brynmores Aufgabe zu erfüllen. Caron nimmt die Herausforderung an, um die Gelegenheit zu nutzen, Licht in das Dunkel um ihre eigenen Wurzeln zu bringen und um herauszufinden, warum der kleine Küstenort ihr so seltsam vertraut vorkommt…

    Neben dem gegenwärtigen Geschehen gibt es einen weiteren Handlungsstrang, der im Jahr 1885 spielt. Dieser Part entspricht dem Inhalt des Tagebuchs. Hier lernt der Leser Lloyd Pierce kennen. Lloyd ist ein talentierter aber mittelloser Künstler, der auf Empfehlung eines Freundes während seiner Wanderschaft durch Wales bei Lawrence Bowen auf Plas-Gelli-Wen haltmacht. Lloyd findet in Lawrence einen großzügigen Geldgeber und bleibt in Llanbedrog. Er lernt die junge Selma kennen und lieben. Schon bald muss der begabte Maler jedoch feststellen, dass in seinem neuen Domizil nicht alles mit rechten Dingen zugeht – Lloyd mischt sich in die Angelegenheiten der Einheimischen ein und bringt damit nicht nur sich selbst in große Gefahr…

    Constanze Wilken hat einen sehr mitreißenden Schreibstil. Die Beschreibungen sind intensiv, die Schilderungen durchweg bildhaft und die Figuren allesamt ausdrucksstark. Jede Szene wirkt lebendig und ist fesselnd, so dass ich nicht nur ruckzuck mittendrin im Geschehen war, sondern auch durchweg bestens mit den Akteuren mitfiebern und mitfühlen konnte. Caron - die bei ihren Nachforschungen von dem charmanten Landschaftsgärtner Ioan unterstützt wird - und ihre Erlebnisse haben mich dabei genauso begeistert, wie die tragische Geschichte um Lloyd und seine Selma.

    Dank der detailreichen Beschreibungen konnte ich mir die Schauplätze in und um Llanbedrog sehr gut vorstellen. Die Besonderheiten des – in der Gegenwart idyllischen, in der Vergangenheit düsteren - Landstriches werden entsprechend hervorgehoben und sowohl die lokalen Begebenheiten wie auch die Eigenarten der Küstenbewohner fließen in die Handlung ein.

    „Die Klippen von Tregaron“ hat mir ausgezeichnet gefallen. Eine gut ausbalancierte Mischung aus Spannung, Romantik und Historie, die mit interessanten Charakteren und einer fesselnden Handlung zu überzeugen weiß - ein rundum mitreißendes Leseerlebnis.
    Libellenschwestern

    Lisa Wingate
    Libellenschwestern (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    22.03.2018

    Libellenschwestern

    Lisa Wingate erzählt in ihrem auf wahren Begebenheiten basierenden Roman „Libellenschwestern“ die Geschichte der Kinderhändlerin Georgia Tann.

    Georgia Tann war Leiterin einer Zweigstelle der Tennessee Children's Home Society in Memphis und hat in den 1920er bis 1950er Jahren unzählige Kinder aus Krankenhäusern stehlen und von der Straße weg entführen lassen, um sie dann zahlungskräftigen Kunden zur Adoption anzubieten. Während Tann sich in der Öffentlichkeit als wohltätige, liebevolle Frau präsentierte, die Kinder aus ärmlichsten Verhältnissen „rettet“ und ihnen Gutes tut, wurden die Kinder in der Realität unter unwürdigen Bedingungen in Heimen untergebracht und dort bis zu ihrer Adoption resp. ihrem Verkauf vernachlässigt, misshandelt und oft sogar missbraucht.

    Dieses schreckliche Schicksal ereilt im Sommer 1939 auch die Kinder der (fiktiven) Familie Ross. Briny und Queenie Ross sind Flusszigeuner. Sie leben mit ihren fünf Kindern auf einem Hausboot, schippern den Mississippi auf und ab und führen ein karges, aber glückliches Leben. Als die schwangere Queenie in den Wehen liegt und es zu Komplikationen kommt, rät die Hebamme den Eheleuten, sich schnellstens in ein Krankenhaus zu begeben. Die 12-jährige Rill verspricht ihrem Vater, auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen, bis er wieder zurück ist, ohne jedoch auch nur zu ahnen, wie viel ihr dieses Versprechen abverlangen wird…

    Neben dem historischen Geschehen gibt es einen weiteren Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt. Hier lernt der Leser Avery Stafford kennen. Avery ist Juristin und unterstützt derzeit ihren erkrankten Vater bei dessen Aufgaben als Senator von South Carolina. Ein Besuch in einem Pflegeheim steht an. Während der Feierlichkeiten zu Ehren einer hundertjährigen Bewohnerin begegnet Avery der 90-jährigen May Crandall. May schnappt sich nicht nur Averys Libellenarmband und behauptet, dass es ihr gehört, sie besitzt auch ein Foto, auf dem eine Frau abgebildet ist, die große Ähnlichkeit mit Averys Großmutter Judy hat…

    Lisa Wingate hat einen mitreißenden Schreibstil, der mich schnell in das Geschehen hineingezogen und durchweg gefesselt hat. Die Autorin erzählt anschaulich und eindringlich von Rills Erlebnissen und schildert sehr realistisch das unsägliche Leid, die Schikanen und die Misshandlungen, die Rill und ihre Geschwister erdulden müssen, so dass man als Leser eine recht genaue Vorstellung davon bekommt, was die Kinder alles durchgemacht haben.

    Lisa Wingate hat auch eine kleine Liebesgeschichte in ihren Roman eingebaut. Avery knüpft zarte Bande zu einem Mann, den sie kennenlernt, während sie ihre Familiengeschichte durchleuchtet. Diesem Part hat die Autorin genau das richtige Gewicht verliehen - ein schöner Gegenpol zu den grausamen, in der Vergangenheit spielenden Abschnitten. Der Leser bekommt die Möglichkeit durchzuatmen, dennoch wird der Intention des Romans - auf die skandalösen, bis heute nachwirkenden Ereignisse aufmerksam zu machen - nicht die Kraft genommen.

    Ich hatte vor dem Lesen dieses Buches noch nie von Georgia Tann und ihren Machenschaften gehört und bin immer noch entsetzt, wie viele Jahre sie ihr barbarisches Netzwerk aufrechterhalten konnte und wie viele einflussreiche Menschen aus Politik und Gesellschaft dieser habgierigen Frau ihre Lügen geglaubt und sie unterstützt haben, ohne dabei an die Kinder und die Folgen für sie und ihre Familien zu denken. Obwohl Lisa Wingate am Ende aufzeigt, dass es durchaus einigen Kindern trotz der erlebten Schrecken vergönnt war bzw. ist, ein gutes und erfülltes Leben zu führen, bleibe ich ergriffen und erschüttert zurück.

    „Libellenschwestern“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite fest im Griff gehabt. Ich habe mit den Akteuren gelebt und gelitten, habe mit ihnen gebangt und gehofft und habe Kummer und Furcht genauso mit ihnen geteilt, wie die kleinen Glücksmomente. Eine fesselnd erzählte, berührende Geschichte, die lange nachklingt. Absolute Leseempfehlung!

    Der Preis des Todes

    Horst Eckert
    Der Preis des Todes (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    20.03.2018

    Der Preis des Todes

    Düsseldorf/Berlin im September. Sarah Wolf - Journalistin und Moderatorin einer Polit-Talkshow - ist seit einigen Wochen mit dem Staatssekretär Christian Wagner liiert. Als Christian von den Medien als Lobbyist des Krankenhausbetreibers Samax AG angeprangert wird, hält Sarah zu ihm. Wenige Tage später wird Christian erhängt in seiner Berliner Wohnung aufgefunden. Die Polizei vermutet Selbstmord. Doch Sarah glaubt nicht an einen Suizid und beginnt nachzuforschen…

    Bereits ein paar Tage zuvor wurde am Unterbacher See in Düsseldorf die Leiche der 27-jährigen Johanna Kling entdeckt. Johanna war Referentin für eine international agierende Hilfsorganisation und hatte Mitte Juni eine Dienstreise nach Dadaab/Kenia in das weltgrößte Flüchtlingslager unternommen. Kurz nach ihrer Rückkehr hat sie sich in Berlin mit Christian Wagner getroffen und galt seit Ende Juni als vermisst…

    Horst Eckert ist dafür bekannt, dass er sich in seinen Thrillern mit politischen Aspekten befasst, die hochaktuell sind. Auch in „Der Preis des Todes“ stellt der Autor äußerst brisante Themen in den Mittelpunkt - es geht um Korruption, um Lobbyismus und um miese Geschäftemacherei auf Kosten von Hilfsbedürftigen. Außerdem kann der Leser einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehwelt werfen und den permanenten Kampf um die Zuschauergunst und das knallharte Gerangel um Quoten und Verträge miterleben.

    Horst Eckert versteht es mit seinem angenehm zu lesenden Schreibstil ganz ausgezeichnet, die Spannung schon nach wenigen Seiten auf ein enorm hohes Level zu katapultieren. Der Thriller wird mitreißend erzählt und besticht vor allen Dingen durch die gekonnte Verknüpfung von Fiktion und Realität - dass der Autor die Hintergründe intensiv recherchiert hat und über eine gute Kenntnis der Fakten verfügt, merkt man dem Roman auf jeder einzelnen Seiten an.

    Sarah Wolf versucht, die blutigen Machenschaften eines kriminellen Netzwerks aufzudecken und bekommt dabei deren Skrupellosigkeit und Brutalität am eigenen Leib zu spüren. Horst Eckert konfrontiert seine Protagonistin immer wieder mit neuen Ereignissen und Herausforderungen und hält das Geschehen so für den Leser lebhaft und interessant. Zahleiche im Handlungsverlauf auftauchende Fragen laden dabei zum Miträtseln und Mitgrübeln über Zusammenhänge und Hintergründe ein.

    „Der Preis des Todes“ hat mich durchweg begeistert – ein abwechslungsreicher, gut durchdachter Thriller, der mit seiner authentischen Handlung zu überzeugen weiß und mir ein paar äußerst spannende Lesestunden beschert hat.
    251 bis 275 von 283 Rezensionen
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