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    raschke64 Top 10 Rezensent

    Aktiv seit: 06. Januar 2017
    "Hilfreich"-Bewertungen: 71

    Bitte beachten Sie

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.

    904 Rezensionen

    Wir können nicht sicherstellen, dass die Angaben von Verbrauchern stammen, die das Produkt tatsächlich genutzt oder erworben haben.
    So wie du mich kennst

    Anika Landsteiner
    So wie du mich kennst (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.04.2021

    Lesenswert

    Karla und Marie sind Schwestern und sie sind ihr ganzes Leben lang extrem eng verbunden. Dabei lebt Karla weiterhin in Franken in der Heimat und Marie ist Fotografin in New York. Auch auf die Entfernung hin verstehen sie sich blendend. Doch Marie stirbt bei einem Unfall und Karla löst ihre Wohnung auf. Dabei bekommt sie immer mehr Fragen, ob sie ihre Schwester wirklich gut kannte.

    Das Buch ist sehr lesenswert. Eine einfache direkte Sprache erzählt von einem Schwesternpaar und deren Familien. Es geht vor allem darum, wie Karla ihre Gefühle äußert beim Auflösen der Wohnung. Die Geschichte davor wird immer wechselseitig aus Sicht von Karla und Marie erzählt. Das geschieht sehr warmherzig und als Leserin kann man es völlig nachvollziehen. Wohl jeder hat so etwas ähnliches schon einmal erlebt und hat sich die gleichen Fragen gestellt. Und wie oft staunt man, dass man die Angehörigen dann doch nicht so genau kennt, wie man eigentlich denkt.

    Zwei kritische Anmerkungen von mir, die allerdings nicht in die Punktezahl bei der Bewertung eingeflossen sind:
    Zum einen empfand ich das Cover als sehr altmodisch. In der Geschichte geht es um moderne Frauen in der Gegenwart, auf dem Foto wirkt es wie in den fünfziger oder sechziger Jahren mit dem entsprechenden Rollenbild.
    Die zweite Anmerkung betrifft den Hinweis des Verlages auf den ersten Seiten, dass der Roman geschrieben wurde, bevor es COVID-19 gab. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, was das soll. Hält man die Leserinnen für so blöd, dass sie dies nicht von allein erkennen? Und soll zukünftig in jedem Buch stehen, dass es vor, mitten oder nach COVID geschrieben wurde?
    Wo wir Kinder waren

    Kati Naumann
    Wo wir Kinder waren (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    12.04.2021

    Schöne (Familien)Geschichte

    Sonneberg im Thüringer Wald 1910. Albert Langbein gründet eine kleine Spielzeugmanufaktur. Nach und nach entwickelt sich das Familienunternehmen und für ganz kurze Zeit gehören sie sogar zu den Reichen des Ortes. Doch zwei Weltkriege, der Börsencrash, die Nazis und später die Enteignung in der DDR bringen das Familien Unternehmen immer wieder in Schwierigkeiten. Doch irgendwie geht es Generation um Generationen bis in die Gegenwart weiter.

    Das Buch ist eine sehr schöne Familiengeschichte. Zum einen wird ab dem Jahr 1910 bis in die Gegenwart die Geschichte einer Familie und eines Unternehmens erzählt. Parallel dazu erfährt man unheimlich viel über die Entwicklung des Spielzeugbaus, von Puppen über Plüschtiere bis zu Eisenbahnen. Es wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt. Da sind die Nachfahren, die in heutiger Zeit das alte Haus und Grundstück ausräumen. Von Zimmer zu Zimmer arbeiten sie sich vor und in jedem Zimmer werden Erinnerungen an eine Kindheit geweckt. In den Rückblenden wird dann parallel die Geschichte der Firma erzählt. Auch ich hatte beim Lesen des Buches viele Kindheitserinnerungen, denn in meinem Kinderzimmer standen ebenfalls Spielzeuge aus Sonneberg. Mir hat in dem Buch besonders gut gefallen, da es relativ wenig bewertet und verurteilt. Es wurden die Gründe für verschiedene Entscheidungen aufgezeigt und als Leser kann man sich selbst ein entsprechendes Urteil dazu bilden. Das empfand ich als sehr angenehm. Ich kann auf jeden Fall für das Buch eine Leseempfehlung aussprechen.
    Die Bildhauerin

    Pia Rosenberger
    Die Bildhauerin (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    09.04.2021

    Da war mehr möglich

    Camille Claudel ist 17, als sie endlich mit ihrer Familie nach Paris kommt und dort ein Kunststudium an einer Privatakademie aufnimmt, die auch Frauen zulässt. Sie will unbedingt Bildhauerin werden. Zur damaligen Zeit für eine Frau fast unmöglich. Doch sie kämpft sich durch und irgendwann wird der berühmte Bildhauer Auguste Rodin auf sie aufmerksam. Anfangs ist er nur ihr Lehrer, später werden sie ein Liebespaar.

    Das Buch beschreibt die Geschichte der Künstlerin Camille Claudel bis fast zum Ende ihrer Beziehung mit Auguste Rodin. Ihre Kindheit wird geschildert, besonders ihre schwierige Beziehung zu ihrer Mutter. Das alles ist gut lesbar und auch interessant. Ich habe bedauert, dass es keine Fotos in dem Buch gibt. Gerade, wenn eine Künstlerin beschrieben wird, wäre das zur Vertiefung in meinen Augen gut. Ebenfalls bedauert habe ich das Ende des Buches. Es bricht ab, als die Beziehung zwischen den beiden Künstlern nicht mehr lange halten wird. Bis dahin ist Camille eine relativ starke Frau, die um ihren Beruf und ihre Freiheit kämpft. Dass sie am Ende den Kampf verlieren wird, dass ihre Familie sie für Jahre in Nervenheilanstalt bringen wird, erfährt man als Leser aus dem Buch leider nicht. Ich finde aber, das gehört unbedingt zu ihrer Geschichte dazu. Denn den Großteil ihres Lebens verbringt sie leider nicht mehr als starke Frau und in Freiheit. Für mich ist damit das Buch sehr unvollständig. Hier wäre mehr möglich gewesen.
    Die Kannenbäckerin

    Annette Spratte
    Die Kannenbäckerin (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    31.03.2021

    Empfehlenswert

    Der 30-jährige Krieg wütet in Deutschland. Neben dessen Folgen wütet ebenso die Pest. Johanna ist 13, als sie in relativ kurzer Zeit ihre gesamte Familie durch die Pest verliert. Sie will sich zu einem unbekannten Onkel durchschlagen, als ihre Nachbarin sie für die Reise als Junge verkleidet. Unterwegs muss sie trotzdem einige Abenteuer bestehen, aber sie merkt auch, dass sie als Junge viel mehr Freiheiten hat. Deshalb bleibt sie bei ihrem Onkel und dessen Familie dabei, dass sie „Johann“ ist. Ihr Onkel übt das Töpferhandwerk aus und Johann/a ist daran sehr interessiert und erlernt es neben vielen anderen Sachen.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Anfangs dachte ich, es wird eines der üblichen Bücher – starke Frau/Mädchen, die alles kann und nicht auffällt. Und gerade in der ersten Zeit fand ich es nicht ganz reell, dass Johanna als Junge mit relativ wenig Fehlern und Auffälligkeiten durchkam. Doch nach und nach wurde das Ganze realistischer und glaubhafter. Gut gelungen fand ich die Schilderung der Dorfgemeinschaft und vor allem des Töpferhandwerks im Mittelalter. Interessante Techniken und eine so ganz andere Herangehensweise an vieles. Ebenso die strengen Unterschiede der Arbeiten von Mann und Frau. Und der Schrecken des Krieges. Das alles ist gut lesbar beschrieben und ist damit für viele empfehlenswert: Leute, die sich historisch interessieren, die einfach mal gut schmökern wollen, die Unterhaltung mit Tiefgang erwarten.
    Madsack, S: Enriettas Vermächtnis

    Madsack, S: Enriettas Vermächtnis (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    31.03.2021

    Etwas ratlos

    Die erfolgreiche argentinische Autorin Enrietta da Silva verstirbt hochbetagt, aber auch steinreich in der Schweiz. Der Testamentsvollstrecker bringt zwei Menschen bei, dass sie ein unheimlich hohes Vermögen erben werden. Da ist zum einen Emilio, ein ebenfalls gut betuchter plastischer Chirurg aus Buenos Aires, der Heimat von Enrietta. Da ist zum anderen Jana, eine österreichische Schauspielerin, die nach einem Unfall nicht mehr selbst auf der Bühne stehen kann, und die so etwas wie eine Art Ersatztochter von Enrietta war. Als alles scheinbar ganz klar zu sein scheint, taucht plötzlich Armando da Silva auf, Enriettas leiblicher Sohn, der offenbar eine kriminelle Laufbahn eingeschlagen hat.

    Mich lässt das Buch etwas ratlos zurück. Was wollte die Autoren mir eigentlich sagen? Allein nach der rechtlichen Konstellation wäre das Buch in der Mitte zu Ende gewesen und ich habe nicht verstanden, wieso sich das Ganze noch so lange hinziehen musste. Da wird immer von großen Familiengeheimnissen gesprochen, aber so richtig ein Geheimnis konnte ich nicht erkennen. Das alles hat mich zunehmend eher genervt. Denn eigentlich war das Buch gut lesbar. Die Autorin hat eine klare, sehr angenehme Sprache, sie drückt sich sehr gewählt aus. Das empfinde ich als Leser sehr angenehm. Und somit bedaure ich, dass rein inhaltlich unheimlich viel Potenzial vergeben wurde.
    Blütengrab

    Blütengrab (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    29.03.2021

    Guter Krimi

    1993, die Wende ist gerade erst gewesen und der Umbruch in der ehemaligen DDR ist noch in vollem Gange. In einem kleinen Ort in Mecklenburg wird in einem Wald eine Mädchenleiche gefunden. Eine eigenartige Rune ist in die Stirn eintätowiert. Ulrike Bandow untersucht den Fall und bekommt, anfangs gegen ihren Willen, einen neuen Kollegen zugeteilt. Ingo Larssen ist Wessi und hat seine ganz eigenen Gründe, warum er sich in diesen Teil von Ostdeutschland versetzen lässt

    Ich würde das Buch nicht als Thriller bezeichnen, sondern als einen grundsoliden und guten Krimi. Für einen Thriller fehlt mir vor allem am Anfang die Spannung. Das heißt aber nicht, dass das Buch langweilig ist. Im Gegenteil. Mir hat gefallen, dass sehr ausgewogen versucht wird, die Situation zu dieser Zeit in Ostdeutschland darzustellen. Auch wird sehr differenziert beurteilt, warum einzelne Personen welche Taten unternehmen. Es gibt in erster Linie ganz normale Ermittlungsarbeit. Die beiden zu unterschiedlichen Kriminalisten finden gut zueinander. Private Probleme spielen zwar in den Fall hinein, stehen aber nicht ausschließlich im Vordergrund. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung.
    Fertig ist die Laube

    Renate Bergmann
    Fertig ist die Laube (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    29.03.2021

    Renate im Beet

    Gunter, der Lebensgefährte von Renates Freundin Gertrud, wird an der Bandscheibe operiert und fällt für mehrere Monate aus mit Krankenhaus und Reha. Dumm nur, dass er in einer Gartenkolonie einen Schrebergarten besitzt. Gertrud hat voreilig zugesagt, sich um den Garten zu kümmern. Natürlich geht das nicht ohne Renate, und so sind beide Damen über mehrere Monate in den zwei Gärten von Gunter tätig. Erst einmal muss entrümpelt werden und dann kümmern sie sich um die Pflege und Bepflanzung.

    Für mich war dieser Teil der Renate Bergmann-Reihen eher Durchschnitt. Es fehlte irgendwie der Witz. Es ist routiniert geschrieben und gut lesbar, aber oft kam ich mir eher vor, als würde ich einen Gartenratgeber/-lehrbuch lesen mit anschließenden Rezeptideen. Das Pfiffige fehlte mir ganz. Dabei gab es dieses Mal gar nicht so viele Wiederholungen auf die vorherigen Bücher. Aber trotzdem war es für mich kein besonderes Highlight.
    Könnt ihr mal das Segel aus der Sonne nehmen?

    Könnt ihr mal das Segel aus der Sonne nehmen? (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    29.03.2021

    Segeln mal anders

    Johannes und Cati haben einen Katamaran und arbeiten als Charterskipper auf den Bahamas. In dem Buch erzählen sie Geschichten, die sie in den drei Jahren mit ihren Gästen erlebt haben. Das Ganze ist recht nett beschrieben. Ab und zu musste ich schmunzeln, vieles war ganz interessant zu lesen. Als Teilnehmer an Gruppenreisen waren viele Sachen für mich gar nicht so ungewohnt. Ich glaube, jeder Reiseleiter, egal ob zu Land oder zu Wasser, wird ähnliches erzählen können. Das ist in dem Buch wie in einem Schulaufsatz – allerdings einem sehr gut gelungenen – aufgereiht. Die kurzen Kapitel lesen sich gut weg und behandeln unterschiedliche Themen, Wobei auch auf ernstere Themen, wie Umweltverschmutzung oder Tierschutz, eingegangen wird. Ich habe allerdings sehr bedauert, dass das Buch nur sehr wenige Fotos auf und im Einband beinhaltet. Der Verlag ist eigentlich bekannt dafür, dass seine Bücher sehr gute Fotos enthalten. Die fehlten mir hier vor allem als Illustration für viele Beschreibungen. Mein Fazit: das Buch ist gut lesbar und unterhält, mehr allerdings dann auch nicht.
    Als wir uns die Welt versprachen

    Als wir uns die Welt versprachen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    15.03.2021

    Berührend menschlich

    Edna ist hochbetagt und lebt zusammen mit dem fast gleichaltrigen Papagei Emil in Südtirol. Sie lebt allein in ihrem Haus und beschäftigt sich fast nur mit ihrem Garten und dem wöchentlichen Lesen der Zeitschrift Stern. Adele, die im Ort einen kleinen Laden besitzt, versorgt sie mit Lebensmitteln. Zusammen mit ihrem Mann Max versuchen sie, die alte Dame in ein Seniorenheim zu bringen. Adele, weil sie sich ernsthaft Sorgen um Edna macht. Max, nicht ganz uneigennützig, denn Edna hat viel Geld geerbt. Da entdeckt Edna in einer Zeitschrift das Bild von Jacob, der einen Unfall hatte. Und sie entdeckt darin ihren Jugendfreund, der mit ihr zusammen auf einem schwäbischen Bauernhof schwerste Arbeit verrichten musste. Sie beschließt, sich auf den Weg zu Jakob zu machen, um ein altes Versprechen einzulösen…

    Die Geschichte ist zu tiefst berührend und menschlich. Sie wird in zwei Zeitebenen erzählt. Aktuell geht es um Edna und Emil, die sich auf den Weg nach Schwaben begeben. Dabei nutzt Edna eine uralte Karte von früher und hält sich so nah wie möglich an diesen alten Plan. Das kann natürlich nicht funktionieren, denn einerseits hat sich vieles in den vielen Jahren verändert, andererseits verliert Edna gleich zu Beginn ihrer Reise die Papiere und das Geld. So ist sie darauf angewiesen, dass ihr unterwegs Menschen helfen. Das passiert auch immer, auf sehr unterschiedliche Art und Weise. So lernt sie viele Leute kennen und erzählt dabei auch die Geschichte der Schwabenkinder. Unter welchen unmenschlichen Bedingungen sie arbeiten mussten, wie sie von ihren Familien aus Not verkauft wurden, wie sie oft missbraucht und misshandelt wurden. Das waren furchtbare Zustände. Das Buch beschreibt sie sehr eindrücklich und sehr stark. Man darf das einfach nicht vergessen. Gleichzeitig gibt es Buch auch Hoffnung. Ein uraltes Versprechen wird eingelöst, dabei geht es um Werte wie Freundschaft, Tierwohl oder Erhalt der Natur. Mir hat das Buch sehr gut gefallen.
    Was wir scheinen

    Was wir scheinen (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    15.03.2021

    Ohne Vorkenntnisse: schwierig

    1975: Hannah Arendt fährt wiederholt für einen Urlaub in die Schweiz. Auf der Reise dorthin und auch in dem kleinen Dorf kommen immer wieder Erinnerungen an ihr Leben, ihre Flucht, die verschiedenen Orte und Menschen zurück.

    Für mich war das Buch relativ schwer zu lesen. Ich hatte Hanna Arend eher zufällig über ein Kinderbuch kennengelernt und freute mich sehr, in dieser Romanbiografie mehr über die interessante Frau zu erfahren. Doch leider wurde daraus kein Lesevergnügen, sondern eher harte Arbeit. Dabei hatte das Buch einen sehr guten Stil. Die Autorin schreibt teilweise sehr poetisch und in Bildern, so dass ich mir die Orte und die Landschaft sehr gut vorstellen konnte. Leider funktioniert das bei den Menschen nicht. Man wurde schon im ersten Kapitel regelrecht mit Namen überhäuft. Das setzte sich weiter fort. Dabei waren es sowohl Vornamen, Nachname wie auch Spitznamen oder Kosenamen. Nur einige wenige berühmte Menschen erkannte ich auf Anhieb. Bei allen anderen musste ich langwierig recherchieren, was mich sehr vom Lesen ablenkte und irgendwann verlor ich deshalb die Lust und las dann eben teilweise über unbekannte Personen. Gleiches ereilte mich bei den Texten/Textteilen in verschiedenen Sprachen. Anfangs versuchte ich, alles zu übersetzen. Das habe ich ebenfalls irgendwann gelassen. Erschwert wurde das Ganze, dass innerhalb der Kapitel mit den Rückblenden weitere Rückblenden vorkommen. So wusste ich zeitweise nicht einmal, über welche Zeiträume geschrieben wurde. Alles in allem hat mich das enttäuscht und ich kann eine Leseempfehlung nur für jemanden aussprechen, der sich mit Hannah Arendt schon intensiv auseinandergesetzt hat und eine ganze Menge an Vorkenntnissen mitbringt. Ein Personenregister im Buch wäre sehr hilfreich gewesen, ebenfalls eine Art Zeitleiste über das Leben von Hannah Arendt.
    Klima

    David Klass
    Klima (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    15.03.2021

    Anders gut

    Das FBI jagt „Green Man“. Das ist der Name eines Attentäters, der verschiedene größere Anschläge gegen Firmen unternommen hat. Diese Anschläge richten sich ausschließlich gegen Umweltsünder. Sie richten riesigen Schaden an, auch Menschen kommen dabei zu Tode. Das FBI kommt in der Sache nicht vorwärts. Tom Smith arbeitet dort seit kurzer Zeit als Datenanalyst. Er denkt sehr unkonventionell und deswegen kommt er letztendlich auf die Spur von Green Man.

    Das Buch ist ein interessanter Thriller. Er hat unheimlich viel Spannung, obwohl der Täter kein durchgeknallter sadistische Mörder ist. Im Gegenteil, über weite Strecken kann man die Motive des Täters komplett nachvollziehen. Das Buch stellt die Frage, inwieweit man etwas für die Umwelt tun soll und wie weit man dabei gehen kann. Rechtfertigt Unrecht an der Erde, dass man sich mit radikalen Mitteln wehrt und dabei Unschuldige tötet. Dabei schafft es das Buch, über weite Strecken große Spannung zu erzeugen. Es ist gut lesbar und erklärt vieles auf wissenschaftlicher Ebene. Trotzdem wird nicht mit erhobenem Zeigefinger missioniert, sondern der Leser wird zum eigenen Nachdenken angeregt. Außerdem ist es auch unterhaltsam, denn die handelnden Figuren sind gut beschrieben und die Zweifel sind nachvollziehbar. Das Ende war dann für mich ein wenig abfallend gegenüber dem Großteil des Buches, trotzdem würde ich jederzeit eine Leseempfehlung geben.
    Grabovac, A: achte Kind

    Grabovac, A: achte Kind (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.03.2021

    Schwierige Kindheit

    Alem hat eine sehr schwierige Kindheit. Er wechselt zwischen Kulturen und Familien, zwischen Liebe und Gewalt, zwischen Armut und Sicherheit. Seine Mutter stammt aus einem bitterarmen Bergdorf in Kroatien und geht in den 1960er Jahren als Gastarbeiterin nach Deutschland. In Würzburg arbeitet sie in einer Schokoladenfabrik und kommt sich vor wie im Paradies. Dort lernt sie auch Emir kennen. Ebenfalls Gastarbeiter, allerdings einer, der von Arbeiten nicht viel hält und stattdessen Kleinkrimineller wird. Trotzdem heiraten sie und ein Baby ist unterwegs. Die Mutter glaubt nicht, dass der Vater für die Familie sorgen wird und dass sie allein das Kind aufziehen kann. So gibt sie es in der Woche in eine Pflegefamilie, hat Alem nur am Wochenende. In der Pflegefamilie bleibt Alem viele Jahre und wird dort das achte Kind, denn es gibt sieben eigene.

    Das Buch ist sehr gut lesbar, allerdings nicht einfach lesbar. Letzteres liegt am Inhalt. Schonungslos, geradlinig und direkt erzählt Alem von seiner Kindheit und seiner Jugend. Er muss sozusagen ständig zwischen allen switchen. Da ist auf der einen Seite seine Mutter, die eine Beziehung mit einem anderen Jugoslawen eingeht, der sie und später auch Alem schlägt. Da ist die liebevolle Pflegefamilie, die den Jungen beschützt und liebt, deren Familienoberhaupt allerdings auch der Naziideologie angehört und allen damit einige Probleme bereiten wird. Da sind die Besuche in Jugoslawien und die furchtbare Armut und kurz vor dem Jugoslawienkrieg auch der stark steigende Hass der Nationalitäten untereinander. Das sind die schönen Urlaube in Italien und die furchtbaren Erlebnisse an der jugoslawischen Grenze. Es ist nicht ganz eindeutig, was in dem Buch wirklich reine Autobiografie ist und was fiktional. Trotzdem wird die Situation der zweiten Generation der Einwanderer mit allen Problemen gut geschildert. Mir fehlten manchmal die entsprechenden Gefühle dazu, alles war sehr pragmatisch geschildert. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, inwieweit der Autor das wirklich alles selbst erlebt hat und diese furchtbaren Erlebnisse immer noch starke Schmerzen verursachen. Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch.

    Die Erfindung des Dosenöffners

    Tarkan Bagci
    Die Erfindung des Dosenöffners (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    01.03.2021

    Angenehme Geschichte

    Timur Arslan ist 20 und arbeitet als Journalist im Lokalteil eine Zeitung. Er muss so „wichtige“ Sachen, wie den örtlichen Geflügelzüchterverein oder einen Rentner-Kegelabend, beschreiben. Sein Ziel ist ein Volontariat in der Hauptredaktion der Zeitung, aber so wirklich viel dafür tut er nicht. Eher hat er es sich ein wenig in Selbstmitleid und Frust eingerichtet. Dann lernt er durch Zufall bei dem Kegelabend Annette kennen, die angeblich ein großes Geheimnis hat und von sich behauptet, den Dosenöffner erfunden zu haben. Doch für die Geschichte verlangt sie eine außergewöhnliche Gegenleistung…

    Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen. Es war angenehm lesbar. Damit meine ich, dass es sicherlich keinen Nobelpreis der Literatur verdient, aber dass es neben einer Unterhaltung auch viele Sachen zum Nachdenken und einen gewissen Tiefgang hat. Es war wie eine warme Decke und ein Glas Tee an einem kalten Wintertag oder wie ein Sommerabend mit einem Glas Wein auf der Terrasse beim Sonnenuntergang - Entspannung mit Niveau. Und somit eine sehr positive Überraschung. Das eher puristische Cover verrät nicht, dass der Inhalt nicht einfach nur ein schräger Spaß ist. Dabei kommt der Witz in dem Buch nicht zu kurz, steht aber nicht als Hauptsache über allem. Ich musste nie laut lachen, aber oft leicht schmunzeln. Eine schöne Entdeckung zu Beginn eines neuen Lesejahres. Komischerweise hatte ich auch schon die Bilder einer Verfilmung im Kopf.
    Stay away from Gretchen

    Stay away from Gretchen (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    24.02.2021

    Ganz stark

    Tom ist ein sehr bekannter Fernsehjournalist und Anchorman. Er hat keine eigene Familie und lebt sein Leben sehr rasant, viel Arbeit, belanglose Affären. Es ist ihm unheimlich peinlich, dass seine 85-jährige Mutter auf der Autobahn aufgegriffen wird. Die Untersuchungen ergeben, dass sie an Alzheimer–Demenz leidet. Anfangs verdrängt er das noch, doch mehr und mehr häufen sich die Probleme. Gleichzeitig erzählt die Mutter ihm Sachen aus der Vergangenheit, die sie bis jetzt konsequent verschwiegen hat.

    Ich empfand das Buch als ganz stark. Und das aus mehreren Gründen. Da wird diese schreckliche Krankheit Alzheimer gut geschildert, ohne die Probleme, die entstehen, zu verschweigen. Aber ebenfalls auch, ohne die betroffene Person irgendwie lächerlich zu machen selbst bei den Dingen, die sie tut und die auf den ersten Blick lächerlich erscheinen. Dann geht es um die schrecklichen Erlebnisse, speziell der Frauen, im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach. Wie sie eine Weile eine Art Freiwild waren, die Familien verloren oder als einzige für sie sorgen mussten, auf ihre Männer warteten. Auch die speziellen Beziehungen zwischen den afroamerikanischen Soldaten und deutschen Mädchen und Frauen sind unsentimental, aber mit sehr viel Gefühl beschrieben. Die aus diesen Beziehungen entstandenen Kinder sind einfach nur zu bedauern. Was sie durchgemacht haben, kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen. Umso wichtiger ist es, dass dieses Thema wenigstens heute beschrieben wird. Das Besondere an dem Buch ist, dass solche schwerwiegenden Themen angesprochen werden, ohne dass das Buch den Charakter der Unterhaltung verliert. Man kann die Geschichte gut lesen, ist immer wieder berührt und lernt nebenbei noch unheimlich viel. Für mich das einzige Manko war die Beschreibung von Tom, vor allem am Anfang des Buches. Dort fällt er sehr in das Klischee eines alleinstehenden reichen Machos mit wenig Gefühl. Das hätte es gar nicht bedurft, um die Wandlung im Laufe des Buches darzustellen. Alles in allem gibt es von mir eine absolute Leseempfehlung und das Buch ist für mich das erste große Lesehighlight in diesem Jahr.
    Darling Rose Gold

    Darling Rose Gold (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    24.02.2021

    Durchschnitt

    Rose Gold geht es sehr schlecht. Praktisch von ihrer Geburt an bis zum 18. Lebensjahr ist sie krank. Obwohl kein Arzt richtig etwas findet, fallen ihr die Haare aus, kann sie so gut wie nichts essen und sitzt im Rollstuhl. Erst als sie 18 ist, findet sie sie heraus und glaubt es vor allem, dass ihre Mutter Patty an allem Schuld hat, denn sie hat Rose Gold systematisch vergiftet, um so mehr Aufmerksamkeit zu erhalten und Rose Gold zu unterdrücken und nach ihrem Willen zu formen. Besonders durch die Zeugenaussage von Rose Gold kommt die Mutter ins Gefängnis für 5 Jahre. Diese sind jetzt um und Patty zieht zu ihrer Tochter und ihrem Enkel. Gern würde sie wieder das Regiment übernehmen, doch Rose Gold ist erwachsen geworden …

    Das Buch lässt mich zweigeteilt zurück. Die Geschichte wird teils in der Gegenwart und teils in Rückblenden erzählt. Jeweils abwechselnd aus Sicht von Patty und Rose Gold. Das macht das Ganze sehr spannend, denn man weiß lange nicht, wer Recht hat und was Fantasie ist und was passiert. Jede hat eine völlig andere Sicht auf die Ereignisse. Jede ist allerdings auf ihre Art schwer gestört. Auch wenn man die Gründe dafür nachvollziehen kann, fand ich es schon heftig. Zumal sich besonders Rose Gold auch gegenüber anderen – eigentlich „Unschuldigen“ nicht richtig verhält. Auch das Ende fand ich teils heftig, teils enttäuschend (leider kann ich hier nicht ins Detail gehen, ich würde viel zu viel spoilern müssen). So hinterlässt das Buch bei aller Spannung und sehr guten Lesbarkeit einen unguten Nachgeschmack bei mir.
    Der andere Sohn

    Der andere Sohn (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    12.02.2021

    Spannender Start

    Es ist zehn Jahre her, da verschwandt in Karlstadt eine junge Frau. Emilie war die Tochter einer steinreichen Modefamilie. Ihre Leiche wird nie gefunden, aber ein Verdächtiger, der Autowerkstattbesitzer Billy, wird verhaftet. Man geht davon aus, dass er Emily getötet hat. Trotz intensiver Bemühungen verrät er den Ort der Leiche nicht. Damit ist eine Anklage nicht möglich, er wird freigelassen und der Fall bleibt ungelöst. Jetzt soll er erneut untersucht werden und dabei ist einer der Polizisten John. Dieser ist ein FBI-Agent im Zeugenschutzprogramm und der Halbbruder von Billy. Doch das weiß in Karlstadt fast niemand (mehr).

    Mir hat das Buch richtig gut gefallen. Am Anfang brauchte ich ein wenig, um in die Geschichte reinzufinden. Diese wird in der Vergangenheit und in der Gegenwart erzählt. Man erfährt sowohl die Gründe von Johns Verschwinden wie auch seinem Wiederauftauchen in Schweden. Er ist eine interessante Persönlichkeit mit Ecken und Kanten. Seine Gründe sind nachvollziehbar. Das gilt auch für die neu aufgenommenen Untersuchungen der Polizei. Der Täter ist am Ende dann zwar zu erahnen. Trotzdem gibt es durchweg im ganzen Buch eine gute Spannung und am Ende auch ein Cliffhänger für den nächsten Teil. Diesen würde ich ebenfalls sofort lesen und auch für dieses Buch gibt es von mir eine eindeutige Leseempfehlung.
    Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden

    Der Countdown-Killer - Nur du kannst ihn finden (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    12.02.2021

    Durchschnitt


    Elle hat einen Podcast. Dort berichtet sie über nie aufgeklärte Verbrechen und versucht, der Wahrheit näher zu kommen. Dabei hat sie auch gute Erfolge. Ihr letzter Podcast beschäftigt sich mit dem Countdown Killer. Abgekürzt CK - hat dieser Täter vor Jahren Frauen entführt. Immer im Abstand von drei Tagen und immer um ein Jahr jünger als die vorhergehende. Nach sieben Tagen wurde die Frau dann tot aufgefunden. Die Opfer wurden immer jünger, bis es einem elfjährigen Mädchen gelang, aus den Händen des Entführers zu fliehen und zu überleben. Und danach endete die Serie. Doch jetzt scheint es, als würde der Täter erneut zuschlagen.

    Das Buch ist an sich nicht schlecht, allerdings war es für mich auch nur guter Durchschnitt. Das lag zum einen daran, dass in der Geschichte einiges sehr vorhersehbar war. Zum anderen auch an der Aufteilung, indem die entsprechenden Podcasts verschriftlicht wurden. Es machte mir nicht sehr viel Spaß und störte meinen Lesefluss enorm, diese Teile zu lesen. Einen Podcast möchte ich hören, nicht lesen.

    Weiteren Punktabzug gab es meinerseits für Dinge, für die in erster Linie nicht die Autorin verantwortlich ist. Mir lag das Buch als Leseexemplar vor und es enthält noch eine Menge an Rechtschreibfehlern. Ich hoffe, dass es in der endgültigen Fassung verbessert wurde. Was mich ebenfalls stört, war der Text auf der Rückseite. Dort wird darauf verwiesen, dass in der Gegenwart eine junge Frau verschwindet. Ohne allzu viel zu spoilern, kann ich zumindest so viel sagen, dass die erwähnte junge Frau ein elfjähriges Mädchen ist. Mir ist in letzter Zeit immer mehr aufgefallen, dass die Klappentexte innen beziehungsweise auf der Rückseite der Bücher so verfasst wurden, dass man den Eindruck hat nach dem Lesen, der Texter hat sich mit dem Inhalt des Buches nie befasst, geschweige es selbst gelesen.
    Erinnerungen aus Glas

    Erinnerungen aus Glas (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    26.01.2021

    Zweigeteilt

    Das Buch ist zweigeteilt, und zwar aus verschiedenen Gründen.

    Zuerst einmal inhaltlich: ein Teil spielt in den Niederlanden 1942. Die Nazis sind dabei, die Juden in Holland zu deportieren. In Amsterdam werden sie in einem Theater gesammelt und von dort abtransportiert in die Vernichtungslager. Jüdische und nichtjüdische Holländer versuchen, so viel wie möglich Menschen, speziell Kinder, vor dem Abtransport zu retten.
    Der zweite Teil spielt in der Gegenwart, vor allem in den USA. Eine sehr reiche Familie versucht, über eine Stiftung verschiedene Unternehmen zu fördern. Die adoptierte Enkelin prüft die verschiedenen Anträge und fährt dazu auch nach Afrika.
    Natürlich verbinden sich beide Erzählstränge dann am Ende zu einer Geschichte.

    Zweigeteilt empfinde ich auch die Charaktere. Da sind die völlig selbstlosen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens anderen helfen und sie retten. Auf der anderen Seite sind die absoluten Kriegsgewinner, die auch noch Jahre danach quasi über Leichen gehen. Es gibt solche Menschen, aber im Buch empfand ich diese krasse Zweiteilung zu undifferenziert.

    Zweigeteilt ist auch mein Empfinden, was die einzelnen Teile angeht. Die historische Geschichte ist unheimlich berührend, gut recherchiert, nachvollziehbar und verständlich. Leider erfolgte der Wechsel zwischen den Zeiten oft abrupt und nicht immer direkt nachvollziehbar. Der Teil der Gegenwart allerdings war für mich eher störend. Und zwar dahingehend, dass ich das Gefühl hatte, ich befinde mich in einer Werbeveranstaltung für eine christliche Kirche oder die Zeugen Jehovas stehen vor meiner Tür. Ich fand das – gerade auch in Bezug auf eines der Hauptthemen des Buches, dem Holocaust - unpassend.
    Trauma - Kein Entkommen

    Trauma - Kein Entkommen (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    26.01.2021

    Solider Krimi


    An einem See wird ein zerstochenes Schlauchboot gefunden. Bei der Suche im See findet man ein Messer und später die Leiche eines Mannes. Alles deutet auf einen Selbstmord hin. Doch Ermittlerin Katja Sand hat ihre Zweifel. Sie steht allerdings ziemlich allein damit ab. Tage später wird in einem Wald ein alter Kühlschrank mit einer weiteren Leiche gefunden. Der Mann ist erstickt. Wieder sieht es wie Selbstmord aus. Und wieder hat Katja ihre Zweifel. Zu den beruflichen Problemen kommen noch große private Probleme, speziell mit ihrer Tochter. Doch sie schafft es, ihren Chef zumindest soweit auf ihre Seite zu ziehen, dass er ihre Ermittlungen duldet, obwohl diese von höherer Stelle eingestellt worden sind.

    Das Buch ist der erste Teil von drei Teilen. Er läuft unter dem Genre Thriller. Meiner Meinung nach gehört er dort aber nicht hin. Dafür fehlt ihm durchgehend die Spannung. Das klingt jetzt erst einmal relativ negativ, ist aber nicht so gemeint. Für mich ist das Buch einfach ein grundsolider Krimi. Mit etwas viel Anteilen im privaten Bereich, die meinerseits gerne reduziert werden könnten. Aber mit ganz viel Ermittlungsarbeit. Mit einer mir anfangs etwas unsympathischen Ermittlerin, was sich aber im Laufe des Buches besserte. Ihr Kollege kommt von Anfang an sympathischer rüber. Der Fall selbst ist vielschichtig und interessant. Die fehlende Spannung macht wett, dass man zum Thema Traumatisierung einiges an Wissen erfährt. Auf jeden Fall fand ich das Buch so gut, dass ich auch die Fortsetzung lesen möchte.
    Die Mitternachtsbibliothek

    Die Mitternachtsbibliothek (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.01.2021

    Was wäre wenn ...

    Nora ist an einem Tiefpunkt angekommen: Job verloren, Nebenjob verloren, Katze tot … alles kommt zusammen. Und dabei fühlt sie sich eigentlich ihr ganzes Leben lang schon als Verliererin. Sie singt nicht mehr in der Band, sie hat keinen Kontakt mehr zu Freunden und Bruder, sie ist nicht Olympiasiegerin im Schwimmen geworden, nicht nach Australien ausgewandert. Sie ist immer nur „nicht“. Und davon hat sie jetzt genug und begeht Selbstmord. Doch sie landet in einer Art Zwischenwelt – in der Mitternachtsbibliothek. Dort trifft sie ihre Schulbibliothekarin wieder und darf alle ihre versäumten Leben nachholen und ausprobieren.

    Die Frage „Was wäre wenn …“ hat sich wohl schon jeder mal gestellt. Eine andere Entscheidung im Leben und es wäre ganz anders ausgegangen. Hier nun werden die verschiedenen Möglichkeiten aufgezeigt und man stellt fest: auch in der schönsten Vorstellung ist man oft dann wirklich nicht zufrieden. Immer ist da irgendein ein Stück, was nicht passt, nicht glücklich macht. Statt dessen sollte man aus dem, was man hat, das beste machen und da ist es egal, ob man Olympiasieger wird oder einfach nur glückliche Hausfrau. Es muss zu einem selbst passen. Ich finde das als sehr wichtig. Zufriedenheit mit dem eigenen Leben und die Unzufriedenheit mit Veränderungen ändern. Also rein inhaltlich gibt es für mich für das Buch die volle Punktzahl.
    Aber auch handwerklich: das Buch ist gut lesbar. Kurze Kapitel mit den verschiedenen Leben, kleineren Zwischenkommentaren. Auch mit vielen philosophischen Anregungen und Gedanken. Nachvollziehbar und allgemeinverständlich.
    Die siebte Zeugin

    Florian Schwiecker
    Die siebte Zeugin (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    21.01.2021

    Anders

    Nikolas Nölting, ein eigentlich unauffälliger Beamter, erschießt urplötzlich und scheinbar ohne Sinn in einer Bäckerei einen Mann und verletzt zwei weitere Personen. Er lässt sich widerstandslos festnehmen und geht ins Gefängnis. Dort schweigt er. Seine Frau versucht, einen Anwalt und Verteidiger zu finden. Mehr zufällig gerät sie an den Strafverteidiger Rocco Eberhardt. Doch auch dieser beißt im Gefängnis wie auf Granit, denn der Täter schweigt auch weiterhin. So ist die Verteidigung fast unmöglich.

    Das Buch ist anders als ein normaler Krimi. Man merkt, dass zwei absolute Fachleute aus dem Bereich Strafverteidigung beziehungsweise Rechtsmedizin die Autoren sind. In kurzen Kapiteln wird die Geschichte erzählt. Schon im letzten Buch von Michael Tsokos ging es um arabische Clans und auch hier spielen sie wieder eine Rolle. Anfangs fand ich das Buch ein wenig nüchtern. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich eher eine Art Protokoll lese, weniger ein Buch. Auch die Spannung war nicht sehr hoch. Doch im Verlaufe des Buches merkte ich auf einmal, wie ich immer mehr in den Bann dieser Geschichte gezogen wurde und wie ich auch immer mehr beim Lesen die Umgebung vergaß. Das ist auch der Grund, warum ich das Buch weiterempfehlen würde.
    Leichenblume

    Anne Mette Hancock
    Leichenblume (Buch)

    5 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern
    11.01.2021

    Super Start

    Heloise ist Journalistin und bekommt den Brief einer seit Jahren gesuchten Mörderin. Sie wundert sich vor allem, woher diese Frau Details aus ihrem Privatleben kennt. Gleichzeitig kann sie aber mit den Fragen nichts anfangen. Sie beginnt, über den alten Mordfall zu recherchieren. Dabei gerät sie selbst in Lebensgefahr und ihr neuer Freund hat auch eine Menge Geheimnisse vor ihr.

    Das Cover mit der touristischsten Sehenswürdigkeit von Dänemark sieht harmlos aus und täuscht über den Inhalt des Buches hinweg. Ich war überrascht über dieses Debüt. Zum einen gibt es zwei sehr gegensätzliche und ungewöhnliche Hauptfiguren, die aber sehr sympathisch rüberkommen. Zum anderen gibt es einen zum Teil sehr mysteriösen Fall und erst sehr weit am Ende des Buches werden die Zusammenhänge für den Leser klar. Das hat mir gut gefallen. Ebenso gut gefallen hat es mir, dass die Spannung fast ausschließlich im psychologischen Bereich lag. Das Buch kommt ohne große Action-Beschreibungen aus. Trotzdem ist es nicht langweilig, sondern im Gegenteil ein super Start in eine neue Reihe. Die angekündigte Fortsetzung werde ich auf jeden Fall lesen.
    Bären füttern verboten

    Rachel Elliott
    Bären füttern verboten (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    11.01.2021

    Gut lesbar

    Sydney ist 47 geworden. Doch statt ihren Geburtstag mit ihrer Lebensgefährtin zu verbringen, fährt sie nach St. Ives. Dort war sie das letzte Mal als Kind, denn dort ist ihre Mutter gestorben. Sidney ist ihr ganzes Leben lang Freerunnerin. Doch in St. Ives stürzt sie vom Dach und verletzt sich schwer. Maria findet sie, ruft den Krankenwagen und als Sidneys Freundin und ihr Vater in den Ort kommen, nimmt sie diese in ihre Wohnung auf. Ihr Mann ist damit gar nicht einverstanden. Anfangs auch ihre Tochter nicht, doch diese hat eigene Probleme.

    Mir fällt die Beurteilung des Buches etwas schwer. Ich war selbst in St. Ives und hatte gehofft, mehr von diesem interessanten Ort im Buch zu finden. Doch es hätte jeder andere Ort an der englischen Küste sein können. Schade, da wurde einiges an Potenzial vergeben.
    Das Buch selbst ist gut lesbar und man kommt flüssig vorwärts. Es ist in relativ kurze Kapitel unterteilt. Es geht um viele existenzielle Fragen im Leben, die hier mit entsprechend Tiefgang und trotzdem Leichtigkeit abgehandelt werden. Gar nichts damit anfangen konnte ich, dass sich Hunde unterhalten und ein Toter spricht. Für mich hätte das nicht sein müssen und ich fand es komplett überflüssig. Auf der anderen Seite fand ich die handelnden Personen überhaupt nicht skurril. Natürlich hatten sie teilweise einige Eigenheiten, doch diese fand ich eher liebenswert und größtenteils auch völlig verständlich, wenn man die Vorgeschichte kennt. Alles in allem würde ich das Buch zum Lesen weiterempfehlen.
    Teatime mit Lilibet

    Teatime mit Lilibet (Buch)

    3 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern Inaktiver Stern
    30.12.2020

    Blick hinter die Kulissen

    Marion Crawford, später Crowfie genannt, lebt in Edinburgh und macht eine Ausbildung als Lehrerin. Sie unterrichtet freiwillig in den schlimmsten Slums und hat sehr moderne Ansichten, was ihr Leben beziehungsweise das Leben der Frauen allgemein angeht. Von ihrer Ausbilderin empfohlen unterrichtet sie in den Ferien an einer exklusiven Schule für adlige Jungen. Von dort wird sie weiter empfohlen in das Königshaus, um die späteren Prinzessinnen Elisabeth und Margaret zu unterrichten. Sie ist offiziell die Gouvernante, arbeitet aber eher als Lehrerin. Sie plant, den beiden Kindern möglichst viel von der realen Welt und im Leben der Menschen zu zeigen. Doch mehr und mehr passiert ist, dass sie stattdessen ihr Leben an die sehr unreale Welt im Palast anpasst. Nach dem Krieg und dem Erwachsenwerden der Prinzessinnen ist der Abschied aus dem Palast eher kurz und ziemlich undankbar Marion gegenüber.

    Das Buch erzählt die Geschichte der real existierenden Gouvernante Marion Crawford. Anfangs hat es mich sehr interessiert und auch begeistert. Man erhielt einen Blick hinter die Kulissen, ohne durchs Schlüsselloch zu schauen. Große politische Ereignisse werden am Rande mit erwähnt, soweit sie die Interessen der beiden Kinder betreffen. Doch mehr und mehr erschien mir die Figur von Marion schlichtweg naiv. Gerade bezüglich ihrer Männerbekanntschaften hat sie so gut wie nichts dazugelernt und macht immer wieder den gleichen Fehler. Je länger sie für das Königshaus arbeitet, desto mehr vergisst sie, dass sie eigentlich eine bezahlte Angestellte ist. Natürlich ist das Vertrauensverhältnis zu einer Lehrerin etwas anderes als zu einer gewöhnlichen Angestellten zum Beispiel in der Küche oder als Chauffeur. Trotzdem bleibt sie eine Angestellte. Aber sie fühlt sich immer stärker wie die Mutter der Kinder. Das ist sie aber nicht. Im Verlaufe des Buches ließ mein Interesse dann nach. Das lag sicherlich auch daran, dass zum Beispiel die spätere Königin Elisabeth als leuchtende Engelsgestalt ohne Fehler schon als Kind bzw. Jugendliche dargestellt wurde, ihre Schwester Margret, die sicher im wahren Leben die wildere war, aber fast wie ein kleiner Teufel beschrieben wird. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die Autorin es sich nicht mit dem Königshaus und der amtierenden Queen verderben wollte. Auch das Nachwort erschien mir sehr einseitig. So wurden die Probleme in der späteren Beziehung ausschließlich dem Königshaus angelastet. Das hat mich nicht überzeugt. Alles in allem ein interessanter Blick hinter die Kulissen, für mich allerdings mit zu wenig Tiefgang und ohne größeren nachhaltigen Eindruck.
    Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid

    Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid (Buch)

    4 von 5 Sterne Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Aktiver Stern Inaktiver Stern
    30.12.2020

    Sperriger Titel

    Hannah ist Ende 20 und schreibt an ihrer Doktorarbeit. Doch sie kommt nicht so recht vorwärts. Sie hat keine Freunde, eigentlich fast kein Sozialleben. Einziges Familienmitglied ist ihre fast 100-jährige Großmutter Evelyn, die sie einmal in der Woche im Altersheim besucht. Doch der Besuch ist mehr Pflicht als Freude. Da findet sie eines Tages bei ihrer Großmutter ein Schreiben aus Israel von einer Anwaltskanzlei, die der Großmutter anbietet, verschollene Gemälde eines jüdischen Kunsthändlers, der zur Familie gehört, für sie zu suchen. Evelyn blockt alles ab, doch Hannah will sich der Suche annehmen.

    Der leider sehr sperrige Titel des Buches (obwohl das Buch ein sehr schönes Cover hat) erklärt sich zwar sehr bald als Titel eines der verschollenen Gemälde. Doch in meinen Augen suggeriert er einen anderen Inhalt des Buches. Von daher finde ich ihn leider nicht sehr gut ausgewählt. Denn das Buch an sich ist für mich überraschend gut. Es ist eine Familiengeschichte über vier Generationen hinweg, in der es in erster Linie um die Frauen und ihre teilweise falschen und richtigen Entscheidungen geht. Gleichzeitig geht es natürlich auch um Weltgeschichte, aber das spielt gar nicht im Vordergrund. Das Buch ist wirklich gut lesbar und vermeidet es, selbst am Ende hin in Kitsch und heile Welt abzudriften. Dadurch bekommt es einen Tiefgang, der die Geschichte aufwertet. Mir hat auch gefallen, dass es in dem Buch keine nur guten und bösen Charaktere gibt, dass oft auch eine Vorverurteilung vermieden wurde. Als Leser kann man so seine eigenen Entscheidungen treffen. Mir jedenfalls hat das Buch sehr gut gefallen.
    476 bis 500 von 904 Rezensionen
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